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Full text of "Die christliche Lehre von der Rechtfertigung und Versöhnung"

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FROM THE 
GRIC C. ROELL 
BOOK FUND 

STANFORD 

UNIVERSITY 

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BOOK FUND 



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^riftüd^c ßcl^rc 



Don bcr 



^edjtf etttgung imii Setjüliinutg 



bargcftcUt 



oon 



9(i]iud|t mtm 



güdtc titriefferte Vnflage. 

(grftcr Sanb. 
35ic ®cf(^i(]^tc bcr Seilte. 



Sonn, 

bei !(bo(p]^ SRarcu^. 
1882. 

... lA 



BT 




^a9 ^ücd^t bcr Ue6erfe(ung bleibt tiorbe^alten. 



%n» ker Soneke )itr erfieit Sbtftoge. 



@d ftnb faft brcifeig 3a^rc öcrfloffen, feit id§ im britten 
©cmcfter meinet atabemifd^cn ©tubiumä mir barüber flar toutbc, 
baß id^ für meine t^eologifd^c Sitbung bor Allem beS SSerftänb* 
niffc^ ber d^riftlid^en Sbee ber SSerfö^nung bebürfe. 3ci^ l^abe 
bamalö berfud^t, fpecielle Slnleitung ju biefemS^ede ju erl^alten; 
fie ipurbe mir nid^t in ber rid^tigen 3Beife ju 5^eit ; unb toie id^ jefet 
nad) jufammen^ängenber ©rforfd^ung ber neuern beutfd^en 2]f(eoIogie 
crfenne, burfte ic^ bamate nid§t ertüarten, erfolgreid^e Einleitung jur 
Söfung bed ^roblemd bon irgenb 3emanb ju empfangen. SReinem 
toiffenfd^aftlid^en ©treben tourben anbere ?luf gaben aufgebrängt; 
fo toie id^ fie für mid^ jum Äbfd^Iufe gebrad^t \)attt, l^abe id^ bie 
Jrage meiner Sugenb felbftänbig aufgenommen, ©eit 1857 l^abc 
i^, fo toeit nid^t ber SBed^fel ber amtlid^en 5ßflid^ten unb perfön* 
lic^e ©efd^idEe l^emmenb cintoirtten, birect unb inbirect meine Slrbeit 
auf bie Seigren bon ber Sted^tfertigung unb SBerföl^nung gerid^tet. 
SBad ic^ bon biefen ©tubien beröffenttid^t ^abt, ift bad ?ßrogramm 
de ira dei (SSonn 1859) unb fotgenbe Slb^anblungen in ben 
3af)rbüd^ern für beutfd^e S^l^eotogie: S)ie Sted^tfertigungölelire bed 
?tnbread Dftanber (1857. §eft 4), ©tubien über bie begriffe bon 
ber ©enugt^uung unb bem SSerbienfte S^rifti (1860. §eft 4), SDie 
äuöfagen über ben ^eiföioert^ beö 5;obe^ S^rifti im SReucn 
Xeftamente (1863. §eft 2. 3), ©efc^ic^ttic^e ©tubien jur c^rift- 



IV 

liefen Sc^tc Don ©ott, brct «rttlcl (1865. §cft 2. 1868. §cft 1. 2). 
3um Qto^dt bcr bogmatijd^en S)arftcllung jener Seigren l^ielt iä) 
cÄ jebod) für nöt^ig, bie (Sinfid^t in bic ganjc ©efd^id^te bcrfelbcn 
feit bem Segütnc be^ SKittcIalter^ ju gettJtnnen, unb in biejem 
©inne ^abe id^ baä öorliegenbc SSud^ gcjd^rieben. . . . 

©öttingcn, 17. ©cptembcr 1870. 



S^onebe ^nx jtoietteit Auflage« 

@g ift mir öcrgönnt, bic Seigre Don bcr SRcd^tfertigung unb 
SScrfö^nung jum xtoeitcn SWalc ^crau^jugcbcn. S)em öorlicgenbcn 
crften SSanbc ipcrbcn bcr jtocitc unb bcr britte in furjen griften 
nad^folgcn. 3n bcm crften Sanbe finb bic beibcn legten So^itel 
umgeftellt; unb neben einer SKcnge Heincrer SSeränbcrungen unb 
©rgänjungen, tocld^c Dorgenommen toorben finb, ift eine 9?eif)e öon 
Äbfd^nitten an öcrfd^iebenen ©teilen, tocld^c ben fünften 5:^eil bc§ 
®anjen auMad^en, neu aufgearbeitet toorben. ?lnla§ baju Ijabcn 
mir in jtüei gällen Slnbcrc gegeben, nämlic^ §err 5ßrofeffor §err- 
mann in SRarburg in §inftc^t bcr Seigre bcr griec^ifc^en SSäter 
t)on bcr (Sriöfung unb SBoQenbung bed äJ^cnfd^engefd^led^teS, unb 
§err ^rofeffor Sremer in ©reif^toalb in §infic^t bed Don Slnfelm 
öorgetragenen Segriff^ bcr ©enugtl^uung S^riftl gür bie öon 
Seiben empfangene fflelc^rung bin iä) aufri^tigft banibar. Uebrigenö 
finb mir für öcrfd^icbcne bcr neu gearbeiteten Slbfd^nittc meine 
fortgefefeten gorfd^ungen über ben ?ßieti8mu^ ju ®utc gelommen. 

©öttingen, 1. ©eptember 1882. 




I Cinleitttitg. 

1. SoB Itifina 

2. Sit &bt:<: von bcr SrlBfung bur(^ (Sgtiftufi in bei gtirc^i-- 
fättn ÄittSf 

3. Siltrnlut. Saut uiib 33i>tncr 

(Srfle& Sapttel. S^ic ^bcc bft ^eirfü^imng burc^ EEirtftuS bn 

SInfelm unb ttbötarb. 

4. 5)t( 8cl)« ?lii((Iin'e den bcr ©cnufltfjimnfl (Tlirifli 

5. »oitl^lunfl berfttbm. 5Bc9tiff bcä ißertien(lce IT^ciflt. , 
e. Vbaiarb'e 8e6cc von btc »{cfÖljnunB bcr eriDn&llcn hüxd) 

i S^lttuS. $(rglcid)ung iiuii'ibcrt StbKIarb unb Stnfi'lm. . ■ 

QmtiM SApitel. Ißie ^bcen bcr @enUQt^uiitig unb beä ^cv 
bifnftfS S^rtfti bei Xijomai von Mnuiiiuni unb Soljniincä 
^m^ Stotiig. 

7. Die StnttnäUtiQ btt llcbttliofi'mng buttft ^clviiS ü'um&nrbiis. 

8. Hie 3bccn bei Ibomaä unb bc« Ennä oon ®oii 

9. 3)ie iit^te beö lliomo« Don ber ©ennglfiuiing S&riftf. . . 

10. Scüilljciiunfl bcrfclbrti. «cgiiff be8 «ccbicn^tcä K^ri[(i. . 

11. Sie £(l)K bea 3)nnS uom ©crbicnftc E^rifli 

12. gorlfepung. 3)ic Snbliifitcil bcS Serbienttcä e&tifti. . . - 

13. SoriieBunQ. lic .'{utönigffil feiner Ocllung 

S)iittcä ßopitel. ©et ©cbanfe bet Wet^tfettigmig im WittcU 

alter. 

14. T^nmd über Qlnabe, ßere<^lutad)un|t, Scrbicnll 

16. ISicfelben öegriffi' bei Sunä unb bei ben 9!oininali(len. , 

16. aitolcfeni im aHitteloll« SSurdKugc beä refoniittlori(d)cn 
©ebonfcne ber SJci^tfcrtiguna ju ctionrle« (inb 

17, Set beiliflt SÖeniBnrb 

IB. Sic 'ffiijßit 

19. Sogenannte SIefonnatDtcn uoc ber 31e|aimatipii 

30. tai jjeuflnifi bct tBmi|!^=[Qtt)oliidieu ftiit^e fliv bic ©nnbc 

gtgai bi( 18eiWen(te. 



J 



VI 

eeite 

9}ierte§ Sapitcl. 2)er reformatorifd^e ©runbfa^ Don ber Stcd^t« 
ferttgung burd^ S^rtftui^ im @Iau6en. 

21. ^ie cigent^ümlic^ ISegren^ung biefed @^Tunbfa(ed 141 

22. SBic bic Slcfonnatorcn ben S3obcn bcr aUgcmeincn Äirc^c bc* 
Raupten 146 

28. ßutl^r*^ ®cbanfc t>on bcr ^Rechtfertigung bcr rcligiöfc Wcgu^ 

lator bed ftttlic^en ficbend bed ^iebergeborenen 158 

24. golgcrung für bic Sfuffaffung bcr SBufec 169 

26. Uebcrcinflimmung 3n)ingU'd mit Sutl^r 165 

26. ^ic ))raftifc^::rcltgidfc ^c^ic^ng bcr 9lc4tfcrtigung aud bcm 
®Iaubcn 174 

27. fie^rc fiut^er'd unb 9){cIanc^t^on*$ t)on bcr 9{cc^tfcrtigung 

unb bcr SBicbcrgcburt 185 

28. fic^rc Sut^cr'd unb SKcIanc^tl^on'd t>on bcr S3cfc^rung burc^ 
®cfc( unb (SDongciium. 198 

29. Scl^rc C^aftiin'd t)on bcr 9lc(^tfcrtigung burd^ C^^riftud im 
®Iaubcn. . 203 

80. !Bcr^Itni6 (Sabin'« )u ^clanc^tl^on unb fiutl^ im ))rafti« 
fc^cn S3cn)ugtfein bcr Slcd^tfcrtigung unb in bcr ^uffaffung 
bcr S3u6e 210 

Sunfted (Kapitel. S)ie $rtncipien ber reformatorifd^en Se^re 

Don ber SSerfö^nung im (9egenfa^e ju ber bed äRittel' 

altera unb jur ^uftification^Ie^re Ofianbcr'd. 

31. $cr Zob (S^rifH alS ftcKDcrtretcnbc @trafleiftung not^n^enbig 
gcmftft ®ottcÄ (äJerccfttigfcit 217 

32. 3)ic ©citung bicfcS ®cbanfcn« für 3wingli 224 

33. 3)ng aScrbicnft S^riftt nacft (Sabin'« a)arftcaung 227 

34. ^er Idbcnbc unb bcr t^ucnbc (^e^orfam (^^rifti 280 

35. 3)ic SuftificationSlc^rc bc« «nbrea« Ofianber 235 

36. S3curt^Iung bcrfclbcn 240 

37. @in»irfung Dfianbcr*« auf bic ßc^rwcifc bcr lut^rifc^en 
^otogen 247 

©ed^ftc« @)apite(. Z)ie ortl^obo^e Se^re ber Sut^eraner unb ber 

Sieformirten t>o\i ber ißerfö^nung unb Sted^tferttgung 

unb ber SBiberfprud^ be« gfauftu« @ocinu«. 
88. 2)ic 55cgrcnjung be« J^ema 256 

39. 3)tc 9?ot^wenbigfeit ber @traffati«factton e^rifti au« bcr 
IjabitucIIcn (Bcrcc^tigfeit ®otte« 264 

40. ^k S3cbcutung bc« t^ucnbcn @)c^rfam« ^^rifti neben hcm 
(eibcnbcn. $i«cator'« 9Bibcrf))rucJ^ bagegen 271 

41. 5I)ie (Soorbinatton bc« leibcnbcn unb bc« t^ucnbcn ©e^orfam« 
(S^rifti im begriffe ber ^cnugt^uung, unb bic @uborbina* 

tion jene« unter biefcn im begriffe be« Serbicnftc« d^^fti. 279 



vn 



43. ®if fie^rt non btt applicatio gratiae ober efßcacia meriti 

Chriflli. Slhmcicftaiifl licihcr Sonfcffioncn 291 

43. Xi« Umfang bei: ^cilSabfic^l eiinFti. ^biocidiiiiig bciber 
Confcfiionen. , 80B 

44. $ic 9li1cbnung bcc ^b« bcc aQi^cmcincn ^eriäbnung buri^ 
e^tiitud bei ben fiebertet ufern, änqfiilcm, Guaicm, So- 
dniancm. 314 

45. Sie Argumente beS gnuftuä Socinud gegen bie ort^obofe fiepte. 324 

46. Seurlfteilung berfelfien 399 

47. Stlfttn bei JCrmiiiiaiier 336 

Siebentes ßapitet. 33iE gerfcöiing &er Seiten oun ber SGer= 

fjJtinung imb JRfi^lffrtigung. 

48. 9RqfH( unb ^ietiSmuS gegen bie Se^re Don ber Bltd)tietti- 

Ignng aai bcm @tlauben 347 
49. Sie Srünbe bet tbeologift^en HufHflnmg in ber lut^eritt^en 
Birtiie 3)cuttd)lanba 363 
50. 3)ie (Eimpirlung Don aetbniB- — Eanj gegen Siftiel ... 878 
51. Ute einiotttung Bon SEBoIf 383 
62, seanet'ä Unlerfu^ung beS l^Nligen »cfiorfnmB Efirifti. . . 388 
63. S)a« Problem ber göllli^cn Strofen 397 
54. 9}egatiDe unb ;iofititie Deutung beS ^cilimtnt)ei beö Totxi 
C^rifti buri^ bie aiufllifntngät^eo logen 40B 
66. Die bnlborttiobojen ßegner ber Mnftlflning 419 
^te§ Sapttcl. SHciie Segrenjung be§ Problems bec Setfö£|' 
nung butd| ^ant; dtiicfging feiner @d|itlei au^ beu 
©taiibpmitt bet Sflufflniung. 
56. Tier Äegenfap Ranl'ä gegen bie ?(utt(nmng in ben 5ßoran*' 
jetiuiigen ber Serfä^ungeibee 429 
67. ftani'ä IriiiI4c Sprincipicn ber aHorol ol8 bogmcitiftfie. . . 438 
66. Xie Seiten von ber Sec^lftrligung unb Strafgeiiugl^uung 
in ßant'e p^ilofoti^ijc^cr SReligionälebre 446 

69. lieftrunt'« pratti(c^eä ^oftulat ber ^uföe&nng ber Sdjulb 

unb beffen t^ologifdie iSrgtiinbung 469 

flO. {Rättgnng bei ffloniianer auf twn ©lanbpunü ber StufHanmg. 470 

61. Se mttc'i Seunmg ber SSeriü&nungSle^re 478 

r SleunteS Sapilel. 3)ie ISctieuerung beg Slbälarb'fi^en Se^t^ 
^^K tQpug bur^ ©c^letermac^ct unb feine 9!n(^fDlgei. 

^^^fe 62. Xie %cbeuluiig @d|leiennai^er'3 für bie Geologie 484 

^^H 63. tit it)rifllid)e Sleligion alä bie Q)emeinf(baft ber (SriiJfung 

^" bun^ Sfiriftuä 489 

M. Sie Scljrc uon ber eiinbc unb uoui Ucbcl 496 

65. Sie Bc^rc uon ber erlbfung unb SBcifÖ^nunfl bur* C6ri(ni8. 510 
SqS Qer^ltntg btifeUen jur bogmatifi^en Ueberlieferung. 620 



vra 

@eite 

67. 2)ie Se^re t)on ber Sfted^tfertigung 681 

68. 2)te ^^ad^folger t)on Sc^Ieiermad^er 538 

gel^ntcd Sapttel. S)ie aSerfö^nungdibee in ber fpecuIatiDenSci^uIc. 

69. ©(Delling unb feine SlJad^foIgcr 660 

70. §egcl unb feine ißac^folger 677 

(E(fte^ Sapitel. S)cr Serlauf bed mobernen ^ietidmu^ 6i^ jur 

SleprifHnation ber lut^erifd^cn Drt^obojic. 

71. 2)eT Q^raltcT bed mobernen $ietidntud im Unterfci^iebe üom 
altem 588 

72. 2)ie SSerfd^nungdle^re bei ben frü^flen Sertretem bed mober= 

nen ^ietidmuS 600 

78. 3)ie »engel'fc^e ©c^ule 606 

74. 3)er ©cbanfe ber ©traffati«faction (J^rtfti in ber S3cngerf(^ 

©d^ule 628 

76. ^ie mobeme (utl^rifc^e Ort^obo^ie 632 

76. JRefuItate unb Probleme 647 

«egifier 664 



Sßad^trag jum Stegtfter. 

2)und eeotud, 61. 64. 78. 96. 228. 820. 400. 428. 



(Einleitung. 



"Bie ^riftli^c fiepte uun bct iHe^tfettigimg iiiiö i'etföfinuiin, 
d^e i(f( bar^inftetlen utitcrne£)me, bilbet bic ÜJüttc bciS tlieo^ 
logiicficn ©^ftemS. "Sieic SSu'Eiingen Scju Ütjriftt auf bic 
als ©ünbct üornitSgefeßtcn äScnfc^cn becfen fii^ mit bcr SJot' 
fleUimg Don bet ©rünbiing ber ©cmeiiibe bur^ (Jfinftu^ unb 
iftccr Srfiüüung in feiner Straft. 35eiiii inbem ©ünbet gEi:c{^t= 
gcfprodicn unb mit öott berfö[)nt lucrben. finb fic jii bcr 9(digionä= 
flcmeinbe l£()tifH umgebilbet ; unb bie ©cmeinbe alö ©anäcä l)Qt 
i^tc eiflcnt^umlic^e 3irt baran, ba^ fic unb Ü}tx ©lieber, wenn 
an(^ no^ mit Sünbe öeliaftet, baö ^ict^t beä 3wttitteä ju ©ott 
bcfi^r. „3n Weither Sliriftcn^tit. fügt Sut^er im Steinen 
Änle(^iömud, Qioü mir unb allen ®(äu6igen täfllicö alle ©ünbc 
rcit^lic^ netflicbt." 3)ie fl)fiematif(^c ^tjeologie nun tjat bte bcr 
(l^riftlic^en JHcligion juftel)eiibe Slnfdjauung ber SJclt unb bcÄ 
menfc^Üc^cn 2c6cnä unter bem ©efirf)tfipunKe ber üoUcnbetcn 
unb crfc^öpfenbcn Offenbarung ©otteS in 6[)ttftuö ju beuten, 
unb ben richtigen SiM'intmen^ang il)rer ©lieber olä nottiracuhifl 
HU crnärcn inScsictjung auf benÖcfianb ber c^riftlicöen @cmein= 
ff^oft unb auf beren Q\tl, ba% ciutgc Scbcn im iReidie ©otteS. 
S)ic f^flcmatifdjc 3;f(cüIo9ie unterfc^cibct fic^ I)terin uon aller ge= 
f(t|ic^tli(f)en ©rfcnntntl, roclc^c fic in i^rcn ^ienft nimmt, babnrd). 
b(i6 alle i^re Sößc alä giltig für bic Oegenwnrt cntniorfcn, alfu 
gnuiffcrmafecn auf einer 9faumfläd)c aufgetragen toctbcn. 3i! bicfcr 
gönn toirb cä ?iuglcicö möglich, bic Seäieljungcn ber öulllommenen 
Offenbarung ©otteä alä cioigc, fic^ ftetä glei^ blcibenbc S8eftim= 
mungen feinet SSillcnö ^u begreifen. Sie ferner bic 3:^cDlogie 
über^upt nur im S)ienfte bcr rcligiufcn ©cmeinfc^aft be« S^tifteii= 
t^um» benfbat ift, fo ift bie fljftcmatifdjc lljcologie barauf 0»= 
I. 1 



getoiefen, auö ber Offenbarung ©otteö in 6f)riftu§, unb unter ber 
SJorau^fc^ung, ha% bie SDZenfi^cn, an bic fic fi^ iDcnbet, ©ünbcr 
finb, bie (Sntfte^ung unb ben SScftanb ber d^riftli^cn ©emeinbe ju 
erflären, um barau^ bie Drbnung be^ religiöfen unb beö fittlid^en 
ßcbcnS il^rer ©lieber abjuleiten, iDeld^c bem 3icle be^ ücr^eigencn 
ctoigen Sebenö entfprid^t. gällt alfo bic ©rünbung ber ©emeinbc 
burd^ ß^riftuS unb bie SRe^tfertigung toie SSerfö^nung t)on ©ün- 
bcm jufammcn, fo bilbet bie Deutung biefcr SBirfungen S^rifti 
bic SDWtte eineö rid^tig angelegten ©^ftcrn^ ber 3;t)eoIogie. 

SlUerbingS ift bie ^Reihenfolge ber beibcn begriffe ungetoö^n- 
Ixä). 5IÄan ertoartet fie in ber umgef ehrten Drbnung : SSerfö^nung 
unb Sied^tfcrtigung aufgefül^rt ju fe^en, inbcm man an SSerfö^nung 
®otte^ burd^ ß^riftuö unb bemgemäfe an Slc^tfcrtigung Oon 
©ünbem burd^ i^n benft. 5)aS ift ja namentlid^ bie 9D?einung 
in ber auö ber Sieformation cntfprungencn burd^SKeland^t^on auö^ 
geprägten X^cologie. 3n bcrcn 3ntcrcffc fann ferner baran erinnert 
tocrbcn, bafe aud^ bic 2:i^coIogic bcS SKittelaltcr^ ßombinationcn 
barbictet, tocld^c in ber näd^ftcn Analogie ju bem reformatorifd^cn 
ßc^rtitel ftcl^cn. 3cbod^ läuft burd^ bic Sal^r^unbcrte abenb== 
länbifc^er S^l^cologic banebcn aud^ eine Ueberlicferung entgegen« 
gefegter Art, toeld^e öftere abgeriffen, immer toieber jum SSorfd^ein 
fomml 3)er Sitel: JRcd^tfertigung unb SSerföl^nung l^at ben 
@inn, bafe bie rid^tige ©orftcUung ber ©ad^c in ber Sinie gebadet 
ift tocld^c bic 3lnnal^mc einer Umftimmung ®otte§ burd^ ß^riftuS 
öon Qom ju ®nabe au^fd^ücfet. 2)ie öorgefc^Iagcnc Siei^enfolgc 
ber bcibcn öcgriffc ift aber nid^t toilßürlid^ erfunben, fonbcm 
rid^tct fid^ nad^ bcm ®ebanfengang, tocld^en $aulug 9löm. 5, 1—11 
nimmt. §icr tritt bic SSorftcßung öon SScrfö^nung ber ©ünbcr 
mit ®ott ate ©^non^mon ber Sicd^tfcrtigung ober ©crcd^tfprcd^ung 
auf. Sine Äbnjcid^ung jnjifd^cn bcibcn ift ^öd&ften« barin ju cr^ 
fenncn, bafe SSerfö^nung einen üoBcrcn ©inn au^brüdtt ate ®cred^t== 
fpred^ung. Slfö eöangelifc^er 3;^coIog ift man nun bered^tigt, 
^araftcriftifd^e ©cbanfen öon Slpoftcln, bic bi^l^cr unbenufet ge- 
blieben finb, in ©cbraud^ ju fefecn, aud^ ttjcnn baburd^ bic über* 
lieferte 2lrt ber S^cologic bic ßumutl^ung erfährt fi^ reformiren 
}u laffen. 3n bem öorlicgcnbcn gaBc aber ift jugleid^ ju con* 
ftatircn, bafe bie bcabftd^tigte Umarbeitung ber H^cologic in bcm 
borliegenbcn ßc^rtitcl aud^ burd^ Ueberlicferung untcrftüfet toirb, 
unb baß ber Icitcnbe ®eftc^t«punft babei ber Ift, f otoo^I ben ©a^ 





1 



t bcrJWedjtfcrliginig biird) ben (^laubni, oli aud) bic i-cformti= 
Viorijc^e 3>eutira9 ter Äitclic alä öcmcinbc bcr Oläubigen ^ii 
wllnn 9{ed)te ju bringen. 

3. Sie SBegtiffe Sicc^tfertiiiuni} unb SJcrfötjniing, m njcWjet 
IrilKnfoIgc iiiib in lueli^cni Sinne fte üfitigenS bcrftanben werben 
fÄfigcn, finb Sigentt)iim ber abenblni!bi(ct)eii fiit(i)e. 9in ber 
morgen lärtbi[ii)Cit ober gricdjiidjen ftirc^e finb fte fo gut wie un= 
Müiiiit. Iieedalü faiin aud) bic @e(d)ii^te jener unb ber nä(^ft 
Deimanblcn ©egriffc erft mit bcin ajüttclaltcr begiitncii. 9fur 
cinleitungetoeiie foU auf bicjcnigcn nndogen ü6er Bcricf)icbatartigcH 
©cbantenbitbuiigen Dertniejen rocrhcn, roelrfjc in bcr grifc^ij^en 
Hirc^e Quftteten, unb bei bencn biefclbe ftel)en geblieben i(t, o^ne 
}idl OUT bie tfteologifc^e 9lr()eit bcr Sateiner cinsulaffc». ©in 
S)inberni§. bicjc bemfflegriff ber SBeriö^nung analogen ©cbanfcn: 
reiben ber gric(^i{c^cn ^äter ju erfcnnc», liegt in ber über 
bic fciäbcrige Eogmcngcic^idjtc ausgebreiteten ?Inu(it)ine, baft bic 
©lädt bet tjeutigen "Bogmotit nad) einouber in ben ttjeologifd) 
probuctioen Spoe^en ju Stanbc gebradjt Tuorbcn feien. 'Eanad) 
hätte bie griet^iidic 'Jt)cologie bie £el)ven bon bcr Xrinität unb 
bcr ^en'pn Sttrifti, bie abcnblänbifd)e Xljcologie in ber ^erfon 
iluciuftin''5 bic 9IntftrD)3oIogie in bem ©egcnfa^ »on ©ünbc unb 
t^nnbe. bie 'Jljeologic bcr Mcfünnafiou bic £c£)rc vom SSerK' 
&iu)ti unb bef(en fubjectiuer 9lneignung feftgeftellt. 3"9l^'<^ 
baben einige Geologen bcr ©cgeiiwart, rocidjc bieje Stnfit^t »er= 
treten, gemeint, baii unicrcv Gt3tiri)e bie geftftcHung beä Scgriffä 
bcr Äir^c übertragen fei ; roaä nur biäfjer nie^t ^ur Sluäfü^rung 
gtlommen unb roais auc^ iibcrflufyig ift. 1)iefe 'J'iefjofitipn bcr 
T^ogmeugefc^i^te fann jcboc^ bei einet aufmcrtfamcn ßefung bcr 
Cudlen nic^t bcftcf)at; ftc ift üictincEjr nur ber Sluäbtud bafür, 
büß man ben f4ebrauc^ ber Urhinbcn iiaiii einem gtunblofen 
Surnn^I cinfi^räntt. 3n aSnljrtjeit niirb in jcber theologifrf) 
fruchtbaren (fpocftc ber d)riftlid)eu Sirf^e ba3 gan^e Gt)riflcnt&um 
unter bcm ©efirfjt^tiunf' fonnulirf, bafe t^ bie erftrcbte ®cliglcit 
bcgrünbet. XcingemoB ^aben bie SemüEjungen ber grict^ifc^cn 
Süter um bie letjr^affc Sruäprogung bcr ßf)rifto[ogie nid)t ben 
Sinn, ein einselnc« ^oblem für bic jutünftigc proteftantifdie 
liogmatil ju löjen; uiefme^r füll in bet Sertljbeftimmmig ber 
©ottticit Stjrifli bcr ganje Umfang bcr 5Rcligton erft^Öpft iDcrben, 



in ttjcld^et man ba^ ^öd^ftc ®ut ber Unüergänglic^feit ju crrcid^cn 
glaubte *). Kur in bicfcr 6om6ination öcrftanbcn \)at baS Noblem 
unb ber fiel^rjafe t)on ber ©ott^eit beS fiogog in ber ^ißerfon 
©l^rifti bie Söebeutung einer religiöfen, praftifd^en SBa^rl^eit. fflifo 
n)enn aud^ in ben polemifd^en ©d^riften bed Slt^anafiud gegen 
bie Slrianer bie SSeftimntung ber in ©ünbe unb %ob Verfallenen 
SRenfd^^eit jur Unöergänglid^feit nur aU ©rtenntnifegrunb obe? 
SetoeiSmittel für bie ®otti)txt S^rifti auftritt, fo folgt baraud 
nid^t, baß biefer ^auptfa^ aufeerl^alB ber ©esiel^ung auf ben ®e^ 
banfen be$ l^öd^ften ®uted für bie Sl^riften gebadet n^erben foE 
ober fann. 

^iefe Kombination nun, bag S^riftud als ber göttlid^e fiogod 
ben SKenfc^en, bie ju i^m gehören ober il^m fid^ aufd^Iiefeen, bie 
Unüergänglid^feit Vermittelt ober fie in il^nen betoirft, ift bie 
®ebantenreil^e in ber griec^if d^en Äiri^e, ttjeld^e in 3lnaIogie ju ben 
SBirfungen ber SSerfö^nung unb SRed^tfertigung ftel^t. 3m Unter* 
fd^iebe t)on biefen Gegriffen tonn man jene ®eban!enreil^e unter 
ben Sitel t)on ©rlöfung unb SSoUenbung ber in ©unbe 
unb UnöoIIfommenl^eit berfaBenen SRenfd^cn bringen. 5)ie Söilbung 
biefer fie^re öerläuft in jtoei ©tufen, inbcm juerft bie einjelncn 
SÄenfdEien, banad^ bie menfd^Iid^e 9iatur im ©anjen ate Dbject 
jener SBirfungen ©l^rifti gefegt toirb. ®ie ©ruppe ber Äirc^en* 
leerer, toeld^ bie erftc Änfid^t befolgen, beftel^t auS Suftinud, 
Siemens öon SUejanbrien, DrigeneS, 3renäuS, ^ippoI^tuS. 5)ie 
anbere ®ruppe befte^t auS 3lt^anafiuS, ®regor t)on $W^ffa, ß^rilluS 
öon ?llejanbrien unb ben 9iad^f olgern. ©emeinfd^aftlic^ beftimmen 
fie 8lBe al8 baS ßiel, njoju S^riftuS als ®ott für bie SKenfd^en 
ttjirifam ift, bie Unftcrblic^feit (dqp^^aia); unb ba biefe baS 
toefentlid^e Slttribut ©otteS im ®egenfa^ jur Schöpfung ift, fo 
xoixb baS im Sl^rifientl^um bargebotene l^öd^fte ®ut aud^ als 
SSergottung {d^eonoitjaig) bejeid^net. 

5)ie erfte ®ruppe ber Äird^enlel^rer mad^t aber bie SSer^^ 
lei^ung ber Unfterblid^feit fo t)on S^riftuS abl^ängig, bafe er alS 
Se^rer ber ©ebote ©otteS in feinen ©laubigen bie Äraft ertoedEt, 
ben ©e^orfam gegen biejelben ju üben, unb als Slid^tcr bie Un* 
fterblid^feit als ßo^n bafür ertl^eilt. 3iad^ SuftinuS ift bie 



1) ^gl. meine ^^. lieber bie SRet^obe ber alteren S)ogmengefc^i(l^te, 
in Sa^rb. ffir beutfc^e X^oL XYI. (1871) @. 198. 



BflC uon Öott .iiiiii Smä»: bcr aJicnfcljcii äclc^nffcn. Sic jeltft 

■«Jinlii^ fiiib geic^öffcii iDorben. bamit, luetm fte fi^ biitf^ ffijerfe 

fe<T Slfific^t iSuttcs IBÜrbig äcigtcii, fic ^u &*i^ ©emeinjc^aft mit 

<®ott in öcr ."perric^aft übet bie SBelt, jur Unfter&Itc^Mt unb 

S?nl»enlDfigIeil erhoben roütbcii. ©aju fiiib fie mit grei^cit qii8= 

Qcrflftrt unb rocrbcn biitc^ bie göttttdöc 5?cniuiift, bcn ßogofi an= 

fieirttet, an roelcfiem büä 3Jien[i^enge[(^lc(^t Xtjeil ^ot. SRenft^cn 

ttric ©ohateS finb ber Seiueiä bafür, bofi uud) Por Ef)ri^lue bcr 

'%ctfu(^ tncgltc^ war, bie 3Qa[)rt)cit i;ii crfeimeit iinb in einem 

flWtificn SKafte ou*3iifü()rEn. 1)iefcr ®ebaii[entcil)c ficht nun 

irciltdi mit öoßcm Ocroidft bie anbete gegenüber. ba& bie aJicnfdjcn 

iömmtlit^ raie SIbam unb Soa ft(^ fclbft ben Job fcfiflffcn, unb, 

inbcm fie fid) miitbig machen fofltcn, ©öljiic (Motte* ju ^ciSen, 

iic^ bicjeltie Betbnmmnife iusie^cn, loic bie Stammältetn. ß^riftiiS 

ober, in wclctiem bie gunjc *3Jetnunft ©otfe* aRcnfd) rourbe, ift 

im Stünbe, bie 33eränbcrinig iiitb 3iiriictfül)run(j (öUayjj xai 

i:xfivaytoy^) beö 3)(cni(^enge[(^le(^tÄ ju feinet iitfptüngücijen Sc= 

ftimmunci ,iii bcnitrfcn, inbem et aH Sel)ter ben ®Iaubcn an fit^ 

unb ben (yoEjorfam gegen fein neucä 0cfeß eiiucifc, unb bei feinet 

SBiebetfiinft, menn bie Qa^l betet Doü gemorbcn iff, üon benen 

rr lüeiß, baß fie gut fein unb tiigeiibliaft leben lüetben, benfclben 

ben 2i)f)n ber Unfterblid)!eit äuroeifcn, bie anbete« aber in croige 

SSetbammnife fturjen roirb'). äfiaii möd)te sroeifeln, ob Slemen« 

»on Äle^anbrien mit jSuftin üufommcngcliört. S)enn bie @t= 

^—.rcic^ung beS 3'*'*^ ^^ Unfterblid)fcit ober ©ottlieit but^ bie 

^LMnt{(^at macf)t et gelegcntlid) fo tton ber menfc^lic^en ISrfi^einung 

^Hpft fiogoä in G^^^Hug abhängig, als »enn baä g^iiftenttjum 

^Hfuu^ beni SJotbilbe eine* 2KgfteticncuItu§ ju »etftefieii fei. Gfjriftuä 

wäw ber gadelträger, ber ben UinjulDeihenben burc^ bie §immel 

SU ©Ott fiifirt, unb il)n ®Dtt fc^aucn läßt, ber butc^ bie 6tleud|' 

tung ben einjuroriijenben beficgelt, ifjn bot (Sott barfteüt al8 

bcn @Iäubi()en, nm iE]ii in Sraigteit ,^ti benialiten, bem bet fiogoS 

fitft gatij fc^entt, unb bamit bie UiiüctgängÜtliEeit Detlei^t. Unb 

bas iDÜrbc fic^ roeiter(|in bnrd) baS Slbenbma^I »ermitteln; benn 

baS IBtut 3cfu trinten ift bie ?:i)eilnal)ine an ber ütp&aeaia*). 



1) Apol. I. 10; 11. 10; Dial. c. Tr. 124. 88. Äpol. I. 23. 13. 
ua. 46. 

2) Protrept, 13, 120. Paedag. II. 2, 19. III. I, 2. 



(5 

3iibcffeu Ijat Slcmcn^ biefc ©cbanfcnrei^e nur flclegcutlid^ gebilbet; 
er ffmbigt nur biefc 3KetI)obe ber Äuffaffung beö G^riftcnt^umd 
an, iDeld^e t)orI)er öiclleid^t j^on in ber älteften Spoc^c ber ®c* 
meinbe ju Äorintl^, banad^ bei ©noftifeni anflingt r\a6) loeld^ 
fi^ au(| allmä^lid^ in ber ©title bie ?lu^prägung beä Sultud 
in ber gried^ifd^en Äird^e rid^tet, unb toeld^e erft fpätcr auf bic 
Se^re ©nflufe getoinnt. 9SorI)errfd^enb ift bod^ bie Änftd^t bc8 
Siemens banad^ bemefjen, ba§ bie praftifd^e ^^ilofop^ie ber Ätt* 
gemeinbegriff ift, unter iDel^en bad S^riftenttjum tritt. S)emgemcl§ 
t)erftet)t er ben 9D?enfd^ genjorbenen Sogod junäd&ft afö ben Seigrer 
bed rid^tigen gefegmägigen Seben^, banad^ afö benjenigcn, toddftt 
baS unüergänglid^e Seben ben SSSürbigen üerleil^t. Qu bicfcr 
moralifd^en Anregung ber grei^eit, bereu rid^tige Uebung bieSBc* 
bingung für bie Unüergänglid^feit ift, toerben aud^ bie m^ftifd^cn 
gormein umgebogen. S5aö @ffen unb Sprinten beS göttlich 
SogoÄ ift bie ©rfenntnife be^ göttlid^en SBcfcnS, fein rcinigcnbcd 
Slut ift feine Seigre. 3)ie ©rlöfung unb SSoIIenbung ber 3Äenf(^ 
ju ©Ottern burd^ ß^riftuö t)at alfo SIemcnö nid^t anber^ Vermittelt 
gebadet als 3uftin *). ©iefelbc ®eban!enrei^c ift aud^ ma§* 
gebenb für OrigcneS. 5)enn njenn aud^ feine Sicutung ber ©> 
löfung t)on ben SKäd^ten beS Sööfen nod^ unter eigentpmlid^ 
Söebingungen tritt, ttjeld^e fpäter öorjutragen finb, fo ift bod^ aud^ 
i^m bie üolle ©ott^eit beS SogoS in S^riftuS barum ein notl^ 
toenbiger ©ebanfe, njeil ol^ne biefeS nid^t bie üottc ©rfenntniß 
©otteg unb feinet ®efefeeS möglid^ unb S^riftuS nid^t ali ber 
Sel)rer qualificirt ift. 2Ud folc^er leitet er ju ber ©rfüUung be« 
göttlid^en ®efe^eS an, in golge bereu bie SÄenfc^en ju ®öttem 
erl^oben njerben"). 3renäuS beantnjortet ganj beutlid^ bic 
^age: cur deus homo ba^in, bag ber @o^n ®otted barum 
9D?enfd^enfo^n getoorben ift, toeil toir nid^t anberS bie Unöcrgäng« 
lid^feit erreid^en fonnten, al§ Ujenn U)ir mit bem Sn^aber berfelben 
vereinigt Ujurben. 5)enn erft finb xoxx SKenfd^en, jum ©d^üiß 
©Otter; S^riftuS aber \)at unS ba£)in üollenbet, toaS er felbft ttKir, 
inbem er auö ßiebe baS njurbe, roa^ njir finb. Unb jttjar bur^ 



1) Protrept. 1, 7; Strom. V. 11, 67; Fragm. in 1. ep. loh.; 
Strom. VI. 12, 96; 14, 114; VII. 2, 8. 

2) ^qI ^. 84ul^, 53)tc (S^riftologic bed Origencd im 3ufammeiu 
f^angc feiner $3c(tanfc^auung. gn ^a^xb. für proteft. ^^ol. I. 



feine ®eburt ate äRenfd^ Verbürgt ba§ ctoige SBort (Sottet bic 
Srbfd^aft bcö ßebcn^ für bie, toeldie in ber natürlid^cn ©cburt 
ben Zob geerbt l^aben. ®iefc gormcin fd^cinen ba^ Dbject ber 
©rlöfung unb SSoBenbung anber^ ju beftimmen, afö e^ in ben 
Äeu^erungen ber Snberen Vorliegt. S)ic SKcnfd^en, njeld^e öon 
E^riftuö ^eil^toirfung empfangen, fc^einen als bie natürlid^e 
©efd^Iec^tSein^eit begriffen ju fein. Snbeffen in präcifer SBeife 
unb im ©cgcnfafe ju ben einjelnen SKenfd^en ift baS nid^t gebadet, 
©onft würbe 3renäuö nid^t an l^erüorragenber ©teße an ben 
leitcnben ®eban!en bic mit ben Slnberen übereinftimmenbe SJor* 
ftellung fnfipfcn, baß ©^riftuS afe unfer ße^rer bic üottc ®r^ 
fenntnife ©otteS mitt^eilt, bamit tt)ir aU Siad^a^mer feiner SBerfe 
unb Äuöffil^rer feiner Gebote bie öoUenbenbe ©emeinfc^aft mit 
il^m eingel^en tonnten. 9iac^ ber SSeränberung, toeld^e bie Se^rc 
atebalb erfahren toirb, finb ttjir geneigt ju urt^eilen, ba§ bie 
SSoüenbung beS menfc^Iid^en ©efd^Ied^tS burd^ bie menfd^ßd^e 
©cburt beS ßogoS unb bie öebeutung ß^rifti oIS Sel^rerS nid|t 
in ©ontinuität mit einanber fielen. SrenäuS aber ^at biefe ®e^ 
banfen nod^ in gleid^er ^öl^enlage bel^auptet tueil er unter bem 
9Kenfd^engefd^Iec^t, n)eI(^eS burd^ bic ®eburt beS fiogod üeränbert 
ttjirb, cigentlid^ bod^ bie einjelnen ©Triften öerfte^t, toeld^e bie 
Selel^rung ß^rifti annehmen unb befolgen*). ®o tocnigftenö ift 
3renäuÄ öon bemienigen üerftanben toorben, njeld^er i^m am 
näd^ften fte^t, nämlid^ §ippoI^tuö. 3)erfelbe erfennt bie Söe* 
beutung ß^rifti in ber beS ßel^rerS unb ©efefegeberS, legt beSl^alb 
melmel^r baS ©etoid^t auf bie äRenfd^^eit bed Sogod als auf 
bie ©ott^eit be« SRenfd^en ß^riftug. ei^riftug mufete ate ber 
Sogo§ 9Renfd& fein, njeil er fonft üergeblid^ bie SRad^al^mung 
feinet ßebenö gebieten toürbe. 3lber eben tocil er baS en)ige SBort 
@otted ift Verbürgt er benen, toeld^e bon i^m bie Srfenntniß 
®otteö annehmen unb red^teö fieben führen, bie Unfterblid^feit 
unb bie SSergottuiig {oti i&aonoiri^rig a^avaxog yevrj^eig). „5)enn 
®ott toirb nid^t baburd^ arm, bafe er bid^ ju ®ott mad^t gu feiner 
6^re"*). @S ergiebt fid^, ba§ ber lefete ©d^riftfteHer" biefer 
®ruppe am unumnjunbenften mit bem erften, nämlid^ mit 3uftin 
fibereinftimmt. 



1) Contra haer. III. 19, 1; IV. 88, 4; V. praef. 1, 1. 3. 

2) Omn. haer. Confut. X. 84. 



8 

S)icjc ©d^riftftctler rcpräfentiren bic altfatl^olifd^c @pod^c bcr 
Ätrd^c unb i^rer Sc^rBilbung. 3nbem bic praftifd^c Sluffaffung bcÄ 
S^riftcnt^umÄ afö neuen ®efe^e^ int SSorbcrgrunbe fielet, toitb 
foujol^l bie SBertl^jd^äfeung ß^rifti a\^ bcr mcnjd^Iid^ « pcrjönltd^cn 
abfd^üe^cnben Offenbarung auf bcn 2:itcl bcS ©cfcfelcl^rcrÄ l^tnauö* 
gcfül^rt, al^ auc^ bic crlöfcnbc unb üollcnbcnbc SBirfung be^* 
felbcn auf bic äKenfci^cn öon bcrcn freinjilligcr Erfüllung bcS ®e« 
fc^cS abhängig gcmad^t. ^t^anafiud beginnt eine neue tl^eologtfci^e 
9flci^e, inbem er biefem Sntereffe ber ©ejefecrfüllung eine anbcrc 
Scgrünbung ber ®rlöfungöle^rc üoranftcKt. S)eren SScrtrctcr 
bcäcid^ncn bie gried^ifd^^tatl^olifd^c Spoc^c ber Äird^c unb X^cologie. 
3)ic leitenbe S)arftcIIung bietet bar ber loyog negi r^g evard-gto- 
7tijo€(og %ov Xöyov beö 3ltl^anafiu^, njeld^er t)or bcm ?ludbru(^ 
be§ 3Irianifd^en ©treite^ öerf afet ift^). 3)iefe ©d^rift ift barum fo 
bebeutenb, njeil fte bie erfte toirflid^ f^ftentatifd^e ?lu8fü^rung bc8 
©ebantenö ber Sriöfung unb SSoIIenbung be^ menfd^Iid^en ®c* 
fc^Ied^teS ift. ©Qftematifd^ nämlid^ ift baS SSerfa^ren, in ttjeld^em 
?[t]^anaftu8 bie fieiftungen beö incamirten SBorte^ ©otted mit 
ber urfprünglid^en SSeftimmung beS burd^ baffelbe SBort gefd^affcnen 
unb begnabeten SKenfd^engefd^led^t^ öergleid^t. 3nbent ber STOenfd^ 
au8 9iic^t§ gefd^affen ift, fo ift er fterblid^ gefd^affen, ttjie alled 
Uebrige. Slttein inbem i^n ®ott t)or ben übrigen ©efd^öpfen be* 
öorjugen ttjollte, f)at er il^n nad^ feinem @benbilbe gemad^t, il^m öon 
feinem eigenen fiogo^ mitget^eilt, bamit bie SÄenfd^en al§ SSemunffc' 
toefen in ©eligfeit au^bauern möd^ten, inbem fte ba^ njirfltd^e Seben 
ber§eiligen führten. Diefe öeftimmung ber dgj^^cna alfo ift SBir^ 
fung ber ®nabe (Sottet an biefem beüorjugten ©efc^öpf. 3nbem aber 

1) »aur, SSerföl^nungöIcI^re ®. 94. 99. 111 brücft 8tt)cifcl an bcr 
5(c(^t^cit bicfcr Schrift au8, unb l^at in bcr ficl^rc üon bcr 3)rciciniöfclt 
I. S. 395 ff. feinen ©cbrau^ bon il^r ^uv SBeftimmunö bcr fid^rwcifc bc* 
^ttl^anafiug gemacht. Slllcrbing« fmb 3*^^^^^ on bcr §tc^t^cit erl^obcn »ors 
ben, wie [tdj aud ber ^enebictineraudgabc bcd ^ttl^anaftud bon 1698 unb au9 
Cave, Scriptorum eccl. hist. lit. p. 122 crgiebt. Mein biefelbcn ftnb 
unerl^eblic^. hingegen ift eine @4rift mit A^n liebem Xitel unb bon geringerem 
Umfang mgl t^s aagxtoaeüjs rov d-tov Xoyov bcm ^t^naftud beigelegt 
toorben, welche uielmel^r bem ^oKinarid uon fiaobicea angehört. 9SgI. 
Äur^, fie^rb. bcr Äir^enge](^id|tc (8.«ufl.) I. §47, 6. «u8 »aur, fie^re 
bon bcr 3)reicinigfcit I, @. 587 9(nm. möd^tc ic^ fd^licfeen, bafe er bcn 
bercd^tigten 3^cifc^ ßege« biefe ©d^rift irriger SBcife auc^ auf bcn Xoyos 
mg^ T^f Ivav&gtonriaetos rov loyov belogen fyit 




_mU ferner bie bDUpcLieitigc^rciitcit bcr 'HJciifi^eii iii'Sctmc^t ^og, 

5fl( Cr tftncn bic @nabc fidjcr ftcflcti IödUcii burcf) Srttjeiliuig ctitcä 

®*fe5<^, bamit wcmi [ie bkfJJnabc fcftljicltcii inib gut (iliebctt, fk 

im ^orabiefc baä it^meri= unb scfnljtloic üebcii uub bic (Scmife^eit 

bct tteröeifeenfn Unwcrgänglirtitcit im ,'giinmel tiättcn, wenn fie aber 

bntc^ Uebcrtrctuiig iinbjlbfallfc^let^tlüürbcii, i£)ncn Hör fei, ha^ fie 

il)K natuigemäge 2!crgQiigli(^!eit im Zoi crfaljrcii, imb aufter^alb 

IfS $aTabtefe& ftetbenb im Xobe iiiib Utitcrgaitg bleiben roiirberu 

ffititn alfo bie aRenf(^cn ifjre @[eicl)t)eit mit®ott beroaftrt tiätteii, 

fo Ratten fie iftre notürlit^e ^ßcrgcinglidjfeit abgcfttimpft mib voären 

unOcrgöiiglic^ geMiebeii, Ratten gelebt loic ®ott. Surcft hie Uebec= 

tiTlung bcS Gebotes aber fiiib bie 3)?cntt^cii jii iljrer natitrgemäfecu 

Sergängtidilett äiirücfgefefirt, bnmit, wie fie qu§ 9!icf|t5 geworben 

fmb, fie ju i^ter 3cit biUigetweife ften Untergang ju erfaßten be= 

(ommcn. 3)ic SKeiifc^en aber f)aben ^a^ lliirec^f über ba§ 2fia§ 

binauä gefteigert, unb fii^ iii roibernotürü^cn Jocmen beffelben 

überboten. ©eStjalb ^at ber lob, ticr nidjt nur notHrgemäß fon* 

bcrn aucft gemäß ber Xiroftung ©otteS über fie Ijerrftfite, fie nur 

inn (o fefter umfiiannt. 3nbem baS Wenf(I)en9efd)Ic(^t fo jit 

®ninbe ging, ront ber öernünftige iinb gottebenbi[bliff)c aWenft^ 

unfi^tbai geworben. — S3on ^ier auä mat^t Kttjonafinä ben 

Uc&erflang ju ber grlöfung iinb SJoOenbung ber TOenfc^en buri^ 

boi menfcfigcroorbenenSogoä nic^t gcmäfi einem ^oftulat beä menf^> 

lidjen -tieitäbebürfniffeä, roie biefeä feine öorgänger tf)un, fonbera 

burc^ ?jad|meifung einer für ®ott gcttcnben SJiottjlcen bigfeit. !S)ies 

feUie ritztet fit^ iiocf} ber aya&niijg itenv; bcren Silin ift ni(^t bie 

ÜRenfcöenliebc ober @üte ä"! S^itfe i'cr SKcnfc^en, fonbern bic lBe= 

Ijauptung ber einmal gefofetcn SBeft^lüffe unb Crbnungcn burc^ 

©Ott qIS Kuöbrucf feiner ©elbflbeljauptiing ober SEjre. STu« 

biefcm ®runbe toärc bie Snuartimg iinbercdjtigt, baß bic Xobeä^ 

brüt)ung ÖSotle« iiacti begangener Uebertrctung imuoßäogcn bliebe; 

ober juglcic^ ungeiiemcnb wäre bie^lnimfjmc, ba| bic »crnünfttgen 

@ef(ftöpfc ©ottcä befinitio bem Untergang auögeliefcrt feien ; am 

luigrsiemenbffen wäre e3, wenn ©Ott biefe Sirfung ber menfd|= 

lidjen ©orgtofigEcit unb bc& teiiflif^cn 93ctruge§ gegen feine eigene 

Äimft auftommen tic^e. 2Benn alfo ®Dtt bie fünbigc ajfenft^fjeit 

bcftniti» il)rem ißerberben überliefe, fo roav c8 beffer fie gor nic^t 

,>ii f^affen, qU an i^r einen Selüeiä üon @tf)Wäi^e su geben. 

Hnbererfeite erfdictnt eä üielieic^t alS angemeffen für ©Ott, bafe 



10 

er t)on bcn 5D?enfd^en ©inneöänbcruiic} forbcrtc. 3cboci^ ift bicfe 
gorbcrung in aSirfli^feit nid}t fo befd^affen, toeil ®ottc^ %&a^u 
tiaftigfeit leiben njürbe, toenn er jd^on njegen ©tnneSänbcrung 
feine Sobeöbrol^ung jurücfäöge. S)ie ^u^^utl^^ng toärc ober and) 
nid^t ber ©a^e angemeffen; benn burd^ ©innc^anberung iperben 
jtDar bie ©ünben aufgeI)oben, nid^t aber bie 3utfidEtt>eifung bcr 
SRenfd^en in il)re natürlid^e SSergänglid^feit. — S)ie ^crftcUung 
bcr 2Ken)d)en ai\^ ber S8crgänglid)feit in bie aq^^aQoia toirb getnäg 
ber SRed^t^eit ®otte^ burd^ ben Sogo^ geleiftet, ber ursprünglich 
bie S)inge au§ bem 9?id^t^ gemad^t l^at. Derfclbc nimmt ju 
biefem ^\o^d einen menfd^Iid)en Seib an, njcld^en er felbft in bcr 
Sungfrau fid) alö Organ jubereitet, unb in njeld^em er crfennbar 
unb gegenUjärtig ift, obgleid^ er ju gleid^er ^t\i in feinem burd^ 
bie ©d^öpfung ^erbeigefül^rten SSerpItnife ju allen 3)ingen bleibt 
Diefen fieib nun, toeld^er bem ®efe^ beö lobeö nid^t Verfallen ift 
giebt er anftatt Slöer in ben Sob, um boburd^ bad ®efe^ bcr 
S^obeöbrol^ung abjutöfen für biejenigen, bie in G^riftu^ ftcrbcn, 
inbem bie ©eujalt be§ 3;obe^ fo erfd^öpft n)irb in §infid^t bercr, 
bie Sl^riftuö gleid^ finb. Unter biefer SSorau^fefeung beHeibet er 
gemäß feiner Sluferroedung bie ©einigen mit ber Unüergönglid^leit, 
Ujetd^e beö Slttribut feiner ®ott^eit ift. — S)iefe ©ebanfcnrci^ 
ift jeboc^ meljr ein öorgefd^obener 5ßoften ober ein äufeentoerl bcr 
eigentlid^en Änfid^t t)on 3lt^anafiu^. 3)ie 3Benbung jtoifd^en Xob 
unb Unöergänglic^feit fefet er fd^on in bie 3ncamation unb bie 
leibli^e ©egenhjart be^ ßogo^ unter ben SÄenfd^en. ®anj fd^roff 
toed^felt er ben ®efid^t^pun!t, inbem er unerwartet bicfen ©ebanfen 
au^fprid^t, bafe mit ber leiblid^en ®egenn)art be^ ßogo^ unter 
ben SÄenfc^en ba^ S^obe^öerbcrben, ba^ bi^l^er ^errfc^te, öer* 
fd^ttjunben fei, fo toie, ttjenn ein großer Äönig in einem §aufe einer 
©tabt feine SBol^nung nimmt, bie ganje ©tabt in größter ©l^re 
ftel^t unb öon feinem geinbe ober Stäuber bebrol^t toirb. S)aÄ 
ift fein §auptgebanfe, ber in ber öorliegenben ©d^rift jttjar nur 
genjiffermaßen aufleud^tet unb alöbalb toieber öerlaffen toirb. ®rft 
im ©treit mit ben Strianern (Orat contra Arianos II, 67. 70) 
finbet ätl^anafiuÄ ben üoBen Slu^brudE, baß in bcr 3ncamation 
be^ ßogo^ ba§ SÄenfd^engefd^tec^t öoUenbet unb ttjie e^ im Slnfang 
toar, nur mit größerer ®nabe l^ergcftellt njorben ift; benn cä ift 
eben mit ber dq>&aQaia ober d^eofcoir^aig au^geftattet toorbcn. 
S)iefe gülle ber SEßirfung be^ Sogo^ fd^on burd^ fein 3)afein ate 




» 



I 

I 



SRcilid] ift bcr Sl'crii bcr 31nft(fit beä yfttjotiafiiiö. beim iciiu' 
2>euhing bcä Zobeö imb bcr ^Iiifcrrocdiiitg (JfjrifH bient nur jut 
©pwificalion jenes ©q^c*. Stlletn (o ert)at)en nnb über bie ®r= 
fa^tung ^mauägtcifenb bicfe anficht ift, jo finbet fie eine Sin-- 
((^rdnlung aber ancf) tStgÖniung barin. löoä ^tl)annfin§ aU bie 
pDcite Scftimmuiig ber 9Ken(t^roerbung bcd Sogoö Dorträgt. Um 
afimlit^ bie richtige Erfcnntnife ÖSottcä Ijerjiiftencn, loe!rf)e nn ber 
arfpningli^en Sliiäftattintg ber 3)ici!irf)en mit bcm ©benbilfae 
@otteä Öaftct, muß elien bcr SogoS, loclrfifr ba5 nripriiiigli^c 
©lenbilb ®otteö ift, 3)?eiMcö werben, unb burc^ feine incnff[}iid)eii 
SEBcrfe bie SlJenfc^en ba^a anleiten ©ott ju erfenncn. — Wnn 
wirb Iwljaupten bütfcn, bafe biefe Xentung ber ®ac^c in bie Se^ 
tro^tung^roeifc ber nllcren Äitc^enle^rer eirimünbct. SlKein biefc 
Uctwretnftimmung ifl baburrfi crljcbli^ mobificirt, bn6 WlljanafinS 
bem Snbnu ber ®otteäerreinitni& bucd) bcn ©Dttinenji^eu eben 
jene 3)cutung bcr Sncarnation, ber ©cgentoart beä ÜDgoä unter 
ben SHeiijc^en unb ber ^'''iigute fetneS iJeibeä in ben %ob öotauä= 
fe§t. Tiflmit iff jH uergleid^cu, bafe er ben ©croiuu bcr U!ilter()= 
fit^frit biircf) bie ©elef)ning beS Eogoö nnb bie erfüUung feiner 
(Bebole eigeiitlic^ al§ bie SRegel beö Urftanbeä bet Wenfcfjen an- 
ffc^t. Snbem biefelbe für bte füiibigc SOienfi^Iicit anfeer SBirtung 
jictreten ift, tann fie auc^ nidit einfach unb D[)ne aSettcreä fiir 
hai c^rifllit^e Ceben giltig fein, ©emgemöfj grenjt Sttljanafiud 
(eine 8e^re gegen bie aIttat[)oIifcI)c £el)rraeifc fo ab, bafe er in 
erftet Cinie bie *Beräitberung beS ganjen a)Icnfcfteiigefi^Ie[fttg jur 
ä^ihieaia unb jur ©ottebcn&itblidjteit mit ber SJienfdjluerbung 
bed Sugoä eintreten läftt. Sie biefeS DorjufteQen ift, ^at er 
ftrilit^ mit bem ©leic^nife Don bemffünige, beffeu ©egenmart eine 
©tabt ctiri unb ft^ü^f, rocnig bciitlid) gcmarf)t. — Sic S^eutung 
bcd XobcÄ unb bcr ?Iiifcnuecfung Gtjrifti biird) ?Ü£)anaftHS ift 
tdi ein ©pecialfoH be« .t)auptgcban!cnä bcjcidinet raorbcn, baft 
htt Kogo* ©otteä ade §eilöroirtung ucrbürgt, inbem er iit bem 
meaf(t(Iid|en Seibe gegeninärtig bciifciben ali TOittcl gebraucht. 
®icfe iBe^anptung benjä^rt fid) in nacEitiäglidjen Setrat^tungen 
fiber bie ?IngemeffcnI)cit ber llmftanbe beä ^obcö. Snbcm 3It^Q= 
rafiuä feine Slufmertfamteit Ijierauf rici^tet, ift er am lueiteften 
boDon entfernt, baä Sterben Ö^rifli aud bem fittlicften ©etiorfnm 
anfjufoffen, obgleich er mit bcr StblÖfung bc8 ^obcSgeScöeö and) 
bir SSorfteHungcn üom Süfcgelb unb uom Opfer an ®i)tt glei(^ 



12 

fe^t. SKfo er erflärt freiließ ba§ ©terben S^rifK als bte frei- 
toiHige Eingabe beS SeibeS in bcn 3;ob, toeld^c bcr Sogoö alö 
baS fiebert fclbft (atfToCcjrj) üomimmt. (£ö iüar nun angcmeffcn, 
bafe er nic^t im ©tiQen ftarb fonbem öffentüd^. 5)enn jencö ift 
ber regelmäßige gall ber 2Kenfd^en unb il^rcr ©d^njac^l^cit. ©n 
3;ob an Äranf^eit aber liefe S^riftuS nid)t ald bcn göttlid^en fiogoS 
unb baS Seben felbft erfennen. ®r I)at fid^ aud^ ben 2^ob nid^t 
felbft anget^an, fonbern t)on ben ÜRenfc^en ant^un laffen. S)cnn 
barin benjieS er fid^ nid^t fd^tt^ad^, fonbern afe baS ficben fclbft, 
toeld^cd, inbcm cS ben lob SlBcr in bem SöfeprciS beS eigenen 
SeibeS einfd^Iofe, chm bamit ben 3;ob übettoanb. @r ^at alfo 
ben 2:0b öffentlid^ fid^ ant^un laffen, bamit aud^ bie feiner ®otfc= 
l^ett entfpred&enbc äuferfte^ung als öffentliches ©reignife con* 
ftatirt toerben fonnte; er ^at ftc^ ber fd^mad^üoüen S^obeSart 
untertDorfen, um bie ®Iorie feiner Äuferftel^ung burc^ ben ®on* 
traft ju fteigem; er l^at enblid^ ben %ob am Ärcuj auf fid^ 
genommen, tl^eilS um ben ^ludö in fic^ in erfc^öpfen, tl^eilS um 
burd^ bie auSgeftredtten Arme Reiben ttjie 3uben p ftd^ ju äic^en. 
?Ufo bie allgemeine 933irfung ber dq)&aQaiay toeld^e an bcr 6r* 
fc^cinung beS SogoS im menfd^lid^cn fieibc ^aftet, ift aud^ ber 
®runb bafür, bafe mit JRfidEfid^t auf 3;ob unb Äufcttoedtung ßl^rifti 
bie ©täubigen fic^ ber regelmäßigen gurd^t öor bem ©terben 
cntlebigt l^abcn. „5)cnn fie ttjiffcn ttjirflid^, ba§ fic im ©terben 
nid^t untergeben, fonbem bafe fic leben unb burd^ bie Äufertoedtung 
unvergänglich ttjcrbcn." 

@S gcl^t ein ftarfer unb bcutlid^er 3^8 vernünftiger S^lgc* 
rid^tigteit burd^ biefe ©cbanfcnrcil^e; um fo loeniger tenn bctoicfcn 
ttjcrbcn, bafe fie mit ben entfd^eibenben ®cfid^tspun!ten beS 9i. %. 
übereinftimmt ober baSjenige erfc^öpft, toorauf ttjir im 9i. %. 
3Bert^ legen. Sluf bem von Sltl^anafiuS eingefc^lagenen SBege l^at 
nun ©regoröonSi^ffa*) bie golgerid^tig!eit ber fiel^re feines 
SSorgängerS verftärft. @r l^at junäd^ft bem Qidt ber jenfeitigen 
Unfterbli^feit entfpred^enb ben SBegriff beS SobeS, in njelc^em ftd^ 
baS SRenfd^engefd^led^t üorfinbet, ettoeitert. 6r rechnet aud^ ben 
©ünbenftanb als fold^en als 3;ob, ben 3wfta"i> ^^^ ®eifteS, ber 



1) Gull. Mocller, Greg. Nyss. doctrina de hominis natura. 1864. 
p. 71 sq. Guil. Herrmann, Greg. Nyss. sententiae de salute adipis- 
cenda. 1876. p. 16—27. 




wm C^olt afigmenbet. unter bie ©iitnliif)fcit gebeugt ift- gi^cilid) 
etftiebt ficö tiiebci, baft iie ©iiiibc ötcimcfjt aU Sdjroodje uiib 
Glenb mib iiitfit oU ©tfjulb gefaxt roirb; aber baä cntfvrtc^I 
gctübe bct Uitcnbcn SSorfteOiing Dom fiöc^ftcn OJiit ber Unfterb= 
lt(6fcit. 3" l>icfeni 3ifle flfo wirb bie OTenfditjeit burc^ Stjriftuä 
qU ben menfcfigeroorbeiicn SogoiS ®ottc* lotcbctItetgcfteUt. Unb 
^iDot befielt baö ©cfteimnife [einer aJicnicEjiDfrbiing barin, bnß 
„ber Untieränbetli^e in bcin SSeränbei:IicE)cn ba ift, bamit er i» 
ber SBcränberung beä ®c^tec[)tern sui" Seffern baä bem Deräiiber- 
liäten Qu\lanit beigemifc^te fflöfe aus ber Shitut uccfrfiroinben 
miK^e, inbem er in fic^ boffdbc (tö xoxöv) erfdjöpftc". Senn bie 
SKenji^^eil mjrifti ift bie aRcnfcf|()cit tm (yaiijen, (ofern fie in 
i^ rc(>rQJentitt ift „SJurc^ bie 'Kift^ung mit bcin ©öttli^cn 
_ iß baä 3Ben)d)!ict)e mit ocrgottet loorben, inbcm natfiSRüni. 11,16 
L'bBn^ jenen Srftling (bie TOcnfc^^eit ß^tifti) ber flanje Xeig 
"'«nieta 9Iatnr mit get)eiligt morbcn ift." „3)ur^ Et)riftu3 ift 
mit ber ©ottljeit baä ganje 2Reiifd)Itc^e s"Ii''iiiif"9fH'aii)fen." 
„S)a5 Unfrigc (bie mcnjcfjlit^c 9Iatnr) roirb burd) bie Sieimifc^ung 
äu bem ©Öttlic^eu güttlicfi." <&a ift eine SBetbefferung ber 5(nfid)t 
bei atbanofia«, bog biefer Srfülg nic^t mit ber ©ebntt beä @ott- 
menfi^en alä erreicht gilt, fonbern fein ©iibftrat an bem SJcrIauf 
feines SebeiiS nun ®eburt biö SIufeniKcfung finbet. 3n biefer 
erft ift bct gQÜ SlbaniS compcnfirt luib baö Ü)Ienicffengefi^(etf|t 
betgefteUt, nac^bem bnrcf) bcn öorangegangencn Xob G^rifti aÜe 
^in&cmiffc, nnmli{^ aUc Seibentlitf)teit, ouJS ber menfc^Iii^en Sfiatur 
l'jOilfenit iDorbcn ftnb, meiere ber sßerbinbitng mit ber göttlidjcn 
JlDiberftrebten. ~ 23iefc (Scbanfenrciljc »etttitl) i^re platonifc^e 9(rt 
' taitlit^ genug, inbem bie inbiuibiielle 9Jienfc^l)cit beis Sogo« in* 
fofetti als rairflicf) geadjtet loirb, nlä baä allgemeine SBefcn, bie 
Matuc beÄ SÄenfi^cn al* boö eigentlich aSirtiicfte in il)r entgolten 
ift. SfUein bamit roor entincber ju Diel ober ju tocnig beniiefen. 
Ikr le^tere ßinbnitt aber mußte fic^ um fo ftärler öorbrängen, 
als bie menfdtüdjc ©efammtiiatur in ben einjclnen 'ißerfonen baä 
■Attribut ber Unftcrblic^teit ccft im jcnfeitigen Scben eneic^cn folt. 
Iicä^atb finbet jene tficotetifc^c §eilÄotbnung i^re Stgän^ung 
burc^ eine gan,^ anbers geartete ptattift^e Jtnweifung. greilii^ 
fte^en bie ©laubigen ouf ®ninb beä (Srroerbeä ß^rifti für baS 
3Hertfc^enflef(^Iec^t in ber Hoffnung ber Unftcrblic^fctt unb i[)re 
Xmifc bient ii)ncn nlä ©iirgfii)aft bafür; allein bie. Hoffnung unb 



14 

bic Surgjc^aft bcrfelbcn ftnb nur giltig, iücitn ba^ Stugcnbbeifpiel 
S^rifti t)on i^ncn nac^gca^mt toirb. 3n biefcm SRa^men fc^rt 
nun ba^jenige njieber, toa^ mit ben üor^crgcl^enben Septem 
Ätl^anafiuä aud ber Scbcutung bcö mcnfc^gctoorbcncn fiogoö alö 
ficI^rcrS abgeleitet f)atk, unb toaS bcm altfat^olifd^en Söegriff öom 
6l^riftentt)um ate ©efcfecrfüHung cntfpri^t. 5)icfe Drbnung aber 
^at ba* JW^ffener ju einer fo felbftgered^ten ®cftalt aufgearbeitet, 
toie nur möglid^Of inbem er nur bie actio tabeöofen SÄenfd^en 
für bered^tigt erHärt mit ®ott ju üerte^ren, unb j. 93. beffen ®abe 
ber ©ünbenüergebung ate Sßac^al^mung ber SSerjeitiung beutet, toeld^e 
ber 93etenbe feinen ©d^ulbnent üor^er ettoiefcn l^at. Unb toenn nun 
für bie ©egentoart fid^ bie 9D?enfd^en in folc^e fc^eiben, toeld^e 
auf biefem SBege i^ren Slnt^eil an ber Unfterblid^feit fidler fteBen, 
unb in fold^e, bie ftd^ beffen unnjürbig machen, fo fd^eint ja frei^ 
lid^ mit ber SSergöttlid^ung ber ganjen menf^Iid^en SRatur in 
(S^riftu^ ju t)iel btf^anptct tt^orben ju fein. 3nbeffen bie con- 
ftitutiöe öebeutung biefer Slnftd^t rettet ®regor burd^ bie @r^ 
toartung ber SSSieberbringung, toeld^e er t)on Drigene^ angenommen 
l^at. 5)iefe Hoffnung alfo ift baS ßomplement jener auf ben 
^jlatonifc^en ÄBgemeinbegriff ber menfd^Ud^eu SRatur gegrünbeten 
3bee il^rer ©rlöiung unb SBieberl^crfteBung. 

^näj bei S^riüuS öon ÄIejanbrien ift bie SSer^ 
flottung ber flanjen menf^Iid^en 9iatur in ß^riftuö ba« ßorrelat 
feiner üoßen unb enjigen ©ott^eit. 95aur l^at biefe S^l^eoric afö 
m^ftifd^e SSerfö^nuhg^Iel^re bejeid^net *). 3nbeffen ein Segriff t)on 
JBerföl^nung mit ®ott fann nur eintreten, njenn ein SBiberfprud^ 
bc^ SBiBenö ä^ifd^en beiben ober t)on ber einen ©eite gegen bie 
anbere al^ bie ©ad^e Vorliegt, hjeld^e aufjul^eben ift. §ier jebod^ 
l^anbelt e^ fid^ um bie ®egenn)irfung öon unfterblid^em Seben 
gegen i>a^ Uebel be§ 2:obe^. 9Kt)ftifd^ freilid^ ift bie 2:^eorie in 
bem ©inne, bafe fie in unbeutlid^en SSorfteBungen Verläuft unb 
an bem SBegfafi ber gurd^t öor bem S:obe nur unfi^er erprobt 
toirb. Slber tbm bie ©rlöfung unb SSoBenbung be^ SRenfd&enge* 
fd^Ied^tö ift ber ©inn jener an bie SÄenfd^toerbung beS fiogo^ 
gefnüpften Kombination; unb ioenn fie un^ m^ftifd^ b. 1^. unüer^ 
ftänblic^ üorfommt, fo ift fie eö für biejenigen nid^t genjefen, 



1) Herrmann p. 2—10. 

2) ßel^re öon ber SScrfö^nunfl 6. 111. 




1Wl[fie bic Ä*itflicf)[cit in Singemeinlirfitiffm Vla(oiiifd)cr 9)!ofl)i>bc 
öerl'tflnlwii. 5üt bie Scfite in bem Umfang, bcn ifjr *3ltJ)aiiafiiiä 
gegeben ^ot, trete» aber ouc^ bie lotciiiiic^cu 9ticcnec, Sitlariuö 
Won HJirtaijiutn ') uitb 3(mbri)fiuä ') ein, 3n btefcn SarftcKungen 
ift bc^onbcr« ju beachten, bnü bic Sateiner bcit StraSroertl) ieü 
Xobti (5l)ri|ti, lueltftcn 9(tt)anofiu* gemeint, weli^cn ober nnler 
benSriec^en nnrSaiebtnä Bon Gäfarea ") bcntlii^ formulirt tint, 

1) De trinitute II. 24. Huwani generis cauea. ilci filias natas ex 

vü^ne e»t, at hnmo fuctus naturaro in se carnis Hcciperet, perque 

biiina admixtionia eocietatem BanctElicatuni in eo nuiversi generis 

hnmani corpus exBisteret. 25. Nob egainms, ut deus caro fieret et 

habitaret in nobis, id eaC assumtione cnrnis unius interna univeraae 

cmmis incolerel. Hiimilitaa eiua nostra nobilitas cat, conturoelia eins 

boiior noiter est, quod üle den» in carue consiatenB, non viciBsim in 

~ Tractat. in Ps. 51, 16. Filius dci naturam 

Ljn M univerano camia assumsit, per quam effoctua vera vitis genufl 

J propaginia tenei. — Tr. in Vf. 67, 23. Saeratnentum 

l-lHliitu Dostrae prinmm resurgena ipae ex morte, decretoraque inor- 

■:£> noitne, qao ante detinebamur, abaolvena in se ipso, qui ex 

B aetemuB iam inanorut, implevil. Sed in eo ipso, qiiod nobis 

I tÜMe anotor in le est, omuei quoquo tnitnicas virtutea ostentui reddidit. 

- Tr. in Pa, 5S, 13. 13. Quanquam paaaio illa nun fuerlt couditionis 

t {feneria, qula indemutabilem dei naturam niilln via injurioaae per- 

I turbationia oSenderet, tarnen auscepta voluntarie est, ofScio quidem 

[ ^ak latiafactura pnenali, non tarnen poenae sensu laeaara patientem 

. Neoesae ergo erat eflici quod fiebat, quia sacrifieii negligi^ntiam 

nuledidi non admlttebat adiectio, A quo malodicto noa Chriatus exemtt. 

Haledictorum no ergo obtniit morti, ut malcdictum legia diasolveret, 

boctiam ae ipae deo patri volnntarie offerendo. 

2} De fuga aeculj T. Idco deus auscepit carncm, ut malediatum 
Cknua peccatricia abolerot et faotus est pro nobia malcdictum, ut bene- 
dictio ab«orberet malediotionem, integritas peccatum, indulgentia Bcn- 
tentiaro, vita mortem, Suacepit enim et mortem, ut impleretnr ncn- 
tentia, aatiafieret iudicato per maledictum camia peccatricis ueque ad 
inortem. Nibil ergo factum est contra aententiam dei, cum sit divinae 
co rn dit i o irapleta sententiae. Maledictum enim ueque ad mortem, poat 
moitero autem gratia. Mortui ergo seculo aumns, quid adhuc seculo 
deoernimur? 

3) DemoDatr. evang. X. cap. 1. 'YaiQ ^uüiy xolaa9t\s xal ti- 

lUiXiiiutlti/tiviui', ri/iif iilria; 17; iiDv üfiKQi rifiiijtiiy i'nfi final 
u^ iauiiir (kxCaiii, 



yivüftivtit i 



i*e ^fim 



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16 

mit i^tcn römifd^en SRcd^t^bcgriffen üollfommcn ausgeprägt ^abcn, 
inbcm fic auS SKifeüerftänbniß t)on ®al. 3, 13 ©träfe unb Opfer 
ßl^rifti mit einanber combiniren. 3n bicfer SSorfteQungÄttJeife be^ 
toegen ftd^ aud^ bie gelcgcntUd^en Anspielungen öon Äuguftin *), 
toeld^er übrigen^ ben ©trafnjert^ ßl^rifti no6) öorl^errfd^enb in bie 
Sejie^ungen feinet lobeä auf ben S^eufel eingetoidtelt l^at •). 3)iefc 
Umftänbe iDerben nun öon manchen Äird^enlel^rem ate notl^toen* 
bige Fügungen ©otteS bargeftellt, t)on anberen aber mit ber ®e* 
merfung begleitet, bafe aQeö nur bem SBiBen ©otteö entfpred^c, 
unb öon i^m aud^ anberS georbnet fein fönnte, njenn er anberS 
tooUte*). 5)iefe SKeinungSöerfd^iebenl^eit rid^tet fic^ banad^, toie 
Ät^anafiuS ben S^ob S^rifti als bie äblöfung beS SiobeSöerpng* 
niffeS erftärt iiattc. 3)iefeS SSerpngnife beftimmt er als göttlid^e 
@a^ung, alfo als unumgänglid^, aber bod^ eben nur als göttli^e 
©afeung, als eine 333ittenSt)erfügung , toeld^e t)on geringerem 
SBertI) als ®ott ift 3e nad^bem bie eine ober bie anbere ©eite 
fpecieU berüdtfid^tigt tourbe, erfolgten bei ben Siad^folgem beS 
Stt^anafiuS bie entgegengefefeten Sntfd^eibungen. 9D?c^r im ©innc 
beS Urt)eberS ift jcboc^ bie le^tere. 2)enn fie ftimmt mel^r ju 
ber SSorauSfe^ung ber Unüeränberlic^feit ©otteS, toeld^e bie 8luS=^ 
fü^rung ber ©rlöfung in ber SBeife be^errfd^t, bafe biefelbe als 
ein relativer SSorgang ®ott eigentlich innerlich nic^t berühren barf, 
Sine 9D?obification ber Seigren t)on ber ©rlöfung in ber alts= 
tat^oUfc^en unb in ber gried^ifc^en ©pod^e ber Äird^e ift bie be== 
tonnte mQt]^oIogifd)e Kombination, bafe ber 3;ob ß^rifti auS ber 
©erec^tigfeit ®otteS notl^wenbig gett)efen fei als Söfegelb an 
ben t^cufel, um beffen SRec^t an bie SRenfd^en abjulöfen. Slud^ 
biefe Slnfic^t fefet bie SBertl^beftimmung ber ©ottl^eit S^rifti oor^ 
aus. 3n biefer 3;^eorie, njeld^e bei SrenäuS, DrigeneS, ®regor 



1) In Psalm. 118 sermo 16. Neque enim efficeremur participes 
divinitatis eius, nisi ipse mortalitatis nostrae partioeps fieret. — In Ps. 
188. Propter nos ut reficeremur et efficeremur participes divinitatis 
eins, reparati ad vitam aeternam, ipse factus est mortalitatis nostrae. 
— Sermo 192. Deos facturus qui homines erant, homo factus est, qui 
deus erat. — Contra duas epp. Pelagianorum IV, 4. Christus solus 
pro nobis suscepit sine malis meritis poenam, ut nos per illum sine 
bonis meritis consequeremur gratiam. 

2) «ug. a)orncr, ?Cuguftinu8 @. 170—176. 

3) öd 3Rünf4er fic^rb. ber 3)o9incn9efd|i(^tc. 3. «ufl. I. @. 436. 





I 



Bon 9IV))fQ. Tregor ton ^Joiion,;, (crncr bei Stmlirofiiiö, Sluguftin, 
8eo bcm ©tofeen, fJSregor bem ÖStofecit Dorfommt, \\t bic ©ünbe 
nur olS bie mediaiiijc^e äbljäiifligfeit uon bem Scufel uorgeftellt, 
unb ber ©ebnnte bcr (ätlöiung in notier ©IcittjgUtigfeit gegen bcn 
Scgiift beä meiifc^Ut^eii aSiUenö unb gegen bie 5:i)atfocl)e ber 
^Jeri^ulbiuig geliolten. Ue&crbteä ergiebt fid) bei bct 'J>ur(^= 
fü^ning bei ©eboiifenö, bag ber Sliiägonc; bcS SicdötS^anbelä in 
ffiiberfptiiti) mit bem kitenben Begriff bcr ®ere(^tigEeit ©otleis 
trilt, bfl büö bcm Seufcl für bic Hicitfdjcn gebotene ?lcquiualcnt 
ungeeignet ift in feinem Scfiti ju bleiben. 3)ic Ülufenoetfung 
tt^rifti vom ^ube gewinnt bann in biefcm @ebanFenjufamnien= 
^ge bie SJebciitung, bofe bcr Scnfcl feinen ©rfag für bie ü)(en= 
\ät«a am feinem äJiüc^tbercicö uerloren tjat. Snbem alfo nnum= 
gängtit^ mar annunetjmcn, ba^ bev jEeufel fid) über bie ßonic= 
qiien^en bce mit i|)m eingegangenen Mcc^töEjanbelö gcttiufcljt ^abe, 
jo loiinte won bem anbein ^oeiöccntcn, bem olle* luiffcnben ©Ott, 
tiii^tä anberes boiauSgcfegt merbcii, als ba^ bcrfelbe bie Xäufcfiuiig 
Iw« Ifufelä beubfic^tigt ^abe. tBieje 9lbfi(^t ober ftetjt inaBiber= 
IpHK^ mit ber SiorauÄfc^ung ber ©ercdjfigteit (Sottet ; alfo ift 
bie Iheorie ein Söiberfprm^ in fi^, alfo ift fie nnmaljt'). iEcö; 
balb roirb rcgelmüfeig ber anbere ©ebante ctreii^t, bafe buri^ bcn 
lob lit)rifti ber Icnfel beficgt (ci. ©o ift fd)On Tregor Uon 
9ia,iiOHs') nn bem ©runbgebaiiten ber I^eoric irre geroorbcn, 
inbcm et bcn leufcl alö bcn SfJaiiber unb Igrannen ber TOenfc()cn 
nii^t für geeignet l)ielt. ein ßöicgelb für beren grcigebung, ge- 
fc^iueige benn ein Söjegclb uon bcm Sertlje ©otteS felbft aniu= 
jprec^en. Sr fügt nun ober (Oratio XLII) Ijinju, ba§ berSyatct 
biefed £Öfegelb nal)m um ber ^eil^orbnung nitUen, nnb mcil burc^ 
bae Wenftbliclie bcö ©otteei ber 9)Ien(t^ gel)ciligt roerbcii mu&te, 
bamit er jelbft uns befreie, inbeni er bcn 3:i)ranncn mit ©cltiolt 
übcnoanb, unb unä burii) bic Sermittclnng bei SotincS s" fi^ft 
sutiicffnijre. ^aron erfennt man, bafe ®regov auf bcn (äcbanfen» 
gang bei 9ltl)rtna(iufii einlcntf. ÜDcnn bie ^'citsorbnung bebeutet 
baß 00« ©Ott aufgeftcQte ©efcB be^ lobcö, ba§ bnrc^ bcn Xob 
be^ ©ottmcnjdicn abgeloft locrben mufete, um bic SJergotliing bei 
menic^lidjen 9iütuc mögliifi ju machen, ©benfo beftimmt öljü 



1) »our, Ef^rt uon bct 5Bcv[ii&imn(i S. 30-87. 

2) «. 0. O. ®. 87-90. 



18 

toic fein SSorgängcr crllärt er (Orat. XXXVI) bicfc Sciftung 
E^rifti \o at^ ftcllücrtrctcnb, baß bartn baÄ ©tcrbeit Aller eütgc* 
fd^loffen toäre, ba S^riftuÄ bcn Unge^orfam ber ©finbcr in feinem 
Sterben fid^ angeeignet \)at afö xeqpaAj} zov nawög atofiorog^ 
baS ift ber SKenfd^^eit. Snbeffen erft ben 2;^eoIogen beÄ SRittet 
altera ift e^ gelungen, bie %\)toxk ju enttourjeln, inbem fte ju* 
gleid^ ba^ ?ßrobIem ber ^cifötoirfung be^ 2;obe^ S^rifti auf bie 
©tufe ber red^tlid^en unb ber fittlid^en ©eurt^eilung ber ©ünbe 
ertjoben. ©o Derfd^ieben aud^ in biefem ®ebiete bie Änfid^ten beS 
ÄnfelmuÄ unb be^ Äbätarb finb, fo bejeid^nenb ift e^ fflr bie 
©tellung be^ ?ßrobIem^ beS 3;obe^ S^rifti in i^ren tl^ologifd^ 
SBeftrebungen, baß fie ben ®ebanfen einer red^tlid^ notlitoenbigen 
©rlöfung ber SKenfc^en Don ber ©ettjalt be^ S^ufete überliaupt 
abwerfen. 3nbem Slnfelmu^ bie ©ünbe be^ SKenfd^engefd^Ied^tcd 
ate bie SBeleibigung ber ®t(re ®otte^ barfteüt, unb ben 2;ob be^ 
©ottmenfd^en aud bem 3^^* ^^ ®ott ju leiftenben ®enugt^uung 
erHärt, leugnet er, bafe ber 3;eufet ein gegen ®ott felbftfinbige^ 
SRed^t^gebiet \)abt, au^ toeld^em allein ein Änfprud^ an ®otte^ 
@)ered^tigleit unb an einen Srfa^ feinet @igent{)umed abgeleitet 
toerben fönnte. 3nbem Äbälarb ben lob ©tjrifti al^ ben ©etBeiö 
ber Siebe ®otte^ betrad^tet, burd^ ttjeld^en bie (Segenliebe ber 
aWenfd^en ertoecft, bie SÄenfd^en atfo mit ®ott Derfö^nt unb üon 
ber fined^tfd^aft ber ©ünbe befreit »erben, fd^Iießt er jebe Se^ 
jie^ung biefed SBorgangeÄ auf ben 3;eufel au^, ba berfelbe tt)ebcr 
jemals bie @ttoä^(ten in feiner @)ett>alt gehabt Iiabe, nod^ burd^ 
feine SSerfütjrung ber SKenfd^en ein SRed^t auf biefelben l^abe er* 
»erben fönnen. Unb felbft ©em^arb, obgteid^ er ben SBiberfprud^ 
Äbälarb'« gegen jene I^eorie üerfe^ert, befennt fid^ ju berfelbcn 
nur fo, bafe er in ©nem ?U^em ben ganj öerfd^iebenartigen ®e^ 
banfen Don ber ®enugt^uung an ®ott ^injuffigt, ttjeld^e S^riftud 
ate bag ^aupt für ben Seib, bie ©emeinbe leiftete, inbem er 
bereu ©ünben in feinem 3;obe getragen \)dt *). ©ntfd^eibenb fflr 
bie Xlieologie be« 9ÄittcIalter^ aber ift e^, bafe ?ßetru^ Sombar^ 
buÄ ben mec^anifd^en ©inn ber §errfd^aft beÄ Xeufete in ben ®e* 
banfen ber et^ifd^en ®ebunbenl^eit ber ÜÄenfd^en an bie ©ünbe 
umgefe^t, unb im 2lnfd)Iu6 an Stbäfarb bie Uebertoinbung be« 
3;eufeld burd^ ben 3;ob g^rifti barauf gebeutet I|at, baft bie burd^ 



1) «. a. O. @. 155. 191—194. 202. 




19 

W«(cn ctliiecfft; ©cflcnÜcbc bcr !D?cnfc^cn ;^u Wüft imb ba« fortluöt)' 
renbe ©flnbi(|en ftrf) gegcnieitig au^fc^licBcn ')- 3n bcmfeK'cn Siimc 
frfcnnt üiid] Xt)omQS uon 9(qiiinuni bic Srlöiuiig bct ajicnfc^eii 
Don bet Sünbc iirib Dom lewfel nur olfi SJolgc ber burc§ bcii 
, Sob ßlirifti i)(TmitteUen3}etfÖf)nuiig ber iöieitftfjemmt @ott an»). 
1^iegmii)i(^c3:bcolofitcl)ot in Sodann e« Don Samaäcud 
^wuptroerfe Iligi Tr,s oQ&ndä^ov m'ottwe bell Slb(rf)(uB ifirer 
cloffii^en SlJDcf)e gcfunben. §ier begcflncn imü im btittcn Sucfjc 
bic beibfn 9Iu^))Täguncini bet (Srlö^ungsibee cbenfo ne&cn cinanber, 
wie biefcS bei beii i'orgängerit mit ?Iu§natimc beö Mt^ona^iuä 
bfr ^ß ■mar. 3Ait ©legor uoti 9tajianj aber tocift Sot)anneS 
tnt SBesietjung be« im 3:obe S^tifti cntt)altenen SöfeprcifeS auf 
bcn Xeafel, ben unberechtigten ^errit bet 9)Jcnfcf|en ab, unb be^ 
, jict(t ben Xot) nlä Opfer unb 2ö(eprciö auf ben 3Satcr, gegen 
[ ben fi(^ bie aJ/enfc^cn wergangcii Ijoben unb QUä beffen ®crbaniin= 
ni^ fie befreit nierben muffen. %Qi Commt etwa auf bie SRcinung 
bcd 9ti)0H(ifiuä t)inaiiä, 9t[Iein baran fiiüpfl 3of)anncä uninitteU 
bor bic ton Sljrilluö Don ^üejanbria entle()nte Siorftellung, ba| 
b<T Tob, inbtm er bie Sorffpcife beS Seibeä Sfirifti uerftlilang, 
Don bem Slngeltiotcn ber ®ottt|cit burrfibDfjrt, unb inbem er ben 
fünblofcn unb lekngcbcnbeii fleib «crfc^laiig, Demictjtct unb ge: 
tiftt^igt mürbe, biejenigen loicber ^inauijufütircit, bie et eljemal^ 
tpciftttlungen liütte. 3n biejct aScnbung ift ja ber Xob üom 
leufcl iiic^t ju nntcrfc^eibcn, unb bct bcmfelben gcfpieltc Öettug 
fte^l flufeer aller Seiiel)ung ju ber nriptüngli^ babei gebac^ten 
göttlit^en ®ctc(^tigfeit. Sfeben biefet S^orftettungSineiie fül)rt 
3oI)Ortne«i in rt)ctririfc^er fflreitc ben ®ebanten awi, bofi bet Softn 
@t»ttee buri^ 7[)eiliia[)me an ber menfcfjlidien 9iatur bie a)ienfd)en 
SUm Unticrgän9lici)cn t)inaufgefü()rt, bic @ottebenbiIbUcI)Eeit bct 
aXenfc^en trneuert, butcft feine 3luferftel)unfl fie uon bct 9Ser= 
gängfidifcit befreit, burd) bic ErlDcdung ber ©rtcnntiiifj OSottcö 
unb buTc^ etiicl)unfl s» ^lusbauer unb Semutlj fie wo» bet 
^WTTfcfiaft be3 3:eufelä ctliSfl Ijat. ?lurf) biefe ©ruppe bct iBar= 
fteDung trifft jiemlit^ allfeitig mit 51II)anafiuii jufammen. 

^m fann freilid) nitt)t bel)aupten, bofi bie officieHc firc^- 
iiäft fic^rc ber ©riechen bicjcn locnn audj nic^t sufonimenl)Qngcn' 



1) ST. B. o. ©. 209 ff. 

2) Snmma tbaol. I'. III. qii. 49. art. 2. 



20 

bcn, fo bod^ rcid^cn Scfi^ bcr Seigre bctüal^rt l^at. ^kVQd^oSo^og 
öfioloyia bcd 5ßctru§ SKogtlag cntl|ält nid^tö Don bicfen Sc^ 
jicl^ungcn, fonbcrn nur bie lal^Icn gormcln, baß ©l^riftu^ burc§ 
feinen Xob un§ erlöft (e^yo^aa^y) unb toegen unferer ©ünben ge* 
litten f)at SBeibed bleibt Döllig unbeutlid^. S)er latinifirenbe Stjarat 
ter jeneÄ SBefenntniffed mag baran fd^ulb fein, bafe bie eigentlid^ 
gried^ifd^e ©rlöfung^Iel^re Dergeffen unb bie abenblänbifd^en Sbccn 
bod^ nid^t angeeignet finb. S)enn bie Starrheit be« gried^ifd^en 
S^rabitionali^mud l^at nic^t Derl^inbert, baß ^in unb t(cr ein grie^ 
d^ifd^er S^eolog be^ ÜÄittelalter^ auf bie ®ebanfen einging, 
toeld^e bie abenblänbifd^en Itjeologen auSbilbeten. Sßifolaoö 
Äabafila^, ©rjbifd^of öon S^effalonife im 14. Sa^rl}., beutet 
ben SBertli ber 2;obe^Ieiftung Etjrifti jur ^Befreiung berSRenfd^ 
balb ald eine ber @]^re ®otted fd^ulbige @)enugtl|uung; balb aud^ atö 
bie fteÜDertretenbe ©trafleiftung, alfo unter ®efid^t§punften, öon 
toeld^en ber erftere faum Don einem Änbem d^ Don Snfelmud 
Don Santerburt) entlehnt fein fann. Sßur barf man nid^t ertoar^ 
ten, baß ba^ Settjei^Derfal^ren, in ttjeld^em gerabe ber erftere ®e^ 
banfe Don änfelmu^ au^gefü^rt tüar, in ber rt|ctorifc^en ^ax^ 
ftellung ber ©d^rift be§ ShfotaoÄ nagt rijg h XQiatfp Kto^g 
Aufnahme gefunben tjat. Snbeffen fe^t fi^ au^ jtüei ©teilen 
biefer ©d^rift (I, 78 ff. IV, 18 ff.) ber ©ebanfengang jufammen, 
baß bie SKenfd^en aud fid^ ttjeber il^re ©d^ulb gegen ®ott ju 
tilgen, nod^ beffen Derle^te ®^re tüieber^eräuftetten Dermod^ten. S)en 
9Äenfd^en fetilt bie Äraft baju; ®ott, ber bie Äraft beft^t, l^ttc 
an fic^ nid^t jene SSerpftid^tung ber ÜÄenfd^en; be^Iialb biente ju 
jener Seiftung an ®ott berjenige, in »eld^em beibe Sßaturen ju^ 
fammentrafen *). (Sefd^loffener aber ift folgenbe ®ebanfenrcil|e 
(I, 57—59), toeld^e ®a6 unbead^tet gelaffen l^at: „SBir finb gercd^t*^ 
gefprod^en tüorben, inbem toir erftend Don bem ©efängnife unb 



1) S^gl. ®a6, bie 3R#if bc« mtolao^ ^aha\im ®. 77. — ®a6 o. 
a. D. pnbct mit Ullmann, bie 2)ogmati! ber griecftif^en Stird^t im 12. 
gal^r^. (@tub. u. Ar. 1883. §cft 3. 6. 736 ff.) aud^ Bei ifiilolao« r>on 
SÄct^one §lnflängc an bie il^eorie §lnfclm'3, bie jcbod^ UHmann auf bcn ?unft 
Bcfd^ränft, ba6 bie 9?ot^rocnbigfcit ber ®ottmenfd^^eit im SSerl^Itnig jur (gr^ 
föfung nad^getoiefen mirb, roä^rcnb ber (Bx\tä)t nid^t an eine ©enugt^uung 
für ©Ott, fonbern an bie ®rIiJfung auS ber ^crrf d^aft be«Xobed benft. 3)iefe 
3:^rie aber l^at gefd^id^tlid^ feine ^nle^nung an ^nfelmu«, fonbcrn flammt 
t)on ^tl^anafiud ab. 



21 

berÄnflagc befreit tpurben, ba ber, toeld^er fein Unred^t begangen 
f)attt, und üett^eibigt l^at burd^ feinen ^^ob am ^euje, in 
tt)etd^em er bie ©träfe erlegte für bad, toad tt)ir Derbrod^en l^atten, 
ättjeitend finb tt)ir alö ®otteö g^eunbe unb alö ©ered^te barge^^ 
ftellt tporben tt>egen jened 2;obeÄ. S)enn nid^t aHein audgelöft 
unb mit bem SSater Derföl^nt tjat (und) ber §eilanb, inbem er 
ftarb, fonbem I|at und auc^ bie gä^igfeit Derliel^en, Äinber ®otted 
ju »erben, jened inbem er mit fid^ unfere 9iatur öerbanb burd^ 
bad Steife^, bad er üemid^tete, biefed, inbem er jeben Don und 
mit feinem gleifd^ öerbinbet burd^ bie ^aft ber ©acramente.'' S)er 
Studgang biefed ©a^ed lautet fot^olifd^. Slber bie @ered^tmad^ung 
ber ©njelnen burc^ bie ©acramenfe wirb l^ier begrünbet auf bie 
an bie ©trafleiftung im 2;obe ß^rifti unmittelbar gelnü^jfte ®t^ 
rcd^tfpred^ung unb SSerföl^nung ber ©emeinbe mit ®ott. Qtoax 
ift bie Sermittelung bed ®eban{end nid^t beutlid^ unb jn^eifeUod, 
attein ed fpric^t fid^ in ber Sluffaffung ber ©ad^e burd^ ben S3^* 
jantiner eine ^ienbenj aud, toeld^e bie mittelaltrige SetjrenttoidEelung 
überfliegt. 

3. S)ie fiöfung ber näd^ften gefd^id^tlid^en Aufgabe berülirt 
fic^ mit bem SBerfe Don SBaur „3)ie d^riftlid^e fiel^re bon ber 
äJerfö^nung in i^rer gefd^id^tlid^en (£ntn)idelung bon ber älteften 
3eit bid auf bie neufte" (1838). S)iefed SBerf ^at mir burd^ bie 
SRad^toeifung ber in itjm audgebeuteten Siteratur meine Slrbeit 
natürtid^ erleid^tert; ed ^at mir aber bad 3)urd^forfd^en ber 
Duellen an feinem 5ßunlte erfpart. SKeine bereitwillige Slnerfennung 
ber in ber S)ogmengefc^id^te ®poä)t mad^enben SBebeutung biefed 
SBerfed fann mid^ femer nic^t ^inbem, offen ju erflären, baß ed 
mid^ in bem SSerftänbnife bed gefd^id^tlid^en Slblaufed ber aSer^* 
fö^nungdlel^re fo gut wie gar nid^t unterftü^t l^at. 3d^ toeig ed 
too^l JU toürbigen, baß Säur burd^ bie ©efd^id^tdpl^ilofopl^ie ^egel'd 
JU ber großartigen Sluffaffung unb 3)urd^fü^rung feined Unter* 
nelimend befäl|igt unb angetrieben toorben ift; id^ fann aber nid&t 
jweifeln, ba& biefer äRafeftab ber ©efc^id^tfd^reibung jugleid^ bie 
SSerfe^lung bed QkU^ wefentlid^ öerfd^ulbet. SBenn man nun 
meinen foHte, bafe tro^ ber nid^t fjaltbaren (Sefammtanlage bed 
SBerfed bod^ ber Serid^t unb bad Urt^eil über bie einjelnen 95or* 
ftellungdfreife fid^ ald juDerläffig erWeifen fönnte, fo l^at fid^ biefe 
meine Erwartung nur an untergeorbneten unb öerpltnifemäfeig 



22 

glcic^giltigcn ^ßarticcn bctoä^rt. ©nblid^ bleibt aud^ bic ®rup^ 
pirung ber cinjelnen 3]^cilc bcr ©arftcHung in bcm gcfc^id^tö^^ 
pl^iIofopt)ifc^cn SRa^men in nic^t ttjcnigcn gällcn l^intcr bcr tunft^ 
madigen ©icbcrung jurücf, ttjelc^c burc^ ben cigcntpmlid^cn 
©tanbpunft beS (Sefd^id^tfci^reiberg öer^eifecn ttjirb. 

3n§befonbcrc l^at öaur feinen ©toff ttjeite nid^t in berjenigcn 
aSottftänbigfcit, auf ttjelc^e feine ©nt^eilung red^net, jur Aufgabe 
genommen, t^eit^ \)ai er folc^en ©toff in bie Aufgabe unb in bie 
©ntl^eifung eingereiht, toeld^er nid^t unter ben ®efammttitel fällt. 
S)er (^riftlid^e ©egriff ber SSerfö^nung fann nur öerftanben tt)erben atö 
Äufl^ebung be§ einfeitigen ober gegenfeitigen SBiberfpruc^^ jtoifd^en 
göttUd^em unb menfd^Iic^em SBillen. ©emgemäg fallen bie oben 
d^arafterifirten SSorfteUungen ber Äird^enDäter über bic Sriöfung 
bc^ 3)?enfd^engefd^Ied^teÄ Don ber äRad^t be^ S^ufete unb über 
bie SSergöttlid^ung beg aWenfc^engefd^Ied^teg al^ Sßatureinl^cit nid^t 
unter jenen 93egriff. ©ie alfo fotoie bie Änfid^t be^ ©cotu^ 
(Srigena über bic Aufhebung be^ Unterfd^iebc^ jttjifd^cn göttlid^em 
unb gefd^öpflic^em ©ein burd^ Stjriftud burften, toenn übertjaupt, 
nur als Einleitung jur ®efd^ic^te bcr SBcrföfinungSle^re, nid^t 
aber alö eigcnttjümlidöcr 3;^eit berfclben bargcftcHt ttjcrbcn. Hn 
fid^ ift ja gerabe biefe 5ßartic beS aBerfeS fel^r Dcrbienftlic^ unb 
lel^rreid^; attein fte Derftöfet gegen bic orbnungSmäfeigc ©inl^t 
beffelben *). S)iefe f oH nun verbürgt »erben burd^ bic ©ntlieilung. 
SHefelbe begrünbet SSaur (©. 12) burd^ folgenbe SBctrad^tung : 
„3Bie ber ®eift in feiner ganjen jeitlid^en ©nttoicfclung Don ber 
DbjectiDität jur ©ubjcctiDität unb öon ber ©ubjcctiDität jur 
Dbjcctiüität fid^ fortbcttjcgt, um burcft bie Derfd^iebenen SKomente, 
burd^ mläit er fid^ mit fid^ felbft Vermittelt, fid^ öon ber Un^ 
mittclbarleit beS natürlid^en ©einö jur ttjatjrcn geiftigen grei^it 
ju ergeben, fo ttjcilt ftd^ bie ©efd^ic^tc beS d^riftlid^en S)ogma'^ 
übertjaupt unb jebeS einjelnen SJogma'S inöbefonbere in öerfd^iebene 
?ßeriobcn, je nac^bem cntttjcbcr baS ÜÄoment ber Dbjectiüität ober 
baÄ ber ©ubjectiöität baS übcttoiegcnbe ift, ober beibe in ber 
f)öf)tm ®inf)cit beS ©egriffS fid^ äufammcufd^Iiefecn unb gcgenfettig 
burd^bringen". S)emgemä§n)erbenbie8?eformation unb bie prattifd^ 



1) iBaur fclbft ßcftc^t bie« 6. 15 ^alb unb l^olb §u, inbem er fügt, 
ber erfte ^(bfd^nttt entl^altc etgentlid^ nur bie Vorbereitung unb ben Ueber« 
gang jur ©atidfactiondt^eorie. 




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^P^Uofop^ie Rout'fii flla feie SBeiibepuiifte pt OlDfeeii Su6jecH«ttQt unb 

}u bet mit bem Dbjecte ficft erfiiHenbcit ©ubjecttüttöt bcfietc^nct, uiib 
tntt Venoben gcbÜbet, bie bet üficmicgenben Dbjectioitdt bct Üe()K, 
bic ber aHmü^Iti^ übcnoicgciibni ©ubjcctinität, bie ber jiit Ob= 
IKtiDität fid) jutürfnicnbcnbcn ©ubjcctiüität. 1)ie Sebcutung ber 
Siefocmotion in biejem Üietlauf Dennoc^te ober Saut nur btirauf 
^ü bei^ninben, ta% bie Mefonnütorcn bie ^ßerfütjnungälc^re tu bcn 
Iiieiifl beä (iSebanten« ber iRerfitfertiguiig burc^ ben ©laitben 
naljmen. §ierauÄ crgiebt fii^, bafe biei'cljre uoii ber SSetfüfjnimg 
@Dttt4 in ieneÄScI)emo ber Einttieidmg nur unter ber SSebingung 
pafien mürbe, wenn bic9Iufgabc bcä .^iftorilerä juglcirf) bie i'etjrc 
Den bcT afcf^tfcrtigung umfafetc. 5)a aber bicic nit^f bircct unb 
ni(^t burc^gc^enbä bcriitffi(t)tigt roirb, (o ift baä X()ema bcö flanken 
S8er(ed ?,ü eng für bie @inti}ei(ung, unb fußt biefc niii)t quo. gemer 
tonn SBaitt felbft fi^^ ni(^t tter^c()Icn, bofe ber rcformatotiii^e QJe= 
banltnlrei* gerabe in ^cjittjung aiif bie iL'cEJöfjnungäibee feineäiueg« 
bad ©eptäge bei btofeeii ©ubjectiuitüt an fi(^ trägt. ®r fann 
einerfeitd md)t leugnen (@. 13), bafe bic reformntorifcljc ^tljcologie 
bie objectiBc gorm ber SJeriö^nung jc^c energifc^ Dertcitt, unb 
belennl oiiberetieitä, bafe bec (glaube im refonnntorifd)en Sinne 
bad SclDUfitfein bcä ©eiftcS oon fetner ®nblid)feit unb öcbürftigteit, 
aber siigleid} bic Sfuäprägiinfl ber Unenbtirt)tett beffelben fei 
(©. 287). Tia bottc mnn alfo in ber SHitte ber jii burc^mcffenben 
®eban[cnentn)icfctung eine Scflnlt bcc Bon ObjectiDität bur(^= 
bruiigenen Subicctiuität, an loelc^cr bie @efc^i(^täinägigfeil ber 
Cintö^cilung Scheitert. äiÖcmi jeborfi Sour weitet bead&tet IjÖtte, 
büß üut^ bie mittelaltrigen Seiiren Don OJcnugtbuung unb Sßet= 
bienft ßtirifti burt^ eine fiepte uoii ber fubjcctiDcn 3uftification 
begleitet finb, jo f)ättc er jugcfteiien muffen, baft auc§ bie ®i)oct)e 
ber übenuicgenben CbjectiBität bet £cl)re Don ber 3?erföl)nung 
eine Somi ber uon bet ObiectinitÖt biird)brungcnen SubjectiDttät 
a[d l&cfülliinfl ber Slufgate be« 6I)rtltentf)umä burbietet. ©oü 
ftingegen bie Sctjre uun ber üücrjöljnung, offne Sfiüclfic^t auf itgenb 
iDric^ Suftificationäleljrc, nacf) ben uon säour beliebten Sint^eilungö^' 
(jnbiben jur SJarftellung tommen, jo madjt nict)t bie JRefomtötion, 
jonbem bet ©ociniani^muS ©poi^e, unb ^luar infofern, aii et bet 
tefonnatoriic^en Ideologie bie bircctcfte Dppofition macEit. Xiann 
ßbct Kirb eä fii^ fragen, fflofier bet ©toff für bie britte ^eriobc 
ju ncljmen roatc. I)enn ber Slbftanb fiant'ö unb feinet ©t^uk 



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öoit bcr Slufllärung, toeld^c bcn ©oriniani^mu^ üi bcr lut^crifd^en 
3]^eoIogic einbürgert, erfd^cint nad^ 85aur'^ eigener 5)arftettung 
fc^toad^ genug; bie Jlnfid&t ©c^Ieiermad^er'd ferner beurttjeUt er 
ba^in, baß fie nid^t »efentlic^ über bie öon ^nt ^inau^greife, 
ba§ fie il^ren ©c^tt)erpunft im jubjectiDen ©etoufetfein l^abe, unb 
in ber ©rttjeiterung beffelben jum fird^lid^en ®emcingeift bod^ nur 
unfid^er nad^ bem 5ßoIe ber Dbiectimtät I|infd^ttjebe; unb bie 
®ntt(fiHung ber ©onfequenj ber ^egeFfd^en S^eologie burc^ ©trauß, 
toeld^e t)on 85aur gebilligt toirb, ftcUt bod^ nid^tg anbcr^ bar, afö 
bie Slbforption ber Dbjectiöität ®otted, alfo aud^ btp objectiöen 
gactor^ ber SSerfötjnung^ibee burd^ ba^ fubjectiöe ©elbftbetoufetfein 
in feiner ©r^ebung jur Äbfolut^eii S)iefe ©nttoidEelungen fönnen 
alfo füglid^ öon ber mit bem ©ociniani^muS anl^ebenben ©ett)egung 
nid^t getrennt tt)erben. ber ^auptinl^alt ber britten ?ßeriobc fällt 
alfo in bie rid^tig ju begrenjenbe jtoeite hinein. Älfo tt)eber 
fügt fid^ ber ©toff beS SBud^ed bem bialeftif^en unb Dorgeblic^ 
^iftorifd^en 9tal|men, ben SBaur ju ber Srforfd^ung be^ ©injelnen 
mitgebrad^t l)at, nod^ fann ein 9}ed^t biefer Sintl^eilung nac^tröglid^ 
auÄ ber ©rforfd^ung be^ ©toffeS abgeleitet toerben. 

3)ie gefd^ii^tlic^e S)arftcllung biefer Setjre erforbert e8, baß 
ber SBed^fel ober ber gortfd^ritt, ber fid^ burd^ Aufnahme neuen 
©toffe^ ober burd^ ©inmirfung neuer Segriffe in bie ^utung 
ber ©erföl^nung burd^ E^riftu^ DoHjielit, jebeSmal burd^ genaue 
SBergleid^ung ber auf einanber folgenben ®ebanfenfreife nad^getoiefcn 
tt>erbe. Stud^ biefe Aufgabe wirb öon 85aur meiften^ nid^t genügenb 
gelöft. 3d^ mad^e beifpiel^meife aufmer!fam auf feine au^fü^rlid^e 
Srörterung ber junäd^ft in ber Soncorbienformel bargeftcllten 
SSerfö^nungSle^re ber ^Reformation im SSergleid^ mit ben Setjren 
ber ©d^olaftifer (a. a. D. ©. 291—304). JRid^t nur begnügt 
fid^ SBaur, birect blo^ bie I^eorie Snfelm'd jur SSergleic^ung 
^erbeijujiel^cn unb bie gefc^ic^tlid^ öiel toid^tigeren Seigren t)on 
Iliomag unb S)unÄ unbead^tet ju laffen, obgleid^ er toieber^olt 
öon änfelm unb ben ©d^olaftilem indgemein rebet; fonbern er 
begnügt fid^ aud^ mit ber DöQig unbeutlid^en ^ormel, bag bie 
©ati^faction^tl^eorie ber Soncorbienformel „in einem itjrer »efent^ 
lid^ften SBegriffe bie in ber Siatur ber ©ad^e (!) liegenbe ©teige* 
rung unb SBoUenbung'' ber 3;^eorie Änfelm'S fei (©. 291). «Hein 
„bie t)ielfeitigere unb fd^ärfere ©eftimmung", ttjeld^e ber ©egriff 
ber ©ati^faction in ber (Soncorbienformel öerglid^en mit Änfelm 



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fitibcit jofl, luirb oud) ©. 296 iiuv iiiiftctiiiitiicit, jcbocE) bi« sum 
©cftlufe be« gonjeii ejcurjesi nidjt bc,icirf)iict. iBietmelit ucrläiift 
fitt) bic 5>arftclliing uoti bent Slbftanbc in bem SÖegriff bcr SatiS' 
füctioii auf bic 9Jacf)niciiung bes «ciic^icbencn ©toffcä, bcm bcr 
fotiäfactoriftfic ©crtl) (ilirtftt beigelegt loirb, baß näinlit^ ?lnfelm 
Mos boö ficibni, bic Soncorbtcitiormel bogegcn baä Seiben iinb 
ba* X()un Ghrifti bafür in Setrad)! äicijt, '^a^ bie ©cnugt^uung 
©iriftt Don ben ©cfioloflitern nacl) bcr 3Bi[Itür bc* mächtigen 
Sntiai'^i^ i""* ^rilintrecfitcn, uon bcn SHcjoiiniitorei! iind] bcm 
Äffentlit^cn iHcffttc ber geJcEllic^ gcovbnetcn ©emcinfcijaft siBii'djcn 
©Ott unb ben 3Jten[cf)en licurtl)eilt rairb, bafe fic boö eine aJinI 
old äuföQigeä äequiualent einer VerfÖnlid)eii Scieibigmig, baä 
onben 3)?cil ali bie iiotliiDcnbige Strafe für bic Sievtegung beö 
©cfeScS angcfcfjen roirb, bie* faiin man anä Snut'^ Sut^e nic^t 
erfaßten. 53cr gtD§c firitifer öat fid) aiic^ in biefem SSerte nicfit 
bie 9(u£)c unb 25oriid)t abgcmönnen, idc1Ö)c jiit SliiatijfE jcbeä 
frembert ©ebantenttciie« nottilceiibig ift. ©eine Stnaigfcu richten 
fidf niemal« hotauf, bic l5Jcbaiifenrci£)e eineä Stnbern qu^ iljtcn 
©nuibbeflriffen ju CDnftrniren. Sr i}at nie bie ®ebulb, bie etwa 
obtoaltenben ©iberfpcüt^e auf bem Siege bicjcr Sleconftructioii an 
bai Sid)t treten ju lüfjcn; fonbcrn er greift jebc öel)rbar= 
ftfßung bei irgcnb einer Spitie an, tncldje einen SBiberjprud) 
btträubietcn fi^cint, unb fiif)tt (eine Äritit in einem !Haiionne= 
mcnt bur^, n>el(fic§ faft nicmalö bie ®Diben,\ ber @etc(f)tiflfcit an 
r«t) trägt. 

'äiicft bie ©ruppining bcö ©toffeS, radele iWifc^en bcr 
Speriübeneintlicilnng iinb bcr (ärörfcrung bcr ciii,^clnen ©cbanfen^ 
fmi'e ftc^t, cntjpric^t nirf(t ben Sn!i)rüd)cn, nteldic man an bic 
ftuiift bcr Sarfteltung erftcDcn barf. SBenn im a)iittelalter bie 
fwiben ?lntipoben Hjomaä unb ©unä mit gntetn SHedjte in (Jinem 
Sdpitel äiiio'"i"f"9fff'fet werben, )o burfte ntc^t ÄbÖlarb Bon 
?Iniclm getrennt unb mit anbcrcn Sefircrn jufammengeftcllt iverbcii, 
n)cld)c roeit fiinter feiner leitcnbcn Stellung jurücfbleibcn. ©er 
4Sibcrf(iru(^ bc* *ßiäcator gegen ben fatiäfnctorift^cn SScrt^ bcsi 
t^ätigcn Qiet)orfnmö Sfirifti Bcrbtent nicfjt bie @^re eineä eigenen 
(Sopiteld: fie luicb il)m Dun Saiir nnr bc«E|a(b erroiefen, rocil 
bemfelbcn aiiä ber rcirf)cn Sntroidcluiig bcr Sicrfö^iiiingfiile^rc in 
b« reformirtcn X^cologie nur biefc Spifobc &clannt geiocfen ift. 
ÄuÄ biejem 3i'fii""Wfn^o"9 ()erouögcriffen foniitc frcilicfi ^iöCQtoc'ä 



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ctgcntl|umlid^c fictjrc nirgcnbttjo untergebrad^t toerbcn. gcmcr ift 
nid^t cinjujctjcn, toarum bie J^l^coric bed ®rottuÄ t)on bem Strafe 
cjcmpcl im iobc S^riftt t)on ben Sluftd^ten bcr übrigen Ärminiancr 
getrennt toirb. S)a^ folgenbe ßopitel aber, in toeld^em Don ber 
Scibnifc^SBoIf'jd^en 5ß^iIofopt(ie unb nad^träglid^ öon ben STO^ftifem 
gelianbett toirb, enthält eine ß^fömmenftellung, ipeld^ nur auS 
ber Skrlegenl^ett barüber ju erHären ift toa^ mit jenen @r^ 
fc^einungen im SSerlaufe ber ®efci^id^tc anjufangen ift; toä^renb 
bod^ bie 5D?^ftifer mit ben ©ocinianem jufammenge^ören, bie 
©nftüffe öon Seibni^ unb üon 3BoIf l^ingegen jur I^ologie bcr 
ÄufHärung gejogen »erben muffen. 

9ud bem SBed^fel bed SSer^ältniffed jtoifd^en ben logifd^en 
©eftimmungen be^ ©ubjectd unb beö Objecto toirb toeber bie ®t^ 
fd^id^te bed menfd^Iid^en @)eiftedlebend im SlUgemeinen nod^ bie 
®ef^id^te ber fie^re Don ber SSerföIinung begriffen. 3)ie @c* 
fc^id^te ber einjelnen d^riftlid^en fie^re mu§ auf ber ®efd^id^te ber 
d^riftUd^en Xlieologie fußen, biefe aber rid^tet fid& ebenf o felir nad^ 
ben SBenbungen, meldte bie praftifc^e @ntn)idelung ber ^rd^e 
nimmt, atö nad^ ben Sinflüffen, n^eld^ aud ber Snttmdelung bed 
allgemeinen fittlic^en ®eiftcS unb aud ber felbftänbigen toiffen* 
fd^aftlid^en ^Ibung, indbejonbere aud t)erfd^iebenen p^ilofop^ifd^n 
@Qftemen l^erftammen. 9Ran lann alf o feine ®efc^id^te ber einjelnen 
fie^ren t)on SSerfö^nung unb Sfed^tfertigung burd^fä^ren, o^ne 
auf ben t)erfd^iebenen @ntn)icfelungdftufen bie fic^ Deronbemben 
SBebingungen ber S^^eologie fiberliaupt ju Derftet)en. 6^ bejeid^net 
nun leinen erfreulichen Staub meiner 3Biffenfc^aft, bafe id^ nid^t 
in ber Sage bin, bie allgemeinen ©tü^unfte, toelc^e bie ©efd^id^te 
bcr X^cologie bcr Söfung meiner befonbem Aufgabe barbietcn 
mflgte, t)on irgenb Scmanb ju entlegnen, fonbem mid^ genöt^igt 
fc^e, biefelbcn, too i^re ?iad^tt>cifung unumgänglich ift, fclbftönbig 
JU crforfc^n. SKeinem t^cologifd^en ©cmeinfinn fallt cd fd^tuer, 
bag id^ nid^t uml^in lann audjufprcc^cn, bag man t)on Stilen im 
©tid^c gelaffcn tt)irb, tt)cnn man Mar unb bcutlid^ erfahren toiH, 
tpie bie Sieformation tro^ il)rcd ®egcnfa^ gegen bie Äird^c bcd 
SKittclalterd in bem S^riftentl^umc bicfcr @po^ tpurjclt; iDcr 
ber intcllectuellc Urheber ber t^cologifc^cn ©d^olaftil unb bcd 
lirc^lid^ $articularidmud ift bcnen bie Sieformation fo balb 
t)crfällt; au)^ kocld^en iKotioen bie fogenanntc ^uftlärung ^rüor^ 
gegangen ift; loarum bcr großartige Smpuld t)on ßant fid^ tDvä>tc 




in ?IufflQnin9«='!|Jl)UDiDpl}ic iinb ^Xfieolüflic »erlief: cnblid) loorhi 
©c^Ieiennac^cr'Ä ^fnfprud) benit)!, bic bc[ttid)'eDaii((diicl)e Ideologie 
bvcyei 3iit)r()unbertä ju leiten. 

^ucf) Soriiec'ä „@cit^irf)tc bet protcftantiidjcn Xtieologic" 
(1867) fyxt mir bicieStagcn nic^t beatttroortet. Seine "BarfteUuiig 
iolgi im Söeientlicöen berfeltieu WctIjDbe, bie iöaiir anffienbet. 
6r will ben 5Bc[^fel in ber (ycic^id)te imb il}re täintieit Dcrfteljcrt 
tt^Kti burcf) bell SfarttlBciö, luie jltifi Jetir bünne Jäben tton &t' 
bünlen fic^ üuö iörer urfprünglic^ert ißcrtiinbung löfen unb bic 
Stibc jo micberfinbcn, bafe ihr eine eiscntf)ümlid)c g^ftigtetl 
geivDitnen roirb. "Eie togiit^e Slegelinägigfeit biefeS Sierlüufd wirb 
olis bie embediing be* ©eje^cä bet 0cf(^icfitc genommen, in 
beffen ©rfmntnife alfo bie ©cji^it^te begriffen ift. Sennoc^ ji^eint 
ber Unterjtöteb ;iniii[^en ben beiben ftammuermonbten ^^^eologen 
juaäc^ft fe^r ftarf barin auägeptägt ju fein, ba^ Corner nid)t 
wie Sollt in bem logifrfjen Sdiema Don Subjccl unb Dbjert ben 
St^lüffcl für bic @ci(t)id)lc bet 3;f)eologie finbel, (uttbern in bcn 
t^olDgifdjcn *IJrincipien bet IHefotmation. TiOfiU tommt, bofe 
btm Jlnfang bet ISnlmtctelung, nämlich bem Stanbpunft bet 
SiffDimatoteii, ba* ©eptäge bet ©Qnjljcit ntnbicttt roitb, nicht 
ba« bet elementaren SinfeittgEeit. S5cr @eban!e ber iRechtfettigunfl 
bunfi ben ©laubcn unb bie {iuäSc£)ltcBltche Sluctoritot ber heiligen 
©thrift, lim iDetthe eä fidi ftanbelt, foUen uon bcn JRefurmatoren 
die bic ^*rinci»)icn ihrer Iheologie mit richtigem laftc ucrbunbeii, 
in ©echicltttirtung gejegt, im ©teichgeroithtc gehalten roorben fein. 
91un über foücn bieje für eine gcfunbc Xheologic äufammengchörigen 
(Elemente Dom 17. Sahthunbert an rotebet nu* einanber getreten 
fein ; bobutc^ roitb eine äioeite ^criobe bet Sntnjiclelung herbei' 
geführt. 5)iefc Sluflöfiing bet tefotmatorifc^en S^nthcfe foü fid] 
unDctfchenä, unter bem guten ©chein ber Sefcftigung bex intellec= 
tudlen ©cttc bcä ?ßtincipÄ Dolljogen tjabm. iDie Jolge iDor ein 
Ucbcrgcroicht beä Xiocttinalcn in ber theologifchcn ©choloftil wie 
in bet Schule beäEoÜEtuÄ; unb bie iHeactiuii bet ptoltif^cn Seite 
btd ßhrifienthumä in bem *JJieti3muä unb ber äJhjfttf fteUt bie 
Spnihefe nicftt roieber her, foiibem bejeugt jctbft nur bie Wängei, 
iDcIt^e an iftrem Sriithc ^aitm. Saiuit nun bie ©Ijnthefe bet 
rcfonnatoriichcn *Princtpien in freiet felbftbcluufeter ^errfi^aft über 
bie iKittet baju, alfo in roiffcnfthaftlichct SoHenbung erreicht 
»erbe, h^t eä noch ber Sluäbilbung bejoiiberet iöebingungen be- 




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burft, ber Iiiftorifci^cn Äritil unb bcr pl^Uofop^tjci^cn ©pccutation. 
S)icfc aber ^abcn junäd^ft il^ren fiauf im 18. Sal^rl^unbcrt mit 
einem Uebergetoid^t ber ©ubjectiüität über bic ^iftorijd^e Segrünbunfl 
bcd Sl^riftent^umg genommen, fo bafe in ber Äuftlärung^epoc^c 
Änalogieen mit bem naturtoüd^figen §eibent^um unb bem gefe^Iid^en 
Subent^um l^ertjorbred^en (©. 670 f.). S)a alfo biefe JTrt ber 
Il^eologie überhaupt fein pofitiued SSerpItnife ^u ben reformatori* 
fd^en ?ßrinctpien betjauptet, fo folgt enttt)eber. bafe fie al^ §ärefie 
au^ ber ©ejc^id^tc ber proteftantifc^en 3;()eologie augjufd^eiben 
ift, ober bag fie ben bie ©intl^eilung betierrfd^enben ®efici^t^punft 
ate ju eng ertoeift. 3)iefe^ 3)itemma toirb im ©inne ber jtoeiten 
9ÄögIid^leit burd^ bie ©rflärung S)orner'Ä (©. 768) entfd^ieben, 
baß ba^ ^Problem ber toiffenfd^aftlid^en ©nigung be^ materialen 
unb formalen, be^ fubjectiöen unb objectiDen ?ßrincip^ ber ^^l^eo- 
logie nur ein concrcterer auf ba^ ®ebiet ber d^riftlid^en SReligion 
bejüglid^er Äu^brudE be^ pl^itofopI|ifdöen 5ßrobIem^ ber Sinigung 
Don ©ubject unb Dbject, öon S)enfen unb ©ein ift. 2)cmgemä6 
lommt e^ aud^ bei ber Seurtlieilung ©dE)Ieiermad^er'Ä, ben 3)omer 
ate ben toiffenfd^aftlirfien (Smcuerer ber reformatorifd^en ©^nt^efe 
barfteUt, nid^t me^r barauf an, ttjie berfelbe ben (Sebanlen ber 
©cred^tfpred^ung im ©lauben unb bie au^frfilie&Iic^e Sluctorität ber 
Iieiligen ©d^rift in i^rer toerfifclfeitigen Sebingt^eit nad^gewiefen 
unb barauf fein ©^ftem gegrünbet l^at. SSielme^r mad^t e§ jene 
bem ©efe^e ber ©lafticität f olgenbe Umbeutung ber ref ormatorifd^en 
^rincipien ber 2;^eologie bem ©efd^id^tfd^reiber möglid^, fid^ auf 
f olgenbe SScrfid^erung p befd^ränfen, um in ©d^Ieiermac^er ben nad^ 
feinem ©d^ema üottenbeten X^eologen erlennen ju taffen. „SeibeS, 
grei^eit unb Sluctorität, perfönlid^e STneignung unb 3;rabitton, 
3beale^ unb ®efd^id^tIidE)ed einigt er, ju ben reformatorifrfien 
(JJrunbanfd^auungen fid^ äurüdtmenbenb, auf bem ©oben ber SRe* 
ligion ober be§ ©tauben^ im eüangelifd^cn ©inne be^ SBorte^'' 
(©. 796). g^mer „beglaubigt bie reale ©rfal^rung ber ©rlöfung 
burd^ Sl^riftud bie äuctorität ber l^eiligen ©d^rift, fo bafe ttJtr 
burc^ SBermittelung berfelben an Sl^riftud glauben, um G^rifti 
toiHen aber an bie göttlid^e ?luctorität ber l^eiligen ©d^rift" 
(©. 807). 

3d() laffe cd ^ier bal^ingeftettt, ob bie Slnna^me jene« mate= 
rialen unb jened formalen 5ßrinciped bcr SRef ormation gefd^id^tlid^ 



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rSWüS"'^ bcRtiiiibct ift') imb ob ©tf)Ieicrmfld)cr'ö ©crtt) auf ber 
(SonfltHni,\ feiner Sl^cologic mit beiijctdcu demtjt. 5d) lilaubc nur 
batnuf ^inroci[en ju burfcn, boft bic oben bemcrfte SlfiiDci^nng 
Uorner'Ä udu 9)aur in bcr SRet^obc ber ©clt^id^tc nur fdieinbai 
ift unb auf ber Oberfläcfie Iteflt. ©oUen jene t^eulogifi^cn $rin-- 
ciirien ald bie coucretercn StiiSbrücEe für bad (ogifdjc ©t^ema uun 
©ubject unb Dbjcct, woti S^enfeii urib Sein gelten, bercn Einigung 
bem pöilofop^if^en Srfenuen obliegt, \o roirb ber X[)ei)Iogie il)rE 
SflbftänbigHt entjogen, jo wirb bic nniimgänglict)e @igent[)üm= 
lidjfeit her Religion in bcr SßJürbigung bcv ouf fic gegrünbeten 
unb auf fic bcäogcncn tlieologif^en Evfcnntnife üerlcugnet. 3)aä 
aber ift bcr ©tanbpunft 3Jaitr'S uiib ber ^cgel'ft^en 9(eltgianä= 
pl)ilofopftie ! OTag cä nun ferner ^^ur Drtcntirung biencn, bofe 
man in öem SBedjfct ber @pi)cf)cii fotclic SSerf^icbnngen roa^r= 
nimmt, ntie baS im 17, Saljrtjunbcrt ber Saft"!^ ^" Muctorität 
ber Ijeiligen ©c^rift bic Siebcutuug bcr Scljrc uon ber 9{ed)tfcrti= 
gung burc^ bcn ©tauben übcwicgt, raeldie Uorfier im ßSIcic^geroicfit 
JU i^m ftanb, fo ift eö bod) bic Slufgabc bc5 @cfd)id)tfc^rciber!S, 
benSeljIcr, bcr bem bamaligeii ®efd)Ied)tc „nnüerfcljcii*" begegnete, 
auf feine gefammten ©rünbc jurHdjufü^rcii, meiere burt^ t)ai 
intcflcctuene ©trebcii nacf) Söefeftignng beä ©ijftcmS nod) ni^t 
crft^öpft finb, fo gen)i6 iebe S^eränberung in bcr ?;[)CDlogtc S^er' 
änberungeii bcäSJeiuu&tfeinö uon SRcÜgion unb Äird)c öürauSfcöt. 
SHÖgcn tiefe SKottDc bem bamaligen ©cfdjlec^tc »erborgen geroefen 
fein, fo ift eben bic ©cfdjidjtfdjrcibuug berufen, fie un& ju cnt= 
tjiillcit 3)icü JU Iciftcn, l)at '35uriici: an bicfein Ißunfte unterlaffen ; 
unb roaä er jur grtlärung bcö anbern roidjtigcn SBcnbcpunEteä 
bcr Itjeologic, nomlid) bcr Entftcljung bcr t()CDlDgifc^en 9tufttärung, 
beibringt (®. 698 ff.), crfd)Öpft roiebcrum nic^l bic ?lufgabe be^ 
©cfcfiic^tft^ceibctä. 'SieSolf'ft^e *lLtI)ilofop^tc ift bnran fc^ulb bur^ 
i^rc inbiüibualiftifcfte ®t^i(, uic^t burd) itjrc ßogif; aber eintriebe 
JU jener Stellung l)flt üorf)erSeibni^ in bcr Xfjeobicec auägeftreut. 
©eun alfo Sorncr uon bicfem ^^ilofoptjen nur fagt, bofe er ,^ur 
IV'osif ^i"« ff')r frcnnblic^c Stcüimg eingenommen (jabc (®. 686), 
fo mufe er jene« SBerf mit einer Slrglofigfeit gcfefcn ^aben, beren 
fit^ feber §iftorifer im Sßorauä ju entlebigeu t|Ot. Sr uerlci&t 



1) Scrfll. iiKinr ?rbl). llcbfr bic bcibru ipdiicipicn bc* ^tpttflantia= 
3n Stitftftitft für Sir*ciiB(!(fti(ftlp I. e. 397-413, 



so 

aber gcrabcju ba^ einem fold^en gebotene SSerfa^ren, tnbem er 
(©. 671) bie ^iftorifd^e unb bie p^ilofop^ifd^e Xenbenj jener Spod&e 
ber X^eologte Don Dom I)erein teleologtfd^ aU bie äJorbebingungen 
ber glädlid^en fiöfung ber t^eologifd^en Aufgabe anfunbigt, o^ne 
bog baburc^ bie eigent^ümlid^ fubjecttüiftifc^e i^l^(erl^aftigfett ber 
Äufllärung^tl^cologie irgenbttjie erHärt toürbe. S)enn ®efd^id^t§= 
forfd^ung unb ®efd^id^tÄp]^iIofopI|ie ift jttjeierlei. 



@tfte9 (So^itel. 



SHe ^tite t>n !Scrfö^nnns tiuri^ e^riftug bei Slufclm 
unb bei Stbälarb. 

4. 3iibem bic abenbtänbtit^eiiXtteoIogcn beö Wittdaltccä an 
• ©teile ber 8cf)te »du bei Sclüfimg mib ajoUenbuiig bc^ 
mmfc^Iic^en öefc^lcc^ted biird) ben ©ottmcnfc^en, feine SncarnattDii, 
ictnen Xob unb feine Stufeilocrfinig baä ^roMem bcr Sßet= 
fö^nung bur4 beniet6cn, inSbejonbere buri^ feinen lob festen, 
fanb i^rc ©ebaiitcnbeioeguug fein ^inbetnife an einer feftfteJ)enbcn 
tirt^lic^en ©ntji^eibung. 5)eäi)Qlli erfolgten nadj cinanber oep 
f^icbcne ja eiitgegengefeßfe Söfimgäuerfntfic, bcren leinet jebocfi 
tcä^renb be« 2)iittelQlter§ bie ©anction buri^ bic ?lnctorität bcr 
ffiidie geloann. Siclme^r ift auc^ auf ber§Df)C ber tI)eoli)gifc^eu 
Sntraidelung jener 3^'* Xf)Dinüö üon Stquinum 3Eifle bafnr, ba% 
man bie entgecfengefegten .^fltJOt^ejen ber SBorgÖnger neben ein= 
flnbcr in bcr Äirdje gelten liefe. X)iefe XEjatfai^e ift nic^t oftne 
Scbeutung. wenn man bagcgen l)ält, bafe bicfeiben S^eorieen, fo luie 
fit im 3fiWt^ l>5r JRciori'ation mit gcroiffcn SRobiftcationen 
fortgeftanjt roerben, fogleir^ im Sinne bcÄ Qu«fd)Iicfeenbeu 3Siber= 
fprudiä aufgefaßt werben nnb eine trennenbe Söirfnng auf bie 
ftirdie anäüben. "Die cnlgegengefegte Sage ber auf ben ®cr= 
fS^nungäbegriff gcricfitefcn Itjcortcen im SJJittelalter ift alfo boburc^ 
bebingt. biiß man ourf) oon ben möglirfift Bcrfct)iebenen SSerfHCt)cn 
biefn Sef)rbilbung metit ben ©inbrurf ^ntte, ba§ fic fii^ gcgeit= 
icitig erflänsten, ober ba^ fie nur wie Spielarten öon ctnanber 
abfläiiben. Saä Reifet, bas Problem gilt bamals no^ auäfc^Iie6= 
li(^ ale Sat^e ber Schule in berftiräie. Ticnft man batan, 
bofe feit ber Deformation bicfelbcn Xtjeoriecn in SBiberftteit j« 
(inonber gefegt irutben, bofe um bie SJiet^obe ber SJcrföljmmg 



32 

jtüifd^en ®ott unb SWeufd^en bcr fiampf öon ^rd^c gcßcn Äird^c, 
t)on Äirc^e gegen ©d^ulc, üon ©c^ulc gegen ^rc^e entbrannt ift, 
fo barf man immerhin über ben frieblic^en SSerlauf biefer ®c* 
banlenenttt)iclelung in ber mittelaltrigen ffird^e t^eilnetjmenbe greube 
tjegen; aber man barf in bem nac^^er erfolgenben 3Biberftrcit bcr 
SWeinungen an fic^ feinen g^^Ier erlennen. 2)enn biefer 3Bed^fel 
be^ Snterefjeö an ber Sc^re tt)eift barauf ^in, bafe erft mit bcr 
{Reformation baö lebhafte ®efüt|I für ben SBertt) ber Se^re fid^ 
ertjebt, ba^ in i^r bie Sntf^eibung bafür liege, ob ba^ S^riften- 
t^um jur Äird^e ober jur ©ecte ober jur ©c^ute beftimmt fei, ob 
eÄ eine öffentliche allgemeine äugleid^ retigiöfe unb fittlic^e Sebenö^ 
orbnung begrünbe ober nicftt. 3)ie mittelaltrigen SSerfud^e ber 
Silbung biefer Set)re finb alfo unberfit)rt burc^ berartige Snter^ 
cffen. S)aran ^at man nun ben SKafeftab foioo^I bafür, bafe bie 
abtoei^enben, ja entgegengefegten ^^pot^efen fic^ jur gegenfeitigen 
©rgänjung anjiel^en, atö auc^ bafür, bafe bie erften 5Berfu(^e ben 
Änf^ein ber 3ufäIIigleit l^aben, unb auc^ bie fpäteren, tt)elc^e im 
3ufammenl^ange mit ber ®nttt)iclelung tl^eologifc^er ©^fteme fte^, 
biefen Stnfd^ein nid^t ööQig abftreifen. Sn^befonbere aber erfd^eint 
ed ald geboten, bie gerabe nac^ entgegengefegter 9tid^tung ftd^ 
betoegenben erften ®eban!enbilbungen t)on Snfelm unb Sbälarb 
bur^ birecte SSerglei^ung jufammenjune^men. D^ne biefed SScr* 
fahren tt)ürbe bie ©ebeutung i^rer änfid^ten für bie Jl^eologic 
beä SWittelalterä nid^t ri^tig erfannt »erben, unb toürbe ferner 
bie l^ergebra^te Ueberfd^ägung ber 5^eorie Stnfelm'ö bie fortgefegte 
Sla^rung empfangen, meldte i^r ju entjie^en ic^ für gerecht ^alte. 
S)enn bie SRid^tung in ber X^ologie, »elc^e in biefem Sa^r^unbcrt 
gegen ben SRationalidmu^ reagirt, ^at ber S^^eorie änfelm'd eine 
SBorliebe geloibmet, loelc^e nic^t jtoedfgemäfe ift, unb t|at il^r ben 
©d^ein eined aQgemeingiltigen 3Rufter§ jugetoenbet, loofür fte 
tt)eber im 9D?itteIaIter noc^ im 3ci*öftcr ber reformatorifc^en Dr* 
tl^obope getialten loorben ift*). ©oQ nun aber bie Drientirung 
an ber ®efc^i^te ber 9Serföl^nung^Iet)re nic^t üon üom^erein auf 
eine parteiifd^e S3a^n geratl^en, fo barf man junäc^ft ni^t über- 



1) ^er (Srfte, bei bcm id^ bie unumtounbcne Sbcntiftcation ber ^n- 
felntifd^en unb ber proteftantif(!^n 9(uffaffun() bcr ^bcc ber ^enugt^uung 
finbc, ift @teinbart, @Qftcm bcr reinen ^^ilofop^ie ober ©Cücffeligfettdlf^ 
bed d^^riftent^umi» (2. 9ufL 1780) @. 144. 




B^Rn 



ba6 im SRiltclalfei fellift bütc^ btc Süiictorität üoii ^ctvuä 
Sombatbus S&äfatb üor Änfelm beuoräugt inorben ift. Jerncr 
ertjeHt btc äiffunntengc^örifllcit SSciber in bcr Düilicflcnbtn JrQfte, 
übgefi'hcn Uon itiret relatiuen ®tEitI)iciti3fcit '), folDoIjt quo itjter 
übereinitimmcnben Opposition gegen bie Xf)eoric uon ber 8dö= 
Eaufung bei: iDIcti(d)cii uon ber@etDalt bcö Teufels', ali^ iiud) auä 
bcr .ytnäcbfl bircct entgcgengcfe^tcniöcljQnblung bcr ©ad)c, roclt^c 
jfbo^ bie ^äben pufitiDcc 3Bed}fcIbi:^ic[}ung nic^t au^fi^Iicgt. 'Seim 
?(iiic(m eniroicfclt hcn Oebantcn einer ißcrtölinuiig ©ottcä bui'il) 
ben lob ß^rifti mit iRcdit^begriffen, Slbölnrb beii ©ebonten einer 
^^etfö^iiuiig ber SRcnftlicn mit @ott in §infid)t ber gegenicitigcn 
fiHItc^n @efinnung. SIbcr Slnjclm füljrt bennocft bie aJicffixs 
bei ^tcrtjöltniffeä älDi((^en ben 3)ien[cl)en unb (Sott anf iai (gebiet 
fitllic^ iBeurt^eilmig hinüber, unb Slbdlarb unterlagt nic^t, 
bcm 9(te ber S^erfÖ^iiuiig bei SJIenfc^cn aud) eine kbeutungS^ 
«De ©ejie^uug bcs §anbeln# ßtjrifti auf @ott ^in nac^jumeifeii, 
&at nun ?(n(elm ein Uebergeioicfjt über Slbälnrb burc^ bie fnn[t= 
mäßige SIuefü()rung JE'ner I^eorie, fo überbietet bicjer feinen 
allem 3<^'t9f'"'fff"i iubcm er ba3 ^ßroblem in ein pfti^reä GJcbict 
erl)cbt, al^ baä bcä iRec^tcS ift. ©nblid) bnrf boran erinnert 
Bcrben, baß ber Sine nicfit bircet, ber Snberc wie äufäUig jur 
lorftellung i^ret Xljeotieen oon ber SßerfÖljnung gelangt, nämlirf] 
Ünfelm in ber ^eanttuortung ber^cage: cur deus homo, ^^Ibiilarb 
in bcr SiFlärung bcS paulinifd)en iSriefe^ an bie diomer. ^Iber 
büton tnüpit fid) raicberum ber ©egenfag, bafe bie üeljre bei 
Snfelni im ©tunbe gar fein SBer^dltnife ju ber tjeUigen (Schrift 
^t, fonbcni mit Slbfic^t rein rational gct)alten ift '], bag hingegen 
geroiffe SÖejic^ungen ber Seljre SlbÄlarb'ö birect paulinifc^eS @e= 
(iröge au fi(^ tragen. 

?lniclm cntroictelt bcn ®cbanfen Don ber redjtlidien Be= 
fricbignng @ottc*. ®r raiberlegt bie patriftifc^c Scjictjuug beö 
Xobcä (Sl)rifti alä i.'Dfegclbeä auf ben Icufel, ba biefcm unb bcr 
fOnbigen 3}Ien{c^t)eit Eein Stecht augerljalb bei ©eloalt unb bem 

1) ftnfclm gtb. 10S3. f 1109. ST&Hlnrb geb. 1079. f 1143. 

2) Cur deUB homo II, 22: Sia probas deum üeri hominem ex ne- 
coaitate, nt etiani si renioveantur pauca, quae du noatris librie posuisti, 
(ot qnod de tribas peraonia dei et de Adam tetigisti) iioii aoluni lu- 
daei* «cd etUni pAgania sola ratione satüfaciu. 

I. 3 



34 

SBiUcn ®ottcö ;iuftcl)c (I. 7). Unter bcii üerfd^icbcnen möglid^cn 
S8cjicl)un9cn bc^ ®ebanfcnÄ bcr Sriöfung öon bcn ©finbcn, üon 
ber «^öUc, üon bcr 3}laä)t bed Sicufcfö, öon bcm Qoxnt ®otte^ 
ober feinem SBiQen, bie ©ünbcr ju ftrafen, fteQt änfelm ben 
Ic^tern ©efid^tdpnnft aU ben entfc^eibenben auf (I. 6), unb fu^rt 
in biefer 9{id)tun9 auö, bafe ®ott mit bem fünbigen STOcnfd^em 
gcfc^led)t öerfö^nt, bag fein auf beffen Seftrafung unb SSerbammung 
au<j^gel)enber SBiUc in ben ber ®nabe umgeftimmt fei burd^ bie 
Don bem ®ottmenf^cn Sf)riftu^ i^m geleiftete ©enugtl^uung*). 
^ie metl)obifd^e S)arfteUung biefe* ®cbanfen§ erfolgt in ber 
äBeife, bag bie d2otI)toenbi gleit einer folgen @)enugt^uung im 
^tÜgemeinen au* ber @t)re, im 93efonbcm auä ber ©cred^tigfeit 
®otteö begrünbet, bie SRöglid^feit berfelben in bcr perfönlid^en 
©gent^ümlic^fcit beS ®ottmenfc^en, bie 3BirfIic§fcit bcrfclbcn 
in bcm SBcr^üUnig feine* Zobc^ ju bem SBert^c feiner ^pcrfon 
unb bcr ?frci»inigfcit feine* Seiben* nad^gett)icfcn tt)irb. 

^ bcm Attribute bcr @I)rc ®ottc* ift c* au*gebriidtt, bag 
bcr göttlich S^IIc unb ©clbftjmcrf bcm SBiQen bcr ocmünftigen 
(Staturen unbcbingt übcrgcorbnct ift. ^ic @^rc @otte* ocrbfirgt 
bie Crbnung in bcr S^it, xocldfc in bie \Bcftimmung au*munbet, 
bag bie iKmünftigcn (Srcaturcn bie ©cligfcit in bcr Siebe unb 
in bcr Snfd^uung @ottc* gcnicgcn foQcn. l)ie St^re ©otte^ 
iDurbc bcmnad^ uon bcn iVcnf Aen qU i()r abf olutcr 3^^ pflic^t^ 
mätiig baburcb ancrionnt n>crbcn, baB ftc aQc @cbotc unb ^ot^ 
bcntngcn (>*ottc* crfuQcn. S^ingc^cn bie Sünbc, al* ba* @egen« 
tbcil bcr (Mott fd^ulbigcn Sciftungcn, cntbalt eine ^^ccintröd^tigung 
bcr irbv^ (5^ottc*. ^c nun auf jenem 3^c bcr ^ici^tubung 
ba* ^liglcit*)icl crrticbt n^erbcn n^ürbc, fo folgt, im ^kr^ItniB 
,\u bcr aQgcmcincn 3unbc bc* iVcnfcbcngcfcfilcdit*. au* ber (Sfyct 
i>lottc* bie :Kotbiocnbigfcit . bafe baficlbc burcb ihttjicliung bcr 
Äcligfcit, bunb ^^crbammnife bcfmift n>crbc, Xtnn an bcr (Sr* 







fa^ning ber ©träfe roürbni bie 9)?enid)en, lucnn oiidj unfrciltiiHiii, 
ancTfrnnen, bog |ic bctn göttlit^cit SBtUen unb 3^^*^^ burt^aii^ä 
imttnoorien finb. §inflcgen geftottet bie ®()tE ®otteä tiic^t, büft 
bcrfelbe nad} feiner ÜBatmtjcrätgfeit ben ©üitbcrn Dergcbe, ba fiic= 
bttrtft nirfit nur ber Ungecetltc bem ©erc^teii gleidjgeftcllt unb 
bie Dtbnung beö göttlif^en iHeit^e* aufgehoben, fonbcrn fogar 
bie llngeredfligfi-it (yott gleic^geftcHt Werbeii mürbe, tnbem fic, 
wie ®oH, nun ber ©cituiig beä (Sefe^e« efimirt märe. Unter 
bicfen Skbingungen 'bei ber @i)ie entfprcdicnbcn ^alten^ @otte$ 
nritrbe al)o bie 'Jt)atfac()c ber menfrfilidten ©efammtfünbe bie ^ioiU 
jie^iitig bfd göttlichen SöeltplanS Dereiteln, wenn nic^t burt^ ein 
anbcred 3Kitiet sugleid) bie Straföernidjtuitg ber SKenfi^cn übcr= 
flüfftg gemacht, unb ber @^rc ©otteö in Se3ief)ung auf bie Sünben 
gcnugget^an mürbe. 

3;iefcä aJiittel muß nac^ ber Siegel ber ®ere^tigfeit 
l^ctte^ bcmcffen fein, baß „ber SJIenfc^ burc^nuS m(^ts Don @ott 
empfangen fod ober fann, luii« iljm ju ücrleiEjen (Mott befdtloffen 
bot. wenn er nidjt @ott bad ganj miebcrgiebt. moS er itjm cnt= 
\OQtn bai, bamtt roie burdi ifin ©Ott in 3ierluft gerietb, er eOenfo 
burtft it)n ^rja^ gemännc" (I. 23). SUfo, inbem bie TOcnf^en 
atä Siuiber (Mottcö Stjre ocrle^t tiatten, fommt c8 auf bereu 
©icbarfjcriteüung an, locnn eine (äntbinbuug uon ber ©träfe ber 
IBetbflmmnil erreicht mcrbcn foU. 3" i^"*'" S"^'^ 9C»»fl' e^ 
aber nic^t, bnft bie ©ünbcr aufhöi-en, bie ®t)re ®ütteÖ ju üer= 
le^n unb bag fte fortan iljre <Sc^ulbigfcit gegen ©ott in vollem 
Umfange erfüllen. 33enn bie I5ntrid)tung beS pftic^tmöfeigeu 
Iiicnfte^ Derftel]t fic^ im iBer^üUnife jur öl)re ©otteis uon (clbft, 
fann alfo Sott utc^t enti(f)äbiaen für baä frü[)ere 8(uSfal(en bicfeÄ 
Dienfteä. Sajü bient Diclmel)t nur eine übet ben Umfang ber 
^flirflt ^inau^gcbenbc ©ott gefällige Öeiftung, etioaä, maä ©Ott 
otbiiungiimüfeig nidjt Ijätte forbern fönnen, wenn bie SJerle^ung 
bicr e^te butc^ bie ©ünbe nid)! eintrat. ®ine \o\6)c freimiHige 
■iftung Ijeifet ©enugt^uung. Sie ift na^ bct oUgcmeinen 
tgel ber ©crec^tigfcit ber onbcre neben ber ©träfe müglic^e 
I für bie ©rEebigung ber©unbei). 3ft eö nun angejcigt, bafe 

1) I. H. Aut peocator sponU solvit, quod debet, But deua ab in- 
vHo kooipit. Nam aut homo debltam anbiectioaem deo sive Don pec- 
ondo, live quod peccnt snlvenito voliinlate apnntaDCB oxhibel, aut deua 



-1 

ll<S I 

lt. 1 



36 

bcr ©traftjcmid^tung bc« SWcnfd^cngefd^Icd^t^ burd^ fold^c frei* 
toilligc ©enugttiuung üorgcbcugt lücrbe, fo i[t bod^ ba^u bad jfinb^ 
l^aftc SKcnfd^cngcfd^Icd^t unfähig. 3)enn alle guten SBerle, burc^ 
bie man etoa für bie begangene ©ünbe genug ju t^un ttjfinfd^tc, 
gel^ören in ben ber S^re ®otted fd^ulbigen 3)ienft. gemcr ha 
man aud^ um bie (Srtialtung ber ganjen SBelt nid^t bie Seinfte 
©ünbe begeben barf, ba alfo fd^on bie fleinfte ©finbe, gefd^toeige 
benn bie ganjcSWaffe ber ©ünben, öon bemfelben 3Bertl^e toie bie 
SBelt ift, ba alfo auc^ bie ®enugt^uung für bie ©ünbe ben fBkxtf) 
ber SBelt überfteigen muß, fo ift ber äWenfd^, aud^ abgefc^n üon 
feiner ©ünbe, j" fold^er iJeiftung auger ©tanbe. S)iefe Unfä^igfeit 
ift nun Ieinedn)cg§ ein ®runb bafür, bafe ©Ott auf bie ®enug^ 
t^uung für bie menfc^Iid^e ©ünbe üerjid^te. 3m SSer^ältnig ju 
ber aufrecht erhaltenen Slbfic^t, bie fünbigen SKenf^en berSeltg* 
feit jujufü^ren, ift bie ®enugtt)uung für®ott notl^menbig 
aus feiner S^re im allgemeinen, auÄ feiner ®ere^tigfeit im 
©efonbem. 

^a nun bie ®enugt^uung an bie @^re ®otted t)on ben 
SWenfd^en auÄ nid^t geleiftet »erben lann, fo begrünbet ®ott t^rc 
SÄöglid^feit öon fid^ au^, in ber ^erfon be« ®ottmenfd^en. 
©oll nämlid^ ber SBert^ ber ®cnugtt)uung ben SBert^ ber gangen 
SBelt, alfo üQeö beffen überfteigen, »ad nic^t ®ott ift, fo muß 
bie ®enugt^uung üon @inem geleiftet »erben, ber felbft größer 
ift als bie SBelt. ®rö6er afö «OeÄ, m^ nid^t ®ott ift, ift aber 
nur ®ott; alfo !ann nur ®ott felbft bie ®enugtl^uung leiften. 
3)a aber eigentlid^ ber SKenfd^ biefelbe leiften foQ, fo fann fie 
nur t)on ®ott ald 9D?enfd& auSgeffitirt »erben, ober öon bemjcnigen, 
»eld^cr jugleid^ t)oll!ommener ®ott unb üoQfommener SRenf d^ ift, 
o^ne bafe in ber ©igentpmlic^feit biefer ^erfon beibe Staturen 
öermifd^t unb üerdnbert »ürben. S)ieÄ ift ber ^11 in bcm menfd^ 
geworbenen SBorte ®otteÄ. 

3)ie 2;^at, in »eld^er ber ®ottmenfd^ bie ®enugt^uunfl 
üer»irflid^t, muß einmal eine freiwillige, bann eine nid^t unter 
ben Umfang bcr ^flic^t get)örenbe, cnblid^ eine fold^e fein, in 
»eld^er ber üoHe SBert^ ber bie ganje SBelt überbietenben ^erfön« 
lic^feit enttialten ift. liefen gorberungen entfpric^t nun ba^ 



eum invitum sibi torquendo subjicit. 15. Necesse est ut omne peccatum 
satisfactio aut poena sequatur. 




lobeälcibc« sur ®^re ©otteö, roclcj)c3 G^tiftu* übernommen Ijot. 
2)(nn ed iwnt freiroiHiii uiib nii^t biird) bie "i^itii^t lutfcrlegt. Qu 
allem pDfitiuen @e()or(nm namlit^ innr GtinftiiS alö ucmiinftigcä 
?Be?cn gegen ©Ott nerpflti^tct, iiidjt a&er s'im Sterben, bo er 
ol§ iünblojer TOcnfc^ ntc^t bem Xobc uctfallcn mar. Sein SDbe§= 
leiben aber ift bem <5iclpi(f)te bcr ©iinbe me^c niai aqutoalcnt. 
J^cnn ba bic Sctletlinig be*fiek«s bes> ©ottmenfcljen eine gröfeerc 
©ünbt ift, q[^ alle nur bcntbore ©iinbc, |o ift bie iim ®ottcS 
roiHcn DoUjogene öiiigabc bicfcS Ccbcnö in ben Zoi eine Seiftung, 
awlc^e bie ©ünbcn üUcr ü)ienfd)cn iibctipiegt. 3n tf)r aljo ift bie 
.^ur @f)rc Ootteü not^wenbigc ©enugtljuinig für bie ©ünbcn bet 
aWcnid)en enthalten, bercti roegen @ott auä feinet Sarmljcriigleit 
bicfelben ocrgicbt, unb bie TOenjc^cn ju it)rcm bcr Gljrc ®Dttc§ 

itfprt^enben 3*^'^ bet ©eligteit gelangen Idfet. 

Sie unmittelbate Sirtung bet Xobeäleiftung S^rifti alfo ift 

if ©Ott befditänft. ^ie ®enngtE)uung fiir bie ©ünbc beä 3Jfen= 
fi^engcfcfjlef^tä, inbem ftc bcn 6)ruiib befcitigt, roclcljcr ®ott an 
bcr für i^n nottticeiibigen Sollenbnng bet 93ienf^!)eit (II. 4) uer= 
^inbert (jottc, bietet bie Sebingnng bat, unter meltficr bemnäc^ft 
bit S^rc ©ottcs al^ boö SKotiö für bie iÖefeligiing ber SUenfc^en 
nrieber wirffam mirb. 3eboiij eröffnet fid) uon [)ier bie 91u^fitl)t 
oaf bie tStrcid)ung biefcS Qkki nic^t utjne ipeilerc Sebtngung, 
~iti ift im 91tlgcmeinen flat burd) bie Settad)tiing. bafi, rocnn 
SHenfc^en fortfahren mürben, jii fiinbigen, bie für fie gelei= 
©eitugtliuiing ®ott bodj nid)t bcftimmen !Önttte, it)ncn il)re 
Ccrie^ung feinet iSijtc su Detgcben. ?((fu muft bte Iljot ßlirifti, 
nrelt^e noc^ bet ©eite ©otteö l|in ®em!gtt)nung ift, aud) ntn^ 
ber ©eitc bcr äRenfc^cn I)in eine Sötrtung üben, otjue rocltf)c bie 
@«mgtl)uin!g für fie nic^t gilt. J)teö gefdiicijt, inbem baö Seiben 
ß^riftij ben SWenfcfieu baä Söeifpiel gctoiiljtt, unter allen fie 
tteffenben liebeln an bcr ©Ott fdjulbigen (äcted)tigtcit fcfljnljalten, 
inäkfonbere ia^ eigene Seben @ott anrücfäugcben , roenn c§ 
bie Öelegenlieit forbcrt. 3ft nun uoraussuieBen, bofe nidjt alle 
8Reiif(^en biefcä ©eifpiel nehmen, fo Dcrengert fic^ bie ®e(tung 
bet @enugll)uung für baä ganjc Öcfdilcc^t ber 3Kcnfctcn anf 
biejoiigcn, mcldje dtjriftu« nQd)a[jmcn, ober Welche nac^ bcr Säet^ 
ic^ung bei SIKarc. 3, 35 feine ?leltetn unb feine ®efi^roiftet 
(IL 19). 



38 

5. 3)aS X^cma bc« Slnfelm ift baffclbc, locId^cS Sft^anafiuS 
fid^ gcftcllt t)at. 2lbcr ücrgtic^cn mit beffen Mcbc üon bcr 
SRcnfc^tücrbung bcd SogoS ift bcr (Scfid^töfrei^ änfcImS cr^eblic^ 
cingefc^ränft. Sr richtet feine 2lufmet!fam!eit allein auf bie 89e=^ 
beutung beö ^^obed S^rifti, n?ät)renb biefe bei Ät^anafiuS nur in 
Unterorbnung unter bie Sebeutung ber 3ncamation ober bed 
ganjen Seben^ S^rifti üorfommt. Slnfelnx l^at fic^ hierin offen* 
bar nad^ ?tuguftin gerid^tet, * lüeld^er bie SBermittelung jn^ifd^en 
®ott unb STOenfd^en auf bie Stellung Stirifti an ber ©eite bcr 
SRenfd^en begrünbet miffen lüoHte *). S)a^ ift ein ®efic^t§punft, 
»eld^er jugleid^ bem leitenben ®cbanfen ber griec^ifd^en 3;^eoIogie 
entgegengefe^t unb jugleid^ eine SBerfürjung bed urfprungli^en 
®efid^töfreife§ ift, ben ät^anafiuö aufgerollt ^at. Unter bem 
®efid^t^pun!t ber Offenbarung ©otted in G^riftu^ tt)irb öon biefem 
bie menfd^Iid^e (Srf^einung bed £ogod atö ^räger^ ber göttlid^cn 
Unt)ergänglid^feit fo gebeutet, bafe bad SKenfd^engefd^Iec^t toon ber 
SSergänglic^feit erlöft »irb. (&§> »irb fid^ jeigen, bafe biefe 95e* 
trad^tung^meife gelegentlid^ auc^ öon änfclm no^ geübt tt)irb. 
S)ie »iffenf^aftUc^e 3;i^eoIogie beS äWittelalter^ aber toirb öon 
i^r ni^t met)r be^errf^t. S)enn in biefer gilt bie p^ilofopl^ifd^e 
Änfid^t bed Slltert^um^, bafe bie ©eelc öon Slatur unfterbtid^ ift, 
ald SSoraudfe^ung; bemna^ !onnte biefe^ Slttribut für bie äRenfd^en 
ni^t ald bad l^ö^fte @)ut erft au^ ber Srlöfung burd^ S^riftud 
abgeleitet toerben. aber ben ®ebanfen bed 2ltt)anafiud üon ber 
burd^ bie 3ncamation bed ßogoÄ bett)ir!ten Befreiung be^ SRenfd^en^^ 
gefriedetes auS bem Uebet beS ^obeS überbietet Slnfelm burc^ 
bie Slad^njeifung ber SBcrgebung ber ©c^ulb ber ©ünbe burd^ 
®ott. SBa^rf^einli^ Rängen biefe ©c^ärfung beS SntereffeS unb 
bie ©infd^ranhing beffelben auf bie Deutung ber lobeSleiftung 
beS ©ottmenfd^en burd^ Slnfelm jufammen. S)ie Stbnjcid^ung beiber 
2^eologen in biefen SBejiel^ungen tt)irb aber compenfirt bur^ i^re 



1) Confess. X. 48. Mediator ille dei et hominum, homo Christus 
lesuB, inter mortales peccatores et immortalem iustum apparuit, mor- 
talis cum hominibus, iustus cum deo. Ut quoniam Stipendium iustitiae 
vita ctpax est, per iustitiam coniunctam deo evaouaret mortem iusti- 
ficatorum impiorum, quam cum illis voluit habere communem ... In 
quantum enim homo, in tantum mediator; in quantum autem verbum, 
non medius, quia aequalis deo et deus apud deum et simul cum spiritu 
sancto unus deus. 




j 'n«6ereiiifttminuii9 bariii, bofe bic Grlüiung bcjicltungömciie S3ei= 
(ö^nung bct SWenfc^cn iiicfit btos aiiÄ bein ©eburiniffe bcs 9Jien= 
i(4enge{d)(e(^te$, {onbeiK aud einet in ber (^Ijre ober Siornialität 
{äyaä^fivtiq) ©ottcs ci 11 geftfif offenen Slotljicenbigfeit ju erHnrcn 
fei. Xiefc iunbomctitale Seftiinmiiiig beo söegriffeä üon (SJott bc= 
^frric^t bic Jticorieen in bcr9Beife, bafe bie öefcligung oberSBüß= 
cnbung beä SJienjc^cngefc^lei^tcäi tilä ber uon Sott untrennbare 
3iB«i fciiiet 3Seltjd)öpfuiig crtaiiiit luirb. .^icntit ift flu«gc= 
ft^loffcn, bafe bie SSerbaitimnng ber fünbigen ÜKcnfc^en nlä ein 
i^ret iSefcIigung äquinalentec ^xov& ®otte-i gelten fönnte; ba= 
burc^ aber ift pigleic^ auögef^Coffen, bag bie nacfte SReget ber 
boppcltcn coorbinirten Slergcltung baö SSer£)a(tni6 iiuifc^en ©ott 
unb 9)ienfc^cn, niclt^eä in biefen X^eorieen gebeutet roirb, enbgiltig 



I 



Slllerbingö finbet bicfe populäre Stec^töregel aud) in ben 
Dodicgenben beibcn Ilieoriecn il]rc 3lnroenbiing in beftintmtcn 
©renken. 3nbeni abgcfcftcn üon ber Sünbc ©Ott ben gctjorfum 
gebliebenen Sicnjdjen mit S8crlcit)iing ber Unflerblicfileit ober 
Seligtcit int ©ciinffc ©ottee Dcrgolten ftabcn mürbe, Dergilt er 
bie iDirllidi eingetKtene Sünbe burdf) bie Strafe bcü Xo'bi^ ober 
ber SScrbommnife ber UnfcÜgfcit. liefet Segrtff bcS öffenttit^en 
9)e(^te9 ftcl)t im ölei^gemic^t mit bein uniuerfeüen Gl)nraEter ber 
6t)te Öiotte^, unb bamit, baß I)ierin bic Scfeligung ber Slienfc^en 
alä ber öffentlit^e SBeltsioccf ®otte* auögebrürft ift. Seljrt nun 
at^nafiue^, tia% ber lob Ef)ri^ti, inbem er jut Slblöfung bcä 
göttlidien Xobeägejc^eö üon ber SKenJdiljeit bient, ben Eljaraftcr 
einet Strafe trage, fo ift biefeö ®[ieb bet ei-EöfungSlel)ie nacl) 
ben SJorauäfcgungen im ?lllgemeincn Derftänblic^. 9iut wirb anf 
bie ßongtuenj bicfct ®cbanfcnfoIge ein Si^attcn gcttiotfen, inbem 
&ilariuä ouöfüfjtl, boR Eljnftuä bieje ftcHocrtretenbe ©trof^ 
Iciftung aU folc^c nic^t empfunben fiabc. Slud) 'äfnfelm leitet fD= 
wo^I ben allgemeinen ©trafjuftanb ber fünbigen TOenfdjtjeit av.^ 
bem in ber Sf)te ©ottcä eingefrf)loffenen SJergeltungärec^te ob, 
al« et bic ctlüfenbe ober uctjüfjncnbc Xobcäiciftung S^rifti einer 
au§brfldlid]en iRcgcI be* Siechte« untcrorbnet. iJenn Ölotteö 
©ercc^tigfeit Ijat für it)n bie Sebcntung, bnfj ber TOenfc^ bie ®abc 
bei Sefeligung nur empfangen Eann, rocnn er®ott loiebererftattet, 
ans « bcmfelbcn entäogen Ijat. 9iur ift auägeft^Ioffen, bafe bic 
■l)ft Strafe oerfallenen ©ünbcr bicfer gorberung bitect cntfprc(f|en 



40 

fönnen; cS bebarf alfo bcÄ ©ottmenfd^cn, um an bcr ©teHc bcr 
SRcnfd^en bicfc Sebingung ju erfüllen. 

äbiüeid^enb öon 2ltl)anafiu§ unb feinen Siad^folgem beftimmt 
aber Slnfelm bie in beut 3;obe St)rifti entl)altene fteüüertretenbe 
ßeiftung nic^t al§ ©träfe, fonbern al^ ®enugtt|uung. Um biefe 
S)iftinction ju üerfte^en ift eS nöt^ig, it)re ?tbftammung flar ju 
legen 0- ®cr ©runbfafe : neqesse est, ut omne peccatnm satis- 
factio aut poena sequatur, tt)eld^en Slnfelm (1. 15) au^fprid^t, um 
feine Se^re ju begrünben, ^at einen ganj beftimmten gefd^id^tlid^en 
Ort. 3)ie ^iöjunction ift nid^t im ©inne be§ römifd^en Siedete«. 
3)enn n)ie bie g^rmeln lauten, meldte ^ilariud unb 3lmbrofiud 
auf ben %ob Sl^rifti antoenben, fo finb poena unb satisfacere 
gerabe im römifc^en JRec^t correlate ©egriffe. S)ie Siegel beffelben : 
qui accepit satisfactionem iniuriam suam reniisit, bejie^t fid^ 
auf bie Dom JRid^ter er!annte ober gebilligte öffentlid^e ©träfe 
für SBeleibigung, n)oburc^ bie lefttere compenfirt n)irb. hingegen 
bie bi^iunctiüe ©teQung Don poena unb satisfactio im ©inne 
?lnfelm'§ ift bie Siegel be« ©trafred^tä bei ben germanifd^en 
SSöÜern getoefen. Siac^ Xacitu^ 3^"9"i6 tourben nid^t blo^ 
leid^tere SSerge^en burd^ Su^e gefü^nt, meldte in ber 2lbgabe üon 
SSie^ jum 2^eil an ben Äönig, jum Xl^eil an ben Sefd^äbigten 
befte^t; fonbern aud^ SKorb (Germania 12. 20). S)ie SBoltered^tc 
ergänjen biefe ältefte 3iad^ri^t üon einer Sufee, bie nid^t ©träfe 
ift, burd^ bie SluffteHung berfelben Slltematiüe, toeld^e 2(nfelm 
auöfprid^t. SBenn nämlid^ bie Su^e burd^ 2lbgabe üon SSer- 
mögenÄobjecten nicftt geleiftet, ober üon bem SBerlefeten nid^t an* 
genommen n)urbe, fo ftanb auf 3;obtfd^Iag ober SKorb bie ©träfe 
ber ^rieblofigleit, unb bie burc^ ein SSerbred^en üerfe^te ^^milie 
l^atte ba^ Siedet, bem Xobtfd^ISger baS ßeben ju nehmen. S)iefc 
©träfe toar für ben freien SKann bie 2luSna^me; in ber Siegel 
lonnte er fein SSerbred^en burd^ Su^e löfen. hingegen für bie 
Unfreien galt üorjug^meife bie ©träfe, toenn aud^ nid^t unbebingt. 
3n ^inftc^t ber Sufee für SCobtfd^Iag ober SKorb, be« SBergelb«, 
l^atte jjeber TOenfd^ nad^ ©tanb, ®efc^Ied^t unb ?nter feine 3xije; 
nad^ ber Analogie ^ieju »urben aud^ anbere Serbred^en mit 



1) Bum Solgenben t)gl. bie tnaggebcnbc Unterfuc^ung Don $. (Bremer, 
^ie SBuraeln bed tlnfelmtfc^en SatidfacttondbegriffS. 6tub. u. Stiit 1880. 
@. 7—24. 




011* 



;ftc belegt •). T'flB Stnfclm btcic rtciTnQntfdten SRcdjtöüegviffe 
oiifncfjmcn tonnte, ifl nidjt mir au-J feiner lontbarbifdicn £ier: 
fünft iinb feinem ßcben in ber Sionnaiibie uerftQnb[i(^, fonbem 
aud) baxauh, bafe bcr ©runbiaU frciroiHiflci* Snlcntric^tungeH, 
ifactiones, im Untcrfcöicb oon bcii fftr^enftrofen, poenitentiae, 
laifmv in bie 5)iödp!in bei abenblänbifcijen Sircöc gefunbcn ^ot. 
Ercmet fiiibet nun ?lnfelm'8 2el)ic Don ber btirt^ Sf)tiftiiä 
an ©Ott entrichteten SatiSfoction ^ux Jldlüfung bc« ®trQf,vi= 
ftfliibeä bet fünbigen aJiciifdjen unb .^erftelliing bcrfelljcii in bic 
Scligkit nac^ bem 'äHa^ftafic bicfet SRcc^täbegriffc feft gcfdfloffcn 
«nb gefugt. Söenn ber ©egtiff bec (Sercc^tigfeit jugegeben roirb, 
fo faim man freiließ biefen giinftigcn nnb befriebigcnben SinbruiJ 
Don bem oorliegenben (äiiebaiitengange Hnfctm'S empfangen. ÜBenn 
bic 'Stiofe, loeldjc bie älienfc^cii nls Siinbcr tragen, bcn S8elt= 
.iioccf ©Dtteä bcbrol)t, fo ift bnrdj bie 3i'iff""9 """ ®ciiug= 
Itjuung möglii^. biefeii Qmid fielet jii fteüen, jumal t)ictin anät 
bic 3Höglid)leit ftcünertictenber Seiftiing Dorgefeften ift. Tiicfe 
fllcnugtliuiing ift nac^ bem ÜBerKic (^otteä ju berce^nen, ben fic 
ifii feine Herleite Efirc cntföiobigen foU, iinb inclc^e bcötjalB nur 
Don einem feieren geleiftet luerbcn tann, mcli^er at« 3Jfciifc£i 33er= 
roonbter ber SBcrbtec^er unb alä ®Dtt ju iier Seiftimg befäf)igt 
ifl. li>cl(f)e me^r locttt) fein mufe aU bic gan^e 9BcIt. (js ift oud) 
folger«^t. baß bic jucrft fac^Iicfi gcfcfjd^tc ©cnngtEjuiing de facto 
in eine übtr bie *ßf[i{^t tfinaii^liegcnbe, alfo fteiroiUige unb bcm= 
iiat^ perfönlii^e Stiftung bcö @i)ttmcnfd)cn umgebeutet mirb. 9iid)tö 
beftoroenigcr ift bic J^ioSf "ct^ ''ci^ 9ii(^tigfcit hicfcr ßcftre. alfo 
naäi ber ?JnH)enbbarIcit bc^ germanif{^en 9Tc(f)tdbegriffeä ber 
Äotiöfaction auf ben ©rlöfungötob ßl)rifti narf) wie Dor batjou 
abt)äiigig. ob Mnfelm'S Seftimmuiigen über bic (ycrci^tigteit unb 
über bie (Sbrc ©otteö ju cinanber paffen. Snbcm Srcmer bicfcs 
bc^tuptct, beachtet er nidjt, bafi in bem Icitenben ©egriff Dun 
®otted e^rc, meldjcr bie ©eligfcit bev 2fJenfd)en qI3 SBcItäroerf 
Derbflrgt, eine äöertljf^atjung bct ©nnbe ©ütteä angebeutet ift, 
gegen roelt^e bcr befannfc Segriff bcr (Scredjtigfeit birect öcrftöfet. 
Cber trenn biefcfl nid)t ol)ne Söcitcre^ einleuchtet, fo ift ber Sc= 
griff bet göttlid)cn Sfire, su melc^cm ber Segriff feiner ®ercd)tig= 



Ij «ßL txt ettiner bic SelHfie ouä 3a[. ©vmm'ä »eutldjtn 
Su^ttalictt^Umcni unb anbemi QufUen. 



42 

Icit pa^i, ein anbcrcr afö bcr, »eld^cr an ber ©pifec bed jtocitcn 
Sud^eÄ au^gcfprod^en ift. Unb fo i)t cd auc^. 3m ßaufe ber 
Srörtcrunfl töxxb ber ®ott, lüeld^er burd^ bie äbfid^t ber SScjcUgung 
ber 9)?enfd^cn bie ganje SBelt urnfpannt, i)erQ6gebrü(ft ju bem 
t)öd^ftfte^enben ©liebe ber nad^ flermanifc^en Gegriffen eingerid^teten 
Stec^tSgemeinfd^aft mit ben 9J2enfc^en. 3m SSer^ältnig ^ieju gilt 
feine @^re afö bie Se^auptung biefer ©tellung gegen bie 85er* 
legung bcrfelben burd^ bie ©ünbe ber 9D?enfd^en unb gegen bie 
©efal^r, bag bie SSerbammnife ber SKenfd^en bie Sie^tdgemcin* 
fd^aft mit ilinen überhaupt üerfaQen lägt. Qn biefer SSorftcIIunfl 
t)on ®otteÄ S^re pafet freitid^ bie 9tegel, bag man üon i^m feine 
®unft }u em^arten ^at tuenn nid^t alle ©d^ulbigfeit an i^n ent« 
rid^tet ober burc^ eine angemeffene ©atiöfaction compenfirt ift 
gür (Sott aber, toie er in bem audgefprod^enen abfid^tli^en 85c* 
griff üon feiner @^rc pröbicirt ift, müfetc bod^ erft befonberd 6c* 
loiefen fein, »ie berfelbc burd^ bie ©ünbe üerlefet merbcn, unb 
»arum feine SSergebung berfelben nid^t e^er erfolgen fann, alÄ 
aQe ©d^ulbigfeit birect ober inbirect entrichtet ift. 

@d barf Slnfelm ^o^ angered^net loerben, bag er mit ber 
ftrengen Stuffaffung ber ©d^ulb alä bed Dbjectcd öon ©rlöfung 
bad ^räbicat ber SSerlcgung ber S^re, atfo ber ^erfon ®ottci& 
üerbinbet. §ierin ift fein Slbftanb öon ben grie^ifd^en 85ätent 
am ftärfften ausgeprägt. S)iefc befolgen eine aSorfteHung Don 
®ott, bercn pl^ilofop^ifc^c §er!unft beutlid^ ift ®ie beulen bie 
©elbftgleid^^eit ®otteS fo, bafe berfelbc »eber üon ber ©finbc 
nod^ üon ber ftcllüertretenben ©trafleiftung S^rifti perfönlid^ bc* 
rüt)rt toürbe. Stn ber ©ünbe fommt bei itjucn ni^t il^rc ©d^uD) 
gegen ®ott, fonbern it)re 3Bir!ung beS XobeS für bie SRenfd^cn 
in Setrac^t; unb bie ©trafleiftung ßl^rifti bient nid^t ju einer 
perfönlid^en 35efriebigung ©otteS, fonbern jur ?t6löfung feiner 
S^obeöfentenj über bie TOenfd^en. S)cS^aIb ift üon Sla^folgcm 
beg attianafiuS ber SSorbetialt auSgefprod^en, bafe ®ott, toenn 
er looUte, aud^ auf anberem 3Bege bie ©rlöfung beS SÄcnfd^n* 
gefc^lec^teS bemirlen lonnte. ©o lodter tt)irb ber 3Bed^feI in ber 
©teHung bcS TOenfc^cngefd^ted^tS 5tt)ifd^en ©ünbe unb @rlöfung 
auf ben $intcrgrunb ber Unucränbcrlid^feit ®otteÄ aufgetragen, 
bafe bie im SSorauö beabfid^tigtc SRac^loeifung üon 9?ot^»enbig!cit 
in bem Verlaufe ber Srtöfung fd^Iiefelid^ in ?Ibrebe geftcQt toirb. 
3m ©egcnfag baju fteUt 3lnfctm (Sott bar afö in feiner 6^rc, alfo 




perfönlitfi (leciiitrdf^tiflt burd) bic ©(^ulb bcr Wenicöeii, unb al4 
pcriönlitt] lictf)ciligt bei ber 511 iciner SSürbe pafienben ©atiefaction. 
Uiib iiod) ben geftelltcn itorQUäleguiigcn Bcrlauft allcö, iDOs ^ut 
"ikrgebung bcr ®d}ulb ali Scbingung narfjfleroicfeii roitb, rcgel= 
mäfeifl Linb not[)Hicnbig. 3nbeffeii roitb fi(^ nic^t leugnen laffen, 
bafe 'Jlnfelm bei (einer ßetjtc noii bei ©atiäfoctiontStirifti bieSSor» 
ftcllnnii uon @ott nur in bcn cntgcgeiigefe^tcn geiler hineintreibt, 
als roeldicr bei bcn grieil)iicljen Sicitem nac^iocieibar ift. @t t)at 
öött pcrfönli^ in ben SQJeii)icl ber menid)lic^cn SJcrljaltniifc ^in= 
cin9e,\ogen, tnbcm er bic Siinbe qIö 3ietle^nng (violatio) feiner 
(£()« bcjcii^iiet fjot: fcrjönlic^ foU et burc^ bic ©cnugttjuunfl 
(E^cifli bcfricbigt rootbcn l'cin, um imd) bent Srialj ffinw iRci^teä 
bie erforbtrlidie iVrjeitiung ben ^J^enfcficn ^nsuioenben. Soburc^ 
ift ein SÖei^fcI in Sott felbft, eine SIbbängigEcit feiner SteÜung 
:,u ben Wenftften Don bem Sedjfel gclwiffer Sreigniffe belinuptct. 
Sliefe ^arfteUnng ifl in it)rcm dufeerftcn (Segenfa^e ju bcr ?rn= 
naiimc bet ®cl6ftgleii^[)cit ©ottcÄ fdinicrÜc^ weniger fel)lerf)aft 
roie bie Xciitung bcr le^fem butd) bic gricc^ifc^cn 93äter. 'Slaa 
etfemit, biife bcv Sann ber pljUofov^ifc^^potriftifc^cn Stnfii^t 
auf Slnfclm nid)! me[)r geniirtt tjot. aSad er bafür einfc^t, ift 
[tboäi bcr intitbologifc^cn ©otteSibec ju fef)r ucrwaiibt, ole bafe 
» t^Dlogifc^ notmat roare. Unb näf)er ängcfeticn Dcrbiirgt biefe 
Slnfi^anunfl »on ©Ott afö ber rcIntiD [)ö^ftftet)enben ^erfon bod) 
leiiK geffftloffone 9(otI)luenbigfeit in bem nacfigeiBiefenen ^uftnnntf n= 
liong ber SJeriötjnung. 5n einer SWcbitation, ber elften, {)at Hn> 
feim feine Salisfoctionäleöre sunt ©cflenftnnbe feiner frommen 
Itcbcrkgung gemalt, aber in bicfcr J^t^m bic 9Iot^rocnbig[cit beS 
rinflcjdjiflgcnen ^erfoftrenö für ®ott gercibc in Ulbrebe gcftellt, 
unb bic nur für ben ^eilÄsioed bcr SJicnf^cn gcltenbc 9iDt^loen= 
biflfcit ber Satiäfaction beS öottmcnfcftcn bem freien SESiÜen ©otteü 
uiilerworfen. 

Ucbrigenö entsictjt fidj 3üifcIm"Ä Deutung bcr genngtljuenben 
Xobeäleifhing bee iSottmcnfcöen iiid|t bcr 55"™"^' Sluguftin'ä, 
bab bie 9krmitlelung, itield^c l£l)rtftuä leiftet, auf feiner menfd): 
lidjcn SJatur berutjl. ^enn feine ®ottI)eit be^eidinct nur beii 
Scrtl) feines menfrfiUc^cn Sebenä, roelc^cö er in ben lob giebt. 
iöci ?It^nafiuä ift es bcr Sogos, bcr feinen Seib bem lobeä* 
t)cr^n8ni6 untcnoirft, um bicfe göttlidie Sa^ung absulöfen. 1)a« 
ift roo^l bie ftärffte Seränberung bc» Sntereffe^ an bcr ©Dltljeit 



44 

Sl^rifti, ipcld^e jlpifd^en bcr mittelaltrigen imb bet alten Äird^c 
conftatirt ipcrbcn mu^. ^icr ift fie bic SBcftimmung be« ?ßcrfon* 
beftanbc^ 6t)rifti, bei 3lnfelm unb tüeiterl^m ift fie bie 3Bertl^^ 
beftimmung bcr menfd^Iid^en ^erfon in it)rem §anbcln. 
S)ie ©enugt^uung be^ ®ottmenfd^en beftel^t md) änfclm in ber 
freien, über bie eigene SSerpflic^tung l^inauöge^enben Eingebung 
feineö Seben§ in ben %ob, aU eineö ®ute^, tt)eld^e§ ben an allen 
©ünben tiaftenben ©d^aben aufwiegt, m\l fie it)n anSBert^ fibcrtoicgt 
hiermit foD eine burd^au^ perfönlic^e, feine fad^lid^e ßeiftung 
bejeid^net fein. 9lun ergiebt fic^, bafe tüenn bie Eingebung beS 
SebenÄ in ben %o\> aU eine nid^t pfliddtntäfeige Seiftung ßl^rifti ge* 
bad^t werben foH, fie nid^t aU perfönlid^e, fonbeni nur alä 'fad^Hd)c 
Seiftung gebac^t werben !ann, — bafe aber, wenn fie als perfön* 
lid^e gebadet wirb, fie afö pflid^tntäfeige gebadet werben mufe. 
SÄan barf nämlid^ nid^t bei bem oberfläd^Iid^en SinbrudEe bcr 
®Ieic^ung fte^en bleiben, bafe alle SRenfd^en burc^ i^re ©ünben 
bein %o\>t pflid^tntäfeig üerfaHen waren, Sl^riftuö aber als 
ber ©ünblofe nid^t; ba§ beö^alb fein freiwilliges ©terben bem 
pflid^tmäfeigen ©terben ber ©ünber äquivalent unb batum bcr 
Act ber not^wenbigen ®enugtt)uung fei. S)enn ber %ob ift für 
bie ©änber ad interitum, für 6t|riftuS aber ad honorem dei 
(IL 11). S^riftuS war jum ©terben nid^t üerpflid^tet in ber 
3Beife ber ©ünber, b. ^. er l^atte als ber ©ünblofe natürli^ fein 
perfönüd^eS SSer^ältnife jum 3;obe ad interitum, alS ber ©träfe 
ber ©ünbe, wie bie ©ünber in bem ©ewufetfein il^rer ©d^ulb bie 
®etoäf)X ^aben, bafe bie ©rfa^rung beS XobeS eine perfönlid^ 
Seiftung ber ©träfe für fie ift. §at alfo ber 3;ob als ©träfe ben 
3Bertt) einer perfönlid^en Seiftung, unb war Sl^riftuS in bicfcr 
SBcjiel^ung ni^t ju bemfelben üerpffid^tet, fonnte alfo namentlich 
feine Slbfid^t ju fterben nid^t burd^ biefen ®ebanfen Vom Sobe 
beftimmt fein, fo war auc^ fein ©terben feine perfönli^e, fonbem 
nur eine fad^Iid^e Seiftung, unb bie 2lequiüalenj berfelben mit ber 
©träfe ber ©ünber ift nur eine fad^Iid^e. 3ft l^ingegen umgefe^rt 
baS ©terben S^rifti ad honorem dei, unb \)at feine Seiftung in 
biefer ?lbfid^t bie ©ewäl^r it)rer ^eiwiüigfeit unb ^erfönlid^feit, 
fo reicht fie nid^t als opus supererogationis über ben Umfang 
feiner SBerpflid^tung gegen (Sott ^inauS. ®enn jur Sl^re ®otteS 
ift, aud& nad^ Slnfelm'S Stnna^me, bcr ©ottmenfd^ ftetig toerpflid^tct, 
unb ba er als ber ©ünblofe nur ni^t bem 2;obe als ber ©ünbcn* 




iltofc ucrfaUen mar. io lommt cä nur au] btc richtige i8cgvcn,^iiri9 
^« ^flii^t (S^rifti bind) (einen eiflCHttjümlidieii öcnif an, um 
bie ÜJottjroenbigteit ciuc^ (eineä ©ter&enS snr @£)re ©otteä ju 
oaftt^cn. 9(Iio ftnb aurf) bie iDIertniQle, in bcncn ba§ ©tcrben 
ßtiriiti al« bet wirflic^e 9Ict bct ©enugtljuung crfannt roerben )oE, 
nomlitö bic pcriÖiiUdic greituiUiflfcit luib bic Sjemtion »om 
Spflit^tbcgriff mit cimmber unDcmnbor. 

^iefe Seuttt)ciliiiig ber 3:()eoriE SInfelm'* erfährt nun eine 
tMjbeutfame Unterftitgung burd) Slnjelm felbft. IJenn gegen ben 
S^luB ieineö 8ucf)ess (II. 10), no er bie SSirtung bcä Xobe^ 
Gftrifti auf boÄ Öcil ber 3)Jeiiid)en bar^nlegen unternimmt, Dcr= 
iduicftt et ben Segriff ber ©enngt^uung mit bcm gans uer[c^iebcn= 
artigen iöegriffe bcä SBetbienftcä. 3rt ber 6on(equen,\ ber ßef)te 
Don ber ©cnugttiuuiig buti^ SEjriftuö Idgc ber ®ebanlc, baß nac^= 
bem bieie SBcbingung ber ©ünbciiDetgcbung erfüllt war, Sott 
um feiner ö^re willen bicjeiiigen 9Henfcf)en, lueli^e ftt^ an Eljrifti 
Öingcbung ju @ott ein ©eifpicl UL-fjmnt, auf bcn SSJeg jur 
Seligfeit fiif)re. Stnftott beffcn (priest jcborfi 'itnfclm ben öebonicii 
auä, ia% eä für ®ott gerecht fei, bae grofee unb freiroillige 
©efc^ent G^rifti bnrc^ eine Sciülinung ju erroibcni, bafe aber 
©iriflUiS, inbem er in feiner @ütll)eit nicf)tö bcbarf. biefc gruc!)! 
unb ©clD^nung feines Xobeä ben aJicnft^cn juroenbe, ju bcren 
^! et ^enfd) geworben ifi, unb wcM)c nitljt feine Slai^aljmer 
fein tonnten, wenn fic nicftt im SSorauö an feinem SJcrbienfte 
Hnttjeil l)ätten. X'icfe 33arflellung wirb nidjt im ©innc Slnfelm'S 
DCrftanben, wenn man alä feine S)Ieinung annimmt, baft ber ^ob 
S^'ti alä @enugtl)uung bic Süiiben im SlUgcmeincn getilgt 
babe. abn als SBerbienft ®oü beftimmc, ben Sinjclnen bic gefct|ct)enc 
Sünbentilgung ,\unurei^nen '). S)enn cä ift üon ber ®efammt^eit 
ber *Rai^n^mer ober Serwanbten l|()rifti bie JHebe, welche nur 
ols X^eitne^mer feine* SScrbtcnfteä fein Seifpicl nc()men tonnen, 
unb ce ift in biefem 3"f«iTimentjangc gar nic^t meljr »on ®e> 
Dugt^uung unb uon St)rc ©utteä bic Mcbe. "Surc^ ben begriff 
beä SJcrbienfteä wirb nun bic SÖebcutung ßl)riftt für bic ju be* 
feligenbe SKenfe^^eit Dctflärft, unb eine intimere Sejictjung äroijcften 
i^ unb (S^riftuä angebeutet, ülä üue ber ©atiSfactionSle^re 

t »tirbe. 3n biefer ift cö nömlic^ begritnbct, baft bet Xob 



I) $af[e, Änfttm uon Ganterburg, 11. S. i 



46 

S^rifti alö Set bcr ©cnugt^uung nur ®ott angebt, l^ütflcgen bic 
SRcnfcftcn nur afö Slct bcö Sei)picfö. 3)amit bic ©cnugtl^uunfl 
an ©Ott für bic SRcnfc^cn giltig fei, bebarf c§ nid^t bc« 95ctt)u§t* 
feinö bcr 3Rcnfd&cn öon bicfcr Scbeutung bcS lobe« Sl^riftt, 
fonbem nur i^rer 92QC^Q]^mung bcr in it|m üoUjogcncn Eingebung 
an ©Ott. 3)ie ©ünbcnüergcbung üon ©citen ®otte«, tocl^e bcr 
gcteifteten ®enugtt)uung folgt, erfolgt nid^t burd^ ben 2;ragcr bcr 
©enugt^uung fetbft, fonbcrn neben bcmfelben ^cr. Allein inbcm 
ßl^rifti fieiftung alö SBcrbienft gebeutet wirb, tt)irb er aud^ ate bcr 
birecte STOittlcr ber ©ünbenüergebung für bie SWenfd^cn nad^gcmicfcn. 
S)ie öielen ©injelnen, welche fid^ an it)m bad Seifpicl nehmen, 
werben nämlic^ unter bem ®efammttitel feiner ©eiftcÄDcnoanbtcn 
fo als ®anjeS jufammengefafet, wie fic burd^ i^rc Änerfennung 
be« 93erbienfteS S^rifti gegen ®ott 2!t)eilncl)mer an bcmfclbcn 
werben, ©ie würben gar nid^t alö feine Siad^a^mer gelten fönncn. 
Wenn fie nic^t im SSorau« Don i^m bie ©ünbenücrgcbung ^abcit, 
bie er für fie üerbient t)at. S)cr Slbftanb bicfcr beiben ®cbanfcn« 
reiben bcrul^t barin, bag bic ®cnugt^uung Stirifti nur bic 
^ebingung bcicid^nct, unter ber bad urfprünglid^e SRotiD 
ber S3efcligung bcr äRcnfc^cn, bic @^rc ®otte«, aud^ an bcn 
©ünbem wieber wirffam wirb, baß hingegen in bem Serbien ftc 
ß^rifti bic Sebingung ber ©ünbenüergebung fclbft ald bad 
SRotiü berfclbcn für ®ott aufgefaßt ift. 3ft alfo bcr ©inn bcr 
Ic^tcm ®ebanfcnrei^e, baß bie Sbfid^t ber ©ünbenüergcbung in 
®ott nur burc^ bie Seiftung S^rifti hervorgerufen ift, fo folgt, 
baß biefe Slbfid^t aud^ nur fo an ben SRenfd^en wirffam Werben 
fann, wie biefe iencö für ®ott gettenbe 9Rotit) aU fold^e« ancr* 
!ennen. @« ift t)ier nic^t ber Ort, ben Segriff bed SUerbienftcÄ 
in bicfcr Änwenbung üollftänbig ju beurtl^eilen ; aber cd ift ni^t 
jwcifctfiaft, baß berfelbe in ber üorliegenben ®ebanfenrci^c Slnfelm'Ä 
baju bient, bie grage au« ber red^tüd^en Setrad^tung«wctfc in 
bie fittlidje überjuleiten , unb jugleid^ bcn SBcrt^ be« 2;obc« 
S^rifti für bie ®emcinbe me^r ^crüorjulieben, ald c« fonft möglid^ 
War. Unb in bem ®efü^I baüon wirb ber ®runb liegen, büft 
?tnfelm feiner Se^re üon ber ®enugt^uung Gl^rifti eine anbcrc 
©pifee auffegte, woburd^ er felbft inbirect fie al« ni^t jWcdCmäBig 
bcäcic^netc. 

S)ie berühmte %\)toxxt Slnfelm'« erfd^eint au^ nod^ au« an* 
bcren ®rünben al« eine if olirte fieiftung feiner 6ombination«gabc. 




68 ift jcfion erroütint, ba§ fk einmal bcii ®cfienftaiib bcv SÜicbittitiDit 
Änjtim'ö bilbcl, ober einen fetjr froftigcn. llebrigciiö fomnteii in 
beii Slnbat^ien unb ©cbcten tt)reä Urheber* bie ^orftellunscii uon 
läilot'uHg Dot, lücldje »on 3(tt)artafiu^ Ijcr überliefert fiiib. 2)cr 

JBeti^ beS ©tlöferä iDtrb batiin beftimmt, bafe Qiott in itim flii= 
luen ift. um feine ?Incrfcnnung mitglid) jn machen, unb bic 
Icnfc^eii iu ben getft[i(^cii Tiiiigen jurüdjiifii^rcn; ferner baß 
©Ott iiäf auf bic iBeränberlidjfeit einliefe, iiin unfi an bcr Un^ 
ticränberlic^feit (l)cilnef|men gU laffeti: Dataram super omnem 
creatDnun vides ia eo exaltatam (Med. I. 8). üi tn^piid^t 
ebenfalls bem ©ebanfenfreiä beä ?lt[)«iiafiuö, bafe 9tnfetm in bem 
©terben ßtjrifti bie ©träfe crfennt, roeldie bem ©ünber gcbülirte 
(Orat. 11). Sbcr biefeä akr^ältnife bcä Sluätaufdjc* luib her 
3bcntität ber (itloubigen mit S^riftu* filtert ?ln[elm loic Kuguftin 
burc^ ben ©ebontcn bcr ©emeinbc ©Ijvifti. Christus tautum se 
nniTit, ut in unitate ecclesiae de carne sua te esse roluerit, 
iDOtiiue folgt, baß jeber ©laubige fit^ als Organ Ef)rifti ju be= 
iradjteii unb bic Sünbe p inctbeii t)at (Med. I. 5). Stnbeterfeitö 
bctücgt fid) ?tnielm'ä 3lnbac^t in bemfelöen ©ebanEcngong, mclc^cr 
bctnnfl^ft uon Sbälatb tfteoretifdx, QUägeprogt loirb. 23ie ßtcbc 
@otteö in StjriftuiS loirb betont aU baä SKotiB bev ©egcnliebe, 
meiere allein bie 9tat^Q^mung ß^tifti müglid) mad)t (Med. I. 6). 
Ciebe iSottcö crfd)cint aber nic^t crft barum a(ä majigebenb, 

jtKÜ fie burd) ßl)rifti @tcnugtl)uuiig t)erUorgerufcn ift, füiiberu 

[felm bebuctrt nuS ben entfc^eibettben ©ä^cii beS ^auluS JRöm. 5, 

iNlg bie3IufDpfcningß[)rifti, bie un« red)tfcrtigt unb üerfÖI)nt, bie 

'^:Webe ®ottcÄ alö baä aCcin roicRame SJJotiü baju bergegenioärtigt. 
Creasti me, cum non essem; rcdemisti ute, cum perditus esseni. 
Sed conditionis meae et redemtionis cauaa sola fuit dilectio 
tna . . . Si diligo multum te, tu certe et ante dilexisti me 
et plas. 3n biefer (äebantcnreil)c ift bie fdjöpfcrtfdie ®ott^eit in 
G^riftu« behauptet ; bennoc^ ift bie ©ttnimung gerabe bie umgcfeijrtc, 
wie bei ^ll)anafinä unb ben Sßätcrn. Certe uescio, quia nee 
picne comprehondere valeo, unde lioc est, qnod longe duleior 
es in corde diligentis te in eo qnod caro es, quam in eo 
qnod verbum: duleior in eo, quod buniilis, quam in eo quod 
aabtimis . . . Haec omnia (bie äKerfmale bcr Jfiebrigteit be8 
®ottri} formant et adaugent magis ac magis essultationem, 
fidnciaa) et cousolatiouem, aniorem et desideriiim (Med. XII). 



48 

6. Sie ©ebanfenrei^, loelc^ fc^on Sttfcbn für bie Xnbac^t 
am meiften fruchtbar ju mac^ Derftanb, \kl% bie Siebe @otted 
in S^riftu^ auc^ in beffen Xobe offenbar fei, um bk 
Oksenliebe bei (gläubigen ^erüorjunifen unb fo bie 9tac^foIge 
(E^rifti in ifenen ani^uregen, ift fd^on Don Suguftin an ^emor^ 
ragenbem Crte Dorgetragen n^orben ')r unb jnxir o^ne Sinmifc^iuig 
irgenb eine^ fremben red^tlic^en ©efic^t^punftee. Siefe Don ^ufatd 
Dorgejeic^nete Srflärung ber iBerfö^nung ber äRenfc^n mit @ott 
burc^ S^riftu^ ^t Hbälarb-) bei ber Suelegung oon 9iom. 3, 
22—26 Dorgetragen. Seil nun 9bälarb ben 9KitteIbegnff ber 
@ottmenf(^^it nic^t erft mie 9nfe(m fuc^t, fonbeni i^n in ber 
Snerfennung S^rifti befi^t, toeil er bemgemäg bie c^riftlic^ Sot« 
ftellung au^fpric^t, unb nic^t einen rationalen 3ufammen^g ex« 
finbet, fo finb auc^ bie^renjen t>c^ problematifc^ Ser^ltniffeft 
Don i^m anberd beftimmt, atö oon bem 33orgänger. Snftatt ber 
(S^re unb ber juriftifc^n SSo^rung bed 9te(^ted @otted an bie 
äKenfc^en fte^t i^m bie Siebe unb bie et^if c^ Okrec^tigleit ®otted 
feft unb anftatt bad ganje äRenfc^ngefc^lec^t ba« feine Seftim* 



1) De catechizmndis rudibos 4: Qoae maior caosa est rndTentus 
domini, nisi nt ostenderet deus dilectionem suam in nobis, qnia cnm 
adhac inimici essemas, Christas pro nobis mortaus est. Hoc autem 
ideo, ot et nos invioem diliganlus et, qaemadmodnm ille pro nobis 
animam posuit, sie et nos pro fratribns animam ponamns, et ipsam 
deam, qaoniam prior dilexit nos et filio sno nnioo non pepercit, ted 
pro nobis omnibas tradidit eom, si amare pi^^bat, saltem nanc reda- 
mare non pigeat. Nalla est enim maior ad amorem invitatio quam 
praevenire amando. 22. Qois enim non redamare affectet iostissimom 
et misericordissimnm denm, qni prior sie amavit iniostissimos et super* 
bissimos, ut propter eo« mitteret unieum filium, per quem fecit omnia, 
qni non sni mutatione sed hominis assamtione homo factas non soliim 
com eis vivere et etiam pro eis et ab eis posset oocidi. 

2) Commentariomm super S. Pauli epistolam ad Romanos lifari Y. 
(Petri Abaelardi et Heloisae Opera ed. A. Duehesne. Paris 161& 4). 
9}cutcr, 9[uffUlning im StittelaUet I. 3. 820 Dciroctft no4 üuf DiaL inter 
philos. lud. et Christiannm p. 97, ferner Heloisae problemata cum 
Abaelardo soluta unb Sermo in purifieatione Mariae, IDO auf 9[nlafe 
Don &al 3, 13 in bem %obe d^rifti bie ^bcutung bcd StraflribenS mit 
ber fBiifung erfannt roirb, bog bie 9iAubtgen ntc^t me^ na4 bem Qkfcte 
gerietet »erben, ^iefe Senbung bed (^banfend meic^ beutltc^ genug Mm 
ber patiifHfd^ Ueberiieferung ab, unb ^t feine llkbentung gegen ben ^n|rt» 
gebauten Sbälarb'd. 




immg jur ©etigfeit burrf) bte Sünbe uerfeljU, iiiä ^luge ju fciifen, 
[ifiii)tänft n imSSorau-ä fernen Slicf auf „unö", lueli^c jur ©elig^ 
Iril Don @olt emiäl)lt finb, imb iDcldjc Borl)ec ober natftljer an 
bie ilerfölinung buti^ ben ©ottincufi^en gtaukn. 

Xcn Dbai bejeif^nctcn Sejl be* ^quIiiö erflott ^Ibülorb 
umjclimbciib in folgenbcr @ebanfenceif)e (p. 548. 549): Sa nie= 
inonb burt^ bie SrfüDung beS ßercmonialgcfcgcÄ üot(yott gerecht 
Wtcben faim, fo i}at ©Ott burdi leine fflerfiinbuiiß mit bcr inenf(^= 
lit^ Slatiir \u ßljriftuö unb butö} btf Eingebung beffclben in 
Sdbcn unb lob bic ^öt^fte Siebe uiij cnuicleii, unb in bcncn, 
Mh^ biefe ^eriöliiiungäitttat im Qilaubcn anertennen ober t)ürt)er 
rawrttt ^aben, einen @rnb ber Üiebe ju fid) nnb suni Slcii^ften 
ttaedi, loeli^ei ein unauflü^Ut^esi iäanb mit 04ott bilbct unb ber 
9tnnii für bie SBcrgebung ber Dortjer begangenen ©ünben ift 
Ibölacb [)at nun freilief) bie ^rage aufgcmorfen, nai^ med^er 
Sot^cnbigteit 6)otl biefen SKeg ber aJienfcfjwerbung unb beä 
tflbes 6f)rifti ju uiiferer SBcrföljnung cingefc^logen, loarum er 
bitfc größere @nabe unä erWiefen i)at, ba er, roie eä fd)eint, mit 
tinem geringem aJJafte uon ®nabc, ot)ne iDlct)e Siermittelung nns^ 
bitSünben ^abe üergeben [önuen (p. 550. 552). 5(ber bießöfung 
fcitirr imb anbercr bamit ,^ufammen()ängenber fragen, bie natürlid) 
k btm iSommentar nit^t erfolgen tonnte, finben mir in feiner ber 
iitti überlieferten 'ätt)riften. 9fur baä barf iioc^ ermähnt rocrben, 
k^ er beiläufig ben (Sebaufen bcr Srlöfung qu$ bcr ä)Jaci)t beä 
Ifiifclä burc^ ben 5:ob 6I)rifti nit^t bloä baburc^ miberfegt, bafe 
fcerfelbt fein 3ied)t an bie SKcnft^cn erworben ()abc, baä burt^ 
rintn Eifflg [)ntlc geacölet Werben muffen, fonbern aud) bnbiircfi, 
baß bie l^rlöfung bur(^ <£l)riftu^ bett (£rn)ä^lten gelte, bie ali 
foI(i(e überhaupt nie in ber äKad)! bcä Xeufels geioefen feien, 
^ünbelt CS fid) alfo bei bcrütec^tfertigung unb ajcrfö^nung burc^ 
g^riftu* nur um biefe fiiaffe bcr 9Kenid)cn, fo lä&t Slbalarb bie 
bejri^nete ©irtung ber ^Öcöften Siebe ©ottcä bcbingt fein burt^ 
bte fffie ©egenliebe bcr einjcincu ©laubigen. Sn biefer Se^ic^ung 
fiüft Äbälarb'ö ?lnfid)t nirf)t ungünftigcr alä bic oon Stnfelm. 
3^11 fofem bie oon (£f)riftuä an ®ütt geleiftetc ©atiöfaction 
Dttt für biejenigen gilt, bie fic^ an ber freien ipingebung 6t)rifti 
ju @ott ein SBeifpiel neljmen, fo tei^nct auc^ 91nfclm für bie 
SoBjicljung ber neubcgrünbeten ©eligleit ber 3Äenfd)en auf beren 
freie uubcret^enbare Gutft^cibung. 9([lein gcrabc 3tbdlarb legt 



50 

ung nal^c, in feinem ©inn bie freie ©ntfd^eibung für bie Äneig* 
nung bcr Sßerföl^nung^tl^at unter ben ®efi^töpunft ju ftcUcn, 
bafe S^riftul allein bie @rtt)ä^Iten befreit l^at. §iemit ift 
wenigftenö baS Urt^eil angebeutet bafe bie ju berf ö^nenben 3Kenf(^en 
aud^ mit bcrgreil^eit i^re^ fiiebe^entfc^Iuffe^ bon öoml^erem bem 
göttlichen Slattifd^Iuffe be^ §eile^ untergeorbnet finb. 

§ieju fommt aber noc^ folgenbe ©ebanfenrci^e (p. 590), bie 
^bälarD an bie ©egenüberfteUung Don 6t)rtftu^ unb übam an« 
fnüpft: „®ott l)at burd^ bie 3Jienfd^tt)crbung feinet ©ol^ne§ ht^ 
tt)irlt, bafe burd^ i^n nid^t nur feine JBarm^erjigfeit, fonbcm au^ 
feine ©ered^tigfeit ben ©ünbem ju ipülfe fäme, unb ba§ burd^ 
beffen ®ered^tigfeit ergänjt werbe, toa^ burd^ unferc SSergel^n 
gel^emmt ift. Site nämlid^ @ott feinen ©ol^n jum SKenfd^ 
mad^te, ^at er i^n unter baS alten ÜRenfd^en gemeinfame ©efe^ 
gefteltt S)erfelbe mufete alfo nad^ göttüd^em ®ebote ben Käd^ften 
tt)ie fid^ felbft lieben unb an und feine Siebe^gnabe üben, Üf6i^ 
burd^ Untertüeifung, t^eite burc^ gürbitte für un^. 5Dur^ 
göttüd^ed ®ebot alfo würbe er genöt^igt, für un« (bie ©ünber), 
unb l^au<)tfäd^Iid^ für bie ju beten, weld^e burd^ bie fiiebe i^m 
anpngen. S)ie l^öd^fte ®ered^tigfeit (Sottet aber forberte c^, bafe 
in SRid^t^ fein ®ebet eine 2lbtt)eifung erful^r, ba feine Oott^t 
il^m nic^tö juliefe ate toa^ er wollen ober tl^un mufete. . . . SBaÄ 
in unferen 8Serbicnften nid^t war, f)at er au^ ben feinigen ergänjt. 
Unb wie er einjig an §eiligfeit war, fo war er aud^ einjig in 
ber görberung be« §eiled Ruberer." — 3)iefe ©rörterung begrünbct 
junäd^ft, bafe inbem bie fiiebe ©otteS burc^ bie ©rwedEung bcr 
®egenliebe in ben ÜRcnfd^en ber ®runb il^rer Sled^tfertigung ift, 
bie ®ered^tigfcit ®otte« nid^t unwirffam wirb für bie Segnabigten. 
3)enn fofem bie au^ ber fiiebe ju ®ott entfpringenben Seiftungen 
berfelbcn unbollfommen finb, alfo ber ®erec^tigfeit ®otteö nid^t 
genügen, fo Werben fie burd^ S^rifti 5Berbienft für bad Urtl^eil 
®otte^ ergänjt. 3)aS Reifet, ber SBert^ ber öerfö^nenben Seiftungen 
©l^rifti befd^ränft fid^ nid^t barauf, bafe er wertl^öolle (Segen** 
leiftungen ber ©rwäl^lten öeranlafet, fonbem er bewäl^rt feine 
übergreifenbe ÜRac^t barin, bafe er bie ganje S)auer ber ®egcn* 
leiftung begleitet, unb burd^ feine ©rgänjung berfelben bercn 
aSert^ für ®ott möglid^ mad^t. S)er »egriff ber ©erec^tigfeit 
®otte«, ber biefen 3"föntmen^ang be^errfc^t, ift et^if^ unb nid^t 
iuriftifd^, ftel^t nid^t im ©egenfafe jur ®nabe, fonbem ift il^r 







untttaeortmct, botum oui^ iiit^t bcr SSennittching mit b« ©nahe 
(ft^w) ®otteS bebiirftig, tt)t(d)c !(n(elin burd) bcn ißcgriff bcr 
©enugt^uung 6fitifti Iciftet. i)if)n ©ebanfc Üf^t aber be?I)at[i 
OugcT bcm ©efid)t4rtetiE Jtbalatb'S, Weil bcr[cI6c teilt öinbcritife 
bagcgvn Tcaliniimint, bofe @ott (eine Siebe sur SSerföIinung an beii 
Doii it)ni (5nDöl)Iten Iictljätigt. 9Iid)t minbcr roic^tig ift ferner bcr 
©cbaiifc, niclt^er bie Sebeiituiig ß[)rifH sur SSennittcIung ber 58er= 
iötiniing ber ©laubigen über bic SRüdfii^t [jinouä auäbctjnt, bofe 
S^riflue in feiner 9neuid)icerbiing uiib (einem Sterben 
bic Siebe @ottc8 un« gegenüber Dertreteii ^af. @r hat 
sugleid) burcf) ieiiie nie fc^lgeljenbc gücbittcunä, bie mit ®ott 
wrfö^nt iperbcn jolltcn, unb bie rair burd) bic Siebe mit ßt)riftu3 
jufamnien ^öligen, ©ott gegenüber ücrtretcn. Sr nimmt alä 
ber 3WitlIer unjcrer 3SerJi)l)nung eine nat^ beiben ©eifcn roirlcnbe 
Uo pp elfte Uung ein. Sine folc^c bcjcidinct ja aiid) Slnfclm, 
tnbem er an ber Eingebung bcS ßebcn« E^rifti jur S^re ®otteä 
fowoftl bcn SßJert^ ber ©cnugt^uung an öSott als ben bc5 SBcü 
fpielS für bic aJJcnfc^en anerkannte. ?lber ba« 5BerI)ci(tni6 beiber 
©etten ber 35oppcl(tcßung ju einanber Wirb üon Seiben in ent= 
fltflotgtieftter ©cife beftimmt, %üx ?tn(eim ift bic ®citt äuge= 
»eiä«te Eeite bcr Üciffung Eljrifti bcr ben 50fcnf(^cn jugcrocnbetcn 
fib rrge o rbnet. gür SfbÖlarb ift bie ben Ulfenfdicn jugeroenbete 
©ottes in t£^riftn«, in feiner 3)ieni(^n)crbung, feiner Unter= 
ifung unb feinem Seiben', ber teitenbe ©cbanfe, won roeldjeni bie 
fBirhing ber an ®ott gerichteten gürbittc bcS ©ottmcnfc^cn ab= 
IjängL 3n ^infic^t be§ UmfangeS ber Slnfc^aunng ift fflbölarb'ä 
Deutung bet SSerfÜtjnnng iuid) etjriftuä ber ©atiäfaction?Ief)re 
Mnfflnt'S in bemfelbcn 3Jiajjc überlegen, al3 fic borin ber J^cotic 
Don fft^onafiuä gfcic^ ift. @ie ift au^ ber eigentlii^c Srfag 
kcrfctben für iaü älHttelaftcr. Unb jmar crfcgt Slbäfarb'ä Seljrc 
tne bei Ätl)anafiud mit beffercn SDlittcIn. @ö finb mehrere, aber 
bf^^Ib autfi nngleii^artigc Srfolgc für bie 3Ken[d)en, rocli^c 
ai^nafiiiä an bie äücnfdimerbung Gljrifti fnüpft, bafe bie Un^ 
«rgflnglitftleil bcd gottlii^en 2Bc[en§ mitget^eilt, baä ©benbilb 
OcttcS im menf(§Il(^crt SScfen erneuert, bie ricE)tiße ©rtenntiiift 
@ottei raöglit^ gemadit werbe. Eie crftc ^wedbcftimmung ift 
ein übcnifltürlid)cr 9}aturöotgang gemeint, bie jweite atö eine 
[c Stnrcgung, bic nur auf bcm SBcge bcr Svfenntnife unb bcr 
fcgcrfrillung Grfotg f)at. Sinljeillic^ alfo ift bie aBirEnng ber 



52 

9)2enfd^n)erbung ©otte^ t)on Sltl^onaftuiS nid^t gebadet. (Sinl^ettltc^ 
aber ift bic Sombination abälarb'ö, unb rclifliö^smoralifd^ ift ba* 
SSanb gebadet, toelc^cö er jtoifd^cn ®ott, S^riftu^ unb bm 6r* 
tDQl^Iten nad^tuetft, b. 1^. benen, bte burd^ bte SSerföl^nung unb 
burd^ bie (Gegenliebe bie ©emetnbe (S^rifti au^mad^en. Sud^ in 
praftifd^er Äraft überbietet Slugufttn'^ unb «bdlarb'g Sc^re bic 
bed Ät^anafiud. ^enn man fann e^ mit S3en)unberung unb 
®emüt^§er]^ebung betrad^ten, bafe ®ott in S^riftu^ gewiffermafecn 
beränberlid^ geiüorben ift, um und feine UnDerganglid^fcit mit* 
jutl^eiten; man fann aber baöon feine beutlic^e Srfal^runfl in ber 
©egeniüart machen, I)öd^ften« in ber ^Berf^euc^ung ber ^uxäft 
t)or bem Sobe eine f^tuad^e $robe ber jutünftigen @rlöfung fid^ 
einprägen, aber bie (Segenliebe gegen ®ott in ßl^riftud farni 
man in i^rem ganjen Umfange üben, unb barin bic öorauÄ* 
gcl^enbc Siebe @oik^, bie und ju i^m gejogcn l^at, fid^ cot* 
eignen. 

3)iefe SKet^obe ber ^nbaä)t, bereu Sion fd^on Änfelm ange* 
fd^Iogen l^at, ift bon Seminar b bon (Slairöauj in einer ©tärfc, 
einem Umfange, einer 8Sirtuofitat geübt Sorben 0» ba§ boburd^ 
bie SRid^tigfeit unb bie ß^itgemäfel^eit ber ®ebanfcnrei^e Slbälarb'8 
bie bottfommenfte Seftätigung empfängt. S)enn ein 3)ogma l^t 
feinen öoKen SBertl^ unb bie SSebingung feiner allgemeinen ©eltung 
nur baran, baß bie lebenbigen Qn^t ber ^tömmigfeit fid^ mit i^m 
bedEen. hingegen ift ein S)ogma abgeftorben unb beioä^rt ftd^ old 
ein §inbemiJ5 an ber Äird^e, tt)enn ed feine erfennbarc birccteöe* 
jiel^ung ju ben ÜRotiöen ber ^ömmigfeit l^at, unb l^öd^ftend ein 
©taunen über feine Unöerftänblid^feit ^eröorruft, Scml^arb nun 
l^at fic^ burd^ ein Sntereffe ber lefetem ?lrt gegen JTbälarb barum 
aufbringen laffen, weil berfelbe bie Se^re Don bem JJauf^anbcI 
mit bem S^ufel bei ©eite gefefet fiat. S)urd^ biefen (Sifcr fyit er 
fid^ bie 2]^atfad^e Verborgen, tt)ie nal^e beripanbt feine eigene ^roEtÄ 
ber ^ömmigfeit mit Slbälarb'd 3)eutung ber allgemeinen 8Scr* 
fö^nung lüar. Unb bie 2lrt, lüie er ben §anbel mit bem Seufcl 
gemäfe ber Uebereinftimmung alter 5Bäter gegen ben fü^nen 
9ieuerer aufredet erhält *), ift gerabeju beriporren. Seml^arb ftettt 



1) $gl. meine ©efc^ic^te bed $ieti«mud I. ®. 46 ff. 

2) Epistola 190 ad Innocentium II. pontificem seu tractatos oon- 
tra quaedam capitula errorum Abaelardi cap. 6, 14; 6, 16; 8» 20. 




53 



TS 



'fnttft gegen jcinen ©cgner feft, bnfj bic Jperrfc^aft bcä Xeiifelä 
fiSet bie aJietift^en jiDat nid)t in gcredjtcr SSfije cmortcn, aber 
ali ein Mct^f Don ®ott ;ingcftanticn fei. Sic Scfreinng batnuä 
ift aSirtunfi bct Sflrmljcrsigfeit ®otte$, aber non defuit iustitia 
qnaedam et in ipsa liberatioDe. ^un abei getraut er fid) bot^ 
iricfit. baäi geben beö (Sottntcnfi^en alü bo* Süfcflclb btitäufteQcu, 
baä Der Xcu}d für bie 9)icn|c^en empfangen ijabe, nm [ein Siecht 
abjuloffn. 4'ielmefjr Dcrläfet er ben abfidittid) begrenzten SBoben 
friitci ^Dtauäfc^uiigcn, inbcin et bie Cciben SI)rifti als bie unge^ 
rechte ^irfung beS Xciifel^ an if)in beutet, um bcren roiHen bct^ 
felbc feine bi^betigc SJiac^t über bic Slfcnjc^en ucrloren I)ot. 3n 
drem Slttjent ferner roirb bcr iob Gfirifti, in loclt^em er unfere 
Sünben getragen, iinb in melcfiem er qIö £etb alle ©lieber in 
ficft fleidiloffeit ^Qt, aU ©enugttjuiing bejeidjnet; eS mirb ober 
nitftt gcfagt iin men. ©ernljarb irirft an einer anbem Stetle bie 
■gtagc auf, roaruni bie Siecfötjuung ober bic Srtßjang Don ben 
©aiiben be* Icnfelä buri^ ba«?)lHt6ftrifti gcfc^ctjen ift, roöörenb 
birfelbe bntc§ beffen 93ort uoUjogcn ttietbcn fonntc. Eiefe ^TQflc 
bcr rfaeologift^en Srtenntnife locift er üb: mihi scire licet, quod 
ita; cur ita, non licet. ®ä unterliegt aber feinem ^l^eifcl, bafe 
bcr aSann, weldjer t^eologifdj befähigt mar, roie Siner, fic^ fiiet 
bct Sormcl einfa(^ nnterraorfen I)at, nic[d)e uon SItl)(inaftuä ^cr 
burtfi bie lQtcinit{^en Sßätet ba§ römifd)'rec^ttid)e ©eproge 
empfangen ^at. ÜDenn in einer ^prebigt beiennt er fii^ uuum^ 
rounben \a ben brannten ©ebnnfen '). freilid) nii^t oljne @in= 
mififtunfl ber Seäieljung beä XobciJ ©£)riftt auf bie Unterroerfung 
beä Icufel^. §ieuön loeit^t eine britte ®cbantenreit)e roicber ab. 
SBemtjarb trägt in einer ^cbigt (in annunt. Mariae I) eine fcljr 
■pmrige Itarftellung bor, iconad) bie »ier Sugenben, loelc^e ben 
SRenft^n uripriinglic^ begleiten, örbarme« nnb triebe, SÖJat)r[)eit 
©erccfttigleit fitfi gegen einanber gefpalten Ijaben, nai^bem 
SHenft^en burd( bie Sdjulb SIbamä in bau 1obeäöer()ängnife 




1) In Oftntica 20, 3: Mortis saeceptinne satisfeoit patri . . . . Ut 
n recoBciliet, mortem fortiter subit et eubigit, fundens pretiuiii 
redemtioDig sangniiiem Buum. Ergo niai amaaset duiciter, non 
w» in oarccre requisisset illa maieatas; sed iunxit aSectioni sapientiun, 
qu tyrannoin deciperct, iunxit et patientiam, qua placaret ofien- 
foin ieata patrem. 



54 

flcrat^cn finb. 3nbcm ftc paamcifc Oott gecjenübcr ben SBunfd^ 
ber ©xtöfung bcr SWcnfd^cn unb bic §inbcrniffc bcrfclbcn vertreten, 
giebt (3ott bie (Sntfd^eibung: fiat mors bona, et habet utraque, 
quod petit. @in jot^cr Sob nun ift bic 5ßfortc bcÄ ScbcnÄ, 
si ex caritate moriatnr qnis, utique qui nihil debeat morti. 
Nimirnm Caritas fortis ut mors, imo etfortior morte. 
Der Unjc^utbigc nun, welker nid^t au^ ©d^ulbigfcit, fonbcm frei* 
willig ftirbt, ift nicntanb anbcrcö afö bcr ©ottmcnfd^. S)iefc 
Deutung fügt fid^ unter fein^ ber befannten fic^rfd^emata bun^« 
au^. SBorauögcfefet freiließ ift ber altfird^Iid^e Oebanle, ba§ ed 
anfommt auf ben 3Bec^feI jnjifd^en %ob unb Seben ber fünbigen 
5Kenfd^en. iibtx berfette njirb nid^t burd^ bie 3ncamation bcÄ 
£ogo^, ber baö Seben felbft ift, öoKjogen, f onbem bur^ ben Job 
bcÄ unf^ulbigen ©ottmenfc^cn, toeld^en er au^ fiiebe ju ben im 
Zobt elenb gen)orbenen 3Rm\(f)tn über fid^ nimmt. 3ft bad nid^t 
eine Kombination ber @ebanEen t)on ^t^anafiud unb Slbälarb? 



tit Stitt bet Otenitgtlimuig iinb hti ^ttiUnftti g^rift! bti 
t^omnö ton Slqiitiinm um» Sp^n""*^ ^xm^ StotiiS. 

7. Obgleid) bie latciiiifc^e Stieologie be^ aWittelalterä bic 

3tif^tf[l)c Seijre Uün bem ©ottmEnldjeii DDraiiäfc{it, fo ift itjr 3n= 

Ifttfie an beinjelben in flanj entgcgcngeiepter Slic^titng normirt, 

als cl bei Sllöanofiu* iinb fdiim Slac^folgeni bet gall mot. 

^«Don tonn man fit^ an bcn ©cnkiijcii beS ^ettuS Sombat' 

tuS übcrjcugeii, bem malgebciibcn Sritfaben für btc Xi^tolo^ie 

tw WittdflUerÄ. SBenn berjclbe ouSipric^t (Lib. III. dUt. 2), 

*ii6 baö SBort ©otteS bic ganjc mcnfi^lid)c Shtur angenomincu 

kbe, JD meint ci bamtt nur bie inbiDibuelle Siatur, roelcfie in 

SftU unb Setb DoUitänbig ift. Sie ?lnnn£)nie bcr ganjen 3)knfd)l)cü 

imäi '>c'i Sögoä ju bem Qmdc unb mit ber SJirfung bcr 33cr= 

gotlung ift ein ©ebanle, bcr für bic ©t^oIafHfcr gar nii^t mc^r 

Bor^antien ift. S)ie gormcl für bie *ßcrfon Et)rifti, roel^e fie 

iibfniel)inen, tjinbert burt^auä nic^t, bafe bie 3)ienfc^l)cit alä bic 

iiauptfac^c au 6i)riftu§ betont wirb, fo wie man fi^ über feine 

©irtungen tetftänbigt. ©agt bod) Slnfelm, baS in ber ©teÖung 

ber Sieie mjrifti unb ber ©egenlicbe ber ©(äubigcn Ciä Diel füfeer, 

alfo wirffomet ift, baf; E()riftuS iRcnftl), afö baft er ®ott fei 

(©. 47), Tw^ bejei^net ben Untcrfc^ieb in ber 5ar6e ber %x&m' 

mißfeit gegen bic, roelcfie in ber griecöifc^en ffirc^e (jeiniifi^ ift 

SJiejc tcMjegf fid| in einem Staunen über bie ©cgenraart beä 

ft^Öpferifdfeu ©otteäroortä in bem Sllenfi^cn, rocld)er eDenbomit 

bem Setrac^tenben fem gerüdt unb unbcullii^ wirb. Sie ^f^^Öm» 

nrigrät im äJüttclalter ift auf bie ucrtraulidie §lnnäl)erung ä« 

bem Slfenftiten geftimint, in roeld)em bic ®ottl)cit ats bie Siebe 

fi4 bcn (Srcujcn beS ©efifiöpfe* anbequerat [jat. Unter bem ®tn= 



56 

flu§ bed ^ol^enliebed, n^eld^cd fd^on ^mbrofiud de Isaac et anima 
auf ba« ^BcrJ^ältnife jiüifc^en ß^riftuö iinb ber cinjcinen ©cclc 
gebeutet ^atte, toirb bann ein fiiebe^öcrfel^r mit bem ©d^önftcn 
ber SKenfd^enfinber enttDidelt, in toeld^ent bie Olcid^l^ctt bc8 85e* 
trad)tenben mit bem menfd^getoorbcnen 3Bort ju unumtounben in 
Slnfprud^ genommen wirb. 3)iefe ^^enbenj tuirb nun noc^ burt^ 
ben ©runbfafe «uguftin'g (©. 38) beftärft, bafe bie aWittler- 
fteüung Sl^rifti an feiner ÜRenfd^^eit l^aftet. S)a3 bejeidönet ben 
unumgönglid^en SRfidEfc^Iag gegen bie Deutung ber ©ottl^eit S^fti, 
fofem biefc burd^ ba^ ?ßräbicat ber §omoufie auf bie ©eite bciJ 
SSater^ gefteHt, alfo um i^re mittlerifd^e JBebeutung üerlürät toar. 
Snbem nun aud^ ber fiombarbe fic^ biefen ©afe Sluguftin'g an^ 
eignet, legt er feiner Seigre bon bem, tt)ad Sl^riftug wirft, bie An- 
fc^auung t)on ber menfc^Hd^en Cualitöt in il^m ju ®runbe 
(Lib. III. dist. 18. 19), 3)iefe aber ift öon boml^erein atö fitt* 
lid^e ?ßerfönlic^!eit beftimmt unb auf ben ganjcn Umfang feinet 
gefd^id^tlic^en Seben^ bejogen. ©ein ®e^orfam, fofem er 3Renfd^ 
ift, bilbet fein 8Serbienft; eine (Kombination, weld^e §iIariuÄ gc* 
bittet ^at. ^Berbienft aber l^at S^riftu« nid^t bloö um und et* 
tt)orben, inbem er für und bie ©rlöfung bon Seufel, Job unb 
©träfe, jugteid^ ben Suffc^Iufe bed SReid^ed Ootted öerbient l^at; 
fonbem er l^at aud^ für fid^ bie ©rl^öl^ung berbient, b. 1^. bie 
SBerttärung bed Seibed unb bie Befreiung ber ©eele bon Seiben. 
3u biefem 3^^^ ^äre ber 2;ob ©^rifti nid^t nötl^ig getoefen, ba 
er bom SSeginne feined menfc^tid^en fiebend an burd^ Siebe, ®c« 
red^tigfeit unb ®e^orfam, bie er ixhtt, jene ®üter berbient unb 
burc^ bad Seiben nur quantitativ, nid^t qualitativ bad 95er* 
bienft feined Sebend überboten l^at. ©edl^alb ift ber Zob Sl^rifti 
eigentlid^ nur um ber SWenfc^en willen berbienftlid^, }u i^rer @r* 
löfung unb ?lboption als ©ö^ne ®otteS. Site 5Berbienft ju 
biefem Qtotd entfpric^t ber Siob S^rifti bem begriff eined Dpferd 
an ®ott, wie an ber §anb bed 2lmbrofiud ausgeführt wirb, näm* 
lid^ bafe ber Uebermutl^ ber ©ünbe burd^ bie 3)cmut^ biefeS 2thm^ 
unb feines Ausganges aufgewogen Werbe. Dbgleid^ ber Sombarbc 
l^iebei Wieberum borbepit, bafe ©Ott unS auc^ auf anbere 333eife 
retten fonnte, fo bilbet biefer 3n^alt ber 18. 3)iftinction einen 
ßufammenl^ang, ber fid^ burd^ ©eutlid^feit unb ©nfad^^eit auS* 
jeid^net. Qvlt ®Tgänjung bient junäd^ft in ber 19. S)iftinction 
bie Umbeutung ber Befreiung auS ber 3Rad^t beS 24!ufete. S)enn 




«ff 



obgleich n^ ber Ponibarbc nii^t ft^eut, bie bcaljfidjtigte Xäuic^ung 
beflelben burt^ ben %ot Eljttftt beiläufig ju bcljoupteii, (o fii^rt 
CT bie ^trfiung Don bent 3J;iifeI auf bie Bon ben ©ünben, biefe 
abvc barouf jutüd, bafe ber Xob K()rifti atö ber öeroctä bct 
ßiebc ©otteö bie Slcc^tjertigung terlcitjc, (ofern er bie ©egcnüebe 
tnoecft, meiere bie ®ünbe auSfc^Iicfet. 3»bem ber ijombarbc Sterin 
auguftin folgt unb mit Slbnlarti iibereinftimmt. ergoiijt er bie 
^rfteUimg ber 18. 3)iftinrtion in »ett()Oonet Seife, ^enn jegt 
iP S^riftuÄ ?,um Sroede ber SrlÖJiing eittmal a\i boö Organ bet 
'Siebe ®otte5 gegen bie ÜHcnf^en, juglci^ tu feinem Serbienfte 
um U1I6 qH SJertrcter ber SOtenfrfjen, beibeä nnfet bem ®efi(^ts= 
punft ber fitllitfien ©enjä^ning feinet 3)(enfcf)enlebcnö qualificirt. 
llcbcrbie^ Ictiiit ber Sombarbe mit SCuguftin (de trinitate XIII, 
11. 16) bie ÜÄcimmg ab. bofi ®ott burd) ben Xob ßljttfti erft 
twbc bnjii Dcrföl)iit roetbcn muffen, nm un&, feine geinbeju lieben. 
©ielmel)t fjat @ott im« im SSorouS »on Sluigfeit geliebt, unb 
ton finb mit bem un% liebenben Oott Dcrföfint, inbem ßf)riftu*, 
"O^nc 3öwifel burc^ fein Opfer, unfcre Sünbeu jubeift. 9Iu(^ biefe 
©ebttnlcnteil)c alfo ift tm Uinflange mit bem Uebrigcn. Sncongruent 
in ber Ce^te bce Sombarbcn ift nur bie Se^auptung bcS ©tr(if= 
iDert^S be^ lobeS 6&rifti. "J^erfelbc gilt ali bnä aKittct sur 
©ffreiung ber ben ©iinbern gcbu^rcnben boppelten ©träfe, ber 

[cDigen unb ber seitlichen. 3n jener ^infidjt roirb bc^^olb bie 
Gt^olb crlaffen, in biefer bie jufünftigc 99cfrciiing öom Xobe 
" "let geftcUt. 'Eiefe ?lnfi^t ift nicl)t in SBcrbtnbung mit bem 
D|)fertDeTt^ ßljrifti gefegt, fommt üielmel)r an einem nnbem Ort 
©prat^e. Iier Sombarbe bege£)t alfo niiiit ben gefiler ber 
Ädter; inbeffen unterliegt cS inoE)! feinem ^'''f'ffl' ''°fe *''e ^"' 
fi(^t ber yiadjflang ber X^coric be§ ?ltl)Qnafins ift, meld)cr gleid)' 
zeitig auä) buxä) .^ugo Don ©t SSictor ') 9(uäbrucf Derlieften 
ffiirb. JiQB bet Sombarbe ^Infefm'? X^corie nicftt bcrütlfitl)tigt, 
Doftcljt fi(§ barauö, bafe biefet ja nii^t jn ben ffldtem ge()ßrt, 
bcrm SWeinungen in bem 2ef)rbiitft oßcin uorgetragen rcerben. 
^ä lEJort »atisfacere gebraudjt ber Sombarbe überl)aupt nicf)t, 
atic^ nic^t in bem römif^^ret^tlicljen ©inne ber Seiieljung auf bie 
©träfe, roclfter Don .^ilariuS unb Mmbrofiui* »ertreten Korben ift, 

1) De McramuDtis 4. Christus moriendo rentum borainis cxpia- 
vit, nt cum ipse pro homioe mortem, qQain non debebat, auntineret, 
iiute homo prop(«r ipsum mortem, qu&m debebat, evaderet. 



SRit bem Somborben erlemtt Qud^^]^oma8 t^onSquinum 
aQe jene @eftd^tdpun!te jur ^utung bed Zohti (Sl^rtftt an, unb 
auger t^nen ben t)on ber ©enugtl^uung. Sber burc^ il^ @tup^ 
ptrunfl untcrfd^cibet er il^rc SBid^tigfcit, unb tn^befonberc ffil^rt er 
ciniflc auf ben ®cbanfen anberer surüd 3n erfter Sinte gilt t^ 
ba« fieiben ß^rifti im Scr^öttnife ju ®ott afö SSerbicnft oI» 
©enugtl^uung, ald Opfer, atd fiöfeprei^ (Summa theologiae, Pars 
m. Qu. 48. art. 1—4). S)aneben berüdfid^tigt er baÄ »cr^cHt* 
nife be^ 3;obeÄ ®t)rifti ju ben ÜRenfd^en unb jum SiufeL 3« 
^infid^t ber SBirhing auf bic 2)?enfd^en »iebcrl^olt er ben ©oft 
Stbälarb'ö unb beö Sontbarben, bafe ber 2;ob (Sl^rifti bie ä)?enf^en 
jur fiiebe erioedt ^abe, lüelc^c bie ©ünbenDergebung ertoirft ; jugletd^ 
maä)t er biefe SBirfung baöon abpngig, bafe ber 2;ob ©l^rifti ber 
ßöfepreiö für ®ott fei (Qu. 49. art. 1). S)ie SBirfung auf ben 
3;eufel aber bejeicl^net er mit bem fiombarben ate bie inbtrecte 
golge ber an ben %ob (5f)rifti gefnüpften ©ünbent)ergebung (art. 2), 
o^ne bag er, tuie jener nod^ tl^at, ber mtjtl^ifd^-bramotifd^en SuS^ 
legung beö ©ebanfen« toeiter nad^ge^t. g<^rner aber rebucirt er 
ben ©ebanfen bed fiöfepreife« auf ben ber ®enugtl^uung an ©Ott, 
unb ben beS Opfert auf ben Segriff beS SSerbienfteS. 3n ^infid^t 
ber redemtio fagt er nämlic^, ba§ fofem baö Seiben ß^rifti ®c* 
nugtl^uung für bie ©iinben unb bic ©träfe bcS menfc^Ii^en @€* 
fc^Ic(|te^ toar, ed gleid^fam ber ?ßrei« toax, bnxä) toelc^en toir öon 
jener boppelten 8Serfd^uIbung befreit lüorben finb (Qu. 48. art 4). 
Die Dpferquaütät Sl^rifti aber, in Welcher ©otteö §aJ5 gegen bie 
©ünber beruhigt unb er mit ben 5Kenfc^en öerföl^nt toirb, lauftet 
an ber greitoilligfeit ber fiiebe unb beö ©c^orfamd Sl^riftt, bicfe 
jebod^ gelten aU bie fpecififc^en äWerfmale feinet ^Berbienfte^ gegen 
®ott (Qu. 47. art. 2. Qu. 48. art. 3. Qu. 49. art. 4). «Ifo 
Ijanbelt e« fic^ f^Iiefeli^ für S^oma^ nur um bie beiben Sattel 
ber @enugt]^uung unb bed SSerbienfted S^rifti. 

*8* Die Sntoenbung biefer Segriffe auf ba« SJerl^äUnife ber 
Sobeöleiftung ©l^rifti ju ®ott pngt ganj lüefentlid^ ab bon ber 
allgemeinen SSeftimmung be« ©otte^begriffd. ©o fe^r bieö fc^eint 
fid^ bon felbft ju berfte^en, ift bod^ biefer ®runbfa| bei ben an* 
erfannten SKeiftem ber I)iftorifc^ * fritifd^en 3lnal^fe t^eologif^er 
©^fteme, bei JBaur unb bei ©c^nedEenburgcr feineStoegg in ®e* 
braud^. Saur'ö „®efc^ic^te ber c^riftlic^en fiel^re bon ber JBer* 



tiltniing" niiivbc, abucfctKn uuii i^rcm nil)ili[ti[cfien JEiiSganfl, Icl)t= 

md)et ieiii. olis fic ift, löciin bic SorfteÜunfl üDit bct fiurrf)9el)en= 

ben äiijmettiomfeit auf iie (äntlDirfelung ober bm afficc^fel in bet 

Seiin Don (äiott bcflleitet rodtc. 2)ie Sciftiinfitfii ©tfjiierfeiibutger'ii 

jüt 8aä 4'attänbiiife be« luKjerijt^en iinb beti veformirten ßct)r= 

btflriff*, roelt^e übrigen* unglcii^ inefir £)iftoriic£|en ©inii unb eine 

licbfDotlcie ötiigebung an ben Stoff bcr gorfc^ung werrottien, als 

tk bD8ineiigefcJ)ici)tIic^cu Arbeiten Süur% Icibcn bod) an bem 

5(^1(1, ben in bicfet §infic^t and) öonr') tficitt, bafe bie aaurjel 

hl Stjitcmt nur in iubjectioen XiiöpDfitioncn, Stbürfiiiffen unb 

ettcbungen nac^gciuicfen wirb. 9yäl)tenb ©d)lüeiier rocnigflenfi 

iiir Bus rcformirte <Sqftem tiai 9|Jrincip in bcr bcterminiftifcJfen 

i'cnDfnbunfi ^^"^ CSotteSibee anertannt raiffen loill, foü biefe* 

Cleinrat bcr reformirtcn i^cologic iiac^ ©c^necfenburger nur ben 

Eetlfj einer §ütfäUorfteüunfl haben, biivd) bic bcr praftifctje Sranfl 

tn nfonnirten ©ubjectiuität fic^ üor ber Slbirrung in ein falft^eS 

5wt|eit#gcfLt)I beroa^rt; nad) Önut logar eine 5Bcrunreimgunfl 

null ©i^roäd^utig beä gemeinfamen proteftaittiidien 5[ärincipä ber 

SubjttliDität bcbcutcn. Siod) beiitlidjer beioäl)« fiä) bie Slietöobe 

B<{|flec[cnburget'« in ber ^enrttieilnng beä ©ucinianiämuS, iiibem 

fr bellen (äotteöibee nur qIü 3[b(ptegetung bcÄ moraltfctfeii ©tanb= 

Wnticä biefcs Sgftemö erflärl, in n3el(^cm ber menfc^ltf^e SßJiüc 

flas .^Öt^fte fei*). ®er fc^arfftnnige SJiann Ijat ot)ne3'>'EiM ''M^ 

IBctl)obe ergriffen, um ben Unterf^icb ber tEjcoIogtfdjen ©ijftcme, 

twitfte religiöfe *)Jürteien begrünben, uon ber 93ilbung bcr l)l)ilo= 

fiHJ^ifc^en ©rfenntniß ju fiesem, unb bic in feiner Qt\t ficft V)or= 

^^in8enbe intcllectuatiftif(^e äfiifebeutung ber iftcologift^en Aufgabe, 

bie $cmii{d)ung bcrfelben mit bcr pltitofop^iff^en, ab;^uttie|icit. 

UnlüillHirlic^ nbcr l)Qt er bnbiiid] bcrjenigcn Stnfidit uoii b«r 

Seligion in bic ^anbe gearbeitet, iiicld)e ?«iierbnd) »ertritt, bag 

bic ©ottcSibce überhaupt nur bie pl)antaftitd)e Slbfpicgelung bcä 

Dtcnfc^lii^ fubjecti»en ©clbftbclrufetfeinä unb mcnfc^tirf) [ubicctiocr 

^bürfniffc [ci. ©oll nun aber biefct ©c^cin bennicbcn, foU ferner 



1} Heber ^ri HC ip unb Gtinrntitr bcS Scfitbcgriffä bct refurniitlcn ffirc^c, 
TIfrol Saljrb. 1847, S. S09— 390. ,j3aS ^rinc'P btä ^rolctlnnliSmuS ift 
tit Se{bit%ta\iiieit bc^ in feinem StligleilSiulcrefle bcfricbiglcn ©iibiECtB" 
(S. 876). 

3) SoTlrfunsni über bic ricini^rcii pruteftaulild)«! ßirdicnpairleictt @. 40. 



bie ©efd^ic^te ber X^eologie unb ber t^eologifd^ untetf^ebenett 
SRic^tungen unb Parteien in ber ftird^e nic^t aufgelöft toerben ut 
eine niä)t }ufammen^Qngenbe, atomiftifd^e Kufeinanberfolge t)oic 
einlaufen, bic nur jubjcctit) bcgrünbct unb normirt ftnb; foIL 
Diclmc^r in bem aScrftänbnife ber ®efd^ic^tc ber 5^oIogte eine 
Sürgfd^aft bafür geletftct »erben, bafe il)re einjelnen j^ftematifc^eic 
^robucte, namentlid^ fofem fie Parteien begrünbcn, fi(§ bcnu 
3h)ecfc unb ber ©ntoidelung beö^ religiöfen ÖJemcintoefcnÄ uitter«^ 
orbnen, \o mufe auf bie S^rabition ber ©otte^ibee, bic ja iri^t:: 
not^menbig eine eDentueUe Umbi(bung berfelben audfd^Ite|t, o^ 
auf ben entfc^eibenben gactor gered^net werben, ber üon \)trcm. 
herein mit ben jeweiligen fubjcctiüen ©cbärfniffen ober SMdpofittoneiB 
in 9tapport ftetien wirb, wenn biefe a($ Wirffant ftd^ aufbröngen^ 
Die gefc^ic^tlic^ öorliegenben ®eftaltungen ber t^oIogif(§ctt 
fenntnife werben baburd) in il^rem Unterfd^iebe bon ber pj^ilofi 
pl)ifd^en Srienntnig gefd^uj^t, bag baS i^nen ju ®runbe Itegenb^ 
religiöfe Sebürfnife beachtet wirb. 9(ber jugleic^ wirb ben ^a^ 
bucten bed t()eoIogifd^en @rfennend i^r ^nfprud^ an objlectik^e 
SBal^r^eit gefid^ert, unb ba^ 3"fö^wicntreffen ber ^tftortf^ett 
SSeurt^eilung tf)eoIogifd^er ©tjfteme mit ber geuerbad^'fd^en aJKft*^ 
beutung ber Sieligion abgewehrt, inbem feftgefteUt wirb, ba% man 
fid^ nirgenbwo einer fubjectiD religiöfen 2)i*pofition ate wirffam 
jum eigent^ümlid^en t^eologifc^en Srfennen bewußt wirb, aufier 
unter ber gorm gebcnben unb SRafe unb 3icl fefeenben Stnwtrfüng 
ber Don Dom l^erein feftfte^enben, in ber d^riftlic^en ©emeinbe 
überlieferten ©otteöibee. 

©0 wirft freilid^ j. S5. in alten formen ber SSerföl^nungS« 
le^re bad gemeinfam d)riftlid)e fubjectiüe Sebürfnife nad^ ®etotg« 
l^eit ber @ünbent)ergebung ober aud^ ber Heiligung; allein c8 
wäre t)oIIfommen wiberftnnig, wenn man bed^alb btefe8 Sebfirf» 
nig, burc^ beffen @efü^( bie fubiectit)e Ueberjeugung k)on bem 
28ertf)e ber ^erfö^nung bebingt ift, ald ben jureid^enben ®Tunb 
jener Seigre unb ber in i^rer SBal^rljeit auögebrfidEten ©efriebigung 
jeneö JBebürfniffeö bejeid^nen würbe. 3)ie ©runbform ber d^rift« 
lid^en 5BerföI)nungöiIe^rc bilbet bie in ber ^riftli^en ©emeinbe 
geltenbe Ueberlieferung berjenigeu ©otteöibee, in Weld^er bic gott* 
lic^e 3lbfid^t auf ©ünbenüergebung ober aud^ auf «^iligung bct 
©laubigen jufammen mit bem beftimmtcn 5KitteI berfelben, näm* 
lid^ minbeftenö ber eigcnttjümlic^cn 5ßerfönlic^feit S^rifti unb i^rcS 



61 

tlUer^äUniffc« ju ©ott unb ju ben 3}?eiiit^eii gefegt ift. 

Sun ttiitb fic^ ftcili^ bewäfttcn laufen, t>a% bic (peciell ttjeologiidje 

Itulung bce; Snljalteö intet 3(bficfit ©otlcä unb bcä aJiafeftobe^, 

Hott tüelt^em ifjr baä 9)fittel bcc $crjoii imb bct Stiftungen 

i-^rifli bicnt, mpbifictrt roirb, je nac^Dcm baä ®efüöl Dom Un= 

ntrti)c ber »Silnbc nbroei^fclnb alä leichter ober qU |il)Werer er= 

i(^nl. anein biefet Süet^Sel tritt gefc^irfjtÜcö nientolä fo auf, 

tafi et beutlitf) q1^ bcr uotauägcticnbe ®ninb bet 9ibioQnb[imfl 

kci ©otteäibee ccfennbar ift; uielme^r lann auc^ umgetetjrt Qn= 

SraunrnKn roerbeii, bafe baä ©cfiifjl uom gtüöern ober geringem 

ttnwnl) ber ©ünbe bem Sßafeftabe bcö ftötierii ober niebrtgcrn 

ti ber göttlici)en Siuctorität folgt. Tiic^ aber wirb jcben= 

U Qfö bie JRcgct gelten muffen, idd jene» fubjettiue ©efiittl ju 

(inem fo [teftimmtcn Söerou^tfein toninit, itaii c^ iibcrliaupt üuS= 

StiptDi^en roerben lann. Um fo mct)r barf behauptet roerbcn, bafe 

fm (iiie ttjeologiicljc ©ebonfenrei^e jroat eine eigentt)ümlic£|c S)i«= 

piiftlion ini tficologift^en Subject bie Sieranlaffung 6ilbcn mag, 

toll aha ftet* bcr beftimmte ©otteäbcgriff beii Icitenbcn ©runb 

mb äWoBflnt' ber roitfliff) geftalteteii ©rtenntiiif; in fi(^ fdfUe&t. 

S^ic 2d)tcn beä Xliomaä unb bcä XiunS uon ®ott finb 

twinnt^ tuii^ bie aJJasftäbe fiic il)rc Seiten Don ber 3Jerföt)nung. 

Seils fußen auf bcr Irabition beS fatfdjcn 'Sion^fiuä Sfrcopogito, 

IUI* Selbe mobificireii bicfclbe burcfj beu auf bcn ariftotelift^en 

^iwrfbeflriff gegriinbeten ©egtiff bcä relatilien SillenÄ'), Snbem 

Sit Slbftractton von bcr 9öc[t, meiere für ben Slrcopagiten als ber 

rit^iligc diebanfc oon ®ott gilt, baä ©cftige ber Sel)«n uon 

©otl beljerrfc^t, roirb bic obfolutc Iranäfeenbens ®otteä über bie 

Stit gefiebert, aber nur in negatiocr SScife. Snbcm ferner 

bai bcftimmuitgälofe Scfcn, welc^cä in fidi gleic^giltig gegen bie 

föclt fein Mtufe, äi'g'f''^ il^ i'cr ®cift gefegt roirb, ber fic^ felbft 

nnb in fid) alleä mögliche Stnbere erfennt, unb als ber 3öille, ber 

Albere* au* bem 9ii(^t« Ijcrtiorge^cn läfet, fü roirb bie 2BeU, ii)r 

^ftonb unb tl)rc Orbnung aud @Dtt abgeleitet, anbeut nun 

abct biefe ber SSelt jugeroenbete Seite beis öJotteöbegriffeö oon 

brr gruiibfä^Iit^en ^ranSfcenbens bel)cn:fc^t bleibt, fo ergiebt fic§ 



I) ¥IqI. bic TtacfteHung in meinen @cfd)i(^tlid)cn Slubicn jut diTifl^ 
U4cn ec^rc t>on @oU. ei[tc[ ^ttilel. ^attib. füc bculfi^e 3:i)(io[. St). X. 
(1865) ®. 377—318. 



62 

bei beiben ©d^olaftifcm, bafe ba^ SSerliältnife ®otte^ jur SBcIt 
unb ju aKem, toa^ in berfelbett Don ®ott auS angeorbnct tüirb, 
ba^ ©epräge ber ßi^föHigfeit trägt. Sn bcr 2luöfül)rung bieje^ 
®eban!en^ untcrfdf)eiben fie fid^ aber Don einanber burd^ ben 
@rab ber ©ntfd^icben^eit unb ben Umfang, in loelc^em bie ßu^ 
fälligfeit ber SBeltleitung bc{)aupkt loirb. 

Xf)oma^ orbnet ben Umfang unb ben 3"fömmen]^ang ber 
ßtoede, beren 83ertt)irflid^ung bie 3BeIt ift, bem ©elbftjtüed ®otte^ 
unter, ber ba^ urfprünglid^e Dbject feiner SBiUenSbetoegung fein 
mufe (Summa theol. P. I. Qu. 19. art. 1. 2). ©id^ felbft ttna 
©Ott afö ben legten Smd, ba« Slnbere aber als SKittel jum 
3tued. ©eg^alb aber ift ber gefammte Seftanb unb SSerlauf bcr 
SBelt, ben @ott loin, nid^tg für 'il)n SRot^toenbigeS. ®enn bie 2»ittel 
jum Qtotd ftnb nur bann not^tt)enbige SBiUenöobiecte, loenn fic^ 
jeigt, bafe man feine anbere SBal^l ^at, bafe ol^ne bie beftimmten 
äWittel ber ßloedE nid^t fein fann (art. 3). SS ift für S^oma« 
fein ®egenftartb ber Unterfud^ung, ob üieHeic^t im SSerlauf 
ber äBelt fold^e conditiones sine quibus non erfannt iperben 
muffen; benn eS fte^t i^m bon üoml^erein feft, bafe ©ott, locld^er 
üoHfommen loäre aud^ of)ne SBelt, bcffen ©elbftjtoedf alle in ber SEBcIt 
angelegten 3toedEe unDerl^ältnifemäfeig überfteigt (Qu. 25. art. 5), 
bem feine SSoDfommen^eit auS ber SBelt jutoäd^ft, ni^tS in ber 
3BeIt unb in if)rem SSerlaufe üoDbringt, toaö für il^n notl^tucnbtg 
unb nid^t äufäüig loäre. ®ie abfolute greil^eit ®otteS foH fid^ 
babur^ beloäl^ren, bafe er im ©taube ift, ?lnbereg ju mad^en ate 
loaS er mad^t, unb biefe (negative) Unabl^ängigfeit ©otteS gegen 
bie SBelt ift ber oberfte ©efidfjtöpunft, ber ju @f)ren beS Slreo* 
pagiten aufredet erl^alten »erben folltc. ®a^er bleibt folool^I ber 
SKenfd^loerbung beS Sogod atö aud^ ber SSerföl^nung burd^ ben 
Sob beö ©ottmenfd^en bie Sebeutung Don nur xdatio not^toenbt* 
gen ©reigniffen in bem Sauf ber SBelt. SS ift nur ein tauf d^enbcr 
©d^ein, alö ob IfiomaS bie SWenfd^ttjerbung ©otteS t)on bem 95c* 
reid^e ber göttUd^en SBittfür augfdf)löffe. 3)enn freilid^ bejeid^net 
er biefen ^ct als paffenb für ©Ott (conveniens), fo loie bag 
S)enfen für bie Vernünftige Sreatur \)a%t gür bie l^öd^fte ©fite 
©otteS fei eS paffenb, bafe er fid^ auf bie l^öd^fte SBeife mit bcr 
ßreatur bereinige (P. III. Qu. 1. art. 1). Slllein er bef^ränft 
bie Seftimmung ber 3Kenfd^tt)erbung ©otteS auf bie ?luf^ebung 
ber ©ünbe; bie ©ünbe aber ift baS 3»föQi9e in ber SBelt, olfo 



t 



63 

lann auc^ bas^ ^kittd ju bcffcii Huf^cbitng von (Mott ouä nur 
^föQig jcin. 3n ötefem Sinuc leugnet et o[jo aiic^, bafj liic 
iWtnjc^lDerbung jur Stiif^eftung bcv Sünbc notljlücnbig . fei Q[d 
eonditio sine qua non, unb fleftc^t iljr in bicfer ©esic^ung nur 
btt äwciftnäfeigfcit brö ÜRittelS ju, per qood melins et con- 
veitientius pervenitur ad fiDem (art. 2). Sn ber J^^agc enblicf), 
ob bie SWenfc^roerbung and) eingetreten wcirc, wenn ?lbam ni(^t 
gefünbtgt fjättc, cntfi^eibet fid) Xt)omaä auf ®runb ber t)eil. 
©dlrift sfflfn '''ffe ^^pottjefc, unb iiibcm er äugiebt, baft 0ott 
bie 9Ka(^t gcEiaDt I)abe, auct) otjtie baä Siutrelen ber <Smibe 
tenfd) ju merben, fo jc^Üegl cv gerabe bomit au8, bafe bicfeä 
Ber^ltrtiB in bcm SBefen ©ottcö notl)loenbig gegrünbet fei (art. 3). 
^Jemgemäfe tntfc^eibct Iftomüd au<^, bofe bie fieiftung ber ©enug* 
l^uung an (Sott bur^ bcn lob Sijrifti niic ben SScrtl) beS 
-)Mffenbften, ni^t aber bcn beS ouSjtfiliefelicf) not^lDciibigen 33er= 
f^ten* tjabe, ba bie (yeret^tigtcit ßJottefi fel6)t, im SGcrliältnife 
ya vaeidjfc bie ®cnugtt)iHmg StjrifH notfiroenbig ift, feine im= 
öerfnbcriii^e SBcfcnäbeftiinmuug ©otteS, (onbcrn won feinem 
frtKU SJiOen abf)Qngig ift. ©in SRiöiter frcitid^, roel(f)er bie gegen 
eintn Ktibern begangene ©^ulb ^u bcfti"afen fiat, fann uii^t in 
gerK^trr SBeife eine Sc^ulb o^ne Strafe ucrgeben. zitier (Sott 
^al leinen SSorgefcgten, fonbern er felbft ift baS ^öc^fte »nb 
aßgemeine läJnt bcö ganjeu UniDcrfum; beäljolb würbe et tcin 
Unrecht begeben, loenn er eine gegen iljn felbft begangene ©djulb 
ocTflübc, wie ein Sßenf(^, inenn er bie gegen fid) begangene Sc^ulb 
otpie ©emigtiiming Dcrgiebt, batm^ersig (janbelt, ober nif^t un= 
ficrtdjt (Qa. 46. art. 1. 2). 

Sliart crtennt auä biefet Seurtljeilung ber ©atiöfaction Sftrifti, 
baR inbem Xt)oma» jnjar roörtlic^ beni Sobe G^rifti aud^ bcn 
lütrH) einet Strafe beilegt, uub in itjm baä (SJefeg beä alten 
öunbe« erfüllt fieftt (Qu. 47. art. 2. 3), er bie3 nur in ber 3Beife 
tfiul, loie c5 feit Slt[)anafiuö in uerfc^icbenen SIBenbungen nblid) 
nwr, unb vm bem ©innc entfernt ift, in toetd^em bie JRcfonnn' 
toren SBcibcÄ behaupten. 'Benn burt^ 'um ©aß, ba§ ®otteä 
Sdbft^nierf aOc Orbnungcn in bec 3Belt unDertjÖltnifemäfeig über= 
fcfjTritc, wirb bie 9[nnabme ber SReformatoren anSgefi^loffen, baft 
bie Öffentliche Crbnung be^ (Sitteugcfe^e^, ju bcren S^re (St)riftuä 
bie von ben 33icnfc^cn öcrbiente ©träfe erbutben unb bie it)nen 
oblicgeiibe Crfüflung be3 ©efe^« leiften nin^tc, — bafi alfo biefe 



J 



64 

öffentlid^e Drbnung be^ ©ittcngejefee^ cbcnfo bcm SBcfen ®ottcg, 
»ic bcr Sefttmmung bcr 3J?enjd^cn ju Sbcnbilbern ®otted ent* 
fprec^e.. SRoc^ ftärter ate burc^ %f)oma^ loirb aber burc^ S)unö 
bcr ®ebanfc üon bcr SBiUfiir Oottc^ aui^gcprägt unb ate burd^* 
fc^lagcnbcr ©runbjafe jur Scurt^cilung bcr SScrfö^nungSlcl^rc 
gebraust. 

^un^ (Quaestiones in qaataor libros sententiarum) fogt 
Don öom^crein bcn Segriff öon ®ott in bcr gorm bc^ jufäHig 
iDirfenben SBillen^ auf. 3)cnn inbcm er öoraui^fefet, bafe cä in 
bcr SBcIt 3«föQiflc^ %^^^^f jo loürbe bieje SJorau^fe^ung ungiltig, 
iDcnn angenommen loürbe, ba§ ®ott in not^toenbiger SBctfc unb 
beftimmter SRic^tung toirfe. Älfo toirft @ott übcrl)au^)t nur in 
anfälliger aSeifc unb be^^alb ate SBiDc. ©c^^alb ^at ®ott 
Sbeen, oorau^gel^cnbe ©rfcnntniffc feiner SBirfungen nur auf 
®runb feinet SBoQcnd, unb bc^l^alb bentt er aud^ bad bcm loii^ 
lid^cn SSerlaufe bcr SBclt Sntgegengefe^te afö für ftc^ unb fein 
SBirfen 3WögIid)e^. ©inen Orunb ober ein ÜRotio für bie 9Hd^* 
tung, bie ®otte^ SBiUe toirHid^ einfc^Iägt, eine @rflärung bofur, 
loarum nic^t ba^ bcr loirflid^en SBelt ©ntgegengefc^tc aui^gefü^rt 
loorben ift, barf in ®ott nic^t gefud)t toerben. SSielmel^r ift aud^ 
bcr 3nl^alt be^ bcn SKenfd^cn oorgcfd^riebenen ®efe$eö gänjüd^ 
))on bcm loiQfürlid^en äßiQcn ©otte^ abljängig, unb l^at feinen 
notl^loenbigen SRafeftab in ®ott felbft. S)emgemä§ l^ebt fic^ aud^ 
bie bem S^^omad loiberfprec^enbe beja^enbc Sntfd^eibung bed ^unS 
über bie Srage, ob ®ott au^ ol)ne ©intreten bcr ©ünbe 9D?enfd^ 
getoorben fein loürbe, nic^t über bcn ©pielraum bcr SBiÜIör 
®otte^ l^inau^, unb ift locit entfernt, ein not^iocnbigcS SScrpItnife 
jloifd^en ®ott unb bem mcnfd)Iidöen ®ef4ledöte au^jubrüdEcn. 
©nblid^ bicnt bcr oon S)un^ beoorjugte öegriff be^ SScrbicnftcö 
baju, aud^ bie an bcn S^ob S^rifti getnüpfte SSerföl^nung in ba8 
fiidE)t bcr OoDcn aBiUfür ®otteg ju ftcDen. S)iefer ®ottei^begriff 
bcr ©d^olaftifcr läfet ®ott al^ blo^ relatioei^ SBcjcn erfc^einen. 
3)a^ ift bcr äufeerfte ®egenjafe ju bem ®ottegbegriff bcr SSätcr. 
3)c^l^alb aber befommt bie SSerfö^nung burd) Sl^riftu^ loie bei 
Slnfclm eine ©ebeutung für ®ott felbft, loäl^rcnb bie Starrheit bcr 
patriftifd^en ®ottc8ibcc bie @rlöfung afö ein ©c^aufpiel erfd^cincn 
lä§t, burd^ locl^c^ ®ott eigcntlid^ nid^t berül)rt loirb (©. 42). 

9. 3)cr aSiafür ®otteÄ, locker Xl^oma 8 feine SJarfteHung 




I 



bcr Scrföbiiuiigöltliu" uittcvorbnct, entfpritfit nnn qelDtifcrmQfeen 
tnc SBintÜT brö 3:t)omüö [elbft, mit loeldjer er fit^ jttiifi^cn ,^niei 
i^m berüt)rtcn Sluffaffuriflen her ©ünbe ent^t^cibet, um tik-- 
bnn^ bic eine Sioiaiiäfe^ung bei fflegriffS bcr @cniigtl)uun(i biirc^ 
bcn lob ßl)ri(ti fcftäuftcUen, „3n bcr ©ünbc ift äiDcierlei ciit= 
^Ucii, bicÄbiueiibuiig uoit hein miueränbevlii^en uiib unenbltc^en 
@utc, unb beöt)al[i ift bie ©ünbe Won ber einen ©eite unenblid). 
Slnberericitfii enttjolt bie ©ünbc bie ungeorbnete 3''ti'C"bii"9 jum 
Deränbeilif^eit Öutc, unb in bieict §infi^t ift bie ©ünbe cnblic^, 
^umal Qväi roeil bic ^u^enbuiig fcK'ft ctioaS Snblidieö ift. 3)i'nn 
m<i)t föimen bic Slcte ber Sreatut qI§ foli^c unenblidi fein" 
(P. II. Prima. Qn. 87. art. 4). 3fuii mürbe freiließ unter bcm 
leptcrn ©efiditöpimtt lücfit emiiefen roerbeu !önncn, bafe bie ©C' 
migt^uung nutlirociibige ©ebingmig bcr ©ünbenucrgebung fei, ober 
Menigflend nic^t. bofe e^ bc5 ®oftnienf(^en beburfte, um biefel6e 
gu leiflen. Stltein iJl)oma§ entfdjctbct fic^ für bic Slnnal)me beä 
unenblit^en ^*crti)e* bcr ©ßnbe, weit it)m bie SSatjrbett ber 
®aIi«factiou burd) beii ©ottmenft^en fcftftanb, unb bie S*orQU8= 
fe^ung i" einer biefer golgeruug entflitedienben 5Beife feftgeftellt 
toeiben foHte, ^c*l)atb fällt feine (äntfcljetbung fo unfii^cr au5, 
baS bie Sünbc olö gegen @ott begangen eine „geroiffe" Unenbliö|= 
frit ^de, gcmä§ ber Uncnbli^Fcit ber göttlicl)en SJiajeftät, ba ja 
(ine SBelcibigiing um fo fcf)nierer ift, je grö§ev bcrjcnigc ift, gegen 
lioi man fi(^ oergc^t (P. III. Qu. 1. art 2). S)te .,gcn>ific" Un= 
cnMit^feit (quaedam infiuitas) bcr ©ünbe crfc^cint in biefer ^\U 
jf^img um fo me^r qI5 eridjtic^cn, al« biefelbe nid)t auä= 
gfglit^en ift mit bcr ton 21)omaS ancvtonntcn 3BQt)r[Kit, bnjj bie 
©ünbe flläi ?lct, b. I). it)rcm ©efcn mäf unb jcbenfaHö in übep 
georbnetct 5Hiirffid)t enblii^ fei. Sie Don 3;i)omaä angenommene 
Unenblic^Icit bcr ©iinbc in ^inficfjt il)re§ 2Bert^cä ober Unmcrtfjeö 
fc^ltc^t bf«t)ulb aiic^ liiert auä, bog fie alä üö e 1 c ib ig u n g 
0Dtteä bod] einen cubtic^cn (£t)arafter an fic^ trägt, ober nienig^ 
Pens nitftt auf bcn t)üd)ften benfborcn Söcrtt) 6curtt}etlt roirb. 
iKeä Ijiingt ab doii bcm inbifferenten SScrtjältuiffe, melc^cä äioifc^en 
Oott unb bcr fittlid)en SSeitorbiiung angenommen wirb. SEßirb 
■fimlit^ ,vi9el'fl"i>cii- boB ©ott bie ©iinbcn o^ne aBcitere« oer^ 
Sebcn Wune, weil er ol* ba* ^ödjftc ®ut feiner aügcmeinen 9iec^tS= 
orbming urtcrftelll, unb beä^olb eOenfo berechtigt ift, roie fcbcr 
^riMftncuin, bic gegen i[)ii degangene ©t^ulb su wergeben (®. ß3). 



J 



66 

fo iDirb bcr ©ünbe, anä) loic fte gegen ben unenblid^cn ®ott öcr« 
ftöfet ber Sl^araftcr nidf)t beö SBerbrcdien^ gegen bie öffentlich 
Drbnung ber fittUdf)en ©emeinfc^aft, fonbern nur ber SSerle^ung 
öon pcrfönlid^en SRed^tcn eine^ t)ö^er gefteHten ©ubjecW beigelegt, 
»eld^e burd^ ba^ Selicben beS le^tcm bem ®ebtete be^ öffent*« 
lid^en Siec^ted entjogen werben fann. 3)ie ©ünbe, »el^e ate 
Seleibigung ®otteö bie ,,gen)iffe" Unenblid^feit l^at, toeld^e bcn 
Segriff bed SScrbred^enö unDcrliältnifemäfeig überbietet, bleibt alö 
öcleibigung ®ottcö, bie berfelbe beliebig überfeinen, ober Qud^ 
burd^ eine i^m ju ertoeifenbe ©enugtl^uung tilgen taffen fann, 
toeit f)inter beni begriffe beg SSerbred^cn^ jurüdE. 

Xf)oma^ nimmt nun an, ba§ ®ott jum 3tt)edEe ber ©unbcn* 
Vergebung baS leftterc SJerfal^ren afö ba^ ä^edEmäfeigere ertDO^It 
®ott bejc^liefet bem fünbl)aften SWenfc^engef^lec^t ©ünbenöerge* 
bung ju üerlei^en unter ber öebingung, bafe il)m ©enugtl^uung 
für bie erfahrene Scleibigung geleiftet tt)irb, unb jtoar toirb bie* 
felbe in ettpa^ beftcl)en, roa^ ber Seleibigte ebenfo fe^r ober mc^ 
liebt, al§ er bie Seleibigung ija^t (Qu. 48. art 2). 9iun unter» 
fd^eibet X^oma^ jtoijc^en ben möglidf)en ®raben ber Songruenj 
einer ®enugt^uung mit bem Urtljeile ®otteö. „©oH bie ®enug* 
t^uung öolltommen fein, b. f). fad^cntfpredienb (condigna) bur^ 
eine „gett)iffe" 9lugglcidf)ung jum ©rfa^e ber begangenen ©d^ulb, 
fo reicht eine Sciftung eine^ einfachen ÜRenfc^en ni^t an^, toeil 
bie ganje menfdf)lic^e SRatur burc^ bie ©ünbe öerborben ift, unb 
baÄ ®ute einer ^erfon ober ÜRcl)rerer ben ©d^aben nic^t aui^ 
gleidfien fann, ber burc^ baö gauje ©efdfjlec^t l^erbeigefü^rt ift 
^icju bient nur eine Sciftung mit unenbli^er SEBirfung, alfo tirie 
fie nur bcr ©ottmenfd) öottbringen fann. hingegen tt)enn bie 
©enugt^uung in unüollfommener SBeife genügenb fein foH, 
nämlid^ gemä| ber 9lnnaf)me (acceptatio) beffen, ber bamtt ju* 
frieben ift, obgleich fie nidf)t fad^entfpred^enb »ärc, fo toürbe bie 
®enugtf)uung einc§ einfad^cn SRenfd^en jureic^en'' (Qu. 1. art. 2). 
Snbem fid^ nun Xtioma^ in ber SBeife Slnfelm'Ä für bie (Geltung 
ber üollf ommcnen Slrt bcr ©ati^f action in ber Seiftung be^ ®ott* 
menfdfien entfd^eibet, f)at er bodf) ber entgcgengefefeten Äuffoffung, 
in ttjeld^e nadf)t)er S)un^ eintritt, nid^t ben SBeg öerlegt I^omaÄ 
öerfäf)rt bei biefer S)iftinction ebenfo ttjie bei ber jtt)ijd)en bem im* 
enbli^en unb bem enblid^en SBcrtf) ber ©ünbe. SBie er nun burd^ 
bie @ntfd)eibung für jene Slnnaf)me biefe feine^toegö öon bom^eretn 




imgiltiQ ntQcfit, (o läjil bic 3liiCTtenniint) ber oolKommencn ©atis^ 
faction, bie bei ©ottnienfif) Ififtcn mu^, bic boc^ aber au^ nur 
finoi" „geiDifitn" Srfo^ für btc Sicrfdiulbung gegen ©ott tu ficf) 
i^üefet, bie golgetuiig übrig, bcife and) l)icfitr bic acceptatio 
Ootteö eintreten miife. biirc^ bie er bcn 9JiaitgcI and) ber ooQ' 
fomincnen @cnugtf|uiuici übcrfietjt, — b. ^. bie beibeii «on Iljoinaä 
rraterif^iebcren 3trteii ber Sotiöfaction t)Qbcii fein fcflcä SOierEmai 
i^reS Untetjc^iebeö. 

SBäfirenb alfo %iiomai in biefen ^räiniffen feiner Sclirc 
^oc bot ©puren ^Jtntclm'ö folgt, jcboc^ burd) bie bcicic^netcn 
unftc^eren @nt)rf)eibungcn über bie Segriffe ber ©ünbe uub ber 
©flti^faction iiberl)üui)t Don ber .'pflltung fcincS SSorgängerd ctb= 
iwit^t unb (o bie Soderung beS ganjeii SeJjrjufammenljQiigeö 
bun% feinen 9(Qc^folger DiinS fierauäforbert unb antünbigt, fo 
ptobucirt er in läinct§infidjt einen feljr njcrtI)UDllcn ©cbanfcn in 
Äbrorit^nng »on Stnfelm. ®ilt ndmlii^ ber öottmcnfd) olsi 
legititnirt jur Üeiftung einer foli^cn @)enu9tf}uung, roeldje ber un= 
cnblit^en ©ünbe äquinolcnt roöre, burc^ bie Unenbltd|!cit feiner 
göttlidjeii aiatur, )o liotte 3tnfc[nt ci für genügcnb etQd)tet, bafe 
ber ©ottmenfc^ äugleid) olö ®lieb bcd menfc^iic^crt ®efd)lcd)teö 
bejcit^nct mar, um boffelbc burtf) fein flcnugtEjuenbeä Seiben i« 
Dcrtrcten. Xiic (SScUung feiner Üeiftung für bie 3J?enfd)en war 
alfo nat^ bicfer ^Jiarftellung nnr mottüirt buri^ feine il}n uon ben 
äMenfc^en trennenbe göttlidie 3iatur, bie feine ©ünblofigfeit unb 
bcn fpcrififc^en SBert^ feincä lobcä für ®ott begrünbete. Um 
bie SJirding biefer @cnugtf)uung für bic 2ßcnfd)en ju evElÖren, 
bcburftc alfo 5Inietm tfteil« beü ÖlebanfenS, baft ber Qfüttmenfd) 
)uglä(^ bad öeifpiel ber Eingebung an (Sott gegeben t)cibe, Kjctlä 
ber 93ertiiufd|ung beä Scgriffö ber ®citufltf)uunfl mit bem bcä 
fBcrbicnfte« i.©. 45). 3;iefen ©t^roierigteitcn entjietjt fii^ Xbomaö, 
inbem et «on uurnt)erein ben @oMmcnfd|cn, fofcni er ©atisfaction 
kiftft. unb fofeni et SBevDienft ertotrbt, aU baä §anpt bc* ju 
cineueinben 3J(enfc^engci(^tcc^t3, ber ©emeinbe bejeic^* 
nef'). „93ie ein natürlidjer 2et& eine SinEjeit ift, fo roirb bie 



1) ^ttht folflt (r bem ^iltgcn Sttn^arb, Tractatue contra errore» 
AtweUrdi eap. VI. 15: Si unue pro omnibue laortuus est, ergo omnes 
mortui »uut (2 Cor. 5, 14), ut videlicet Fatiafactio unius omoibua im- 
putetur, gioutomDiumpecealaunus illeportavit. nee alter iam invenialur, 



68 

©emembc, loeld^e bcr m^ftifd^c fieib S^rifti ift, afö eine $erfon 
jujammengereciönct mit if)rcm Raupte, toeld^eö ift Sl^riftud" (Qu. 49. 
art. 1. Qu. 48. art. 1). 2)urci^ bieje Seftimmung ber $erfon 
Sl^rifti qI^ be^ ©ubjectö be^ genugt^uenben fieiben^ ift eö mög* 
li^, bie ©oppcltuirfung biefei^ Seibcn^ na^ ber ©eite @otted luie 
nad^ bcr ber ÜRenjd^en ^in in @inen %ct jujauimenäufaffen. 

10. ®ie üoüfommenc ®enugt^uung für bie in ber @finbe 
bed äJ^enfdiengefdiled^t^ entl^altene S9eleibigung ©otted tuirb alfo 
nad^ %\)oma^ geleiftet burc^ ba^ Seiben unb ben Xob be^ ®ott* 
menfd^en. ^iefe $erfon get)ört nid)t blod bem äJ^enfc^engefd^lec^t 
burd^ i^re SRatur an, fonbern ift Don Dom l^in aud) öor bcr 
@rl^öl)ung ba^ leitenbe §aupt ber ®cmeinbe, be8icnigen Äua^^ 
fd^nitted aud bem äRenfc^engefd^Iec^t ein mlä^tm bie göttlid^ 
©finbenöergebung in 3Birffamfeit tritt. S)iefe ^erfon l^at ju* 
gleid^ in i^rer ©ott^eit bcn unenblid^en 3Bertl), tueldier ben Un* 
»ertl^ ber ©ünbe aufwiegt ober öielmel)r überwiegt, obgleid^ Wc 
@ottl)eit Sl^rifti, weil unfähig be^ Seibend, bei feinem Seiben nid^t 
birect bet^eiligt ift (Qu. 46. art 12). ©i^ ift aber nid^t bloÄ 
biefe SBertl)beftimmung ber ^erfon, fonbern ji^flt^^ ^^^ octiöc 
2Kotiö S^rifti bei ber öeftcl^ung be^ Seiben^, feine Siebe unb fem 
©e^orfam, enblid) ber Umfang be^ öon i^m erlittenen ©d^merjcd, 
worauf X^oma^ bie fatisfactorifc^e SBirtung G^rifti begrünbet 
(Qu. 48. art. 2). (£§ liegt aud^ teine unerwartete Steuerung in 
ber 93e]^auptung bed X^oma^, bag baS Seiben Sl^rifti non aolnin 
snfficiens sed etiam snperabundans satisfactio pro peccatia 
hnmani generis geWefen fei. SSicIme^r folgt bieö au^ ben Um* 
ftönben be^ ©atidfactionSbegriffed unb feiner ÄnWenbung auf 
(S^riftu^. Gebeutet nämlid^ ©enugtl^uung eine Seiftung, weld^ 
ber SBeleibigte ebenjo fe^r ober nod^ mc^r liebt, ofö er bie S5e* 
leibigung l)afet, nadf) Stomas, unb ift ba« Seiben be^ ®ottmenfd^ 
jur ©enugt^uung an ®ott geeignet, weil e^ ben ©droben bcr 
©finben überwiegt, nad^ Slnfclm, fo ergicbt fid^ fel^r noturlid^, 
bafe bie geforbertc SSoniommenI)eit bcr @enugt^uung fid^ nid^t 
bloö in einer „gewiffcn" ?lugglcid)ung bcr begangenen ©c^ulb, 



qui forefecit, alter, qui satisfecit, quia caput et corpus unus est Christas. 
Satisfecit ergo caput pro membris, corpus pro visoeribus suis. IBfil. 
über tfnfclm'^ ßleid^en ©ebonfen oben 6. 47. 





■ fonbcrn m einem Ucbcrjcfiufe bc» 3BüI)Igcfa[lcni& ÖutteS über 
(ein ailifelaUen an ber ®ünbc fieiKähtt. 5)ies; nnmlic^ ertlätt ftd| 
aait ben ^räiniffeii beö Xfjomaä borauä, baß bie ^crjon GljrifH 
Oxqtn ber Öott^ett, iiiib bic Sctftuiifi (einer Siebe uiib feine* &C' 
hoTJamS ipittlit^ unrtiblii^cn SÜScrtt) ^nt, rociljrenb bei ©üiibc 
bo^ nur eine „gemiffe" Uncnblii^feit beiflelegt wirb. Snbcfi'en 
borf nic^t iiberjeljen luerben, boft, inbcm XljonitiS bic Slbiinbanj 
ber @enugtl)uiin9 Sfiriftt jiim erftenmale aiisifprid)!, botfi eine 
SRobtficatiDit ber Slnfii^t Jtnjelm'ö fid) babei crgiebt. X^omaä 
fo^l nÖmlicfi auäbrüiflit^, bofe bie Jrciroilligfeit bce Seibcnö 
€I)rtfti ©Ott mef)r Iciftete, als s"'" "^iB flßfi Sünben notI)= 
ncnbig getuefen wäre. ?lnfclm aber ^alte biefcn Umftanb gcrabc 
qI* bie SJebingiing ber ?(equiDQlens ber ©enugtöuiing t)frDor= 
, gd)o6cn. 9Iii!i gelingt e« aber bem Xljoma* auf jenem Sfficge, 
I rineii EJiberiprucÖ fid) fem ju fjalteii, in bcti firf) 9(nfelm wer= 
■rirfeltc. ®« ifl oben (®. 44) not^geroicfen roorbeii, bafe ?tnfelm 
bi« Oieniigtöuung Ufirifti an bie Xobeäleiftung anfmipftc, fofern 
fw pcrfönlic^'freimillig, imh fofcm fie ni(^t=pflic^tm(ifeig war, ba& 
aber ciitrocber ber pcriönltdj^freimiüige ß^aratter ber Ceiftmig it)re 
¥flirf|Iniä&igteil cinfc^liefit, ober bie TOc^t'^fltt^tmnfeigtcit ben 
perfönlic^cu SSertlj berfelbcn aiiöjc^lie|t. hingegen X^oma* uer^ 
ffibrt logift^ folgeredjl, inbem er bei einer @enugt^uuiig überl)aupt 
niit auf eine SlequiDaleni beS binglic^en SSertljeä recEinct, 
a!fo in ber JtcinjtUigtcit ber niti)t=pftic^tmä6igen Xobe^leiftung 
tifirifti eine Ueberbietung her äquiDalcnten ©otiäfaction crfennf. 
yian ifat aber roirtlicfi ber S^egriff ber @cnugtt)uung (eine nflttir= 
ficf)c Geltung nur mit bem OTerhnolc ber ?Ieiiuiȟlen;i. SBirb 
bif6 im worlicgenbcn concrctcn 'i^aüt burcf) bie SöetjQuptnng ber 
■tatisfactio Cfaristi superabundaiis nuägcfdiloffen, |o ift bieg ein 
ipctDci* bafiir, bafe ber SJegriff ber ®enngtl)uung in ben mit ein= 
anber oerglidienen S?crf)fl!tniffen überljnupt nic^t ficfier ftcl)t. "Bic 
bnrtö ben Segriff fi^einbur erftretite ©efe^Hc^feit unb 9iegclmä§ig= 
feit bf* göttlitftcn Sßerfalirenä \\itii 3wcde ber ©ilnbenüergebung 
roirb butc^ bic ißrämiffen bcä Xljomaä iibcrali burd)freuit. 9(0er= 
btnge führt Xljoma?, roie Slnfelm, bic erforberte ®enugtl)uung 
für btc ^eleibigung buri^ bie ©üiibc auf bie SJorauöfe^ung eineä 
^riDatrec^tSDcrdäUniffeÄ ©ottcS ju ben iDteii[d)en jurüd; aber 
toai Snfelm abgeroicien ^atte, gefleht Xl)ontaÄ nu, ncimlid) bafi 
(^olt auc^ o^ne ©mpfang bon ©cmigttjuung bie ffleleibigungen 



70 

üevgeben burfte. 9?un {ommt ed jtDQt Qud^ bem ^omad auf 
öollfommene ©cnugtliuung an, beten ?lbäquatl^ett mit bcr JBe^ 
leibigung in ber ©ad^e begrünbet to&xt; aber ba er fid^ nur ge^ 
traut, ein „8ett)iffe^" ©leic^gewid^t in biefen SSerl^oItniffen ju 
ertoeijen, fo errei^t er feinen feften Unterfcftieb jtoij^en Dolt 
fommener unb unDoQfommener ©enugt^uung, unb bemgemäg tagt 
auc^ jeine 93e^au))tung ber t)oQ!ommenen ©enugt^uung Sl^rifti 
barauf redjnen, bag bereu äRangel burc^ bie JBe^auptung ber knill« 
lürlid^en Äcceptation burd) ®ott erfefet toerbe, toel^e ja bei bcr im* 
öoIKommencn Slrt ber ©enugt^uung eintreten foH. §ie}u befennt 
fid^ nun freilid^ %\)oma^ nidjt; hingegen ipirb bie Sncongruenj 
be^ Segriff^ ber ®enugtl)uung ju bem öorliegenben 3^^^ "W* 
toillfiirlic^ jugeftanben burc^ bie Slnerfennung überfd^fiffiger ®e* 
nugtl^uung, bie in ber greitoilligfeit ber Seiftung E^rifti begrunbet 
»äre. Sn allen biefen Segriff^öerbinbungen öerrät^ fic^ cineUn* 
fid^erlieit in ber 3)urd^fü^rung be^ red^tlid^en ©efic^t^punftc«, bcr 
im Segriff ber ®enugtl^uung beabft^tigt ift. 3)arau^ erflärt fid^, 
loie ic^ meine, ein innerei^ Sebürfnife beö 2:^oma^ banad^, auf 
einem anbem SBege bie Siütffic^t ber ®ere^tig!eit ®ottc^ in bcr 
SSergebung ber @änben aufredet ju erhalten. 

3)ie^ unternimmt er nun burd^ bie Äntoenbung bed in bcr 
2;rabition i^m bargebotenen Segriff ^ be^ SSerbienfted ouf bad 
Seben unb Seiben Sl^rifti. „SBenn Semanb au^ geredetem SSiUen 
fic^ entjie^t, tt)a8 er befifeen burfte, fo öerbient er, baß il^m nod^ 
me^r jugelegt loerbe, al^ Selo^nung feined geredeten SBiUend. 
©I^riftu^ aber ^at fic^ in feinem fieiben unter feine SBfirbe er* 
niebrigt, be^^alb l^at er burd^ fein fieiben bie ©r^ö^ung üerbient'' 
(Qu. 49. art. 6). 3lber „S^riftu^ l^at bie ®nabe enH)fan8cn 
ni^t fotoo^I alÄ einjelne ^erfon, fonbern al^ baS ^upt ber 
©emeinbe, bamit fie fid^ üon il)m auf feine ©lieber erftredEe. Scbcr 
in ber ®nabe fte^enbe, toeld^er au^ ®ere^tigfeit leibet, öerbicnt 
fid^ buÄ §eil. ®e§l)alb ^at S^riftui^ burc^ fein Seiben nid^t nur 
für fic^, fonbern aud) für ade feine ®lieber ba« ^il öeri)ient*' 
„E^riftuS l)at öom Seginn feiner Smpfängnife unÄ ba« etoige 
§eil öerbient; aber unfererfeit^ toaren §inbemiffe borl^nbcn, 
burd^ loel^e un^ bie SBirfungen feiner frfil^eren SJerbienfte bor* 
entl^alten mürben; um biefe alfo ju entfenien, mufete ©l^riftud 
leiben" (Qu. 48. art. 1). §ieju mufe man nun bie aügemetne 
Erörterung bed Segriff e^ Serbienft au^ P. II. Prima. Qu. 114 




I)cran^i<;l)cn. „'^crbien[t unb Co^n (merces) finb äSct^fcIbcgriffc, 
nicli^e in bem öcgriffi; ber ®cred)tigfeif kgrüubct finb. SSic ge= 
mÖB bct (Setei^tigfcit (simpliciter iustitia) bcv ^teiö bcr em= 
pfangenen ©oare entipridjt, )o ber Sotjn bcr Jlrbcit. S^ieic Mcgcl 
9tlt aber nui für baä ^erfialtmü {old}er ^erfuncn, bie gldr^- 
I bent^tigt cinaiiber gegftiitbcrftc^en ; ^ingegvn niDbificitt fid) bic 
l ©frec^riflfcit (institia secundum quid), wo bie* iiicfit bcr JaH 
ift. äfifd)"! (yieidjbcrcc^ttglen gilt bcntgcmäfe einfcid) unb uii= 
bcbinflt oiic^ ba* ipcrl)ä(tiii§ uoii ilVrbicTift unb ßotiii: jtDitcftcn 
mcl)t @Iei(^bcrcc^tigtcii aber gilt bicS ^crt)älting nur unter bcr 
©ebiitflutig, bü& ba bie SWüctfidjt Qiif bic öicrcdjtigtcit bctiaiiptct 
tDftben ioU, wie in beni ^üüt. bog ein ©EIqü gegen bcn §errn 
ober bcr ©oljn (ber nai^ tömifdjcm fflcdjte in ber 5"™'''^ ^" 
pfttria polestas untcmiorfcn ift) gegen bcn ^öütcr ein Serbienft 
cnnirbt ÜRun befielt siuifcöen ©Ott unb ben 3)Icnfc^cn bic größte, 
nändic^ unenblid)c Unglei(^I)eit, alfo gilt ein 91cd)t jWifd)cn bciben 
ni(^t im eigentlichen <Sinne, fonbern nur nad) einer geiuiffen 
Proportion, fofcm jcbcr in (einer SSJcifc wirft. 3)ie 9Seifc unb 
ba« SiQB bct menfc^Iit^en ffitaft tommt nun oon ®ott, al\o ift 
ein fficrbienft be« iOicnfcljen gegen ®ott nur inögtic^ unter bcr 
©cbingung göttlidjcr^lnorbnnng, fo bafe bcraJIcnfc^ bur(^ 
fcinäöirfeii oUSo^n erreicht, mojn it)m ©ott bic Jütoft ucrlic[)en 
hüt. Sofern olfo unter bicfec SJotonäfc^ung ber 3Jicnfd) in bcr 
gönn be4 freien 9SiQcnä unb jur iBcrlietrltc^ung ©ottcs wirft, 
^bcn (eine SBcrfe bcn Sinn bcs 33ei'bienftcö ; Sott aber crtl)cilt 
il)iieii ben Sotjn nic^t, ol* wenn er bcr Srf)ulbnct beä TOenfdicn 
loürc, jonbeni glctcdforn aU ©ditilbner feiner fclbft, bamit feine 
Snorbnung erfüllt Werbe" (art. 1). (Sä Ijiinbclt fid) nun inö= 
befonbcre um ben öetDinii bcä einigen ^cbcnä. ®aö SJetbienft, 
Wflc^e* biefen Soljn erwirbt, ift nur möglid^ unter ber 9JDrauä= 
(cftung, bofj bct freie aSiUc übet bic ßiebe, ntä beffen l)aiiptiäc^Ii(^c 
Straft gemäß bcr »or^r empfangenen ÖSnabe beä Zeitigen ©eifte« 
mirflam fei. 3tut unter biefet Sebingung finbct bie Sürbigfeit 
(coudignitas) bcÄ ^erbicnftc* ftatt, roäfjrenb o^ne bieä bie gröfttc 
Unglcif^lieit jwifc^en ben fflcnft^en unb ÖJott beftel)cn Würbe. 
Jutc^ bic auäriiftung mit bcr ©nabc wirb bcr aJ^cnfd) bcr gött= 
lic^n Uitttur tljeil^aft unb alö Sotin Öottcö aboptirt, alfo in bic 
©leit^öcit mit @ott cingefe^t, bct geiniife bct üol)n feuieü SJcr= 
bicnftcs au» ber ftricten (iJctct^tigleit folgt, hingegen aufeetljülb 



i 



72 

her ®nabe l^at eine frciloiHtge ^anblunq nur ben G^araftcr bc^ 
roeritnm de congnio, tüeld^e^ locgcn bcr 6cftet)enben Unglei^l^eit 
nur üon bcr ©iöigfcit ®ottc^ eine gcloiffe Scrücffid^tigung er== 
loartcn barf (art. 3). S)a jcboc^ in bicfcm ©inne bic grunblegcnbc 
®nabe n\d)t ücrbient tperbcn !ann tocgcn if)rcg Sbftanbcö üon bcr 
mcnfd^Ii^cn 9?atur (art. 5), fo ift jener ®rfoIg an ha^ SScrbicnft 
©l^rifti gcfnü^jft, bcr, inbcm er fid^ fclbft bic ^l)ö^ung ex condigno 
öcrbicntc, juglcid^ ate ba^ §aupt bcr ©cmcinbc bcn ©cnoffcn 
bcrfclbcn ba^ cimgc Sebcn crlDorbcn f)at (art 6). 

S)urdf) bic Deutung bcr ficiftung SI)rifti ate SScrbicnft bc^ 
jcic^nct 2^oma^ bicfclbc in einer 3Bcije, loel^c ftc^ üon bcm 
©eftd^töpunft bcr ©ati^faction wenig entfernt. Äud^ al^ 9Ser^ 
bienft fül^rt fie nid^t rein etl)ifd^cn, fonbem red^tlidf)en SBcrt^ für 
©Ott mit ft^. ©ic geloäl^rt aber einige SSort^cile für bic ^^^ 
pofttion bcr gebeuteten ^ai^ad)t, ipcl^c bcr Segriff üon bcr 
©cnugtl^uung nid^t gctoäl^rtc. 3""öd^ft toirb bic greiloilligfeit 
an @l)riftud, ipclc^c na^ bcm Urtl^cilc bed Zf^oma^ bcn 9fia^men 
bcÄ Segriff^ bcr Ocnugtl^uung überfteigt, als conftitutiüeS 3Rer!»^ 
mal für baS SJerbienft ©l^rifti in baffelbe eingcfdf)Ioffen. gemer 
gewinnt unter biefem Xitel baS ganjc Seben S^rifti feine S9e* 
beutung für bic Scfcligung bcr ©emeinbc, »äl^rcnb unter bcm 
SBcgriff bcr ©cnugtl^uung bei X^omaS toie bei ?tnfclm baS %oht^^ 
leiben bon bcm Seben G^rifti ifolirt unb bcm SBcrt^c beffclben 
entgegengefc^t toirb. ©nblid^ bient bcrSBcgriff baju, bic negatioe 
3Birfung bcr ©ünbenOergebung, toelc^e burd^ bic ©cnugtl^uung 
oermittelt toirb, pofitio ju ergänjen jur SScrlci^ung beS etoigen 
SebenS an bic (Semeinbe. ÄUcin barüber barf bod^ ni^t über* 
fel)cn toerben, toie unfic^cr audf) bcr öegriff beS SSerbienftcÄ im 
SJcrpItnife ju ®ott gcftcHt ifi 3)aS SSerbienft ex condigno, 
toie eö unter SScrlcil^ung bcr göttlid^en ®nabe in $infid^t Sl^rifti 
unb bann bcr ©laubigen jugeftanben h)irb, gilt oIS Änfpru^ 
auf bcn l^öc^ftcn benfbaren fio^n gemäfe bcr ©cred^tigfeit, toelc^e 
bic 9ie^tSglei^l)eit tJorauSfe^t, nidf)t anberS, als toie biefelbe im 
pritjatrcd^tlid^cn SScrtrage cingefd^loffen ifi aber bic ÜRögli^feit 
bcr prioatrcd^tlid^en ©^d^ung beS SSerbienfteS ijat hod) ©ott 
fclbft nur burd^ bic SScrlci^ung bcr ©nabc begrünbet, in tocld^cr 
allein jcber bic firaft l^abcn foH aSerbienft ju crttjcrbcn. S58ie 
ftumpf ift nun bic ©ialcftil, toel^e c8 geftattet, bic Scurt^citung 
bcr SBirfung t)on bcr SScrgcgcntoärtigung berUrfac^e ju ifoliren? 




iwtc^c Hnü s'"""!!)«, eine 3Ict^t*flletcf)[)eit äwift^en foli^n ju 
benfot, Doii bcneii ber eine in uubcbinfltEt etfiifi^er ?t6f)ängt(ifett 
oom ?tnbern i"tet)t? 3ft ba» ©crecfjtigfeit. ober ift eä ntc^t aöiD= 
für ©otles. xotläfv bcmicnigen iHccfitägleicfitjeit mit @ült juetlennt, 
njclt^cr in ber iöm DetlicljenEii önabe immer bai älicrfmal ber 
Unfclbftänbisfeit gegen @ott, aljo ber Ung[eiii)t)eit mit i^m ait 
)idj träglV Äann bcnii unter biejer äScbingmig bie fpecifijc^c 
Ucbcterbnung ÖJotleö über EljriftuS roie ülier bcffm ?Ingel)örifle 
aufgeliDbeii ipcrbcnV 'S>m ift nur mit Dcmfdben Wla^c uon 
■©a^röcil mpfttif^, mit roelcf)em 3:t)oma^ aiiö ber bioö nefloHo 
gefoBien Uimbtiängigteit ©otteö otö beö l)öi^ftcn ©uteS ableitet, 
ba^ 04ott bie @ünbe tiergeben fctnn o[)ne @mp|Qng Don @etmg* 
töuiuift. rote m 9)ienfcf|, ber in [leliebigcr SJctgebung Don 99«* 
Ifibigwngen bannt)crstg aber nitfit ungerecht uerfäfjrt (S. 63), 
SScim ber ®(^Iii6 inditig ift: „Seil (Sott bnä Ijöc^fte @ut ift, 
io lann er ftonbeln roie ein ^riDcitmann," — bann mag eä aüä) 
übctjeugenb fein, bofe (Siott bcn älienfc^eii bie ©nabc in ber 3tb> 
lid^t wrleil)t, bamit er in ber ?(6Iot)tumg i£)rer babur^ möglit^en 
frciroiDigeii guten ^anblungen ciiie priuatrcdjtlic^e SBcr6inbIi(^Ieit 
erfülle, imb bafe et mid) bcrfclben SKegel nerfäl)«, inbem et Sfirifti 
S<rbien|t btirtj bie Si^öljung feiner ^crfon unb bie Söegnabignng 
ieincr (^(emeinbe crToibert. 



R» 



II. Set ÜJiflngel an ©efd;! Offenheit in ben öeffimmungcn 
^omo« über ©enugt^unng unb 2.*erbienft liijrifti wirb butcfi 
nickte beullii^er gem(id)t, alä burd) bie ^olgeticfitigtcit, loelc^c bie 
S?el)tc bc« 3o^annee Tiunä Scotuö wom SSerbienfte E^rifti 
ou*,sei(^net. 3nbem berfelbe roic Tt)omij3 bie SSiüfür ©ottc« al8 
ben cntfdjcibenben (^runb bee an Gftrifft 'lob getnüpften Öcifö^ 
tKrfal)ten* obenon ftcHt, bringt er cö bnrd) bit 9lnftii)t öon ber 
Sünbe, ipelt^c 3:hontoS olä möglich bcf)QUptet, alfo ntt^t wibet' 
legt, aber auc^ ntd)t abof^tirt l)at, unb bnrci) bie rtd)tige !I)efinition 
iti ©tgtiffe Serbienft f,\i einem (Jtgebnife, baä im ©inieincn bcn 
Sluffteüungen bcä X^oma§ roiberfprit^t, unb bcnnocf) im CÜanjen 
bie öon bemfelben eingefdjtagene Micfjtung buvci)füt)rt. Eie @tel= 
tung, ipcldje bne fatf)0ltf[^e G^tiftentf)um beS afiittelaltetä s" ^"" 
$rofcIcme cütnimmt, erljelft beö^alb Diel beiitlicfjer au3 bei roiffen= 
fc^aftlit^ aOgerunbeten SefiiT beS T)unö, aU anä ber Se^re beä 
Xtjomci«, beren tirciilit^e Slecefition bie SSiUtüc ba- Tiiftinctionen 



74 

unb bie fial^m^eit ber Definitionen, mittele beten fie ju ©tanbe 
gefommen ift, nid^t jubecfen tann. 

^()omQ^ ^Qtte jugeftanben, bag bie @ünbe qI^ ß^^^^^^^fl 
jum öeränberüc^en ®ut unb al^ Set ber Greatur enblic^ fei. 
aber für bie ©atiöfaction^Ie^re ^atte er bie anbete Slnfid^t ju 
®runbe gelegt, ba§ fie al^ 2lbtt)enbung Dom unöeränberli^en ®ut, 
ate öeleibigung (Sottet eine getoiffe Unenblid)feit be^QU^jte (©. 65). 
S)un8 nun ergreift ben erften ©ebanfen unb x\ä)ttt \f)n gegen 
ben anbem (Comm. in Sent. L. III. Dist. 19. Qu. 1. § 13). 
„SSknn bu fagft, bie ©ünbe fei unenblic^, unb bie^ fo üerftel^ft, 
ba§ baS Söfe feinem Segriffe nad^ innerlid^ unenbüd) fei, fo ift 
ed falf^ ; benn bann müfete man ein l^ödifte^ SBöje unb einen ®ott 
ber SKani^äer annel^men. Unb toenn bu ald ®runb anffi^rft, 
ba§ bie ©ünbe eben fo gto§ ift, ald bet, gegen ben fie gefc^iel^t, 
fo ift eS falf^, loenn bie ®Ieid)^eit bet ©töfee auf bie Segtiffc 
bet beiben SSetglid^enen an ft^ bejogen h)itb. 3ebod) in ^infid^t 
bei^ ©egenftanbei^, Don toeld^em bie ©ünbe fi^ abtt)enbet, empfängt 
fie eine geloiffe äufeetlid^e Benennung al^ unenblic^ ; an fi^ intern 
Segtiffe nad), ift fie iebod^ enblid^et 8lct. ©c^metet nämli^ ift 
bie ©ünbe gegen ®ott, ate bie gegen einen Änbetn, toie bie gegen 
ben itbifd^en Äönig f^tt)etet ift, als bie gegen feinen ©olbaten; 
unmöglich abet ift eS, ba§ eS ein feinem Segtiffe nad^ unenbüd^e« 
Söfe gebe. Sbenfo (§ 14) ift bie ©ttafe füt Sobfünbe nut in 
bem äufeetn ©inne unenblic^, toenn bet SBiUe enbgiltig in ber 
©ünbe üetl^attt, nic^t beStt)egen aU ob ®ott bie ©ünbe in feiner 
anbetn 3Beife fttafen fönnte''. §iemit ift bie Slnna^me bet „ge* 
loiffen" Unenblid^feit bet ©ünbe but^ 2]^omaS als SRebenSart 
ettt)iefen, unb bet ®efic^tspunft toibetlegt, butd^ toelc^en Stnfelm 
unb 2;^omad bie SRot^tt)enbigfeit einet ©atisfaction unenblic^en 
SBettl^ed füt bie ©ünbe begtünbeten. 

ijetnet öetüoQftänbigt unb üetänbett 3)unS ben Segtiff bcÄ 
äJetbienfteS, aud^ fo toie et auf ©^tiftuS anhjenbbat ift, übet bie 
t)on SliomaS bel^auptcte Sinie l^inauS, in butc^auS übetjeugenbet 
3Beife. X^omad ^atte baS SBefen beS SSetbicnfteS in ben 3Rer!* 
malen bet t5teitt)inigteit unb bet Äbfid^t, ®ott ju elften, aufgefaßt, 
l)atte abtt bie ©egenfeitigfeit beS äJetbienfteS ex condigno unb 
beS Colones auf bie objectiüe 9iec^t8gleic^f)eit bet Parteien be* 
gtünbet (©. 71). 3n jenet $)infic^t etflätt 3)unS (Dist 18. 
Qu. 1. § 5) : „3)aS SSetbienft als bet gute aBiUenSact ^t feine 



Eutscl in einer ?Ifffction bcä SiKenä burc^ bic Serei^tigleit, 
nic^t in einet SJffection beS ©iDen^ biitc^ ben SJorttjcil, ober 
bun^ bie ©crec^tigicit, (ofern fie ben 9iortI)eiI otbitet. SJies ift 
Aar, rcril ber ctfte ©cgenftanb, um ben man ftt^ ein ^etbicnft 
cmirbt, ©ott fdbft ift, jofern man burd) Slffection ber @crc(f)ti9= 

■ Icit für ©Ott ©Ute» roiU. 91&cr ber burrf) ben ©ebanfen bc« 
iBotltjälfi kflimmtc läBiUc crfttc6t ba^ eigene ®ut. ^cisliiilli ift 
Serbienft bic geocbncte SBtUenSbenjcgung. tnbem man für Soll 
®utc9 erfltcbt, unb bflnoci), mit Serütfyii^tignng bet Umftänbe, 
büß muH fclM* ober in-Öejicöung auf älnbetc mit ®ott uertmnben 

] »erbe." „Sofern Sf)tiftuS in flemiffet $inficf)t ^ßilget mar inib 
IribenSfä^ig in §iiifi(^t feinet Smpfinbiing nnb beö nicbetn Xtjeilä 

■ ^K* ©iüenä, fjattc er eine 5Kcnge bem eimjfinbiingä» unb iÖe^ 
getintngätKtmögen entfptec^enbcr ©egcnftönbe, öon roelc()en er 
(einen SSiUen im SBiberiprucft mit feinem 9iDrl()ci[ abiucnben 
bmnte. SeÄl)a[b fonnte et butd) goften, ®flci)en, Selen unb 
Oiele anbete folt^c Cetftungen ein SJerbienft etroerben entmeber 
butdi Ausübung ober burc^ Öcabfii^tignng berfelben um ©ottess 
nriÜen." Eet tec^tliifi objectitteii ©eurtljeitung bce ^Begriffes SSer= 
bienft fcpt nun 'E^unä ben fitttic^en fubjcctiDcn SJMfeftab entgegen 
in ber 3)efinition: Meritum est nliquid acceptatum (§ 4). 
^^ierbicnft ift ctroa«, bafi bafüt angenommen rcirb, unb ffiofür 
beijenigc, ber eÄ als folc^csi onnimmt, gemiffetmafeen fc^nlbig ift, 
rtlDQ« roieber ju leiftcn." "Siefe "iEefinitiDn, auf meiere Suiiä ba* 
Urteil über bie Sciftungen ß^rifti jurüctfü^rt, rett)net auf @r= 
gänjungcn. meiere et jebot^ nuÄjufütjteii unfertaffen fiQt. Sicfelbcn 
ergeben fic^ ober leicht auss ber SSerglcit^ung analoger ©ebanfen 
bes X^omaä, mclctie berfcl&e fretli^ Oon ber Slmuenbung auf 
Etjriitue fern ju tialten fic^ bcftre6t. 5tui^ 5:t)Dma8 !ennt nämltcft 
bic acceptatio als aitertmal ber unwoUfommenen ©atiäfaction, 
mit ber man fidj aufrieben gicbt, aud) roenn fie ntc^t fa(f)ent= 
fpred)enb, nid^t ber ^(eibigung äquiDalent ift (®. 66), unb burc^ 
biefelbc fubjeetiiic 9Bi(I(ür bt& Urt^eilö über ben Söertt) einer 
Setftung etflÖtt er bie ^nfbatfctf eincö SSerbieiifteä ex congrno 
(S. 72). aiä ÜJlQßftab bicfcv aBillfiir üeseidinet et jene telatioe 
öeret^tigfcit (iustitia aecuodum quid), in meld)cr ber ©cbanfe 
ber Silligfeit erlannt mcrben mnfetc. Offenbar roirb nun berfelbe 
(3<l"i{^t5punh uon 3)unä feinem atigemeinen Begriffe oon SBef 
biciift ju ®tunbe gelegt. Unb fomctt ber ©ptadjgebraud) baä 



7() 

SScrftänbni^ \ol6)tt ©cbanfen ^u leiten bcred^tigt ift, ijat 2)un^ 
gegen bie ßlaufeln unb ©jceptionen be^ %f)oma^ üoIKommen 
Stecht. 9D?an ücrftef)t unter SSerbicnft nie eine Seiftnng, tuel^e 
i^r ÜRafe an bem 9?ed)töuer()ältni6 beö SSertrageö f)at, tuic 
X^omaö üon bem SJerbienftc ex condigno behauptet, fonbcm 
eine Seiftung, gerabe fofern fie fid^ biejem SWafeftabe entjiet)t. 
STOan t)erftet)t ferner unter Sßerbienft nie eine Seiftung, für loeld^ 
man einen objectiDcn SKafeftab ald giltig Doraudfefet, fonbcrn 
ftet^ eine foId)e, bie eben als SSerbienft nad) 93e(ieben, secnndam 
acceptationem beurt^eilt tt)irb. Unb jtDar rid^tet fid^ ba^ Urtl^eil, 
fofern ed ein SJerbienft conftatirt, auf einen fittlid^en SBert^ bcr* 
jenigen Seiftung, tt)eldf)e im gegebenen %aü^ melleid^t urfprunglici^ 
if)ren ®runb in einem SHed^t^üertrage ^at. 3Benn nämlid^ eine 
öertrag^mäfeig feftgefteHte unb burd^ SSerabrebung äquivalenten 
fio^ned im SSorauö auf ben SJiafeftab be^ SRcd^teö äurutfgefül)rte 
fieiftung unter Umftänben erfolgt, hjel^e ben befonber^ guten 
SBiüen be^ 3lnbern jum Sßort^eile be^ ©mpfänger^ öerrätl^, fo 
mirb berfelbe in biefen fittlid^en SWcrfmalen ber redit^pfli^tigcn 
fieiftung ein SSerbienft um ftd^ erfennen, tt)e(ci^e§ er burd^ befonbcrc 
85eIof)nung ju ertt)ibem fid^ gebrungen ful^It. 3)a man ftd^ nun 
beim SRangel fittlidf)en ß^rtgefü^I^ biefer Setrad^tung au^ öer* 
fd^Iiefeen fann, ba man eine ©efälligfeit aU foIdf)e ni^t ju be« 
merfen brandet, fo ift bie Slnerfennung eined SJerbienfte^ in bte 
3Binfiir, in^befonbere in bie Silligfeit be^ ÜRenfd^en gefteUt. 
3eneÄ Urtl^eil ber SBilligfeit fann jebod^ ben fittlid^en SBert^ nur 
fol^er ^anblungen meffen, ml6)t ben Umftänben gemäfe nid^t 
unter ben Segriff ber fittli^en ^ffid^t, nic^t unter ben ®eftc^tÄ* 
punft gefteUt »erben, ba§ jebe ^anblung im 8Serfet)re ber SKen* 
fd^en jum Seften be^ SRäd^ften beabftd)tigt fein foU. ®a^ l^eifet, 
al^ SSerbienft fann eine fittfid^ motiöirte ^anblung nur gebaut 
toerben, toenn bei ber ?lnna^me eined jtoifd^en 3öJcien au^fd^ließ^ 
lid^ beftel)enben 5Red^töüerf)ältniffeg ober überl^aupt fittlid^c 3n* 
bifferenj jttjifd^en bem üorauögcfefet tt)irb, tüetd^er fid^ ein SSerbienft 
erwirbt, unb bem, tt)eldf)er eö al§ folc^e^ anerfennt. SBo hingegen 
ffüti ^erfonen in einem fold^en fittlidf)en SSerl^ältnife ju einanbcr 
ftetjen, ba^ bie eine übergeorbnet, bie anbere untergeorbnet ift, 
ba§ bie eine aUc^ Stecht, bie anbere alle ^fli^t ^at, ba fann 
nad^ unferen Segriffen bie annähme eine^ Serbienfted feine ©teile 
finben. 3n biefem ©inne weidet unfer gegenioärtige^ Urtl^eil 




Von htm be« Iljoina« ali, bofi ein ®ol)ii bcin SSotcr gcgcnüDer 
IBtibicitft ex congruo Ijobcii titiine (®. 71). 2Bir fe^cn ottnc 
■grase woraus, bafe bcr So^n bem Siater unbtbingt fittlit^ ucr^ 
(iffic^tet ift, unb fülgcii t)tftin bem unsmeifel^afteii Sinne bcr 
(§riiHi(5cn Si'benfiorbnung. Stjoinas ift auf bcn cntgcgcnflefe^lcn 
Öcbantcn flefiil)« wotbeii, inbcm er bic abfolule recf)tlict|c Uiiter= 
ortiming beä ©otjncö unter bcn Spater, trelrfic baö vömiict)c SHci^l 
üorit^tcibt, als bai einjigc pofittnc ^erlialtnife jniifc^eii tljneti au= 
natim, iibrigenö olfo fittlic^e Snbiffercnj ä'U'It^f" if)neii ge[teii 
ließ, welche nur but^ SJerbienft bess ©otjneö unb SJiüigfeit bc* 
^k Cotetä telQtiu bcjt^väiitt roiirbc. 

^^M 13. 3ier Snblic^Fcit ber Siinbc uitb bem iubjcdiDcn ''Sia^- 

^B-fb^ beS i8frbienfteä entfpiic^t mm aud) bie (£nbUd|teJt bei) 

^^[Sttbicnfteä @[)ri)ti. Snbem ^unä ebenfomenig luic Stuguftiti 

^^Pmb ofle golgcnbcn bie göttlictie Siatur (SEjrilti al^ baä ©ubject 

^H'bed SttbenS unb bcä iUerbieiiftev betrachtet, fo befc^räntt er bie ^e- 

^B ffi^ung &[)rifti ,\ii Selbem auf feine nienfct)(ic^ 9?atnr, unb ^lunr 

^r fo, boft 'ScibeS aud) nic^l einmal üon ben f)öt)eren geiftigen 

Ätäficn gilt, fofern bieictbcn mit ber güttlic^en 3iatut öerbunben 

finft, — benn liierin t)atte S[)riftuä id)Dn Bon Anfang an feine 

'^igtcit, — iortbevn fo, luic feine nieberen ©eelenfräfte in ber 

dttc^timg auf &ott buri^ ben 3SiUen geurbnet unb angeeignet 

iiiutben. Iieä^atb aber ift „baä 35erbienft ISfirifti Ciiblitfi, loeil 

c» roefcntlif^ uoti einem ^rincifl abtjcingt, baä fetbft enblic^ ift, 

anc^ Ipcnn nwn eä in allen SScjictjungen auffafet, fei cS tn i^'m- 

fit^t beä götttit^eit 23ortcä in ber ^erfou Gtjrifti ober in ^inficftt 

be* 3'i"^<^f^- ^^^"^ mm baö ^rincii) uncnblie^ roor, bann gab 

(« üfxrtiaupt fein SBerbienft, ba 'Sßerbicuit nur ülä Stttribut fiir 

bat gefi^affencu ^IMUen, nit^t aber für bcn ungefc^affenen SßJtUcn 

bc6 Säurte* Uorfommen [ann. 9Bie Btcl atfi) galt jene* SJerbicnft 

in 5*'nt'(^l fei"« ©ufficten^? 3Sie Sllle^i, maS uon @ott »erfc^ieben 

ifl. bc9t)alt) gut ift, roeil e* Don ®Dtt geiroüt ift, fo tft jene* Säerbienft 

io uiel gut, a[$ toofür ii angenommen mürbe, unb raar ideo meritum, 

qoia acceputuni. ©einem Söcgriffc nad) faunte e5 nit^t alö Un= 

äibli(§e5 unb für Unenblidje, fonbern [ür ber Qai]l nad) ©eftimmte 

oiiflenommen loerben. 3ebo(^ nat^ ben Umftänbeu beä Subjcctö unb 

nadf billiger 3Jcriidft^tigung be« ©ubjectö ©ottmeiifcö ftatte eä eine 

ganifte äuBerlid}c Sesie[)uug, ber gcmS^ Öiutt e« nie unenbüc^ au' 

I 



78 

ncl)mcn fonnte, naä) bcr Sfu^bc^nung fürllnenbUd^e (Unjäl^ttore). 
gür lote Sicic aber ®ott jene^ Selben ober jenen fluten äBtUcn 
annehmen looQte, für fo SStele genügt e«. Slber md) bem SBegriff 
ber an ftc^ annehmbaren @aci^e n^ar e§ nid^t für Unenbli^e cm* 
ne^mbar, lote ed auc^ nid^t an ftd^ unenbtid^ toar'' (Dist. 19. 
Qu. 1. § 7). 35er SBed^fel unb bie Öebingt^eit ber legten ©ä|e 
mad^en ed beutüc^, bafe S)un^ bem Serbicnftc ß^riftt ebenfo einen 
begrenjten Srfolg beimißt, loie eine begrenjte Äraft, unb ba§ er 
^ier, loie in ber SBeurt^eilung ber ©ünbe (©. 74), nur ganj 
äugerlic^ unb in einer beuttic^ abn^eic^enben 3){einung ftd^ ben 
t^omtftifd^en gormein Don ber Unenblid^feit ber ©unbe lote ber 
©ati^faction S^rifti accommobirt. %\)oma^ Oerftanb bie Unenblid^* 
feit ber ®enugt^uung S^rifti üon bem innern SBert^ ber fieiftung 
nac^ göttlid^em ÜÄafeftabc, S)un^ bie Unenblid^feit be^ 9Serbienfte8 
ß^rifti üon ber Unmefebarfeit ber äußern SBirfung nad^ menf(^ 
üc^em ÜÄafeftabe. S)unö fie^t ftc^ be^^alb aufeer ©tanbe, auf bai 
@a$ bed ^^oma§ einjuge^en, bag bie sufficientia ber fietftung 
ß^rifti über bie efficacia berfelben ^inauöge^e, ba ber innere SBertl^ 
berfeiben ben ©ünben ber ganjen SBelt dquioalent, bie SBirfung 
berfelben febod^ auf bie ©laubigen befd^ränft fei (Summa P. III. 
Qu. 49. art. 3). ^iegegen entfct)eibet 3)un^ in ber ßonfequenj 
feiner annähme, bafe bie ÜÄenfd^ioerbung (Sottet im SSerl^ältnig 
ju ben jum $eile ®ttoäf)lttn anö) o^ne bie ©ünbe eingetreten 
loäre (©. 64). (S^ ift alfo nid^t baö ganje SRenfc^engefd^Ied^t 
atö fd^einbar unbegrenjte Siaturein^eit gemeint, fonbem bie ber 
Qai)l mö) burd^ ®otte^ SBiUen begrenjte ©emeinbe ber ©rtodl^Iten, 
auf loeld^e unter ber 83ebingung ber ©ünbe bie SBirfung bc8 
Berbienfteö (S^rifti üon Dom herein burc^ ®ott berechnet loar. 
„jDie 3){enfd^loerbung S^rifti loar nid^t gelegentlid^ Don ®ott 
Dor^ergef e^en ; fonbem tok ber Snbjn^edt unmittelbar burc^ @ott 
eioig gefe^en lourbe, fo lourbe E^riftu^ in menfd^Iid^er SZatur, ba 
er bem göttlid^en Snbjioedt junäc^ft fte^t, (loflif^) früher öorl^er* 
beftimmt ate bie Uebrigen. SBie nun bie ®rtt)ä^lten früher öor* 
^erbeftimmt loerben, ate ba^ Seiben S^rifti Dorgefe^en loirb, alä 
Heilmittel gegen i^ren ©ünbenfaH, fo f)at bie ganje ©reieinigfeit 
bie ©rttjö^lten früher jur ®nabe unb ©eligfeit erttJÖ^U in §in* 
fid^t ber SBirfung biefer Drbnung, atö fie baS fieiben S^rifti alä 
Heilmittel öorgefe^en f^at, .loelc^e^ für bie burd^ äbam faDenbcn 
®rloäI>Iten anjune^men fei. ... ©o \)at bie ganje Sireieinigleit 



79 



anaio< 

»1 



to Selben Gljriiti für 3ciie tDirllict) aitgcimmmcii : iiiib für feine 
Snbercn ift baffdbc inebcr wirffam bargebracfit loorbcn, not^ oon 
SraigEett angenommen gemefen; uiib bcStjalt) hat et, \mi bie 
Sirt^untfeit befi 9iccbiciiftC!ä betrifft, nur 3cnen bie crftc &mi>e 
Mröient, rodele siir DoUcnbcfcn Seligteit beftimmt finb" (Dist. 19. 
Qq. 1. § 0). „Söie bflss i'erbteiift an fid) ettblid) mar, (o 
Bar auc^ btc Selol}nitnci flemäfe ber uctgeltcnben ©cret^tigleit 
titblit^; bcSf)alb tfat ß^riftuä autf) nic^t ein SBerbienft criuorbcn 
für Unenbliifie In ^tnfic^t ber Suffieieiis beä Syerbienftcä für bie 
göttlidK Ännattme" (tj 4). 

SHuäi in biefcr "Satftcllung cn:ei{ftt Sliunä eine ftraffere (äc= 
ftalt ber leligiöfcii 33eltanfc^auung als '£E)DmaS mit feinen 
onologcti MuffteKungcn. 'Bie Setjauütnnfl beS Segtcrn, bafe bie 
~' igt^uutig nnb baä SSctbienft (jljtifti uon itjm als bem Raupte 
@emtinbe ausgeben, t)at ^niar ben frudjtbaren <Stnn, ba& bie 
fÖ^ttung, jo mte fie Qtott an <£i)tiftuä Enüpft, oitdi in ber 
"iorfleUmig bicfes pcrfönlic^cn äRitletö auf ben erfaftrungSmäßigeu 
erfolfl bctec^iiet war, bafe nämlid) bie SicriD[jnimfl nidjt an ben 
SWenf^en olä fold)Cii burt^gefüljtt lüirb, fonbern on i^nen als bet 
Öcmcinbe Eljrifti. $at alfo bte ÜDiftinction beä X^omaS sioif^cn 
btni iinenbüd^en 2i*crll)e nnb ber begrenjten Sirtung ber @cnu9= 
t^uung ßlirifti leine pratttjdje Slntocnbung auf ben 3"ffnimen= 
fymci, in mclf^em bas erfatjcungäniäfeig Sirflid)C ben SHaßfiab 
für unfere ©tleiintntß ber abfielt ÖoltcS ergicbt, fo erfd)eiiit 
bie ^^üuptung bei iineiibli<i^cn ^ert^eS neben bec begrenzten 
©irhing ber @CHugtt)uuttg S^tiftt überfliiffig. ©ic crfificint aber 
aud) fogar terbäcfttig. nrenn man beadjtet, bafe alle Scftimmnngen 
beä Xl)omflS über bie Unenblic^fcit beS aficnfd)eiigcfd)Icd)tä, ber 
Sünbe, ber @enugt[)unng Gh^iftt nid)t auf einem pofitiucn Sinn 
fracd Segriffeä bcrufjen, fonbem nur auf bent uctneincnben Urt^eil, 
baii mir SJIenft^en loeber ben Umfang beS 3)!enfd|engefc^lc^tS 
nw^ ben 3nt)alt beS göttlichen SfficienS ermeffen fönnen, weither 
in e^riftuö »urouSgefe^t ift, nnb melc^er ber Sünbe jene 3äeiÜf= 
ftafe beilegen läßt. Uebeifdireite id) nun freifii^ mit bicfer ©e= 
mctlung ben gemeinjamen ©cfit^tStreiS, ben X^omaS wie ^nnä 
im ©ottcebegriff cinnel)men, fo tommt bte Stbroeii^nng beä Seßtem 
Bom Srftem in bem uorliegcitben fünfte barauf ^inauS, ia^ 
Dun§ bie ^eilSoffcnbarung ©ottcä, in §inftc^t beS QiekS 
(ber ©emeinbc), wie beS aJiittelä (be§ 9ierbienftcS 61)riffi). üon 



80 

©Ott l)er aU bcgrenjt barf teilt, tüä^rcnb Xf)oma^ eine @etpd^r 
für bte ®öttltc^fctt ber ^cil^offenbarung barin Ictftcn will, 
bafe er bad möglid^e Qkl unb bte ^aft bed SRittcte mit bem 
9?imbu^ jener Unenblid^feit umgiebt, beren SBe^auptung bod^ nur 
bic ©d^ranfe unjercr Srfenntnife ®otte^ anbi^utet. ©afe E^riftud 
ba^ aUerbienft aU ^anpt ber ®cmcinbc ertoirbt, fprid^t 3)un« 
nic^t Qud, unb bie SBebeutung biefed ©ebanfend bed X^oma^ 
ttjirb Don ®un^ fcine^ttjeg^ erreicht, inbem er ebenfo toie ^nfelm 
erflärt, ba§ ba S^riftu^ in feiner SoHfommcn^eit bic Selo^nung 
feinet SSerbienftc^ nic^t beburfte, er ju ®unftcn Änberer ba^ 
SSerbienft erttjorben f)at, unb bie i^m ßebü^renbe a3eIo^nung biefcn 
jugeloenbet n)irb (Dist. 18. Qu. 1. § 4). SlQerbingS muffen jja 
biefe ?lnberen ate bie ^räbeftinirten, afö bie ©emeinbe ber an 
ß^riftud ©laubigen öorgefteQt »erben. ?tQein barum öerftc^t ed 
fic^ für S)unö ebenf otoenig loie für änfelm öon felbft, bafe E^riftu« 
im SBerpltnife ju i^nen öon öorn herein in jener uniöerfettcn 
SBebeutung aufgefaßt tpirb. Srft burd^ fein SSerbienft foflcn bie* 
felben mit i^m öerbunben tt>erben (Dist. 19. Qu. 1. § 5). Ueber* 
bieö »erben fid^ für S)unS nod^ bie ®rünbe ergeben, toarum er 
biefen fd^einbar fo na^e liegenben ®ebanfen bed Xf)omaÄ ni^t 
angeeignet ^at. (S§ fommt bem ®un« in biefem 3"fommcn^ang 
nur auf ßl^riftuö al^ gottmenfct)lid^eg 3nbit)ibuum an, inbcm 
er wegen S^rifti urfprünglid^er ©eligfeit leugnet, bafe er ©eligfctt 
für fic^ Derbient \)ab^, unb behauptet, bafe er für ftd^ nur bic 
Berflärung beS Seibe^ öcrbient ^abc, ndmlid^ bic SSefeitigung bcÄ 
^inberniffcÄ, wcl^eä in feinem irbifdjen fieben bie SSerbreitung 
ber ©eligfeit ber ©eele auf ben 8eib ^emmte (Dist. 18. Qu. 1. 
§ 12—15). 3ft nun aber baS ganjc SScrpltnife j^ifd^cn SJcr* 
bienft unb SBelo^nung in bie SBiUfür bed acceptans gcfteQt, fo 
erHärt fid^ bemgemäfe, bafe ©und cd gar nid^t aU Aufgabe für 
einen SöetoeiS nod^ als ©egenftanb einer genauem (grörterung 
anfielt, Weber ba§ bie Selol)nung bed 9?erbienfteS ß^rifti tlnberen 
als i^m JU 3;t|cil wirb, noc^ bafe bic §ö^e ber a3elo^nung, bie 
©eligfeit ber ^äbeftinirtcn, ben ®rab bed Serbienfted, weld(eS 
nur in ben nieberen ©eelenfröften S^rifti begrünbet ift, an SBert^ 
überbietet. SBeibeS Wirb einfad^ als giltig t)on i^m behauptet 
(Dist. 18. Qu. 1. § 4. Dist. 19. Qu. 1. § 8). 

Snbem femer ©und nur ben ©egriff bcS SSerbienftcS, nid^t 
aber ben ber ©enugt^uung auf (£f)riftuÄ anwenbet, fo ift ou^ 




romn 



öcr ©rroerb für bie ju ßtjviftuö ©cööriflen iiid)! alä baö iiegatiöe 
@ul bet «ünbcnueraebutig , ioiibcvu Ql§ baä pofitiue @ut ber 
(^nflbc uiib ber Slusfidjt auf bie Seligfeit (Oeffiiiing bciä Sl^axa' 
bicjcä) DorgefteUt. Die 3{ccii)roeität biefer ©ejie^ungen wirb cin= 
leu^ten. Siibcm eine öaiiblung als ißerbienft auf einen fittlic^eii 
©CTt^ beurtl)eilt wirb, unter Siorauöfe^uns bidtjcrigcr fitttit^er 
3nbiiferen;\ uiib rec^tlidjer ©leic^^eit äroifd)en bcm ffiecbieneiiben 
uiib bem ^Iot)nenben, ja Faun bie ^elüliiuing bee ^eibienfteä 
nur ali pDfitiueö @ut oorflefteUt loerbcn, md)t aber alä SI«f= 
iKbuug einer fRec^tSuert^ilii^tiiug, bereu d^efteben burc^ bie eben be= 
jcic^ueten ^rämiffeu toti 33crbieufEe^ auägefc^lolfcu ift. ffijenu 
»mlic^ bie Söcloiinung be* SßtTÖienftooUeu Stnberen ju ®ufc 
fammt, nwlc^e in einer uugclöften SecötÄueryffic^tuufl ju bem 3)e= 
inenben iiet)en, fo (iinn bie pofitiue ©cIoEjnHUß in ber SIuf= 
mg einer fic brüdenben SHei^tÄBervfUc^tung gegen ben Se= 
i^enben DenDirflic^t inerbeii, alfo Im borliegenben ^nlie bie 
günbentiergebuuß in golge ber oon (Sf)riftnä üerbienlcn prima 
graiia eintreten. Siicjer 3"in"»i>"il)ii'g roii-ft aber and) ein 
ciiitntl)iimli(^e& ßid)t auf bie Stellung bei Segriffe iöerbienft 
unb @enngt[)uung jmuol)! bei '^[)omag, roie bei 9(u|e{m. @S er= 
giebt fitö nämlic^, roaruiu tetuev uon Reiben mit bem Scgriff ber 
©enugt^uung Stjrifti allein, ol)ne Jlnroenbung bes Segriffeii feineö 
^bieufleS, audreic^en tonnte. 1)ic @euugtl)uung nönilic^ bebeutet 
nur bai 3}t\ttei, luüburd) bte beftelienbe 9!ed)lduei):)flic^tnng ber 
Sünbet gegen ©ott aujgeEjobcn roirb; fic begriinbet aber ntdjt baö 
fiintreten eines 3?erl)ä[tniffc* ber äWenfd)eu ^^u ®ott, in weldiem 
bie SBieberfc^r ber Sienüidelung ätnifc^en menfdilii^er ©«übe unb 
g5ltli(^m Steckte unmöglich gemacht mürbe. Xiefe pofittu fittlid) 
georbnete @cmeiu)c^aft erreidjt man butc^ ben ©cgriff bcö 2?er= 
bienfteS, bei beffen SInutenbung äunät^ft bie äioifd)en Xfjüniaä 
uiib Sun* abiueii^enbe a)ieffung beä SÖegriffeä gleidigiltig ift. 
3näbcfonberc loirb tiieburi^ boä oben (®. 46) gefaßte Urt^eil 
beftätigt, bag Slnfelm feine mü^fam entmidelte Satiäfaetiou&t^eoric 
burc^ ben öcbanleii be* SßerbienfteS ß^rifti aufhob unb erfe^te, 
mil er eö mit jener uidjt pm (i)ebanfen bev ©emetnbe brachte, 
bie in ber ©unbenoergcbung burdj G^riftuö beu öoben finbet, 
auf tiicI4"n ber uorljer mattenbe 23tberfprud) jlDijdjen ber ©ünbe 
ber aRtnfc^n unb bem 9)ed)te ©utteä über bicfelbeii nid)t met)r 
i^lati greifen roirb, bo nbertwupl Öer vcd)tlid)c aKufeftab bc* 9*er' 



82 

^ältntffcÄ bcr (£l)ri[ten ju @ott burd^ bcn ftttlid^cn abgclöft ift 
Snbcm aber cnblid^ flar ift, bafe bcr ®ccjriff be^ SBcrbtcnfte^ 
ß^rifti cffcctiö auf bic Segrüitbung bcr ©cmcinbc bcr ©laubigen 
^inauä^Iäuft al^ auf bic übcmatürlid^c ©cftaltung bcr aWcnfd^^t 
unb inbcm baburd^ bcr ©cbanfc bcd ^Dund nahegelegt ift, bog 
bicfcr (Srfofg nur bcr ctt)igcn ?lbftc^t ©otte^ entfprid^t (altimnm 
in exgecntione primnm in intentione), fo tritt t)ieburd^ bic 
©cnialität Slbälarb'g in ein ^cHc^fiid^t, bcffcn furje änbeutungen 
(©. 50) in bcr SRid^tung biejeS ©ebanfcnäufammcn^ongcd liegen, 
ja bic Scrmittelung nod^ überbieten, tt>eld^e berfelbe bei 3^omaö 
unb S)un^ gefunben l)at. 

13. S)ic göttlid^c aBiUfür, auf ttjcld^c S)un« bic «cccptation 
bc^ SSerbienftcö (£I)rifti unb bic S5eloI)nung bcffclbcn an bencn, 
njcld^c bic erftc ©nabc empfangen, jurüdffü^rt, gilt i^m na^ feinen 
^rämiffen al^ bad cinjige SKafe bcr Siot^tocnbigfcit ber ®r* 
löfung burd^ bcn ©ottmcnfd^cn. 3n bcr fpccicQ gegen 
«nfclm^« X^eoric gerid^teten Dist. 20. (Qu. 1. § 10) erflärt 
S)un^ MUt^f tnaS üon ß^riftuS ju unferer Srlöfung gefd^e^en 
ift, für not^ttjcnbig nur unter ber SSorauSfe^ung, tocil ©ott am 
georbnct ^at, bafe e^ fo gefc^c^c. Unb fo ttjar ba^ Seiben nur 
not^ttjcnbig gcmäfe ber Siot^njcnbigtcit ber Folgerung; aber ba^ 
©anjc n)ar einfach jnfäQig, bic t^orauSgel^cnbc göttlid^c Snorbnung 
unb i^rc ^olgc." 3)iefe 8agc bcr ©ad^c erprobt er für fi^ an 
bcr 93cl)auptung, bafe nic^t nur ein guter (Snget, fonbem aud^ ein 
bloßer SKcnfdf), loenn er jünblo^ empfangen unb mit ber ^öd^ften 
©nabe au^geftattet gcnjcfcn tt)äre, bic §luf^cbung bcr ©ünbe unb 
bic ©cligfcit für bic ÜRcnfd^en l^ättc Derbienen fönnen (§ 9). 
S)cnn c^ fommt nur barauf an, tt)ic ^od^ ©ott btc i^m gefälligen 
fieiftungen folc^cr ©ubjectc ald SSerbienft annehmen unb toeld^e 
33clo^nung er nac^ feiner ©iHigfcit bafür barbieten tooHte. Änfetm 
^atte bic ©tatt^aftigfeit bicfcr beiben %&U^ ju ©unften ber burd^ 
bcn ©ottmenfc^cn ju leiftcnbcn ©ati^faction bamit ttjibcrlcgt, bag 
man bann ©rcaturen fo öerpftid^tet fein ttjürbe, toie cd nur gegen 
' ©Ott erlaubt fei. S)unö jcbod^ le^nt bic§ Slrgumcnt mit Dollem 
Siedete baburd^ ab, bafe bic ^flid^t ber S)anfbarfcit für fold^c 
Seiftungen bo^ nur auf ©ott jurüdtginge, bcr bic Seiftungen 
folt^cr Sreaturen ate fo uerbienftlid^ beurtl)cilc. 3ft alfo bic SBe^ 
loirfung bcr Srlöfung burc^ ben ©ottmenfd^en nur eine S^^atfad^e, 




aber leitie in (^ott unb in bcr fittti(ficii Scftimmnng ber 9)ienf[I]cn 
Ixflriinbctc 9Iot^rocnbig!ett. jo ift bic ©kitfigiltigfeit be« SJunö 
gtgm bm ©ebfliitcii beä i^omac, boß bec @ottinenf(^ alä §Qnpt 
bet ©emcinbc baä ©udiect beS SßetbienftcS (ei, feftt crflürlid), 
3n "Sune getjt noc^ rocitct; er crtlärt cä für möfttid), ba§ roeiin 
jfbcm SWcnjc^cn bic crftc @)nobc Dt)iie Serbienft flegcfieii roorbcn 
iDQte, jebcr für fi^ bie ?luft)cbung ber ©iinbc flerbicnte (§ ff). 
^itet bn e« iiicftt nötf)ig mar, bafe bic ©cnugttjimng für bic 
Sünbe bei erfion 9Wciifil)cn ifircin Scgriffe na^ bie ganse Grcotut 
on ©tijfee unb 9So[lfoniment)eit üterflieg, ba e« genügte, @ott ein 
®ut batjubielen, baä gröfeer mar, alä baä UeEicl bcr ©üiibc jemö 
SRcnl^cn, fo fagt ^unö nuc^: „31'cnn ?lbam bitrd) SJerleiljung 
bn: ©nabe inib Ciebc einen ober mel)rcrc ?Icte bcr Sie6e Oottcö 
R ©ottcS niiUen gel)abt (jätte, mit ftärfercm antriebe bcä freien 
BiQenö, als er im @ünbigen l;iattc, )o mürbe folci)c Siebe jut 
trgcbung icinct ©ünbe genügt ^abcu. Seätjntb, mie er burd) 
' Siebe eine« imebletcn ©cflenftanbe* in« Uucubli(^e gefünbigt 
, fü burftc er burt^ biefiiebc eincä eblcren ©egcnftanbcö in§ 
'ibrrnbltt^e gcinigt[)iin, unb bieS I)ätte genügt, näinlid) mi}gIic^eT^ 
weife, wenn e« ®ott \ü gewollt l(ätte" (§ 8). 

^iefe ßtTOcignngcn finb nitf)t jo gemeint, ia% ber gemein' 
(oDiE fittftlic^e @laubc an bic factijcljc Srlö^uiig burt^ bcn @ott= 
moifc^en angefoditen ober beeintrcidjtigt Hierben foUtc; fic joUen, 
Als t|ti()cit^etii(^e Folgerungen miä bcm ®rimbgebanfcn bcr gtci' 
^it bcfi gottlifjcn SSiQcn^ gegen feine eigenen SBcrfügungen, jn^ 
■fldt^ft bie mitfcnfrf)o[tlidic Sirijcr^ctt biefc« t[)cologiid)cn 9ßrincii)ä 
pjfcODd^ten. 3ebi)t^ fo mie baffellic burct) bcnSombarben feftgeftcllt 
lDaT(©. 56), unb üon Xliomaä iitib 5)un« im ©runbe übereinftini= 
menb gcitenb geniaii)t ttiurbc. bcjcitt)nct bcr tt)eDtogi)d)c ©runbgebante 
bei ^uptcpodje bcr SdjolaftiE ouctj baö rcligiöfe Sntercffc be« (^rift= 
liefen SOtiltelaltcrä. J^eöftatb l)at)en jene ^feufecrnngen beS 'Sun* 
freiließ einen üerböc^tigen Stiang für reformatorifc^ gcbitbete Ot)i"en, 
allein nat^ bcm SKoftc ber mittelaltrigen Slcligiofitot finb aud) 
fie Döllig cortcet. 3nbeffen baraiiö folgt für unä bie 93emerfung, 
bofe bic tt)CDlogif{^e 'Scutnng ber Syerföljnung btirrfj ttfjiiftn«, 
iiKlt^e ^^omad unb ®un* bnrttetcn, an jenem Oottcöbcgriff 
leim sutjerloffige @runb[flge befiel. aJtit bcr unwertjältnifemäBigcn 
©rljfbung ©ottcä nit^t Uoi über bie SSelt, foiibern über Wci, 
»a* ©Ott in il)r mirft. beginnt man. um in ber 'Scutnng bcr 



84 

S^erfö^nung bie ©tcUunfl @otte$ ju ben SD^enfd^n auf ben 
9ÄaBftab bcr pttüatrcd^tlici^cn @Icid(^cit mit bcnfelbcn ober ber 
JBißigfcit ^erabjubrüden, tücld^c nur im fittlic^cit ^riDatücr^ott* 
nife giltift ift. 2)cr ©cftd^tdpunft bcr Stlliflfcit ift jtoar immer* 
ffin ein ^ö^ercr afö bcr bcÄ ^riöatrcc^tc^, bcnn er gehört bem 
Jtrcifc ber bircct ct^ifc^en SBcgriffc an. äDcin er • f)at in biefem 
©ebictc änfprud^ nur auf einen geringen Spielraum, aber bur^ 
auö nid(t 'auf bie ©ubfumtion aller benibaren pttlid^en Ser^It 
niffe unter i^n. ^ie allgemeine fittlid)e Crbnung ber menfd^Ii^en 
Staublungen ti)irb ald aQgcmeinc burc^ bad ©ittengefe^ unb 
burd^ ben ^griff ber fitttic^cn ^flic^t DoQjogen, in loeld^ mit 
ben 9)?erfmalen ber ^in^illigfcit unb Uneigennu|igfeit bie innere 
ÜRöt^igung bun^ ben @iemeinfinn unb bad (Sittengefe^ jufammen^ 
treffen. 3lt e^ nun bie tt^eotogifc^e Aufgabe, bad SSer^ättnig 
jlDifc^n @ott unb ben SKenfc^cn gemäg ben ^öd^ften für bie 
SKenfd^n anerfannten SKaMtäben bed bebend aufjufaffen. unb 
xoxxb bemgemög au4 bie $erfölinungdt^t S^rifti gebeutet loerbeit 
muffen, fo (dnn ber mittelaltrigen Setirbilbung nid^t jugeftanben 
loerben, bog fie bad $rob(em ber ^Serfö^nung bur^ Q^rtfiuS 
enbgiltig gelöft babe. SRxt ber Xnuienbung feined S3egriffd üom 
^erbienft auf Sbriftud uberfc^reitet Xbomae bod priootred^tlic^ 
>S(^ma bed religiofcn ^rboltniffe» gar nic^t; ^un^ aber fldlt 
ben fittlic^ äKagftab fär boffelbe. ber im Serbienft audgd)rJuft 
ift. in bie unmcBbate ^iUfur @otte«. ol^ be» billigen ^oot^ 
mann^. 

Unb u>ie unooQftänbig oricntirt finb biefe beiben Se^rgeffige! 
Zboma^ batte ja bem (äebanlen Xbalarb'e» unb bed Sombatben, 
boK bie ^Hebe (Sotte*^ burd) bie SrUMtf ung ber @egenliebe Serf o^nung 
ftifte. Su^bruct iKrrlieben. Aber ju einer conftituttiien 8ebeutung 
über ben jugleicb geltenben fati^factorifcben unb meritorifc^ 
^^eiftungtm bat er jenen @eban^n nicbt gebnubt. JM lHun^ enUid^ 
fommt er überbauet nicbt in '^tiucbt £o entfprec^n betbe 
^^ebnveifen nur bem aubcrn ^^nhrn Auguftin*^. baß bie äKittler« 
fteUung i5brim an kinem Wirten aU iVenfcb bahrt i^S. 38), 
au(b inbem feine v^iottbeit benklben einen eigentbümlicben SSert^ 
Mrtetbt. ^Sknn nicbt bickr Oiebante ein ^egengeioic^t an ber 
ebenfaU^ auguitinifdKn ^acbnKiiung ber ^^iebe @otte^ in Sbriftuö 
v£.4$\ unb feinen "t^laf^ innertKitb bieter f unNimentalen %if c^u^ 
ung für bie ^nöbnung nnbet. io >ieUt er :£>irfungen in ?fu*^ 



85 

fit^t, in tpcld^cn ba^ fird^li^c fic^rf^ftem äcrfcfet tücrbcn tüirb. 

^oma^ ^attc ferner unter allen bcn Öeftimmungen, bie er üom 

fiombarbcn übttnaifm, an6) ber altfirc^Uc^en Slnna^me be^ ©traf^ 

tocrt^cd bc^ Sobe« ß^riftt au^brud üerlielien 0. «Hein auf feinen 

Segriff Don ber ©atiSfaction ß^rifti ^at biefe Ueberlteferunß nic^t 

eingctoirft, bo- ber Segriff ber ©träfe in ben priöatred^tlic^en 

3u{ammen^ans, ben %f)oma^ entn^idelt, ntd)t ))a^t. ^und ^at 

jene !Deutunfl beg 3;obeS überhaupt ignorirt. auf ber §ö^e ber 

fc^olafiifd^en X^ologie alfo ift biefe (Kombination, xodäft no6) 

für Skml^arb unb §ugo mafegebenb ift, climinirt. 3n ber triben^ 

tinitc^tatl^olifcl^en X^eologie ift biefelbe aud^ nid^t n^ieber auf^^ 

genommen toorben, fonbem bilbet einen ®egenftanb ber ^olemif 

mit ben ^roteftanten. Snbeffen lommt biefer patriftifd^e fie^rpunft 

li^on im JWittelalter ttjieber jur Änerfennung burc^ Sodann 

9erfon. (gr erflärt bie ©ünbe für ba8 SSerbrec^en ber aRojeftätg^ 

WeiMflung, unb finbet (Sottet ©ered^tigfeit fo groß, bafe er auS 

Sami^igfeit feinen unfd^ulbigen ©o^n ber ©träfe unterwirft, 

fo bie Uebereinftimmung jn^ifd^en feiner ®erec^tigfeit unb feinem 

febormen betoä^rt unb bie ©üitbe aufgebt unter ber Sebingung, 

bafe man burc^ ben ©tauben b. i), ben ©e^orfam unb bie 9?ad^:^ 

o^mung fic^ mit S^riftuö öerbinbet 2). 3n ber nominaliftifd^en 

Si^ulc begegnet biefelbe 2tnfid^t noc^ bei ®abriel 93iel»). ©nblid^ 

tanmt aud^ 3o^ann SBeffel barauf jurüdt^). SJon ^icr auö ift 

fie ober fd^toerlid^ ju ben ^Reformatoren gelangt. 



1) Sumraa P. I. qu. 47. art. 3: In quo ostenditur et dei severitas, 
qoi peccatum sine poena dimittcre noluit. @. o. (B. 63. 

2) Expositio in passionem domini (Opp. ed. E. du Pin; Tom. III. 

p. 1157. 1187. 1188): Per laesae maiestatis crimen mortis es obnoxius. 

fiez tarnen adeo iustus fuerit, quod nee ullo pacto crimen tuum di- 

mittere velit impunitum, altera vero ex parte tarn benignus et miseri- 

oortff quod proprium filium suum innocontem doloribus committat et 

morti, et id quidem sponte sua, ut iustitiam concordet cum misericordia, 

fiatque criminis emendatio. — Nunquam deus malum impunitum per- 

mitterct; eapropter omnia peccata et delicta nostra I. Chro supposuit. 

Ideo ipse est iustitia et redemtio nostra, modo nos iunxerimus ei et 

fidem gratiamque ei adhaeserimus. 

3) »gl. X^omafiui», (S^tifti $crfon unb ^erf III. 1. @. 249 ff. 

4) nUmann; Sleformatoren t>ox ber ^Reformation II. @. 496. 



2)ntte9 (^apittl 

Set @ebattle in 9lef^tfetügttttg im Stitteloltet. 

14. "Die (Sriöfung unb ä^oDcnbung be^ 9)?cnfci^engefd^(e^tö 
burd^ bie 3ncarnatton bc^ SBorte^ (Sottet ttjar ein fo ttjcit 
greifcnber ©ebanle, ba§ 9lt^anaftuS i^m unmittelbar eine ®in^ 
fd^ranfung ^injufügen mugte, um i^n praftifd^ ju mad^en. ^nn 
biejcn ©inn ^at bie anbete bon i^m angenommene 3tt)edt6eftimmung 
ber Sncamation, bafe burd^ fte bie richtige ©ottc^erienntnift fftt* 
gefteQt bie SJJenfd^en alfo aud^ jüm gottgemägen Seben angeleitet 
loerben foßen. 3n berfelben Siic^tung liegt eä, bafe ®regor öon 
9?^ffa bie ®efefeerfüllung bafür anfe^en le^rt, bafe burd^ fic icber 
©njelne in bem unfterblic^ gemad^ten ÜJienfd^engejc^led^t feinen 
9tnt^eil on ber Unfterblid^feit ju gettjinnen unb ju fidlem ^at. 3n 
biefem ßi^f^mmen^ange finbet fic^ aber nid^t ber Segriff, loeld^cr 
beibe^ in bie rid^tigc gegenfcitigc Orbnung ju fe^en öermö^te, 
ber Segriff ber Äird^e. S)erfelbe fd^tüebt ja immer t)or, n^enn im 
SSerfoIg ber Se^rc be« Ät^anafiu^ bie gormcin auftreten, ba§ 
©Ott fterblid^ gettjorben fei, bamit loir ba^ fieben l^ätten. Snbeffen 
ift e^ erft Sluguftin, ttjeld^er ben ©cbanfen gcfunben ^at: Verbum 
caro factum est, ut fieret caput ecclesiae (in Psalm. 148, 8). 
3)ie tl)atfdd^lid^e ©leic^giltigfeit gegen ben ®ebanlen t)on ber 
Äird^e, loeld^e bie gried^ifd^en Säter fottjof}! in ber Se^re bon ber 
(Sriöfung unb SoÜenbung beS SRenfc^cngefd^Ied^tS aU aud^ in 
ber Slntocifung ju bem n^erfgered^tcn ficben geübt Ratten, mar öon 
?ßelagiu^ jum ©runbfafe gcmad^t toorben. ©eine Se^re öon ber 
grei^eit be^ SBißcn^ t)at ben ©inn, bag auf bem SBoben ber Sr* 
löfung burc^ S^riftu^ jcber ©njelne aU fold^er feine ®ered^tigfcit 
JU ©tanbe bringen foQ, unb babci an feinem 3ufammenf)ange mit 
berÄird^e ^öd^ften^ bie entbe^rlid^e Untcrftüfeung bur^ ©elc^rung 



87 

^be, tme in einer $^i(ofo)}^enf^uIe. 38a$ ^uguftin bagegen 
jefe^t ^t, !ommt immer auf ben ©ebanfcn ^inauö, ba§ bic Äird^e, 
b. ff, bie 9Renfd^l^eit in ber ^orm unb in ber Segrenjung als 
fiirc^ ha^ (Sorretat ber (Srtöfung, alfo auc^ ber äßenf^iDerbung 
be« SBorted (Sottet ift. ^ieburd^ eröffnet er bie (Spod^e ber 
abenblanbifd^en S^eologie unb ^rd^enbilbung. SSn biefem ©inne 
fprit^t ed Slnfelm au^, baft ber ©rttjerb ber ©rlöfung bur^ S^riftu^ 
fiel barin öoHenbet, bafe man ju bem fieibe S^rifti geprtO- 
SBcm^rb'd Uebercinftimmung (©. 67) tpirb nod^ burd^ anbere 
3«ü9niffc belegt *). ©nblid^ ift 2^omaä öon Slquinum ber gleid^en 
«nfidlt»). 

2)ie ßird^e, bie ©emeinfd^aft ber ©laubigen unb 
bctScib Cl^rifti ift alfo für bie lateinifd^en 3^eoIogen ba^ 
Sefultat ber ®rlöfung ober ber SSerfö^nung. ©emäfe biefer S3e* 
bcatung öerbürgt fie jcbem i^rer ©lieber für feine inbiöibuelle 
6ntoicblung d^riftlid^en ßebenö ben ©nabenftanb, aufeer^alb beffen 
bie Jreil^eit fein SScr^ältnife ju ben ^eil^gütern gewinnt. S)er 
@nabcnftanb be^ ©injelnen in ber Äirdie ift bur(^ bie -S^aufe aU 
bo^ Sacrament ber ©ünbenöergebung gefid^crt, um beren SSer* 
bi^ung aud^ an bie Äinber fid^ ba^ Sntereffc Sluguftin'^ breite, 
inbcm er bie SSe^auptung ber angeerbten ©ünbe unb ©d^ulb ben 



1) Medit. I, 4. 5. Quibus vestimentorum insignibus (1 Cor. 1, 30) 

te magis omaret, quam ui te splendidam redderei amictu sapientiae, 

ornamento iostitiae, satisfactionis decore? £t quid dicam, quia se tibi 

Christas vestimentum fecit, cum se tantum aniverit, ut in unitate ec- 

desiae de came sua te esse voluerit? 

2) In cantica sermo 68, 4. Non propter animam unam sed propter 
moltas in unam ecclesiam colligendas, in unicam adstringendas sponsam 
deoB tarn multa et fecit et pertulit, cum operatui est salutem in medio 
terrae. — Sermo 71, 11. Peccatores recipit ad poenitentiam in cor- 
pore suo, quod est ecclesia, pro quibus sibi incorporandis se ipsum 
fecit peccatum, qui peccatum non fecit, ut destrueretur corpus peccati, 
cai aliquando oomplantati fuere peccantes, essentque in ipso iustificati 
gratis. 

3) Summa p. III. qu« 49. art. 1. Passio Christi causat remissioncm 
peocatomm per modum redemtionis. Quia enim ipse est caput nostrum, 
per passionem suam, quam ex caritate et obedientia sustinuit, liberavit 
noe, tanquam membra sua, a peccatis . . . Tota eoclesia, quae est 
mysticam corpus Christi, computatur quasi una persona cum suo capite, 
qood est Christus. 



88 

^ßclagiancm cntgcgcitfc^te. S)ic ®nabe alfo i)"t feit STufluftin 
foKbarijciö üerfnüpft mit bcr SBebcutung bcr Äird^c aU ®cmein* 
fd^aft ber in ber ®nabe gcgrünbctcn 3Renjd^en, bcrcn fpccififd^cd 
Organ für i^rc Sluöbc^nung bie 2;aufc ift. S)ic ®nabc aber ruft 
bte grci^eit auf, um in bem 3iJfömmentt)irfcn beiber bie iustifi^ 
catio ber einjelnen Äird^engenoffen ju begrünben. darunter 
üerftel)en Sluguftin unb äße mittelaltrigen 3;f|eoIogen, bem latci* 
nifd^en SBortlaute gemäß, bie actiüc ©erec^tigfeit, bie gä^igfeit 
ju guten SBerfen, tuelc^e in bemjenigen möglid^ gemad^t tpirb, 
tpeld^er bi§I)er ©ünber loar. 

3n einfad^er unb elementarer SBcife ift biefe Se^re jwnä^l* 
Don 9lnfelm enttoidtelt tporben in bem britten Slbfd^nitt feinet 
Xractated de coDcordia prae8cientiae et praedestinationis nee 
Don gratiae dei cum libero arbitrio. ^en ^nlag ju ber ge^ 
fud^ten ©ntfd^eibung beS legten ^ßunfted finbet Sfnfelm in bcn 
öerfd^iebenen ®ru()J)en t)on ©c^riftauSfprüd^en, ttjelc^e ben ^cild^ 
ftanb bur^aud t)on bem freien SBiUen ober burc^aud Don ber 
®nabe ob^ängig mactien. freier SBiße ift nun ba^, o^ne tt)eId^eÄ 
man nid^t bie ©eligfeit Derbient, ®nabe bad, o^ne tpeld^e^ man 
nid(t feiig toirb. 3)ie aber, toeld^e ertoad^fen finb, n^erben femer 
felig burd^ bie ®ered^tigfeit. ®erec^tigfeit ift bie SRid^tigfeit be« 
SBoHen^, toeld^e ttjcgen i^rer felbft bettja^rt ttjirb. Äann alfo ge* 
jeigt n)erben, bag biefe nur burc^ bie ®nabe gen^onnen unb be« 
toa^rt toerben fann, fo ift bie Uebereinftimmung üon grei^eit unb 
®nabe erliefen. 3n ber gormel ber ®erec^tigfeit ift au^gebrüdft, 
baß bie SRid^tigfeit be^ SBoßend f ott)of)I im Dbject alö im ©ubject 
bed SBoQenÄ fte^t. 9?un aber fann 9?iemanb fein SBoßen auf 
bie SRid^tigfeit beö SBißenS rid^ten, ttjenn er fie nid^t fd^on ^at 
SSo^er \)at man fie alfo? 8on ftc^ felbft nur burc^ SBoßen ober 
SRid^ttooBen. S)er erfte ^^ß faßt unter bie SRegel, ber jWeite ift 
unbentbar. 83on einer anbern ©rcatur fann man bie SRi^tigfeit 
bed SBoßenS aud^ nic^t ^aben, n)enn biefelbe bie ©eligfeit nad^ 
fid^ jie^t; benn feine ©reatur fann etnja^ jur ©eligfeit SRotl^* 
tt)enbigeg barbieten. Sllfo ^at man bie SRid^tigfeit be^ SBoßen« 
ober bie ®ered^tigfeit burc^ bie ®nabe, aber fo bafe biefe Die 
SBißen^frei^eit unterftüfet, unb toieberum Don berfetben bctoa^rt 
tt)irb. S)ie ©nabe rid^tet fid^ nid^t nad^ Dorauägegangenen SSer- 
bienften; fie ift Dielme^r aud^ ber ®runb, ttjenn ber freie SBitte 
in ber iJeft^altung ber®nabe entmeber 9?erme^rung berfelben ober 




tiiteit So^n terbieiit. 3m ©ruiifte abct i|t auä) bic Scwm^rung 
in (üiTcc^tifltcit butdj bcii ftcicn ÜBtUcii ÜBirtiitifl ber ©imbc, 
nütfi bcr pbiflCrt JRcgcl, baß nieinaub bie ©ercc^tigtett luoUcn fanit, 
fr ^ättc fic bcnn uitb jrüdr biir^ bic ©nabc. 

Xiif parnHele St^nft Scrii^ntb'* de gratia et Übero 
«rbitrio l)at i^ren 'JlnloB bciron, bofe Scmanb üon feiner 2cl)r= 
iKi)c bcn ©inbnicf t)attc, er ftebe biird; bie ©ctontiiig ber ®imbc 
ik Sttöglidjfeit ber Slerbieitfle auf. ^er (Gegner f)attc icine 9tn= 
)i(^t fo QUÜgebriicf t : Da gloriam deo, qui gratis te praevenit, 
i'xcitavit, initiavit, et vive digue de cetero, quo te probeB 
percepiia beneficiis non iugratam et pcrcipiendis idoneam. 
t'it Erörterung, roelr^c S9crnt)arb l)icriin tniipft, lueic^t ton biefcr 
Segel eigentlich nidjt ab. 9tiict) nad) (einer Ucbcrscugiuig ift e« 
Wr T«ie SJide, TOeIif)er burd) bie ®nabe gerettet iritb. Tolle 
überam arbitriuiii, et non erit, quod satvetur: tolle gratiaro, 
non erit, unde salvetiir. Snbem a[]o ber freie SBiÜe fiir bic 
iSnabe jugcinglit^ ift, DoUäicIit ficf) bie ©ercc^tnicK^ung in ber 
ttflitten 3uftimmung beS ©illen* sur önabc. Ita gratiae opcranti 
salutem cooperari dicitur liberum arbitrium, dum conseutit, 
hoc est, dam salvatnr. Consentire enim ealvari est. 3ft nun 
bie ©nobe notljrocnbig, bamit ber freie Sidc be« SKenjctien gut 
f", io folgt an* ber Jreiljeit bcä guten ffiiUenä, bafe bcffen ?Icte 
Serbtenfte ftnb, wegen bereu bie guten ÜJ?cn(d)cn bcfeligt roerben. 
äStgen i^rer ^ertunft auä ber ®iiabe finb freilid) aut^ bie ißer= 
Öicnftc ©cfi^cntc ®otteä, ttiic iiliereinftiminenb ?lnfelm ouägclprot^en 
fwtle. bflfe bnSöanjc ber önabe ®otte§ on^nrec^nen ift.Snbeffcn 
t« liei^en eben 5Jcrbtcn)"te, unb Derbienen bie Setigfeit, menn nuf 
bic JKifroirfung beS freien StßiUen« ju ber ©nabc gentf)tet roirb. 
te jiunr entfpringt bie (SJeltnng Don 3Jcrbienft unb Co[)n einer 
Mnucltlie^cn ewigen 5üerfiignng StottcS. 

3;icSef)re beSltjonrnS Don ber luatificatio ift om ®rf)tu§ 
Cfö erfteii Untert()cile beS jineiten X^eilS ber Summa theologtca 
nit^t blo« burd) bie 5!iarfteIIung beS 3}egrip ber@nabe, fonbem 
pon §lnfong an burd) bie aSeftimmung beä (Srei^eitäbegtiffä Uür= 
[»ercitct. Die J^atigtettcn. l)eiBt es, roeldje beni 2)ienfd^eu ots 
folt^cra eigent^iinUi4 finb unb it)n ton ben übrigen ©efc^Öpfen 
urilftit^eiben, ^aben iljr 3Jierfmal barin, bafi fie burc^ bic Uebcr= 
legung eined ^itedeä terurfac^t finb. Sti'^buri^ ift eö bebingt. bofe 
bcT SKcnfd) ber ,^cn feiner ^^^ätigfeiten, tia^ er in i^nen frei ift. 



90 

Liberum arbitriam dioitur facultas volantatis et rationis. — 
Quae rationem habent, se ipsa movent ad finem, cum cognos- 
cant rationem finis. ^ic Ucberlegunc) ctned 3^^^^ ^^^ ^^ 
v2inn, bafe ber 9)?cnfd^ ftc^ na^ bcm Qtotd unb bcm @utcn ate 
cttiHiiJ allgemeinem, ober baß er ftc^ nac^ bem ®ebanfcn eine^ 
Icl'iten 3ttwcfed richtet, Qud^ toenn er junäd^ft einen befönbern QoKd 
Uerfülflt, anäi xocnn er fid^ in bem SBert^e eine^ 3^^^^ ^^ 
eiltet öorgeftellten ®ute* täufd^t. Die unöemfinftigen ©efc^öpfe 
hingegen tt)erben nur auf befonbere 3wecfe aU fold^ in äSenjegung 
gefegt, fteili^ unter ber Leitung unb Cb^ut ber göttli^en SSer* 
nunft, melc^ babei bad allgemeine ®ute erftrebt (qa. 1. art 1. 2. 7). 
^}}un fäOt aber au4 bie 3eIbftbeQ>egung ber SKenfc^n nac^ bem 
leiten 3^^^<^'' ^^ ^oUfommenbeit bed eigenen SSefen«, nic^t aud 
ber ^\ntung burtft @ott beraub, ionbem forbert melme^r i^rc 
'^runbung burcb ®ott ^nn ber 9)?enfc^ erreicht feine ^ö^fte 
unb Donfommene vStlbftbefriebigung, bie 3elig!eit in bem Schauen 
bc^ *kfeniJ Olotte^ (qu. 3. art 8». Xa aber biefe* bcn Seretc^ 
ber ^^(böpfung überbietet fo fann e« nur von @ott tierlte^ 
iwrben vq»* S, art, 6\ ^nbeffen ba ber le^tc ^med bce SRenfcJ^ 
<;uglei(b feine >£elbfttbätigltit forben, fo errtidien bie SKenfd^ 
ibit vrcligleit unttr fener Sorauefefiung bod) nur burc^ eine ^d* 
beit iN>n eigenen ^etftungen. nwldK ^rbien^tc genannt loerben 
van. 7K ^KUcrbing^ bamt ba^ ^Htmbut ber 3€lbftb(iDegung für 
bcn IVenKben an bem iVafmal ber ^^en^gung mu& bem erbinntcn 
^{UKdEe. I'ie'^ Meutert aber nid>t. bas bie erfenntntB btr ju* 
mcbenbc »iS^ntnb ^^l^ ^Ueni> in: ridmebr t^K^t bk Scfenntni^ 
Nm ^Uen nur in \>in>i(bt ber be^cnbcm ^^»bängung, bingegcn 
Nctmit Ncr ^^Ue alle ^biciletttn. al>o cuA bie iIrtaintmB. ju 
:bivr ^tbät^ung im ^U^tesietncn. ^£?<vbvli nsn ohnr btr crcatur« 
IrAc ^ttc vibn uriKtKa rttbeii>er »tabüifett uiö> ^J^ctbotigung, 
>> vt^ ^ Icf^'pc im AU^'SRcüten rvrc::i^. ^IS ^er menfdklic^ 
^lie ctwo r<tt *u^ NnK>:: txr>c. 3w >e aKdKunkbe fiatm. 
^SJqc XS5 cNcT teac ^^etw^u::^ a >ca le^ieia Öebrcte erregt 
ätXü S^Kt r«a n:.t^ ^»^ i:i^c l4r^:^t^c -je rrjWitb eines 3*** 
x^siKTt^rs:!^ ä:: >rr ;::ijN-tt^.t2C!x Urbic >r: ^eirxctea 5iatitr 
*5Jx>r V fixa: i*Ä >cc t^tcv\;xx^ X^ ^Uc» äxi ienKr dnGrni 

»iir.\ ?t!e^ :*: c>o ^^•^t cincl i;^ Xt: oäcc^ iil* bie oD- 
jiciKtxc « Att i hc U:\dc^:. X:xx ,:X^ .ud <:i« te b^dbne 3>"Kd^ 



91 

uriai^, qW baö allgemeitie ©iitc, lueltI)cS bcii aSilleii in )ciuet 
ript^iimlit^cii Srt in 99croegung fc^t (qu. 9. art. 1. 6), fofern 
tftffHK nDtfilDtnbiji hüA bem I)Ö(^fteii ©iite ftrcbf (qn. 10. art. 1} 
anb nur in ^iitfic^t bcr bcfonberen öütcr, bic er nI5 (olc&e dop 
l'ltDL äne Jreilieit ber SSalfl bcfi^t (qu. 13. art. 2). Unter 
&i(!(n allgemeinen SSorauäiegungcn über baö Scröottnife jlöifrficn 
Sott unb bem freien SBitlen tritt bicjenigc 9Sirfjamlrit @äotteä 
Ulf tKn 5Dienfi^en, lodere jum ^^ftlf ''er SJcrieitjung ber Selig= 
(ttt al9 not^roenbig gefeßt ift, a\i bie britte Strt im Segriffe ber 
ÖMbc in Gkitung. 

SJie nun jene* Qkl, bie SeÜgteit in ber §tnf(^QUung bcä 
Stitiijl ©otteä, über bcn Umfang bcr bcm aj^enj^en iucfciitlici)e« 
Befümmung unb SluSrüftnng l)inauögeriic£t ift, jo betiauptet 
Ihma^ naturgcinäB bie yiotl)ntenbigfeit bcr (Snnbe für bie SO(en= 
i^cii. üud) abgefeften öon ber (günbe. %k 3*crnunft rcii^t nur 
iur örfcnntnife berfenigcn inteüigibelen SBefen auä, ju beren Äennt= 
nifi man butc^ bic finnü^e Jlnfc^uunng setangt. §ijf)cr Ijinauf 
iübtt bie menfdjlic^c 9?ernunft nur, rocnn fie bnrcfj baä i'ic^t bcr 
Önabe ergcinst wirb, oUbiircö ctroa^-, baö bcm mcni^Iitficn 9Befen 
Siitäugefügl ift (qu. 109. art. 1). tSbenfo mar «u^ bcr 9Jienft^ 
Doibem^iUe ans ftcf) nur bcfötjigt ;\ur lüoHbringung bciS feinet 
'Max entfprctt)enhcn ©utcn, in ber garm ber virlus aequisita; 
Ö'nflegcn jw bcm ijöficrn <Sutcn, in ber '^otrn ber virtus int'asa, 
btmi (örunb bie Siebe ift '). bcburftc auc^ er bcr @nabe ale> bcä 
iliiQnm supcradditum. Um fo mc^r bcbarf bcffcn bic fiinbige 
3Seiif(^^l, nielcl)e erft bie .§eilung itnb bann bic Semegnng jii 
iw übemaliirlii^cn Xngenb, roctc^e uecbienfttic^ ift, uon bcr ®nabe 
Qotttft ertuatlet (art, 2). !Eemgemdfe tann ber Hicnft^ o^nc bie 
llntfrftügnng ber gratia gratuita TOcber baä croige Öeben ucrbienen, 
nix^ fic^ Don bcr Sünbe abiuenbcn, nod) fann er auö fid) fclbft 



1> 2)tefc Diflinciion loirb crlüulctl, lucmi oui^ iiic^t ucrftfinbllt^ti fTit 
B»i gonaitit bun^ art. i. ^ici ^igl ci: Implere manduta legis contingit 
dapliciter. Uno modo quantum ad Bubstaatiam operum, et hoc modo 
homu in Btfttu naturac integrae potuit omnia mandata legis implcra; 
mlioqnin homo non potaitset in illu statu non peccare. Alio modo . . ■ 
etiani quantum ad moduin agendi, ut eciiicet ex caritate ßant, et sia 
ne in (tatu Daturse integra« quidem poteat homo abeque gratia implcro 
legis nuudata. — 9II4 ob bic SrfiinutiH bc-^ Sittfii^rfc^cä ni(^l )iot[)it'Cnbt{} 
an bcm Sßotive ber Siebe l|ingc! 



ftd^ jum (Empfange bcr ©nabc Vorbereiten (art. 5. 6. 7). Sie 
©itabe ift nun in erfier Sinic bie befonbere Siebe @otted, bur^ 
tvetd^e er ben 9Kenfc^en über bie Sebingt^eit feinet SBefend jur 
^^eilna^me an bem götttid^ ®uten ^ie^t ber permanente, etmge 
9(ct ber ^äbeftination, tDctd^er )icl^ nid^t nad^ ber Slüdftd^t auf 
$erbienfte rid^tet. ®nabe tDirb aber aud^ bad burd^ biefen Set 
im Sißenfd^en gelpirftc genannt bad übernatürliche ©efc^enf, 
lueld^e^ ber ©eele eiugegoffen unb in if)r ein ^abitud ober eine 
Oualitdt ttjirb. Iknn ttjie bie @intt)ir!ung ®otte^ auf bie Srea^ 
turen ubert)aupt nid^t atomiftifc^ ift fonbem n)ie beren SBetoegung 
Don &ott ber burd^ fte^enbe (formen unb beftimmte (Sigenfd^aften 
oermittelt i)t, fo verteilt er aud^ ben SKenfd^en jur Srrei^ung 
be^^ ubematürlid^en &uUn geioiffe (formen unb Sigenfd^aften, benen 
gemä§ biejelben „fanft unb pünftlid^" ju jenem S^tk Ijia in S5e« 
loegung gefegt n^rben. 3n biefem Simte ift bad ©ef^enl ber 
®nabe eine Cualität beS SKenfci^n (qu. 110. art 1. 2). Sine 
anbere Siftinction ift bie ber gratia operans et cooperans; bie^ 
felbe finbet i^re Slnmenbung auf bie beiben (Stieber ber Dorl^ 
gelKnben Siftinction. Sofern nömlid^ bie @nabe old 9ct ber Siebe 
(Sottet ober ali^ badjenige oorgefteDt n^irb, hhi« ben 93iDen ju 
bem beftimmten S^ck beioegt unb fofem bie @(nabe im Stinte it& 
menfc^lid^n joabitud aU bie ^raft ber Joeilung unb ®ere(!^tmac^ititg 
oorgefteÜt n^irb, ift bie ®nabe in beiben 'J3ebeutungen operaos. 
Sofern aber bie burd^ ben @nabenact (Sottet betoegte Seele in 
einer beftimmten ^nblung $uglei^ aU fid^ felbft beioegenb Dor» 
gefteDt unb fofem ber ^bitu<^ aU ®runb eined Derbienftfic^ 
£krl^ gefegt toirb, n>el^e^ au$ bem freien SiQen tfttüotgidft, 
ift bie @nabe in beiben [\üQen cooperans. Senn im @e6iete 
bc^ S^iOen^ ftnb ber innere unb ber äuBere 9(ct ju unterfd^etben. 
^ innem "Jlct oerbalt ftc^ ber %iUe paffit), fofem er oon &ott 
bcn^egt toirb, namentlid^ toenn ber fräber böfe SiDe anfängt bad 
(Sute ju woQen: im äuBem 9cte aber betKrrf(^t ber freie ^tUe 
bie iVittcl 5u feiner X'urdbfubmng, unb n>enn aud» @ott in btcfcm 
^n bie ^iDen^froft ert)alt unb bie äußeren ^bingungen t^rer 
^tbättgung orbuet. io ift bo<& ieinci^nabe babei nur cooperans 
(qu. 111. art. 2). rie ^u^ftc^t auf eine gennffe (Soorbination 
bci^ menfd)li(6en S$iUen<& mit ber göttlidKn @nabe. loelc^ bun^ 
biefe Xiftinctton eröffnet ift benräbn fic^ fitilicb nur in brk^r&nftem 
JNaBe. Iboma^ ift barauf bebadit, bie UeKnrorbnung be« @e^ 



tofeiis i)ct gratia operanH in niüi^Ucfift mcitijteiictiber SBeifc feft' 
iiiftcücn. 3hit^ bem ®nmb|n^e nämlirf), btife feine 15""" roitflam 
wttbtn lann in ctttem iiid|t entiVtec^eitb büvlicrcitcteii Stoffe, 
löimle es ff^ciiien, al« ob ber 3Kenfd) jur JTufiialjme bcr gratia 
hibitoalia ficfi ielbft btöponircn müfff. ?Ulctii ber 3tct bcä freien 
SiDeiiS, burc^ meldien man baS ©nabengeft^ent fid) aneignet, 
nMic^ bcr ®laii6e, iii welchem man [idj jn ©ott Ocfe^rt, !ann 
fdbft nur auf eine SeiDegiing buri^ (^ott snrücEgefiitjrt roetbcn 
(qiL 112. art. 2. qu. 113. art. 4). 

Sie fiabitueüe (^nabe, nieldjc burd) ben (\öCtlid)cii (Snabeit^ 

Ott im 3Btn|ct)en gcieljt ivitb, ift mm bie iustificatio, alä bie 

nötige Drbnung ber ©eiftcSfroftc «iitev bcr götttidjen älenimift, 

i*n bie Ciebc. 3n bcmjenigcn, wcidfer Iiisl)ct ©üitbcr njov, finbet 

birftr SJotgong burd) bie Vergebung ber ©üitbcn ftott. Sofern 

(i6er (ine Öcinegung bcffct iiai^ hem ^kl atö nai^ bent ?luä= 

aangepunftc bejeic^net icirb, Ijcifet biefe ^cränbcrnng beä Siinberä 

kifn iastilicatio al5 remissio pcccatorum. Iicnn bie testete 

vöA ani^ nic^t boQjogcn, ot)ne bag jitgleid) bie @nabc eingegoffen, 

fllio mit ber ibecllen Sieränbcriiiig bcr ©tellunfl bc* aJicnf^en 

m göttlt^en Urtöciläiiglcic^ aud) eine rceüe Sieränbening feiner 

fSgtitic^often ^röorgebrac^t loirb (qn. 113. art. 1). Tiiefcä 

^ujammeniein ber gratia liabitualis mit bcr Vergebung ber 

Siüiben beiocift X^omaö im folgcnben Slrtitet als; nütijtnenbige 

3% auä ben Se^ietjungen ber ßic6e ©ottes jii bcm aÄenfdicn. 

Sie ißergefiiing ber ©ünben ift bie 95cfricbigung Sottcö mit unä; 

Mffelbc bcftcöt in bcr Siebe ®Dtteä jii unS. 3ltS bcr gfieet ber 

gtoüi^en Siebe in unä loar aber {qu. 110. art. 1} bie gratia 

babitoalis erfannt. Ideo dod posset intelligi remisgio culpae, 

»i nan adesset iDfuHio gratiae (qu. 113. art. 2). äJian niu§ 

Den unferm ©tönbpunttc aiiä burd)auä onerfennen. bo& im 

(ontrctcn gaüe feine ©üiibcnücrgcbung gcbnc^t »erben fann ali= 

flefcticn uon ber SBiebcrgcburt. SlQciii, fo loic Itjoinaö bie Sr- 

ßäning bcä ^griffs ber iastiflcatio begonnen ^at, (ante e« auf 

ben 9cn>ei^ beä 'Ba^ci im erften Slrtitel biefer Duäftion an, bafe 

bjr trammutatio a statu ininatitiaß per retnissionem peccatornni 

erfolge, hinter biefer ©ebaiifenücrbinbung b[ci6t aber bas Sr^ 

gebnife jiirüd, ba\i eben nnr beibcä auf ©runb ber (Seltung ber 

ßiebe ©otteä äufantmen bafcin niüffe. 91nftatt nun jenen aJiangel 

bc» miffcuft^iiftliü^en 'iierfalH'enÄ (mjsul)cbcn, bietet bio folgcnbe 



94 

©nttpidclung bielme^r eine Äbbiegung t)on bcm urfprünglid^ auf* 
gefaxten Probleme felbft bar. 3""ä(f)ft nämlic^ tperbcn bic Um^^ 
ftänbe bcr iustificatio bef daneben, o^ne ba§ bic ©ünbcnöergebung 
afö ba« fpecififd^e SKittel überhaupt in SBctrad^t fommt. ®ic 
©ercd^tmad^ung beS ©ünbcr^ erfolgt fo, ba§ ®ott ben SRenfc^ 
jur ©cred^tigfcit bettjegt. ®ott bctpegt nun SUed nad^ feiner 
eigent^ümlid^en ?trt. ®er SKenfd^ aber ift freien SBiUen^. Älfo 
gießt ®ott ba§ ®efd^enf ber rcd^tfertigenben ®nabe fo ein, ba§ 
er jugleid^ ben freien SBiUen jur Stufnal^me biefe^ ©efd^enfö in 
S5ett)egung feftt (art. 3). Unb inbem ber üRenfd^ burd^ bie üon 
®ott l^erüorgerufene SBetoegung feinet freien SBiUen^ geredet ge* 
mad^t tt)irb, entfernt er ftc^ bon ber ©unbe burd^ ?[bf(^eu unb 
näl^ert fic^ ber ®ered^tigfeit burc^ SBegeliren (art. 5). ©e^^Ib 
gel^ören jur ©ered^tmad^ung bier fünfte, bie ©ngiefeung ber 
®nabe, bie SBetoegung beö freien SBiUend auf ®ott burd^ bie ®r* 
toedEung be^ ©tauben^, bie S3ett)egung beö freien SBiUen^ gegen 
bie ©unbe. bie SSergebung ber ©c^ulb aU SSoIIenbung 
ber ®eredE)tmad^ung (art. 6. 8). ©o getoinnen bie SKomentc 
be^ SBegriffö am ©d^lufe biefer Srßrterung bie umgefel^rte ©tellung, 
afe in toeld^er fie urfprünglid^ borgetragen toorben ttjaren. Uebrigend 
aber bttoäijxt fid^ bie principieUe ©teHung be§ SBegriff^ ber ®nabe 
in ber folgenben Seigre bom SSerbienft burd^ bie unumtounbene 
@rRärung beS %f)oma$: si gratia consideratur secnndum ratio- 
nem gratuiti doni, omne meritum repugnat gratiae 
(qu. 114. art. 5). SBenn nun tro^bem bie fiel^re t)om SJerbienfte 
(©. 71) ba^in gel^t, bafe unter ber S3ebingung göttlid^er Änorb* 
nung, unter 8Sorauöfefeung ber bon ®ott verliehenen gratia ha- 
bitualis bie Stete beS freien SBiUen^ unb ber Siebe geredeter SBeife 
burd^ Sol^n Vergolten ttjerben (art. 1), unb bafe bemgemäfe ber 
©erec^tgemad^te bie äKef)rung feiner Siebe unb fc^Iiefelic^ baö 
etoige Seben verbienen fann (art. 8), — fo ift bied SlUeÄ nur 
möglid^, inbem ba« ®ebiet be^ Seben^ im ®nabenftanbe, toeld^eö 
eigentlidE) nur unter bem principe ber gratia operans rid^tig be* 
urtt)eilt toirb, unter ben lajen ^Begriff ber gratia cooperans gefteSt 
toirb. S)arin liegt aber eine d^arafteriftifd^e 8Serfd^iebung ber Sßer* 
f)ältniffe beÄ SBegriff^ ber ®nabe. 3tlö baö unbebingte ?ßrincip 
ber iustificatio, afö bie ben freien SBiUen auf baö l^öd^fte @ut 
bettjegenbe Äraft, ift fie in ber bejeic^neten ©^nt^efe bie ^orm 
unb ber aBiUe ber ©toff. «I^ $abitu§ unb Dualität im aRenfd^en 



ober, Ol* btc eingcgoffciic Sic&c, i)t bic f^iuabe, Wie id)on bkiti 
SräbicQt „ctngefloffcii" Qiibculct, oU ©loff DütgcftcUt, unb ber 
Siirrf) bif Suftificatton in iBeroeflimfl gefc^fe, aber S"f|le'ftl icincm 
Seien natft fi(^ Jelbft bcmegcnbe SBtdc alä bicj^om. SDiaii mitb 
|a itic^t umljin fi>inicn, bie Qaäfc abiDcdjielnb untct bctbeii 0!e= 
fi^täpHnttcii ,;ii bctfaditen, religiös imb ettjiid}: altein eS {oinmt 
harauf an. luie grufeen Spielraum bie Icgterc 9ictrad)tuiigiSlDeiic 
gegen bie erftcre geioimit, uiib ob bie noHtineiiblgc 3"i'i'(tfii£)ruitg 
ter le^tern auf bie erftcre burd) ticftimmte iScgriffc gefi^ert ift. 
&iefÜT fiat nun Jitonms iiitf)t 'Sorge getragen, SJIn^bem 
er bie beionbece ßeljre Don ber ®nabe baburd) »orbcreitct f)atte, 
iMiB er bcn aStHen iiberfiQupt in 5lbl)ängigfcit uon ber ©cluegung 
bun^ ©Ott i'tellte, ioUte man cnpcirtcn, )}aii an ber Scmcgnng 
l>ce SSiÜenä huxä) bie (Siiabc imc^ bejonbcre fflierftnalc na^= 
flnoiefen ntiirbciL 3^te allgemeine Unterorbnnng beä inenic^lidjen 
SSiUene unter Sott roor in boppelter %oun anertannt roorbcn, 
in 6cr '^oxm ber mirfcnben Urjüdje nnb in ber bet 3tt'cdurfa{^e, 
6c6 Qllgemcittcu QJaten (©. 90). Sie 3^ej\ie[)iuig ber ©nabc ouf 
ben SSiÜen loirb nun üoi! J^omas nidjt in einer gorm beftimmt, 
iwlc^e bem le^tcrn, [)ijf)ern ©cfic^t^punfte entiprödje, fonbeni 
lebiglidi in ber Jorm ber mirfenben Urjad)c. Unter btckm 
äegriffc aber tommt bie gi^eitjcit be« SBillenS nic^t ,^u if)rcm 
älec^te. SoH bicfe aufrecht erhalten werben, fo mu^ bnrc^ bie 
^ftinction ber grittia eooperans »on operans büiSicmge, xoai 
üuerft al« einjigc Inirfenbe Urfat^e geje^t mar, in bie conditio 
sine qua non abgeje^niticfit werben, unb c5 fe^It babei jebeä 
l^oretiicfic 3Ra6 für bie abwcdjjelnbe iöctonung bcd einen ober 
anbern QiebontenS. traten nun (icoftijdie ffliotiue ein, nm bcm 
©efidit&pnnft ber gratia eooperans unb h^'H nienfd)lid)en ^ct* 
bienftc^ bcn SJadjbruif ju uerlci^en, fo luaren bie augufttnifc^en 
SprÖmiffen, weichen bie mitidnitrige ^I)cotogie im Slügemeincn treu 
blieb, iiid)t ftort genug, bcn in entgegengefegter Sfit^tmig ent= 
niidelten Folgerungen, Welche fdjDn bcrfclbcSiugnftin formultrt Ijat, 
tirattifc^ entgegeiijuwirfen. 3)aä jiDette öebcnfen, welc^cä gegen 
bi« fietirc bes X^omasS cvljoben werben mufe, ift bteö, bafe er bie 
ficijre Don ber iustificatio aufecr allem 3"fimmen[)aiig mit ber 
Veftre t)on6^rifti@enugtt}uung unb S?erbienft aufgefteHt, nnb bc5= 
Ualb bie iHtt^tpunfte unbenugt gekffen t)at, weld)e gcrabe feine 
Raffung jener begriffe für bcn ber 3uftificatiDn bardot. ^teufeer^ 



96 

lid^ ift bicfer äJZangel baburd^ beranlagt, bog %f)oma^ aud^ in 
ber borgeblid^ f^ftematijc^en ®cftattung ber Samma theologica 
bic Einlage ber ©entenjcn be^ Sombarbcn lüc^t ucrlaffen, unb 
bc^^alb bic ßc^rc bon ber 3uftificQtion bor ber öon bem SBerfe 
ß^rifti bargeftcHt ^at. aber tüosu bicnt benit bicfe Seigre, toenn 
ber @ebanfe ber S^egnabigung unb ©ered^tmac^ung bed Sinjelnen 
in boUfommener @Ieic^gittigfeit bogegen bertöuft, bag (S^riftud 
ber äWittler ber ©nabe, bor SlHem ber ®nabe ate ©ünbenbergebirag 
unb jttjar in ber gorm ift, bafe er aU §aupt ber ©emeinbe für 
fie genugget^an unb 9Serbienft crtoorben ^at? 3)a^ finb Sc^ 
bingungen, burd^ n)eld^e bie fa^te SSorfteQung bon ber @nabe ofö 
blofecr tt)ir!enber Urfad^e crgänj^t unb berid^tigt tt)erben mufetc. 
burd^ beren 93ead^tung bie principicQe S^ebeutung ber @änben^ 
bergebung bor ber effectiben ©ered^tmad^ung n)Qre aufredet erhalten 
ttjorbcn. 

15* S)un§©cotud erörtert bie ^Begriffe ber Suftification 
unb bed barauö fKefeenben SSerbienfteö jum Qxo^z ber äSiberlegung 
ber Stuftest, ttjeld^c bon bem fiombarben in ber Se^re bom ^eiligen 
©eifte au^gefprod^en ju fein fd^ien, ba§ berfelbe im üRenfd^en ber 
unmittelbare ©runb ber berbienftlid^en SBiUen^bettjegung fei'), 
dagegen plt er bie allgemein mittelaltrige Änftd^t bie er bann 
aud^ afö bie 3Reinung bed Sombarben nad^n)eift, aufredet, bag bie 
Siebe im üRenfd^en, au^ ttjeld^er bie berbienftlid^en §anblungcn 
l^erborge^en, ein bon @ott gettjirfter ^abituö fei. Snbem er burc^ 
bie 9tnnat)me biefer gratia habitnalis ober ber iustitia infusa 
bie ®eltung jener (Srflärung bed Sombarben beftreitet, betoeift er 
fie unb beftimmt if)ren 95egriff in fotgenber SBeife (In sent Qaae- 
stiones L. L dist 17. qu. 3). 5)a bie Ungerec^tigfeit ttjefentüd^ 
eine SSemeinung ift, fo fann fie nur burc^ ben entgegengefefetcn 
Jpabitu^ aufgehoben ttjerben. Stlfo empfängt berjenige, ber auÄ 
einem Ungerechten jum ©erec^ten gemad^t ttjirb, ben jener SScr* 
neinung entgegengefe^ten §abitu^. 5^mer nimmt ®ott jum emigen 
fieben nic^t ben ©ünber an, fonbern ben ®ered^ten. Qnm en)igen 
fieben annet)men brücft auS, bafe ®ott einen biefeö So^n^ tt)ürbig 



1) Sent. L. I. dist. 17. B. Spiritus sanctus amor est patris et filii, 
quo se invicem amant et nos. Ipse idem spiritus sanctus est amor siye 
Caritas, qua nos diligimus deum et proximum. 




finbft nod) iciiier gegeiHuärtigen SBc^^offciibett, toclc^cii er friif)cr 
befien uit^t mflrbig fanb. ©icjer SßJec^icf (ann nun nid)! in bem 
(löttlic^en StBiflcn bearünbet (ein, iDcil beileibe unDeränbetltt^ ift, 
(f tann )\(ti nur auf eine Sieränberunfl auf ©citcn beä äWeiifc^en 
iiß^. SS ift alfu auf bte troigc Süot^erbeftimmung ®ottcä äu= 
tßtfjHfütjrai, roeldie 'Buna roic ©erii^orb au<^ für bie ©cltung 
ki S3crbienfte* aÜ roirtenben ©runb Uorau&feßt, bafe bie 3ufti= 
jication alä ttwai tuefentlif^ 9IeueS, a(ä eine reale S^eränbening 
in ben aÄenfdjen eintritt, iiiib jroar nic^t in bet fubjectiDcn ÖJeftoIt 
Cor ®Ioiibc unb ^nffnung, ba biefc ourfj ki bcm Sierlufte ber 
^ufttfication fortiuirfen, fonbem alä bie Siebe ju @ott lutb jum 
3iQi^)teii. — 3"'^''^"^ ^"'9' bie ^Jberleguug bcr Stnörung beä 
Sombatben ou* bcm Segriffe be* fficrbicnfteä. 3nbem bie uei' 
iiciifüidjc ^nbluiig bem aBiüen angefjört, fo folgt, bafe baSjenige, 
looburc^ man Dcrbienftlid) l)anbe(t, baä ^cfen bcä SSerbienftcä ift. 
Bieä tdiiii aber ui^t bie blo^e meufc^licf)e Siatur fein, roeU man 
mit biefer Setiauptnng auf ben Snt^um tii ^ißelagiuS tarne; aLfo 
loitb ttroa« UebcmatiirlicfieS erforbert, unb sroar bie Siebe, nidjt 
Slüube ober Hoffnung, meiere auc^ im ©ünbec f ortbcfteljeu. ÜDiefer 
Öabituö begriinbet nun bnd SSerbicnft, nad) bcr licEnnuteu ?tn= 
JK^l be* "Euu« (©. 75) alö ber ®runb, rcacum Sott nad) feiner 
Silligfeit bie entfpred)enbe ^anblung aeceptirt, als Sniag für bie 
i9(loI)nung be# eroigen SebenS uor fid) gellen läßt. 9l[^ ^abituä 
iiomlid) mad)t bie @nabc ben Söideu ju beftimmteu §anblungcn 
geneigt. 

Cbgleit^ atfu ^unS bie Squttiefe oou @nabe unb menfi^' 
liebem atßiQcn ui^t unter ben ©efi^tsnunft bet gratia operans 
ftelll, auf beren Siegriff er an ber facftimmteu ©teüe in ben ®en= 
tenjjtn (Lib. II. dist. 26) gor md)t cingel)t, jo tann et fi^ bod| 
bonSebonfcn berfelbcn nid)t entsie^cn, inbem er bie gratia babitnalis 
als bie forma operationis meritoriae ancrfcnnt. SlUein bieje ®e= 
Irat^tungäroeiie taurijt nur potübergetjenb auf. ©eine 9lbfid)i ift 
vielmc^t barauf gerietet, bafi in ber gcineinfanien ÜISiiEung uon 
actus unb habitns jenct SJegtiff als ber übcrgeorbnete ertannt nierbc. 
3u biefem Qwtde tjat er ben obigen ©eftimmungen ber britten 
Cuäftion über 3"ftification unb SSerbienft bie jlncite Duäftion 
Dotauägefdjtdt : atrnm habitus sit priiK^ipium activurn circa 
actum, unb bie britte DuäfHon tidjtet ftc^ im iöefonbcrn barauf: 
ao babitas moralis, iu quantum virtua, sit principium activum 



L 



98 

respectu bonitatis in acta. @r ^at fid^ gegen 93eibe^ bemeinenb 
entfd^ieben. ®egen ^einricl^ üon ®cnt, ber bic erftc gragc bejaht, 
bemcrft er, bafe iüenn ber SBiUe burd^ bcn §abitn§ toirft, er 
feine anbere SBebentung Ijabe afö bag ^oij, tüeld^eS burd^ bic i^m 
jufäUig inl^ärirenbe §ifee ttjärmt; bamit aber tDÖre ber Segriff 
beg SBiUenö anfgel^oben. gemer tnürbe ber §abitu^ in ber gorm 
ber Sßatnrfraf t auf ben SBiUen tnirfen ; alf o mürbe beffen ^Hinblung 
nid^t frei fein. Unb tüenn einmal bie Siebe im üRenfc^en gefe|t 
ift, fo to&xt cö bem SKcnfd^en nic^t me^r möglid^ ju ffinbigcn; 
biefe ?lnna^me aber tüdre unpaffenb. @benfo tnenig lönnen mit 
2;^oma^ SBiUe unb §abitu§ afö ^artialurfad^en ber SBirfung gelten. 
S)enn fie finb ungleid^artig ; eine mufe alf o ber anbem übergcorbnct 
fein. 9?un fd^eint ber ^abituö bie oberfte Urfac^e ju fein, fofern 
er bie aBiUenöfraft jum SBirfen beftimmt unb geneigt mad^t. 
Allein ber SBiUe benufet bcn ^abituö, unb nid^t umgefel^rt; bcnn 
ber ^abitu^ tDÜrbe Äraft fein, ttjcnn er bie obcrftc Urfac^e toärc 
hingegen bcl^auptet nun S)unö, ba§ biefe ©teHung ber SBillen** 
traft jufommc, ba biefelbc nid^t unbebingt be^ ^abituö bebarf, um 
äu l^anbeln; nur tt)ir!e ber SBiUe ol^ne benfelbcn weniger \)ofl^ 
fommen al^ mit i^m. ®ie bier SKerfmale be^ ^abitu^, ba§ man 
burd^ benfelben leicht, fteubig, genau unb fd^neU l^anbett, tuerben 
babei aufredet erl^alten burc^ bie bIo§e ©eneigtl^eit, bic ber ^bitu« 
ber SBiUenöfraft aU gät)igfeit jum ^anbcln t)erlei^t. 3SnS^ 
befonberc öergleid^t er bcn moralifc^cn ^abitu« mit ber ©d^toerc, 
ttjclc^c ate SIttribut bc« Körper« nid^t ber jureid^enbc @runb 
feiner SJcttjcgung ift, obgleid^ in il^r bic ®cneigt^cit be^ SörperS 
jur aWc^tung nad^ Unten au^gebrüdEt ift. SWufe alfo bie bc* 
tpcgcnbc Äraft anberÄtoo^cr fommen, fo ergiebt ftc^ ttjciter^in, 
bafe bic ^abitucHc ®ütc bic ^anblung nur gut mac^t, tocrai 
mit il^r ber §abitu^ ber SBci^^cit ober ber äct be§ rid^tigen fitt^ 
lid^en Urt^cilö üerbunben ift. Stber aud^ in jenem gaUc lommt 
cg auf ben Stet an; bcnn bie l^abitucüc SBci^l^cit ücrlci^t ber 
^anblung i^re SRid^tigfeit nur burd^ einen befonbem äct ber 
aSci^^cit. 

3ladi biefen SWafeftäben entfd^eibet fid^ nun S)un^ bafur, 
bag im SScr^ältnig ber gratia habitualis jum SBillcn afö ber 
potentia operans nic^t jene (toie er öorl^er zugegeben l^atte) bic 
erftc Urfad^c eincd SSerbienfteS fei, tt)cil eben bie Äraft ben ^abitu* 
benu^t, unb nic^t umgcfe^rt, ferner tocil fonft bic ©nobe afö 



99 

Raturfroft toirfcn toürbc, unb bcr SBiUc nic^t frei toäre. Unb 
obglcid^ i^n ber JBcgriff bc^ SJerbicnftcd nötl^igt, bicfcr ©rflärung 
ein gmiffcö ®egcngctt)ic^t ^injujufügcn, fo ttjcife er boc^ fein 
(mifttfd^ 3ntereffe an bcr SBiUendfrei^eit gegen Jene Sefd^ränfung 
aufte^t ju erholten. 3)qä SSerbienft nämlid^ tourjelt ja nic^t in 
einer natürlid^en SBefc^affenl^eit beg ÜRenfc^en, ba ed erft burc^ 
Ue göttlid^e Scceptation ettuad ift; ed ift alfo boDftänbig nur 
begriinbet in ber 9$er{nüpfung ber 93eIo^nung mit einem menfc^^ 
lic^ Act burd^ ben göttlid^en SBiUen. rrtjteilid^ ift bag Ißerbienft 
in meiner 2Jtaä)t unter ben allgemeinen 93ebingungen, bag id^ ben 
(Sebraud^ bed freien äBiUend unb bie ®nabe l^abe. 3lber bie 
Soüenbung im ^Begriffe beS SSerbienfte« ift nid^t in meiner ÜRac^t, 
toemt nid^t burd^ göttlid^e Sinrid^tung. ^ie ^auptfad^e im IBer^ 
bienft alfo ift bon @ott, h)enn bied aud^ nid^t l^eigt, bag ®ott 
felbft Derbtent S)enn SSerbienft ift ein Stet ber freien SBiUen^- 
fraft, burd^ bie ißeigung aud ber @)nabe l^erDorgerufen, h^ol^IgefäUig 
für ©Ott ate ®egenftanb ber SBelol^nung burd^ bie ©eligfeit; 
ein folc^er Set aber ift für ®ott nid^t möglid^. ?Kfo bie §aupt^ 
fac^e im SSerbienft ift bon ®ott, totnn bie §au^)tfad^e ben ©inn 
ber oberften ®rgänjung l^at. SBenn aber bie ^auptfad^e bie erfte 
ober ooHfommenere SBirflid^feit bebeutet, fo ift jene S5et)auptung 
ju Gemeinen, benn ber äct ift etttjaö Unbebingted unb 
feinem SBefen nadE) üor ber paffiöen Scceptation unb 
^ttoa^ SRealere^ al« fie"»)- 

^nx ben S3egriff beg I)un§ üon ber Suftification ift nodE) 
folgenbe Sbttjeid^ung Uon 3;^omag bemerfen^ttjertl^. SBäl^renb 
biefcr bie ©ünbenoergebung gucrft afö ba^ äWittel ber ©eredEit- 
mad^ung, bann aber al^ beren JJ^^tge bejeid^net (©. 94), fo fefet S)un^ 
biefelbe ate bie inbifferente aSorauöfe^ung ber effectiben SBegnabigung 
(Ij 17, 3. § 19). an einem fpätern Orte (IV. dist. 16. qu. 2. § 6. 7) 
erörtert er bie^ in folgenber SBeife. ®ie äufl^ebung ber ©d^ulb 
unb bie SBerlei^ung ber @nabe finb nid^t ©ine reale SBeränberung ; 
bcnn jene ift überl^aupt feine reale SBeränberung. ©ie toären 



1) Lib. I. dist. 17. qu. 3. § 25. Saliern principalius in merito 
est a deo. Respondeo: si principalius dicatur ultimum completivum, 
oonoedatar; si vero dicatur prima realitas sive perfectior realitas, 
negetar, quia actus est absolutum quid et prius natura ista acceptatione 
divina, et magis ens ea. 



100 

näntlid^ lene (Sittl^ett, tuenn bie h)trfltci^e @änbe eine toefentl^e 
SSerbcrbnife bcr Slatur, ober bie SSerneinunfl bon ettoaS eigen« 
tpmlid^ ^ofitibem am ÜRcnfd^en toäre. 5)ann toürbe bie S5e» 
fcitiflung ber ©d^ulb bie ^erfteÖung jener SBirflid^feit fein, ipeld^ 
burd^ bie ©d^ulb aufgel^oben tuar. 3l6er bie @ünbe l^ekt rnc^t 
etn)ad ®ute^ auf, tpeld^ed ba ift, fonbem nur eüoa^, nmd ba fein 
foUtc; alfo ift anä) bie SSerpflic^tung jur ©träfe für bie ©d^ulb 
nid^tS h)ir&id^ed in ber ©eele naä) ber Vergangenen ^nbhtng, 
fonbem eine ibeeUe 9ielation (relatio rationis) in bem Objecto 
fo toie e§ getooDt ift (tt)ie eS fein foUtc). S)al^er ift aud^ Wc 
®ntlaffung üon jener SSerpflid^tung feine ttjirüid^e SSeränbenmg. 
3ur SBeftätigung biefer ®ebanfenreit)e bient bie ®rflamng be« 
®un§, tpelc^e auS feinem ^Begriffe bon ber urfprünglid^ fd^ranfcn* 
lofcn äWad^t ®otte^ entfpringt, bafe &t)it gemäß il^rer bie ©ünben 
bergeben !önnte, o^ne bie l^abituelle ®nabe ju öeriei^en (I, 17, 8. 
§ 29. IV, 1, 6. § 7. 9). 5)aburci^ aber ttjäre nid^t^ ^ofititoeÄ 
erreid^t. S)enn toer burc^ 6rla6 einer 95clcibigung nid^t mel^r 
geinb ift, ift baburd^ nod^ nid^t greunb, fonbem nur gleic^giltig. 
Unb tt)er burd^ Vergebung ber ©d^ulb mit @ott ücrföl^nt ift, ift 
il^m barum nod^ nid^t angenel^m im ©inne bed befonbem ®naben* 
ftanbe^; tt)ie eS mit bem SWenfd^en im Jlaturjuftanbe ber göD 
tt)ar. 3nbeffen bient biefe SBetrad^tung eben nur baju, bie SBcr* 
fd^iebenartigfeit ber blo^ negatioen ibeeQen Aufhebung ber ©d^ulb 
unb ber pofitiöen realen SSeränberung be^ SKenfc^en in ber ®nabe 
anfd^aulid^ ju mad^en. 9iad^ ber gcorbneten Wladji ©otteö, toie 
fie ben ®efc^en folgt, bie burc^ feine SBei^^eit unb feinen SBitten 
feftgefcgt finb, ttjie fie au^ ber ^eiligen ©d^rift unb ben Äu** 
fprüd^en ber ^eiligen erfannt tt)irb, fann ®ott feinen üon ber 
©c^ulb befreien, bem er nid^t bie effectiöe ®nabe öerlei^t. 

Obgleich biefe ßel^rc in feine bircctc aSerbinbung mit ber t)on 
bem SScrbienftc 6f)rifti gefegt ift, fo ift unberfennbar, in loie ge^ 
nauem (Sinflange mit berfelben fie ftel^t. S)cnn tt)äl^rcnb bcr Se» 
griff ber ©enugtl^uung auf ben ncgatioen 93egriff ber ©ünben*' 
bergebung ate auf bie §auptfadE)e bcrcd^net ift, fo forbert ber 
©cbanfe be« SSerbienfte^ Sl^rifti, ben 5)unS au^fd^ließüd^ bertritt, 
in bem crgdnjenben Segriffe ber 93eIol^nung einen pofitibcn SBcrt^. 
©ofcm nun biefe bon Sl^riftu^ berbiente SBelo^nung, itn Um^ 
ftänben gemäß, auf bie ®rtoäl^Iten übertragen tt)irb, für toeld^e 
e^riftu^ berbient ^at, fo ift c^ im ßufammen^ang ber Stuffaffung 



101 



bei tiuni unumgänglif^, bic ^(^nabigiiiig ber l£injelnen alä 
bie pDfitilK reale Sefä^igung jiim croitieii Üc&cii, iii^bejoiiberc su 
tcn baiii flcfjiJn-nbcn Scrbienfteii ju beuten (©. 96). Sie 9ier= 
flfbunfl ber Sünöen gilt jcbud) bo6ei aU uiitcrflcorbnetc 3iotauS= 
ic^ung, (ofem biejeiitgcn, ctn meieren ba^ 3^crbienft Uljrifti jur 
pufiiroen •ffiirtiing fommt, DorEjev nii« ber "ißcrit^iilbimg gegen 
öott ,^1 enllafien luarcn. SBie in alim liiäljer erörterten goflcn 
ftcljt Tmii auäf in bie[em Scl)rpunftc im ©cgcniape s« S;t)Dmaä 
unb üEierlrifft ihn äuglcicfi bnti^ bic Jolgeric^tigteit ber &c- 
banttnbilbung, 'Senn in ber ßonfei)ue«s ber ßeftre bcS 31)i)maS 
Don ber (iScnugtljuung nnb bem 'Öerbicnftc S^rifti lag freilid) 
büö tl)ema bcffclbcn, bafe bie recße Suftificatton burd) bai 
SWittel ber ©ünbennergebiing ju erflären fei (©. 93); oüctn btcö 
^ro&Iem hat eben ^Iljornaö nitf|t gclöft, unb beSholb bie ©ünbcn= 
mgebnng Ijinter bic Swfttficarion jitriicfgcf teilt, äufllc'i^ toitl 
ict| baraui ^inioeilcn, baß ba% tatt)oli(i^e Sntereffc an bem realen 
^griff ber Suitification bnrc^ 53unä tl)coretiI(^ üicl ficfjerer gc= 
fteüt ift, Qlä burc^ I^omaö. 3>enr beffcn Untcrfc^cibung ärotjcl)en 
t^enugt^mmg unb 33crbienft S[)rifti, fo ba% jener ^Begriff al^ ber 
übcrgeorbnetc gilt, t)t barnuf angelegt, ba6 in ber ^tnmcnbung auf 
bie Sinscinen bic greiiprccfiung öon bcn ©ünbcn bie reale Sßcr= 
änberung bericlbe» jum ©nabenftanbe, ober iljrc actiue ©efdljignng 
,(um ewigen Öcben beljetrit^c. 

3ii ber öcurtfKilnng beä menfrf)[ic^crt SScrbicnfteö, s" toeldjem 
ber Suitificirte befähigt crjcheint gemöfe ber allgemeinen Slnorbnnng 
©DtteS unb ber ^Scrleiljung ber gratia habitualis, burcft inclc^eä 
et aber feineu ©nabenftanb aud) j" Ucrmci)rcn im ©taube ift, 
ocrrötl] Tiinä einen ^öhern Öirab beä proftifcEien Sntereffeä an 
ber Selbftt^ätigteit beS aJJenfc^en, nlä Iljomaä. Iljeoretifi^ uer^ 
mag er fit^ ja nic^t bem 3"Ssf*f'"b"'fe i" entjic^en, ia^ ber 
übeniatürlit^e ^abitud ber Siebe boS S^erbienft bcgrünbe (S. 97). 
tibtr roic er fid) nid)t beß Segrtffö ber gratia operans bebient, 
roelt^e al* ^römiffe bcfii Xf)oma3 eigentlid) jcbeii Segriff Don 
^tbicnfi anSfc^liefet, fo fällt für 'Sunä baS .'pöuptgewidit au(^ 
tlKOretiff^ auf bie Settac^tung ber ®nabe al« beä ©toffö unb 
bti freien iBillcue alä ber ^orm beä aScrbicnfteä. Unb lueli^e 
^royiÄ ftc^t in Slnäfic^t, loo baS ©clbftgefülil beö nad) 33cvbienft 
tebcnben fi^ banadi ridjlct, bafe ber Ijanbelnbe SJille intntcr 
mS Unbebingtcö nnb etlüQä SRenlere« ift al* bie Slceevtalion, 



102 

ttjcld^e alö ber cntfprcd^cnbc cjöttlid^e ?lct andj nur baö Ucbcr= 
getüic^t beö SBiÜenö über ben §abitus^ anerfcnnt ! 3n bicfcm ©o|c 
beä S)un§ ift bcrjcnige 3tnfprud^ an SBerfgered^tigfeit erhoben, 
gegen beffen ^errfc^aft im fieben bie ^Reformatoren ben kämpf 
eröffneten, unb }tt)ar nur im Sntereffe ber üon bm X^ologen bcÄ 
SRittelalter^ fclbft behaupteten ^^rämiffen ber göttlid^en @nabc. 
Sener Smputö be^ ^unS ©cotuS ift nun auc^ t^eorettf^ 
tt)irlfam getüorben in ber an it)n ftd^ anle^nenben ©c^ule ber 
9?ominaliftcn. SBaö im 14. Sa^r^unbert 3SUf)eIm bon Dccam 
begrünbet, nac^ xfyax (Gabriel öicl *) in öoUftänbigem 3iifönimen* 
^ange bargefteüt ^at, refumirt fid^ in folgenben @ä^en. S)a ber 
Segriff bc^ SBerbienfteS ttjefentlid^ in ber freien unb ttjillfiirlicl^en 
Slcceptation eineö guten SBerfe^ burd^ ®ott berul^t, fo tt)ürbe naäf 
ber abfoluten SSoUmac^t ®otteS fein übernatürlid^er §abituö ber 
Siebe, fein ©nabengefd^enf, feine forma inhaerens jum SSerbicnftc 
not^toenbig fein. Snbeffen nad^ bem öon ®ott georbneten ®e* 
fefee fann Sßiemanb i^m angenet)m fein jur SSerlei^ung beö etoigen 
ßeben^ o^nc bie eingegoffene Siebe. ®urd^ bie natürlid^e 9Ser* 
nunft fann freilid^ nic^t beioiefen toerben, bafe cö einen eingegoffencn 
^abituS giebt, allein bie^ fte^t burd^ bie ^eilige ©d^rift feft 
?(ber auc^ unter biefer S3ebingung ift bie SBerleil)ung beö etoigen 
Seben^ an ben 95egnabigten ein freier unb jufäHiger 5!lct ®otteö, 
ben er o^ne Ungered^tigfeit unterlaffen fönnte; üielmefir ttjie er 
in freier ®üte bie ®nabe eingießt, fo üerlei^t er unter biefer 
SBorauÄfefeung nur nad^ feinem ©rbarmen bie ©eligfeit (Lib. I. 
dist 17. qu. 1). S)iefe ©ebanfenreil^e erfäf)rt nun aber in ber 
SBeife be^ ®unö i^re ®egentt)irfung in ber jn^eiten Duäftion. 
3liä)t^ ift öerbienftlid^, xoa^ nid^t in ber aSoÜmac^t unfercö 
SBiUen^ ift. S)ag freie SBoHen fommt aber nid^t bom ^abitu^, 
erften^ loeil ein fold^er Sßatururfac^e ift; atfo befte^t be§ SBcfen 
beö SSerbienfte^, toaS unS angebt, principaliter im SöiUen; 
jttjeiten^ loeit fein ^abituö an ftd^ löbtid^ ift (benn er ift and) 
mcf)t an fid^ tabeln^ttjert^), nidE)t ber erttjorbene, gefd)tt)eige benn 
ber eingegoffene, ttjetd^er ttjeniger aU jener in ber äWad^t be^ 
SBiUenS ift. S)er ®runb biefer S3ebeutung be^ freien SBiUenö liegt 
barin, bafe @ott bie SSoHmad^t ^at, einen freittjiHigen Stet ber 



1) Epitoma et ooUeotorium circa quatuor sententiarum libros. 
Lugduni 1614. 




VictK jii i^nt, au(^ »[)ne 3it}Taus|tl^iing einei^ .^abitud, als Der> 

bifflftlii^ ium croigenSebcu ,\u actcptitcn. ^eiin aixäf t)ieraii &e= 

tpijirt f\dt bet @a^: quod sme gratia imltae actus potest esse 

merilorius; freilif^ iiii^t im ©inne beä crcatürlic^eii ^odituäi ber 

ömtic, foiibern im ©iiiiic bcv iinge[^affeneii ©iiabe, bei acttBcn 

Äinntitrjigteit ©otteä. Hielte oUdn bcr roejentlicfie (Srimb bc8 

Stibitnfieä ift. 3iic bcibeii @i'baiifcnreif)eii bcr erften unb bet 

SBfittn Ciiäftion lucrbeti in ba* äufecrltc^e Öleidjgcraiclit gefegt 

tiun^ 6cii Sq5 (Qa. 3. dob. 2. respODsio), bafe in bcnt Berbien[t= 

lid)tn Seife jn^cieiki in ^ctiac^t foinmc, substantia, actus et 

ratio meriti. Quantnm ad substantiam merituni est principaUter 

» volantate libere producoute, quautum ad rationeni meriti 

öl principaUter a caritate (iufusa) ex divina ordinatione. 

Principalissime tarnen eet vere a deo libere acceptante. 

Swoi Sierbienfte ge^ött beiJtjülb aud] tctncärocgcÄ bie uoCftänbige 

ßrfüHunci iei ©efc^cÄ, ioiibem bafe nm iigcnb ein ©cbot ober 

Jlfltfl|t^lag auögefiiliil, luib bafe fein ®ebot übeitietcn toerbe 

(Qa. 2). "Jie fliiteii 23erfe, rocidie biitd) bcn freien äÖiüen unb bcii 

(^nabeiifiiinb Ijeniocgebradji lueibeit, finb nierita de condigno, fie 

wrftienen beii i?o^ii beS eiutgeii Sebcn^ imd) bem 9Jitifee bei @e= 

reifitiglcit (Motteä, in tüclcfier cv (eine SJer^ei^niig jcne^ fio^iieS 

crfuHL XiE[e Slrt bcr aJerpflic^tung ftcftt nid)t im SBibcrfprui^ 

mit bcr Doüen Jrciijeit ®otteä: beim inbem iciii iKillc bie crftc 

Segel aüet ©eveditigteit ift, fo irill er unb tljut ci aUeS in ge^ 

rcd^tci: 5fficiic unb boi^ nid)t als ©^ulbnei ton iigenb Scmaiib. 

Üfmia (ann man biitcf) ben 9lct beS freien SBiUenS, mit bet 

Uiiterfliiöung bei ®imbe, bie aSermt^ning beifel&en de condigno 

Ofibiencu. Quia babens gratiam habet, unde polest pro&cere 

in merito praemii beatlfici, ergo etiam habet, unde polest 

proficere in gratia. hingegen bie prima gratia, bie 5*crleil)ung 

bcr t^nobc, tann man nur de congruo Derbicnen, fofern ©ott quS 

Liberalität einen guten Stet beä Sllenfi^en, ber, \vai in jeinct 

Sftafl itel)t, tljut, jur iBcrleiftung ber erflen (Snnbc üfccptiit 

(Üb. II. diät. 27). ®enn roic in ber fotgcnbcn Xiftinction 28 

ouegefüfirf mirb, ftat ber freie 9BiUe bie fi'vaft, ou^ (einer 9iatur 

mornlifrt) gute SBcrte l)erDDr,^ubrin9en, Xobfünben ju uermcibcn, 

unb bie 9öttlid)cii Gicbotc ju crfülten, wenn and) ni^t na^ bet 

^bfidjt bes OefeggeberS, meiere auf bie ©rrcic^ung unfereä JpeileS 

gerit^tet if», aber in ^infic^t bcS SBcjeniS ber S^anbfung. 



104 

2)tc d^araftcriftifc^c golgerung auö bicfcn SlufftcIIunflcn jic^t 
93tcl Lib. III. dist. 19. concl. 5. Obgleich principaliter baÄ 
fieiben Sl^rifti aUcn Sßad^fommcn 2lbam^ ba§ §cil öcrbicnt ^at, 
fo tDtrfte boc^ mit bie Xi^ätigfeit ber ju Siettenben ald meritum 
de congrao ober de condigno. ^cnn baju, ba^ einem butc^ 
baö SSerbienft be§ Seibcnö S^rifti bie ©ünbe öergebcn ober bic 
®nabe cingegoffen toerbe, fei e^ bic, toeld^e juerft geredet mad^t, 
fei e^ bie, ttjetd^e ber erftcn folgt unb bie frul^ere öerme^rt, toirb, 
tpcnn einer ertoad^fen ift, eine gute ©timmung be§ SBiQenS unb 
eine gute 95ett)egung nai) @ott ^m erforbert, enttoeber ange^cnbc 
ober üoUftänbige SReue über bic ©ünben beö früf)em Sebend, ober 
Siebe gegen ®ott unb ©el^nfud^t nac^ §eil, ober freittjtUiger 
Empfang ber ©acromente, ttJelc^eS merita de congruo finb, — 
ober jur SSermel^rung ber ®nabe ift eine gute ^^ätigfeit, bie auS 
ber frül^ern ®nabe ^erüorge^t, erforberlic^, toelc^e^ meritam de 
condigno ift. SBenn aber einer Äinb unb nid^t im ©ebrauc^ 
feiner SSemunft ift, bann ttjirb er nid^t o^ne ©acrament oon ber 
(Srbfünbe gereinigt, e^ muffen alfo fold^e mittoirfen, ttjeld^e ba^ 
Äinb barbringen unb ba^ ©acrament öettoalten, bcren 2^dtig!eit 
meritum de congrao ifi ^ierauS folgt, bag tomn auä) Sl^rifti 
Seiben ba^ l^auptfäd^lid^e SSerbienft ift, ttjcgen beffen bie ©nabe 
unb bie ©eligfeit öcrliel^en tt)irb, e§ niemaU bie einjige unb 
bollftänbige öerbienftlid^c Urfad^e ift* S)enn immer toirft 
mit bem SSerbienfte Gl^rifti atö meritum de coilgruo ober de 
condigno jufammen eine SC^ätigleit beffen, ber bie ®nabe unb bie 
©elig&it aufnimmt, als eigene^ 8Serbienft, toenn er erttjad^fen ift, 
ate frembeS, loenn einer nod^ beS ®ebraud^S ber SSemunft ent* 
beirrt. 

5)iefe S)arfteIIung, bie an S)eutlic^!eit nichts ju toünfc^en 
übrig läßt, entfernt ftd^ üon ber SBe^anblung ber früheren 2i^eo^ 
logen formell baburd^, ba§ bie Se^re öon ber iustificatio mit ber 
t)om meritum Christi in birecte SScrbinbung gefegt ift. ^ieburd^ 
tt)irb nun aber bie 2Ibtt)eid^ung Don ben SSorgängem l^erbeigefül^rt, 
ba§ baö SSerbienft Stjrifti nic^t alö bie einjige unb ooUftänbige 
Urfad^e beS §eiIeS, fonbem nur alö bie l^auptfäd^tid^e bel^auptet 
tt)erben !onnte, ju ttjcld^er bie merita de condigno ^injugeffigt 
ttjerben muffen, ttjcnn aud^ biefelben, nad^ il^rer Sbftammung bon 
ber ©nabengabe, bem SSerbienfte S^rifti untergeorbnet finb. 
§ier !ommt baS S)ilemma jur @ntfd^eibung, ttjeld^em bie Siealiften 



105 

ititftl in« (^cfirt)t idjaiicn IDOtltcii, enftucbiT ift bie &nüte als 
Omni) bcr i*etftiiiic| (SfjrifH urib bct iustificatio beä Sin,^i'Iiicrt 
Itttng p ricljincii, bann tjat bct Segriff Öer merita de condigoo 
ftmcn Mflum unb feinen Sitm; ober bicfcr öegriff gilt, bann ift 
tit Stfeligiirifl nidft Qiiäfc^ltelliri) auf btc @iiabc utib ba« syci> 
tiimft U^tifti, lonberti auf bieje* »iib auf bie SSerbienfle bet 
öiüubigm jttrürfsufüljten. Snbcm 99ic( fic^ jiir biefc 9Ilternatioc 
trfläae, Ijat et nur iiufligcfprod)cii, imä XliomaS burd) bie eiit= 
flffjtngeie^tc Scljauptiing bod) md)t auäfc^liefeen tnolltc. '&bev 
auBcrbem geften bie 9Jomirialifteii ober bie at)fi(f)tli(^c Xenbeiij 
tn Äcaliffcn noi^ burc^ bie Scfiaiiptuiig fiiimii^, boft 6ei bcr Sr= 
locrtiimg ber prima gratis bie merita de congruo i^rc Geltung 
fifiDfn. 'Lllidit bloä XI)Dmaä Ijatte ci unbcnfbar gcfuiiben, hafe 
i 089 bti blofeeii Sraft beö aSiUcnö oijm Unterftiiöung bcr ©nnbc 
V Bttbioifte [)cn)orgiiigen, rocl^c buri^ bie SiQigfcit ®otte5 6etürf= 
Ri^tiflt nwrben fönnten, ha bcr ?l[iftciitb jioifc^eii bcr menid)Ii(f|en 
IHotnr utib ®ott ju grofe fei (S. 72); fonbcm oiit^ ^unö f)n(t 
tiie (ikltung, meiere ®ott nntft feiner obfolutcn SSolImad)t bett 
Cnfhingcn in puris natnralibus aH mcritiB de congruo beilegen 
[pftnlc. für iinroa^tfc^cinlit^, bn ficf) biejc 3)ieiiumg bem pettigianift^cit 
3irtl)iim annähere (Üb. I. diet. 17. qu. 3. g 29). Siefe Sd)eii 
haben bie 9iominaliftcn übenwunben. ^eäljalb ift nun freiließ 
tTwn ßcöre in biefcm ^unltc nidjt^ loenigcr, ali bie allgemeine 
S.'cl)tf ber mittclaltrigcn ffirdje, fonbetn fie ift bie ?Innnt)me einer 
Monbern tlieDlogifd)cn S^ule. 9lbet inbem bicfc, nac^bcm ftc 
tilligen DcrgeOIid)eri SSibcrftonb gcfimben. [ird)lid| nidjt tiel)inbert 
iDOT, il)te Anficht äu oerbrciten, fo ift bie [ottjulifdjc ffiirdje bcä 
SRitlclalterä für biefc Theorie unb bie cntfpre{f)cnbc '•BraftS in 
intern ©(^üOBc mit ueraittiportlicft, iinb ift and) babuve^ (^arnfle^ 
rifirt, bflfe bicfc ÜEnfit^t in il)rem SdjooBc jo lange in ©etturig 

tfonnte. 
16. 'Süari luirb fic^ tjingcgcn üergcbtid) bemüf)en, bcn rcfor= 
ift^en Se^rbegriff von bcr instificatio, nämlich bie alifid)t= 
[tc^e Unterfc^eibuiig jmiff^en iusttticatio unb regeDeratio, bei irgcnb 
röiem Ideologen beS DJiittelaiterä nai^imueijcn. 5ßi)l)l tommt 
» DOr, bau mit iuBtifiiialio fpccieü ia^ göttlid)e Urt^cil bcr 
Sünbetrwrgcliung bcjcidinet loirb, namentlich roenn geiuiffc nn= 



106 

ätocibcutigc Sluöfptüd^c beö 3(poftclö ^aulu^ angeeignet toerbcn *); 
allein barauf ift nid^t ein ®ett)id)t bcr Hrt ju legen, ba§ t)iebnrc:^ 
ber ®ebanfe ber Steformatoren üottoeggenommen tüerbe. SSietme^r 
ift bie abfid^tlid^e än^legung be§ 93egriffö ber iustificatio barauf 
gerid^tet, bafe in i^r bie reeUe SJeränberung be^ ©ünbcrö gebadet 
tüerben foU *), b. 1^. bie reformatorifc^e Unterfd^eibung beiber S5e* 
griffe tt)irb im SJorauö abgelel^nt, unb bie 3)eutung ber iustificatio 
im forenfifc^en ©inn erfd)eint nur al^^ eine vorläufige SSeftimmung, 
njeld)e ilire berid^tigenbe @rgänpng erfahren mu§. §ieburd^ aber 
tt)irb ber ©inn berjenigen gormein, in tüeld^en mittelaltrigc S^o* 
logen bie ©tid^tt)örter ber 9ieformation au^jufpred^en fd^etnen, 
ttjefentlic^ alterirt, unb baö Unternel)men, fold^e Slu^fprüd^e jur 
9ied)tfertigung ber reformatorifd^en Se^re ju fammeln, tt)ie eÄ in 
3ol). ®erf)arb'^ Confessio catholica fid^ barfteHt, unterliegt bem 
bringenbften SSerbad^te ber ©elbfttäufd^ung burd^ ungenaue Se- 
obac^tung. @ö ift aud^ im ©inne beö 3Jiittelalterd, bafe bcr 
®laube allein jur iustificatio gel^ört, bafe biefelbe burd^ bie 
@nabe gratis oerliel^en U)irb, bag fie nic^t bebingt ift burc^ 
merita de congruo, — tt)Ot)on nur bie nominaliftifc^e S^eotogic 



1) Bernhardi Tractatus de erroribus Abaelardi cap. VIII, 20: 
Ubi reconciliatioy ibi rcmissio peccatorum. £t quid ipsa, nisi iustifi- 
catio? Sive igitur reconciliatio, sive remissio peccatorum, sive iustifi- 
catio sit, sive etiam redemtio, intercedente morte unigeniti obtinemus, 
iustificati gratis in sanguine ipsius. — In Cautica sermo XXU, 6: 
Christus est factus nobis sapientia, iustitia, sanctificatio, redemtio. Sa> 
pientia in praedioatione, iustitia in absolutione peccatorum, sanctificatio 
in conversatione, quam habuit cum peccatoribus, redemtio in passione. 

2) De error. Abael. cap. VI, 16: Alius, qui peccatorem constituit, 
alius, qui iüstificat a peccato; alter in semine, alter in sanguine. . . . 
Sicut enim in Adam omnes moriuntur, ita et in Christo omnes vivifica- 
buntur. Si infectus ex illo original i concupiscentia, etiam Christi gr&tia 
spirituali perfusus sum. Quid mihi plus imputatur de praevaricatore ? 
si generatio, regenerationem oppono. . . . Sane pervenit delictum ad me, 
sed pervenit et gratia. . . . Terrena nativitas perdit me, et non multo 
magis generatio coelestis oonservat me? Nee vereor sie erutus de po* 
testate tenebrarum repelli a patre luminum, justificatus gratis in san- 
guine filii eins. Nempe ipse, qui iüstificat, qiiis est, qui condemnet? 
Non condemnabit iustum, qui misertus est peccatori. lustum me dixe- 
rim, sed illius iustitia. Quae ergo mihi iustitia facta est, mea non est? 
Si mea traducta culpa, cur non et mea indulta iustitia? 




abmeit^t; ober Ivntjbcm ift tI)colü[ii[(f) ctiunö garts mibcvcss bamit 
fltnwiiit, üle mit hcii gkidjlaiitenbcii Sormclii bcr 9(cfonnatomi. 
3Han Iint fit^ ouc^ im 3citfi'tfi' ^'^^ JKcforitiotioii fclb)t bauoii 
übetjeust, boß mit beii gteicf) flingcHben ^Sorten auf bcii bctben 
2<itcii ein ioiberipteii)enber ©iiin öcrbunbeu imirbe. 

Uiifleac^tel bciicn Ijot ber leitciibc ©cbaiifc bcr JRcfotmfltorat 
uon bcn Sebingunftcn bet 9ted)tfertigung eine breite öafiö i» ber 
ftin^. ®t finbet djavatterifliicije SJorflänge in QUögefi)roci)enen 
Hnb },toai abfi^tlitf) betotttcn (!4ebfliifenrei^en mittelattrigcrWänncr, 
im6 jroat foldici:, raelc^e atä Iljcologeii ebenjo abfic^tlirf) imb um 
iwibeutig firf) jü ber Iatl)o[ifi^cn SüfHficafionä(ei)re betenneii')- 
Xmii (ä tianbelt fii^ bei bem ©cbaiiEcii bei SRcc^tfertigung für 
iittSefonncitorcn in elfter Üiiüc gar nidjt um eine objcctiDe ßeljrc 
!«* tl)eologtjc^en ®t)ftem3, fonbeia um ben obcrfteii S^alftab bcr 
ttligiöitn ©elbftbeiirtljeiliing bcä Subjects^, luclc^ce in ber (^iift= 
lii^ Sit(^c ftcl)t, unb biefcr fflcftimntung gcmäfe in guten 3Setfen 
aus bem [)etligen Seifte tljätig ift. Unb jiuor [janbelt e5 fti^ für 
liit Ätfotmatoren barum, ha^ bcr Sßjiebergeborene iitct)t burdj bie 
Sntai ©crff, n)etd)c er roirflid) leiftet. leine ©eltung uor ü(otl 
unb bie @eiDiBf)eit feineä Öeileä befige, fonbcm burc^ bie ©nobc 
Sottet, luel^c feinem gläubigen ^Bertrauen bie JRei^tfertigung 
iüxHi tl^riftuS Berbiirgt. 5)iefeSel)auptung, meiere tl)ren SBeroeiö 
im folgenben Uopitel finben wirb, mnfe id) Ijier uonoeg aufftelkn, 
irai an bicfein Kriterium foli^c 9Icufeeriiiigen mittetnltriger ^rÖmmig= 
fett SU mcffen, lüdc^e mit SRed)t alö 3[na[ogiecn bes religiöfcn 
feiQnbvunltes ber ^Reformatoren nngefcljcn locrbeii, unb in bent= 
iribm SKaftc über bie @ren,\eii bcr tottjolift^cn Ücljrc uon ber 
iutificatio unb ber mit ii)i berf[ud)tcnen ^el)rc Uom meritum 
^audgreifen. 

SlRerbingö fteltcn bie Stjeülügcii Mon 3Iuguftiii l)cr immer 
niii bie caufale ißerbinbung injtfdjcn bcr ©nabe nlö iustifieatio 



1) C)it&"T>& ^''cb ^it cntfprfi^cnbc SIciifierung 9Ii'lan<t)t^Dn'ä ciiu 
ScfituSnfl, — Apol. Conf. Aug. 111.90. Antonius, Bernhardiu, Domiubus, 
FfWHaMnii et alü aaiicti patres elegerunt ccrliim vitae genua, vel pro- 
pt«r atudium vel prnpter alia iitilia exercitia. Interim seotkbutit se fide 
pniplnr Christum iusto« repatari et habere propitiiim deum, non propter 
lila propria cxercitia. Hb« tbcn tiefet IcfKrc Srtp finbcl in bcr folgenben 
tunfltlluna fmic BtitHiigunfl. 



108 

unb bcm meritum auf. 9?icmal^ finbet fid^ bcr ©a| au^flefpro^ 
d^cn, ba§ bic instificatio gcrabe fo bcfd^affen fein müffc, toic fic 
geklärt tt)irb, bamit SScrbicnft möglid^ fei. Scbod^ Vermag ic^ 
baS praftifd^c 3ntercffe, tocld^eö bic SBefcnner bcr römifd^^fat^oü^ 
fd^cn Äird^c an jenem 3)ogma nehmen, üoHftänbig nur ju er- 
Hären, toenn id^ bie in ber Seigre bel^auptete caufale SSerbinbung 
itpifd^en instificatio unb meritum ald eine juglei^ finale ber« 
fte^e. S)enn nur ber tt)enn aud^ unbett)u§te (Sinbrucf bon 3^^ 
berbinbungen bel^errfd^t bad ©efü^l al^ unmittelbare^ 3Jlotx\) 
praftifd^en SSerl^alten^. ?lIfo tt)0 man in pofitib religiöfem Snter* 
effe, miä)t^ ftetö aHe SBemeinungen entgcgengefefeter 3;^eoIogumcna 
bel^errfd^t, bie instificatio im fat^olifd^cn @inne bel^auptet, gefd^ie^t 
eö in bem ©tauben an bie ®eltung t)on SScrbienften toor ®ott 
3)cr ©finber nämlid^ mufe nid^t nur reeH jum ®uten üeronbert 
fein, fonbem auc^ in ber greil)eit feinet SBiÖenö toirfen, tocnn c^ 
jum SSerbienfte fommen foH. SRad^ beiben Sturffid^ten ift ber 
fat{)oIifd^e Segriff ber instificatio aU bie )n)edEmä§ige ^ämiffe 
für baä a3ett)u§tfein bom SSerbienfte, namentlid^ aud^ infofcm aud* 
geprägt, ate e« möglid^ fein foQ, ba§ ber 3uftificirte eine SSer* 
me^rung ber ®nabe üerbiene; tt)ä^renb bic reformatorifd^c ÄuÄ^ 
cinanberfe^ung }n)ifd^en instificatio unb regeneratio unb bie 
Ucberorbnung jener über biefe ben Segriff beä SSerbienftcÄ über« 
^aupt unmögli^ mad^t. 9iun nimmt aber ber Segriff bcö 95er* 
bienftcÄ im latI)oIifd^en ©^ftem fclbft eine jtt)eibeutige ©tellung 
ein. Denn ber ®ebanle ber ®nabc, burd^ ben SSerbienft erft möglich 
tt)irb, fd^He§t, tt)enn er ftreng genommen toirb, ben berbienftlic^ 
SBertI) ber auö ber ®nabe l^ertjorgc^enben SBerle au^, »eil er 
gerabe bie ©elbftänbigleit beö tt)iebergeborenen SÄenfd^en ®ott 
gegenüber berneint. (Marita) fructus sunt primae gratiae et 
gratia pro gratia, et ideo totum imputandum est gratiae, quia 
neque volentis est quod vnlt, neque currentis quod currit, sed 
miserentis est dei, fagt Slnfelm. Si gratia consideratur se- 
cnndnm rationem gratniti doni, omne meritum repugnat gratiae, 
fagt S^omaä. 3)iefcr ®efidötöpunft ber botten tlbl^ängigfeit attcd 
moralifd^en SBertl^e^ unfercr ^erfon unb unferer ßeiftungcn bon 
®ott ift nun bcr cigcntUd^ rctigiöfc. @d fann alfo nid^t auÄ« 
bleiben, bag tomn man innerl^alb bed fat^olifd^en ©^riftent^umd 
bie ©tufe ber rein rcligiöfcn ©ctbftbeurt^cilung erreid^t, ber in 
bcr 3:^coric mül)fam conftruirte Segriff bcÄ SSerbienfte* ol^ne 



109 

SBetteree außer ®eltimg gefeBt Wirb. 'iDk jaftllolcn ^leufecriincicii, 
\Del^ Slugiiftiii in bie(et 3(id)luug fletbtin l)Qt, fiiib für btc abciib^ 
Idnbiit^ fiiri^e cbtinjo wenig unroirfidm gebticben, aU feine a3er= 
binbung ooii gratia unb meritum in bet XEjcone. 

3Bo nun im Mittelalter bie auögcjijrotfieiie 9(nbQt|t fic^ ju 
txt ©ebanfenrei^c ergebt, bafe bcr ^ertl) beä djriftlidjcn ßebcn*, 
QU(^ roenn e* in fluten SBerfen frui^tbar ift, iiic^t in bicjen als 
moifc^lic^en 9?etbienften, fonbetn in ber 8orml)erjigfeit ®ottc* 
btamntwt ift, ba bodf fie erft biefeSSerfe möglich mac^t, nnb ju= 
ciaüf tiic St^ulb ber fortlaufenbcn ©iinben aufioiegen muß, — 
W bitfe eigcnt^iimlii^e ©eitiife^eit ber göttüijen @nabc im ©ebiete 
bff (^rifllit^en (Semeinbe »etgegenroartigt loirb alä ber ?lnfpru{^ 
io@läu6igen, roelt^er aöe benfbaven unb njirftid) uotauägefeljtm 
0<abnnnittet überftiringt, ba istrb bie tiinie eingenommen, auf 
aüäitt boä religiöfe Seroufetfein unfetct SRefonnatorcn bie Staft 
B^t öüt, ben b\i auf ftc bcfte^enben Bi'fcinitnenljang tot^oUfctjer 
&^ unb Eirdilic^er ^nftitutionen ju burd)brec^en. SlQcrbingS 
gt^ttii ju biefcc Sßitfung nocfi nrbcre SScbingungen al^ bie 
©nmbonfii^t uon ber ©nabc. 3)cäI)olb ift bcrcn ffic^au;jtung 
buri^ bie ajfiinner beö SWittelalterä an unb für fid) fein (iirunb 
fltiDefen, ba^ i^en bieSel)te üon ber instificatio äroeifeltjaft ober 
iif 3nftitution beä Sufefacromcntes iinb her ©c^orfam gegen ben 
Sapfi oerbädjtig rourbe. SÜlein inbcm bie rctigiöfe ©clbftbeurt^ci' 
lang, meiere bcn SBertf) bcS l&eörctifi^ ancrtannten Serbienfte« 
prüftifc^ Demeint, bei .^crocn bcr mittclattrigen Äird^e fo ftar! 
uiägeptägt ift, f o bicnt biejeä jnm Sclueife baf tir, bafe bcr leitenbe 
Btpi^tÄpunft uitfcrcr Sieformatton in bcr lateinifc^cn Kirche Don 
täfn ttiimi)^ gemefcn ift. 3)er Sebraud) ber allem ?lnbem ilbcr= 
DtDibnetcn 3bee ber göttlidjen (SJnabe, ineldjen bie Sleformatoren 
genmdit t)abcn, ift auc^ nur eine folgerechte Slnrocnbnng berfelben. 



17. 3m ©qnjen roirb man in bcr aöletifi^en Siteratur bcr 
nriittfoltrigcti Äirtfte bie 'ßrobcn beÄ @cbrnud)eä ber ©nabc su 
itti^n ^flben. roe(d)er (jier gemeint ift 5)cnn loaä fonn burt^ 
JJonl unb Sitte aubereä erreicht roerbcn, als bie ^erDortjebung 
bet ©nobc @ottes, iDcIc^e aQeä betjerrfc^t? Urlunben biefer 9a3elt= 
mit) yriwnsanficftt finb jc^on Slnfelm'* aiiebitationcn unb ®ebcte. 
6« wirb bcmflemäfe flcnüflcn, fpccicllc ^Proben auä ben ©c^riften 
Sernljorb'« üon 6lairUau;r onsufiiljrcn. lDclcf)er bcr claffifrfje 



4 



110 

unb mafegcbenbc Vertreter ber cigcntpmlid^ fat^olifc^cn ^et^otton 
ift. @ö tft nun nid^t ol^nc 3ntereffe, an feinem 3;ractat de gratia 
et libero arbitrio ju beobad^ten, ba§ nad^bem er tpieber^oU jtvifd^en 
ben Oefid^t^punften ber @nabe unb beö SSerbienfte^ abgetoed^felt l^t 
er ben ®d^Iu§ mit ber auöfd^Iiefelid^en ^crüor^ebung ber ©nobe 
erreid^t. Si proprie appellentur ea, quae dicimus nostra merita, 
spei quaedam sunt seminaria, ^aritatis incentiva, occultae 
praedestinationis indicia, futurae felicitatis praesagia, via 
regni, non causa regnandi. Denique quos iustificavit, 
non quos iustos invenit, hos et magnificavit. Sin biefer @c^rift 
S3eml)arb'ö ift nämtid^ bemerfenötoert^, ba§ er jtt)ar ben JBcgriff 
beö SSerbienfteö immer njieber begrünbet, ba§ er jebod^ bie lat^o« 
lifd^e SBe^auptung, man üerbiene aud^ bie S)auer unb bie Sermc^* 
rung bed ©nabenftanbeö, nid^t begeugt. ©obalb biefe golgerung 
auÄ bem geltenben ©d^ema üon ®nabe unb greil^eit gejogen »irb, 
ergiebt fid^ ein §inberni§ für bie befinitiöe Ueberorbnung ber 
®nabe über bie grei^eit. Unb tt)irflid^ ift nid^t fott)oI)I bie Sc^rc 
Dom SSerbicnft überl^aupt ber für unö befrembenbe S^araftcrjug 
bed Äat^oliciömuö, ba bie ®eltung üon SSerbienften jcber Qdt 
praftifc^ jurüdtgenommen njerben lann, f onbern ber Qv^a^ öon ber 
SWöglid^Icit ber 8SermeI)rung ber ®nabe burd^ bie SSerbienftc. 

3n ben ?ßrebigten 95emI)arb'Ä ^) finben fid^ SBeifpiele, tt)eld^c 
mit ber Haltung beö eben erörterten Xractate^ übereinftimmen. . 
De diversis sermo 105 unterfd^eibet bie iustificatio unb bie 
glorificatio atö bie ©tufen beö ©nabenftanbe^. Neque enim potent 
obtineri magnificatio, nisi iustificatio praecesserit, cum ista 
meritum, lila praemium sit. S)eibeS ftnb SQSirhtngen (Sottet; 
aber bie öefeligung überragt unfere Äräfte, bie (Sered^tmac^ung 
nimmt biefelben birect in Slnfprud^. Sic enim adimpletur iusti- 
ficatio, dum ab interdictis vitiis abstinent, et bona, quae prae- 
cepta sunt, fideliter exercent. In octava Epiphaniae forbert 
SJem^arb auf, adimplere oranera iustitiam, ijm bie greube ber 
©eligleit ju errei^en. 3)enn biefe ift ber Sol^n, iustitia vero 
meritum et materia. . . Nunc videtur laboriosa iustitia, sed 
veniet, quando sine omne labore . . . fruemur iustitia. Pro 
dorn. 1. Novemb. sermo 4 beutet SBem^arb bie ©eftalt ber ©era* 
))^im, ba§ fie §aupt unb gü§e mit ben S^ügeln bedten, alfo nur 



1) Sermones de tempore, de sanctis ac de diversis. Opp. Vol. I. 




JfSRitte ber Ocftolt fel)cn Inffcn, bnrQiif, baft bcr 9litfoiit( iiiib 
te SoUenbimci bcö ©iiobcnfloiibcei iiiiis(cfjlicfjlitö 3BtrfiniiieTT bcr gÖtt= 
!t(^n @nabe ieitii, bnfe aber in ber äliitte ber freie Sille ein äRofe 
Bon ffiirfung ftobe meriti gratis. 5?'fburi^ qI|o ift bie ©eltung 
totei«* SBegtiffä feftgcftctit, obgleicf) bcffen ^luccfmäfeigtcit nidjt ein= 
Intc^tct. loetm 3US[ei(^ bcbau^tet luirb, bag bie .'^etti^liDUeiibiiiig 
reine @nabentDirfung ift, nee est mihi in hac parte vel cum 
gratia, siie in ea gloriari, quasi coadiiitor videar aut coope- 
raior. Sie« ^inbert iftn iiicftt, an onbcrem Orte, in Quadragesima 
senno 4, baä Jafteii ju cmpfcl)len als Mittel j^ax SIbnieiibung 
ber ewigen (Strafen, non solnm obtiuet venism, tied et prome- 
rctnr gratiam, non soium delet peceata, quae comroisimna, 8ed 
et repeUil fntura, quae eoininittere poteramus. 

Ungeachtet bicfcr gut tütfiotifc^cit ®vunbfä(jc begrünbet ie= 
bm^ Scm^arb tu bcn ^prebigten iiic^tö lucniger alö ein Sicrtrauen 
ouf bie gcgenroättigen Seiftungen be« uoii bcr ©nabc iinterftügtcn 
fnicn ©tuen«. Snbciti ev Biclmcljc in tbesi aiicrtennt, bafe feine 
•Ju^örer in guten 33crtcn unb iÖcrbicnftcit t£)ätig finb, fo forbert 
a fic immer nur baju auf, oon bon eigenen iSeittag ju bcn 5?er= 
btcnften übiufeljen, unb lebiglit^ bie ffiiirfung bcr göttlichen (Snabe 
in il)nfn su beacJ]ten, ober nberfiaupt uon bicfen cinjetnen S!Bir= 
bngcn auf @ott alä bcn SBegriinber oller ^eilötjoffnung fic^ ju 
tilgten *). 3n porabüfcr SBcifc ertloirt er bie 3>cmutl), rael^c auf 



1) In pulm. XCl. aermo I, 1 : Timeo, ne forte sit iu nobis, qüi 
Mn h&bitat in adiulnrio BitisBimi, aed onnfidat in virtute sua et in mul- 
Ulndine diviti&rum suarum. Forte enim. fervnrcm habet aliquis potens 
ia ri^liis, in ieinniis, in labore et in ceteris hniusmodi, aut etiam miil- 
lorntn, nt sibi videtur, divitiae mcritoritm longo tempore acquisivit, et 
m hii conSdens remiisior est in tiroorc dei. . . . Tanto aiquidem ampliuB 
lim»«' deum et magin soUicilut esse debuerat, qnanto maiora eiuB mu- 
Od» i»in percepit. Neque cnim, quae habemus ab eo, aervare aut te- 
uere pMsutanB sine eo. — Sermo 9, 1 : Quid quod bona omnia non 
nodo propter eum constat fieri, sed per eum ? DeuB enim eat, qui Ope- 
rator in völlig et relle et perfioere pro "bona voluntato. B. Praetendnt 
■Her mt-ritaiD, suattnere se iactet pondus diej et acstus, ietnnare bis in 
Mbbstu dicat, poitremo non esse aicnt ceteros hominum glorietur ; mihi 
aatem ftdhnerere deo bonnm est, ponere in deo meo epem meam. — In 
OdMTkpMchae sermo I. 2: Qunties tentationi reaiatia, quoties vincis ma- 
Kgmun, noli proprli» tribuere viribua, itoli in te, Bed magis in domino 
glorim. — In festo annuntiationis Mariao Benno 1, 1: Testimonium 



L 



112 

bic SSerbfenftc tocrsid^tct unb nur auf ®ott ücrtraut, ffir baö ein* 
jigc SScrbicnft, loeld^c^ SBcrt^ f^at 0. @r ücrtpcift aber nid^t nur 
auf bte göttltd^e @nabe ald ben aUetn jureid^enben ®runb aller 
©tufcn beö ^eil^ftanbeö, um jcber SSerf ud^ung jur ©elbftgeret^tifl* 
feit entgegenjun^irfen, fonbem er l^ebt bie 93arml^eriigkit @otted 
aud^ in bem ©inne l^erüor, ba§ fie allein bei ber ftetö bleibenben 
UnüoQfommenl^eit aDer guten Sßerfe unb SSerbienfte bie 3ut)erfi^t 
beö ^teftanbeö begrünbe*). hierin erreicht öem^arb biejenige 



Spiritus in tribus consistere credo. Neoesse est enixn primo omnium credere, 
quod remissionem peocatorum habere non possis, nisi per indulgentiun 
dei; deinde, quod nihil prorsus habere queas operis boni, nisi et hoc 
dederit ipse, postremo, quod aetemam vitam nullis potes operibus pro- 
mereri, nisi gratis tibi detur et illa. 

1) De diversis sermo 26, 1: Insipiens est et insanus, quicunque 
in aliis vitae meritis, quiounque in alia religione sen sapientia nisi in 
sola humilitate confidit. Apud dominum ius habere non possumus, 
quoniam in multis offendimus omnes, sed neo fallere eum; ipse enim 
novit absoondita oordis, quanto magis opera manifesta. . . Quid ergo 
restat, nisi ad humilitatis remedia tota mente confugere, et quidquid 
in aliis minus habemus, de ea supplere. — In psalm. XCI. sermo 15, 5: 
Hoc totum hominis meritum, si totam spem suam ponit in eo, qui totum 
hominem salvum faoit. 

2) In vigilia nativitatis dom. sermo 2, 4: Nolite timere, si per- 
fectionem, quam desideratis, nondum potestis adipisci ; sed quod miniu 
habet imperfectio oonversationis, suppleat humilitas confessionis, et im- 
perfectum vestrum viderunt oculi dei. Propterea enim mandata sua 
mandavit custodiri nimis, ut videntes imperfectionem nostram defioere, 
et non posse implere, quod debet, fugiamus ad miserioordiam, et qui 
non possumus in vestitu innooentiae seu iustitiae, appareamus vestiti 
confessione. Confessio enim est pulcritudo in conspectu domini, si 
tamen sit non oris tantum, sed etiam totius hominis, ut omnia oaaa 
nostra dicant: domine, quis similis tibi, idque solius pacis intuitu et 
desiderio reconciliationis ad deum. — In Epiphan. dom. sermo 1, 1: Quis- 
quis consolationem ignorat necessariam, superest, ut non habeat dei 
gratiam. 8. Quid agerem audiens dominum venientem? Numquid non 
fugerem, sicut Adam, nonne desperarem, audiens, quia ille venit, cuins 
legem sie praevaricatus sum, cuius patientia sie abusus sum, coiiiB 
beneficio tam ingratus inventus sum? Quae vero maior consolatio 
poterat esse, quam in dulci vocabulo, in nomine consolatorio. Propterea 
et ipse dicit, quia non venit filius, ut iudicet mundum, sed ut salvetnr 
mundus per ipsum. lam oonfidenter acoedo, iam supplioo fiducialiter. 
Quid enim timearo, quando salvator venit in domum meam? Ei soli 



113 



öetnu^hinfläroeiie, midfc gcrobc bic Sutf)er'ii gcfäiififje ift, ber 
ben ©lid uiclmelir auf bic rclatinc UnuoUtDinincntjeit, oIä auf bie 
relatioe 3ioUfoininent)eit bfr bcm SäJicbcrflctiortncit mög[id)eii SBcrfc 
ftjitt. iratjrenb 93enil)ürb, mie fic^ ^cigt, noc^ tieiben Seiten Ijin 
bit iUiäie Sntic^cihuiig für ben ouäfc^liefeUc^en SEßertl) ber önabe 
©otte« ouöfprict)t. 6© liegt frcilirf) in ber ©acfie, bafe ber flär» 
Ick Äceent ouf bic ©nobe fäUt, loenit ber ©laiitiige fic^ ber Un= 
Dollfommen^eil feiner i-'etftunfien erinnert, rocnn er fii^ ben ÖdH' 
traft feiner Sciftungen gegen bic gotberung ®otteö einprägt, aU 
iDenn er bur^ ben Äüdgang Don feinen Üeiftnngcn auf bie 9ött= 
li(^ @nabe fic^ bie golgerit^tigfeit ber Söirhing berfelben Mr= 
gegenrcärtigt. Um fo ftärtcr prägt fid) besliall' in icncni gaffe 
ba« SSeTOufetfeiii Qu*, baß ba^ gläubige 'Vertrauen bog Drgan für 
bie Aneignung ber Derjeiljenben @nabe ober ber Sarm^erjigfeit 
fäottcs ift '). 31udi in biefer ?Infd)auiing öom gläubigen 3Jer= 



peccsTJ, ilanatum crit, quidquid indulBeril, ille. Dens cBt. qui tustl- 
ficBt, i|uis eat, qai condcmnet? Äut quJB accusabit adversiie electoa dei? 
Proptere* gaudere no» oportet, quod in noatra veiierit; nunc enim 
hcilii ad indalgentiam erjt. — In paalm. XCI. sermo 16, 1: Speravit 
in me, liberabo eum. . . Non dicit, digiius fnit, iiutu' et rectu» fuit, 
innocens niBnJbos et mundo corde, propterea liiieraho, protegam et 
«tiDdiam eom. Si enim haec et similia diceret, quis nou diffideretV 
(Joit gloriabitnr, CBStntn se habere cor? Nunc autem apud te propi- 
tittio est, et propter hanc legem tuam instinai te dointoe Duicis lex, 
que merituin exauditionis in clamore coustituit poetolationi«. — In 
dottinica VL posl Peutecosten aermo 3, 4: Liberaliter agit deas, iguo- 
•dt pimarie, ita ut propter fiducinm peocatorum eed poeuiteutium, ubi 
tbandavit delictum, solent et gratia auperabuudare. 6. Tria oonaidero, 
iaquifan« t4)ta apee mea cODsiatit, caritstem adoptionit, veritatem pro- 
BiNionia, potestatem redditiouis. Murmui'et iam, quantum voluerit, 
isnjuetis cogitatio mea dicens; quia es tu aut quanta eal illa glorifl, 
qiibiMve mcritis liauc obtmere Bperaa? Et ego fidiicialiter reapoudebo: 
MO ciri credidi, et certus sum, quia in carilate nimia adoptavit me, 
qaw veruc in promiaaioue. quia potens in cxhibitione. — In foato om- 



BJSHi sanctorum «ermo 1, 11: Quid potcst ( 
deo? Nonne iasta propbetam velut paunu! 
«t ri dittricle iudicetur, iniusta invenietur o 
tewr* tota liDmilitate ad miaericordiam 
«Itu« ammsi noatras. 

1) In vigil. nat. doro. aemio 5, &: Ante 
Bit, Frede PTgii le dwi, oomniittp tf ei. iacta i 
I. 



inatitia noatra coram 

atruatae reputabitur? 

inatitia noBtra? Prop- 

quae sola poteat 

la fidea qnaerencU 
1 cogitatiim tuum, 



trauen erretd^t SBem^atb notl^toenbig bie Sinie, toeld^ nad^^ 
2uti)tt emmmmt, ha ^nfotDentg ber blod inteQectueQe tme ber 
burc^ bie Siebe formirte @lQube jenem Sn^te entfprid^t nnb ba 
bie 93ertaufd^ung beS ©tauben^ mit ber Hoffnung, toelc^ in ben 
Dorliegenben @Q^en gelegentlid^ eintritt, nid^t bie S9ebeutung ^aben 
foQ, bie barm^erjige ®nabe ®otte^ au^ ber ©egenioart in bie 
3nlunft ju rficfen. 

3a bei einer Gelegenheit l^at öeml^orb eS bermod^t, ber 
SRed^tfertigung burc^ ben Glauben aUein c^arafteriftifd^en ^ni* 
brudf ju t)erlei^n ')• ®ic fpecififd^en ©ä^e be^ ^uluö rejiro* 



et ipse te enutriet, ut fiducialiter dicas: deus soUicitus eet mei. Isvere 
fidelis est, qui nee sibi credit, neo in se sperat, factus sibi tanquam 
vas perditnm, sed sie perdens animam suam, ut* in vitam aetemam 
castodiat eam. — In Epiph. dorn, sermo 8, 7 : Secure credamus in eum, 
secare credamus ei nos, cui nee potestas deest salvandi nos, oam sit 
verus deus et dei filius, nee bona volnntäs, cum sit tanquam onus ex 
nobis verus homo et hominis filius. — In festo annuntiationis Mariae 
sermo 8, 8: Sola spes apud te miserationis obtinet locnm, nee oleum 
misericordiaei nisi in vase fiduoiae ponis. . . . Dicat quisque in pavore 
suo: Vadam ad portas inferi, ut iam nonnisi in sola dei miserioordia 
respiremus. Haec vera hominis fiducia, a se deficientis et inniteniis 
domino suo. Haec, inquam, vera fiducia, cui misericordia non denegatur. 
1) In Cantica sermo 22, 7. Primo quidem veritatis dootor de- 
pulit umbram ignorantiae tuae luce sapientiae suae. Per iustitiam 
deinde, quae ex fide est, solvit funes peccatorum, gratis iustifioans peo- 
catorem. Addidit quoque sancte inter peccatores vivere et sie tradere 
formam vitae tanquam viae, qua redires ad patriam. 8. Quamobrem 
quisquis pro peccatis compunctus esurit et sitit iustitiam, credat in ie, 
qui iustifioas impium et solam iustificatus per fidem pacem 
habebit ad deum. Qui ergo iustificati a peccatis sectari desiderant 
deliberantque sanctimoniam, audiant te clamantem. . . . Passio tua 
ultimum refugium, singulare remedium. Deficiente sapientia, iustitia 
non suffioiente, sanctitatis succumbentibus meritis, illa suecurrit. Qoia 
enim de sua vel sapientia vel iustitia vel sanctitate praesumat soffi- 
cientiam sibi ad salutem? . . . Delicta iuventutis meae et ignorantiae 
ne memineris et iustus sum. Yerumtamen nisi interpellat sangois tuns 
pro me, salvus non sum. 9. In odore iustitiae cucurrit Maria Magda- 
lena, cui dimissa sunt peccata multa, quoniam dilexit multum, ioata 
profecto et sancta et iam non peccatrix, quemadmodum Phariaaeas 
exprobrabat nesciens iustitiam seu sanotitatem dei esse munut, non 
opus hominis, et quia non modo iustus sed et beatus, cui non imputa- 



US 



bucirt er in bem(e[6cn ©c^ema facr SIiifdJQiiinig, rodt^eä ßud) für 
i.'utt)cr flill. iiämlid) bafe ber iit ber üirc^e fteftenbc ©loubtgc, in= 
Sem er über feine Sünben Siciic cnivfinbcl, fi^ auf öiott DetläBt, 
xxiäftT bcn @oltlofeti rct^tfectidt, uiib il)ni Stieben mit (.yDtt Der= 
iAafft. 9llß bei anittelflnmb ju bietet Söirtuiig ber ©amtfiersig' 
Itit @o»e* gilt nur bn* iieibeii Stjtifti, unb al* (SSercc^tc raerben 
Sic bcjficftnet. TOeldicn burcJ) baä Srbanncn ©oflcä unb ß^rifti 
bif Sünben uergcben finb. I^iejet ©ebontengang crgiebt fic^ für 
Sctn^ntb an einem anbern Orte ber d)rtftlttf|en i'ebcnäonfid)!, alä 
iDtIcfitn bte [att)oIi|cI)e fietjte von ber instificatio einnimmt, ^iefe 
ioü ja erriäten, rooburcö ein Sünbct befäl)igt mirb, gute SSerfc 
titroori^uliringcn. SBaä t)in9egcn S8em[)arb in ber borlicgenben 
^nftigt nusfü^rt. bient jur ©rflärnfig bafnr, luie ber (SJläubige, 
wlrfict fic^ qI« Siiiiber etfennt, fid) bennot^ auf feinen gricben 
iiiil ®ott oerloffen barf. TiicfeiS ifi bic ©ituotion, in metc^er 
Vul^r bic gleiche Süfung \vi^ SSernftatb gcfunben bat. SlUerbing« 
ift bünn Don i'ntöer ber locitere ©c^rilt get^an roorben, biefe S8e= 
titiung uon ber ä cf| u l b ber Sünbe ouc^ an bem Drt, bcn bic 
lutbolifc^e Üelj-ce Don ber instificatio einnimmt, ü\h ben @runb 
ober bie unumgäng(icf)e ^^orauäfcgiing für bie Befreiung bed 
'^löubigcn won bet 3JJ a t^ t ber ©ünbe über ber Sicuieugung 
burtft bcn ticiligen ©cift geltcnb ju madjeii. So tft 6emertenä= 
Kimti. baii Sem[)QTb am anfange ber mitgctijeitten iRebe biefelbe 
Unterfc^eibung morfjt, inbem er bie ©eret^tfpredjung burc^ Sott 
aii Vöjung ber ©ünbenbanbe ber ^öcfäftigung äiii" l)ciligcn Scben 
oorünfteHt. '5?icfe golgctii^tigfcit bcv ©ebanten, Wenn er fic ant^ 
nur einmal gvlegentU(^ geübt ftat, ift ein fcfjwer loiegenbes 3[r= 
gument für boö 9Jc(^t t'ut^et'^ sii bem glcidien 3^erfaf)ren. 

3m (Donjen bicnt bie SBergcgenmärttgung ber Sierföftnung 
biitt^ ßbtiftuS unb bie Xtjcitna^mc an feinem Reiben einem an= 
bem SSillcreffe ber grömmigfeit, alö ba^jenigc ift, roelc^eä eben 
beiö^rt niurbc. ^a§ iöebürfnife ber Srgänsung, weli^eä ©ern^arb 
in bct fluf Sliriftuäi unb fein iietbcn gcriditetcn Kontemplation ju 
bcfrietrigen fu^t, gilt nic^t bem @cfüt)[ be^ (gläubigen Don fetner 
immtt niicber worftanbencn 5ßcrf^nlbung. fonbern bem Streben 
6e* in feinet ärt uolHammenen S^riften na^ bem ©cnuft ber 

bia den* peccatum. 11. Unde 
dtk. . . . Soli iosti, (|ui de eins 




J 



116 

Siebe ®otteÄ. (5^ tft fc^on jur ©pradje gefommen (©. 52), bag 
bte 3)et)otion, loeld^e SBeml^arb namentlich in bcn 85 ?ßrebiflten 
aber bad ^o^elieb in maggebenber 9Beife jum Sudbrud bringt, 
biefelbe Sombination innel^ält, in toeld^er äbätarb bie SScrfö^- 
nunfl ber SRenfd^cn über]^au|)t öerftanb. S)ie Siebe, toeld^e ®ott 
ben ©ünbem betoäl^rt f)at, inbem er fid^ in ber aRenfci^tt)erbung 
emiebrigte, unb in Seiben unb lob fein ©rbarmen funb t^at, ift 
ba^ ftetÄ gegenwärtige SRotit) um il^n tt)ieber ju lieben. Daffelbe 
tüxxb nun aber an ber aUegorifd^en Slu^Iegung bed ^ol^entiebed 
in eigent^ümlid^er SBeife geregelt. S)ie (Gegenliebe beö ©injclnen 
fefet fi^ ju bem menfci^gett)orbenen SSSort auf ben gu§ ber ©leid^- 
^eit, tt)ie e§ einer Söraut bem SBräutigam gegenüber jufommt, unb 
n)ie ed bem fd^on Don Slnfelm au^gefprod^enen ©runbfa^ ent^ 
fprid^t, ba§ an bem menf^gemorbenen ©Ott ber (Sinbrucf ber 
menfc^Iidöen ®Ieid^]^eit tt)irffamer ift, ate ber Sinbrucf be« Ab* 
ftanbeö ber ©ottl^eit. ©d^on änfelip \)at toenigften^ beiläufig in 
ber erften SRebitation ben 3;on beö ^ol^enliebe^ jur öejeid^nung 
biefer Situation bed Slnbäd^tigen anfingen laffen. geleitet aber 
finb beibe SÄänner unb i^re Kac^folger burd^ Ämbrofiuö, toeld^er 
juerft unter ber S3raut bed ^ol^enliebeS nid^t blod, n)ie ed biiffex 
fiblid^ tt)ar, bie ffiird^e, fonbem jugleid^ unb mit befonberem ®e^ 
toid^te bie einjetne gläubige Seele üerftanben i)Qttt. Stber fc^on 
Slmbrofiud f)at in bem S9u^ de Isaac et anima bie Aufgabe 
ber ftufentoeifen SSereinigung mit bem öräutigam bem in feiner 
%rt üoDfommenen @{)riften }ugemutl^et, ber ©eele, quae elevans 
se a corpore, abdicatis luxuria atque deliciis, voluptatibus- 
que camalibus, exuta quoque sollicitadine secalarium vani- 
tatum iamdudum infusionem sibi divinae praesentiae et gra- 
tiam verbi salutaris exoptet (cap. 3). Slmbrofiud fteUt bie 
Anleitung ju biefem QkU al^ allgemeine Siegel be^ d^riftlid^en 
Sebenö auf; bei Slnfelm unböeml^arb ift bie ©nfd^ränfung biefer 
Slntoeifungen auf bie SRönd^^genwinbe bcutlid^. Unb biefe^ ift 
fotgered^t. S)enn nur bie, tt)eld^e nad^ öem^arb in bem SRönd^g- 
ftanbe fidler finb üor ben ©orgen beä tt)eltlid^en Sebenö, lönnen 
bie ©tetigfeit ber l^ier erforberten ®ebanfenbett)egung leiften, unb 
aud^ fie nid^t o^ne Unterbred^ung burd^ 3)ürre unb abftum^jfung 
be^ ©effi^te. Sllfo nur biejenigen, meldte in ber Heiligung üor^ 
gefd^ritten finb, n^erben p bem ®enu§ ber Siebe unb ®nabe 
®otteö bered^tigt; aber in bie Sarftellung biefer Kontemplation 




ipidt ttiit^ nirt)lS uon aiierfgcrcc^tiflfeit iiiib iycrbieiiftUc^feit bcr 
uulgärcn ?lrt t)inciii. 'öiclinelir ift bic noüftanbigc SSersidjlIeiftiinci 
out eigenen Söertl) nod) bnburc^ Dorgeidiriebeit, bafe iilä ^ic' ^^^ 
l!icb(«f>efie^ten5 jii @ott bie SL'ercimgung mit it)m ^ii ginem 
®€iitc in ?lu*fi^t geftcUt roirb. ^ie ©riechen Ijotten bic jU' 
[iJnfticic ©cmcinidiaft mit @ott unb bie Seligfcit in bic Unöcrgänfl' 
üc^teit beä 1?üfeiii3 gefegt. 9Jeml)arb (de diligendo deo cap. 10) be^ 
jrii^nct iai jcnfritigc Qie\ aU ben @rab ber i'icbc ©ottesJ um 
ieintr felbft roillen, in welkem bk ©eck imv @Dtt empfinbct. 
Se affici deificari est. 9[bcr bieje (inmfinbunfl ift bocft ju Ucr= 
^ni als 'Act bcö intellectna, alä bic §öl)c ber contemplatio, 
<tlfl bae ©tftaucn ©otteä. *3!Jte(c Sciftuiifl nun ift «orübcrgctjeiib 
[i^Dtt in bct niqftifi^cn Slftafe ju crrcic£)tn, in roclt^et bic ©cclc, 
mm allem obgejogen, ®ott fo genicftt, alö lucnn aiic^ fie öUcin 
Üit @ott ba TOörc ')■ Sernf)arb folgt in bev Scftimminig bct 
Sri bei Äcligfeit lebiglid) bcr Mcgcl Stiigiiftin'ö, bofe baö einige 
L*fben in ber Srtcnntinfe ber ^*fl()r[icit beftcl)e, bnß biefc nic^t bie 
^orauöfcßimg. fonbem bcr ßoljn Scr prattifciien Iblllommcii: 
^t fei, boR man a!(o, nm ®ott ^u ctfciincn, iljii üorljcr lieben 

18. ©ö ift atfo eine ffllfcftc 9(j|ft(St, biife bcr lotctnifc^c fta= 
iriÄmn* bc5 SJiiltcIaltcrö in ber 'Pflege bcr Sßjcrfgerec(|tigfcit 
unb S'erbienfllictiteit aufgetie. grid)cinwngcn bcr ?Irt mögen am 
anfange bc^ 16. 3a^rI)Hnbcrte fi^ uorgcbrangt Ijoben, unb bur^ 
nmninolifttfc^e Tljeologic (©. 105) gcbccft luorbcn fein. Sienn 
Vut^i jn bcr ©egcniDirtiing gegen bicfen 3»g ^eö fatI)oIifc^en 
iHiriftcntlium« aufgcforbert twiirbe, fo I)at er Jelbft öm beften gc= 

1) De ooDiideralione V. 2. Omniam maiimuB (oonaiderBtionts 
m tat), qoi iprcto ipso osn remm et gmuuum, non ascensorÜR 

■ed inopinntiB eKoesiibuB avoUre inUirdum oonterapIsDÜo ad 
iUa nblimia oonsuevit. — In Canl. sermo 6fl, 8. Diiio spirituftlibos. 
goi ia robii «nt, mirum qiiidem sei veru 
kattd Mom vidore, quam ai sola videatur s deti. 

2) De moribn» ecol. oath. I. 24, Aeterna »iti 
nHUtia. Quamohrem videte, quam aint perverai, 
tar iti ooguitionum traderi?. nt perfecti simun, cut 
tSt frmem'mm. Qaid ergo agendtun est, aM ut cuti 

I voltimua, prius plena caritate diliganiD.i, 



1 vidcDtcm 

I eat ipaa cognitio 
qui seaa arhitrau- 
1 perfectomm ip« 
1 ipRum, quem co- 



118 

toufet, ba§ SBcm^arb unb anbete SÄänner be^ SDKttelalterd bic 
©nabe ®otted übet bte SSetbienfte et^oben ^aben. Unb loenn am 
äuögang be^ SÄittelaltetS bie 93ettelmön^e, g^anctScane^, 3)a* 
mtntcanet, Slugufttnet al^ bie ^auptpottone be^ üenoeltltc^ten 
(S^tiftent^umd etfc^einen, fo bietet bie petfönlid^e Haltung bed 
Iieiligen gtancidcuS üon äffiffi einen eigen tpmüd^en 6on* 
ttaft boju. @t \)at feine tefotmatotifd^e @inn}it!ung auf bie 
jtpeite §älfte be^ SRittelaltetÄ, in bet äuöbe^nung bet 9la($f olge 
ß^tifti auf bie üollftänbige Ätmut^ feinet Dtben^btubet unb in 
bet ^tebigt bed (£t)angeliumd bet 93etgptebigt an bad c^riftlid^ 
SBoIf, ausüben lönnen, tt)eil feine teligiöfe ©enialität fid^ tfidf^alt- 
lod, ol^ne itgenb ein Setoufetfein üetbicnftlid^et Seiftungen, bet 
©etoifel^eit bet göttlid^en ®nabe etgab. ©ein ganjed Sebendbilb 
entfptid^t bet ©ebanlenteil^, in bet fid^ Setnl^atb übet bad la* 
tl^olifd^^t^eologifd^e ©d^ema bet göttlichen @nabe unb bet menfd^« 
lid^en gtei^eit etl^ob. SBat nun Setn^atb tto§ feinet t^olo* 
gifd^en 3nfttuction im ©tonbe, fid^ übet bad 8ett)ufetfein bon 
SBetbienften gegen ®ott ju et^eben, fo toctt gtancidcud getabe 
butc^ ben ÜRongel bet t^eologifd^en äSilbung baju befähigt feine 
Xl^atftaft in bet SRad^a^mung bet Sltmut^ unb in bet (Stttagung 
beö ÄteujeÄ SI)tifti butd^ bie üollftänbige SSetjid^tleiftung auf 
eigenen petfönlic^en SBettl^ ju ibealifiten. §iebutd^ l^at et feine 
natfitlic^e Kaiöetät teligiöd in einem SRafee üetßätt, ba§ bic 
Snnigfeit unb äuftid^tigfeit feinet S)emut^ aHeS aufmiegt, »ad 
an il^m ald unfteie SKaniet und beftemben lönnte. ©oHtc cÄ 
nöt^ig fein, bied ju belegen au§et butd^ bie liebetooHe ßeic^nung 
feinet Sebend, tt)eld^e tt)it §afe öetbanfen, fo toettoeife id^ auf 
bie äudfptüc^e, in tt)eld^en gtancidcud nid^t nut aUed, ttKid et 
leiftete, auf ®ottcd ®nabe unb SBeidl^eit jutücffü^tt, fonbetn fid^ 
felbft, abgefel^en baüon, aU nid^tig unb fünbl^aft bejeid^net *). 



1) Sftancidcud Don ^Cfftfi. (Sin ^eiligenbitb. 1866. ^ndbefonbete 
@. 109 ff. 

2) Frandsoi Assisiatis et Antonii Padaani Opera ed. de la Uaye. 
Pedeponti 1789. Colloquium 4 (p. 71). In veritate dioo vobis, domine 
episcope, nullum tantnm mihi ooncessisse honorem, sicat tu hodie. 
Alii sanctum, alii beatum me in dei operibus proclamant, mihi, non 
deo, honorem et gloriam tribuentes; sed tu hodie pro tua sapientia 
vere me honorasti, deo, quae sua sunt) laadem et gloriam tribuens; 
pretioBum a vili separasti, deo sapientiam et virtutem, mihi insoitiam 





Uiitet iciiicji dEa(^fül()ecn tft Stiitoitiii» üori ^a1)ua },mai 
liotl)ctriil)cnb batQuf gcrit^tet, bie I^eiliial)me an beni !Öufe|aerü= 
mmt unb bec ©iii^ariftie, foloie bie ?tnftreiiguncicn bei £c6enä in 
bet Stat^fBlge Sl)riftt ju emi)fcf)lcn; aÜein a\iä} &ci ibm fcf)It bet 
ilißrfgang auf btc @nabe öotteS nic^t. 2)iit SBorten SSern^arb'fi 
jprii^t et cfi auö, in bcm ölute 6£}rifti beroö^re fid^ bie SBomf 
^ftjigkil (Lottes fo ftatt, bafe 9!ieinüiib üon iljrer Söirfunfl s»' 
tatfgcioiefeii luerbc, unb umfleK-^rt fei nur berjciiific Hio[)r^Qft be> 
rnütbifl. n»eld)cr fif^ rocbct megcn guter aSerfe {oben noc^ fic^ 
bemfilftig nennen lQ§t, (onbem gcgtn bie önabe ©utteä in i^m 
nur nit^tig ^ifecn inill '). 

2Senn uon ben Söettctorben ein flarfcr antrieb jui aSerf= 
gcrei^tiflfeit unb f^üi ©enauigteit gottetSbienftlictjen ßebenä im 
Sinne bct fiti^lii^cn Slnftatt ouäflcgangen ift, |o (jaben fie äu= 
gleit^ bcr ^legc bcr SJi^fti! in Üjrem Äreife eine Stusbe^nimg 
Mrfi^üfft, mcli^e biefe auf bie (Snabe Softe* unb bie erlßfenbe 
l'ifbe (SI)ri)ti fi^ griinbcnbc Ott ber grömntigfeit UotI)etni(^t geloon> 
iten ^attc. iSinicIne iüerttctei biefer iStdjtung Ijüben nun au^ bieSln= 
ctlentiiHtg Sutfjct'ä gefunbcn, namentlich bet ^Jorninicüuct Soljflmi 
Sanier unb bet ungenannte fpticftet beä bcutfcöen DrbensJ in 
Stanffutt, beffen Jractot ßutljec t^cilweife 15H5, üoUftiinbig 1518 
unter bem Xitel: „Sin llieologia beutfc^" ^ot btuden loffen. 
*on biefer Siftrift beteunt Cutlict in bcr SSottebc, ha^ et QUä 
ifit nöt^ft ber fflibel unb aiuguftin baö 9)iciftc erlernt Ijabc, roaä 
@ott. Sbriftud, aJicnjd) unb alle Singe |eic». darauf ^in ift 
bitfe ©{^rift in ja^Itcid)cn SluüflaCjcn im 16. 3al)rt)unbcrt oon 



et vDitatei 



1 approprtasti. Coli. 11 (p. 73); Videor, ait, mihi maximas 
1. Cui cum frater tliceret ex. adverso: hon nnn potes, pater, 
Te neo sentire, aubiunxjt: Si quantumcunqiie floe- 
lerMum homiDem tanta fuisset Christus mieerioorciia prosecutiiB, arbiträr 
Mne, quod mnlto quam ogo deo gratior esset. 

1) 3n bei üngcföbrltn ^tuägabe Icinci SScrtc Sermones domiiiicaleg 
et de tempore p. 2. Sanguis Christi clamat niiaericordiani. Securum, 
o homo, babea aocesBum ad deum, ubi habea malrnm auto filium, et 
filitiDi ante patrem. Mater ost^ndit filio pectus et ubcra, filius oateu- 
dit paLri latus et vnlnera. NuUa ergo ibi erit repulsa, ubi tot caritatis 
occmrunt insigni». — Pag. 18. Vere humilia uon elevatur, cum de 
bono vitae odore laudatar; varuB, inquit Bernhardus, humilis vult vilis 
hsberi et uon biunilli praedicari. 



120 

ben Sut^crancrn gelefcn toorbcn *), ebenfo im 17. Sa^rl^unbcrt 
2:auIcr'Ä ^rcbigtcn. aber überbieg ift im 17. 3al)rl)unbcrt, m^ 
mentlic^ burd^ bie Äufnal^mc 2xiuler'fd^er. ®ebanfen in ba* brittc 
»uc^ beg aaSa^ren ß^riftent^um^ üon 3o^ann «mbt, bie SW^ftif 
bcä SDKttelaltcrg in ben aSfetifd^en ©ebraud^ berSut^raner toic» 
ber eingeführt tt)orben, nid^t minber bie Hauptmotive SBem^atb'Ä 
in ben ©ebrauc^ ber ?ßuritaner in ©nglanb unb ber 3frinen in 
ben SWeberlanben. SJemgcmäfe ift ©pener*) ju bem Urteil flc» 
fommen, 3xiuler fei in ber ©d^ä^ung ber ®nabe unb bed SBcr* 
bienfteg S^rifti fo toeit üorgefc^ritten, ba§ er in ber X^t bie* 
jenige SRed^tfertigung le^re, »eld^e eigentlich au* bem ®Iaubcn ift 
^raud fei ed erßärlid^, bog gelegentlich ^at^olifen ganj frei bon 
ber SSkrfgered^tigfeit finb, tt)elc§e i^re Sirene üorfd^reibe, mö^renb 
umgefel^rt loerfgerec^te Jtotl^oUten bei ^uler bad nid^t finben, 
ttjorau« fiut^r jum Sieformator geinorben ift. 3)iefeÄ Urt^ 
^at bid auf bie @egenn)art übertoiegenbe ßuftimmung bei aÖen 
gefunben, ti)el(^ $ietiften finb ober auc^ nur fic^ Dom $ietidnutd 
imponiren laffen. ^ild toxtb fiut^g £e^re fiberl^upt für ein 
Stefultat ber mittelaltrigen 9R^ftif ausgegeben, tl^eild bie nä^fte 
S^ertoanbtfd^aft jnnfc^en beiben angenommen, unb ber reforma« 
torifc^ ©^rafter ber äR^fti! baran nac^gen)iefen, ba§ mit il^r 
^agen über bie ÜRigbrau^e in ber ^rd^e ^anb in ^nb ju 
ge^n pflegen. S)ag biefe Slnfic^ten ber 3ut)erlaffigteit entbehren, 
lann man gerabe an ©pener'^ Urteil erfennen. @r öertoeift \a 
barauf, bafe 5iiuIer'Ä ^bigten auf i^n felbft unb auf einen ge* 
Ujöl^nlic^n ^t^olikn ben entgegengefe^ten (Sinbrud mad^. S)ad 
ift nur möglid^, h)eil auc^ in XauIer'S ^bigten bie an SBcm* 
^arb nac^geuiiefene Sigent^ümlic^teit bed lateinifc^en ^at^oIicidmuS 
obtoaltet, namlic^ äBert^legung auf gute SSerfe aU SSerbienfte, 
unb bana^ bie 9{eutralifirung berfelben burd^ bie ^tonung ber 
©nabe. ^ein bad f^t eben ben ©inn, baß bie leitete Setrac^« 
tungStoeife nur bei benen angezeigt ift bie fi(^ ^Serbienfte ertoorben 
l^ben. ^dl^alb ift unter ^t^olifen bie boppelte ©timmung 
möglich, bie ber äS^ertgered^tigfeit, loelc^ ftc^ an bie erfte ^m^ 



1) ^l in Srtans ffeiffer*« ^toeittT «lu«gabe ber S^tift (1855) 
bic «ombc. 

2) IBebmlfii I. 6. 81S. Ol. S. 714. 828. IV. €. 67. Conrilia 
I. p. 270. 



121 

ning tnApit, iiiiti luietKrum bie bei tSigebuiiii in &ottta (^nabe, 
iDtId)e auüf btr ftmeiteii 3o'^l'fi'""9 tiai^tommt. ©pener begebt 
nun bcn Sictl)uin, btc leitete ^la\\e als 9(uSna[)mc inncrlja!^ tKü 
italbolicisiniiS felbfi ani;iiic{)en ; tnij) ift feiner ieine S^o^DC^^iKfl. 
baß bic [atljotitc^e ©timmung für bic önabc mit her leftr^aftcn 
l^fiiDcnbiina berfelbcn burc^ Suttjer jui Öegrünbnng bct i.'el)ic bon 
Ixi Rechtfertigung fic^ berfc. Spencr iiberficl)t babci ben Unter= 
\iffliti, büft QutEier'9 fiet)re jcbe @eltitng uon ^crbicnft ani^fc^ltegt, 
»äötenb louler nic^t anberö mie bie übrigen atäifetiler tinb äJtQ: 
Witt beä 9HittelalterÄ ben SJeiAic^t auf SßJcrtf) uon iSeibienften 
nur foliften ßbriften jumutöef, idcIc1)c in bei Heiligung Doige^ 
((btitten, meiere olfo SJeibicnftc criuorben Ijaben. 23cflen biefc* 
atftanbcfi ift ;^u urtheilcn, bafe Sutljcr bcn gcmeiiifamen ©ebnnten 
Don ber önnbc aubcrä Dermenbet ^at atä bic SÖiänner beS SRitteU 
iiltne^. ällfo feine Sel)re von berSJecl^tfertigung iftnic^t eine einfache 
[«aifdie Jolgcrung au* ber [at[)oIiftften grömmigteit, roelt^c i()ie 
^4c in bet SScrcinignng mit ©Ott buic^ ein Srienncn fut^t, in 
mläitm baä -petfönlifftc Sdbftgefiiltl in boö oHgemetnc gÖttlidjE 
Scfcn flufget)!. 

■flUerbingä ift ta^ ^Problem, rccI^cS burc^ bie iü!l)fti[ imb 
iiuttÖ bcn rec^lfertigenbeu ©laiibcu nn übtiftu« gcfüft luerbcii foU, 
iNtlicIbc. 3n bcm einen roie in bcm cinbcrn Ji^Ile foH man bei 
aeligteit gegcnraöitig gcroi^ nietben. 9tC[ein meitei rct(t)t bic 
Utbewinftiinniung nictit, "iDcnn in ber mqftiji^en SJeicinigung mit 
©Ott wirb man angcroiefen, bie eigentliii) nur juEünftige Seligteit 
in momentanem @cnufe Dorwcg^unctjmcn. 33cr ©laude aber, in 
wildem mon bic 3)cc5tfcitigung bitrc^ ßbriflwS erfäfirt, foß bic 
aliflfeit bem gegcnroäitigcn Seben cinüerlciben, um fo and) bie 
.Wlfinftige fidier ?,u flcUen. }^üi ben 3Ji5ftifer fommt cä ju jenem 
3tt)ec[ baronf an, fic^ mit ©Ott ju uercinigen, fo roie berfelbc nat^ 
itt neupiatonift^en ^Boronäfegung fid) negotiu ^ur SJcIt oer^alt, 
will ün fic^ bas leine, aber cinct) boS gonje ©ein barftellt. X)cä= 
Hi roirb ber 2Jti)fti[er angeleitet, feine ©teUung ^ur SSelt eben= 
iolls ju Dcrnciuen, burd) bie 3Jetrad)tung ber göttlichen Üicbe in 
S^riftus fic^ öon bem Sntercffe an ben roeltlicften SSütern nnb 
Mn leinen öege^rungen banac^ s" trennen, ferner überftaupt ben 
Sillen feiner Stetton unb feiner iiibiuibueücn crcatiirlidjen öe- 
nnt^it ju enttleiben, iljn in bie ßcibcntlicfiteit unb ©clnffen= 
1 fjefbiufeöen, um unter biefen SJcbingungen cntroeber bic 



122 

©d^Qiumg ®ottcö ju crreidö^n ober bircct in @ott ju tierfmfen. 
S)enn bic reine ©rfenntnife ®otted, tok er Qn fid^ ift, foll nad^ 
^uguftin unb ^oma^ ebenfo jur Serfd^meljung bed @(^uen^ 
ben in ba^ äSefen ®otte^ führen, n)ie nad^ ber anbem SKet^obe 
be^ 3)un^ bie SSeräid^tleiftung auf ben inbiöibueDen SßtQen ben 
crcatürüc^en ®eift in ba* reine ©ein ®otteö öerfd^toinben Idftt ^). 
T)ieje^ B^^^f ^"" ^ ^^^ ^^^ öwf STOomente ergriffen ttnrb, ifl 
nad^ ber ^erfunft unb ben beutlid^en Sebingungen ber m^ftifd^ 
9Retl^obe ebenfo pantl^eiftifd^ tok afoMiftifd^ gemeint 3!ftan ffot 
\i(S), inbem man and) nur momentan @in ®eift mit ®ott totrb 
(1 Äor. 6, 17), perfönlidö baöon ju überführen, baft cigentlid^ 
©ein nUr al§ ®ott öorjuftellen ift, unb bafe bie rid^tige 88et* 
neinung bed creatürlid^en ©ein^ burd^ fd^auenbe ®otte^rfenntnt§ 
ober burd^ DoQfommene (Selaffenl^eit bed SSiQen^ ben fOtzn^ifm 
notl^n)enbig in ®ott aufgeben lögt. Obgleid^ Sutl^er ed letber 
nid^t für eine tlufgabe gead^tet l^at, ben begriff Don Seben unb 
©eligfeit beutlid^ ju mad^en, bie er atö bie einfädle SBirfung ber 
93erge6ung ber ©ünben behauptet, fo ift bod^ ftar, bag er bamit 
nid^tS meint, tt)a* in bem ©d^ema be^ ^ant^eiömu* ober ge* 
mag bem @a^ 99eml^arb'd: sie affici deificari est, ju Derftel^ 
toäre. 3n ber ©tedung bed 9){enfd^en ju ®ott, todtf)^ burd^ bie 
JRed^tfertigung im (Stauben georbnet ift, wirb ber fefte bleibcnjbe 
Unterfd^ieb jttrifd^en bem (Snabentoillen ®otteÄ unb ber inbiöibueH 
|)erfönlid^en ©eftimmung bc§ (Staubigen für (Sott unb innerl^tt 
ber SBelt öorbel^alten. SBenn jebodö bie SRed^tfertigung ober ©fin* 
benöergebung bem (Staubigen unmittelbar bie ©eligfeit möglid^ 
mad^t, fo n)irb biefelbe nad^ anberen (SrSärungen Sutl^'d ebeitfo 
fel^r in ber greil^eit über bie SEBelt, wie in ber burc^ feine ©d^ulb 
mel^r gel^emmten gi^eifjeit ber SBere^rung ®otte^ beftel^en. hierin 
wirb ba^ SSertrauen auf (Sott ftd^ bewö^ren, weld^ed aud ber 
SSerfö^nung burd^ S^riftu« l^eröorgel^t. S)enn im ©ünbenftanbe 
ift baffelbe nid^t möglid^, unb feine Äbtoefenl^it ift ba« ^aupU 
merfmal an bem Unwert!^ ber ©ünbe im SSergleid^ mit ®ott 
SlUerbing« wirb nun aud^ für bie SW^ftif ba§ ?lttribut ber d^rift^ 
lid^en greil^it in Änfprud^ genommen, unb namentlich in ben (Jr^ 
fd^einungen ber (Sebulb nad^gewiefen. @iner armen b. f), m^fttfd^ 
gerid^teten ©eele finb aUe 3)inge gleid^, lieb alfo leib, fd^elten oI* 



1) Sgl. (Skf(^i(^te bed $ietidmu« I. ®. 469-472. 



123 



lobtn. «nitut^ als iHeit^ttium, 3Öe£) ttl* SBof)!. gcini ül6 3rciinb. 
®i«f iolc^e ©eck ferner fieroäftrt bie ooUc SÖJirtuiiß ®otted in 
i[|t bitrc^ bic übeniatiirlii^en Xtigeiibcn (glaube, ^uoctfic^t, Stcbc *). 
nUeiti bic gleichen äliorte l)aben im Sinne ber ÜJfqftit tinb im 
Sinne Üuti)et'* uctfdiiebene ©ebeutuns, fo flerotfe in bein, einen 
5nDe baß 5)nfein im filofter, in bein anbern bau SBerafälcben in 
kr menft^lit^en @efea[ct(aft alä ber Spielraum für bie ©emä^runfl 
Iwr Ji"^'^*'* uorouÄgefctft ifL X>er SOiqltitcr eritrebt bie 5Jer= 
(inigung mit ®ott auj bem 3Bege feiner Sefreiung uon ber 2Be(t. 
Viitfeer meint bte Stei^eit über bie SSeit ali bie golfle beä biirt^ 
ßhriftuä bem geborenen aber wcr(öt)nten Sünber möglid) gemad)tcn 
^trauenä nuf @Dtt. 

Xier Mbftfliib bicfer bctben aimlogen iUiethoben ber flcgen^ 
lüärtigen ^eifsSfleiüi&^eit roirb unter eDangelifcl)en Xi)eologen beö= 
iwtb nicf)i bentlic^ crtannt, weil, roic gejagt, jeit bem Slnfonge bcS 
17. 3a^rl)unbett^ bie mi)i'ti(c^e ^römmigfett ttjeilä in bollcm Um= 
long, tt)eilä in necfürjter ©eftalt in ben eUüngeIt(d)cn Äiri^en 
nicber ^ufiiat)me gcfunben l)at. Xaburc^ loirb ba« ^iftorifc^e 
llrttjeil ii6cr bie %xt unb ben Süertl) ber mittelaltrigen (Siefnmmt= 
cq'c^einuiig getrübt. 'S'emgemQfe üfacrjcl)d^t man aiid] biejenigen 
mgftijdjvn (Elemente, mit meieren Cutter not (einem rcformotorif^cn 
auftreten fi^ gelragen, unb bie Slnertennung, H)el(f)c er lauler 
mib bem äierfaffcr ber „bentfc^en X^eologie" jugemenbet I)at. 
^n ti Cann nid)t ^lueifclliaft fein, bafi ^Illeö mai i!utt)er au& 
bem legtcm Suc^e gelernt ^aben toill, bei iljm eine ganji anbete 
iSeftolt gciDonnen l)at, unb ba& fein reformatortfd)et ®cbQnten= 
titiÄ nidjt biird) ben 3nt)alt bcS löud)eä beftimmt morbcn ift, 
Diejemgcn, nicld]e ajhjftif unb tutljertfc^e SHeformation in Sinä 
t«{)ncn, pflegen aUerbingS babci ben l^ßorbelialt ^u ma(^cn, bag 
iroifdicn gefunbcr unb ungefunber aJiijfti! ju unterfd)eiben, unb 
bafe boÄ 3)(ertmal bec letztem in bem (jantljeifttfc^en 3'el ober ber 
pantlKiftifdjen JßorauSfcffung jn crtennen fei. Snbeffen btefeä 
Werlmal ift ber SRijftit fo eigenlfiümltd), bafe fie o^ne baffelbe 
in ihrer %rl untJoUflÖnbig ift. Unb menu man ^oljann ^rnbt 
olä ißertrcter gcfunber 3Kt)itif auöseic^nen roürbe, in bet SSornuß: 



1) S9I. bn« „SuA Ben Stiftlidifr Wniiulb", lucldtcB biäl)ct unricbliB 
ZoBln iU0ef4ntbtn louibc, unb meine llnKTfu^unn btffelbcn, in 3^'tf<t)rift 
für Stitit)tnßt\ä)i<iitt IT. €. 337 Ff., indbefonbcve 6. 313. 345. 



124 

jc^ung, baß er fid^ pant^ciftifd^cr Folgerungen enthielte, fo ift er 
in ber SReprobuction Xauler'ft^er ®ebanfcnrei^en im brittcn Sud^ 
be^ „SBaI)ren S^riftent^um^'' folgered^t bal^in gelangt, bafe ®ott 
ber ©eele, tt)eld^e fid^ i^m burd^ SSemeinung i^re« eigenen SBiOend 
rein leibentlid^ ^ingiebt, fid^ felbft geben m u 6 , ntd^t blo^ au^ 
®nabe, fonbem aud^, toeil bic Statur feine leere ©tatt 
bulbet (Sap. 2, 4; 5, 1). S)a« fyxt bcn ©inn, bafe in bte@celc, 
»eld^e fid^ i^rer Sreatfiriid^feit entlebigt, baS aUgemeine ©ein, 
®ott einftrßmt, tt)ie bie Suft in ben luftleeren SRaum. %Qerbingd 
ift biefe« SBefenntnife öoQftänbiger 9K^ftif bem ßutl^eraner mel^r 
au« aSerfel^en gelungen. S)enn bic SR^ftif fann eigentlich nur im 
Slofter ober in ber ®inficbelei gebei^en. S)e«^alb begnügen fic^ 
Slrnbt unb fein SRad^folger S^riftian §ol^burg *) mit einer Auf« 
gäbe, bie hinter ben SKuftem be« STOittelalterS jurüdtbleibt 3)ie 
3)cüotion biefer ©pod^e n&i)xt fid^ in erfter Sinie an bem öer* 
trauten liebefeligen Umgang mit bem ^Bräutigam S^riftu«, ber 
®otte« ßiebe in feinen SKül^feligfeiten unb ßeiben öergegentoärtigt 
3)urc^ biefe ßontemplation unb über fie l^inau« wirb bie SSereinigung 
mit (Sott crftrebt, loeld^e bie 3nbit)ibualität be« fjrommen momentan 
auffangt fo bafe er mit ®ott Sin (Seift loirb. S)ie Sut^aner 
beö 17. 3al^r^., loeld^e nid^t im Älofter leben, öerjid^ten in fel^r 
crHärlid^er SBeife auf biefe« S^tl, unb begnügen fid^ mit bem 
Siebe«f piel ber Kontemplation be« §eilanbe« ; aber fie beuten biefe 
Uebung ber ^tjantafie aU ben Snl^alt ber unio mystica, toddjt 
fie ate ein Attribut be« aQgemeinen §eitöglauben« in Änfprud^ 
nel^men. 3)a« ift bie ßinie, auf meld^er fic^ aud^ ber Änfprud^ 
ergebt, bafe man gefunbe 9K^ftif pflege gegen bie ungefunbe 3J?^ftif 
be« SKittelalter«. SBenn baSjenige gefunb ift, »a« in feiner Art 
öonftänbig ift, fo ift bie Sopie ber 9Ä^fttt bereu man fic^ feit 
bem 17. 3a^rl^. im ^roteftanti«mu8 bebient, ungefunb. 

3)en Slbftanb jnrifd^en ber ^Reformation be« 16. Sai^rl^. unb 
ber SR^ftif fann man nod^ fe^r beutlid^ an ben ©d^riften öon 
3o^ann öon ©taupi^ öergegenn^ärttgen, toeld^e biefer ®önner 
ßutlier'« in ben Sauren 1515—1518 öerfafet \)at •). S)a er öor* 



1) Theologia mystica. ^rnfterbam 1655. 56. 

2) 85on ber Slo^folgung bc« tutHißcn Sterben« dr^rifti, 1515. De ex- 
secuiione aeternae praedestinationis, 1517 (^eutf (^ Don S^riftopl^ S^eurl). 
$on ber Siebe d^otted, 1518. hingegen ift bie @^rift fßon bem ^eiligen 



ifex in biefer SRic^tung nici^t tt)ätifl geltieien ift, uitb ba bic @(^rift 
ilbcr bie 'äßräbeftinatioii, meiere auö ^tcbtgten, bie er jii 9Iünt= 
btrg geljQltcii, cnlftaiiben ift, auf bie Sdivegung biirc^ Sluguftin 
ft^lieBen löftt, fo t)at ©taupi^ o[)iic ^roeifel bamöis einen ®in= 
flufe burt^ Vuti)et erfaßten. Um fo mc^r intereffict eis ju fe^eii, 
boB Staiipi^ bomal* getabc bie gomien latt)0lifcftet VcfirE unb 
fat^olift^et S)eDüIion aufä ©fnaufte iuiic gemalte« I)at. Sr be= 
femtt fii^ unumiDunbcn jum latl)oIiid)en ©cgriff Don ber 3ufti= 
ficatioit. „3>er ©iinbcr wirb Sfi^cc^tfertigt burc^ bie 9Bicber= 
gcburt. 3n biefer neuen ©ebntt ift bet Siater ®ott, bie SKuttcr 
btr ©ine, ber enucrfenbc ©amc bas SJcrbienfl ßt)rifti. 3Bo biefe 
liinge äuiamincnfommcn, ba luirb geboren bet ©ol)n ©otteä, ge= 
rechtfertigt iinb Icbeitbig gema(i)t burc^ beii (yiniiben, ber tüirlt 
bur*^ bie Ciebe" '). Sr abuptirt bemgcmäfe auc^ ben Segriff bet 
Scrbiciiftc, rocli^c uon C^utt buvc^ bie Seligtcit belu(|nt iiierben; 
über CT beeilt fid^ t)injUäufü9cn, boy, ba bie (Slnabc ber OJruHb 
ber guten 9Berfe ift, ©Ott feine eigenen ffierte in bem 3uftiftcirten 
belu[)ne. "Senn roie ©ott ber le^tc ruitfcnbe ®runb in alten 3Öit= 
(ungeii ift. fo l)üt er auc^ anbere SSerfc in un^, bic SSerte beÄ 
formicten @kubenä. IDiefe geljen auö Don ßt)rifto unb gcEjen in 
(£^riftum (als itiren ^iDfc^l- ""i' finb fllfo i" befonbetem ®inne 
3äeife El)rifti genannt, wieioot)! fie formüciö (formell) im aJtcnfcf)en, 
unb onbcr* nic^t ©otteä, benn burt^ eine blofte auätoenbtge iBe= 
ncnnung, in t^nen felbft aber enblic^ gemeffeu unb gefc^affen finb. 
föcil fic aU 3Scrfe einer enbltc^en ^erfon Don 9(atnr enblit^ finb, 
fo mag auf iftnen feine ©erct^tigfcit eincä unenbÜc^en ^erbienfteS be= 
grünbet werben, bem pf[id)tbar rcäre unenbli^c ^lo^nung; ift 
aber ©Ott entfdjloffen, fid) für biefelben ju geben, fo ift ti eine 
Onobe, feine ©erec^tigfeit. ^ieraeil bie iNec^tfertigung eine ©nabe 
ift, baju bic ^nncljmung ber SSJerfc in ber ©nabc and) eine ©nabe 
ift ju ber Sierbienftnife (mit SunS gegen 3;^omaö) unb bann bie 
SSerbienftnig (£^rifti unfer niorben ift burd) bie ©nabe, bemnacf) 



mfilm 4ri[tlic^ Qllaubeii, l^iSB, bin auficr (Vcbvaudi jii laffcn, lucil fic 
von Sui^'S refonnatorif(6cni ©cbanfcntrciiS nb^ingifl ift. Sgl. Oper» 
Tol. I. ed. Knaake, 1867, ferner Stliv. Hie b«utf[f)c «utiuftiiicnaniirfr 
1 unb Sobann "on Stauyiß. 1879. 
1} De praedestinationis oxBecutione, in ber lieber je duiit] tion Sfiti' 
I e*™rl. § 34. 36. 36. «. o. D. S. 145 



126 

tt)irb billig ba^ ganje ßcben cinc^ ©Triften ber Onabc jiigcciflnct, 
unb in il)m au^gclöfd^t, toaö man ber Dcmünftigcn ©reatur ju^ 
mifet, nSmli^ bic §crtfd^aft ober ©igentJ^um ber SBerfe, öom An- 
fang big anö (Snbe. 3)cnn ber Stnfang bc^ SSerfg bc^ S^riften* 
mcnfd^en ift bie SSorfel^ung, bie STOitte bie SRed^tfertigung, ba^ 
@nbe bie ®Iorificirung ober ©rogma^ung, toefd^e« bann aSir- 
fangen finb ber ®nabe unb nid^t ber Statur^). 3n berfelben 
3Bei{e ift ©taupi^ aud^ in bem J^ractat „9Son ber Siebe ©otteö" 
barauf bebac^t, alle menfd^Ii^en ßeiftungen ber öorau^ge^enben 
göttlid^en Siebe unterjuorbnen. ®g grfinbet fid^ unfere Hoffnung 
feine^ipegS auf bie Siebe, bie ipir ju ®ott l^aben, fonbem auf bie 
Siebe, bie ®ott ju un^ l^at, auf bie SBerfe, bie ®ott in un^ toirft- 
6r erflärt fid^ be^l^alb gegen bie Xl^orl^it ber SKenfc^en, bie mit 
i^rer ®utii)at fi^ unterftel^en, ®ott nad^ i^rem ®efallen ju be*= 
»egen unb (Sott mit i^rer grömmigfeit ju ft^ ju lodEen, n)ie man 
ben ©perber jum Äa^ lodEet. 3)iefe nel^men fold^er ®eftalt ber 
Sarml^eräigfeit ®otte« i^ren gebü^renben ®ortritt, tragen beflerftc 
Sumpen ju SKarft, tooÜen ®oIb mit Unflat bejal^Ien, au« i^rer 
©ered^tigfeit feiig toerben, unb gebraud^en, il^re I^orl^eit ju öcr^ 
fed^ten, ber l^eiflgen Se^rer ©prü^e, bie fie noc^ nid^t t)erftanben 
l^aben. Dbtool^l nun bie Siebe, bie ®ott in un« toxxti, in i^rcn 
t)erfd^iebenen (graben balb junimmt, balb abnimmt, fo ift ed bo<^ 
nid^t o^ne befonbem 3;roft p n^iffen, bafe bie Siebe, bie ®ott ju 
uniS l^at, »eber ju* nod^ abnimmt, unb öielmatö, o^ne unfer SSer- 
ftänbnife, bann unfer ^IHerbefte« n^irtt, loenn toxx ed am tt)enigfien 
empfinben. 3!)e«]^alb lommt un« gelegentlid^ au« großer Siebe 
®otte« bie Siebe ber ?lnfänger jum größten SRu^en, unb tt>ir em* 
pfinben fo öiel großem 3;roft ju ®ott, tt)ie öicl toir mel^r an 
un« öerjagt n^erben ; Vertrauen un« gar nid^t mel^r unfcren Ärfiftcn, 
fonbem feigen allein auf ba« Streuj S^rifti*). 

5)aran fnüpft nun ©taupife eine ?ßrap« ber ^römmigfeit, 
meldte beutli^ ba« leitenbe SSorbilb ©era^rb'« erlennen laßt 3n 
bem „Sud^lein öon ber SWa^folgung be« »iUigen ©terben« (S^rifti" 
fd^ilbert er, nid^t ol^ne d^arafteriftifc^e garben be« ^ol^enliebe« 
JU üertt)enben, njie bie gottleibenben SKenfd^en, toelc^e fid^ ganj 
refignirt S^rifto überlaffen, tt^etd^e in ber Siebe C^rifti entblößet 



1) § 88. 40. 48. 62, «. a. O. 6. 146-160. 

2) 9. a. D. @. 101. 108. HO. 




127 



"1 



bon aßen Sicatiiieii, bic Selben als bie ^ottn einpfaiisen, 
' Ke fi* S" intern ffltauHgnm fü()rcii, unb in bcm jcitltc^en Xobe 
bell äkiDinn beä crotgcii i^ebeiis crroarten. Tiieä meint obei 
Staupift io, bü§ nienn auä} ein fül(f)cr 3);cni(^ aller ©elt ©ünbc 
fluf f'tl) ffötte. er iiurd) einen roiCiflEii Xob, ben eu @utt gielit, 
alle *^ciir, bie er Wegen feiner Sünben (djulbig roöre, t)ejQt)[t mib 
Mc @c^ä0e bei t)immiif(^en 9Jeic^eä überEommt. ^uf ber .'öölie 
her Ueberitiifung on ©Ott fomuilitt et bic SSiUigteit, nad^ ©ottc« 
©iUen ^u ftcrben, luiebcr ju einem UoItEommen genuglomen 5Bcr= 
bienfl bfS eiDtgeii ScbenS •). ®t folgt batin, roie Äolbc na^lDcift, 
feinem Altem DtbenSgenoffen 3ül)ttrt]i Don i^ülg*). 3n bcr Sd)rift 
Bon bet ^präbcftimition trägt ©taupi? bie „SJortcrfn^ung ber 
Scligleit" b, f). bie SBoriüegna^me ber ©eligfeit in ber mqftift^en 
Slereinigiing fo »or, bnß er hie ®^c, inSticfonbcrc ben intiinftcn 
c^elittien 25eT[c^r p biefem ^^eif üüegorifirt. Et ift bnrin ol)ne 
3iiieifcl ebcnfaII-3 irgnib welchen SBorbilbem gefolgt"). %m reinften 
^(©taupi? ben ©egeiiftonb in bemlractnt uon ber Siebe Sotteä 
auigebtücft. „Xer mitb üotltominen genannt, bcm fid) @ott fo 
lirbltd), fo freunblii^, fo füg einbilbet, bafe iC)m roiib, c^ fei nic^l^ 
benn ®ott. Eetjclbe ttbergeliet SßJatil unb eigene SöirEung, unb 
mottet oUcin, ipqä Sott in il)m fpccd)e lutb roirte, in gtinicm ®c= 
^orfam unb DoUEommener ®clnffcii[)cit, unb lebt ckn als lc6c 
er nic^t. Neffen ©eift ttc&t nlfo feft nn ©Ott, bag er gin ©cift 
gcfproc^en mitb; in iljm I)at ^uxätt Eetne ©fatt, ?irbcit Eeine 93e^ 
fc^BKTung, ficiben (SrgöglirfiEeit. iSer IieiEigc ©etft ift boS g«"". 
i)ai ben 21ienf(^cn gan^ ocrjctjrt iinb bis f,u 3(f(^en Derbrennt, 
ja gflns ju 9Jti^te macfjt, auf bafe ©Ott oßein KHeö in allen 
Itinflen bleibe" *). SJenn man Stniipi^ sttint einerfcitä mit ©cEart 
in eine Äeitic flcftellt ^üt*l, flnbererfeitö Don bemfelticn at^ VraE= 
lift^en äWvftiEer l)Qt unterfc^eibcn rooücn, fo barf bogcflen beljQUptct 
roctbeu, bü§ oUe SK^ftiE ptaftifcEie* SierEjoIfcn unb 9Inleitung baj« 
ift, unb bafe @(tart'«i ^rcbigten nur eine ^tuänafiine in berüfi^ffiE 
i«[(i|t bilbcn. Xcrfelöe [jat namliif) Dom Stonbpunfte ber mijfti' 



1) «. Q. o. i 



3) S 107—121. S. 159-lGl. 



128 

fd^en Sinigunfl qu« bte jonft ubcraU öorau^gefc^tc fd^olaftifd^:: 
t^corettfd)c SBcItanfid^t pantl)ciftif^ mobificirt. ©taiH)ife alfo ift 
iniolücit SK^ftifcr, alö er tjon bcr an bcm Seiben S^rifti genährten 
Siebe ju (Sott ju ber SBereinigung mit ®ott auffteigen leiert, in 
tt^eld^cr ®ott «Oe« unb ber 5Kenj^ nic^t^ ift. «Dein er ift barin 
nur ber Ueberlieferung feftfte^enber SRufter gefolgt. ©einWbftanb 
öon Sdart aber ift nod^ baran erfennbar, bafe er ba^ erftrebte 
3icl ni^t im @rfennen unb ©d^auen ®otteö, fonbem fc^on in 
ber SSeräi^tleiftung auf ben eigenen SBiUen erblidft. S)a^ ^6t 
er folgt bem ©eligfeitöbegriff beö S)un^ ©cotuö, ober er gel^ört 
in bie quietiftifd^e, franciöcanif^e SRei^e ber SR^ftit SBie toeit 
biefe aWetl^obe öon Sut^er'« 3[nfid^t entfernt ift, fann man aud 
golgenbem entnehmen. 3n feinem 3;ractat öom ®lauben (1525) 
beutet ©tau|)i^ bie unauflö^lid^e ^Bereinigung mitG^riftuS erftenÄ 
auf bie ®emeinfd^aft ber ©lieber mit bem Raupte, b. \), bie ftird^e, 
^tmttn^ auf bie Analogie ber (Sf^t, bag Sl^riftu^ aQe ©änbe auf 
fi^ genommen unb bem ©laubigen feine ©erec^tigfeit jugccignet 
f^at, brittenö auf bie jenfeitige ©eligfeit*). 3)ie jweite 3trt ber 
Stn^eit mit S^riftud l^at nun ©taupi^ aud Sutl^r'^ de übertäte 
christiana *) entlehnt. Sut^er aber l^at ^ier ben mittetaltrigen SBe^ 
griff ber unio mystica in materieQer n^ie formeller 93e}iel^ung 
umgebeutet. %l^ ben 3nl)alt berfelben meint er nid^td anbered 
ald bie Sriöfung unb 9iec^tfertigung, n)ie er fie t)erfte^t, bog 
S^riftug unter ben ©ünben ber 3Renf^en leibet, unb ba§ bie 
©ünber bemgemög geredet gefprod^en unb mit ben übrigen ©oben 
@^rifti audgeftattet n^erben. ^aburd^ aber n)irb aud^ bie fj^orm 
ber SSorfteUung öeränbert. S)ie @l^e mit ßl^riftu^ toirb nid^t in 
ber 5orm inbiöibueller ©fftafe ober inbioibueQer ©elaffen^eit beS 
aSiUenö DorgefteUt, fonbem aU baö ©d^ema be« in ©rififung unb 
©ere^tfpred^ung befte^enben SfuStaufd^e^ jtt^if^en Sl^riftud unb 
ben ©laubigen. Unb ba biefer Slu^taufd^ %Qe gleid^mfijsig an« 
gel^t, ate ettt)a^ n^a^ mit bem ©lauben eineö 3feben toirffam ift, 
fo fällt biefe &)t mit ber ©n^eit jn^ifd^en ^aupt unb ©liebem 
im Seibe S^rifti jufammen. ©o ift bie ©ad^e aud^ öon Sutl^eranem 
oerftanben njorben. 3ln bem SBec^fel ber SSorfteQungSroeifen öon 



1) «. Q. O. @. 129. 130. 

2) Opera var. arg. ad reformat. bist, pertinentia Tom. IV. p. 227. 




tauiri^ fann man olfo auf baö ©iifflt^fte bm Untciidjicl) 3loi= 
frfien 2utl)cr'S 3ntereffc unb bem bcr ÜJi^ftif mcffen '). 

19. §at ber ©riinber beS ^3'^'i^''"'^ '" ^^"^ lut^crifc^cn 
Äxxäft bie ©raijc jioifc^eii Öiit^et'si JReformaHüii unb ber SDiljftif 
be« SHittcloIterä jii Dcmifc^cn untemomincu, um bic 9(ufna()me 
m^ftijc^et Sior&itbct in bie 9Iötctit bei Suttiert^unisi ju re(^t= 
fertigen, fo haftet eine analoge SSetmirrung üon Ungtcid^artigein 
an brai altern SBerSuc^e, 3'^"g6n f"f 1)0* JRei^t unfcrct Sie; 
foimation in bem Snittelalter nadj^umeifen. ÜBaS tjcladu^ 
in Wcfer Sfjic^uiig geteiftet tjat, beöcnicfit noä) immer bic SBeur= 
t^Inng einer fflei^e oon CMofition^gruppen in ber mittelaltrigcn 
Sin^, bereu reformalorij^e StiitricEic man bem SJitfen Cuttjer'ä 
gkitfl ju fegen beftrebt ift, lucuii aud) atlniäljtii^ no^ (o Diele 
®rünbe gegen bie uoUe Uedereinftimmung ber berglic^euen Sr= 
((Meinungen Tief) aufbröngen. 53ie feftlerfiafte SÖe^anblung biefeS 
@kgenftanbe^ culmiutrt iu UUmanu'g !SerEe: Sleformatoren uor 
ber Deformation, tiefer @e)i^ic^t8fotftf)er orbnct bic (jclcrogciiften 
(hf^cinuiigen bem Scgriff ber Sftefotmation unter, inbem er jcbc 
^biüeid^uiig wen bem breiten SBege bei fatliolifc^enÄirrficuttnimä, 
outft bic püutf|ciftifd)c "iDiljftit unb bie nominalifttfc^e Si^uIpl)ilo= 
lop^it als SJorbcreitung be^jenigen bejci^nct, roaö fintier ge= 
leiftet ^t. aber jugleic^ läßt er bie Äenntnife beäjenigen Der: 
niffen, maä im allgemeinen currcctcc Sat^oIici'ifniuS, unb luoran 
iiie ^Ituiig bcrjcnigen SRamiCT bcö 15. 3af)rt)unbcrtö ju meffen 
lit. bic er monograpfjift^ bef)anbelt, Sodann Sejfel, 3of)onn 
iMHi ffiJefet iinb 3of)ann ®od). !öei bem erffgenannten begegnen 
I ber boppelten (Sebantenreitjc, wläje bei allen prattifc^en jE[)eo= 
' > bcä Slültelaltcri^ nadigeluicfen ift ober ivcrbeii fann, bag bie 



ba^'i im ^ufammirnbnngi; feiner Zoologie unb in iEimn ^ccliiiltiiifi jut 
ilim Stpflit, Sripjig 1B79, Mannt bin. ?(uS biejcm ficigioen iBudK etDifbl 
nA. ^a6 fiutbcc tiraa btä 1518 Ti^ <'i ^n flangbann Xarflcaungcn ber 
«[»lallitflni üdtelit bfiecgt, bdg cc aber nicmatS in brr Seife uon Sinupiß 
lii^ au! bod Xlteina ber mtjflifd^rn Sereinigun;; mil Qyolt eingelaffeti {Kit. 
an friotm ttforninlDriiAcn «ufltclcu fani aui) jeiiet 9lppacal für Sutfett 
•■*- 3™ Öonjl«« ober oetniifft id) an bn angcfii^rlen 3(^ri[l einen btul- 
liAm iBrnnfj doii Vt^ftif unb Udii ibicr Qlefc^it^tr, iDcH^ct ctfcTbevlii^ ift, 
■na bir gffirair aufgäbe in frudilbarrr '&t\\t gclüft iiKTbtn fon. 
I- 9 



180 

©ered^tmad^ung SBerbienfte mdglid^ mac^t, unb bog matt t)on ben^ 
fel6en abjafel^en unb fid^ auf ©otted ©nabe }u t)eTlQffen fyibt. 
@Ä ift alfo jdöiüer bcgrei^id^, tüic UQmann *) bzfjauptm lann, bafe 
SBcffcI in bcm materiQlcn principe bcr ^Reformation, in bcr „3"' 
rüd(fül^rung be^ d^tiftlic^en bebend auf bie ^löfung unb 9ttä)U 
fcrtigung in S^riftuS, mit ÄuSfd^Iufe jcbc« anbem nur öon SWcn^ 
fd^n aufgcfteHten ^eitemittctö'' mit ßutl^cr unb bcffcn ®enoffcn 
übcreingcftimmt ^abc. ©ofcm bicfc gormcl aud^ für SBcffers 
fiel^üoeife gilt, ift fie nid^tS toeniger ald ein pxad^tt Su^brucf bed 
unterfd^eibenben Sl^araftcr« ber reformatorifd^n ßel^re. 9iun ift 
ed aud^ nur bie beutUd^e fat^olifc^e Seigre, toeld^e UQmann felbft 
(©. 514) in folgenben ®ä^ SBeffer« toiebergiebt : ,,3)ie «uf^ 
l^bung ber @ünbe ift nic^t^ anbere^ aU ber 93efi$ ber geredet« 
mad^enben fiiebc, benn toer biefe nid^t ^at, bleibt in ber ©ünbe. 
©amit alfo S^riftu^ bie ©finben l^intoegnel^me, ift erfoitedid^, 
bafe er bie ®ered^tigfeit eingieße" . SBcffel legt för biefen gaH 
tmc ©taupi^ bad ©etoid^t auf bie objectitK SBirfung Qil^rifti unb 
nid^t auf bie $orm ber menfd^Iic^en ^^reil^ii ^enn er fäl^rt fort: 
„S^riftui^ ift alfo aud^ in ber oon il^m angenommenen äKenfc^ 
f^t bie betoirfenbe Urfad^e jur @kred^tmac^ung ber @(ottlofen, ^ur 
®nabe unb SBeid^t, jum (Serid^t unb jur Siebe, ju il^rem fjirort* 
fd^reiten bid jur SSerüoQfommnung unb bid jur SoQenbung ber 
IBeröonfommneten, bai& l^eifet, bi^ jur Sefeligung'' «). JBcibeö be^ 
toö^rt fid) aud^ in einem fpäteren Xl^e bed SBud^ed. SBeffet 
ffi^rt au^, bag bie SReufd^en nid^t burd^ äBerfe bed ®efe|ed ge* 
rec^t tt)erben, n>eil fie aU ©finber biefelben in ber not^h)enbigen 
äJoQfommenl^eit nic^t erfüQen (Sa^). 45. 46). S>ie ©unber toerben 
alfo gerecht gemad^t burc^ ben glauben an @§riftud, nämtid^ 
bur^ ben, mlifn in ber Siebe t^ötig ift 2)er ®Iaube l^t fcet^ 
lid^ nid^t ben Sßert^, n^elc^er ber actiüen 93oQf ommen^eit ber Sngel 
gleid^fommt; aber ed gejiel @ott, ben @laubenben größere ®t^ 
red^tigfeit ald ben Engeln ju oerleil^n, namlid^ bie ©ered^tigbtt 
ber priefterlic^en Öeiftungen S^rifti, burc^ toAi)t bie ®Iaubenben 
geredet finb, tt^enn fie auc^ nid^t bie ®erec^tigfeit Dollfommen 
ausüben (Sap. 45). Ober, wie e« in einer anbem SSknbung ^t, 
nid^t unfer ®taube ift unferc Oered^tigfeit, fonbem ber ®orfa$ 

l) d^rfonnatoren W)x bcr 9^cfonnQtioll IL 8. 669. 

9) De magnitudine pastionis oap. 7. Opera, Amstelod. 1617. 




lDcld)ct in beni Cl^fer Efttifti iinfer Opfer annimmt 
(acceptare). 3n bem ö(ulc (SI)rifti ntimtit^ ift iiitf)t Moä SSet' 
gebunfl bcr Sünben, foiibcrn (Siere^tmac^ung unb ©digfeit (6ai). 
44). Unjete Cctftiingcn unb geiftigen Opffr ftnb an fid) iingc 
nügcnb, um baä Urt!)cil Ootteä ^u erlrogfn. ?Iber fofem man 
biird) bcii ©Ifliiben an bem uoIUommmcn Dpfcr ßl)viftt tl)eU' 
iiimml, rairb man biirrfj bicfc^ imb biivd) bte eigenen geiftigen 
Cpfet bor bem fttengeti Urtl)cil ©ottcä qI« gcrcdjt beffe^ 
(6ap. 39). ?lber Iro^ biejer gut tQtf)Dt!fi^en iöcEcniitni(]e ift 
SJeffel iiidjt ber 3Jieinung, auf bie eigenen Opfer unb Seiftiingen 
tm ß^riftenftanbe ©eniic^t ju legen; er ftü^t fein ©elbftgefül)! 
onrin auf ba^ Äreuj (j^rifti unb bcn ©nabciiüorja^ Ootteä. 
Vere dignuni et iustam in cruce Christi gloriari, ex qua ma- 
xitnc uostra digDitas ioDOtescit, per quam secara nobi» fiducia 
et pignti» datur ad nostram illain dignitatem, quae nobis per 
cnicem innotuit oertisBime reditura (cap. 42). Super oniula 
gloriainur iw deo, per Chrietum suam in nobis caritatem com- 
raeudante. Sicnt eiiini omnia haec ad iuatificationem nostram, 
qaae tarnen finaüter in solo consistit proposito dei, ita etiani 
Rloria uostra est in hoIo deo suam In nobis caritatem commen- 
dante (cap. 44), Qui evanguüum audiens credit, ^ praeterea 
amat evangelisatnm iustificantem et beatificantem, qnantalibet 
pro eOQseqnendo faniat et patiatur, non sua opera, non ae 
operantein estollit, aed propensua in eum, quem amat, — ni- 
liil sibi ipsi tribuit, qui seit nihil habere ex se. Seit ergo, 
li nifail habet, nisi quod acceperit, non de suo gloriandum, 
qWBi non acceperit, sed in eo gloriandum, qui donat. Vere 
ciRDe« institiae nostrae velut paunus menstruatae, — ut vere 
noD tum inati, sed mere iniusti plecteudique convincauiur 
fc&p. 46). 3(^ barf cnblid) auf bie Exempla scalae meditatioitia 
(p. 327—408) uenueiien, brci (ef)r anöfiit)tlid)e fflctrai^tuugeii, 
ittai pebantift^e Öliebetung unb rfictorifd^c 3)orftcßuug bie ®nt= 
i(^iebtn^it nic^t beeinträchtigt, mit \otlä)Vx Steffel fein §eil«bc= 
lw§tf«n auf bie Siebe ftügt, roeld^e Stjriftuä in ber ^lufopfcrung 
frine« eelien« für unä bet^ätigt I)at. 

SBei 3o^ann Don &oti) unb Sodann non aSefel befdiräntt 
fi(^ bie ^Inalogic mit ber 9teformation barauf, bafe fie einige la-- 
t^olifc^e 3nftitutionen, roic bie @clii6be unb beu ?J6Iflfi beffritten 
iKilicn. UUmnnirö Söcftceben aber ift barauf gerict)tct, ben Sertl) 




132 

Mcfcr Dppofition ju übertreiben. SJqju bient il^m nun, tote bei 
Sßkffcl, fein tounberbarer SRangel an JBerftänbni6 fotool^I bcr ta^ 
t^olifd^en aU ber ref ormatorifd^en ^eil^Ie^re. 93ei ® o d^ gel^t 
er freiließ nic^t bi^ ju ber Sel^Quptung fort, bafe berfelbe in bcr 
9ied^tfertiflunfldlel)re mit ben SRef ormatorcn fibcreinftimme ; er giebt 
iu, bag „bie Seigre t)on ber Stetig tfertigung aQein burd^ ben @Iau^ 
ben nod^ nic^t in bem SRage aU mied bel^errfd^enber 9Ritte![pun!t, 
toie bei ben ^Reformatoren l^röortrete" *). Allein bie eigenen ffij» 
cerptc UDmann'd auS ben Schriften öon &o(S) (pon @. 77 an) 
betoeifen, bag ber äRann nic^td anbered atö bie fotl^olifd^ 3ufti^ 
ficationdlel^re fü^rt! UQmann finbet bann noc^ befonberd an ®o^ 
)u rul^men, bag er baS menfd^licl^e SSerbienft ftreng aui^gefd^ieben 
l^abe. ©eine eigenen ©{cerpte betoeifen jebod^ nur, bag Sener, 
toie @taupi^, ben 93egriff bed ^omad t)om JBerbienft burd^ ben 
bed ®und unb ber 9{ominaIiften befam^ft ^at. 9uc^ Sol^ann 
t)on SB e fei fte^t in ber entfd^eibenben S^age ber Sfle^tfertigung 
ben 9ieformatoren nic^t naiver. ®enn toad i^m UUmann ^) baffir 
anred^net, ift bie {atl^olifc^e Se^re, bag S^riftud infofem unfere 
@ere(^tig{eit ift, atö man t)om l^eiligen ©eifte gelenft toirb, unb 
bie Siebe ®otted (ju ®ott) in bie ^erjen audgegoffen ift 3)ic* 
felbe Unlenntnig ber !atl^oIifci^en Se^re t^eilt aud^ ber 99iograp^ 
einei^ anbem fogenannten SBorläuferd ber 9{eformation. ^m SQit^ 
ron^mud @at)onaroIa toirb burd^ ^rlSKeier*) bejeugt, bag 
er „ben eigentlid^en £em ber 9ieformation, bie Seigre t)on ber 
9ie^tfertigung o^ne 93erbienft ber äBerle, burc^ @nabe, im @Iau^ 
ben, beftimmt erfaßt l^abe", — unb aud ber ©arftellung ber Sdfxt 
bed äRanned, bie banac^ folgt, ergiebt ftc^ jtoeifeQod, bag er X^o^ 
mift getoefen ift*)! ?lu^ öon 3o^ann SSicIif ^at edSed^ler*) 



1) t(. 0. O. I. 6. 90. 

2) t(. a. £). I. e. 824. 826. 

8) ®iroIamo SaDonaroIo (1886) 8. 216. 269—281. 

4) 9(Qerbingd fpric^t oud) ^QDonoroIa in ber Don fiut^r em^fol^Ieiien 
9(udlcgung Don ^falm 61 bie religiöfc 8e(bftbcurt^tlung in Sem^rb'ft 
fBeife aud: Quot iusti, tot miserationea. Nullus gloriari potest in 
semetipso. Veniant omnes iusti et interrogemus eos coram deo, an 
saa virtute salvi facti sint? Gerte omnes respondebunt, non nobis, 
domine, sed nomini tuo da gloriam. 

5) $>^taofl'd »eQ(enc))nopfibif XYUI. 8. 100. 3n feinem äBerfe 
über 3obann Don »iclif I. 6. 688 be^ft Sec^Ier eine «btpei^une feine« 




al* tüoüi bejonberee Ijen'pvcicltobeit, baft „obgleich ("ciTrc ^liiöbrucf*^ 
jwijc bns it^o!afti(tt)c @eprä(ic ii(intc!iHicf) in bcr ?liicrfciinnng üoii 
Sctbienfteii nid)! Derleugnct. er borfj uon bcr ffierftjciligfcit weit 
mtfcmt, Dielmcl)! ber freien (*lnabe ©oite* in ßl)rtflu* jugctt)an 
ift ©tftärt er l3od) bcn SBegriff Beä meritum ex congruö für 
tine etfinbung. 9?ielmc!)r betont er bie aSalulteit, bu^ bct ®laulic 
Am (Habt @ottc« ift, bie nur ou§ ^nobe Derlictjen roirb, unb baft 
®ott. wenn et ba* gute 3Bet[ eincä SKenidicii bclotint, (eine eigene 
9ak frönt." "^ai ift t^omiftifc^e 5:^CDlo9ie; unb in bem meri- 
tom ex congnio wirb nnr ber Siominaliömnä, nic^t aber ein 
®lieb lat^olift^er ffiivdienle^Te beftrittcn! Sbenfo unridjtifl ift bie 
öelwHptungOonSruinme! '), bog So^onncS ^uö in ber SHectjt» 
fertiflungälct)re protcftontifc^ fei. ©eine eigenen ©jcerpte bcwcifen 
H, bofe 3encr nur bie tattjolifc^e Se()tc Dertritt. 'i^enn, wie ic^ 
ii^on oben (®. 106) auSgefprociien I)abc, qüc jene 3)ierhnale bcr 
iustifieatio old Sirfung bcr ©nabe toerben aud) Bon ben refl= 
liftifi^cn Schrern bcr miltcloltrigcn Äir^e behauptet, aber biefelben 
writcfjen unter bem ^auptbegriff bct instilicatio etwa* 3(nbcre3 
lU bie iReformuloren, unb bcäljalb Qiitl) unter bem ©Innben, 
ivcldicT jur ingtificatio ge[)iirt. 

3Kon würbe fidi fplil)er gc^lgriffe beö Urtbctl^ cntf)altcn, 
iMnn mau fit^ flar maii)te, ba§ Wenn bie übenblänbifc^e Sirene 
3l([ormerfcf)einungcn in fid) fii^t, biefc nic^t immer Don bcr ?(tt 
unb Sichtung bcä UnterneljmcnS 2ut^cr'ö fein »erben. ?llfo man 
roitb auf iRcformotoren uor beffcn iWeformation s" rechnen ^aben, 
IWlt^c itjm mcljr unät)nli(^ atä äl)n[id) finb. Unb bie Ueberein^ 
flimmung, meiere etwa in bem SäJibcrfprucb gegen bie ftri^Iidjc 
Ättttorität auf beibcii Seiten ftottfinbct, ift neben bem Uebrigeii 
nii^t cnlftl^eibenb *). "Bie jWeite §älfte be§ 9Jiitte!altcr^ ift nun 
ttfterrfc^t bunft bie jucrft Don ben SBalbenjern unternommene, nac^' 
^ in ber ^erfon bcS l)eiliflen ^ranj tirc^ti(ft legittmtrte Sieform 
in Äitt^e. X)iefelbe uä\M ficti nicfit me^r btoS auf ben ffrctS 
h* äRön^t^umS, f onbern jugleicfi auf bo« d^riftlii^e aSoIf, welc^cd 
ton^ bie^bigtbeä ewangelif{f)en ©ejegeä Sijriftt, b. [). berfiebenä> 

t«lboi»[inXtKiinaS knnotfe eor, weil bicler nit^l bie Unflilligttit nun merita 
d tengruo aui\pxtä)i:. SaA i[l abn, nie ii!| (^on in bei ciltcn SuSgabc 
• Suc^ nodigciiiirieii iiabt, bnä) btx TiaV. aigl. pbcn @. 72. 105. 

1) &t^ii\ä>te btt bätimifd)«! SteFonnation 8. 368. 

2) SflI. fefc^id^tc bcö SiftiSmuä I. ©. 7—22. 



134 

grunbföfec bcr Scrgprcbigt ju einer bcm SKönc^t^um unb ber 
9?a^folge bed armen Sebend Stjrifti Qngenäl)crten SJottfommcnl^t 
gcfül)rt iperben foD. Riebet brad^te cä bic ftrengcre &mppt beö 
^ranctöcanerorbenS ju einem ®rabe ber Oppofition gegen bad 
^apftt^um, beffen SBeltftellung unb SReic^t^um, weld^e burd^ bte 
äleformation be^ 16. 3a^r]^. nid^t überboten tottbm fonnte. Aber 
biefe Srfc^einungen finb nur jufäQige ßugobe ju ber franci^canifd^en 
Äird^enreform. S)ie Dppofition ber ftrengen ©lieber be^ Drbeni^ 
n)urbe bur^ bad Soncil ju Sonftanj übern) unben, inbem fie ald 
ber befonbere Drben ber Dbferöanten anerfannt tt)urben. 3n beren 
Äreife ift bie gorberung in ber ©tiHe fortgepflQnät toorben, baft 
bie Surie arm njerben foUe; aber fie l^aben jugleid^, toenigfteni^ 
in Stauen, bie Aufgabe l^oc^ge^alten , burc^ bie ©etoalt ber 
93ugprebigten bie ®emütl)er t)on bem n^eltlid^en fiu£U$ abjujie^n 
unb, n)ad bie ^auptfad^e ift, ju ber 93erfö^nung unb bem äuge« 
meinen Sieben ju ftimmen, »orin bie ^ö^fte Seiftung d^riftlic^er 
?ßflid^t erfannt werben mufe *)• 3n ber ©onfequenj biefe^ ©runb« 
fa^d fielet bie Snforberung, ttKld)t ben äÄittelpunft ber c^rift^ 
li^en Seigre 9Bicüf '^ bilbet. SBie eS SBicIif meint *), foH im ganjai 
Umfreid menfd^Hd^en ^afeind, im bürgerlid^en Seben tok im ©taat 
jebe^ ®e{e$ ftd^ nad^ ©otted ober bem eDangelifc^en ©efeg rid^ten. 
S)a^ eöangelifd^e ®efe§, beffen energifd^e SBertretung SBicIif 
ben S^rentitet eine^ Doctor evangelicus eintrug, ift bie SBerg^ 
prebigt, ald $robe bed ©efe^ ber Siebe, ^ad ift ein anberer 
@toff atö bie ^bigt beS $aulu^ t)on ber SSerfö^nung, toeld^e 
fiutl^er ald ba^ @t)angelium prociamirte. ^ie Snftanj bed et)an« 
gelifc^en ©efe^ed S^rifti unrb femer auc^ Don 3o^ann $uS in ben 
SKittelpunft gefteUt, unb gelehrt, bag bad fanonifc^e unb bad rö^ 
mifc^e Siecht eben in bem äJtage giltig feien, al$ fie inbirecte Otb« 
nungen jur ^u^übung ber Siebe bilben '). ^ag biefer ©efid^tdpunft, 
ben @taat unb ba^ 9{e^t^Ieben auf bie 92orm be$ l^öd^ften fitt^ 
liefen ©efe^ed ^inaudjuffi^ren, unb bie moralifc^ S^enbenj ber 
^rcbigt ber SBettcImönc^e tt^efentlic^ jufammenge^örcn, baöon bietet 
®at)onaro(a bie ^obe bar. &t f^at mit ber 99ugprebigt borge« 



1) 3atob ^urd^arbt, (Kultur bcr SKcnaiffancc in StaUen (1860) 
8. 467—478. 

2) Segler a. o. O. I. 8. 476. 488. 

8) j^rummcl a. a. O. 6. 362. Sec^Ier II. 6. 284. 



135 



arbcitei, um bann auf fiirjc 3eit in 31üren;^ bae ©cfeg be* Suan"^ 
fldbime al« ben SKafeftab beö Oürgcrlidicn Scbciiä unb aller ju 
gcbcnbcn ©efe^ auf^^upflanjEii '). §iciin ift bod) eine anberc Me» 
formtenbenä luirEfain, al* rocld)e bei tuf^er obmaltet. 1)iefe t[)eo= 
fiatifd) geridjtctcn SÜfanner fiub alfu mdjt ^youläufet berSieform, 
iwlcfy? i'iittHT Dertrilt. Sie finb ^teformatoren Dor bcffen 9tcfür= 
matimi, afaet eben lelbftanbifle eigenttjitmtidje Reformatoren, xxiddfi 
fi(^ in ©ibcrffirut^ mit Siutftcr flcfcgt Ijabeii mürben, luenn fie 
beffni Unternehmen erlebten. Senn and) 6raämn5 ift tn 6ol= 
lifion mit Öuttjcr getreten, fficil fein SReformibcnl basi franciScaniftfie 
mar. 3;ic Surie, meint er, foQ arm merbcn, unb \)ai ©cfcft 
S&tifti, bic Ocbulb, bie SRac^giebigfeit, bic iBcr(öt)nIiil)Ecit foEen 
sur 31uäfül)rung fommcn, 'Saöon nun Jic^t er in fiut^er'S 
Sirfungäfreiie ntcfjts ; es gebe Diele Sut[)eraner, fagt er gegen 
pullen, aber roenig Soangelifc^e, nämlid) nielrfie jenen ^tnfgabeii 
bc4 Ütbtm nachfommcn. 33cr Sln^ängcr beö SraSmusS, ÖJeorg 
Sigel ^at ftc^ uoiitbergel)enb an ^iitl)er angefc^luffen, in ber @r= 
KNinung, omnia fore melias chrietiana, b. t). ei loerbe SlUed 
öirtct auf bic lugenben fjinauäfonimen, meiere bic Söergprcbigt 
DDrfdjreibt. ®ö finb biefeS ja bie eigentlichen unb l)öcfiflen 
$iobcn bee 6l)riffentl)uin§. SlÜcin biefclben auf bem SBege 
fltic^Iittjer ober mönt^tjc^cr 3"^^' "ber üoriiberge^cnber ©efiitjW' 
cntgnng l)erDorjurufert, bcjeic^nct baö SRcformbcftreben, u)clci)eÄ in 
iKt äiDciten §älfte bcä SRittetaltcrÄ iuner^atb bcr (ateinifctjen ft'ircfje 
tfetits otjne ftieil« mit DppofitJon gegen baä ^opfttt)um anftritt. 

20. Xk dltc^tung auf bie ©nabc unb ber ^crjic^t auf iai 
Bftbitnft. Kelcöe in ber Iatt)olitd)cn Äitd^c mit bet 'Pflege gefe^^ 
li^tr ^Itung jufammcntreffen fann, ift auc£| uon ben Vertretern 
Ktftt Meformbeftrebungen Dorbcljaltcu ninrbcn. 3)eun fie bilbet 
in gflpiffem ©innc etn biirt^gel)ciibeö unb c^aratleriftifc^eö 3ntcr> 
(fft ber römif(|=fatl)oIifc^en fiircfie fclbft. ©ufern biefclbc ftc^ im 
9^ bütiteltt, ift eä unumgänglich, bafe in bem auägefprodienen 
teligüJfen (ärtennen, in Sont unb Sitte, ade fecilSgüter nur auf 
©oft ober G^rifluö jurücfgefiiE)rf merbcn; büä tagtidje 3}cbürfni6 
nntb neuer @nabc miib bemnnc^ ntc^t in ber gorm eincä ?In= 
fpni(t|fi aui SJerbicnften, fonbern in ber Jonn beö Vertrauens jU 



136 

®ott audgefprod^en >)• 3n bet t)tacifeften ©eftolt ober ift bad 
SBetougtfein bet ©ünb^aftigfeit, bte ®leid^gtlttgfett ber Setbieitfte 
fär ®ott unb bad Dorl^ertfci^enbe SSebürfnijs nac^ ffiitbem^ergebenber 
@nQbc im 93er^ältntg jur ^etldDoQeitbuitg in einem ®ebete bed 
römif^en ä)?egfanon bargef teilt toelc^ei^ natürlid^ toegen btefed 
3ufammen^angei^ fir^Uc^ 93ebeutung erften 9iangei^ ^t: NobU 
qnoque peccatoribus, famolis tuis, de maltitudine mise- 
rationum tnarnm sperantibus, partem aliqaam et societatem 
donare digneris cum — omnibus sanctis tuis, intra quonim 
DOS consortiam non aestimator meriti, sed veniae, 
qaaesamns; largitor admitte. Slfo nid^t SSerbienft ber äBerb, 
fonbem SSetgebung ber @änben öffnet ben 3u9<^t<0 h^ ^ trium« 
t)l^irenben fiird^e, ju ber ©emeinfc^aft ber eiDtgen @etigfeit. 

SHefem ßeugniffe bed römifd^n Stat^oUci^mud gegenüber 
nuki^te eS SSenounberung erregen, bag bie ^a{id biefer Setrac^« 



I) Hymni eoolesiasticiy praesertim qai Ambrosiani dicontur. In 
Georg. Cassandri Operibus (Paris, 1616) p. 177. 

Ob hoo redemtor quaesnmas, 

Ut probra nostra dilaas, 

Vitae perennis oommoda 

Nobis benigne oonferas. 
F. 186. Virtaiis infer oopiam, 

Qua oonferas clementiam, 

OblitoB ut peooaminum 

Donet qoietem temporum. 
P. 189. Infonde nunc piissime 

Donam perennis gratiae, 

Fraudis novae ne casibus 

Nos error atterat yetns. 
P. 198. Ob hoc redemtor qaaesumus, 

Reple tao nos Inmine, 

Per qaod dienim oiroalis 

Nullis roamus actibas. 
P. 216. Da tempos acoeptabile 

Et poenitens cor tribne, 

Conyertat ut benignitas, 

Qaos longa soffert pietas. 
P. 221. crox ave, spcs unica, 

Hoo passionis tempore 

Auge piis iostitiam 

Reitqae dona yeniam. 




lungdroeifc ctegen baS ISnbe bei STfittelalterS i^iemli^ t)cr(i^oUen 

flowfen ift, nentgftenä in bem Streife, in meinem Siittjer ^cimifi^ 

mar. flnbctetfeitö n&ct irorcn bic römifcf)cn ©egner bcr 9}efor= 

mütion iin 16. 3af)rfiimbert ficft nic^t onbevS beioiifet, aii bafe 

biefe Slrt ber Selbftbeurtfteilunfl t^eilö geboten iei, t^eil« bie I)ö(^fte 

iDUrifc^i9]DCrt^c Stufe bet gtömmigteit barfteHe '). @* ift nid^t 

iwibrfd)einlii^, ba.% bie Uorliegcnbc ©cbanfenteiftc in jenen Äteiicn 

rrft baburt^ micbcr in Erinnerung gebracht rootben ift, bafe bie 

iHefoTinütoren i^t einen fo Dotroiegenbcn 9iac^bnicf ucriief)en. 5SieU 

mebt tritt f'e ft^on Dor bem 3[uä6rn^e bc4 Streitet mit aller 

Öntit^iebeitbeit aui^ bei foli^eii Xfjeologeii auf. rtieldie bem Steife 

bcr Stcfütmotoren fem fte^en. (SeoTfl Gaffonbcr iiomlic^ besiefjt 

fid) in einer fogleic^ ünäiifübtenben JleHfeerung batauf, bafe nii^t 

mir bcr ^arifer l^eolog Sobocuä tlUc^toueiiö (f 1543), fonbern 

au(^ ber Söioencr 5^[)eolog ^nbrianiiä »on Utrecht {alS ^apft 

§obrtonu5 VI.) ficft in offenbarer Jlnlcfjrtung an iöcrnliarb (S. 113 

änm- Sc^Iufe) mit ©enugung beä Silbeä 3efain 64, 6 gegen ben 

SBertl) ber Dcrbienftlid)en Berte Quäge(vi^orf)f" l}aben. Sr beruft 

iii^ Quf biefe 3f'*gEnoffen, um ju bcrocifcn, bnfe bie allgemeine 

ftiti^e biefcn Stonbpuntt Don jefjer eingenommen tjobc. Srfagt*): 

.Utber bie Öicret^tigteit, luelc^e im ®ef|Drfam gegen bie göttlit^en 

^botc befte^t, befcnnt bie allgemeine fftrc^e, bafe fie ^auptfäc^lirf) 

auf bem ©lüuben an bie fSünbciiDergcbung, auf ber Sarm^etjig= 

[fit OlDtte« burc^ bie iBcrmittelung bc3 Sluteö Slirifti bcruljt, ba 

ii( an fic^ unrein unb unwoOfornmen ift. folgen bie ^f^Snif^ 

laS aUcn ß^'^Itsni.) 1)teS ju li^reiben erfc^ien mir beS^alb gut, 

'ainil bie gcgcnroärtige Sirene Don ber iöerleumbung gerechtfertigt 

Ktbe, als ob fie biefer actiüen ®crcd)tifl[cit unb bem Sßerbienftc 

Im guten SJerfe ju Diel juweife unb gegen baä SJerbicnft ßljrifti 

utibaiifbar tinb läftcrlict) Dcrfaljrc, unb bamtt bie ^Ißroteftanteu in 

tK» .öouiJtpuntte ber 9}e^tfertigung Dor ®ott Ieicf)tec fid) ber 

Einiieit ber Äir^e an|c^lie§en." 

li SSfll- Wimpina, Anacephalaeosie haereaum 11, 9; Literae 
rontifioiae Pauli III. de modo concionandi (Don iHcginolb $oolrt bei 
Päminrt, bir Dortribtniinlf^ital^Dlif^c i:^cDlogic S. 103. 168. Sfll. bajii 
^«Fhsrdi Confetsio catholica p. 1658 sq. — mit üuSuifl^!. 

2) De articulis religionis inter cathoIicoB et protestantes oontro- 
■CTtii Donnütatio ad Ferdinandum 1. et Maximilianum H. (Ißö4). Jn 
Sn Sommluna feinet Wxte <s. 924. 926. 



138 

2)aran nun, bafe biefc ©tttjartung fid^ nid^t crfüQt §at, ift 
auger ben tiefer Üegenben ©rünben f olgenber Umftanb fd^ulb. 3)er 
X^atbeftanb ber öffentUd^en fie^rc, toeld^en bie Sieformation öor*^ 
fanb, ift t)on beiben @eiten nid^t mit gefd^id^tlid^er ©enauigteit 
unb ®ered^tigfeit aufgefaßt unb bargefteHt loorben. S)ie t^eolo* 
gifd^en ©egner ber Sieformation, loeld^e au^fd^Iiefeüd^ SRealiften 
loaren, ignoriren burd^aud, ba^ bie nominaliftifd^e ©d^ule ein unb 
ein l^albe^ ^a^r^unbert ^inburd^ bie pelagianifd^e 2)octrtn in 
betreff ber merita de congruo aufredet erhalten, unb bie merita 
de condigno gegen bad 83erbienft @:^rifti überfd^ägt, bag fte ald 
@d^ule gleid^d öffentlid^e^ Siedet loie bie realiftifc^e gett>onnen, 
unb aud^ in »iffenfd^aftlid^er unb praftifd^er ^infid^t einen toeiter 
greifenben Sinflug ald biefe ausgeübt ^at. 2)ie Steformatoten 
hingegen rid^ten bie Sl^ortpürfe unb Auflagen auf ^elogianidmud, 
nield^e nur ber nominaliftifd^en ^rabition gelten foQten, gegen bie 
©d^olaftif im ^IQgemeinen '). 3ebod^ aud^ toenn biefe DueQc gegem 
feitigen SKifeöerftänbniffeö ju red^ter Qtit berftopft loorbcn mörc, 



1) ^9^* h- ^' Apologia Ck)nf. Aug. p. 61. Soholastici secuti philo- 
sophos tantum dooeut iustitiam rationis, . . . quod ratio sine spiritu sancto 
possit diligere deum super omuia ... ad hunc modum docent, homines 
mereri remissionem peccatorum, faciendo quod in se est. P. 63. Quod 
fingunt disorimen inter meritum congrui et meritum condigni, ludunt 
tantum, ne videantur aperte nilayiavfCnv. Nam si deus neoessario (!) 
dat gratiam pro merito congrui, iam non est meritum oongrui, sed me- 
ritum oondigni. — S)ic leitete S3cmcrfung ^clanc^t^on'd betoetft ^uglcic^, 
bag i6m bie 8ac6e nic^t gelttufig ift, ba btc 92ominaIiftcn für beibc klaffen 
bcd ^erbienfled jebed "SRai ber 92öt^tgung &o\M ablehnen (@. 108). 9C6tr 
in bicfcn ungiftorifc^cn SSoraudfe^ungcn murjeln btc oben beurteilten flm 
fluten proteftantifc^er ^iftorifer, ald ob fi^ mittelaltrige S^ologen fd)on 
baburc^ t7on ber fatbolif^en j^irc^enle^re entfernen, bag fte bad meritum de 
congruo ntc^t gelten laffen, unb aQei^ ®ute im ^enfc^n Don ber ®nabe 
ableiten! — (Sine anbere t^orettfc^ unrichtige Se^auptung ^eIan4t^on% 
toelc^c mit ben obigen i^ufammen^ngt, ift p. 175: Adversarii dicunt, pec- 
catum ita remitti, quia attritus seu contritus elicit actum dilectionis 
dei, per hunc actum meretur accipere remissionem peccatorum .... 
Praeterea docent confidere, quod remissionem peccatorum oonsequamur 
propter contritionem et dilectionem. (Einmal fe|t fc^on bie attriiio 
ald actus informis bie ®nabe oorauS, bie oontritio ober ald acttis caritate 
formatus bie gratia gratum faciens. 3n bem Verlaufe t>on ber erften ^ur 
^meiten Stufe unb auf ber ^toeiten felbft wirb aber ber Segriff bed meritum 
grunbfä^Iic^ nic^t angemenbet. 




fo ipüiben fitf) bfitK Parteien ni^t in jenem gemeintamcn ^UnnU 
tiiffe nudgcglii^cn ^abcii. 3)enn tote ^tn^änget Mum'^ citiugen 
eben bk ämongruenj j^lDijdicn jener rcligiöfen @elfi)tticiirt{Tälung 
rtud beut au^jiftliefelic^eii @cfidjt*puiiftc ber ©nabc unb bcm 
l^ogmn Con bei reellen SnftificaHoii jum 3>i'ecle bcr Stuäiibunfl 
iioH ißerbienften. SieSRefoniiatoten i)ingec|en fanben ^idi getrieben 
unb bcrcc^ligf, bic tt)cologi{i^e Üei^xc in @titflang mit bcm prattU 
jf^n ©nabcnlieüjufetiein jn fe^cn. ÄMrb eä Semanb in ücrnünf- 
tiger ©eife leugnen löiincn, bog bcr wirftid) ©ere^te, inbein er 
ungeachtet (einer 3ierbicn)tc (noii aeatimator meriti) fic^ jur 
(^eröimiung bet ©cligteit allein auf ®otteä cergcbcnbe QJnabc 
(sed yuniae largitor) Derlä^t, auf ein Urt^cit @ottei^ proDocirt, 
rotiere« i^n, bcr fitf) in (einen Sierbienften iiicfit getcdjt roetfe 
(oobiu peücatoribns ), boc^ aiä gereiäjt aui SaTmI)ersigfeit (de 
maltitndine niiserationum tuarum] (e^tV Snbem jene (ubjecttDe 
^ji(^tung auf ben ©ert^ bet 3?erbien(tc geboten lüirb (noa 
aestimator lueriti), ntu^ aI(o bicKin (i)ntl)cti(c^en UrtljeUc ber 
^(c^tfertignng (veniae largitor — uobis peccatoribus) ein Spict= 
laum unb eine öebeutuug bcigeme(^n inerbcn, loelc^c uon @ott 
aus über bie ceeüe SSeränbetung beä 3Ken(tftcn übergreift, auö 
bcr ec bcmfelben möglich mirb, gute 23erte al& SBcrbietifte l)crüt)r= 
iubringen. Sluf biefer Scobodttung [icrutjt bai tt)eoIogi(c^c Unter= 
HE^men ber Siefonnatoren, iRei^tfertigung unb Sßiebetgeburt ^u 
untn(d)eiben, unb jene im ©inne bcö göttlichen Urt^eilä über bot 
5ünbct ber reellen (Srneiierung biird) ben bctÜflen ®ei(t überju= 
otbnen. ?tatitrlid) get)t ba& ^er! bei Stefotmation nit^t auf in 
tirfem 9Scr(u^ bcr 9Ieubilbuug bet lic^rc; aber bie(e[bc gehört 
Mtl)H)cribig fluc^ ju .ber JRefonnation bcä fitc^lit^en Sebenö, welche 
Eut^er unb 3"*'"9'i f*"^ *>" rcli9iö(cn Seibftbeuct^eilnng nai^ 
bcm auö(il)lie6lid)ctt (SJefic^töpunftc ber ®nabe aU ani bem prin= 
cifliellen ©ebonten ficniorgebrai^t tjoben. 

Hie römi(d) ■- [Qtt)oli([^e ftirt^e, meiere bem ye£}tgc(eße beä 
Iribentinifdjcn Gondlä (otgt, fo^rt fürt, abnicc^felnb na^ beiben 
Seiten ^in ju treten. Wan ift überjcugt, in statu iustiHcationiB 
per gratiam gute ©erfe l)crüoräubiingen, burdi weld)e man di- 
vione legi pro fauius vitae statu ptene (luelt^er 3Siber(pru(^ !) 
gtnugt^ut unb bai einige Seben als 2oitn roitHii^ Dcrbicnt; aber 
bobfi ift man bc(jen cingebenl, bafe bie(e 9?erbienfte bod) nur 
göttlidie ©nabcngeji^enle (inb, mau fann alfo ntd|t auf fic, alä 



140 

eigene 3Berfe 3Bert^ legen (sess. VI. decr. de iustificatione 
cap. 16). 2)eöl)alb tft bie Sürgfd^aft be8 bleibenben religiösen 
3uj[ammenl^ange^ ber abenblänbtfd^en Äird^e aud^ in ben ©d^Iufe^^ 
fäfeen biefeS fiel^rbeaete^ jtt)ar nid^t unbeutlid^ au^gcfprod^en, 
jebod^ burd^ bie ebenfo tenbenjiöfe aU unlogifc^e 93ejiel^ung auf 
bie 83erbienfte t>erpQt: Absit, nt Christianus homo in se ipso 
vel confidat vel glorietur, et uon in doniino, cuius tanta est 
erga omnes homines bonitas, ut eorum velit esse merita, quae 
sunt ipsius dona. Et qnia in mnltis offendimns omnes, unus- 
quisqne sicnj; misericordiam et bonitatem, ita severitatem et 
indicinm ante oculos habere debet, neqne se ipsum aliqnis, 
etiamsi nihil sibi conscius fnerit, indicare, quoniam omnis 
hominum vita non humano iudicio examinanda et iudicanda 
est, sed dei, qui illnminabit abscondita tenebramm et mani- 
festabit consilia cordium; et tunc laus erit nnicuique a deo, 
qui, ut scriptum est, reddet nnicuique secundum opera sua. 
hingegen ift ber ©runbfafe ber au^fd^Iiefeltci^en SBebeutung ber 
(3nobt ol^ne 93eeinträci^tigung in ber Srmal^nung an bie ©terben^ 
ben ausgeprägt, toeld^e bie officieHen ?(genben ber römifd^ 
Äird^e*) üorfd^reiben, ba§ nämlid^ bie ©terbenben i^re Qnt)tt^xdit 
auf Q^riftuS unb fein Setben, aU auf ben einzigen ®runb ber 
©eltgteit, ju rid^ten l^aben. Sluf biefe Drbnung bejiel^t ftd^ bie 
©d^erirebe, toeld^e unter ben Sutl^eranem in SBfirttemberg öer* 
breitet ift, bag jeber Stotl^olif üor feinem ^obe lut^erifd^ gemad^t 
toerbe ; ber emftl^af te Sil^atbeftanb ift ber, bafe bie römifd^e ftird^ 
in biefem fünfte ber SBe^anblung il^rer Slnge^örigen i^re particu^ 
laren Änfprfid^e ber aQgemeinen d^riftlid^en Säal^rl^eit aufopfert 



1) Agenda Coloniensis ecolesiae (Ck)lon. 1637) p. 106. — Agenda 
sive Ritaale Osnabrugense (Colon. 1658) p. 171. 




Viertes ^a^itef. 



StT ttfonimtorifilit ©runbffl^ bou bcr SNt^tftrripnfl bwnft *« 
Glauben tin g-^riftuö. 

21. 3)er ©cbaii [entreiß, Mfen 9cfc{}ic^ttici^c SnHuidelunfl 
iäl wrfolgc, erfatjrt burd) bic 9EefoniiatoiTn eine beutlit^e SSet= 
änberimg äunad)ft in formaler §infid)t. 3n ber mittelaltrigen 
Ötlirbilbung erfolgte bic 5)eiitunii bcr ©cnugt^uung ober beä 
3*crbienftcäi, luelt^e 6l)tiftu» nii ®ott für baä meiif(^lic^e @e= 
jf^let^l ober für bic Srn3ät)'tfn fleiciftet t)Qt, in rein objectiuer 
Seife ; bie SSeäieljuiifl biefcr Sf)Qt auf bie aKeiijc^eii war in jenem 
äufammeiiliange ftetä nur aiiflebeittet, Ijinflegcii tcljrtjnft an einem 
gmij ojtbent Orte be* tS^flems, in bcr Seljre üon ber iiistificatio 
wiägcfü^rt roorben. "Sie Reformatoren tiingegen fnffen beibe ötc 
bunten nic^t nur in if)tcr birccteu ©ei^felbejie^uug auf einanber 
iufaminen, fonbern ricfiten iUflleici) bai nor^errf djenbe 3nter= 
((je auf ben tSebanfen uon bcr SIecfjtfertigung, unb oer= 
Icilitn, nie e^ jc^eint, ber i^ct)re Don ber @enugt^unng (SE)rifH bie 
Stellung einer ^ilfslet)re , roelt^c ilire SQeftimmung barin Ijat, 
tie be^uptete au»Jd|[iefi[ii^e SBcbinatttcit bet Met^tfertigung bur^ 
^n stauben ju erHörcn. SJicfe formale S?eränberung in ber 
Stellung beä Problem« ift nun aber ein Sllcrtmal »on ber 3Scr= 
Üiibennig ber Srt unb be« 3nt)alteä bes GJebantensS oon bcr 
SIcifttferttgung, 3nbem junäd)ft Sutfeer bcnfclben in ben Ußittel= 
»uttH be» 3nlerefieä tücft, unb feine 35eutung beffclben ali bic 
ffltif^eibeubc unb unumgiinglidie SBalir^eit betont, meint er mit 
ht Jlei^tferligung burt^ um ©tauben an tE£)riftuö eine fubjectioe 
Rligio|e Srfa^rung beft in bet Äirt^e ftcljcnben ©laubigen, unb 
nitftl einen objectioen ttjeologifc^en ©ag ber fiti^lii^en ®[aubenä= 
If^re. Sil biffer 'Öejiel)ung ift Suttjer'« Sluffaffiing bcr SRec^t^ 



i. 






142 

fertigung mit ber glcid^namigcn römij[ci^^fatI)ofifci^cn ficl)rc unglcid^^ 
artig, )o fc^r, baft baö üblid^e SBcrfal^ren ber alten ^olemif unb 
ber mobcmen comparatiöen ©^mbolif, bie eöangclifd^e unb bie 
römifd^^fat^olifd^e Deutung ber SRed^tfcrtigung alö bie auf ein- 
anber berechneten ©egenfäfee mit einanbcr ju öergleid^en, t)on üom 
herein t)erfel)It, erfolglos, öerttiirrenb ift. 2)enn bie 9ied^tfertigung 
burd^ (£^riftud bloS unter ber ^ebingung beS empfänglichen 
®Iauben^ ift gemeint al^ eine in fid^ gefd^loffene burd^gel^enbe 
@rfal)rung be^ ©laubigen. SSad l^ingegen bie römifd^-tatl^olifd^e 
Se^re unter 3uftification öerftet)t, fann toegen ber bel^aupteten 
SSermittelung tl^eitö burd^ bie ©acramente, tl^eild burd^ bie toerf« 
t^ätige SrffiQung ber göttlid^en unb fird^Iid^en ®efe^e niemals 
atö ein^eitlid^e Srfal^rung in baS ®emfit^ bed ©laubigen eintreten. 
SStelme^r toirb ja bie ©eioife^eit, geredet öor ®ott ju fein, toenn 
fte aud^ burd^ bie SCbfoIution momentan eüoedEt tpirb, für ben 
SBerlauf bed koerftliätigen SebenS aU etmad ^ngebilbeted verboten. 
^$emer erhellt bie Ungleic^artig!eit ber gleid^namigen ©ebaufeit 
auÄ ber boHfommenen SBerfd^ieben^t, ja Snbifferenj il^rcr JBe* 
jie^ung unb 93eftimmung. ^ie römifd^^fat^olifd^e Stfyct üon ber 
Suftification foQ nämlid^ erflären, tuie unb burd^ nield^e 9KitteI 
aud einem @ünber ein actit) ®ered^ter koirb, ber aU fold^er aud^ 
Don ®ott ber SBal^rl^eit gemä§ beurtl^eilt Serben fann. ^ngegen 
ber reformatorifc^ ©inn ber religiöfen ©rfal^rung t)on ber ^MfU 
fertigung ift ber, bafe ber ©laubige, »eld^er als fold^er tüieber* 
geboren unb ®Iieb ber ^rd^e, toeld^er burd^ ben ^ligen ®cift 
fä^ig unb loirlfam ift, gute SEBerfe ju erjeugen, toegen ber fort* 
bauemben UnüoQfommen^eit berfelben nid^t in il^nen, foubern nur 
in ber mittlerifd^en üoQfommen geredeten ficiftung S^rifti, bie er 
fid^ burd^ ben ®lauben aneignet, feine ®eltung öor ®ott, feine 
®ered^tigfeit unb ben ®runb feiner ftetigen ^eilSgenrife^it finbct. 
9htr biefer Seftimmung beS ®ebanfenS entfprid^t eS, ba§ fiut^ 
toie 9Keland^tl^ün, bag bie (Soncorbienformel toie bie ^ologie ber 
ÄugSburgif^en Sonfeffion, baft Salüin toie 3^^"9K ^^ ^^^ ^ 
3;roft ber frommen ©ewiffen, bie JBefriebigung ber um i^r ^I 
beforgtcn ®emüt^r feftjufteHen ftreben, @rft in jtociter ßintc 
rid^tet fic^ baS Sntereffe ber Sieformatoren auf bie ©teQung beS 
in ber reKgiöfen ^ajiS erprobten ®eban!enS in bem ©^ftem. 
S)ied Unternehmen ^at aber bei fiut^ unb SKelond^t^on niemals 
bie tviinfd^enSnKrrtlK J^Iar^it unb ©elbftänbigtett gegen ben 




ttligißS'praltifc^en ©ebraiicfi jeiier 3Ba£)thcit flctruniitcn, imb c? 
tmrb fic^ fingen oti unb imDinoeit bk folgcnbeit IJogntatiEet ba9= 
jtnigc etftönät t}Qbcii, toa-i btc gtofecn SJorbilber uiiUoUciibct gc- 
iafien Rotten. 3n ber SRcitienfoIge ber i*el)rcn miifetc natÜTlid) 
bic 2cl)re Don bet ©enufltöuiing S^rifti «oranttcteii, bann folgt 
bie iiiei)Xt Don bet ©rroerfung beö @lau6cn« ober ber regeneratio, 
bann bic Ccljtc Don ber SHedjtfertiginig, uou ber Jlnrcilfnung bec 
©ew^tigteit Gtirifti, barauj crft bicßc^re uoii ber habituellen l£r^ 
iteuemng bed ©ereditfcrtigteii, )o ia% tr sii guten SäJerfen fä^tg 
loirb. 3n bicfer @eftalt treten nun bic euangelijtöea festen 
»on SKcc^tfettiguiig unb Iffiiebergcbnrt ber römifc^en t'c^rc Don 
b*t Suftification ober Siiebergebiirt gegenüber, iinb erft ^ier 
wirb eine 5iergletcl)ung jtoifi^en jenen ßeörcn unb bet rümtft^en 
5«ftificahonÄlet]te möglid). ?Uto (lucö unter bicjer Scbingung ift 
«Ä roiberfinnig, bie beiben gleidjnaniigen fiepten uon ber 3icd)t= 
frrtigimg an einanber ju meffcn, benn bem iKntimen iinb Umfang 
ber romi^i^en S?el)re enlfpric^t nur bet ^uWinntEt^^uid ^cr ge^ 
nennten jroei ober btei Sel)ren bcs eDangelifcljcH ©t)ftem«. Slber 
Wünim nun bet öebanfc, ber tömifc^ctfeitö alö ©ntjeit aufgefn&t 
ift, e»angelif({)ctfeits in mcbrete iSebanfcn jetlegt roirb, baä ift 
oon Seiten ber SZoc^folget ber SHeformototen tntraet nur onö 
bem rcligiöfen iBebürfnife beö 9Bicbergeborcnen narf) ber 9{e£^t= 
fcrtigung burd) ben ©laubeu beriefen loorben, nienmlÄ ouö ob^ 
jettiDcn iRü(ffi(^tcn beä fpflematifdjcn 3iiioninteni)ongeö bet c^rift- 
iit^m £ef)re. Seneü Scbürfnife ober ift nui^ nii^t immer fo cifl: 
gemciiigiltig unb fo flar geblieben, buii nitftt bie reformatoritc^e 
S^rt Don bet SUecötfcttignng feit ifjrer ©ntbecEung tnteber l'et= 
ft^oben ober in ücrfc^iebeiiet üßteife unter ben 5|JroteftQntcn felbft 
bei ©ette gefegt morbcn rodre. Cielleidjt fommt e« fogor barouf 
an, bie DoUftiinbigcn iöeäietjungcn berfelbcn fiir bic ©egenroart 
rril roiebcr ju cntbeden. 

UebetbiciS tjat man bei bem Söctrieb bet 35ogmcngefd)id|te 
unb ber ©eidjii^te ber 5f)coloQie bie (irt^cngcfcftidttlii^cn Midjt^ 
pBit!te. beren er bebarf, nic^t genug im Äuge behalten; unb biefer 
©(fiabcn rödjt fic^ bcfonberö bei ber ^Inffaffung unb Deutung ber 
Itjcologie ber Sieformatoren. Sßienn man ftcft Don ber 9!)iet[)obe 
loifagt, bü& in bem 9Bec^fel uiib ^Jortf^rittc bet ttjeotogifc^en 
(frfenntnife bie logifd) notijlüenbigc ©elbftbetticgung beö ©ebanteni 
narfijuweifen fei, fo ift man auf teiiien aiibetn ®efii^täpunh ge= 



144 

tatl^, ate bafe bic religiösen unb loiffenfci^aftlid^en @rfa^runflcn 
beö tl^eologifd^en ©ubjectg ben jureid^enben ®nntb fetner eigene 
t^mlid^en ©rfenntniffe in ber 2;^eoIogie bilben. 93ei ben SRännern 
jtoeiten unb britten Siangeö mag biefer 9Ra§ftab genügen, ba in 
i^m bic S3ebingtt)eit beS ©injelnen burd^ bie Sage ber Äird^e, 
tocld^e er borfinbet, eingefd^Ioffen fein toirb. ÄQein für bie S)eutung 
ber reformatorifd^en Xi)toloQxt reid^t jener SRafeftab, fo wie er 
gekoöl^nlid^ gel^anbliabt tt)irb, nid^t aud. S)ie einzelnen ©ubjecte, 
2uti^, StovaQlx, äReland^tl^on, Salbin, n)erben ja Don und gerabe 
barin atö Sieformatorcn anerlannt, ba§ fie fid^ bem bid auf fie 
ftattgefunbenen SSerlaufe ber Äird^e unb ber S^eologie entgegen* 
gefegt l^aben, alfo nid^t bon il^m bel^errfd^t toerben. SQSir bürfen 
fie nun aber aud^ nid^t fo toürbigen, ate ob fie ber ^ienbenj ber 
gefd^id^tlid^ gett)orbenen fat^olifd^en ^rd^e contrör entgegengefe^t 
toären. S)enn bann lofirben toir felbft i^ren SBert^ nid^t untere 
fd^eiben fönnen bon bemjenigen i^rer gleid^jeitigen Soncurrenten, 
ber SBiebertäufer, ©d^loenlfelb, ©erbet, gauftud ©ocinud, unb tt>ir 
kbürben bon bom l^in bie 9{id^tig{eit bed römifd^^fat^olifc^n 
Urt^eild einräumen, bag bie SBäter ber ebangelifd^en ^rd^en eben* 
fo gut ^äretiler feien, loie biefe ©ectenftifter unb ©d^ull^äupter. 
iSir finb aucft ol^ne SBeitered ber Ueberjeugung, bafe bie SReforma* 
toren aU fold^ nieber neue 9{eIigion ftiften looUten, nod^ neue 
Atrd^en in bem ©inne geftiftet l^aben, bag bon i{)rer religiöfen 
2;enbenj in ber abenblänbifd^en ^rd^e bidl^er 9Wd^td tt)irffam ge* 
n)efen tt)äre. SBir achten femer bie SReformatoren nid^t in bem 
©inne ate ^opl^eten, bafe fie bie religiöfe ©rfenntnife unb bie 
Drbnungen ber ^rc^e auf eine bor^er objectib nid^t möglid^ 
©tufe ber SSoQIommenfieit geführt l^ätten ; benn bie 8lef ormatoren 
l^aben ben fo gemeinten Änfprud^ ber ^äupter ber 3Biebertäufer 
auSbrädlid^ bon fid^ abgelehnt. %n n)eld^en gefd^id^tlid^en Um* 
ftänben toirb ed alfo ju erfennen fein, bafe unfere Steformatoren 
atö fold^e ben SBoben ber ^rd^e bet)auptet, baft fie benfelben 
»eber mit bem ber ©ecte nod^ mit bem ber ©d^ute bertaufd^t 
t)aben? Sffietd^ed ift ber ÜRa^ftab bafür, baft fie in ber Sodfagung 
bon ber römifd^en ®eftalt ber Äird^e nid^t jugleid^ bie S^rennung 
bon ber Äat^olicität ber Äird^e boßjogen? 2)ie 8eant»ortung 
biefer fragen loirb nid^t fd^on erfd^öpft fein burd^ ^intoeifung 
auf bie ?lbfid^t ber ^Reformatoren, ben ®eban!cn ber uniberfeKen 
^rd^ in Geltung ju erl)alten. S)enn an biefer Hbftd^t nehmen 



au(^ bk ©iebertäufev uiib bic ©oeiitiaiier in iljrcv 9(rt 5^eil: 
imb bod) lauffn bic ÜJievfiitiile, auf mcldjc bieje ^porteieii jcbe nad) 
iljwr JIrt bell ©egriff boii bet fiivt^e jurürffülireii, ber biöfter 
Selttnben ober iiibircct üoiauägeje^ten Üetire burdjauä juroibcr. 
^s tomint a\\o baiauf an, ob btt diefonnatoteii aut^ gemäg 
riiKm ^eriic[>rad)teii unb auc^ für iljre ©egner nidjt butc^auä 
wrroevflit^cn ©tunbja^e bm iöobcn bet aOsentcineii fiirt^c behauptet 
^beit, aadi iiacfthcm bic törntj^e Äitctjcngeloatt fic a\a ^ärctifcr 
wrftofeeii ^attc. Ssf tommt ciibli^ borouf an, ob fic fid) in biefer 
§infi(§t üon bcn idjeinbav analoficn, aber burd) fte ielbft be* 
fämpflcn SÖcfttebuiigen bet Üßicbertditfer unb Socinianer niirfÜdj 
unleridji'iben, ober ob fie mit biefen jufammen in Sine Ülaffe gt= 
ftöten. 

22. 3)ie SHeformation roÖre in 31;cut(d)[ünb unb in ber 
^ipcij nid)t über ifjrc critcn ßebcnöregungen I)influS gebictien, 
wnn in jenen yönbecn bie l^rätenlton ber römii(^cn fiirdjc, bafe 
1« allein bie ^riftlii^c ®e|eU(d)aft fei, in nngejf^möi^ter Geltung 
unb Ätaft gcftanben !)ätte. lie ©croalt bc« ^af)fle« unb ber 
9if(^öfe tjöKc in biefcm golie aud) in jenen l'ünbeni bie iKcfor= 
mation mit bcnjelben 2)JittcIn unb bemfelben (Srfolge unterbriidt, 
wie ii in 3tülicn gefdial). 5!)ie SStformation tonnte in ^eutfd}= 
lanb unb in ber ©djrocij nur burdjgefütjrt merben, ireil in bem 
IJ. 3a^t[)unbert bie 9lbBocatie beS Staateä in ber Aircftc einen 
ctl)eb[itf| etiDcitertcn ©pictraum in Jolge beffcn gewonnen ^otte, 
hi bie ISurie mit ben ©taatSgemalten gegen ben SpifEupat lu- 
iatnmenI)ieU, nadjbeni bcffen Slnfprüc^e im Anfang be^ Satjrljunbert« 
tfls $apfttl)um eingeengt Ratten '). SÖ^rcnb nämtici& jeneS 
%l)t burd) @cegor VII. auf bie unbebingte ^flidit ber t)ioIg{ams 
Iftt bc6 ©taateö gegen bie fiiretjengetDalt ()erabgcbriidt luav, fo 
lutle fici^ beffen (Teilung feit ber boblilonif(^cn ®efangenfd)Qft 
bei^dpfte, feit bem ©i^iöma unb ben reformatorifc^en Goncilicn 
ha BHafeflflbc miebcr angenähert, nad) roelc^em in ber fränfifd)en 
Ipodie be* röim)d)en JHeic^eö boß iüerljältnife beö ©taate« ä»! 
ffit^ be^anbelt lunrbe. %U Iräger ber Slbwocatie ber fiir{^e 
8n!t prineipaliter ber römifc^e Slaifer, allein und) bie ©tmibe beS 



l) »fll.Si^iebb'tß. b(i-9Sifibraii(&bevgfiflIid)di*ml«a»n'olH"'lib« 
««ui« nn bi-n Sraat, in t*t 3>-ilid)rlfi |üt ftir(t)(ntctl)t. iöh. Vlll. ®. SM |f. 



146 

römifd^en 9ietci^ed beutjd^er 3laixon nahmen in intern 9Rage an 
bcn Siedeten jener ©teßung ?lntt)eil. 3Bie oft ^ben beutfd^e 
Sonbedl^erren im 15. 3al)r^unbert bie Steformotion Don äRönd^d^ 
orben angeorbnet unb burd^gefül^rt, alfo eigentUd^ innerfird^lic^ 
Siedete ausgeübt! @o koie nun bad Sfteid^ in ber Spod^e ber 
^Reformation ate bie d^riftlid^e ©efeUfd^aft im tticitcm ©tnne 
anerfannt loar, fo bot bie ^^^pKttcrung ber politifc^n SRod^t 
unter bie groge 3^^^ ^^^ Sleid^^ftanben }ugleid^ mit ber SSe- 
^Quptung Don Siedeten über bie ^rd^e burd^ biefelben ber 93e^ 
n^egung unb ^Verbreitung Don eigentl^ämlid^en religiöfen ®ebQn!en 
einen ©Kielraum bar, ben bie ^rd^e in Äraft il^rer SSerfaffung 
QUdfd^Iog. 9[n ber d^riftüd^en ©efeQfd^aft bed römifd^en 9ieid^ed 
t)ielten nun bie 9ieformatoren fibert)aupt feft, loä^renb bie SBieber^ 
täufer biefelbe überhaupt Demeinten unb eine ganj neue ®cfell^ 
fd^aftdorbnung ald bie d^riftlid^e aufjurid^ten erftrebten. S)ad 
römifd^e Sleid^ ttKir aber atö d^riftlid^e ©efeÜfd^oft Don jel^ 
burd^ ein äRerfmol Krd^Iid^en ©eproged, nämlic^ burd§ bie Ser^ 
binblid^feit eined bogmatifd^en 93e{enntniffed bejeid^net ^Qd faifer* 
lid^e Sbict Don ©rotianud, SSalentinionud, ^^obofiud de summa 
trinitate et fide catholica Don 380 (im Suftinianifd^en &ibec 
bad erfte), n^eld^ed bie unDerönberte 93Qfid bed öffentlid^n Stec^ted 
aud^ im Zeitalter ber 8leformation bilbet, lägt nämlid^ biejenigen 
aU fotl^olifd^e Sänften gelten, n^Id^e bad 93efenntnig bed römif^en 
93ifd^of$ ^amofud }ur nicenifd^en ^rinitatdle^re tl^eilen, belegt 
aber bie änberen mit bem e^rlofen SRamen ber §äretifer, unb 
fiberontn^ortet biefelben fon)o^I ber diad)t @otted, old aud^ 6e» 
liebigen laiferlid^en ©trafen. S)iefem SKerfmale bed römif^en 
9{eid^ed aU ber d^riftlidjen ©efeQfd^aft entfprad^en nun bie 9tefor^ 
matoren fd^on baburd^, bag fie bie Xrinität^Ie^re nid^t beftritten, 
inbem fie SSeränberungen ber ^eitöorbnung unb ber ßird^notbnung 
erftrebten. 3)enn bie Uebergel^ung ber SirinitätÄlel^re in ben 
älteften fie^rbfid^em, in äReland^tl^on'd Loci theologici unb in 
t^arer^ Sommaire (juerft 1524) ^at nid^t ben ©inn, ba§ jene 
fiel^re geleugnet werbe, fonbem Diclmel^r bie ©ebeutung, ba§ bie 
al^ feftftel^enbed ©el^eimnig für ben d^riftlic^en ©tauben gel^igte 
Se^re burc^ bie SReubilbung ber praftifd^en ^Ule^re loeber be^ 
rü^rt nod^ ongetaftet werben foHe. SBielmel^r ad^ten Sutl^ unb 
äReland^t^on bie ©^mbole ber alten förd^e old S^orfteUungen beS 
SDangeliumd in i^rem ©inne, b. 1^. aU B^^sniffe ber Offenbarung 



147 



3n bieget 'Ecutiiiig ift eä ju »erftcljen. baft bic offeiitlit^cn Se= 
fmirtniifc, s- S. baä ^lugöburflifi^c imb ba« ©^malEalbifc^e, bic 
nu^brucflic^c 3<ift'i''n"'n9 jii ben niceiiifcften ©agungen etilätcii. 
SuHet iDie 3Jielaiicf)t()i)n meinten aiicft nic^t gecicn bic(elben j« 
Mrftofeeii, inbcin fie eine Uinbilbunci ber fietjrcn uon @ott imb 
Don 6E)riitu^ luib bem ^eiligen @ei)"t mit anbern IRitteln aiü 
bcncn ber ©cftolaftif ä""Ät^ft tut ongc.^eigt l)ielteir, obglei^ fie 
\>m ber Söiiing bieder Stufgabe bclb obftanben. 55eS^aI(i blte&eti 
nidjt nur bic Sfeformatorcn ihrem Scirmfetfeiii unb il)cer Slbfti^t 
iioc^ fot^olifd), fonbcni bie Sorrettiieit ihrer .^altung innert)alb 
btr für bei« tömiid)e ^JJeic^ geltenben ®renjen ber ß^riitlic^feit 
ma(f)te es ben fianbcäfierren iiiib 06vigtciten fllü foI(^eii mögtid), 
fie ju bulben, ju frfjii^eii, gemeiitfame ©ac^c mit i[)nen ju matten, 
^iffeä ^"(""""fnnritfen ber Dbrigfciten mit ben Meformütoreti 
auf ber djrifrtic^en ©riiiiblage be§ römifrf|cn Meit^esl fictjcrte ferner 
benfeibeit i^ren fortboueniben 9lii)ptut^, sHt allgemeinen fiitö)e m 
Üt^ören. wcIi^cn bie Jluguftano n)iebert)D(t aitäbrücft. ®enn o^ne 
liQS tömi(d)c Meid) gab eg Ictne allgemeine diriftlit^e Äirci)e, imb 
inbem bai 9{eid) eine Siegel über baS Sßerlmaf beS !att)oIiidieii 
^t|riitentl)umä aufftetltc, nerbiivgte c^S bcncn ilire Sfngeijürigteit ^ur 
4riitlict|cii Äird^e, meiere biefer iH<geI entfiJtad)cn. SeibeS ift 
auegebriicft in bcin ^rojecte beä allgemeinen Gondle«, unter beffen 
®(^u^ bie Steformation fid) \o meit fcftfteütc, bafe fie nirfjt mcl)r riid= 
Hängig gemocht merbrn tonnte, alä e& tuirflic^ pm Soncil fam. 
Ittm bie ?lppellQtiDn an baffelbe bebeutet bei ben Reformatoren 
Ict Sniprud), bnfe fie tro^ ber Sermeigerung beS ®et)orfamS 
(((gcu bell '$opft SU ber im röniif^en Meiere bcftet)enben all= 
Htmetncn Jtirtfie gel)ören ; ba* im !fteid)ätagöabfrf)ieb Don ©peijet 
11526) bem Sniter abgemonnene Sßerfpredjen, ben JReligionäftreit 
6iitc^ ein Soncil entfd)eiben j^u laffen, geftefjt wotläufig ber Mcfori 
motion ilir Medit tn bet Sirdje ju, fnUä bic @tänbe fit^ fo f)alten, 
roic fie c» uor @ott nnb bem fiaifer oerantroorten fönneit, fusipen» 
Ün alfojugleiift bic allgemeine SJerbiitblit^feit aller 3)ogmenbilbung 
bt* SWittelalletä, loelc^c biä^er burd) fein nflgemeineä SoncJl unter 
Witnjirtnng ber ffaijer feftgefteHt loorben roaren. SRnu fann su= 
geben, bafe biefer äjiafefiab -^ur 18eHrtl)eilung beS fiampfeä in ber 
abenblänbii^eii fiitc^ eine 9ied)töfittioii mar, injofern als bic 
3tei(^#9eroalt nur burc^ bie Unguiift ber politifc^en Sage fii§ 



148 

iyenfelben aufnöt^tgen lieg, unb bie reformatorifd^e gartet, fobolb 
fie fcftcn gufe gefaxt unb fid^ fird^ü^e SScrfaffwng^formcn gegeben 
f)attt, bie Scbingungen öertoarf, unter benen l^erMmmlid^er SBeife 
eine öfumenifd^e Äird^enberfammlung gebilbct »erben fonnte. 3n^ 
beffen eS loar j. SB. aud^ eine Sfted^t^fiction, mit bcren ^ilfe 
feiner Qdt ©onftantin bie neue Sieligion (S^rifti, inbem er fie atö 
bie altt ben l^äretifc^en @ecten entgegenfe^te, in bem römifd^n 
Sieid^e recipirte. Slber inbem bie ®efd^id^te ber Sieformation trofe 
ber üerfd^iebenen politifd^en SBed^felfäQe burd^ biefen l^olb fir^lic^en 
Sied^t^grunbfa^ be^errf^t tourbe, bid fie burd^ ben Xugdburger 
Sieligiondfrieben toirfiid^e^ politifd^e^ Siedet im Sieid^e gekoann, fo 
ift ber Srfolg biefed SSerlaufed ber geioefen, bafe ber ^iftorifd^- 
fird^Iid^e X^pud, gemäg loeld^em Sutl^er, aber in feiner S(rt aud^ 
3»ingU \i)x Unternehmen begrenjten, ben firc^Iid^en Sieubilbungen 
berfelben aU d^arafteriftifd^e ©runblage erl^alten looiten ift. SRon 
mag bie UnboQfommenl^eit ber Sinrid^tung ber reformatorifd^n 
^rd^en nod^ fo tief empfinben, fo ift ed bod^ junäd^ft toüfyc, bog 
bie Sieformatoren bie religiöfen ^otenjen, namentlich bie $rebigt 
bed gftttlid^en SBorted unb bie Geltung ber ©acramente, loeld^ 
ftetd ate bie näd^ften göttlid^en ®runblagen ber ^rd^e anerfonttt 
koaren, für i^re ^ird^enbilbungen fo entfd^eibenb tt)ir!fam mad^ten, 
um etn^ad bem fpecififd^ ftaatlid^en (S^arafter ber römifd^en ^rc^e 
@ntgegengefe^ted ju erreid^en. @ie ^aben aber jugleid^ ben aQ« 
gemeinen (Sl^arafter ber Särd^e grunbfä^Iid^ unb toirffam aufrecht 
gehalten gegenüber ber principteQen @ectenbUbung ber SSieber^^ 
töufer unb ber principieQen @d^ulbilbung im ©ocinianidmud. 
^mn i^re fie^re öon ber ^eildorbnung unb i^re nod^ fo öcr- 
fd^iebenartigen SBerfaffung^öerfud^e mit ^ilfe bed ©taate* finb 
be^errfd^t burd^ ben ®ebanfen, baß baä ®anje üor ben Steilen 
ift, bag ber Sinjelne nur ald ©lieb ber ^ird^e jum ©tauben 
f ommt unb im §eile fte^t ; loä^renb SBiebertäufer »ie @ocinianer 
bie erftrebte ©emeinfd^aft a(Ä bie Summe ber actio ^Uigen, 
refp. ber über bie ^eifele^re (S^rifti Sinüerftanbenen looKen ju 
©tanbe fommen laffen. Söeld^en anbern @inn l^at benn jener 
©runbfa^ fiut^er'S, bag ©ott ben ^eiligen ©eift nur burd^ ba& 
SBort unb bie ©acramente oerlei^t, ald bag fein ©taube unb 
fein d^riftlid^e^ £eben benfbar ift auger in ber religtdfen ©emeinbe, 
toeld^e immer fd^on üorl^anben unb in [mm il^ren loefentlid^ 
9J{erfmaIcn toirffam ift, too ber (Sinjelne jum ©tauben gelangt? 



H9 



P. 



:n flleidjen ©iiiii aDcr (wt öct ptaftiid)e Örintbia^, unter bcffen 
Cciliing ,Sw'i'igli (ein niitcriicI)mGn (teilte, ha^ bic ()oIitifd)c Obrig» 
(cit in 3""^ ^if bcndftigtc Vertreterin bcr d)ri(tii^en ©cmeinbc 
(Ct. unb baft bcSt)Qlfi tf)te im I)ieiifte ber c^riftlid)en SRcligion ju 
tttffenben Stnorbnungen bct reinen ^rebigt, beö gereinigten Eultuö, 
bet 3"(fl' SU"" 5^''« *"^* ©injelnen @e!)or(am forbern. 'IDiefe 
^norbnungen aber galten im ©tmie ber allgemeinen IHrdje, roeil 
fic ber ^eiligen ©cJ)ritt entsprachen. "Eic ©cmeinbc ber ®Iäii[iigen, 
bif Xtägerin Don ©otteö SBort nnb ©acramenten, war al\o nnc^ 
für Sut^, bct fic nicl)t niic ^tt"'"?!!' ^^^ befteöenbe^ JRecfttS' 
iubjett Qiifroeiien hmnte. rocbcr eine traumt)oftc einbilbnng, noif 
ein neue* [ecten^aftcS %*robiict JeineS SSirten^, fonbcrn fic Eicftonb 
ali ber untterlierbare Hern ber gcjcljic^tlicf) geworbenen üHcid)*' 
fin!K. iin melier bic SHeformatocen il)r Sied)! Ratten nnb feft= 
Ijieltni, inbem fie e« untcrnobmeii, bie fnnbamcntolen Scbingungen 
bitfcr Sird)e gegen bie ^inäugefommenen Siitftcllungcn iljret Scf)r= 
unb Sebenäformen roirffam ^u machen. 

?IDerbtngS iprcc^eii bie Sficformotoren jclbft faum jentale ein 
ntirc« potitifdöeS Seroufetiein borüber anö, bnft ftc ftc^ biird) bie 
Jlnertennung ber IrinitätSIefire auf bem gefc^Iictjen ^oben beö 
Tömifc^n äleic^ed behaupten. ®S lucir t^ncn nur bcmnSt, baft 
fic tiiirc^ btefcS SBetenntnife auf bem ©ciinbe ber tntfjolijtften 
Äirt^e ftonben '). Otine allen SiP^'f^' flo'' ""fi) j«"*^ ö^^'^c für 
bie SHeformatoren urfprünglii^ in Äraft ber fitc^litfien lleßcr^ 
KrfcTung unb nid)t ber fpecififc^cn Huctorität ber tjeiligeii iäd)rift, 
~ |t bic forfgcft^rittenc SoSlÖfung \}on ber römifc^en ffirc^c niilt)igtc 



I) »gl. Sui^fv, ,Iiic brd ©qmhoio ober SctcnntniB btS *n(lli0cn 
Stauben« Don £uil|rrn, \t'mtn Glauben ju bctenncii, au^9 Wcuc in Xirurf 
(Kgrbm.' SBoldi X. ®. 1198. Sovrtbc; 3* fiabc jum Hebcifluft bir brd 
Somboln «bti ^ctranliiig jitfammcn wollen Inifen btutfA ausgeben, mtiiit 
in bn flotijttn ftir<6f btS^t flc^ltcn rinö: bnmit i^ abtrmal (cuflf, bafi i(fi 
rt mit ber rccfUcn *ri(l[i(6(n fliritic tfaltc, bie [oI<öe ®i)iiibola bisher bot bt= 
tallcn, unb nidil inil ber fälligen Tubmrebiqcii ShdK. bie bodi ber tet^ten 
ttirife fltßfte Jfeinbin ift unb picl Äbflütli-tci neben (oIAcii fdjünen Scloinl= 
nffcn dnatfiifirl bnl. — WuA Sulfjer'S önltung im «bcnbrnoölöftteil ifl 
Brf«illi(4 bui4 bie (aUerbinfl* iTrigc) aKciunne bcflimmt, bnfe bie reolc 
Sfgtnnait br« Seibeä (£^ci<li im Svol bie auSna^ntälDie Xtabitimi bet Rirdic 
ffit m Itabt. «fli. ben »tie( an ^ttjog aibreÄil bon ipieufien »on 1532. 
«ti b« fBtlU, SutK» »f'tfc IV. @. 35i; X3al* XX. S. 2096, 



150 

fic, aud^ bicfe ßcl)rc au^ bcr l^etltgcn ©d^rift ju bcgrüniycn, alö 
bicfelbc, namentlid^ burd^ SKid^acI ©cröet'^ SBibcrfprud^, bcn 
SBcrt^ einer befonbcrn Aufgabe für bie SReformatoren gettwnn. 
äUein ba gerabe ©erbet ben fird^Hd^en ®ebraud^ ber ©cgriffc 
§^poftafe ober ?ßerfon baburd^ beldmpfte, bag btefe SRamcn ber 
I^L ©d^rift fretnb futb, fo tonnten bie 9ieformatoren nic^t um^in, 
auf bicfem fünfte ein SRafe üon fie^rauctorität ber fiird^ ju* 
gugefte^en, toenn aud^ in abftd^tlid^ befd^ränfter unb t)erclaufulirter 
SBeife *). SQein bie SReinung liegt bod^ in berjenigen Stid^tung, 
in tt)eld^er fpäter ®eorg @ali£tud ben bogmatifd^en (Sonfenfud ber 
ffinf erften d^riftlid^en Sal^rl^unberte atö 9Ragftab ber ffu^kgung 
ber l^eiügen ©c^rift behauptete. Ifiatfad^e ift alfo, bafe bie Sic* 
formatoren in ber Sef)re t)on (S^rifti ^erf on unb üon ber Srinitat 
in erfter fiinie biefen SonfenfuS befolgt l^aben, inbem fie i^rcn 
J5u§ auf bem ©oben ber fatf)olifd^en ^rd^e be^ römifd^en 9lei(^ 



1) 9)>^eIan(^tl)on fpric^t ft^ barüber in einem 2:Tactat de eoclesia 
et auctoritate verbi dei (t>on 1589) aud (C. R. XXIII. p. 595 sq.). (£r 
toiH (p. 603), hai bie «[uctoritfit bcr ^trc^ für bad ^erftänbnib bcd 3o^n^ 
neifc^en Vrologd concurrtrc nac^ ber Siegel, bag bie ßirc^ ^u l^ren fei 
(Sl^att^ 18, 17). AudiamuB igitur docentem et admonentem ecclesiam; 
sed non propter auctoritatem ecclesiae credendum est . . . Veram 
propter verbum dei credendum esti cum videlicet admoniti ab ecclesia 
intelligimus hanc sententiam yere et sine sophistica in verbo dei tra- 
ditam esse .... Auditor admonitus ab eoolesia, quod verbum signifioet 
personam, scilioet filium dei, adiuvator iam ab ecclesia, et . . artioalum 
credit non propter eoolesiae auctoritatem, sed quia videt hanc sententiam 
habere firma testimonia in ipsa scriptura. — Salt) in (Inst. ehr. rel. I, 
18, 8. 4) gcfte^t ebenfaOd ju, bag bie tec^nifc^en ^formen ber Xrinitfitdle^rc 
nid^t birect fc^riftmägig ftnb, aber inbem er fte für pnngemag crfifirt, fo 
rechtfertigt er i^re @ntle^nung t>on ber ßirc^c, mcil bicfelben irrigen 9ufs 
faffungen, burc^ meiere bie l^ir^e ^ur 9(u8prftgung jener begriffe genSt^t 
tDorbcn fei, biefelben qu4 no4 immer jum ^ebürfnig mad^n. ^icfc 9[nft(4t 
ift üorfi^tiger atö bie ^elancbt^ond unb entfpric^t ber großem Strenge bc9 
@4rift|)rinci^d in ber ^weiten @)encration bcr Stcformation. — (Keorg 
^Qjor de origine et auctoritate verbi dei (1550) fennt aud^ ben catho- 
lious consensus in interpretatione scripturae, allein, er roiQ bo(^ nic^t ntel^ 
tDie fein fie^rer i^n ald fclbftftnbigcn gfü^^rcr im ))orliegenbcn gr^flc bemt|en. 
SSenn er auc^ multum valet ad confirmandas mentes piorom, fo foll er 
bod^ nur mcgcn Uebereinftimmung ber aud ftc^ felbft aufgelegten S^rift 
etnmd gelten, tiefer Wtann t^t alfo bad @d^rift))rind)i ber bogmatifd^ 
richtigen Srabition übergeorbnet. 



1 

4 




151 



T 



[ fceiielten. Siber imricötin iiiib erfolglo« roor ce, bü& Galijtue 
icnrn 3)!QBf'fl6 in priitcipielter SSeil'e ber lutljcnid^eit SÜrt^e qu|= 
ctlfflcn rooDte, alÄ bieielbe fdjon feit l)unbert Sntjren iftr bog- 
tnatiif^e^ ©ciuuglfein üon bem öobeii her finflutcn Ucdereinftiin' 
muns ber ürc^Iic^cn 'Xrabitioii abgelöft t)atlc, lui'iitt aiic^ bic 
aufflobt ber QUO i^t [clbft auöjulegenben ©i^rift in jener Sporfic 
iti^t rein burc^fölirbar idoc. 

SSä^rciib alfo bie Sfeformutoren iirfpriinglid) feine birccte 
Wec^nfe^aft bavon ablegen, xosläfc politifc^e Sebeutung fitr bic 
9}cf urmaltoii tt)re $e[)aiil)tiing ber Xrinttätg[et)re einf^Iie^t, {ofinb 
btc Obrigfeitcn, bie ber Siejormarion anfingen, fid) fel)r befi""«! 
beipufet gerccjcn, roctc^e !Rcii)tc unb $fli^ten i^ncn auä bem offene 
litten 5Hect)te be-:* iReidiCiä äu!ümen. ^-ie etnleuditcnbfteit 3eiiS"i(fe 
hierfür ^aben bie eDQnfleliicfjen CDrigteiten p ®cnf unb ju fflcrn 
abgelegt, inbem )"ie, mit nuöbrücflidjer öerufnnfl auf iai Gbict 
©ratiaii'Ä unb bic (poteren taiferlii^en ©trafcbictc gegen Seßer, 
bm aSit^ael Seröetuä (1553) mib ben Salentiu ©entiliä (1566) 
tuegen fieugnung ber Xrinitätökftre amßeben ftraftcn ')■ 53iefe[bc 
iRü(ffid|t l)at bell Surfiirften Don ©at^fcn beftimmt, ben 3ot|onnc6 
Gampannä in* ©efängnife p (e^en, ber fit^ in ÜSittenberg 1530 
burt^ SSiberfprud) gegen bie irinitötSletire bcmectlit^ madjte; 
benn bie gleichzeitig ermähnten Sefjnuptiingen beffelben über bac- 
Sui^öicn ber ®ünbe in ben 59ete^rten unb übet bie Unnotljigfeit 
bcd ®e(et)eä für bicjclben, obgicid) fie anabaptiftitc^c Xcnbcnj 
tKcrat^en, ifätttn jenes SBerfaI)ren nidjt tjeruorrnfen fönnen*), 
Umgele^rl legte bie ObrigFctt in Qüx\ii) 1526 einen jt^Iagenben 
^örtBciä bafür ab, baß fic tro^ tt)tec ^eilnaljme an ber SJeformatiDn 
[at()oliicf) fei, inbem fie einen SBurger bcö uon 3"i'rf) mitregictten 
Untcrt^ncnlanbeä ^[)urgau, Wa^ 9SeerU, lDe[d)er bic gnäbigen 
^.^etrai Von Qäui), noc^ bem ©prac^gcbraut^ ber rijmif<^cn 
' ItMft, Sefer gef^olten [)atte, aU 5D(ajeftät«Dcr6redier mit bem 
St^tocrte tiinrt^ten lieft *). 3)ie 3:i)eDlDgen Saloin, 3)ieIanc^tt)on, 



1) »fll. ttcffifcl, Slntiltinilovier por Saurtu* Sccin I. ©, 237, II. 
e. S28. «gl. bofclfafi II. 6, 368, 369, baft (üeiitiliS fclbfl btn (Ötunbjap 
iiu9fpiic^l. bajt ^üTCtihr ali Sctfcn fnlfi^fr »eligiun bic ^obesfltnfc ucr> 
Irirtwn, 

2) a. 0. C. I. S. 27. 

8) SSfll, ^unfteflbflfien, ScüräBi' jiufiivd)ciniertaffunBäacf(^i{^lc unb 
Ain^polilil 1. S. 99. 




i 



152 

Scja, bcgriinbcn ftcitid^ baS 9lcd^t, bic Slntitrinitaricr ju ftrafcn, 
aus einer aHflemeincn Serpflid^tung bcr Dbriflfeit flegen bic ^rd^, 
mit Serufung auf SSorbilbcr an^ bem Alten leftamcntc, ol^nc 
ben Ocfic^tSpunft beS pofitiüen faifcrli^en SRed^teS ju betonen. 
Snbeffen mirb e§ au^er 3^cifel fein, ba^ jener aHgemeine ®runb* 
fa^ bem pofitiöentRed^te na%ebilbet ift, unb ba§ bie Sctoeife au* 
bem 21. X. nur bemjenigen einleud^ten, beffen Ocfid^tSfrei* burd^ 
baS faiferli^e ®efe| öon öoml^erein beftimmt ift. Unter getoiffen 
Umftdnben fonnten aber aud^ bie t^eologifd^en SBertrcter ber refor* 
mirten Äird^en in ber ©^tt)eij jur ©id^erung il^rer üerleumbeten 
Drt^obojie eS über fid^ getoinnen, biefelbe auSbrfidElid^ unter ben 
©d^u^ beS ©ratianifd^en ©biete* ju fteHen. 3)ie* gef^iel^t in 
ber SBorrebe ju ber j^tt^eiten l^elöetifd^en Sonfeffion, xotläjt 1566 
toäl^renb be* gegen ©entili* fd^mebenben $roceffe* ebirt tourbe*). 
Äonnten aber bie reformirten Äird^en fid^ bod^ nid^t al* ort^oboj nad^ 
bem SWa^ftabe ber römifd^en Äir^e bejeid^nen, fonbem nur nad^ 
bem be* römifd^en SReid^e*, fo unterfd^ieben fie t)on ftd^ bieÄnti* 
trinitarier a(* ^äretifer, toeil biefelben au* bem Siedete ber 
c^riftlid^en ©efcHfd^aft ]^erau*traten, fotoeit biefelbe al* ©runblage 
ber allgemeinen Äirc^e t)on bem engem Umfang ber römif^cn 
5ttr^e bamal* flberl^aupt unterf^ieben tourbe. 

S)ie* toar ber gefd^id^tUd^e ^intergrunb, auf meld^em juerft 
Sut^er unb B^^wflK bie ^Reformation ber ^rd^c untemal^men, 
jener, inbem er bie religiöfen unb etl^ifd^en SSer^ältniffe be* d^rift* 
lid^en fieben* burd^ bie rid^tige Segrünbung ber SRed^tfertigung 
be* SKenfc^en in ©Ijriftu* orbnete, biefer, inbem er junäd^ft in bie 
Äird^c t)on Qüixiäi bie ^errfd^aft be* göttlichen 5D3orte* al* allein 
njirlfam für fird^lid^en (glauben unb Seben einführte. Snbem fie 
ftd^ innerl^alb ber Sebingungen ber d^riftlid^en (SefeUfd^aft be* 
römifd^en SReid^e* be^au|)teten, öon tt^elc^en fid^ bie SBiebertdufer 
in i^rem fecten^aften ©treben nad^ einer ®emeinfd^aft üon actio 
Eiligen Io*fagten, inbem fie bie §eiI*orbnung nad^ bem SRafe* 
ftabc be* paulinifc^cn ©üangclium* in* Seben führten, maren fie 
fid^ benjufet, im ©inne ber „fatl^olifd^cn Äird^e" iu l^anbcln. ©ie 
l^aben aber njirHid^ nid^t blo* in einem ibealcn ©inne bic Priorität 
ber 5ttrd^e t)or jcbcr §eiI*entttjidEcIung ber cinjcinen Snbiöibucn 



1) Niemeyer, Gollectio oonfessionum p. 462 sq. IBgl. %xt6i\tl 
a, a. 0. II. @. 876. 




In ©cltimg cr[)flltcn, jüiibcni (ie Ijabctt nie briT prafHItf)cn W 
llflft btt Gmeiiermtg be* firc^lit^'rcliiiiöfcii yclKiiö wicflii^ nuc 
hitjcniflfn (Skbonfcn flcltcnb gcmat^t, nad) roelrf)cm fi(^ bic iScltitt= 
bcurtticUung bet IjertiortQcienbiten rdigiö|en ßtiütiiftcTe beö TOittel' 
olttre gerichtet [)at, imb in lucl^ein fic^ ii6cr^aitpt bic l^ö(I)ite unb 
rtirtftc ?lnba(t)t bcr miltclolttigen fi'irff)c auöfiJtic^t, — biife für 
!*(ii (S^ttficn, mag eu im ®efü[)Ie rclatiöcr SloUtommenljett ober 
rtliitiDer UiiuoIlfominciii)cit ftctien, nusic^licltid) bic ©nobc, iinb 
ni^t bit 'öcrbienitc. ©rimb feiner ©eltiing Dor ®utt fei. 

23. Scr pcattiittie Sinn be^ ©ebanten* ßut^er'c uoii ber 
iNK^tfertigung burc^ bcn Olaubcit tnirb ttat butc^ bns 3fi9"i6 
Ucn (I^inni^ unb burc^ bic GtÜötungen £ut£)er'§ in beii Schriften 
inili ^rebigtcn, roelc^c üuä ber 3*'t ""r bem 3tii5&niii)c be« 
aiwile« um bcn 3lblafe Iicrftommcn. Sic ÖeDorjugung bicfcr 
Jocumeiite vox oUen anbcren Si^riftcn Sut^et'Ö ftüßc icft barauf, 
boB £ut^ bnri^ bic Sintucnbuiigeit ber (Segiicr gegen feine Wleu 
nmig ficft f,ü einer formellen SSeräiibcrung feiner ^ofttion £)e)tim= 
moi liefe, bie für bie ^luffaffung bec "Sac^e nirf)t glcic^gtltig ift. DaS 
äfUfltiife Don K^emnig '} barf aber be5f)aI6 ooranflefteHt werben, »eil 
« in jeber Sejie^ung clalfift^ ift, unb roeil ei in ber ätDcdmäfeiflftcn 
Seife über bic Iragiocitc ber ÜJIeiiiung öut^er'ä orientirt. @r 
Wt; „lieber bie guten aBerte ober ben neuen ©eijorfam ber 
fflitbcrgeborenen ift jegt ber öauptftreit jlüifc^cn unä unb bcn 
Sapttlit^tn, ob nämlicfi bie SBicbergeborcucn burtft bicjcnige 
51(ui«:it, loclc^e ber [(eilige ßScift in ifincn toirtt, unb burd) bic 
Sutcn SBerte, welche aui bicfer Smcuerung ^eroorqueßcn, gere(ftt= 
'filigi fflerben; b. f). ob bie Sicu^cit, bie iEugenben obei j 
auttti 33erfe bet 2BieberflebocEnen bie ®ac^c finb, mit rocli^er fxt'i 



1) Eumen Conc?. Trid. (Genev. 1641) p. 134 teq. 140. UcbrifldnS 
'Hm ift im Icfl oITtflirte ®efi(&e§punlt uon eftemnip in bcffdi Ärtilcr de 
iinliii«tione immti idiebtr. — 3tibem Bei larmintt« de iualifioatione 11,2 
''«1 flbtr biefc S)orfkaunfl btr Strtitfrnflt olä über ein» gBlit^une bt^dimxt, 
«Jicbucirt « [dbfl bn« SÜciitma oon EEirmnip txW rit^tig. ffia fianbelt 
fi* [üt bieten nid)t tinfodi um bnS propter (juod deus hominem in gratiara 
»dpiit, niie ea ©. notfe einer üoTiaufi(jen gDimiilining oon Bö- ©. 129 
«S(pri(l|t, fonbern um bo8 propter qood deus hominem renatum iufltum 



154 

in ®otteö ®crtc^t bcftcl^cu fönheit, mcgcn bcrcn &ott bcfdnftigt 
unb flitäbtg tft, toorauf ftc ftd^ Ucriaffcn unb toeld^cr fic Vertrauen 
lönncn, tüenn c« [id^ um bic fd^tocrc ^ragc l^anbelt, ob toir ®ottc^^ 
Knber finb unb jum etoiflcn Scbcn angenommen »erben". S^emni^ 
toeift bann nad^, bag $aulu^ im 9{ömerbrief bie Sled^tfertigung 
burd^ ben @Iauben auf Sbra^am bejogen l^abe, fotoie berfelbe 
ald miebergeboren unb mit guten 993er!en gefd^müdEt bargefieEt 
toerbe. „SBenn alfo ber ®Iaube in bet toal(rcn 95u§e bie &tnviQ^ 
t^uung ßl^rifti ergreift unb ftc^ aneignet, bann lann er ben STn- 
Hagen bed ©efe^e^ in bem göttlid^en ®eric^te etttjad entgegenfe^n 
unb fo beftel^en, bag tt)ir geredet gefprod)en n>erben. @d l^aben 
freiließ bie ©laubigen au^ ber @meuerung burd^ ben l^eittgen 
®eift aud^ eine juftanblid^e ©ered^tigfeit; aber toeil biefelbe in 
biefem Seben erft angefangen f)at, tt^eil fie unüoQfommen unb 
toegen be^ ^I^^W^^ ^^^ unrein ift, fo fönnen toir mit il^r nid^t 
im ®erid^te ®otte^ beftel^en, nod^ fprid^t un^ ®ott toegen i^rcr 
geredet." 

3)ie ^rebigten fiut^'d au« ben 3al(ren 1515—1517, in 
toeld^en ber ®ebanfe ))on ber Sle^tfertigung burd^ ben ®Iau6en 
jur Haren ^arfteUung gelangt finb nun in ber SSejiel^ung t^oll^ 
ftänbig correct, al« Sut^er ftd^ forttoaljrenb gegentoärttg er^Slt, 
bafe er jut d^riftlic^en ®emeinbe unb nid^t ju einem Raufen üon 
©ünbem fprid^t, toeld^e erft belehrt tocrben foHen. 3)aburd^ ift 
eS bebingt, bag bie ®etoig^eit ber Stec^tfertigung burd^ ben ®Um* 
htn ))on il^m bargefteüt toirb aU ber religiöfe Stegulator bed 
d^rift(id^*f ubjectiüen ®efammtlebcn«, toeld^er burd^ baffelbe l^inburd^ 
toirft, nid^t aber aU ein $()änomen, toelc^e« am Slbfd^Iuffe ber 
93efe]^rung be« ©ünberS eintreten foD. 3)enn jene ^rebigten bc« 
fd^äftigen fic^ überhaupt nic^t mit ber SBefe^rung ber ©ünber. 
Sut^er alfo mad^t in i^ncn ba« aufrichtige S^^fl^ftätti^^r ^S 
feine 3"^^^^ ftrebfam unb ttjätig in guten SBerfen finb; allein 
er rügt bie ©id^erlyeit in ber ©d^ä^ung berfelben unb bic Ober» 
fläd^Iic^feit in ber SBeurtl^eilung ber ©ünbe, toelc^e ftd^ burd^ bai 
d^riftlid^e Seben l^inburd^jiel^t, unb beffen SBert^ für ®ott burd^» 
freujt. 3nbem man blo« bie äußeren ©ünben in Änfd^Iag bringt 
unb bie fünblid^e 9ieigung ald ))eniale ©ünbe geringfd^o^t glaubt 
man fid^ in ben einjelnen guten SBerfen gefallen, auf fie Der^^ 
trauen }u bürfen, obgleid^ biefelben burd^ ^od^mutl^ nid^tig toerben. 
SSietme^r barf Sfiiemanb, aud^ ber SBoHfommcnftc nic^t ftri fou 




x>oa ber ^^'f^' oot bec üöUc. 3>cc ®ercc^teii 5utd)t ift öUc= 
^cit gemi(^l aus bcr fteiÜfltn imb ou^ bct fncd)tt(c^en ; abcx fie 
flelangcn immer mehr unb tnt^r jii ber tjeiligcn, bi* fie iiii^ts als 
©Ott iürt^teii '1. Snöcm bic SBcrfgeret^tm ba* Wefep nicf)t im 
Öeiffe erfüllen, bn fie lucnigiten* im fersen fünbigen iinb bc 
fltttreri, fo fjoben bie ^'c'l'Sf" i^'^'^ ucrborflenc Sünbe, beten 
^lung buTc^ bie (Mnabc cift begonnen ift, beftänbig bor 9(itgen, 
unb lömieii beSt)alb nic^t ftul^ fein auf i[)ie äußeren 9äer!e *). 
^efc ÄHbeutunflcn über bie llnOoQtomnieiiE)eit bcr guten SBerIc 
beö SBiebctgcboKiicn ftat £utt)er f^ftematifcft auägefüt)« unb 
ll>eolo)ii|(^ begrimbct in ben „SRefoIutionen über bie breiseljn 
äd^G gegen Scf" Uom 3nt)re 1519 *). Sr beruft fid) ^ier jU' 
nac^ft iiuf 3luäiprüc^e ber ftciL ©(^rift (1 3ot|. 1, 8; 3ef. 64, ö; 
fio^l. 7, 20;5Hi)m. 7, 15; (^at. 5, 17; ^f. 143, 2), roeift fctiier 
bie flnrocnbung bcö ©egriffä bct erläBtic^f ©ünbc auf bic 3ie= 
i!nt)eilung bea JaUeÄ äutiitf, unb bEl)aHi}tet, bn6 wenn aui^ bic 
Sünbe in ber Xaufc Hergeben niirb, fie als 39egietbe, unb jroüt 
nit^t olä inbifferente, äuriidblcibt, unb nod) bcfdmpft unb üf)ct= 
nmnben roerben inufe, ba§ hingegen bie entgegcnftctjenbe £cl)rmeife 
tine buQliftifc^e Sßorftellung uum ^ertjaltniß älpiftfien Öeib unb 
£«le in fit^ fc^liefet. 

SIcibt alfD audi butd) bie 9BerIe beä SBicbergebotcnen ba« 
Sciej ®otlee unerfüllt, unb ift ee unmöglich, bnrifi bic eigenen 
Stiftungen fic^ bie ©eltung Bot @ott ju gcliiinnen, (o ift ber 
Gläubige barauf angeroiefcii, btcfclbe in bet Vermittlung burc^ 
Sfjriftuä ju fuc^en. tiefer tiat ba« &e)e% idcIc^eä mir nur ouf= 
Iftn lönnen, etfüüt, unb l^eilt uitS bicfe feine (ätfüKung mit, 
iBbtm CT (nat^ IRattl). 23, 37) roic bic §cmic und mit feinen 
SKgdn bebecti. bomit mir aucf) felbft buri^ feine SrfüUung ba« 
fttft§ erfüllen, „©o Diel man fc^nffl, arfieitet, ftrebt, fo uevmefttt 
un nur bic Unruhe bcr <Seele, bcr man ju entgegen fnc^t. 
S/ün entgeht it)t nur bur^ bie (SrtcnntniB bet @nabe unb SBann= 
&(qiigfeit ©oticä, luclc^c in Gtjriftu« unä umfonft gegeben ift, unb 
fter lins angerechneten SScrbienfte (SEjtifti. 3nbem bnä IHefcg bncc^ 
S^riftuä erfüllt ift. fo ift eö nidit mel)r nÖt[)tg cö ^u erfüllen 



I) aef4fr SBtlonnnllonäacta I. 2, 777. 748. 2r.2. 

3) «. 0, O. ®. I. 772. 777. 

8) H. 0. O. III. ©. 766-768. SESold) XVIII, ©. 882- 



156 

(natfirlid^ ^nmQxozdt ber SRcd^tfcrttguitg), foitbern nur bcm Sr- 
füDer anjul^angcn unb gleid^ ju tücrbcn, toctl Sl^riftu^ ©ercd^ttg* 
feit, Heiligung unb (Sriöfung ift" *). 3Mc fjorm ber SRcci^tfcrtigung 
burd^ S^riftuS, auf tüclc^c bic ©tcbcrgcborcncn i^rc §eilÄgctoi6^ 
l^cit ju fiü^cn ^abcn, njirb fd^on in einer „3)ii^<)utation üom 
freien aBitten" t)on 1516 «) aU Smputation beftinnnt. „"SÜt ®e^ 
rcd^tigfeit ber ©laubigen ift allein auS ber Hnred^nung ®otted, 
toie e^ 5ßf. 32 ^ei^t: feiig ber SRann, bem ®ott nit^t bie ©ünben 
anrechnet 3)a^er ift jeber ^ilige nad^ Äol. 3, 3. 4 feinem ©c* 
tou^tfein nad^ ©finber, untt)iff enb aber gerecht ; ©finber ber ©ad^ 
nad^, aber geredet in Hoffnung; ©ünber toirfli^, geredet aber 
burc^ bic Änred^nung beö fid^ erbarmenben ©otte^." 

9»it biefem ©ebanfen ber burd^ baö Urtlieil ®otte^ auf bic 
(Gläubigen bejogenen unb i^nen ju ®ute gcred^neten ©ered^tiglett 
©l^rifti ift ber praftifd^e 3^edt beS 5;rofte^ ber beunruhigten 
©enjiffen erreid^t. 333enn man im ©tanbe ber SBiebergeburt 
au« bem ^eiligen ®eifte bie Äraft l^at ju guten SBerfen unb ju 
aQmä^Iid^er Uebertoinbung ber eigenen ©ünbe, aber ttjegen ber 
UnöoDlommen^eit biefer Srfolge »eber auf fie nod^ i^ren nSd^ftcn 
göttlid^en ®runb, nämli^ ben ©tanb ber SKiebergeburt, bie @t^ 
ttjifelieit be^ feiles grünben barf, fo ^at man fic^ ju öerlaffen 
auf ben SBert^ ber öoHfommenen ®erec^tig!eit Sl^rifti für ©ott, 
»elc^e, njie fie ju unferen ©unften, jur Srtoerbung ber ©ünben* 
Vergebung für bie ©emeinbe ausgeübt njorben ift, burd^ bie ®nabe 
®otte^ jebem ®Idubigen afö @runb feiner ®eltung angerechnet 
ttnrb. 3)er ©tanbpunit unb bie allgemeinen Scbingungen biefer 
reügiöfen ©elbftbeurtt(eilung finb biefelben, tt)ie bei Jöeml^arb, 
bei ©tau|)i| unb 5D3effeI. Sbtoeic^ungen t)on biefen SWdnnem 
bietet Sutl^er'^ Setrad^tungdttjeife in folgenben untergeorbneten 
Sejiel^ungen bar. ©inmal bead^tet Sutl^er an ben SBerfen beS 
©laubigen burc^gel^enb il^re relative UnöoQf ommen^eit ; toäl^renb 
bie SSorgänger im SKittelalter öortoiegenb bie relative SSottlommen* 
^eit berfelben ind Äuge faxten, inbem fie t)on beren öerbienftlic^em 
SBertl^e ju abftral^iren geboten. 3)iefer Unterfd^ieb bejie^t fid^ 
nur auf bie praftifd^e ?lntt)enbung bed ®runbgebanfen^, tt)eld^er 
je nad^ ben Umftfinben ber Snbiöibuen unb ber öortoiegenben 



1) «. 0. O. I. @. 244. 748. 762. 

2) Sa, a. C. I. 886. 




tt^äfta 3citrid|tun9 etciifo gceifluct i(t, bev Selbftgcvci^tifttint loie 
hr ©crinjutofitöt beö ^eÜöfieiDiifetJeinä cntfteflen ju mirteri. X>a6 
fiut^r fi^ immer an bem legtem ^eflenfflß oricntirte. eiitjptat^ 
iirilic^ ieinem pcriönti^eii SBebürfniffe ; tt mufe ober bamit ju= 
ijicicö einet Stimmung (einer 36''flciiDnfn cntgegetigetommen fein, 
jmcT Uiisufriebcnl)cit mit fitft (elbit, luctt^e bie unumflänflli(^ 
^bin(|ung religiüfer äJefüinrntion ift, !I)te aiibere ttbiticic^itiig 
liultjer 8 nun feinen ißotftängetn im SDültelattet erflätt ftc^ I)iet; 
UU6. 3nbcm biefe roic ßuttjer fict) mif bie ®nabc ©Dtteäi als 
to6 ^tincip beä d]riftlic^en i'cbenä ftügteii, tonnten fie fic^ bei 
einer unbfftimmlcn 9(nid|nHun9 berfelbcn beflnügen, roeit fie bie 
m i^ret 'ärl uoUfommeiten guten SJcrfe in ßontinuität unb 
Sonflruenj mit ber ©nabe fic^ üergegenniärtigten. 3nbem ader 
Vut^r bie guten ÜBerte ftetä mä) ifiiec Unl)OÜ!Dmmenl)eit, alfo 
i^tct 3ncongnienj ju ber beroirfenben ®nabe beutt^eilte, fo t)e= 
burfte er einer conereterti ^Injc^Qiiung ber götttict)eu ©nahe alä 
tie^ öegcngcroif^tes gegen bie uuDDlIEontmencn SScrfe. lär fanb 
jie in bei Slusbilbung bee iÖegriffö von ber 31cc^tfertignng burc^ 
e^tiftue. 

Xtc Sluffaffung bet ©adje buti^ Sut^er würbe atiei- un= 
»oUflänbig fein, loenn man nic^t nud) fotgenben Umftanb feinet 
Slnfidjt beachtete. ®s tommt für ßutf)cr (cfton in ben frü^eften 
Sleußennigen barauf an, bn& ber *4)Iaube beä Üöicbergebotcnen 
nit^t bloi bai empfäiiglicl)e Crgart für bie Stec^tfertigung burc^ 
Sliriftus, fonbern ^ugleic^ auti) boä brafttji^e Organ alle* ct)rift= 
li^fti £cben^ nnb X^unö ift. 2)er ©laube ift pgleic^ bie S8urfl= 
jffeift bes „EliriftuS in un§", roie beS „ß^riftuä für und", 
■ffienii ber 0laube im ^erjen ift, fo ift ßfjriftuä gleit^crmafeen 
fitgeiUDärtig, auf roel^en in jenem ©tauben Dertraut roiib; wenn 
iibtt ß^riftu« gegenlüüttig ift, fo ift JlQee ju überiDtnben. ©er 
ölflube erreicht, maä bas ®cfe^ gebietet. ÜDn bie ©erec^tigfeit 
Sic aiierle l)eruorbringt, fo genügt bie Etjriftuü burc^ ben ®lauben, 
thimit bn geregt fetft. "Dann Icbft, loirfft, leibefi bu nic^t bir 
ffibft. fonbern für ß^tiftu«, bcöfjalb ift niäfti bein, fonbem alles 
mit @^rifti. 'Die ©laubenägcret^tigteit wirb jroor o^ne Vierte 
gegeben, aber bennoc^ jum ^totäz ber 2Berfc; bü fie eine lebenbigc 
Äwft ift, fo fann fie nit^t müfeig fein ')." "Siefer ©efit^tspunlt 



. O. I. S. 230. 7til. 77B, 



158 

tt)trb irid^t blo^ auÄ bcr SRfidtftd^t gciteitb gemalt, um bic öcrfel^rtc 
f^olgcrung abjule^nen, bag man mit bem glauben an @il^rifti 
SJcrbicnft bic ^^nbcnj auf ba^ ©üitbigcn öcrbinben bürfc *). 
Sut^er bebarf biefer boppelten SSebeutung bei^ Glaubend aud^ 
bcS^alb, um bcn fittlid^cn ficiftungcn bed SBiebergebotenen bic 
Unbefangenheit ju fi^cm, bcrcn Äbtocfcn^eit bad ©trcben nad^ 
SBcrfgcrcd^tigfcit bejeic^nct. S)ic ri^tige Haltung bcd SBicber* 
geborenen toirb alfo bur^ fein SSertraucn auf Sl^riftud bon bem 
©treben nac^ S33erfgcrcci^tigfeit fo unterfc^ieben, bafe er im @lau6en 
nid^t blod bic ^eil^gen^ig^cit l^at, fonbem auc^ ben felbftanbigcn 
SmpulÄ jum ©ut^anbcln •). 3n bcr Qtxt öor bem reformatorifd^n 
©treit ift aud^ Sutl^er im Allgemeinen ebenfo fidler in ber SSoran« 
fteQung ber imputatiüen ^rec^tigfeit Sl^rifti \)0X ber immanenten, 
tt)ie in ber Unterfd^eibung beiber ©ebanfen »). S)edl^alb ift fein 
befonbered ®etox6)t barauf ju legen, ba^ gelegentlid^ eine @in« 
(enfung in ben fat^olifc^en ©pra^gebraud^ t)or!ommt, tok ba^ 
instificatio in spiritn unb vivificatio novi hominis gleid^gefe^t, 
aber bon ber üorau^ge^enben ©finbent)ergebung unterfd^ieben 
n^erben, ober bag aud) einmal bie Vnrec^nung ber ©ered^tigfeit 
S^rifti ))on ber realen 9Rittf|ei(ung berfelben abl^ängig gemad^t 
toirb *). 



1) «. a. O. I. ©. 284. 742. 

2) % a. €. I. 6. 752: 3)ae pitb bic 9{cnf(^ ©otted, mcl(^ )mr4 
ben (Bti^t @(otted gefettet »erben, totld^ menn pe bie 3u4t bcd fiuftent 
^enfc^cn gelernt ^oben, biefclbe nic^t achten, ald ffir ein IBorfpiel. SÜbtx ba« 
nac^ fieQen fte ftc^ in IBereitfc^aft, )u melc^em ^er! fte irgenb berufen »erben. 
%3enn fte burc^ Diele Seiben unb ^emüt^igungen Don (i(oft geführt n>erbfn, 
ol^ne JU tpiffen tpo^in, fo vertrauen fte ft(^ ®oii aQcin an, inbem fte feinem 
^erfe nac^^r an^ngen, unb i^rc ^crfe ^ben feinen tarnen im 9lnfange, 
fonbem am (Snbe, ba fte ni(^t treiben, fonbcrn getrieben merben. ^enn n!4t 
mit eigener ^lugl^it treiben fte, ober nehmen ft(!^ üor, fonbem fte merbfn 
Don i^rem fBorfa^ f)Kuftg abgebra(^t unb t^un ^nbcred als mad fte fu^ 
vorgenommen ^aben, aber fie ftnb hierin begnügt, unb ttaitcn für (Sott ^11, 
100 jene 9Berfgerc(!^ten üerjtocifcCn, weif fte nic^t toiffen, toad fte get^ ^» 
ben. ^cnn fie tooQen i^r fBerf genannt unb feftgefteQt ^ben, e^ fte t^en; 
ba^r folgt in biefem ^aUc ber d^rafter bed S^tet9 ber %fyit, in jenem 
anbem gc^t er ber £6at üoran. 

3) fBgl. auc^ a. a. O. I. 8. 288. 

4) ^. a. O. I. 770. 742. ^e^nfic^ urteilt JTöftltn, fiut^*9^^ 
logie I. @. 137. 



159 

24. 3Q3enn e^ jur SSerbcutlic^ung bc« ©cbanIcnÄ Sut^cr'« 
Don bcr SRcd^tfcrtigung burd^ bcn ©lauben al^ tDÜnfd^cn^tDcrtl^ 
ober notl^toenbig erfd^eint, benfelben mit einem Elemente bed rämifd^^ 
fat^oltfd^en 6()riftent^umd ju ))ergleic^en, fo t[t nid^t an bie 
Se^ t)on bcr SuftificQtion, fonbem an bie 3n[titution bed SuS^* 
facrament« ju erinnern. 3)enn ttjie ber eöangelif^e Act be^ 
@{au6end an bie Sted^tfertigung burd] Sl^riftud bie ^I^gen^ig^eit 
bed ©laubigen gegen bad bauernbe S3etougtfein ber fünblic^en 
UnöoHfommen^eit fcftfteDt, fo bienen bie in jenem ©acrament ju^ 
fammengefagten ^anblungen be^ $önitenten unb bed ^riefter^ 
böju, bem au^ ber ®nabe gefallenen ©laubigen bie ©ünbenöer^^ 
gebung, bad freifpre^enbe Urt^eil ®otte§ jur ^erfteHung be^ 
®nobenftanbeÄ ju vermitteln. 3)er Angriff Sut^er'g auf ben 
96Ia^ ffi^rtc in erfter Sinie ju einem ©treit über bie inneren 
Ser^ältniffe bed Su^facrament^, ju meld^em ja bie ©inrid^tung 
ber Snbulgenjen nur ein änliangfel ift; bie Umbeutung bed SJufe* 
facramentg, toeld^e fiut^ im Saufe be« ©treite^ t)oIIiog, befte^t 
in nic^t^ anberem, ate in ben Folgerungen aui^ feinem ®runb* 
fo^c öon ber SRed^tfertigung im (Slauben, ben er al^ ben Äanon 
^bl^bte, auc^ inbem er noc^ eine 3^itlang bie äußere ©eftalt 
ber überlieferten ©acrament^prayi^ unangetaftet lieg, ©e^rt 
nun aber ba^ JBufefacrament in ben 3wfammen]^ang beö SebenS 
in ber 5Rrd^e *), fo ift bie Stnalogie, bie Dppofition, bie Soncurrenj 
be« lutl^crifc^en ©ebanfen« t)on ber SRed^tfertigung im ©lauben 
nnt)erftänblid^, tt)enn man hierin nid^t eine pra!tifd^e Srfa^rung 
bed Qctiüen ©liebet ber ©emeinbe S^rifti fid^ üergegentoärtigt. 



1) «öl. Äöfinn a. a. O. I. @. 213: ,3)cn iRittcl|)unIt bc« ©trcitc« 
btCbetc iunftd^fi bie fiel^rc \}on ber Su^e. ^uc^ je^t §abcn tDtr totebcr 
baran ^u erinnern, bag ed [\d^ toefcntUc^ um btcjenige Sugc l^anbelt, tücld^t 
ber f^on tnd (S^riftent^um eingetretene, in ben ©nabenbunb 
aufgenommene SRenfc^ megen ber @änben, bie er boc^ immer toiebcr 
begf^, neu ya iübtn ^abe. d^ben biefe tarn ja in «etrac^t beim 9CbIag, 
ni^t bie IBugc €tned, ber erft neu bcn ©laubcn annel^me unb 
* be9 ^eiU t^eil^aftig werbe", «gt. bie gleichartige 16emerlung @. 206 
über £ut^'4 (erften) 6ermon de poenitentia. — ^errlinger, ^ologic 
SRelanc^tl^on'i» (1879) @. 57 ^at biefe (Kombination in unglaubUc^er fBeife 
migi^tanben, inbem er mir nac^fagt, ic^ beutete ben urfpritnglic^en Sinn 
ber 9iei^tferttgung auf bad, »ad nad^^r iustificatio iusti bcigt. ^u(^ bie 
gegen mic^ geri^tete «emerfung @. 8 ift gegenftanblod. 



160 

%n ber t^orm bed SBugfactamentö tonnen junad^ft bte fatl^oltfc^en 
^olemifer ftc^ öon i^rem Srftauncn barübcr erholen, bafe bcr 
cöangclifd^c ße^rbcgriff ein freiet Urt^eil ©ottcö, bic ©ercc^fc 
fpred^ung ber ©ünber, als ben Dotoudge^enben ©runb i^rer 
SBteberßeburt, ober aU bie mafegebenbe gorm i^rer rcettcn Scr* 
änberunfl in Äinber ®otte« aufredet erhält. 35enn bie ^erfteDung 
ber ©ered^tigfoit bed in ben ©ünbenftanb {urüdEgetretenen ©läU'^ 
btgen erfolgt aud^ in biefem ©acramente menigftenS oftenfibel 
burd^ ba^ Slbfolutiondurt^eil bed $riefter^ an ber ©teile @otted. 
3)a^ Urt^eil alfo, ba^ ber ©finber nic^t me^r ©ünber fei, tft 
ber ertoarteten Infusio gratiae iustificantis übergeorbnet 3n 
ber $rQ£id bed 93u§fQcrQmented erfd^eint nun bie contritio, toeld^e 
ber Slbfolution oor]^erge()t, ald bad eigene SBer! be^ $önttenten, 
burd^ n^eld^ed er ftc^ jum (Smpfange ber ®nabe ju btSponiren 
^at. Süerbingd ^at bie X^eorie niemals jugeftanben, bog l^ierin 
ein meritum de congruo ausgeübt toerbe, n^elc^ed bte @nabe 
ertoerbe, unb bie barauf gerid^tete aufläge SKelanc^tl^on'd *) ift 
unbegrünbet; üielmel^r be^QU|)tet bie fat^oUfd^e Se^re beftimmt, 
bog bie contritio burd^ bie üoraudge^eube ©nobe erregt n>erbe. 
Allein ber praftifd^e Serlauf, ber im SBufefacramente üorgefd^rieben 
toirb, ift ber, ba^ bie ^önitcuten i^re SReue nid^t au^ einem ©c* 
tou^tfein t)on ber ©nobe l^eröorbringen, f onbem am ®efe^e meffen ; 
unb biejjenigen, n^eld^e ed emft meinen, n^erben burd^ biefen 
SRagftab unb bun^ bie ^umutl^ung, aQe einzelnen ©änben in ^ 
trad^t ju jiel^en, ju einer in fic^ ji^Hofen Steigerung ber ©elbft* 
Prüfung unb ber detestatio peccatoram angeleitet, um bad redete 
Wa% ber ^idpofition jur gratia iustificans ju erreid^en. $te» 
gegen nun richtet ftd^ bie Srörterung Sutl^er'g in ber SBeife, bafe 
er ben SBert^ ber Äbfolution unb be^ @lauben§ an biefclbe 
gegen bad ©treben nad^ med^anif^er SoIIIommenl^eit ber contritio 
l^eroor^ebt «). 3nbem fintier bie latl^olifd^e Snftitution bcd ®u6^ 
facramente^ nod^ aufredet erljält, erflärt er fjolgenbe^. SBenn ba^ 
Vertrauen auf bie SSergebung ber ©änben Don bem ©effi^l ber 



1) 3n ber Apologia C. A. p. 175 @. o. @. 188. 9Cnm. 

2) Senno de poenitentia bei S öftrer L @. 574. Resolutiones dis- 
putationum de virtute indulgentiarum (gegen ?e|el), a. a. O. ü. @. 262 — 
265. @emion Don ber ^uge (ber i^meite t>on 1518), a. a. O. @. 512 ff. 
(Stflftrung on ben (Satb. (Sajetan, a. q. O. 6. 464—472. De captivitate ec- 
clesiae Babylonica. Opp. Lat. Jen. II. fol. 276^ Iföafc^ XIX. @. 96 ff. 




^oDfonunentiett ber SHeue abdinge, \o TOürbc matt fic^ bet 3?et= 
yorifelung iinb nict)t bem SJcrttaucn uäf)eru. SScnu bcehollj ein 
Sünbcr in ieinem (^elDiffen ((cängftct ift, bafe ct an allem Ucbel 
tVtlsiutefjmen glaubt, fo !ommt eä mir barauf an, bafe er bem 
ÄbioLulioneraortc be« $ticfter:S GHauben ft^enft, fofcni berfctbe 
ra Sluiltage unb in ba ffraft ©f)rif*i bcn Söfe|tf)Iii(feI l)anbl)abt. 
Satftet betont cä in biefcin 3"lfl'n"ten[)fln9e fctjt ftott, ba% ber 
Sloulie an ßdriiluS immer jii[tificitt, baß bie Sacramente, nacft 
Äugiifttn, rairRam finb nic|t wei( fie ooiläogcn, fonbetn weil fic 
flt((laubl iDerbcn, bafi bie 9ieuc nit^t fo nottittienbig jei, roie ber 
tülau&e, baß man lieber nic^t bied Sacrament 6egel)re, roenn man 
ni^t feinet ®lQu6cn5 gcmife fei, iinb ba§ cä inigbrauc^t loerbe, 
roerm nic^t ber ^rieftet ben ©lauben bes ^gönitcnten feftftellen 
filtmc ^iefe öetonung be« ©Innbenä I]at ja nad) ben Umftänben 
nii^t bie ©ebeutung, ben SJorgang ber ?lbfolntion blo^ ali Meflcj 
Uft fubjectiüen ®cmütt)3crl)cbung bnrsufteUen; benn ber ©loube 
fflitb auf hai burt^ ben ^riefter getjanb^obte 3[b)i)[utiDuöIuort 
Gliciiti, auf bie Don El)riftus5 ber Sirrfic Detlielienc ©rf)IiiffeIgeH)aIt, 
iinb baburrfi inbiccct auf SlUcö sunirfgcfutirt, loaä Mon G^tiftuä 
Wr Scgrünbung ber ©emeinbe gcjijeEjen ift 3Bcnn man nun 
uocgreiienb baran benft, roie in ber piettftijdjcn GJcftaltnng beS 
iiullicrtlium« biefc Situation mieber barauf nnterfnd)! loirb, ob 
man gcniigenb ftarEen QUauben liabe, unb ju bicfer ©eroißtjeit 
(ine flbfidjtlii^c (Sontinuität unb eigcntliümlicftc gärbung be« 
si^mcrscs übet bie Siinbeu erforbert ttiirb, fo ift e^ niii)t nur 
aiTBft äwcifel. bafe Suttjer'« 3Keinuitg ebenfo bet pietiftiftt)cii wie 
ter Vulgär tatfiolif^eu 3Jii|bcutui!g ber contritio alö cincB 06= 
rufttltc^ ,^u fteigernben ©efüljleä entgegengefe^t ift, fonbem eä ift 
wit) flor, bafe ba* gcfunbe ©elbftgefü^l ber ©tcHung in ber 
Äirdfc jene pietiftifc^e gtagefteUung für Sut^er auSfdjIofe. ^et 
b« ffircfec nlä ttjätigeö Olteb angef)ÖTt, mag er ou^, mät tati)o= 
lijt^er Siorouefe^ung, burd) Jobfünbc bie ^nabc oeiloren I)abcn, 
bn braucht nur burc^ bie I4tl)ebung bcS ©laubcnä baS ®cfrf)enf 
bn Siinbcnoergcbung ober (Serec^tfptec^ung ju ergreifen, bnä nlä 
bie büiicrnbe SSithing beS ®el)orfamS Sf}rifti berfiird)e einücrieibt 
ifi, unb butcft beten iJiener ober aud) butd) irgeiib einen Gfiriften= 
mflifi^CH auf bie Ginjelnen ongetoenbet loirb'). 

1} Sfll- Siufit« Sennoii uun ber Sufie (a. a. D. ©. 525): „Bllo 
V^ bv. hai Sic gflnjt Sirdje uoK ifl Vergebung ber Sfinbcn". 



162 

WlÄn o6flIcid^ ftc^ Sutljcr in bcn l^icl^cr flc^örigcn ©c^riftcn 
bed Sal^ted 1518 ben geltenben formen bed SSugfacramentd cm« 
fd^micflt, um bicfc^ 3n[tttut in bcm anflcflcbcncn ©innc ju er* 
neuem, unb ben geiftlofen iKed^aniSmud ober bie sieQofe ®emüt^8* 
quälerei, toelc^e bamit Derbunben n^aren, burc^ bie rein religidfe 
SReguIirung be^ ^eitebemuStfein^ ju erje^en, fo griff bod^ bie 
Xenbenj feinet praftifc^^reUgiöfen ©runbfa^e^ fc^on öon Anfang 
bed Streitet an über bie ©renjen beS ©ufefacrament^ l^inau^. 
S)ie. beiben erften unter ben gegen Se^el gerid^teten 95 S^^efcn 
lauten: „3)a unfcr SKeifter unb ^rr SefuÄ ßl^riftuÄ fpn^t, 
^uet Suge u. f. xo. n)ill er, bag bad ganje Seben feiner ©lau« 
bigen auf Srben eine ftete unb unaufprlic^e Sufee fott fein. — 
Unb fann nod^ mag fo(c^ SBort nic^t Dom ©acrament ber ^jse, 
ba§ ift üon ber SBeic^tc unb ®enugtl(uung, fo burd^ ber ^rieftcr 
Amt gefibt tt)irb, öerftanben tt>erbcn" *). 3)a§ 5Wotit) bicfe^ ©runb* 
fa^eg ift bie praftifd^ Unbrauc^barleit ber ©iftinction ätoifc^ 
34)bfünben unb läfelid^en ©flnben*); bie naivere SrHdrung bcd 
©inned jener gorberung ergiebt fid^ aber au« ber3)eutung eincS 
SSerl^ältniffed, tt)elc^ed aud^ im ©acrament ber S3uge feine 9(n« 
h^enbung finbet. @d fragt fid^ nämlid^, unter tt)eld^er 93ebingung 
ber aud ber ©nabe ©efaUene überl^aupt bie Sbfid^t auf bie 
©ünbenoergebung im Sugfacrament ju rid^ten oermag, ba er fa 
ate ©ünber biefe ?[bfid^t gar nid^t faffen fann. S)arüber erflärt 
nun Sutl^er'), bafe bie Dual ber SReue, ber ©c^merj unb bie S8er* 
jmeifelung über bie ©ünben bie geheime SBirffamfeit ber göttlid^n 
Ergebung unb ber aufrid^tenben ©nabe üoraudfe^e. ©ofem ©Ott 
ben ÜÄenfc^en ju öerbammcn f^eine, beginne er il^n geredet ju 
fprec^en ; inbem er xf)n ücüounbe, tooUe er il^n t>eilen ; toen er tdbtc, 
ben mad^e er lebenbig. Älfo inbem fic^ ber SRenfd^ ber JBer* 
bammnig nal^e fül^lt, fo n)irfe auf ii^n fc^on bie ©nabe, mib 



1) 9C. 0. O. I. S. 439. Grftcr @cnnon öon ber ©ufic, 6. 672. 
ConcluBiones contra Eocium a. a. C II. @. 821. ^cr angemeine Qk^ 
banfc fclbft ift nic^ld tpcnigcr ald unerl^rt unb neu. 93gl. S. Bernhard i 
Sermones, in Quadragesima III, 8: Errant plane, qui pauoissimoB dies 
istos ad poenitentiam sufficere credunt, cum certum sit, totam vitae 
huius tempos ad poenitentiam institutum. 

2) 3tv^i^^^ @crmon üon ber Sßn^t; a. a. O. II. 6. 624. ConcL o. 
Eocium 8. 821. 

3) Resolutiones Q. a. O. IL 8. 196—202. 



163 



iiibem (T eine ^IiiÄgiefeiinfi bcä 3oriiC9 ntiilirncrimc, (o fierütjtc 
ilii! tuirflirf) bie Somitjcr^igEeit ©otteö. ^EcöEjalb habe er tn bei 
l'erfudiung jur SSerslDeifeliiiifl bei bei ©{filüffelc|clt)Qlt her ffirtfic 
iPmittigurg ju (iicften, um in bcv burt^ bcii ^rieftcr ücrfiinbcten 
Set^eiBiing G^ttftt unb im ©tauben ou fic fif^ bie ®citii^tteit ber 
£ünbtnt>crgebung \u ucrft^uffen, roelt^e i(^on uor bcr ^Ibiolulion 
niiitt. 

Scheinbar fprii^t fiutijer (jiemit nirfit* Anbete« auä, aU 
tiwS bie Iatl)oHi(^e ficftre OotauSfcßt, bafe bieSReue ouä ber®nabe 
heniorgettt. 3n 5©iTrii^fctt aber tritt bicfc erflanmg bcr tat^o= 
liifytn Sebeii^orbuung bircct bnbiirc^ entgegen, ba§ jene bisher 
nur ll)eotttii(f| geltenbc 3Innal)mi' Prn bei Öcrlunft ber SRcue qua 
ort Siiabe jur pralti|{^en Stnmenbung gebradit luitb. ^enn bei 
f^notie wirb man nur im ®Iaubcn gcmift. ^at alio bie 9(euc 
iSmt ®riinb nnb itircn SertI) on ber (Dnabc, Jo mnfe fie auf 
tat bewußten ©lauben I^inauÄgefü^it uiib iii(f)t am aJin^ytabe 
hi ©efcfted feftgeljültcn roerben ! §teburc^ loirb femer bcr t^eo^ 
' «110 gefegte ©egenfa^ sW'ft^cn Sünbenftanb unb ©nabenftonb 
f tw $ömtenten fliiffig gemacht. 3fl nämlicl} etnerfcitä ba^ ®ut= 
tontitln beS Gläubigen mit <äünbe behaftet, ivclt^c bodi nid]t an 
fiif, fonbeni nur burt^ ©ottcö Sarm^crjigfcit bie SJetgcbung er= 
WrtrtM, (o ift onbercrfeild ber ©i^merj beä auä ber ®iiabe 
fiWflllfnen über bie ©ünbe eine ^tobe bcS (SnobeuftanbeS, unb 
iit Ijertiorgerufen buvd) ein gauj Jpccififd)eä ©efftlfl Don bem 
©trt^e bed öiutcn, bcm bie ©ünbe roiber[trcbt, 2!)cnn, iDte 
?ii%r in Wcrfdjtcbcncn 'Slcu^crungcn bcr Satjrc 1517, 1518 Der= 
fti^rt, nur bicjenige Meuc ift ronljr, roetrf)e Don bcr Siebe jur 
ßifrc<fitiflfcit unb j« Oiott auägclit, ba bie SJegotian ber ©ünbe 
i!irc Sroft unb 2i8al)rf)eit nn bcr ^ofitiim beS ©egcntljeils fjat, 
nwtirenb biejenige Siufee, locldie üon bcr Ucberlegung ber cinjclnen 
Siinbcii, uon bcr 5i'rd)t üuv bcm ÖJcfcge unb bcm ©c^mer^ über 
boi äu etwoTlenben Sdjabcn nuisgcf)t, nur £icud)tcr unb größere 
Sünbet mQ(^t'). 

II Concl. c. Eccium a. a. 0. II. @. 321. 

3) Sermo de poenitentia (a. a. 0. I. @. ü69): Impossibile ett, 
et oäiaa aliqnid vero odio et perfecto, cdIus contrarium Don prius di- 
li-xerii. Amor semper odio est prior, et odinra natura et eponte fiuit 
ei amore . . . odium mall proptor boiium. Sic odiam peccnli et de- 
testatio viUe pmeteritae nulla cura, nu]lo labore quaesita veniuut sua 



164 

SSenn alfo £ut^ bie 93uge burd^ bad ganje Seben erftredEt 
toiffen tDtQ, fo gilt biefe f^orberung bem äRenfd^en im ©nabelt« 
ftanbe, tpeld^er, auc^ fofem er ®änben begel^t, in ber £iebe ju 
©Ott unb jum ®uten Derl^arrt, ober biefelbe burc^ bie ©nobe 
@otted al^balb n^iebergeminnt, loeld^er bemgemag nid^t nur fo 
toüt gut l^anbelt, als e^ bei ber bleibenben UnDolKommenl^eit bed 
Sebend möglid^ ift, fonbem auc^ feine ©ünben in ber rid^tigen 
SBeife bereut Unter biefen Umftänben tritt nun aber ber ©laube 
an bie ^Rechtfertigung burd^ S^riftud^ möge biefelbe burd^ einen 
5ßriefter ober einen SBruber au^gefprod^en fein, ober in ber 
Slnfd^auung bed SSerföl^nung^merfeS (S^rifti angeeignet toerben, 
ate ber religiöfc ^Regulator be^ praltifd^cn Seben^ in 
SBirffamfeit. S)enn ber ©laube mit biefem 3nl(alt ift bie bem 
6l(riftent^um gemäße religiöfc 8[ncrfcnnung unferer S3e* 
ftimmtl^eit burd^ ®ott in et^if^er Sejie^ung. S)eg^alb 
erhält biefer ©laube einerfeitd bie §eilggett)i§^cit bed in feiner 
SReue gequälten 5Wenfc^en. anbererfeitd bewal^rt er Dor ber ©elbft* 
gcred^tigfeit unb ber ©eneigt^eit, bie gel^Ier ju üerftedEcn ober bie 
©ünben gering ju ad^ten. gemer ift er an fid^ baö fubjectiöe 
SRotit) JU ben guten 38er!en, ju todd^m ber ©laubige fid^ burd^ 
bie (Sriöfung beftimmt n>eig, unb !ommt in äd^tem ©inne nie 
t)or, ol^ne biefen Smpuld ju äben. S)amit aber biefer ©laube 
leidet unb toic t)on felbft anfprec^e, baju gel^ört, bafe man mit ber 
ganjen religiöfen Snbad^t unb fittlic^en $ra£id fid^ in ber ^rc^e 
füllte, tt)eld^e ald gegninbet burd^ (S^riftud „\)oü ift ber 93ergebung 
bec ©ünben". Sebod^ nid^t bie fubjcctiüe Function be^ ©laubenÄ 
aU bie jugleic^ fc^öpferifd^e Äraft für bie guten 5D3crIe ift bie 
reale SSeranlaffung unb bad Object bed Urt^eild ber göttlid^en 
SRcd^tfertigung ; fonbern ber objectiüe ©runb ber SRed^tfertigung 
be^ in ber Äird^e fte^enben unb ttjirlenben ©laubigen ift bie 



sponte. . . . Poenitentia debet esse dulcis et ex daloedine in iram de- 
scendere ad odium peccati. Amor enim est vinculum perpetuum, quia 
voluntarium, odium temporale, quia violentum. Igitur persuade homini 
primum, ut diligat iastitiam, et sine magisterio tue conteretur de pec- 
cato; diligiat Christum, et statim sui prodigus odio habebit se ipsum. 
(Sbcitfo Concl. c. Ecc. (II. @. 821), »rief an @tau^i( Dorn 30. aXai 1518 
(bc SBcttc I. S. 116), 9Iu«Icgunfl ber 3c^n ®cbotc (Softer I. 6. 641). a)er 
l^rief an @tau^t( be^gt, ba6 &it^er i^ bicfc bebeutfame @r!enntm6 Der* 
banit. 




Snn6c@otte*, fofent bifJelEie bur(^6f)riftuS iinb (eine 9?cr(D^nung 
rniRom ift, unb bcr ©laubc ift baS Ctgon, in tuetc^etii ficfi bcr 
'ÜBieftergebormc auf bie in jener 3iennittelung Toirifame ©nahe 
®otte* juriirf()Cäief)t unb fii^ bemüht icirb, bafe fic auä} für i^n 
0. Ö6jcctio ift in bcm Seben beS ®Iflu6igcti btefer ®Iau6e 
irit ofine boö ©tieften nad) beii guten 9Scrteii unb otjne ein Ma^ 
taSöftisfeit ju benfell'cn: allein in bcm fubjectiDcu ©craufttfein3= 
Ott, in bem man burcf) ben ©laubcn tote §ciIS9eiDi6t)eit in ©Ijriftuä 
fut^t unb geroiimt, aöftraljirt man Don bem SBert^e ber SBerfe, 
in iDel(^er 3.*oU[t>mmen^eit ober UnDol(!iimmenf)ett man fit^ il)rer 
diirf! kroufet fein mag'). Tiiefe fubjectiüe ^luSeinonbers unb @nt= 
gegcnfe^ung be§ ©Iciuben« unb ber SBcrfe l)at «ber enblid) ni^t 
hn Sinn, bufe ber QJlaube bem intellectns, unb bic Serie bem 
Sitten anget)ören ; benn auä\ ber ©laubc ift ein 3tct ic« SiHenS 
unb beö ®cIiDrfam§ gegen @ott. 3ebod) im ®lQu6en bcgriinbet 
iiij ber ÜBiße in ben X^ufcn unb Cffcnbantngcn ber @nabe 
8ottf6 birecl, in ben guten SScrfen breitet er ft^ über bie Seit 
aiiä, inbcnt er böburt^ ätiglcic^ ben 3'"^*" ""b 3lor)rf)riftcn 
öottes nai^tommt. Sis roirb fic^ nictteri)in scigcn, warum in bcm 
in gtfofitcn 3"t'i'""'f"^ong ber Oebante bcr Sleclitfertigung nur 
in ber Jorm göttlichen Urtljeilä auägebriicft Werben tonn, fliar 
ober ift, boß in ber befc^riebcnen ©ituation ber ©tnubigc baä 
Uriljeil ®otteS nur )o fic^ Dcrgegenioärtigt, ba^ er fic^ ben 
Sünbcr al« Cbjeet ber ®ercc()tipvcc^iing bnrcf) Sott benh. 3>iefe 
5onn be« fgnttjctifi^en UrttjciU roirb fic^ ebcnfo als bie 
notljnienbige Scbingiing erroeifcn, unter melier ber ©ebanfe bcr 
9crc(^tfprE(5unf( ober ©ünbenüergebung bie ett)ifc^e Hemmung 
nnb ben fiEicten logifc^en SSiberfprurfi lijft, roelt^e in bcr tion 
Sutfter gemeinten roirtlirfjcn SReuc uorücgcn. 

25. 3n ber praltift^-religtöfen ?Iuffaffung ber SRcc^tfcrtigung 
J>t« ©laubigen burc^ Sl)riftuS ftellt fic^^lPinsl' in ber ?ttt neben 

1) »fll. bie lit^moQe SJatflffluita fflitlondilfum'S (Deolamalio de 
nJamni» Osiandri. C. K. XII. p. 11): Btsi cum hac conaolatione filius 
dei ipse corda erigit et vivificat, ac apiritum eanctum in hunc, qui 6de 
■nstenbitur, e&andit, iain domicilium et temptum dei est hämo renatus, 
Urnen anteferenda est obedientia lilii dei bis ipaia divinia actionibuB 
(jnaiiqaaiu excellenttbus, et retinenda consolatio, propter mediatorem 
tibi impntari iustitiani. 



166 

Sut^cr, bafe fic im SEBcfcntli^cn mit cinaitber übcrcinftimmcn. 3)ic 
Slufgabe, lueld^e fid^ 3^ingli gefteüt f)attt, bie religiöd^^polittfd^e 
Sicform feinet Eantonö unb toeitcr bcr ©bgcnoffcnfc^aft, erinnert 
mc^r an ©aöonarola al^ an Sutl^cr. Snbeffcn bcn religiöfcn 
©eftc^tdpunft l^at ß^^^fil^ ^^^ Satter unb nic^t mit @a))onaroIa 
gemein, g^eilid^ toenn man barauf gefaßt ift, ober barauf auÄ^ 
gel^t, bei ben ^Reformatoren in erfter fiinie eine Se^re t)on ber 
SRed^tfertigung ju entbedten, ober toenn bie Srienntnife ber refor^ 
matorifd^en Sftebeutung beiber 3D?änner fd^on burd^ bie 2)arfteDung 
unb SSerglei^ung i^rer t^eologifd^en ©^fteme erfd^öpft märe, fo 
ttjürbe e§ nid^t gelingen, bie obige SBel^auptung im 3Biberfprud^ 
gegen ©d^nedEenburger *), S^^^^r ©igttJart aufrecht ju erhalten. 
Sei biefem ^ws^f^ä^i^wiffc f^^c i^ baüon ab, baß ber @rfte ber 
©enannten ben Slbftanb ber ©^fteme ber lut^erifd^cn unb refor* 
mirten S;f)eoIogie übertt)iegenb an bcn fporabifc^en ©ebrauc^ 
fecunbärer Duellen fnü^jft, o^nc fid^ an ber praftifd^en fird^Iic^en 
©tellung ber ^Reformatoren ju orientiren, ber Qtotxtt QtDinQli'^ 
3]^eoIogumena mit ber „lut^erifd^en ©ogmatif", ttjie man fte auö 
belannten ^anbbüc^em fd^öpft, öergleic^t*), ber ©ritte burd^ bie 
Uebertreibung ber Äb^ängigfeit Stt^ingli'ö t)on ?ßicu^ öon SRiran* 
bula ben fird^Iid^*reformatorifc^en 3mpute 3^ingli'g unfenntlid^ 
mad^t. 3d^ bin mit ©d^nedEenburgcr barin einöerftanben, bafe bie 
SRcc^tfcrtigung^Ie^re nid^t ba^ gemeinfamc ^aQabium ber lut^* 
rifc^en unb reformirten Sonfeffion unb ba§ grunbttjefentlid^e 6in* 
^eitöbanb ift, ba biefc Se^re auf beiben ©eiten ätt)ar gleid^ befinirt, 
aber unter abtoeid^enben Sejie^ungen bargefteQt toirb, toa^ ja für 
bie SSergleid^ung t)on Sel)ren nid^t gleic^giltig ifi 35a jebod^ bie 
ßel^rf^fteme nid^t ber ®runb fonbem eine golge ber ^Reformation 
bcr Äird^e . finb, ba Diclme^r bie SRcf ormation bcr Äird^e baburc^ 
t)or fid^ ging, bafe auö einem beftimmt auögefproc^enen praftifc^* 
religiöfen öetoufetfein ber leitenbcn ^crfonen ^erauö eine SSer^^ 
änbcrung ber ©tcDung ber c^riftlid^en ©emcinben im SSerpItnife 
ju bem, tt)ag man bigl)er unter Äird^e Derftanb, öoQjogcn tt)urbe, 
fo wirb bie Sntfd^eibung über principieüe Sbentität ober SBer* 
fc^iebenartigfeit öon ©cbanfen Sut^er'ö unb ßtüingli'^ baöon ab^ 
pngen, ob fie in ber Deutung bc§ eigentlid^cn fubjectiü^religiöfen 



1) 3ur fird^Itc^en Gl^nftologic 6. 46. 

2) ^cllcr, baS t^cologifc^c @^ftcm aroingU'a 6. 174. 




OT&cl« bct rcfotmatotiji^cu SJciDCflung mit cinnnbcr übeicinftims 
men. Sagegen roirb eü bann uon iintergeorbnctev Sebcutung 
icin, bnfe betbe SKännet über ben Uinjang iinb bte SlJctliobe ber 
Ijtneuerung bor Sircf)e unb über bie ÖJIieberimg ber lljeologiic^en 
ilc^re flcmäß ben 'ijJraimffen it)ter tljcolDgiftfjen'öilbmifl unb itjrer 
teligiöfcn Erilroicfelnng. foniie flcmn& ben local Ber?^iebenen Se= 
tiingungen il)rei 3Sitfungäfreife abiDcicfjenbe GJtunbfä^e gefiegt 
unb befolgt f)oben. 3n btefer §tnfic^t bovf ii^ bte meifterfjofte 
fitjaraflcriftif ärai"«"'^ i^witft ^unbe^fingeii ^) unb bie barin Der= 
ilo(t)tene 9ierglei(^un9 ä^if^K" ifim unb SnlEier oorauß(egen, wn 
iJc: mir uorliegenben ^lufgabc gemä§ jn bctüetfcn, bnfe Si^iiSli 
in btrjclbcn SBcii'e roie yutijct baä ücben beS ©laubigen in ber 
Ihtc^c biitd) bie Söejic^ung auf bie ®erei^ttgfeit Sfjrifli, auf bie 
Mijiiljncnbc SSirtiing fcineü Scben^ unb ^lübeS, religtöä tegulirt 
mkn loftt. 

Um in biefer illiditung fac^gemä§ unb gerecht ftü Detfal)ren, 
(intificljlt fid) ni^t bie äjiet^obe, meiere bte Tlarftellet ber XEjeologie 
^roingli'ä befolgt fiaben, ciiiäclne ©teilen mi allen müglittjen 
ädfiiilen 3roingli'ä iiöer feinen Segttff uom ®lauben, über beffen 
S(Ti)flltni6 5U ber tran^ennten ober immanenten @ererf)ttgfeit 
l%ifti, über bie Jöebentung bon ©ntisfaction tjljrifti unb ®r« 
udlilnng burc^ ©Ott u. f. ro, äufammcnflU tragen, unb bie babct 
untcilaufenbcn Unebenheiten alä principieüe Slbineic^ungen öon 
l'utfier ju conflQttrcn. §ierin giebt fid| eben bte febletliafte 
Annahme tunb, als ^anble eä fid) bei ber Dorliegcnbcn grage 
in erfler Öinie um eine ttieotogift^e Seljre unb nicl)t um bie Sc* 
jfidinung ber leitenben reÜgiöfen @eltiftbeurtt)eiUing beö ©laubigen. 
Jcnn bie tEieologifdie Cc^re lotrb immer ben 3if'i""'"!"^i"9 ^"^ 
niijectitien unb bet fubjcctiDen gactorcn ber )Ucii)tfertißung im 
ä^ema beä jeitlit^eH 9(blQufe3 barftcllen muffen; baö 9Kcrtmat 
Ux rein religiöfen Sluffaffung ber ©a^e ift hingegen bie reine 
Sergcgenniärtigung oUcr objcctiten gactoren im fubjectiuen Selbft> 
bcrouRtfeirt. Um nun btefeii ©inn be5 ©ebantenä ^ifing'''^ '^"n 
ber ^teefttfertigung ,^u erfennen, mn^ mnn ftc^ an bie „9lu§legung 
«nb ©tnnbe ber 67 St^luBrcbcu ober ?(rtifet" (uon 1523), ferner 
on ben Commentarius de vera et falsa religione tjalten, unb 
l) Beitragt juc ffitt6cnMtfniiiiiiflägc[(liiil)ic unb fiirc^cnpoliiit. Bö. I. 
S. 163 R. »01. mtincti Horlrag iibtr Ulrid) ämiitdli, Sa&rb. für bcutft^e 

z^i. 1P72. e. lai ff. 



168 

baneben bie $rebigt „üon göttltd^er unb menfd^Itc^er ©ered^ttgteit'' 
(gegen ®rcbel unb SKanj, 1523) t)erflleid^cn. Sene 67 ©d^Iufe* 
reben aber ftnb bad 3ßufier etned d^riftlid^en @Iaubendbefennt^ 
ntffed in ber n)ol^I gegUeberten unb jugleid^ üon bem ©c^ema 
beö tl^eologifc^en ©^ftem^ unabl^ängtgen S)arfteQung ber SBe- 
beutung Sl^rifti für bie ©laubigen; biefe SSerfaffung bürgt alfo 
aud^ bafür, bag man in ber üorliegenben ^rage ben religiöfen 
(Sefic^tdpunft ald fold^en burd^gefül^rt finben tt)irb. Suf bie 
grunblegenben <Ba% bag Sl^rifiud ald • ber einjige SBeg gur 
©eligfeit ben Sn^alt beö Söangelium^ bilbet (1—5), folgt bie 
S)arfteIIung Sl^rifti atö bed ^au^jteö ber ®emeinbe, in ttjeld^er 
bad ©bangclium geprebigt toirb (6—16), afö be^ einjigen ^ol^en^ 
priefterö unb SRittler^, beffen Dpfer nic^t ju »ieber^olen ift unb 
beffen Sl^re burd^ Anbetung ber ^eiligen üerleljt toirb (17—21); 
unb mit bem 22. Slrtifel, bafe S^riftud unfere ©erec^tigfeit unb 
biefelbe nid^t auf unfere SBerfe gegrünbet fei, »irb bie ^öl^e ber 
ganjen ^arfteltung erreid^t, bie Don ba an 5ur ^eurtl^eilung Don 
lauter einjelnen Drbnungen resp. SKifebräud^en in ber ^ird^e 
übergebt. 3n ber SBed^felbejiel^ung ber Slftifel 19—22 entwidEelt 
bie Auflegung 3^ingli'd ben ©ebanfenftoff, ber afö ber SDiofeftab 
feiner reformatoriid^en ©teQung erfannt toerben mufe. 2lud^ in 
bem commentarius befolgt 3^^"9li ^^i ^^^ S)arfteIIung beS ®egen== 
ftanbed bie gorm ber birecten religiöfen ©elbftüerftönbigung, obgleid^ 
bie toiffenf d^aftlid^e ^bfid^t bed S3ud^ed i^n auf eine anbere ISal^n 
fül^ren fonnte. Siad^ ber SSerbalerflärung Don 3leIigion befinirt er 
®ott ote baö aHtoirffame Urmefen, erörtert bie Stellung beö 2Ren* 
fd^en }u ©Ott, erüärt bie dteligion im SHIgemeinen fad^Iid^, unb 
ergreift bann in bem locus de religione christiana bad SSerl^ält^ 
nig S^rifti }u bem ©laubigen ald pignus gratiae dei in ber 3lrt, 
bag er bie praftifd^e 93ebeutung S^rifti ald bed DoQgenügenben 
gegentt)ärtigen ^eil^grunbe^ für ben ©laubigen au§ ber SSer- 
gleid^ung be^ SJBertl^ed S^rifti mit ben Jöebürfniffen bed ftetS mit 
ber ©ünbe behafteten ©laubigen nad^tt^eift S)a§ l^ier tt)ie in ber 
„Auflegung ber ©d^Iufereben" ber ©ebanfe ber ©atidfaction 
Sl^rifti entwidEelt toirb, fann ju feiner ©intoenbung gegen meine 
Äuffaffung ber ©ad^e bered^tigen; benn biefelbe bient bloö jur 
SrHärung ber normalen ^il^atfad^e, bafe ber ©laubige in S^riftuS 
allein baö §eil finbet gfir biefe praltifd^e ©ituation ber ®e* 
banfenenttt)idEeIung 3tt>ingli'^ bürgt enblid^ in ben „©d^Iuferebcn" 




} itjrer „?liiätegiinc(" ber Umftanb, ba^ bie Sebcutimg ßtirifti 
olä b(* Jönupteä bct ©cmeiiibe (einer Sebeutuitg ali ©iitininittlet 
Bi)tQnsci(fticIt iit. Sie leitete wirb al\o nur fo aufgefa&t inie fit 
Iro ®Iiebe bev ©cmcinbe, bcm ©liebe an bcm Raupte ß^tiftuä 
ygenirörtig ift. 

3)"t nun f)tebutcö etlriefen, bafe 3i^i"9'' ^'^ jubjectiDe 

Rligiölc ®en)ifel)ett, bofe ßljriftuS bic QJetet^tigfeit ber ©laubigen 

ijt. in bcmfeI6cn ®efi(^t*fefbc %n beuten untcmtmmt, rote Sut^ec, 

io loB nic^t Deri^luiegen racrben, bog er in ber „?tu8lcgung 

bwSttjdifercbcii" aU bic ftefirieite biefer ^ofition bie SSiberlcgung 

ixi aRittIcTtfeumä ber .^eiligen be^nnbclt, melrfiet man bei Sutl|cr 

in bicfem 3ii((i'"'»™f)'"i9 "ic begegnet, .^icron tonnte man nun 

ww Dorn herein rotebcr ben 3Jcrbad^t einet uriprünglidjcn %b' 

wtit^ung Selber Sflcfonnatorcn Bon einanbet fnüpfcn, uin fo metfT, 

iilä telflnntlic^ ^ciiog t"ib ©^roeijcv ben SIbftanb beiber baron 

«cffen rooUen, bafe bas JReformationäroerf fiult)cr'« bur^ ben 

Stgenjag gegen bie jubaiftii^c 93erirrung be3 rf)riftlicf)en tfebenS 

in Sie ffierfgerec^tigfeit, baS ^roingli'S burd& ben ©egenfog gegen 

Sie pagoniftif^e SSerin-ung in bie ^eiligeiinerctitung (irintipiell 

Hingt \ä. 3nbeffen ^ii bic|em Urtl)ei! giebt gerabe 3toi"flli'8 

.Auslegung bei: ©(^luftitiben" fein 9ie[f)t, ba er bic Öeteljrung 

Sft ^iciligcn, bie auf ber Sorauöfe^ung bom Sicrbienft i^tet 

SBerfc uor @ott betnt)t, baburct) roibedcgt, bafe eä iibcrf)aupt fein 

folc^cä geben (önne '), unb in biefer $infitf)t niif)tö Slnbereä be= 

Öfluptet, aii iDflö Suttier am ^erjen liegt. 3ft atjo feine aSiber= 

frgung ber SBcre^rung ber ^eiligen ber Siberiegung ber 3Berf= 

gerec^tigfeit nid)! coorbinirt, fonbcm fuborbinirt, fo crfd)eint jene 

ienbenj ^loinfl'''* "ui^ "'ö eine sufcillige, bnr(^ feine Umgebung 

fiettiprgerufcnc Folgerung aiii einer ibm mit Sut^er gcmeinfamen 

©ninbibee. 

3wingli fegt nun auSeinanbcr *), bafe wir an ber Erfüllung 
beö ©efegeä, otS beS eroigen unb unroanbelbaren SEBiÖenS ©ottrf 



1) Werte, betauigcQcieti oon Ct^alei: unb Sii)üUI}t% I. S. 280: 
.So nun bei Qcrbienft nicbergclcgt ifl, fo mugcn bU $(ipfilcv nii^l mc^t 
pMfem suj bcT Seligen Süvbitie." 

3) Hudlesung ber Si^lugrebcn I. 3. 262 ff. 'Bort Qöltlic^et unb 
iiinifd|(J<t|eT CeTtditJ(iFeJt I. <B. 431 ff. CommcntHriua de vera et falu 
religione HI. 6. 180 ff. 



170 

öcrjiocifeln muffen, bic ®Iäu6iflen loie alle Sreaturen; benn toer, 
ber im t^^etfd^ tpo^nt, möd^te fo gan$ unb gar in @ott gebogen 
fein, ba§ er i^n lieb f)&ttt ju allen 3)ingen unb ju aller <3^it? 
äLHerbing^ ift oud^ baö @efe§ eine 9lrt öon Söangelium, benn 
e§ ift uns nur nü^Iid^, ben f orbemben 3BiUen ®otteS ju fcnnen ; 
oUein ba§ eigcntlid^e ©öangelium ift bie S5otfd^aft bon ®otte§ 
©nabe burd^ S^riftud, ber als gottmenfd^lid^er SDtittler für uns 
baS ©efe^ erfüHt, bie öon unS üerfd^ulbete ©träfe erlitten unb 
®otteS 3om beruhigt f)at. Sft alfo ß^riftuS unfere ©ercc^tigfeit 
unb baS $fanb ber göttli^en @nabe gegen unS, fo ift nid^t üon 
einem SSerbienft unferer gegen ®ott fc^ulbigen SBerfe ju reben, 
toenn nid^t Sl^riftuS üergebenS geftorben fein foU. Umgefcl^rt aber, 
ba tt)ir bei näherer SSeobad^tung an aßen unferen guten SSerfen 
Sreften (@ebrec^en, ©ünbe) finben, f o müßten mx in ben ©djredEen 
unfereS @ett)iffenS an unferem ^eile üerätueifcln unb unS atS 
öemjorfen t)on 0ott erfennen, tt)enn tt)ir unS nicf)t im ©tauben, 
b. t). in üoHfommenem SBertrauen barauf ücriaffen fönnten, ba§ 
S^riftuS für unS baS ©cfe^ erfüllt unb alte unfere Slrbeit unb 
SBreften getragen ^at, unb bafe tt)ir burdö bic ©nabe, bereu ^fanb 
S^riftuS ift, gerecht gemadjt unb in ^rieben mit ©ott öerfe^t 
ttjerben burc^ ben ©tauben. 3)enn bie SScrjidE|tteiftung auf baS 
SSerbienft ift nid^tS anbereS atS ber ©taube. „S)enn ba§ ber 
2Renfc^ fid^ felbft nicf)tS jufcfireibe, fonbern glaube, bafe aUe 
S)inge burd) bie SSorfe^ung ©otteS öcrttjaltet unb georbnet ttjerben, 
baS fommt allein ba^er, ba§ er ganj in ©ott gclaffen unb Der* 
traut ift, bafe er im ©tauben feft toei|, bafe ©ott atle 3)inge t^ut, 
obfd^on tt)ir il)n nid^t tt)a^rne^men. Unb baS ift ber ©taube, 
ber aud^ gemetjrt tt)irb unb ttjäc^ft, fobatb er gefäet toirb: nidöt 
bafe baS SBad^fen unfer fei, fonbern ©otteS. . . Unb je mel^r 
ber ©taube toää)]t, je mcf)r. ttjäc^ft aud^ baS SBSerf atler guten 
3)inge; benn je größer ber ©taube, je größer ift ©ott in bir, je 
metir ift auc^ in bir bie SBirfung beS ©uten." 3)iefe JRormirung 
beS ©taubenS an ber 3Ba^rf)eit ber allttjirffamen SJorfe^ung 
©otteS fcf)tießt nun bie ^eilsbcbeutung S^rifti ni^t auS, fonbern 
als bie ttjefentlic^e SSermittetung ein. „Sf)riftuS ift unS t)on ©ott 
bie SBeiSI)eit gett)orben; barum fic^ Seber feineS (Sfirifti) SßegeS 
l^alten folt, nid^t fetbft einen neuen erbenfen. ®r ift unS aud^ 
bie ©ered^tigfeit gen^orben, benn niemanb mag }u ©ott tommat, 
ber nid^t gerecht ift, unb mag auc^ lein iDZenfd^ für fid^ felbft 



171 

gerecht fein. Sl^riftud aber ift geredet unb unfer ^anpt, unb 
ttnr fmb feine ©lieber, alfo fommen toir bie ©lieber ju ®ott 
imr^ bie @ered^tigfeit bed ^u^ted. @r ift aud^ unfere ipeiligung 
gettiorben ; benn er f)at und mit feinem eigenen S3iute geheiligt. 
(Er ift anä) unfer Söfegelb gen)orben, benn er l^at und t)om ®efe^, 
öom Seufel, Don ber ©ünbe erlöft. . . . 5KIfo finb toir Dom 
®efe| erlöft nid^t, bog man bad, tt)Qd ©ott l^eigt unb n)ill, nid^t 
mel^r t^un foQe, fonbern mel^r unb me^r n)irb man in ber Siebe 
@otted entjünbet, . . . ba§ man ttjirfet ttjad ®ott toiH. . . . Sllfo 
ift ber ©laubige bom @efe^ erlöft, bafe er bie SBerbammnife 
bed ©efe^ed nid^t me^r fürd^tet. . . . 3)ie ©ebote aber tl^ut 
ber ©laubige aud Siebe, nid^t aud feiner Äraft; fonbern ©ott 
»irft in il^m bie Siebe, ben 3latl)fd^tag unb bad SBerf foüiet er 
t^ut, unb er ift in allem SBerf tt)o^I ttjiffenb, bafe ed fein SSkrf 
ni(^t ift, ba6 aber toa^ gefd^ie^t, ©otted SBerf ift." 

©ntfprid^t nun biefe Situation bed ©laubigen, ber fid^ ald 
®Iieb S^rifti toeife, burd^aud ber ©d^Uberung Sutf)er'd, inbem ber 
®laube, ber bie ©crecf)tigfeit ß^rifti auf fid) bejief)t, ber Sc* 
dngftigung ber ©ettjiffen burd^ bie gorbcrung bed ©efe^ed (ögl. 
aud^ IIL ©. 195) entgegentritt, unb auf bad SSerbienft ber SBerf e 
Uerjid^tet, bie boc^ in ber Äraft ©otted burd^ ben ^eiligen ©eift 
aud bem ©laubcn f)ert)orgef)en *), fo crftrcdEt ftd^ bie Uebcrein* 
ftimmung 3toingli'd mit Sutüjer audEj auf bie 2)eutung ber poe- 
nitentia ald eined SBerfed, . baö baö ganjc Seben audfüßt ^), 
3nbem nämlid^ ßf)riftuö einerfcitd ald ©efammtaufgabe bie poe- 
nitentia barftellt, anbererfeitd baö Süangelium bie ©ünben* 



1) Sgl. bie crftc 95afc(cr Sonfcfiion (Niemeyer Collectio conf. p. 
83): 2Bir bcfcnncn SJacftloffung ber ©ünbcn burc^ ben ©laubcn in 3c]um 
d^riftum hm (Üefrcujigtcn. Unb miciüo^I biefer ®Iaubc ficft o^ne Itntcriafe 
buTC^ bie SBcrfc ber Siebe übt, r)eröort^ut unb alfo bcroäört loirb, fo geben 
»ir bot^ bie ®ere(!^ttg!eit unb bie ®enugt^uung für unfere ©ünbe nicftt ben 
fBtrfcn, bie bcö Olauben« ijrüd)te ftnb, fonbern allein bem ujal^ren SSertrauen 
unb ©tauben in baS öergoffene ©tut bcd fiamme« ®otte8. 25enn »ir be* 
fntnen frei, boft un« in ß^rifto, ber ba ift unfere ®ercc^tigfeit, §eiligfeit, @r= 
löfung, ©cg, SBa^rl^it, SSeiö^cit unb fieben, aüe 3)inge gefd^cnft fmb. 
^antm bie ^erfe ber @(tftubigen nidji jur ®enugt^uung unferer ©ünben, 
ffmbfm atlein barum gefc^e^n, bag fie bamit @)ott bem ^errn um bie groge 
ihttt^t, und in (£f|rifto beriefen, ftc^ etlicher Ttafitn banfbar erzeigen. 

2) De Vera et falsa religione (loci de evangelio, de poenitentia) 
m. p. 191 sq. 



172 

betflcbung an bic SBcrjö^nung^t^at ®^riftt fnü^ft, fo flc^t beibcö 
barin jufammcn, ba§ bic ©clbftcrfenntnife jur SBerjtDcifcIung übet 
bie ©änben ebenfo t)on @^riftud angeregt, ^ie bie ©etoigl^eit bed 
©rbarmenö ®otteÄ burc^ feine Seiftung begrünbet tt)irb. 3)a 
tt)ir aber nie o^ne ©ünbe finb, fo mu§ bie d^riftlid^e Slufgabe ber 
Seben^erneuerung ftet^ burd^ bie ©elbftprüfung unb burc^ bie 
So^jagung t)on ber @finbe begleitet fein. Est ergo tota christiani 
hominis vita poenitentia; quando enim est, ut non peccemus? 
dagegen bie Dom ^apft gebotene, in ber Dfterjeit regelmäßig 
DoQjogene poenitentia ift reine ^eud^elet, ba [ie gerabe auf 
SRid^terfenntnife feiner felbft, auf oberfläd^Iid^er ©d^ä^ung ber 
©ünbe berul^t, unb nad^bem fie abgemad^t ift, aufhört *). 

@^ ift befannt, bafe bie 6ontrareformation ber römifd^en 
ftird^e in erfter fiinie überaß barauf ausging, ba§ bie eöangelifd^ 
©ettjorbenen in bie SSeid^tftül^Ie jurüdEgetrieben ttjurben. S)aran 
ift ju erfennen, bafe bie römifd^e Sird^e it|re SJiad^t über bie @e* 
mutier ber Gl^riften in fpecififdier SBeifc auf bem 3nftitute beö 
S3u§facramenteÄ begrünbet toei§. S)ie SJefomtation ber 5tird^e ift 
alfo nur möglid^ gen^efen unb ift und nur Derftänblid^ aud ber 
SJarfteHung beöjenigen rcügiöfen S3ett)u|tfeind Don ber SBebeutung 
S^rifti, beffen nod^fte unb unumgänglid^e Folgerung bie lieber* 
flüffigfeit unb ©d^dblid^feit ber röntifd^en S5u§prajiS toar. S35ie 
i2ut^er, fo ift nun aud^ B^ütfl^i "w^ babur^ Slefomtator ber 
Äirc^e gettjorben, ba§ er in bem aufgezeigten 3iJfönimen^ang t)on 
©ebanfen ben ^ebcl befa§, um bie religiöfe Sluctorität ber römifd^en 
5ßriefter burd^ bie birectc SSuctorität Gl^rifti, beö SRittlerö ber 
SJerföl^nung unb ^errn ber ®emeinbe, ju ftürjen unb ju crfe^en. 
^ieju fonnte il^m nid^t fd^on feine 3bee öon ber Ällttjirffamleit 
®otteS bienen, fo braud^bar aud^ biefelbe fid^ ertoieS jur Untere 
ftü^ung ber religiöfcn Sebeutung G^rifti gegen ben üorgeblid^en 
SBertI) ber eigenen SBerfe bed SKenf^en unb ber SSermittelung 
ber gürbitte ber ^eiligen*), unb fo c^arafteriftifc^ jene 3bee aö 
Sinf^Iag feiner gefammten S^eologie ^eröortritt. Aber ed ift 



1) SSgl. unter ben 67 ©c^fugreben bie 60 bid 64ftc „Don ißac^Iaffen 
ber @ünbe', unb bic 9[ud(egung ba^u. ^(S^riftud l^at aDe unfere ^mn^ 
unb $(rbcit getragen, ^clc^er nun ben IBugoerfen ^ugicbt, toaft attein (Sfydi^ 
ift, ber irrt unb fc^mä^ ©ott" (art. 64). 

2) $gl. bie 9[udlegung ber ec^Iu^tebcn L @. 376. 




173 



_ ■ icl)(crl)njle iinb ücriDivrciibe öeftauptung iSifituort'*, bafe bic 
SniDirRainfcit ©fttcä iai Sßriticip bcr äiwi'ifl'i'ft^f" S'!')" H 
boB ä""';!'' ^"^^ i" ^f"" ©inne al* boä (jödiftc ©iit barftcUe, 
tmü uon il)in aüein qUcö öute, aüei ©ein unb fieben, alter 
i^laube uiib alle Scliiifcit auf unntttlelbare SBeifc fumme'). 
£cmi bic 3bcc ber SlHioirfiamtcit ©ottcö ift lerne ipccifijt^ 
i§rifllid)e 3bee, iinb fo richtig eö ift, baft fie in 3roi"3l''S ®i"" 
bircct icligioic uiib feine bloä ptitlofop^iic^e 8ebciitunc| E)at, fo 
ftefit fic in feinem nnmittcldaten unb bitccten SerfjäftniB jn ber 
(fjriftlitften Äird)C. 3ft alfo S^infili SRcfonnotor bet ffiirrije. iinb 
^t er ieine religiöje ßeijrbilbiing in ben Dieii)'t biejer T^ötigteit 
gcftcUt, }0 ift ju erroatten, baß er au^ aii Xfieolog eine anbcre 
3trUiing ju ber Sefirc üon ®ott einnimmt, q15 ^cün unb 
Sigiuart Sctwupteii. SiefeUicti tiättcn Wollt befierjigcn bürfen, 
H)Q6 3"''"9'' <^^ Gingange bee locus de religlone chrietiana in 
bfm comtnentarias de vera et falsa religione (III. p. 179) 
gcjc^licben liat: Habet haec aetas nt eruditos multos, qni 
passiiu velut ex eqno Troiano prosiliunt, ita multo plures, 
qui ee omniam censores facinnt; ac dorn per impietateoi 
renascens verbum accipere Dolunt, pietatem tameo gimulantes, 
falais confictisque suspieionibns piorum aures implent, AIü 
enim, dum strenue docemus, ut omnis fiducia in deum patrem 
UQStrum sit habenda, procaci auspicioue pniäiliunt, cavendum 
esse a oobis; omnem enim doctriaam nostram ad hoc tendere, 



1) Siflioart, UEiitS 8imnali ©. 39. 3m ^etmllidicii (omnit bor^ 
auf aaäi ^tOn [^^ol. S^fl^m 3-'^) ^inauS, inbcm er naA Stbncdcubuigct'e 
Soigand bcn (Scbaiilrn bei cmtscnSnua^luiiB ali baS rcjunniilc Sc^tpriiicit) 
Ml* bem ©ebürfnifi 3™'"al''8 nn<t| jlDcifcHofct ^«läaciDiß&cil (loftülirl rcctbcn 
USfet (S- 24 ff.). öitrDbcr ifl Staniott S. 3 ff. fcftr (c^nci* ju Eefen. 3n= 
bffim obaIti(ft tiefet fi« bemüht, 3'ofnflli ola fflefotmalor ju ncrfteöen, eift 
rt i6n als tljeoloaift^i-'n Sflftematttet würbigt, fu ift i6nt bic8 nitftl gc[««iQen, 
unb beöftalb lommt er bod) auf bic 2inie bet j]eQet'f[f)en SorfteQunB jutüd, 
nwl^e bic Xtfcolo^k eincä Kltgiitfcn iReforaiatorä ber Äiri^c nic^t aiibecä 
naffuftt. n<<c eine geiDÖ^nliific £Aultl|ciilogie. ^icnad) i^t ju beurteilen, mit 
t ffllaubmiiibigleil ®la&[ (bic lul^crifi^e fliri^c unb bic Uniim ®. 13) 
, Siginart'ff^ii Sutfie .unbcfonflcne" ajoiftcllunß nadirii^mt. 3)ie ej: 
% Parteien begegnen f«^ bctanntlicfi iibcroD in bcr Unbefangenheit, unb 
it ^l biefelbe bei bicfct fflclegenficit fs weit geliicben, fidft bnä jufommcn^ 
t Stubiuni Pen 3"''''a"'S SScrten ^u erfparcn, bnmil er um fo im= 
mniti über Ben SBett^ feiner Meformation oburtbcilcn lönnc. 



4 



174 

ut Christum exterminemas, et ladaeoram more, ut unam deam 
credimus, sie unam solammodo personam eredendam induca- 
mas. Alii vero, dum propensius omnia Christo tribuimus, 
vereri se dieunt, ne nimis temere nimium ei tribuamas. 
Utrique tarnen sie pronuneiant, ut ipso iudicio videas eos 
esse vel audaeter ignaros, vel seienter impios. %lfo 
bie Sldioirffamfeit ®ottc^ flilt für 3^i"9K nur infofern ate bcr . 
lefete ®runb be^ §eite unb bie le^te ©tüfee be« ®Iaubcn8, alö 
ftc bie 5ßerfon unb baö SBirfen S^rifti al§ ben beftimmten nähern 
®runb bcö §eitö unb ba§ birecte Dbject be^ ©laubend in fid^ 
fd^Iiefet. ©e^^alb gilt if)m bie Siattjirffamfeit ber legten Urfad^e 
in ben SKittelurfac^en nur fo ate ba§ pglei^ religiöfe unb 
ttjiffenfd^aftlid^e ^rincip ber gefammten cf)riftlid^en 3BeItanfd^auunfl, 
ate ber aHmäd^tige ®ott jugleid^ ba^ ©ubject ber lueifen unb 
geredeten SSorfe^ung, ber jttJedEüoIIen Drbnung ber gefammten 
3BeIt ift, \vdd)t i^r Qid in ber ©emeinfd^oft ber SKenfd^en mit 
©Ott burd^ feinen ©o^n finbet, ju tt)etcf)er bie SKenfd^en bon 
boml^erein gefd^affen finb *). 2)er ©ebanfe, ba| ber aQtt)irffame 
®ott bur^ bie etoige (£rtoäi|Iung ba§ §eil ber äRenfd^en garantirt, 
ift bemnad^ 5ßrincip ber 2;^eoIogie ä^infl^*^ ""^ in feiner 
3leci^)rocität mit ber pofitit) fird^lid^en SBaI)rl^cit, bafe bie ®e* 
meinbe ber ©rtoä^Iten gerabe burd^ S^riftu^ befielt; beibe aber 
toerben bermittelt bur^ bie t)on bem götttid^en ©ebanfen öon 
S^riftu^ im öorau^ be^errfd^te 3;eIeoIogic ber SKenfd^engefd^i^te. 
SBenn atfo bei ß^^ngli gelegentlid^ ©äge öorfommen, toeld^e 
3eIIer unb ©igttjart in bem ©inne auff äffen, bafe „bie ©rtoäl^lung 
be^ ©injelnen burd^ ®ott ber eigen tlid^e ®egenftanb beS ©laubend" 
fei, ober ba| „allein bie (£rtoä{)Iung red^tfertige unb befelige", fo 
ift bie SKeinung ber genannten Oete^rten, bafe 3^ingli baburd^ 
abfid^tlic^ bie S3ebeutung S^rifti inbifferenjiire *), burd^ B^^ngli 
felbft im SSorau^ obgelel^nt. 

26, S)ie Betonung be§ ©ebanfen^ t)on (Sottet ?[IItt)ir!fam^ 
feit in ben ©rloäl^Iten bebingt freilid^ auf anberen 5ßunften Ab- 



1) De Providentia dei (IV. p. 98). ^Bßl. bie S)Qrftcttung bcfi ®c* 
bantcnganged btefer @(^nft in meinen C^ef^ic^tl. @tubien §ur c^riftl. Se^re 
\)on ®ott; aweiter «rtifel (3a^rb. für beutf(^e %f)tol XIU. 6. 94 f.). 

2) 3cncr ©. 24. (öißwart @. 158. 



175 

toeid^ungen ^tinnglt'd t)on Sutl^er, namentlid^ in ber !!)eutung ber 
©actamente; aUeut bie reformatorifd^e Orientirung bed reltgiöfen 
©elbftbdougtfeind an ber ©ered^tigleit Sl^rtftt üoQjie^t fid^ bei 
^toinglt unb Sut^er nid^t borum in a6n)etd^enber 8lrt, toeil jener 
bie Sebeutung S^l^rifti burd^ bie ©oltbaritat bed aQmrffamen 
©otted mit bem SKittter beS §eile« üerftärft. S)ie ®ett)i6I)eit ber 
9le^tfertigung burc^ S^rtftud im ©tauben, toit fie ber 
in ber ßirc^e fte^enbe unb nad^ @otted äBillen ftrebenbe 
(gläubige ergreift, ift nun ber beiben SKännern gemeinfame 
^el ber Deformation ber Äird^e *) beö^alb, ttjeil bie 9Jef ormatoren 
mit jenem fubjectiüen ^eild6ett)ugtfein bie ©runbanfd^auung t)on 
ber ftlrc^e ald ber @emeinf d^af t ber ©laubigen, ber burd^ S^riftud 
(Sriöften t)erbanben, unb bemgemäg bie I)erfömmlid^e SSebeutung 
ber rc^tlid^^öerfaffung^mäfeigen Organe ber Äird^e unb bie il^nen 
betgelegte ?luctorität für ba^ §eil ber ®injclnen verneinten. SJafe 
bie fittd^e toefentüd^ bie ®emeinfd^aft ber Sriöftcn unb ©laubigen 
fei, fianb freiließ für bie bamaligc fatf)oItfd)e ßirc^e fd^on burd^ 
bad apoftolifd^e ©^mbol feft, unb inbem bie ^Reformatoren biefe 
SBebeutung ber Äird^e geltenb mad^ten, öerful^ren fie nac^ bem 
jmcifeUofen Siedete ber firc^Ii^en Ueberlieferung (©. 87). 2lUein ba 



1) 3)ic unter Sut^crancrn weit verbreitete entgegenfte^enbc 3Reinung 
ift au4 bur(ö ÜMelonc^t^on öerfcfiulbct. (Sr berichtet bem Äurfürpcn Sodann 
übn ba8 ®efpr5c!^ in 9Rarburg neben onbcren Unwahrheiten unb llebertret» 
bungen, ^3^^n9^i unb feine ®enoffen reben unb f einreiben unfcfiicf lieft baöon, 
mie ber SRenfcft t?or ®ott geredet gcfcftA^t werbe unb treiben bie fieftre t)om 
erlauben ntc^t genugfam, fonbem reben olfo baDon, ald wären bie ^erte, 
fo bem Glauben folgen, biefelbige O^erecfttigfeit" (G. R. I. p. 1099). S^ocft 
fc^Itntmer ift ber Derlei umberifcfte %on in einem iBrief an Martin ©oroliciud, 
^ftor in Sraunf cftweig : Ego agnovi coram auditis antesignanis illius 
sectae, quam nullam habeant christianam doctrinam. — Nulla est mentio 
fidei iu^tificantiB in omnibus Zwinglianorum libris. Cum nominant 
fidem, non-intelligunt illam, quae credit remissionem peccatorum, quae 
credit, nos recipi in gratiam, exaudiri et defendi a deo, sed intelligunt 
historicam (C. R. II. p. 25). 3nö^cfonbere fteHt er in ben ©eri^ten an 
ihttf. 3ö^nn unb an ^er^og ^cinricft öon @a(ftfcn bie gemeinfame §(ufs 
fejung ber SRarburgcr Strlifel juglcicft als einen 6icg ßut^er'8 unb als eine 
gldc^tltige ©ocfte bar. Snbeffen in bem SBrief an feine gfreunbe, bie 
^tcbtgcr gu Reutlingen (I. p. 1106), entölt er ficft foId)er ^leufeerungen 
Aber We Ärtifcl, weil 3cne mit 3»tnö^^ i^ SSerbinbung ftanbcn! 3)tefeS 
gai^e Serfa^ren wirft ein übeled Sicftt auf äRelancfttftou'd Q^ewiffenftaftigfeit. 



176 

bic factifd^c polttifd^t ©nttotdclung bcr Äirc^c baö 88orurt§ciI 
erjeugt l^atte, bog bte ©emeinbe ber ©laubigen nur bajei old 
^obuct bcr rcgtminalcn unb jacramcntalcn Xl^ätigfett bc^ Älcrud, 
fo öerftanb man unter ber Äird^e, au§er bcr fein $eit ift, baö 
®efugc bcr üerf äff ungMäfeigcn SRcd^tc unb f acramcntalcn ^öilcgicn 
ber 93camtcn, burd^ toeld^e aQcr ^citöbcfi^ ju bcgrünbcn unb 
aQed ißcil^bctDugtfcin ju regeln fei. ^ftanjtc fid^ nun aber bai^ 
fubjcctiöe ^eil^bctt)u§tfein bcr Sleformatoren in feiner aBcc^fcI- 
bejicl^ung mit bem (Sebanfen öon bcr Äird^e ate ber ©cmcinfc^aft 
ber ©laubigen fort, toie cd unabhängig t)on ber facramentalen 
Äuctorität bcr 5ßriefter birect an SfjriftuS normirt toar, fo öcr* 
änberte fid^ aud^ bic SSorfteHung ber äln^ängcr bcr Sieformation 
öon bem SBert^c ber biö^erigen fird^Iid^en STOittel, unb i^rc 
factifc^c Stellung ju ber ®eltung ber bi^^crigen Organe bcr 
Äird^e. SBcr im ®Iauben SfiriftuS ergreift, ate ben entfc^ibcn* 
ben @runb aQed ^ilc^, aU ba^ fidlere @egengen)id^t gegen bad 
JBctoufetfcin ber fortbauemben ©ünb^aftigfeit, aU ben religiöfcn 
Sicgulator feinet gottgemäfeen ©trebcn^, ber bebarf in erftcr 
Sinic bcr ®ctt)ife]^eit einer ®emeinfd^aft mit feinet ®Ieid^en, toclc^c 
ebenfo, toie er felbft fic^ bttou^t ift, bur^ bic ®nabc ®ottcö alö 
bic ©emeinbc S^rifti erjeugt finb *)r nid^t aber ber ©tüge einer 
Krd^Iid^en Änftalt, gcf^toeige benn einer fold^en, in »el^cr ber 
priöilegirte ©tanb an ®otte^ ©teile über bad §eil ber fiaien 
urt^cilt. 3nbem bic ^Reformatoren unter biefer pofitiüen SSorauö^ 
fe^ung über baS, »aö Äir^e ift, bie flericale Sluctoritdt naments^ 
Ixä) im S3u|facrament afö überflüffig unb unbcred^tigt ertoiefcn, 
öoDiogen fic bie Slcformation ber Äird^e, b. f). fie führten il^re 
Änf)änger in bic ri^tige ©tcHung beiS fubjcctiöen ^citebctoult- 
fein^ fo ein, ba§ juglcic^ bie Geltung beS urfprünglid^en SegriffS 
öon ber ffird^e in entfd^cibenbe 3Birfung auf bie ®emfitl|er gefegt 
tourbe. Unb ttjcnn in biefem ßwfömmcn^ang ber conftitutiöcn 
©cbanfcn ba§ ^ergcbrad^te Sufeöerfa^ren t)on Sut^er nod^ ju^ 
geftanbcn ttjurbe, fo gefc^a^ eö mit gänjlid^ öeränbertem Snl^altc, 
fo ba§ bie Slbfolution nid^t ein fpccieUeö mit göttüd^er Äuctorität 



1) »gl. fiutöer'» !(. Äatcc^i«mu3 2. ^ptft. 3. «rt: 3n »cldftet 

(S^riftcnl^cit er mir unb allen ©laubigen tftgHc^ alle @ünbcn mäfiid^ Der^ 

ßicbt. Catech. major pars 11. 40—42. SJgl. ^upfclb, a)ic fid^artücl 
bcr ^ugdb. (Sonfeffton. Sllarburg 1840. 





177 



1 



> 



ttUSgeftatteteä Urtt)eil, fonbem bie allgemetne S^ettünbigunci ber 
^tetUdotj^aft Don S^riftuä fein (oUte, auf tDeId)cr aUcS @Iauben 
unb QÜe (SJemeinfcftflft bcä ©laubenö berut)t. 5n bcrfcl6en iRit^tung 
fiber ^ol ä'^ingli roenige 3ai)tc nact|6er in ben „©c^Iufereben" 
büä SuBl'aciamcnt, mit Seluatjrung ieiiie* Itjpuö ber fpccieHen 
Srjie^ung auf ben ^^öniteitten, auf beii 3äjctt() ber 3iatt)*ett|olung 
bei bem ©eelforger jutüctgefiibtt. 

Xie iiadigeroiefeitc Ucbereinftimmung ärotfc^en £uti)et imb 
^roingli bebatf noiii einer Sidierfteltung gegen bie entgegengefeßte 
Süifidit Pen Stol]l. greilicf) Derratf)en bte Don ©tajjl ') auf= 
(feftellten Sntill)e[en jloifc^cn ben ?Infic£)ten Söetber f oroofjt mangeU 
^fteScnntnife beräRcinnngen öutt)cr'«, alä aui^, bofi er ä^ingEi 
fcin suSammeii^angenbeä unb fel&flnnbigeS Stubium (einer aBerte 
göuibinet ^at S)a ic^ micfi in ben ^rcnjen meiner Stufgabc 
jn fyiltm ifabc. fo befdjränFe ii^ mxd} auf folgeitbe fünfte. 
BrftenS ift e* ni^t roabr, toaä ©tabi bebouV'ft. baß 3™i"fl'' 
anter ben SSJerfen, bcren Sicrbtenft er beftrcitet, bauvtlüt^li^ nur 
bie Setemonieii unb bie äufeerltc^e Imc^ftdblidie Erfüllung bcä 
gkfe^eö «erftel}e, bogcgeu fic^ teincÄWegiS entfdfliefee, ben niirtli<i) 
guten SSerfcn, bie in frommer ©cfinnung DoHbrai^t werben, baä 
Cetbienft wnb bie Entfcfteibung für boS ©etlenbeti a6ju(pre(^en 
(©. 26). Segen biefe SÖebaulJtung gill bie 22fte unter ben 67 
„©c^Iufeteben", bafe unfere (ber ©laubigen) SJerte fo öiel gut 
finb. fo uicl fie 6l)rifti, fo uict fte ober unfer, nit^t rec^t, nic^t 
gut finb, — bei beffen Srflärunfl fitlj 3lTin9'i in ^'^ „Slu^tegung" 
auf bie Srörterung über ben 20ftcn SIrtitet beruft; tytz aber 
ftTTC^t et ft(f| über ben Segriff be^ 9Serbienfte§ buri^auä correct 
üu«. Sroeitenä ift eS nid)t roatir, maä ©ta^I betjauptet, bafe 
3tctng(i ben ©lauben taum Bon berjcnigen ©ctte betrachte, bofe 
er bie Aneignung ber Don S^riftuS DoÜbrai^ten ©üt)ne fei (©.26). 
3)flfle9cn ift ber ganje 3"ffli''i"cn')0"9 i'fr „^luälcgung" beä 19. 
unb soften 9Irtifel8, ber locus de religione christiana im 
Commentarias de Tera et falsa rel., unb in ber Expositio fidei 
cbristiauae, feiner legten ©^rift, ber Mrtitel de remiesione 
peccatoram *). !I?rittenä ift eä nid)t raa^r, loaiS ®tat)I be= 



1) Die im&etift^c Sixi)!! unb Ht Union, uoii S. 23 an. 

2) rV. p. 60i Confirmittio, aatisfactio et expiatio criminum per 
»Inm Chriitnro pro nobis psissum impetrata est apud deum. Ipee est 



178 

l^auptet, baj^ B^i^S^ bie Sted^tferttgung burd^ ben ®lQu6en in 
bcm ©innc, tt)ic je^t bic lut^rifd^c unb bic rcformirtc Äird^c fic 
befemten unb ald ben ^rn ber et)angdifd^en 9leformatton erfennen, 
nie in fic^ aufgenommen l^abe, unb ba^, tomn bie 93ebeutung bed 
red^tfertigenben ©laubend i^m je lebenbig gettjorben toaxt, er nid^t 
fpQter in ber Spod^e feiner ^äbeftinationdle^re bem Glauben 
äße ^eitetoirfung ff&ttc abfpred^en fönnen (©. 27). ©tal^I jicit 
l^iemit auf getoiffe ©teilen ber ©d^rift de Providentia dei 
(IV. p. 122 sq.), »eld^e oud^ QtUex unb ©ignmrt in bem 
gteid^en, ^oben fd^on beurtl^eilten ©inne (©. 174) öertoenben. 
3tDingIi bejeid^net a. a. O. bie SBec^felbeiiel^ung jn)ifd^en (Sr« 
n)ä^Iung unb ©laube fo, bag ber ©loube al$ ^$^^9^ ^^b $fanb 
ber Srmä^Iung anjufel^en fei, unb bog bie Slu^fagen über Sted^t- 
fertigung ober ^il im ©louben nur Don ber göttUd^en Srmä^Iung 
unb ®nabe ju öerftel^en feien *). $Run aber btttnttt bieö nid^tö 
tt>eniger, ald bag ber SSkrtl^ ber (SrlöfungStl^at S^rifti für ben 
©louben gleid^gUtig gemad^t »erben foH. S)iefelbe ift nid^t nur 
in bem ßufammenl^ang ber ganjen Erörterung loieber^olt mit bem 
©lauben in 93e}ie^ung gefegt, fonbem fie ift aud^ in ber an« 
gefülirten ©teile in bem SBorte liberalitas angebeutet, ©ie 
brandete aber nid^t ausführlich au$einanbergefc|t ju n^erben, loeil 
3toingIi nid^t de satisfactione Christi, fonbern de Providentia 
dei fd^reibt. gemer ^t in ber öorgeblid^en nSpoc^e feiner 
^äbeftinationölel^re" 3^i"9K bem Segel^ren ©ta^I'S nad^ einem 
ßeugnife über 8?ed^tfertigung im ©lauben burd^ bie oben an* 
geführte ^eugerung in ber expositio fidei genüge geleiftet. 
3BeitcrI)in ttjirb bie gegen 3^i"9li gerichtete ÄnHage, ba§ er burd^ 
feinen ®ebanfen Don ®otteS ÄHtoirffamfeit bie 83ebeutung beS 
(grIöfungStoerfeS S^rifti auöfd^Iie§e ober üerfürje, burd^ bie oben 
(©. 173) angefütirte ©rflärung 3tow^9K'^ fo toirffam abgelcl^nt, 



enim propitiatio pro peccatis nostris. . . . Cum ergo ille pro peccato sa- 
tisfecerit, quinam fiunt, quaeso, participes illias satisfactionis et redem> 
tionis? Ipsum audiamus: Qui in me credit, hoc est, qui in me fidit, 
qui me nititur, habet vitam aetemam. At vitam aetemam nemo adi- 
pisoitur, nisi cui peccata ademta sunt. Qui ergo Christo fidit, ei re- 
mittuntur peccata. 

1) De prov. dei (IV. p. 124) : Fidei tribuitur iustifioatio et salus, 
quum (obgleich) ea solius sint electionis et liberalitatis divinae, fides antem 




n 



K 



bog Stafal iet&ft fic^ bcr S5enirtt)eiliins biirt^ 3"^i"9l' "''^' 
CRtjie^i fann. Unb ba;^u Fommt cnbli((, bag @ta[|I nicf)td 
tpntign oiä liitl)ctilc^, ^onbctn armtiiiani((^ bndjte, inbcm er 6ci 
.*er SutfC^HPeijung 3™'"9li'* ^^^ Nation befolgt, bog bic ;Hect)t= 
'frrtiflmig öoräufteücn fei nid gciuicft burd) bcn ®laubcii, roafjcenb 
lÄrt^ec ebcnfo wie ^'i'inflli fie nuT burc^ G()riftu§ unter ber S8c= 
bhttfuiig bes ©louben§ geroirtt, btejcii ciber burc^ QSotteö ®eift 
^etuorgebracftt fein läfet. Soä SSerflänbnife ber ^aupterüärungen 
3ipin9li'3 Idfet outi) feinen ß^'C'ff' borüber ju, boft et eben fo 
roie Satiftt in ber Sicrgegcntüortiflung aller gactoveiT feine* 
iubjectiüen 6eiIffbctiiH&t|einS ben 6£)riflu§, ber unferc @cixcf|tig!cit 
ift, in bem hiftorifc^en Silbe feinet @et)orfoin§ unb feineS SBer' 
l'Ö^nwngäleibenä ouffofet. Sßeil er nun biefen ©ebanlen immer 
nur in ber Enncentration bcä religiöfen ©cIbftben)u§tfeiiiS. nie 
male aber in ber anoIl)tifd)cn ©cftalt einet Seigre »on SJerföfinung 
unb 9{ed)tfertiguiig BoOäieht. fo fehlen bei if)m bie ©egriffe, in 
roel^cn bie Score biateftifcfi auögefiil)rt werben mü^te, nlfo 
namentlich ber begriff ber 3""'^iu"g ^^^ e^einald DoUbratftten 
Säerfeä Gfirifti für ben je^f ®lau6cnben. Xarauä barf nun aber 
nif^t mit ©igroort gefolgert roerben, ba6 Siving'i überall, roo 
er G^riflitS al« unferc ©crei^tigfeit onerteunt. ben „ßf)riftnS 
in Ulla" als ben ®runb „mirflidjer ©ercditigtcit" meine. Unb 
(^efc^t, ba6 folcfie Sfeufjcrungcn bei 3™i"Sli uortÄmen '), fo 
»ötbe bcrfi'lbe aui) I)ierin firf) nidjt Don Sntt)et trennen, ber, 
Söftlin*) nadilDcift, gdegentUt^ bem im ©laubigen mirfenben 
Äeifte ©ottcÄ bie iRect)tfertigung beilegen fonnte. 



itionem sie sequatur, ut qui iUam habeant, »ciant veluti per sigillam 
MC pigniu, se electoa eaae, 

1) 35ic ddh läigiDiirt ®. 15T angefu^rlc Seu^cruiig Siuitigli'ä ; 
laaUtiain lorgitur, interuam iatam, quae nihil aliud est, aisi npiritUB, 
flntH Id) nit^l in ben AnnotatioDea in Geneain (V. p. 59). ^inqcgcn fc^einl 
rtn fcit&n OtcfeanTc mtl imlcciulaufcn in brr ExpoBitio fidei (IV. p. 60); 
Stcut eaim fidem nemo poteat niai spiritaa eanctua dare, Bio etiam non 
r««ninioiiem peccatorum. 3'''">'^ '■'* 3'>fi^>"'"V"9<' ^^'f>t ""4 ^^^^ ""''' 
Nig bei beil. (SciFt nie DbjrcriDCT @runb txi QUaubmi, tbtn\o rate bieder bie 
Aneignung in in S^dfti !Cci[öl)nung.!lt!)at bcgriinbctcn SfmbciiPrrgcbimii 
Mnniittit. 

2) Sulhtr'« Xlicolonti- II. @. 454. — Snrmif foinmc id) mcilcr unicn 
larfiif. 



180 

ÄHcrbingS ift nun bcr Umftanb bcad^tcn^tocrtl^, bafe 3^^wflK 
ntd^t fo oft unb ntd^t jo ftar! nne Sutl^r bm ©ebankn t)on ber 
Sted^tfertigung bur^ S^riftud im ©louben betont unb ^erüor^bt. 
SHcicnigcn, tocld^c ftctg fintier an 3^i^^flK mcffcn, unb tl^m alle 
Stbtoeid^ungen üon bemfelben jur @ertngfd^ägung loenben, loerben 
btcfc 2]^atfad^c ju bcmfelbcn 3^ccfc gcbraud^cn, unb tt)erbcn> tocnn 
fie aud^ ntd^t mit äßeland^t^on bie mefentlid^e Uebereinftimmmtg 
SSciber in bcm 8lcd^tfcrtigunggbctt)u§tfein leugnen fönncn, toenig* 
ftcnS mit ©ta^I baran benfen, ba§ 3^^^9K jene ©ebanten nur 
ou§erItci^ Don fiutl^er entlel^nt unb eigenttid^ nic^t tief bel)er5igt 
l^abe 0- S)abei mad^t man ferner bie 83oraugfe|ung, baß Su- 
t^er'§ urfprünglid^c 3;enbenä auf SBerfgere^tigfeit Sie einjige mög- 
lid^e gorm bcr grömmigfeit in ber fat^olifd^en 5tird^e bed Äbcnb* 
lanbeg gettjefcn fei, baß alfo 3tt>ingU, ber fi^ berfelben nie bc== 
fliffen Ijat, fd^on nad^ bem SKafeftabe ber !att|olifd^en Äird^e eine 
oberfläd^Iid^erc ^^ömmigfeit öerratl)e ate Sut^er. 3nbeffen fo toie 
biefe UnterfteHung einen argen Srrt^um in fid^ fd^ließt, fo barf 
man femer nid^t außer Std^t laffen, baß e^ ganj inbiüibueHe ©e* 
bingungen finb, unter toeld^en fintier niemals mübe getoorben ift, 
ben 3;roft ber gepeinigten ©etoiffen in ber SJe^tfertigung burc^ 
ß^riftuÄ einjufd^ärfen. S)ieS fam bal)er, baß fiut^er fo lange unb 
fo leibenfd^aftlid^ ben entgegengefegten SBeg Verfolgt l^atte, burd^ 
ba^ Serbienft feiner a^fetifd^en, alfo nicf)t einmal gemeinnügigen 
SBerfe geredet t)or '®ott ju ttjerben. 2)ie ®ett)iffen^not^, in tt)eld^c 
er fid^ baburd^ öerflodl^ten f)atte, fteHte er nun alö bie allgemein 
giltige SSorbebingung für ben legitimen ®ett)inn ber SRed^tfertigung 
im ®lauben bar. ®g ift ber 93ußfampf im f)ö(^ften ®rabe, ben er, 
junäd^ft um bie 3^idEauer 5ßropt)eten in^ Unrcd^t ju fe|en, in einem 
©rief an SD?clandötl)on t)om 13. 3anuar 1522 al§ ?ßro6e für bie 
«ed^t^eit beg (S^rif tenf tanbe^ barfteQt «). 2)ie altteftamentli^en ©ä|e. 



1) ©tal^I f(^(ic6t bicfc« barou^, bafe Ocfolampabiu« fein SScrftfinbnife 
bcr ^Rechtfertigung fiut^r ju öcrbanfcn crfiftrt! 3"'i"9ti fclbft beruft ft(^ 
auf feinen ße^rcr 3:6omQ« ©i)ttcnbac^ unb auf ©raSmu«. — SSgl. ?lu«Icgung 
bcr ©c^Iugreben. (^Berte I. 8. 253. 254. 298.) Exegesis eucharistiae ne- 
gotii ad Lutherum (lU. @. 548. 544). 

2) 9ei bc ^ctte IL @. 125. lam vero privatum spiritum explores 
etiam, quaeras, num experti sint spirituales illas angustias et nativi- 
tates divinas, mortes infemosque. Si audieris blanda, tranquilla, de- 
vota, ut vocanti et religiosa, etiamsi in tertium coelum sese raptos 



181 

bic er bafür anführt, bc^cic^nen ganj inbimbuelle ©ituattonen; 
aai bem 91. X. aber wütbe fii^ bie SiotljlDenbiglcit biejcr 6rfa^i 
rangen nicfit natfiiMiien (offen. Saß alfo Bn'insfi O"" benjelben 
nit^tö Kttäll}, fann iljm nur mit Unrei^t olä Sltanflcl im 33er= 
okit^ mit Siitf)er. ali Söenieiä »on J'f'c^&fi' i^f* @cmütt)c5 ober 
lon 9lQlioiiafi:£mtiä onsercc^itet roerbeit. Umge!e()Tt lagt fic^ bar* 
' au«, ba6 SKelaiic^tlion fit^ ber aSeifiing £ut£)cr'ä fügte, unb ben 
9u§fampf iit bie tljeotoötfc^e Seljre uon ber Sfe^tfertiguiig Quf= 
nal)m, nici)t fd)licBm, ba% er an Gkmütftätiefe Sut^er glcii^ ge= 
locicn ober geiDorbeii fei, 3n feinen inbiüibucEen Sunbgebungen 
merft man iiit^tii von SBufelamvf uiib @rf)re(fcn bcS ©eroiffenS. 

tEie praftifdie öcbciitung beä Stc^tfertigungägtouBenä im 

©hme Sutöer'ö ift jebod) nic^t erfiftöpft biitd) bie SJerneinuug ber 

Bfrigcre^tigtcit unb bie rcligiöfe MegiiÜrung be^ t[)citigen SebenS. 

l'SJicfe SSejieliung fclbft ^cingt an bem (Sebanten bon ber 3tcc^t= 

F-fcctigung unb ^erfütjnung burd) @{)riftiiä nur bemgemäg, bag ber 

T-tflaitbe an bicfe Snabe ftcö auö&rcttet ju bem SSertrauen auf 

Bott unb feine Leitung in alten -Sagen beö Beben« in ber 3BeIf. 

tfiutliet l)ot biefe 6ombinatiDn letjrtjoft in ber Schrift Don 1520 

I de libertatB christiana auägetprott)en. 'Bie „gtcifteit eine* 6t)vi= 

mmenfcfien", bafe et §err fei über alte Singe, loirb Don Suttjer 

' «ngcfüt)rt alö 23ecft|elbegriff ber ©erei^tigteit, neidet bie Seele 

aai bem 33oTte @otteä, b. ^. ber ^erfüubigung ber Befreiung 

bun^ S^riftus' fic^ burc^ ben IMlaubeii aneignet. 3" biefem ^niede 

ift i^r ba4 SSort ©otte^ unentbe^tlid), aber loenu [ie e« befi^t, 

ift fte reicö an allen geiftigen Oütcni, luelt^c auä ber 9{editferti= 

gung entfpringen. 3n bem Slanbe beä rec^tfertigenben ©laubenS 

ift bie Seele crflens frei Dom ©efege ; si'Jfi'f^ enoeift fie 

@otl bie i^m gebüftrenbe ©bie, inbem fie tt)n für roo^rtjaft in 

feinen SJer^eifeungen anertennt unb ficft beät)at6 gänäütft in feinen 

SiBen ctgiebt; brittenä uerbtnbet ficfi burc^ ben ©lauben bie 

L.©tele [o eng mit 6f)riftuö, bofe fie %i)eH Ijat on feiner Jreiljeit 



dicftat, aaa approbabis, Quia stgnum filii hominia deest, qui est 
fiätfavoi, probator aaicus Christi an nrum, et ccrtus spirituuin diecretOT. 
Vit icire Iocbiii, tempus, modum colloi)uioraDi divinorum? audi; sicut 
leo coatririt omnia obsb meu, et: proiectus aum a facie oculorum 
tDanim, et: repleta est maus anima. mtia, et vita mea inferoo appro- 
pmqoBTit. 



182 

t>im %obt, an feiner priefterli^en unb töntgUci^n äBurbe. Z)iefe 
Functionen alfo begrünben e^, baft ber (S^rift in feinem iA^ti^m 
fieben über aUed, aber allen ©droben burd^ 9ßelt unb fietben er^ 
ffobtn ift, unb bag er in ber SCnrufung bed SSaterd alled erreid^t, 
toüÄ er »unfd^t *)• S)aS ift ber Sn^alt bed erften I^eiled jener 
©d^rift. ®er jmeite befd^äftigt ftc^ baniit, bag berfetbe Oläubige, 
totlättt nadf ben Sebingungen feinet geiftigen £ebend pofiti)? frei 
ift, »egen ber förperlid^en ©cbingungen beffelben, in ber ©emein*^ 
fd^aft mit ben äRenfd^en barauf angeioiefcn ift, benfelben alle 
arten beS SJienfted ju ettocifen. ©^ ift ^icr nic^t angejcigt, bie 
SJiftinction ju erörtern, burd^ tücld^e fiut^cr bag fittlic^c ^anbcln 
bem religiöfen ©lauben gegenübcrftcHt. S)ie entgegengefcftten ®e^ 
biete beö c^riftlic^en fiebenÄ »erben aber fo burd^aud unöerworren 
geilten. Sie greift bc« (Sänften ift nid^t ein ru^enbe^ 
^äbicat be« ©laubigen. Snbem öielme^r ber ©laubenbe fein 
»ertrauen auf bie ©nabenöer^cigung ober Sied^tfcrtigung ju 
ber Ergebung in aUe ^oben ber SSorfc^ung ©ottcd erweitert, 
ftellt er [idf nid^t blod unabhängig unb gleic^giltig gegen bie üer^ 



1) Opera ad refonn. pertin. Tom. IV. p. 226: Fidei hoc officium 
est, ut enro, cui credit, omnium piissima et summa oolat opinione, 
nempe quod eum veracem et dignum habeat, cui credendum sit. . . . 
H ic 8cmmu8 cultos dei est, dedisse ei veritatem, iustitiam et quidquid 
tribui debet ei, oai creditur. Hio paratam sese praebet anima in omnes 
Tolontates eius, hio sanctificat nomen eins et seoum agi patitur, sicut 
pUcitum fuerit deo. Quia promissis eius inhaerens non dubitat, eum . . . 
omnia optime facturum, dispositurum, curaturum. P. 231: Quod ad 
r^rnum attinet, quilibet Christiänus per fidem sie magnificatur super 
omnia, ut spirituali potentia prorsus omnium dominus sit, ita ut nulla 
omnino remm possit ei quidquam nocere, imo omnia subiecta ei co- 
guntur servire ad salutem. . . . Potentia haec spiritualis est, quae do- 
xninatur in medio inimicorum, et potens est in mediis pressuris. Quod 
est aliud nihil, quam quod virtus in infirmitate perficitur, et in Omni- 
bus possum lucrum facere salutis, adeo ut crux et mors oog^ntur mihi 
servire et cooperari ad salutem. Haec est enim vera et omnipotena 
potestas, spirituale imperium, in quo nulla res tam bona, nulla tarn 

mala, quae non in bonum mihi oooperetur, si modo credidero 

Eoee haec est Christianorum inaestimabilis potentia et libertas .... 
Per regalem potentiam omnium dominatur, mortis, vitae, peocati. Per 
sacerdotalem vero gloriam apud deum omnia potest, quia deus facit, 
quae ipse petit et optat. . . . Sola fides hoc largitur abunde. 





183 



1 



I 90 



winxnben unb Ijemntciibcn Siiibrütfe bct 3BeIt, foiibeni er ge^ 
bietet in feiner Öcmcinjc^aft mit Sliriftuö übet bic klinge, rticldie 
it)n Mritimmcn iinb in unfic^ete ^taltunii ucrfc^en fönnen. 6t 
fegt feine pofitioe ^TE'dc't eben oIs eine .^errfc^aft n«'I er in ber 
Scrfd^nung mit ®ott ju ber SöeljQuptunci jeinct geiftigen *läeT= 
"inttt^Irit gelangt. 

^iefc Sc^iefiung bei SHec^tfcrtigung im ölaukn auf ben 
gonäcn Umfong be« Sebenä f)Qt iiutöfr in Ic^rfjafter Keife bitcct 
Iflura irgenbmo micbet auSgefptodteii. 9lbet bct bebeutfame Sag 
im fünften ^auptftiicf be* tlcincTi Satei^iömuä: 93o S?crge6ung 
bei günben ift, bo ift aiicfi Sehen unb ©eligleit — roiib feine 
ISTBärimg nut burd) bie ffleltbcberrfrficnbe ?lrt beä SertranenS 
anf ®ott finben, lDcld)C auö ber SBerfö^nitng burd) ßhtiftuä ju 
ft^öpfcn ift. Unb feiner perfünlti^eii Ucbcrjengung in bicjet SHic^: 
tmig tiat Cutter ben gtänjenbften ?luäbruc[ in bcm Sriefc Dom 
28. 3uni 1530 t)erliel)eii, mit ntclt^em er bie tlcinmütbigen 9Ieufie= 
rangen beS in ^lug^burg Dcrmcilenben Htclanc^ttiDn crtDiberte ')- 
3n biefem 3"f'""H'^t)0'i9e bebeutet auäf bie ifflei^felbejie^ung 
3ivif(^en bcm SJorfetinngäglouben unb bem Snfetn ber ffirc^e ni^tS 
onbered, aH loae ftf)on nac^geroicfcn ift, bti^ bie 33erföl)nung buti^ 
G^riftud nic^t oon ber ^Borftellung bet ®emcinbe bet ©laubigen 
flctrtnnt nietben tann. 3" ber gorm tf)coIogifc^et Scftrc tiatte 
gciabe bamalä ÜKelancf)t[)Oii eä uermoc^t, biefem ©ebanfen ßu= 
rtjer'« cortecten §(uäbiuc[ su werleitjcii. Slfomlit^ in ber 9tHga= 
burgifi^en Gonfeffion läfet freilitö ber Dterte 3trttfel bic praftifc^e 
3R'ecff)ejieI)img ber 9(e^tfcrttgung für iiai Ccbcn Dermiffen; tn= 



k 



1) Wi be39fttelV. @. 53: Deuitp09mt(cBusamiiogtrani) in locum 
qoendsim commnnem, qaem in tua Thctnrlca non habes nee in philo- 
■opbia tua: i« vocatar fidea, in quo loco omnia posita snnt oi ßlcnö- 
fttwu 2h1 fti] ipaivöittyn, quac si qais conetur reddere visibilia et com- 
pnfi«iuibilin, aicut Tacis lu, is referat curas et lacrymas pro mercede 
Iftboria. . . . Deus adaugeat tibi et nobie omnibiii fidem. Hac habita, 
quid faciet Satan cum toto mundo? Quodsi dos non babemuB ßdem, 
car non aaltem alicna fide nos solamur? Sunt cnim necessario atii, 
qvi credant loco noatri, niei nulla est aniplinB ecclesia in mundo et 
CStristus ilesiit este nobiscum ante consummationem eeculi. Si enim 
aobi*cam non eat, obaecro ubi est in toto mundo? Bi nos ecolesia 
vd par» eccleiiae non aumns, ubi est eocleaia? Si noa non habemns 
verbum dei, qui sunt qui habent? Si ergo deua nobiacum, quia contra 



184 

beffcn in ber breiteren ©rörterung bc« 20. 2lrti!cl^ über bie guten 
9EBerfe le^rt 9KeIanc^t^on, bag aud ber ©etmg^eit ber SBerföl^nung 
burd^ S^riftud bad SBertrauen auf ®otted ^^ürforge unb bie %n^ 
rufung @otted folgt, U)a^renb bie @ünber unb ©ottlofen bie ent« 
gegengefe^te Haltung einnehmen ^), S)emgemä6 befte^t bie c^riffc* 
Uc^e SSoIIfommen^eit nad^ ?lrt. 16 in (£^rfurd^t unb SSertrauen 
gegen @oti, tuofür in 9lrt 27 noc^ eine befonbere Sudfä^rung 
eintritt. 3nbirect fommt fintier in ber ©rflärung ber ®enefi§ 
mit biefen ©runbfä^en überein, ba bie üon i^m gefc^überte SSoH« 
lommen^eit Slbamd t^atfäd^Ud^ bad c^riftlic^e Sebendibeal üoüoeg 
nimmt, fintier nämlic^ fe^t bie Sieligion ÄbamS in bie freubige 
SJonlbarfeit unb ben Oe^orfam gegen ®ott, unb I)ebt an ber @rb^ 
fünbe ben SKangel an (S^rfurd^t unb 58ertrauen auf ®ott aU bie 
^aut)tfad^e l^erDor, bie öon ben ©d^olaftifcm üernac^Iäffigt toäre ^). 
SJiefe ßombination enMic^ be^crrfd^t aud^ bie 5)arfteltung ber 
Seigren üon ©ünbe unb Sied^tfertigung in ben beiben erften Ar« 
tifeln ber Apologie ber Äugdburgif^en Sonfeffion. S)enn toie ber 
©ünber l^auptfäd^Ud^ ber S^rfurd^t unb bed SSertrauend gegen 
®ott ermangelt, fo folgt au^ ber SRec^tfertigung bie gä^iglcit, 
bie @ebote ber erften ^fel ju beoad^ten, n^et^e supra rationem 
gelten, scilicet vere timere, diligere, invocare deam, vere sta- 
tnere, qnod dens exaadiat, et exspectare auxilium dei in 
morte, in omnibas afflictionibns . . . . ne has fugiamus aut 
ayersemur, cum deus imponit ®). S)ie ^errfd^aft über bie SBcIt, 
inÄbefonbere über bie au^ i^r entfpringenben Uebel burc^ baö 



1) Art. 20, 24. 26. lam qai seit, se per Christum habere pro- 
pitium deum, is vere novit deum, seit se ei curae esse, invocat eum, 
denique non est sine deo sicut gentes. Nam diaboli et impii non 
possunt huno articulum credere, remissionem peccatorum. Ideo deam 
tanquam hostem oderunt, non invocant eum, nihil boni ab eo ex- 
speotant. Art. 2. Post lapsum Adae omnes homines secundum natu- 
ram propagati nascuntur cum peccato, hoc est sine metu dei, sine 
fiducia erga deum et cum concupiscentia. 

2) Enarrationes in Genesin Tom. I. p. 188. 142 (ed. Erl.). Sit 
SBo^r^it nimmt fiut^r eine Umbeutung bed feit ^uguftin überlieferten Be» 
griffd Don ber (Srbfünbe t)or, »clc^ feiner 9[uffaf|ung beS (^riftlic^en 2ebend 
antit]^etif(^ cnt^pxid^t, aber ^ugleic^ geeignet ift, ben Stammen bcd SSegriffd bet 
G^rbfünbe ^u burc^brec^en. 

8) Apol. C. A. I. 14. 26. U, 8. 18. 34. 35. 45. 



185 

58ctttauen auf ®ott ift bie prodUi^e 3"'^'^^sMcI)un9 
öcr SHedjtfertiguiig, roeltfte SutE)cr auf ber Spur beä ^auluä 
cntberft unb 33ie(and)t[)tm iii ben daffifcften Urhinöcn bet 9icfDr= 
matioH ju formutireii Dcrmoci^t ^at. 'Eenn mer mit ®oH Der» 
jö^nt ift. ift eö auc^ mit bem Üauf bcr Seit, rodd)er üon ®ott 
ju iciiicm ffleften geleitet lüirb. ^''''"S'* fonimt in feiner ©eife 
auf benfclben @cbonIen IjinauS (©. 170), ba für if)n bie Söot= 
feljuiig ©ottcü unb bie 3?erfüt)nuii9 burd) 6f)nftu« fic^ flcsen= 
feitig bebiitgcn. 3tiiift SatDiti bringt bicfelde Combination iiim 
Susbrud, ntenn aa^ nic^t in ber Sünfequenj beö Gtebanlcn« uon 
bct 3Jeriöl)Hung, aber in bev XmrciifMljrung bcö Skgriffä bcS 0lau= 
bcnä als ^ettrauenä auf ©otteä @nabe (Inst. III. 2, 16. 28). 



27. öififter finb bie Slemente unb bie öcjieljuiigen be* 

rcformatorifcften ©cbanfcnä ber iRec^tfcrtisung Dorgefii&rt mürben, 

fo roie bicjelbcn in bcc praltijt^cn ©dbftbeuctljcUung ber iRefor= 

matoren aufgefaßt fiiib. Sine Setjrc Don ber SRec^tfertigung, 

bie, rcie cS nac^[)er gcfc^ietjt, bcftimmt gegen eine Seljre Don bet 

'Bcrföttnung ©otte« bur^ ßtjriftu^ abgegrenzt unb Oon bcrfelben 

abgeleitet loüre, ift roebcr bcr fcebel ber JHeformation genjefen, noc§ 

wirb fic aui^ uon 3JIeland)t[)on, bei bem man fie sumeift ermarten 

bürftc, bargebotcn. SJenn bnrd)gel)cnbti E)at er bie ßctire uom 

Serte (Sbrifti alä folc^e nic^t uon bem ©ebanfcu ber 9{ed)tfettigang 

abgctöfl, fonbcrn jcnc5i faft immer nur aU baS 3Jiittel bcr iRcdit' 

fertigung uiib ben beftimmten ©cgenftanb anbeutung^meife bOf 

Quegefe^t, iabem feine gcfammtc Slufc^auung be^erifi^t ift burc^ 

bie refonnatorifc^e I^nt beä (ubjcctiueu Seroufetfeinä ber 9{ed)t= 

iertigung burc^ 6[)tiftuä. ^cSljalb. tticit aut^ ÜSeUmc^t^on jenen 

gtfc^ic^tlicöen lärunb be3 atetfjtfcitigungöbcmußtfeinö ffft immer 

in ber 23arfteIIung beffelben UergegenWärtigt, gilt i^m bie 

temissio peccatorum ober iustiticatio ober reconciliatio ebenfo 

flli bie unmtHetbare 9Birtung beä Scrteä Stjrifti, tnic nat^ her 

onbmi Seite l)in bie Jöejanftigung be* 3"'^"^^ ©ötteS unb bie 

•ätniigtljunng ; roät)rcnb bie nac^I)er entroicEette Sefjrc, welche bie 

litiBniütifdjen CSompeiibicn bcf)errfd)t, bem tfjätigen unb leibcnben 

'^^orfam Sftrifti eine unmittelbare Söirfung nur nac^ ber «Seite 

Soltcä, nad| ber Seite ber SDfenf^cn nur eine mittelbare bei* 

'ffl'. 3>cm cnlfvtet^en in ber erften ^luögabe bcr loci theol. 

IC. K, XXI. p. 155. 158) bie Sleußcrungen, büfe toer in golge 



186 

bcd ©toangcKumg ®ott ®Iau6cn fc^cnft, fd^on flcrcd^tfcrtigt ift, 
unb bofe bic ®nabc, in tt>cld^cr ®ott S^riftu« umfafet, in S^riftu^ 
unb tocgen S^riftu^ alle ®c^cili9tcn umfafet. SBir tocrbcn ferner 
auf bie innerfird^Iid^e ©tellung beS SRec^tfertigung^betoufetfeinö 
I|ingetoiefen burd^ bic Scmerhing, ba§ ber ®laube, weld^er re^t* 
fertigt, b. f), iDeld^er bie Sied^tfertigung^gnabe fid^ aneignet, nid^t 
ntögüd^ ift, nisi renovante et illuminante corda nostra spiritu 
dei (p. 162). 3n berfelben Siid^tung liegt aud^ bie Sleufeerung 
in ber britten 2lugga6e ber loci theol. (üon 1543): Cum dielt, 
lustificamnr fide, Tult te intueri filium dei sedentem ad dex- 
teram patrls, mediatorem interpellantem pro nobis, et statuere, 
quod tibi remittantur peccata, quod lustus i. e. acceptus re- 
puteris seu pronuntieris propter illum ipsnm filium, qui fuit 
victima (p. 743). Qu ben Sebingungen beS rcligiöfen ®Iaubend 
gel^ört, bafe fein ®eban!enin^alt als gegentoärtig üorgefteHt »erbe. 
6I|riftu8 nun, luie er gegentuärtig geglaubt toirb, trägt baS SRerl* 
mal ber ©r^ö^ung an fid^; foH er aber jugleid^ als ber SKittler 
ber ©ünbenüergebung angefd^aut »erben, fo ift bieS barum mög- 
lid^, toeil baS er^öl)te §aupt ber ®emeinbe als gürbitter für bie* 
felbe bie üerfö^nenbe 3Birfung feines DpferS in fortbauember 
®eltung erpit. 9ReIand^t^on fteHt fid^ enblid^ barin auf bcn 
©tanbpunft Sut^er'S »ie 3toingU'S, bafe er mit 58em)erfung beS 
römifd^en SufefacramenteS baS gefammte d^riftlid^e ßeben, fofem 
eS vetustatis nostrae mortificatio et renovatio spiritus ift, alS 
poenitcntia auffaßt, fo ba6 aud^ jene negatiüe ©eite bem ?Princi|) 
ber pofitiüen untergeorbnet toirb, inbem feine mirifame Slbtoenbung 
beS ®emutI)eS üon ber ©ünbc benfbar fei, toel^e nic^t bur^ 
göttlid^eS SSirfen, inSbefonbere burd^ ben l^eiligen ®eift l^ertjorge* 
bracht ift (p. 215. 216, — auc^ in ber }tt)eiten ÄuSgabe ber loci 
p. 489). 

S)iefe ?(nbeutungen tragen ebenfo gemife baS äd^te ®eprägc 
ber reformatorifd^en ®efid^tspunfte fiutl^er'S, als fie ber fpätem 
2]^eoIogie ber lutlierifd^en ^rc^e fremb finb. Sl^re lel^rliafte 85c* 
nuftung toürbe barauf filieren, ba§ ber 95egriff ber Äird^e, in »elc^cr 
man fid^ ber JRe^tfertigung burd^ Sl^riftuS bett)u§t toirb, in totldftx 
man bie poeuitentia als bie ^lufgabe beS neuen 9Renfc^en uoH« 
jie^t, ber^eilSorbnung beS^njelnen üorangefd^idft unb in itgenb 
eine unmittelbare SSejiepng ju bem SSerföl^nungStoerlc ©l^rifti 
gefegt »erbe. @o »eit jeboc^ reid^t bie t^eologifd^e 9tef{e£ion 




I 



fiutlier'ä uiib 9)fc[anct)t£)on''3 nidjt. Denn üut£)cr [jat fidj niemals 
iu bcr Slufgj&c heä ttjculugifc^en S^ftemS gefflmmelt. iinb bic 
loci theologici, bei beton loderet ^tiieinanbettei^ung SÜMand)* 
(IjOR ti beiucnben liefe, föiiiien niit in feljr mifebtaui^Iic^cni Sinuc 
old 'Softem gelten, ta fie nid)t biirc^ ben USebnnten cineS 3™fi^f^ 
bfT Cffeubatung bcl)crtfd)t unb gcglicbett fi«b. So rocit nun 
fcribe Mannet bie ^üifgabe einer Scl)te Don bev Mecfitiertigunfl 
ftufgefaßl, alfo oetfut^t tiaben, ia^ fubjectioe Sciou&tjein uon bcr= 
frlbcit butc^ eine jeitlic^e 9icii)e ton öcbingungen ju crflären, &e' 
f(^tünfen fie fic^ auf bie Sefjren de lege, de evangelio, de fidei 
effioacia. ju welchen bann nod) bie Se^te de poenitentia einige 
©trciflic^Ict geruäfttt. ?l[)et bie ?(nalt)fe bcä 9iec^tfectigungäbe= 
RiiifetfeiiiS biifd^ biefc Segtiffe fütjrt eine bebeutenbe SUeränbcrung 
bcä Otteö mit fic^, in meldjem fid) jene refovmatotifdte ®töfee 
urfprünglit^ bnr&ot. 3m 3i'f(""'"C''^ii'9 i^net Segtiffe namlit^ 
roitb bie fides iustificana qIä bcx i^eitlit^e Anfang beäi neuen fie= 
benä bfltgefteUt; iinb bet ^^eitlidie S^organg, bntc^ tueldieii biejeä 
9tefu(tat Qüt Doraiiggcl)cnbeit @rünben obgekitet roirb, tritt ebenfo 
jBjift^en bie Sijodjc bcö ©iinbcnftanbcS unb bie be§ ©nabmitonbeS, 
Brie bieä ber eigcntli^e Ort bcis tatfjolift^cn ScgriffeiS Don bet 
iDBtiäcatio ift. SS ift nun aud) bie apulogctifi^e dfiidfic^t auf 
bai (Scfüge unb bie 'ülbfii^t bicfc-S glei^namigen 93egtiffö. butc^ 
Kpeli^ Swttier ouf jene ©ntju geführt motben ift, auf roelc^er it)m 
baim SHclant^t^on folgte. 3n bein Streit über Slblafe unb i8u6= 
factament ^atte £utt)cr fein prafiifcfieS Söcroufetfetn von bet ^eäft-- 
fettigung burd) S[)riftud jur Segrünbuiig beä t^riftlid)cn Scbcna 
KI bet flirc^e gegen jene loirtfamfte Snftitution bcä römif^en 
Är^tfjumä eingelegt. St tjQttc gezeigt, mie man in bec SRed^t' 
fntigung abfegen miiffe «on ben ©erfen, beten Ucbung burt^ ben 
©laubigen übrigensi Doranögefe^t roac. ^er ©treit cnoeiteiie fic^ 
feitbcm flu bet ^ta^e übet ben Segtiff üon ber iHet^tfcrtigiing, 
1>a nun übet bie ©cgncr burc^ ben SSegriff berfclben birect auf 
ben ®cbunfen an bie guten 23evfe fid) l)ingeniiefen fatjen, unb bet 
bei fflccfitfertigung beä Sünbcre on bie effectiüe SSerönberung beö 
©injelne« burd) bie ®nabe ©ottes in ber gorni be^ freien SillcnÄ 
backten, )o gab iljnen Sut[)et fu weit nac^, baft er feinen glci^^ 
nomigen ©ebanten bcm ©djema ber ©egner möglid)[t anf^micgte, 
anb nur bie iRüiffi^t obenan fteKtc, bie JÜcc^tfcttigung im 
Olaubcn begtünbe bie gätjigfeit ?,u guten SBetfen fo, boft im Sof 



188 

auÄ bic Scru^igung bcr butd^ bcn ©d^ntcrj über bic ©ünbc gc^ 
quälten ©ctoiffcn erfolgt fei 

S)iefe aWicIfid^ten be^ ©egenfa^e^ unb ber analogie ju ber 
römtfd^en SuftificattonSle^re ücrbanbcn fid^ mit bem ©cbürfnife 
inögli^ft t)opulärer unb praftif^er ©arfteüung. Selbem tüurbc 
barin erteilt, bafe ba^ ®^ema ber SBec^felbejie^ung äwifd^cn 
©efeft unb ©öangelium bem reformatorifc^en ®ebanlen untergelegt 
unb ber Siücfgang üon ber im (Süangelium au^gefprod^enen Ser^ 
fö^nung burd^ S^riftud auf bie Snfd^auung unb Deutung bed 
gefd^i^tlid^en SBorgange^ felbft unb feiner unumgängli^en Sejic^^ 
l|ungen unterlaffen mürbe. S)ie in ber Slugöburgifd^en Gonfeffion 
unb i^rer 3(poIogie bejeugte ß^^cfbesie^ung ber Sied^tfertigung 
auf bie SBeltfteltung be^ ©laubigen burd^ fein SSertrauen auf 
©Ott unb burd^ feine ©ebulb fommt l)iebei nic^t jum ?lu§brudt. 
gemer toirb feine ber mieberl^olten S)arfteIIungen ber Sel)re ab* 
fic^tlid^ unb bircct in Sejie^ung ju bem Segriff üon ber Äird^e 
gefegt; nur inbirect fommt biefe Sebingt^eit berSac^e barin öor, 
ba§ ba^ (Süangelium, ald ber näd^fte objectiDe ©runb ber dicä)U 
fertigung burc^ ben ©lauben, an bie Äir^e ßt)rifti ebenfo gebun^ 
ben, tt)ie biefe auf bad ©üangelium gegrünbet ifi 5)aä ©tei^e 
lä^t fid^ üon bem ©efe^e nid^t unbebingt bet)aupten, ttjeld^e^ reget 
mäfeig in ©eftalt be^ SKofaif^en Skfalogeö üorgefteltt, aber aud^ 
im natürli^en Setoufetfein ber SKenfd^en nac^gemiefen mirb. S)enn 
in feinem Snfjatte erfennen bie ^Reformatoren ben etoigen SBiUen 
©otte^, bie Drbnung ber ©eiftermett, meldte üon Slnfang biö ju 
ffinbe berfelben fic^ glei^ bleibt, unb erfieben biefen ©ebanfen, ber 
ja an fid^ nid^t neu ift, jum burd^ge^enben äKagftab ber fittlic^en 
unb religiöfen äBeltanfd^auung. Sebod^ bleibt jene naturaliftifd^e 
aSorau^fe^ung für bie üorliegenben Serf)ältniffe untoirffam, unb 
bie Raffung be^ ©efe^e^ ate 5)efalog rücft bie SSorgänge be^ re* 
ügiöÄ*=fittli(^en fiebenö, ttjel^e an ba^ ©efeft gebunben tocrbcn, 
grunbfä|li^ fo toenig au^ bem Äreife bed ^riftli^en fieben^ ^im 
aud, aU \a aud^ im alten 93unbe eine SSerfnüpfung üon Süan* 
gelium unb ©efe^ anerfannt, unb au^ für jene (£po(^e bie 9led^t^ 
fertigung burd^ ben ©tauben an bie SSer^eigungen behauptet loirb. 
Snbem nun bie toa^re ©emeinbe ©otted ald üor^anben ange^ 
fd^aut mirb, feitbem in ben biblifd^en Urfunben ^ettöüer^eigungeit 
^erbortreten, fo ift bie SKeinung ber Reformatoren barauf gefteHt, 
bag bie äSeränberung ber äJZenf d^en, toeld^e fie unter bem ^ä^tma 



ber Sinioirtung Don ©ejcp unb (äucingelium ertläreii, auf bcm 
©oben bcr ©cmciiibc bcö ^eiUi üor fidj gct)t. fpiemit ift bet 
firc^tic^e &tnlereimnh für bcii 9ietlauj Doii Mecfitfertiguiig unb 
Smeuerung be§ ßc6eiiS, bcn bie SRcfonnatorcn birect erörtern, 
feftfltitcHt. obglfid) fie bic Sette bcr nac^gemiejeneit SSorfteEIungeii 
in bcr eben bcicit^netcn 23eife nicftt (cfiliefeen. "ätUein ii^ fjabe 
bif^c 9iQd)Weitiing nidjt nur beäl)alb uiiterne£)men milden, um ben 
^iftoriftiicn Il)Qt6cftanb üollftänbig su madicn, ionbcrn audj beö^ 
ifaib, um eine "Seutung bcr rcfomintonic^cn Scf)te tion üorntjercin 
als unä^t ,;u bejei^neii, tuctc^e burd) eine engere Scgrciiping 
bcr Slnji^auung uon bcr ,flir(t)C bie TOcinung kgrünbet, bnfe man, 
Dtitei bem religiöfen Ginftuft beS ©efejjeS fteljenb, noäi flu|er 
oKcr Scjiefmng ^ur ^cifSgcmcinbe fei. 

Snbem alfo baä Dffenbaniugäioort ©otteä auf bciben Stufen 
ber Offenbarung tt)ci[8 ®cfc^ tfjeitö Süangclium tft, jo tjat boä 
etftere jum 5nt)Qlt äße gorbcrungen, ineldje ©Ott äuni ^wcfc bcr 
anerfciinung unb Herelirung feiner fct&ft, jo raic jur ©rtjaltung 
ber richtigen ©cmeinf^oft ber SKenft^en untcrcinanber iin biejc 
richtet, unb jroat mit bcr QUägefprocfienen 9Ififii^t, bafe bie ÜWen= 

, ^^ burd) bic tl)Qttit^e Srfiilluiig bcr gorberungcn feiig mcrbcn. 

I 5Bo8 etiangelium t)at jum 3iif|oItc bie 3?crf)cifeung ber ©nabe unb 
bei 95arml)erstgfeit ®otteS, ber ©ünbennergebung unb unücrbien= 
tenSefcIiflUng burt^ EfiriftuS an bie OTenfc^en, meiere ol« ©ünber 
bcn SSeg bcä ©cfe^cä jum Qmtd ber ©eligfeit ucrgeblic^ ein' 
f^Iagen. ®inb jo @cfc^ unb öDmigelium i£)rem 3nf)altc und) 
cinonber entgegcngctc^t, fo finb fie boc^ fonnell auf ctnanbcr bc= 
sogen. 'S>a^ @cfe§ nämlii^, inbem e^ uon bcm Sünber nit^t er= 
fußt roecbcn tann, beroirh in it)m bie Srtcnntni^ feinet ©ünbe, 

■ bcn '3d)reden über iljrcn UntticrtE), bie Scrirocifetung an feinem 

I 5*i[e unb biöponirt i^n baju, im ©lauden baö Guangelium ju 
ergreifen. Umgctctjrt ba^ Sufingcliuin, inbem cS ben (Slauben cr= 
XOtdt. befcftrnnft (id) nic^t baraiif, bcmfclben bie SBcrgebung bcr 
©önbcn burc^ liljriftuä anjueignen unb geluife ju mai^cn, unb 
bobun^ bei* ®etüiffen jn bcrut)igcn, fonbcrn e* Uerleit|t baju flurfi 
bie @abe beö t)ciligcn ©eifteä jum 3n'cde ber ®egcnlietie gegen 
boi gnäbigen @ott, welche fic^ in bcr SrfüUung be* ©efegcS 
Wtrt^am cnpcift. Snbcm biefe Eciftung freiUrf) immer untoU(om= 
men bleibt, fo ift fie nolf)roenbig reegen bet einigen ©eltung bc« 
®efe§eä; toegen i^ret aJIcingcf aber beruljt bie ©eltung qui^ bcä 



190 

©laubigen t)or ®ott nur auf bcr ©crcd^tigfctt G^rifti, meiere il^m 
burc^ fein SScrtraucn auf bcrcn 3Bcrt^ ju ©igen, nSmli^ burd^ 
bad Urt^eil @otted itjm jugered^net n^irb. 

Dbglcid^ nun bicfc genctifd^c S)arftcIIung bcr SRcd^tfcrtigung 
burd^ bcn ®Iaubcn in bem legten fünfte bie ©ituation bcä fub^ 
icctiü-rcligiöfcn Sctou^tfcinö errcid^l, tt)cld^cg aU bcr §cbcl bcr ^tt^ 
formation nad^getoicfcn ift, fo ift bod^ biefe^ ße^rgefügc juglcid^ auf 
bie ©rüärung baüon gerietet, »icbcr ©ünbcr befähigt »irb, 
gute SBer!e l^crüorjubringcn; e^ fc^miegt ftd^ alfo bem 
©d^ema unb bcr S^enbenj bcr gleichnamigen aber fo öerf^ieben^ 
artigen römifd^en ßc^re an. gretlid^ f^üefet bie reformatorifd^e 
Seigre bie ©inmifc^ung bcr merita de congruo unb de condigno 
aus, jene, njcil fie unter ber rid^tigen SSorauSfe^ung ber ©ünbe 
nid^t möglid^, beibe, ttjcil fie im 9Ser^äItni& ju bem ©rnfte bc§ 
göttüd^en Urt^eil« ni^t benttar finb. gerner ift bie Raffung bcr 
iustificatio ald actus forensis, als Urtt)ei( @otteS, auger bur^ 
baS 3^w9"i6 ^^^ ^auluS aud^ nod^ burd^ ben 3^^* begrünbet, 
ba§ baS Scben beS ©laubigen gegen bie ^Jcl^Ier ber ©clbftgcrcc^* 
tigfeit unb ber aSerätoeifelung am §cile reguUrt njcrbc. 5)eS^aIb 
mu§ bie ©cre^tfpred^ung bcr 3Bicbergeburt burd^ bcn l^eiKgcn 
®eift übergeorbnet unb öorangeftellt njcrben. S)arf alfo in biefen 
Sejic^ungen eine innere 3^c^äfeigfeit unb golgerid^tigfeit ber 
©arftcllung anerlannt »erben, fo erftrccft fid^ bod^ biefclbe nid^t 
auf bie 93e^auptung, bag burd^ baS @DangcIium auger ber ©ün^ 
benöergebung aud^ ber ^eilige ®eift jum neuen Scben ücrlie^cn 
toerbe, ober, njic cS au^ Reifet, bag in bem SSertraucn, baS bie 
JRcd^tfcrtigung ergreift, aud^ bie Äraft unb ber 3mpuIS jum ©ut- 
^anbeln enthalten fei. S)enn eS njirb eben nur behauptet unb 
bur^ ©^riftftetten bctoiefen, bag bieS bcibcS ftets jufammen n- 
folge; hingegen crftredEt fid^ bie S)arfteltung ßut^er'S unb 5Kc^ 
land^t^on'S niemals auf bie ©rtoägung, bag aud& in bcr SRec^t* 
fcrtigung als fold^cr eine Äbjttjccfung auf bie SBiebergeburt unb 
auf bie (Srfültung beS ®efc^cS burd^ ben ©laubigen nad^getoiefen 
tt)crben mufe, toenn ber 3wfo"iwi^ttt)ang ber fle^rc ein gcfd^Ioffencr 
fein foU. ?lnftatt beffen treten bie beiben X^atfad^en, toeld^c als 
iebcSmal üerbunben bel^auptet ttjcrbcn, unter ganj üerfc^iebene 
3tocdfbcftimmungcn. S)ic 9?e^tfertigung erfolgt jum 3^^^ ^^ 
®ctt)iffcnSbcruf)igung beS ®Iäubigen, bie ®abc beS ^ligen ®eiftcS 
als bie Äraft ju guten SBcrfen erfolgt jur SSefricbigung ©ottcÄ 





ober jur iöcroätjrunu fcincö clutaerr (SeScgeö. So lauge bieje bei; 
ben 3"'i^'^^fii'^^""9'-"'' "if^t '" ©inen ©cbnnten üereinigt Werben, 
ift bie £c[)re Su%c'ä unb 2)fclQnd)tI)oii'§ unDoO^Innbig, unb eä 
fe&lt i^r bie lioOe Uebcrjcugungsftaft gegenüber bet römift^eit 
Scifzv. in rceldjer ber ©cgriff bct iiistificatio bircct barauf be= 
Kennet i)t, bafe in bcr öcgrünbiinfl bcv Ätaft ju »crbicnftlit^en 
SBcrfen forool)! baö Sebiivfnife bcu a)fen[cl)en, aU and) bei Sln= 
^ructi beS göttliii)en ÖJcfe^cä nn bie 9JicnIc§en tiefriebigt hierbc. 
I SSetgtctt^l man mit hiejcr Sctjvwciie bie Öctjaublung bcr 

gfrage butc^ 3n'in9li, io mac^t fi(i) in il)t biefcl&e Scttraicrigfeit 
geltcnb, nur in onberer @efto(t. 3'oi"9'i (eomm. de vera et 
falsa religione. Opp. III. p. 191 sqq.) ^ält fii^ in ber 3?er: 
binbung ber begriffe evangelinm unb poeuitentia auf ber ur= 
fpcSngUi^ Uon Cuttjer etnget)altenen Sinie, bag baä (^Dangelium, 
fofem eä bie SJerfünbigung bcr burc^ ßE)riftuia DoUbraditen !öct= 
fö^nuitg unb Srägcr ber ffiraft bcö gi}ttlic§cn ®cifteS ift unb baä 
SJcrtrüuen auf bie uergcticnbe (Mnabc ®otte§ eiloecft, and) beii 
antrieb unb ben SBafeftab für bie ©elbfterfenntnife beä ©ünbcrä, 
juglriifi «bcr ali bie 33erfünbigiiiig beS unfc^ulbigfteu 3)len|d)cn 
ba# 3HotiD juv Umtet)r bcr gciaminteu SebenSric^tung gelüäf)rt. 
®6en hierin ift biefcltc än6crlicl)e SScrfnüpfuug auägebrütft, roie 
in bcr Uon 2utl)cr unb 3Hclaiid)t^on 6e^oupteten SBerbinbung üon 
iHecf)tfertigung unb ffiiebcrgeburt. SJiefc öetiacfituiigSloeiie roirb 
aadi nic^t überjt^rittcn, inbem baS neue £eben als bie ^biugung 
brs^ätnit reirb, unter ber bie 0etoiffenäbcrut)igHng burc^ baä 
tguangelium für 3emanb gelten joll. Filium mittit, qui dei 
iastitiae pro nobis satisfaciat, iudubitatumque pignus Balutis 
6aL Verum ca lege, ut nora creatura simus, ut Cbristnm in- 
doti ambulerous, Est ergo tota cbristiani bominis vita ppe- 
nitentia-, quando enim est, nt non peceemus ? (p. 194.) Tirnn 
biefe fflcbingung ift nidjt nuS bem birccten Dtjcct beS ©laubenä, 
nämtic^ bcr bcni^igenben ®Qnnt)etiig!eit ©otte^ abgeleitet. !SeS= 
fjaii ftcat änjtngli at^balb bte Slbbitionäformct tiuf (p. 201), 
qnod christiana religio nihil aliud est, quam tirma spes in 
denm per Christum Jesum et iunocens vita ad excmplum 
Christi, quoad ipse douat, expresaa, — eine Jonnel, in ireldjer 
bie SJcqt^iebenütligfeit bcr Sßottüe für bie Hoffnung unb baö 
Öoiibtli: in ber SiierföEjnerftellung unb in bcm Siorhilbe Gljrifli 
iiHDerfcnnbar auögebriicft ift. gr ge^t freilid) unmittelbar ju bcr 



. 192 

engem 93er6inbung fort, qnod poenitentia peccata non ablnit, 
sed spes in Christum, quodque poenitentia custodia est, ne 
in ea recidas, quae damnaTisti. Slber er legt bod^ auf biefen 
@eban{en, bag ber gute SBanbel ald iD2itteI jur Sr^altung beS 
®Iauben^ biene, nic^t baö entf^eibenbe ©etoic^t, inbem er fofort 
qIä eine jd^toere 2lufgabe bejeid^net, bie Slntinomie ju löfen, quod 
Christi redemtio cuncta possit et efficiat, quae ad salutem 
attinent, et contra tarn constanter innocentia requiratur (p. 202). 
SJenn biejenigen, tueld^e forttoälirenb ben ®lauben an S^riftu^ 
einfd^ärfen, fd)cinen bog ©trcbcn naä) ©ittenreinl^eit preis jugeben ; 
unb bie, meldte befonberS hierauf bebad^t finb, tuerben jweifel^aft 
barüber, tueldien SSort^eil St)riftuS barbiete. ß^^^S^^ proöocirt 
für bie Sefcitigung biefer Sebenlen auf bie ©rfa^rung beS ©laubenS, 
üerji^tet alfo auf bie t^eoretifd^e Drbnung beS bejei^neten SSer* 
pItuiffeS. Unb eigenllid) ift nid^t anberS ju urt^eilen über bie 
fpätere StuSeinanberfe^ung in ber Ghristianae fidei expositio (Opp. 
IV. p. 61 seqq.). §ier fefet er ben §eilöglauben o^ne njeitereö 
jugleid) ate bie ©efinnung ber guten SBerfe. ?lber eben biefe 
©ombination ift behauptet unb nid^t begrünbet. 3ebenfaIlS ift 
biefer ©d^Iujs f^merlid) genügenb: Fides a solo dei spiritu est 
Qui ergo fidem habent, in omni opere ad dei voluntatem 
velut ad archetypum spectant (p. 61). Fides enim cum Spiri- 
tus divini sit adflatus, quomodo potest quiescere aut in otio 
desidere, quum spiritus ille iugis sit actio et operatio? Ubi- 
cunque ergo vera fides est, ibi et opus est non minus, quam 
ubi ignis, isthic et calor est (p. 63). S)enn ba ber ®Iaube öon 
üom^erein burc^ttjeg als baS Vertrauen auf ®ott unb S^riftuS 
befinirt toar, alfo als bie Äraft beS Seru^cnS in ber göttlid^en 
ällmad^t unb S5arm^eräigleit, fo ift biefe anbere S5ebeutung beS 
Antriebes beS göttlid)en ®eifteS jum fittlid^en §anbeln, \o rid^tig 
an fi^, unb fo d^arafteriftifd^ fie für S^Jingü'S befonbere refor- 
matorifd^e SBirlfamleit ift, bod^ nur pofitiö jU ber Orunbbebeutung 
beS ®laubenS Iiinjugefügt, oI)ne bafe bie SJiot^wenbigleit beS 
neuen ©ebanfcnS auS bem d^riftlid^en Slnf^auungSfreife abgeleitet 
»orbcn njüre. 

3tuS ber ©mpfinbung fiutl^er'S üon ber Unebenheit feiner 
Seigre unb bem Sebürfnife na^ einer intimeren 3iiftt^^^"foffung 
ber beiben Oebanfen üon Sied^tfertigung unb ©meuerung burd^ 
ben l^eiligen ®eift glaube ic^ nun bie S^atfac^c crflären ju bür* 




Il 



fen, tiQB flutl)ct in geroiffeii Slcufecruiigcn bcn ©egriff ber 5Hc^t= 
fcrtigung in betjenigen ©eii'e tieftimmt Ijnt, meiere iiQc[)[)cr öon 
Hnbtco* Ofianber grunbfäßfi^ fifirl rootbcn ift. 'Sia% Sutfter 
tpor bem ^at^Te 1517, ungead)tet jeiner principieflen Betonung 
bfr ongetedjncten ®cteci)tiglcit, gelegentlich Qucfi in tiergebrac^tct 
33ciic bie 3Innaf)me ber xtaUn iOiitttieilung öon ®eced)tigfett an 
bcn Sünber oiiäfpntfjt, ift oben (©. 158) angeführt, ©olcfie 
SeuBetungen fe^cn fid) ober md) noä) in feine refonnatoril^e 
SeticnäcpOf^e fort, unb fommen namentli^ in Schriften aua ben 
3otjren 1519—1622 Bot')- l^er übenniegenbe (Sefi^tSfmnlt bo' 
bei ift eine nngenaue SIeftcEion auf biejenigen 'Zata beä fubjeettoen 
©rtouStfetnf roelt^e fonft abficfttlid) auäeinanber gefialtert luerben. 
3ft man im ©(nnben bet 9led)tfertigung burdi Sljriftuä geroife, 
unb jngleic^ im ©tauben Präger beä göttlichen ©eifteä unb ber 
Siebe, roclclje bai ©efeg erfüllt, fo sief)t Sntfier beibeg tn bet 9Ert 
jufflmmen, bofe er bie Mcdjtfcrttgung ober ©ünbentergcbung Don 
tiaa ©elfte @ottc« Ql'l)ängig niadjt, ber in beni ©laubigen bie 
I Inincipielle Sraft lDiiflid)cr <Süte ift. 9iur in ber nntcn an« 
gtfü^rtcn Stelle auä bet ^ßfalmniiälegung nähert fid| Sutfier ber 
objectiocn SJarftelliing, in lpel(^er nadj^er Dfionber bcn ®ebünlen 



1) ftürjra Auslegung bcS fflricfeS nii bie Öalot« (1519), SSnli^IX. 
©. 309: .Senn ^auluä rcbcl Don bcm ©lauficn, ber recblfcrlig mai^cl, fo 
reiwt n aderocgt »on bcm ölloubcn, btr burtfi bie Siebe mittel; bcnn ber 
91aubc wrbicnel, bo6 b*t ®ei[l loirb oerlic^n." ®. 117; „?)ni Ölcret^tcn 
loiTb (eint Sünbc jugeTe^n», unb baS {|ef(f)ic^t megen bcS ffliaubene, mtliin, 
totil et 8«! glM(t|tüirmig ift, Ircujigt bie Sünbt in feinem JJleiftftc'. — 
Scntun Don bieieilei gutem ficbeu (1621), X. <S. 1992: .Mein ber ßtlaube 
maä^t fclig. SBanim? €v bringt ben @(cift mii fit^, ber alle gute Serte 
mit Soff unb Siebe t^ut, utib alfa <9ciltt3 @ebolc crfüat unb gc|rillig mac^l'. 
— «uäleflung bev 22 crflcn Sfnlnien <1519), IV. S. 859; .^üu biti) ODt 
bcn Sop^fttn, bie unB Q^tifluö ol\e jur Sered} ligfeil unb jur SeiS^eit 

nuufien, bü(j fie iij" nUejeTt nur jur Urfaiftc unferer Öetet^ligleil ma^cn 

S>n Vkubc an Sbriftue madit, ba|t er in mit lebe unb niirte, ni^l anbcrS 
al# tint i)til[amt SnEbe in einem IianCcn Selbe mitft; micb aifa mit QI)TiftuJ 
(Ein Sltifctl unb Sin Seib bunb eine inntt[id)e unauBfpTed)Ii(f|e äietraanbiung 
unlrttT €ünb( in (eine gtetei^tigtett . . . 3}aö ift jeEit (Sbrifti Amt unb 
Scfm, bog et bie Sunbe auäfegc in f«inen ©laubigen unb giegc i^nen Q)e-- 
tofitiaftlt ein but4 Tic^ rclbfl". Enarratio epiat. et evong. (1&21) Opp. 
Ut Jen. n. p. 356''. Sorrcbc jum inrimcvbnei(1522), ÜBalt^ XIV. S. 112. 
Sgl. JtSftlin I. €. 285. II. 6. 461 f. 



194 

audbilbctc. Dbglctd^ bcrStrctt mitOfianbcr nad^^er benJBctDCt^ 
liefert bag Ungenauigfett in ber £e^re unter Umftanben bebenßid^e 
folgen nad^ \iä) jie^t fo tft bod^ biefe epifobifd^e Steigung 
Sutl^er'd ju einer lel^rliaften Su^prögung bed ®eban!en$ Don ber 
Sied^tfertigung, »elc^e fein eigentIid)eiJ religiöfeS Sntereffe an ber* 
felben burc^freujt, junäc^ft noc^ le^rreid^er atö äJZerfmd baüon, 
bag feine an bad ©djema üon ®efe^ unb SDangelium gehtiipfte 
SJarfteHung minbeften^ unöoUftänbig ift. S)eS^aI6 l^at fic^ fiut^ 
t)on biefer 3lbtt)eic^ung ouc^ fpater noc^ nic^t lodmad^en tönnen, 
aU 3Jttlan6itf)on SBeranlaffung ^atte, biefelbe Derfdjobene Slnfi^t 
bei Sodann Srenj ju berichtigen. 5)icfcr ^atte ate feine Änfid^t 
gegen Wltlanä)tf)on geäußert, fide iustificari homines, qnia fide 
accipiarnns spiritum sanctnm, ut postea lusti esse possimus 
impletione legis, quam efficit Spiritus sanctus. dagegen er* 
Hört nun SReland^tl^on in einem ^Briefe öom 5Kai 1531: Ideo 
sola fide sumus iusti, non quia sit radix (institiae), nt tu 
scribiSy sed qnia apprehendit Christum, propter quem sumus 
accepti, qualis sit illa novitas, etsi necessario sequi debet, 
sed non pacificat conscientiam. Ideo non dilectio, quae est 
impletio legis, iustifieat, sed sola fides, non quia est perfectio 
quaedam in nobis, sed tantum quia apprehendit Christum. . . . 
Quando haberet conscientia pacem et certam spem, si deberet 
sentire, quod tunc demum iusti reputemur, cum illa novitas 
in nobis perfecta esset. 2)iefem 93riefe \)at Sut^er ein 3^U9i^i& 
feiner Uebereinftimmung ^injugefügt; allein biefelbe ift bod^toieber 
t)on einer Slnbeutung nad^ ber anbem Stiftung l^in begleitet 
@r fteQt fid) üor, ba^ nuUa sit in corde meo qualitas, quae 
fides vel Caritas vocetur, sed in loco ipsorum pono ipsum 
Christum et dico, haec est iustitia mea; ipse est qualitas 
et formalis, ut vocant, iustitia mea, ut sie me liberem ab in- 
tuitu legis et operum, imo et ab intuitu obiecti istius, Christi, 
qni vel doctor vel donator intelligitur; sed volo ipsum mihi 
esse donum et doctrinam per se, ut omnia in ipso babeam. 
Sic dicit: ego sum via, veritas et vita; non dicit: ego do tibi 
viam, veritatem et vitam, quasi extra me positns operetur in 
me. Talia in me debet esse, manere et vivere. S)aä Auf* 
faDenbc an biefer ffirflärung liegt nun nid^t barin, baft fintier 



1) C. R. U. p. 501. 




«ine jolcfje SinmQiicii;^ Sl)rifti iii bcm ©läufiigcn forbcrt, er begebt 
aiic!^ iiittit mef)r ben ^tifier, bie SiinbciiDctflelJung tficDon abljängig 
äU mpc^en; ntiet borin entfernt er ftcf) Don ÜSelani^ttjon unb 
nö^ctt i'id) Dfianbcr, boft er bie Intuition beä ^i)ton(ii)en Sötiftiiä 
iiberfc^rrilcn triü, bofi er al(o bie gomi beS 9Jer^ältniffeä jnjif^en 
bem Gläubigen iinb bcr gefc^ic^tli^en ©eftalt 6^ri|'ti, meiere im 
Otiten ©iiinc a[# ber ftctigc ©runb bcr fubjectiBen ^icilägemifetieit 
bargefteHt roirb, a(d eine ju übemiinbenbe SliifangSftufe beS 
<3Iaul)ens6cn)ii5rtein« beseiifirtct '), 

Saä effectiüc 3"f<"n'"fn(cin ber SScrf)tfertigung uiib 
ber guten SSeiCe in bem gläubigen Subject [)atte 3)iel(utcf)tt)on 
iit ben loci uon 1535 babiircfi fieser ju fteÜen gefuct)f. bafe er bie 
k^tcien für notl)n»enbig jum eroigeti Se&cn crflärte, obgleitft biefe 
iÖeftiinmung ft^on in ber {Rechtfertigung DoQftänbig gegrünbet ift. 
QQoa institicat, eosdeni et glorificat. Itaqua non datur vita 
aeterna propter dignitatem bonorum operum, sed gratis pro- 
ipter Christum. Et tamen bona opera ita necessaria sunt ad 
l'Tit&m aeteroam, quia sequi recoDciilatioDem necessario de- 
beut (C. R. XXI. p. 429). Sl&er eben bicfer Jluäfpriid) bemabrt 
bie kjeic^nete yiicfent)atti9feit beä £ef)rsufammen^angeei erft redit 
t>cutli(^. Stnb bie guten Söerte ^uu ©eligfeit nuttjmcnbig, fo 
Hub fie nur ali ÜJtittel ober unumgängli^e ©ebingungen ber' 
fclbcn benfbar; finb fie aber nur ^tccibeutien ber Steditfcrtigung, 
ro<i(fit Allein ber äureit^eube örunb bct ©eligteit ift, fo finb fie 
5U biefet ebenfo roenig wie ju jener nottimeiibig. 3)ic bialeftifd|c 
Unflar^cit biefe« Sel)rpuii!teä lourbe nix^ boburd^ aufrecht er> 
^Iten, bafe bie objectiue unb bie ftibjectinc ffle^ietiung beä Segriffä 
ber 3uflification fic^ für 9J?e[ant^tJ)Dn'5 'Jlnfi^auung nie fonbcrten. 
Unter bem fubjectiDen ®eficfitäpuntt, aui bcr religiöfen ö)runb= 
erfaftning ^crauä fonnte er mit Jliedjt burdj feinen ®ci)itler Saäpar 

1) Sulbcr mufe autf) rcmcriiln eine nciDiffc Uniii^cr^cit in bem Begtiffc 
Sxr 9ttit|lfcTti)tiiJig hinb acfltbcn ^(ib«n. Si'itfl roüre unfrflürlid). bofi 
Wclanc&t^n 163S iEin auSbiUdliiü über fciitr ^ciiiuiiq nu^scirajit ^at 
<Jif*"l>cn. «u«B. oon görftcmaiin II. S. 145f. aßald^XXII. S.TlOf.). 
3<ft \t\mmt mit ßüjtlin II. S. 456 barin übereilt, bafi bie üdh Suibcr 
bnmoli (tebraut^tf f^Dimel, nulla alia re, sed büU ilk renasoentia per 
liileDi, <|ua iustus factus est, permanet iustuB perpetuo et BCceptus, — 
<inra uiii)C[fangli(t)rR Sinn bat, unb nur beu 6)läu6en aU etmai ^Ituei im 
S(rl)iilmi^ jum isünbcn(lattbc bejci(!^nel. 



196 

(Sructger (1536) audfprcc^en laffen, bag bte SBuge conditio sine 
qua non iustificationis fei, unb fic^ fetbft baju beknnen, bona 
opera conditionem sine qua non esse iustificationis. Slber d^ 
nun ©onrab ©orbatuS ^icran Änftog naf)m, tnbem er bte gormel 
auf bte äted^tferttgung atö ben 3(ct ®otted bejog, tuoriiber man 
fid^ bei einem SRonne ber jmeiten ©eneration ni^t tounbem fann, 
ber öott öom^erein nur eine objectiüe fielire empfangen ju l^aben 
ft^ betpugt U)ar, ba tnar äJZeland^t^on aud^ burd) feine Smpfinb- 
lid^leit außer ©taube, ettpa^ jur ÄufHärung bed iKigtjerftänb* 
niffe^ beijutragen *). Snbeffen liefe er fid^ bod^ jur SSorfic^t 
mahnen, unb au^ biefem ®runbe l^at er toeber auf biefer gormcl 
beftanben, nod^ bie ^^auptung ber 9{ot^n>enbigfeit ber guten 
SSkrfe jur ©eligfeit in ber ?luSar6eituug ber loci öon 1543 
reprobucirt. 3m Äugöburger Interim Äarl'^ V. erfd^ien freilid^ 
bie lefetere gormel aU abftd^tlid^cr Äu^brudE fat^olifc^er Seigre; 
aber inbem fte in bem Seipjiger 3nterim beiJ Äurfürften 3Rori| 
aufgenommen tnurbe, l^at man jenen ©inn burd^ ben 3^f^i 
ttcutraliftrt, bafe „^iemit in feinem 9Bege ber Srrt^um beftdtigt 
toerbe, bafe bie etoige ©eligfeit bur^ 9Bürbigfeit unfercr SBerfc 
t)erbienet tnerbe" *). SDennod^ tpar jener ®ebanfe burd^ biefe 
©onjunctur in ein noc^ öerbä^tigereS Sid^t gefegt morben. S)e^* 
§att fanben fid^ ®eorg SRajor unb SuftuS SKeniu^, afö fie tnegen 
bed häufigen SRigbraud^d ber 9ied^tfertigung^Ie^re jur Unfittlic^<= 
feit eben auf jene Sebeutung ber guten SBerfe jurürfgriffen, einer 
allgemeinen Ungunft gegenüber *). ©^ ^alf i^nen nid^tö ber SSor^ 
behalt, bag fie bie guten SBerfe nur infofem al^ SWittel ber 
©eligfeit meinten, ald burd^ fie ber ®Iaube erhalten unb üor bem 
aSerluft feiner felbft gefd^ü|t tt>erbe. 9Bä^renb unter ben ©egnem 
j. 83. ^ariud bie nod^ bebenüi^ere (Srflärung abgab : instauratio 
ant renovatio est prorsus res separata a iustificatione, unb 
SlmSborf bie Äbfurbität fid^ erlaubte, bafe gute SBerfe jur ©elig- 
feit f^äblid^ feien, jog fid^ SKcland^t^on, inbem er bie öon i^m 
felbft erfunbcne entgegengefefete gormel alg fir^tid^ ungebräud^li^ 



1) C. R. m. p. 160. 180. S3gl. @4mibt, W^^P SRcIanc^t^on 
®. 327 f. 

2) SßQl O^icfeler ßir^engcfdiic^tc III. 1. @. 348. 864. 

3) X6omafiud, bad ^etenntnig ber ct)angcüf(^ « lut^rifc^n JHrd^c 
in bec C^onfcquen^ feinde ^rincipd @. 100 ff. t^cilt bie nöt^igen OucHen« 
belttgc mit. 



197 



I leid)t miBütrftQiibltd) prciäflafr, mit oUet ©tlbftgenügjamfeit 
auf bic Si'nnel ^^ucücf, baß man burc^ unb loegen S^iiftuä 3ie(^t= 
feitiguiig unb Srbic^ait ber ©eligfeit f)abc, unb bog bie guten 
iBcrfe nüttiifi (cicn locgcn uniuonbclbatct gÖltliä)et Otbnunfl 
(C. R. VlII. p. 194. 412). fiiebci l)at cö bemi aucfi bic ßoncorbicn:' 
fonnci gelflffen; beten gntjdjeibung jeboi^, batj bie jenfeitige 
Sdigftit gleid) ber Siec^tfertigung Moä bom @Iauben abfange, 
tann ("(^nierlif^ uor ber Siotm ber ^eilißcn Schrift befte^n, 
ipä^renb bie i'crtnüpfung ber Setigtcit überl)ait})f mit bcm Siecht' 
fertigunti-jglaubm ber rid)tigftcn Srtcnntnife Öntfict'd cntjprti^t. 

iRoäf eine anbere Untlocftctt mai^t fic^ in golge berjcnigen 
5iiffung ber SRedjtfettigungötcIire gcltcnb, welche 2utl)er unb 
äRtlantfttfton gemein(am uertretcn. ©S jrngt fic^ nämlicfi, roami 
bcrjenige Von @ott objcctiu gcve^tgeiproi^en n)itb, nietcl)er nac^ 
ber öeenbiflung ber ©emiffenScinokn übet bie ©ünbc jein 3ier= 
trauen ouf 6l)riftuä ritztet. JJorübcr crRätt fic^ 9KcIand)t^on 
w einet oben (@. 185) fln9eftil)rtcn ©tcUe ber crften ^luSgabe 
ber loci: qai ereclus voce evangelii credit deo, is iam instiGcatuB 
«t (C. R. XXI. p. 155). 3n ber jmeiten S[u«gabe Reifet eä 
(p. 421): cum fide se mens ertgit, doaantiir remissio pee- 
catomni et reconeiliatio. ?3aö tarn cbenfo uerftanbcn werben, 
wie jener Sap. ?lbet iiibcm cä tutj bai-auf i)etgt: cum dens 
renittit peccata, simul donat oobis spiritum sanctam, — fo 
anrb bobunf) uielmetir bct ISebanfe ttetoorgcrufcn, baß bie (Sünben= 
»erftebung ober iHec^tfertigung uon Sott auä im 2Jiomente be« 
©on iebcm @injelnen gefaxten ©loiibenö erfutgt, nic^t aber Hottet 
in ber ßeiflung G^rifti für 9tUe biejcnigen erfolgt ift, iüel(fie glouben 
nnben. hierüber ic^afft aHc(anif)tt)on feine filar^cit, mcil er 
nw^t bic 9iei^tfertigungdlet)re im ^i'iiniiifnltang mit bet SBet" 
jd^ungSle^re entroicfctt. Sie i^m oietmehr boS iiibjectiue Sc= 
mfitiein ber @ütei bet iustificatio , reconeiliatio , remismo 
peccntoram in ber 9Infd)auung be§ lüeibcnS (It)riftt unmittelbar 
flooife ift, (o fe^t et bieielben aaä} objcctiD qIö unmittelbare 
ffiirfungen beö öeiben^ Gfjrifti. Sicieä babnrtJ) begtiinbete S)tii&' 
gut braucht nad)I)er nur in jebem ^aÜc bind) ben ©[auben ber 
(Binjelncn angeeignet nu roerben. 3" ber btitten Stuögabe ber 
loci 'p. 756) fagt er bee^t)alb: instiäcamnr in sanguine Christi, 
id est. placatur ira dei per mortem filii. Sed hoc beneficiam 
fide applicari oportet. 9lbet mie ift jene* Urttjeit über ben @r» 



198 

folg bed üormaligen £etbend Sl^riftt üerftänbli^, ba totr bo^ ba^^ 
mold nid^t toaxm, unb bamald ni^t gläubig nmren ? ^ieju tofirbe 
cd ctncd SJättelgcbanlcnÄ bcbürfcn, bcr cbcnfo locnig bon SRclanc^^ 
tifon tDte üon Sut^er gefunben, ober au^ nid^t gefugt toorben 
ift, tocil ftc btc t^coretifd^c SRcflcjion nicntate gegen bie religiöse 
@rfQl)rung frei gefteHt l^oben. 2)ed^Qlb brangt fid^ gelegentlt^ 
bie anbete Äuffaffung bor, ba§ bie SRe^tfertigung übert)aupt erft 
erfolgt, totnn ber ©injelne bie SBebingung beö ®lauben§ erfüllt. 
3)iefer ©ebanle ift aber erft Diel fpäter jur l^errf^enben fie^re in 
ber lut^erif^en JKrd^e getoorben, na^bem bie Sßirfung bed fieibend 
S^rifti auf ®ott unb bie auf bie 977enfd^en fo aud einanber gefegt 
tourben, bafe nur jene atö unmittelbare, biefe l)ingegen afö mittet 
bare golge jener fieiftung gelten foHte. Slber biefe gormel, ba§ 
©^riftuÄ bamalÄ ®ott mit bem fünbigen SRenfc^engefd^led^t öer- 
fö^nt ^abe, unb ba§ ®ott in S^lgc beffen in aDen 3eitmomenten 
ben jenigen, toelc^e ben®Iaubendact öoUjielien, bie®erec^tigfeit6^rifti 
anrennet, — ift ni^t fie^re ber SRef omtatoren. 35ie fpätere . ficl^re 
tonn jeboc^ aud^ nid^t aU bie rid^tige fiöfung ber oben geftellten 
3?röge angefe^en toerben. 2)enn abgefetien öon ber engen unb 
einfeitigen Raffung ber SSerföl^nungdibee, toeld^e bie Reformatoren 
nid^t beabfid^tigen, t)ertt)idEelt fid^ bi^ fie^re in einen aSiberfpruc^, 
ben bie ortt)obosen Ideologen fi^ nur burd^ eine ni^t fel^r über* 
jeugungdfräftige S)iftinction gelöft l^aben. SJiefelbcn t^eilen mit 
ben 8leformatoren bie Änftd^t, ba§ bie SRed^tferttgung bed (Sinjelnen 
öor ber SDWttl^eilung bed göttlid^en ©eifted erfolge. 9?un fann 
9Hemanb ben %ct bed ©laubend DoUjie^en auger aud bem l^eiligen 
®eifte. ©oD aber bie SRe^tfertigung öon ®ott t)er ber SBebingung 
bed t)om ©ubject concipirten glaubend folgen, fo mug angenommen 
toerben, ba§ ®ott bem ©injelnen et)er ben ®eift jum Acte be& 
©laubenÄ t)erlei^t, e^e er it)n red^tfertigt. Unb bieö ift im 
833iberf|)rud^ gegen bie öoraudgel^enbc Abfielt ber Sel|re. SBic 
bie lutl^erif^en Xl^etlogen bed 17. 3at)r]^unbertd biefer golgc* 
^^fl fi^ i^ entjie^en gefuc^t t)aben, toirb an feinem Drte jur 
S)arfteIIung lommen. 

28. Snbem bie Steformatoren bie Sted^tfertigung innerhalb 
ber 93efel|rung bon ber fucceffiöen ©intoirfung bed ®efe^d unb 
beS (Sbangeliumd auf bad 99en)ugtfein bed ©finberd ableiteten, 
loaren fte urfprünglid^ barin einig, bag ber ^eilige ®eift unb ber 




©Uiibe fc^on bie Sitfung beö Scfe^cd jur ©rluetfung 
ber Äcue ticUingcn'). @ä tft bics im roefcntlid^cii bet(clbc ©c 
bonle, ben Sutlicr bakin formulirt Ejatte, ha^ bie JHeue, loenn fic 
fic^ Doii ber I)eiicl)Ieriid)cu contritio bet tömift^en SuSprafiö 
unttrft^eiben joÜ. au« bet Siebe jum QJuten entfpringcn miiffe 
(f. D. @. 1(>3). Snbirect liegt bieier ©ebanfe quc^ in ber Don 
Culljet 1516 Qiiögeittrodicnen Slufit^t, iai ©BangeÜuiu umfaffc 
auäi ben gebietenben unb ytrafcnbeii SiUeu (SJottcä, e6 lege eben 
bcn geiftlic^en Sinn be* ©efe^c* auä, unb cvtctd)c fo bie morti- 
ficatio, bie JHeuc; im Euangelium jci nnc^ 9töm. 1, 18 aiitt) ber 
3d"i ©otteü offenbar-). ®ä lann nämlic^ Siiemonb ben in 
S^^tt (telluertretenber Srtragurtg bet ©iinbenftrafe au^gcbtürften 
3orn ÖSotteä über bie ®ünbc ettennen unb fi^ ju .tietien nefimcn, 
njenn et nitfjt in fe[)r fpceififc^cm ©lauben bcn göttlichen ÜBertl) 
ßftrifti tinerfennt, ber cö nuäft^Ucfet, ^a^ er ben Job iKvbicnt 
^übe, ober ton bcmfclben nur sufäUig gettoffen rcorbcn fei. 5)ic ' 
iBebiiigung bcS (glauben« äiim Sicrftänbuife ber aui bem ©efege 
ju fc^Ötifcnben contritio i[t nun ouc^ anä logiid]en, ttjeo' 

1) Son ber babi)I. Qlcinngrnlfönft {«}. XIX. S. 102): .63 ift uui 
Don brm Q)lau&cn, ber entbrennt qcqoii bie SJcr^igung nnb göniii^e Srofaung, 
uxl^n . . . bnS (Scnjijffn fo ä»t(nirfit|cl, nnb micbcr crliö&cl unb trüftet. 
. , . S)orum loU ooc aütn 33inflcn bctSlaubc gdcliKi unb ctroedct nicrbcn. 
Senn bei ®loubE erlangt ift, bann mcrbcn bie ffleut unb ber Iroft unfc^ls 
bor folgen", »uäkgung bet 22 crftcn gjfolmrn (IV. @. 1606): ®er 3)i*t« 
Otm ¥f. 19 bc^uptel eon bem ©etcB, ba6 cä Seelen bcleörc fo, „bamit er 
M aitKrfdieibcn mügc ddii bem etefeßc, baS ogne ia9 ^ort bti ßllanbeng 
nnb el)nc bie ^i^t tri &c\^ci gelehrt initb, ittbem bicFeä nur bcFlerfet, bie 
€tdni ablehrt, Unglliubigc unb XEfareii maätt. ^U!d mug aüt9, waS er ()ici 
»BH bnn Qlcfcpc riifiml, von bem ^eiligen ®eiflc, Mt butd) Ba« 5l3Drt bcä 
Qlanbenä unä crniamiel, uetftanbcn nKrbcn*. SMelan^i^n loci (1521) 
p. IM: Certum eat, r>dio peccati nemiaem taagi poaae, niai per 
•piriiam sanctom. p. 216: Tantum abeot, ut eine opera spiritua sancti 



8) 2Ü(«ft I. e. 762. 765. 785. ßbenfo mclan(f)ll|on Apol. Conf. 
Aug. n. G2j Loci (1636) p. 421: Evangelium argait peticata et docet, 
nobiB opus esse mediatore. Cf. p. 190. (1543) p. 74 t: Poeniteutia fit 
voce legis, per quam deua arguit peccata noetra, ... fit et voce evaa- 
g«lü accDiantis muudum, ijuod non audi^t filium dei, doii moveatnr 
eins pasrioDO et resurrectione. Ideo inquit Christus (Job. 16, 8): 
tpiritna lanctaa argoet mondum de peocato, qnod non credunt. Et 
Rom. 1, 18: reveUtnr ira dei etc. 



200 

logifd^en unb :p{^d^ologtf^en ©rünben ununtgängli^. ^ie 9$er- 
ncinung bcr ©finbc burd^ bcn SBiDen lann nur cntfd^iebcn unb 
toirffam fein in gotge bcr Seja^ung beä SBcrtl^cö, tocld^cr bcm 
®egent^eil, beut ©uten jufommt. Sie ftrofenbe unb nieber^ 
fd^mctternbc SBirlung be^ ®cfefeeÄ ift nur bcnfbar in 5<>l9^ ^^ 
Äncrlennung bcd entfd^cibcnbcn SBcrtt)eä be^ ®cfe^gcbcrÄ für baö 
^il bc^ ÜRcnf^cn. S)cr Umfd^ttjung bon bcr Verwerfung ber 
©ünbe jur Slneignung ber göttUd^en ®nabc ift nur folgerid^ttg, 
tt)enn bad ®emüt^ fc^on in ber contritio fid^ t)on ber äSad^t 
^ficjt'S^n fü()It toeld^e old bie einzige SDtad^t bed ^iled an- 
erfannt werben foH. äDe^ bie^ fe^t einen ®rab beö ^eilöglaubenÄ 
fd^on aU 99ebingung ber Sßirfung bed (Sefe^ed jur contritio 
öorou^. Unb e^ lann gar nid^t fd^wer faDen, öon biefem @rabc 
bed ©lauben^ ben reifen unb DoQftdnbigen ©lauben an bie 
©ünbenüergebung burd^ Stjriftud ju unterfc^eiben. SlQein üor 
biefer Aufgabe ^aben fid^ bie beutfd^en ^Reformatoren iurücfgejogen, 
unb jwar ni^t jum 93ortt)eiI ber Sel)re unb ber aud i^rem 
9EßirIen hervorgegangenen ^rd^enbilbung. 

Diefe ungünftige Ärifi^ ift in d^arafteriftifd^er SBcife 6e^ 
jei(^net in 2ReIand^tI|on'^ „Unterrid^t ber SBifitatoren" (ebirt 
1528. C. R. XXVI. p. 51. 52). S)ort Iieifet eö: „SBieWo^I 
©tlid^e erad^ten, man foDe nid^t^ leieren öor bem ®lauben, fonbem 
bie 93u§e au3 unb nad^ bem ©tauben folgen laffen, bamit bie 
3Biberfad^er nid^tfagen mögen, man wiberrufe unfere oorigc 
Se^re, fo ift e^ aber bod^ (fo) anjufel^en, weil bie 93u§e unb 
ba^ ®efefe aud^ ju bem gemeinen ®Iau6en gel^ören, — benn man 
muß ja jubor glauben, bafe eö ®ott fei; ber ba brol^e, gebiete, 
fd^redfc, — fo fei t^ für ben gemeinen groben STOann, ba§ man 
fold^e ©tüdEe be^ ©lauben^ laffe bleiben unter bem Sßamen ®e* 
bot, ®efc^, tSnx6)t 2C. ; bamit fie bcfto unterf^ieblid&er ben ©lauten 
S^rifti berftel^en, Weld^en bie 9))ofteI instificantem fidem, bad 
ift; ber ba geredet mad^t unb ©ünbe vertilget, nennen, Weld^ed 
ber ©laube von bem ©ebot unb f&n%t nic^t t^ut, unb bod^ ber 
gemeine STOann über bem 3Borte ©lauben irre wirb unb 3h^agen 
aufbringt ol^ne SRufeen". 3n biefer Srflärung SWeland^t^on'« 
wirb ber urf^jrünglid^e ©efid^t^punft von ber S3ebingt^it ber 
äSirfung bed ©efe^ed jur contritio burd^ ben ©lauben audbrüdE« 
lid^ als rid^tig anerlannt ; e^ wirb aber im ©iberf^jrud^ mit biefer 
urf))rüngli^en fie^re ber Sieformation bavon %bftanb genommen. 



» 



unt> bem Segriff beä ©toubeiiS bie cngfte Slegrcnjuiig auf bte 
fides iuatiticans .^ugemtcfen; unb bie^ 9C)cE)tcE)t ciue feiner äJüd^^ 
ftc^t ber 3ÖQ^rt)eit, fonbcrn ouS einer 3lnbcquemun3 an bcn 9Jcr= 
ftonb ber ifjeologiid) iiiib religiös Ungedilbetcn. Sien Sinfprud) 
gfgai biefe !£orfteiIung SDManc^t^on'S I)Qtte Sotjann ?lgricoIa 
erEioben, inbem er an autljet'si miebcrliolt nu§geipro(i)cncn 0rniib= 
foQ erinnerte, büß bie Sctetjrung, namentlit^ auc^ bie ©c^rcden 
beS ©eiBtffenä in bcrjelben üon ber Onabe, 6cjiei)ungäineifc uon 
bft ßiebe jut ©erec^tigfeit nu«9cl)e '). l;ie 9lrt, in mclt^er 
9Reland)i^on biefe fleroii^ttge Snftanj umgangen \]at, öerrätt) cben= 
(d Diel Obcrftäf^Ii^teit in ber Seobaditung bc§ ju bentenbcn 
^P^omena, qIä peviönlit^e ©iti^jfinblic^fett gegen ben unroi[I= 
(ommenen ü)fal)uer, Xie fcf)lid)tcnbe Sntfdjctbung finttjer'ö eiiblid), 
loelc^e aWelandittjon JRct^t giebt, Dcrfdljrt mit crflärtcr SUillfür; 
lutb bennod) behält nui) lijutl)er jegt noc^ bie 9Inyid)t bor, baß 
tn ber contritio ein gcroiffer ©rab Don ©tauben unumgöng' 
Hält Sebingung iei *). SBarum tonnte nnn nid)t biefe Srlenntnife, 
auc^ menn fic alä gefol)tIifft für bcn , gemeinen groben SHann" 
crft^ien, in ber ttjeologif^en i^e^re fortgepflanzt Incrbeii? !Sa§ bieÄ 
m(t|( geft^i]^, bog namentlich bie le^te SInägabe (1543) ber loci 
SRelant^t^urt'^ Don bcn früljeren Spuren biejeS ©ebaiiten* ge' 



1) C. R. I. p. Dlö. 916. «tief SR.'ä on Sufluä 3onnä uom 30.31«. 
1ES7, al* 9tü(iil übfc eine $tT&anb1ung in Xorgau übtr 3R.'ä $i(itaticiiiSs 
huitt '^ boffclbc ^tauBgcgfben IsutIk. IslebiuB coateodit, pugnare meum 
•eriptum cuQi . . . liutheri dogmatibus. Lutherum docuiese, quod ab 
kmore itutitine poenitentia iacboari debeat . . . Kgo reepondi paucia, 
oportere terrores in animis exflistere ante instificationem, et in bis moe- 
roribni nun diseerni facile posiie amurem iuatitiae pt timorem poena- 

mm Fatetar hoe Ukbins, sed nit a Me minarum incboandaro eaae 

eootritionera . , . Ego respundi a fide minarum terrores uon ease aepa- 
nmdoi, quod aliud est üdes minariini quam pavor. Quod si uni aibi 
exisUmet ille bas dispulationcg de tide miuarum, de amore iuetitiaa 
notu eise, ut tot auni« versatus intur tbcolugos nibil do talibua rebus 
kadierim, nae illc naa multum ingcnio muo tribuit . . . Lutheru» sie 
Kltcrcantibug nobis dircmit controverslam, sibi placere. ut fidei nomen 
tnboaUir iuitificanti fidei ac coniolanti nos in hia terroribus, fidem 
genermlnn «nb nomine pocuitentiae recte cotnprehendi. 

2) tSic einnjcnbungm gegen biete Xavilcaung, neldit fiaiittrau, 
3o^nn «Bii»!a (1881) 6. 14B. 190 ergebt, tann id) nli^t füt ixt^ent fallen. 



202 

reinigt ift, ift toicbcr eine I^atfad^e, toeld^e für bie S^^eologie 
unb bie Iutt)erifc^e Äird^ Der^ängni^öoII geworben ift. 

Qu biefer SSenbung ber lut^erifd^en Set)re tmg nun freilid^ 
berfelbe Ägricola bei, inbem er int 3. 1537 in übertreibenber 
unb f^iefer Folgerung auö feinem urf^jrüngli^en ©efid^t^punlte 
bad ©efefe ate überflüffig für ben §eitett>eg ber ÜÄenfd^en erflSrte. 
3)q Sutl^er bedl^alb ni^t uml^in fonnte, ben ^gricola migjui^er^ 
ftel^en, toeld^er felbft bie lenbenj feiner ®ebanfen ni^t be^errfd^te, 
fo ift e^ begreifüd^, ba§ fiuttier fid^ in bem ©d^ema ber Ab- 
leitung ber SBele^rung öon ©efefe unb ©öangelium nur nod^ fefter 
fe^te, unb fid^ be^ ©efid^tSpunfteS gänjlid^ entfd^Iug, bag bod^ 
eine jur 93u§e erfolgreid^e Sluffaffung beS ®efe^e^ burd^ einen 
beftimmten ®rab öon ^eitöglauben bebingt fei, toenn auc^ baö 
©ubject felbft fi^ beffen ebenfo toenig berufet ift, tt)ie ber ge« 
Iieimen juDorfommenben ®nobe ®otteS (©. 162). D^ne biefe 
SSorauÄfe^ung toirft bo« ®efefe auf ben ©ünber entmeber gar 
nid^t, ober ed leitet il^n ju ber jiellofen unb t)eud^Ierifd^en Q3uge 
an, beren Uebung in ber römif^en ^r^e fiuttier faum öon fid^ 
geftogen ^atte. Sine anbere bebenHi^e ^otge beS ©tanb))unfted, 
ben fiut^er unb 9)te(an^tl^on gegen %gricoIa'^ frutjere Siii- 
toenbungen einnal^nten, ift bie SSerfd^iebung ber SIemente beö ®e* 
bantenS öon ber Äird^e. Um mid^ t)ierüber nur furj augjufprec^en, 
fo unterfd^eibet fid^ bie eöangelifd^c Sluffaffung ber ^rd^e öon 
ber römifd^en fo, bag biefe ein einfad^eS ^ufatoer^ältnig jn^ifc^en 
ben not^toenbigen ©liebem be§ Segriff« ber Äird^e bel^au^tet, 
jene ein bur^ ben Qtotdbts^^ gcorbneteiS. Snbem nämli^ beiber- 
feitg bie Äird^e atö bie ®emeinbe ber ©laubigen anerfannt »irb, 
fo ift ber römifd^sfati^olifd^e ©ebanfe barin auögebrüdEt, ba% bie 
©emeinbe ber ©laubigen immer unb auSf^liegtid^ ba^ $robuct 
ber ^rd^e al^ 3lnftalt, bed ben fiaien entgegengefe^ten ^leru^, 
ber ecclesia repraesentans ift. S)er eöangelifd^e ©cbanfe, — ttie 
er in ber Slug^burgifd^en Sonfeffion unb beren Apologie, bann 
in ber fd^malfalbif^en Seknntnigfd^rift de potestate papae 
et inrisdictione episcoporum angebeutet ift unb auf ein ge^ 
bilbeteö SBerftänbnife red^net, — fommt barauf ^inau§, ba§, tt>enn 
bie ©emeinbe ber ©laubigen ber 3^^^ oß^^ beffen ift, toaÄ man 
^r^e nennt, fie aud^ ben ©runb bat)on bilbet, bag alfo bad 
ministerinm verbi, fofem ed notl^tt^enbig jur ßird^e gel^ört, nur 
SRittel in ber ©emeinbe ber ©laubigen ift SDie lettenbe Se^ 




1 

I 



beutung biefeS 3>i1<^i"'"^"^]^"9*^^ "^'i^^ "un gclät)mt, uiib uneuattgc 
liic^er ^tQjiä bic Siaön gct'rodjen, rocun bic iflcfoniiatoteii in 
concreto auf ben (üebanfen Detitc^ten, c^riftlidic ©cmeinbcn, in 
loi^ immer unuoUfoinmenev fittlidjec SSetfnffung, wor fid) ju (cf)cn, 
unb aiiilQtt beffcii bte aSotouüfe^iing matficn, baß fte eö mit bciii 
„gemeinen groben 2Kaim" 5U tl)un tjobcn, bcr crft gum El)riften' 
tt)um bctc^rt iitctben miifie, unb bem mun bic logtfc^ rid)tige unb 
auäf QÜcin roitfiamc ^luffa^ung ber Scbingungcn bcr 33e(ef)rung 
))0cenlt)alten joUe. ^aburc^ Derleifien bte Scformatorcn bem 
©tanbe bcs ministerium verlti ein UcbetgciDit^t über bie c^rift' 
li(^en (Memeinbcn, lucldK^ factijd) boranf f)inan6tDmmt, bcfe bie 
ministri yerbi divini olä bie Ui^adje unb bic ©cmcinbe bet 
gläubigen ali bie UBirfung, ober bafe bic Äirdje als eine 9(rt 
BOrt ©d)u(e erfc^eirtt '). 

29. Sine Don Öutfter unb 9J?elQnrf)tl)DU abroci^cnbc Söenbung 
•Sta^m bie leljr^afte S^arftcdung bc« ©cbanfcnS Don bcr 3{ct^t= 
■ffrttgung burdj Gflltiin. Seboc^ bie prottiftf)^reIigiöfe Sluffoffung 
Jene* Oeboufenä ift in feinem lircölidicn Söirfunciäfrcife üon ber= 
jenigen nit^t uerfc^ieben, roeli^e bei Sut[)er unb 3"''''9'' *) ""t^' 
genjieicn ift. (53 ift ucimentlii^ nicfit möglii^, baß i'ut^er felbft 
ben §ouplQrtifel bcr ftcljcnben unb fallcnben fiird)c corrccter qu§= 
flcbrütft t)ätte, aU biefc^ bie SSerfaffer beä §eibeibager fintcd)iä= 
muS, ©c^ütcr unb Sln^änger ßalnin'^ getrau f)abcn (gr. 60—64). 
SJie anbcren fflefcnntniffe caluinifcfiet äbftammung, bie Gallicana, 
Scoticaua, Belgien, Helvetica posterior finb roeit entfernt, ben 
tfligiöfen 3nl)nlt mib bic rcügiöfe unb fitltic^c SSirfung bcsi ©c^ 
bunfcns Don bcr 9Jcd)tfertigung irgcnbwic ju ueränbcrn '); fie 
^flben aber if)rc Sigcnt£)ümli(^feit barin, bafe fie fi(^ biicct nat^ 
l)em ßufammcnljang beä calwinifc^en tfjeologifdien ©ijftemS richten, 



1 bte Shiic »gl. meine 
in 3cilf(^r. für üirättn-- 



1) Utber bicfc 58crrtnheruiig Imä 5B(flri[fB i 
Äbfr .$ic enlllcßiiiig bcr lull)ctifAni Sirene" 
gtfAii^tc I. €. 51 ff.-II. 6. 366 ff. 

2] Sei Slrlilcl aiiS btr erftm Rafflet Sonfeirion ift oben @. 171 an< 
0(föl)it Sie jineile SoFcIci' obtx etfle ^cluelifdie Sonfcifion Don 1536 ent'^ 
^(1 bun^ SBucet'd Sinmirtung bie Qonnel bcr fiulf|cn|r^:3[ltc(nnd)l^i)nifd)cn 
r IHcf^lfertigung im Schema uon ©cfcp unb SPangclium (Nie- 



3) SflL 9Iicf 



. 108. 109). 



;. 0. S- 333. 346-318. 374. 489—494. 



204 

ober, tote bie Gallicana, bcnfelben toenigftenö berüdfid^tigen. 
9hir bie (entere trägt formell bo^ ©e^jräge etneö ®lau6en§belennt* 
niffe^, bie anberen finb ttieologifd^ raifonnireube 2lbt)anblungen, 
toeid^e ber Art bcr lut^erif^en Soncorbienformel entfprecften. 

Unb benno^ ift bie Set)rbarfteUung Saloin'd, fo befrembenb 
bie Reihenfolge ber ^Begriffe in it)r bemjenigen ift, toeld^er an bie 
meIanci^t^onif^'Iut^erifd)e Se^rtrabition getoö^nt ift, gerabe be- 
bingt burd^ bie üorl^errfc^enbe Seod^tung bed urfpränglid^en 
reformatorifd^en $pnomen^ bed fubjectitjen SRed^tfertigungöbetoufet- 
fein^. S)ie Reihenfolge ber %f)tmata unb i^re 93el)anblung in 
ber Institntio religionis cbristianae (britte ^udgabe t)on 1559) 
ift be^errfd^t burd^ bie grage noc^ ben SBorgängen, toeld^e aufeer* 
^alb unb innerl^olb be^ ©ubjectd ftattgefunben ^aben muffen, 
bamit baffelbe fid^ ber Rechtfertigung aQein burc^ S^riftuS in 
ber Slrt betoufet toerbe, toeld^e 2utt)er unb 3^i"9''i gejeic^net 
^aben. S)er reformatorifd^e ®runbgebanfe ift aber, in ber gormel 
Don S^emnife (®. 153) ber, ba§ ber SBiebergeborene nid^t 
burd^ feine toirflid^ guten SBerfe, nid^t burd^ bie bom ^eiligen 
©eifte in i^m begrunbete Reu^eit be^Sebend, fonbem burd^ ben 
DoUfommenen ©el^orfam S^rifti, ben er im ®lauben al^ 
bctt einjigen ®runb beö ^eileS ergreift, feiner Geltung öor @ott, 
feiner ®ere^tigleit getoife toirb. S)iefer ®ebanfe fe^t in 
ber S)arfteIIung Galoin'^ Dorauö bie fietire öon bem SJerfö^nung^^ 
toerfe ß^rifti (Lib. IL cap. 15—17), bie Se^re öon ber SBieber- 
geburt beö ©laubigen (Lib. III. cap. 1—3), bie Se^re Oon bem 
t^atigen Seben beÄ SBiebergeborenen (cap. 6 — 11). 3nbem erft 
bann bie Se^re Don ber Red^tfertigung im ©lauben (cap. 12—17) 
folgt, fo bejie^t fi^ biefelbe auf baö ^^änomen beS fubjectioen 
SBetoufetfeind, beffen reügiofer SBert^ unb beffen SSa^rt)eit erft je^t 
üoDftänbig beftimmt toerbcn fann. Unb bie^ ift eben nur folgen 
richtig. 3ft nämli^ ba^ 83etou§tfein Don ber Red^tfertigung burd^ 
S^riftui^ praftifd^ entgegengefe^t ber mögli^en falfd^en 3Stvtf)^ 
legung auf bie guten ©erfe be« ©laubigen unb auf fein ®etou§t:= 
fein ber SBiebergeburt, fo muffen biefe SIemente be^ d^riftlid^en 
SJetoufetfeini^ erft objectiD feftgefteüt fein, e^ bie Semeinung i^red 
äBert^ ffir bad göttlid^e Urt^eil fiber ben ©laubigen burd^ bie 
Rad^toeifung ber SBeiie^ung unb ber 93ebeutung bed Rechtfertigung^* 
glaubeni^ begränbet toerben fann. Sd er^bt ftd^ bei ber 93eur^ 
t^ilung bed erftrebten f^ftematifc^n 3ufammen^g8 biefer Se^rett 




I 



nur iiod) bie '^iaa,c. ob iit(t)t bcr Segriff bcr iuslifieatio auc^ 
in o&jectrocr gafiung Dot bem Sintrittt ber Sclrocfitiing in baä 
®e6ict ber fubjccttDcii 3;^ütf(id)en unh Söcroiifilidnsiptjäiiomene 
«itioidelt roerbcn müßte, nämlidj im 3"^'"i"iif''^''"S "''* '^^'^ 
!Bcutung bcs SSerf e5 e^rif H ? ©iefeSrage l)Qt fi(^ jcbod) EalDiit 
nic^t borgcicgt, ba feine ganje ©röttcning übet bie uoii ö^riftuä 
gtleiflrte ©enugtfjuung unb fein 93crbienft, über bie Bon il)m Der= 
mittclte ©ünbcnoetgebiing unb @ered)tig[cit uitfit uon bem objectiö= 
rtieologifi^en, fonbcrn bon bem fubjectiDsreligiöfen ®eficl)tßpunlt 
bc^errfci)t ift, nämlii^ bafe SEjnfhiä bieS ?I[IeS für «nä getl)ün, 
fßt unä ertporbcn 1)qi, olinc bfift bicfe 3n'e'^f'ef'i'"'"i'"g i" einem 
fod)lit^cn Sluöbrucf objccttuict mürbe. 

®o8 britfc Sud( ber Institutio beginnt nun mit bcr Söe= 
metfiing, bafe \o lange följriftiiä, ber Üräger ber unö beftimmten 
^tUguter, alsi gcf^icö'I'd^e Ifiatfoc^e ou§crf)aIb unfercr fteljen 
bleibt, et feine .^cilöroirtimg auf unS ausübe. 5)ic Ucbertragung 
i«inet ©irfungcri auf unä toirb jcboi^ cincrfcttä bnrtt) bcn I)ei[igen 
OJcift Dermittelt, onbererfeits in bem@(auben aiiigcnommen. T)iefc 
SBee^felbejiefinng ber mcnf(^tirf|en SrnpfängUditcit unb be* 9Ött= 
lidien ©irlenS G^rifti, ber bie güde beS fieiligen ©eifteä in fic^ 
^tiefet, unb beäfjatb Meä burt^ benfelben loirft, entfprit^t bem 
(wulbiifc^en Ötibe, ba| gfiriftu« unfer ^laupt, inib loir, bie rait 
in i^n Derfc^t, mit iljm bcEIcibet finb, (eine ©lieber fiiib '). Tiaä 
Reifet: Slßeä n)a§ bcmnäct)ft über aSJiebetgcburt, neue* Se&en, 
fflct^tfertigung ge!e()rt roirb, get)t ben (Sinüelncn nur an, fofent 
CT üU ®lieb bcr ©emeinbe uocgcftcHt, unb bie (Semeinbe ber 
©laubigen aU bie birecte SBirtung Gtjrifti uor ben Srfaf)rungcn 
bcS ©inäeliten gebotet mirb. 9tllerbingä Dermeibet ßalüin, in bcr 
rten Dpn mir bcrücffic^tigteii Ictten Stuögabe ber Institutio Don 
1559, in biefem 3"iii"'infnl)i"9'^ ^*^" Segriff ber ©emeiube aui- 
juf})re(^cn, ba er bcufelbcn evft (uäter int »ierten Siidje entmidelt. 
hingegen in bcn früt)ercn Wuägaben, bereu Stnorbnung fid) bem 



1) Lib. m. 2, 35; Huc redit summa, Christum, ubi noa in fidem 
iQnmin&t ipiritua sai virtate. simul ineerere in corpus euum. nt fiamus 
bonomm omnium participes. 13, 5: IStatnant fidelea, oon alio iure ape- 
randam tibi esse haeredilatem regai coeieatis, niei quia insiti in Christi 
corpui, insti gratis reputuntur. Nani quoad iasttficalbuem ree est mere 
pMsiva fides, niliil afieretis nostrum ad conciliaudam dei grutiam, sed a 
ChrJtto recipiens, quod nobia deest. Cf. I, 1. 3; 2, 30; 11, 10. 21. 23. 



206 

©angc bed apoftoltf^en @t)mboIum anfd^Iicgt unb in bem cbenfo 
gcßlicbertcn Catechismus Genevensis (1541) tritt bcr Ärtifcl 
öon bcr ©cmeiitbc bcnen Don ber ©ünbcnöergcbung, öon ber poe- 
nitentia, uon bcr iustificatio in bcr 9lrt öoran, ba% er bcrcn 
2)cutung entfd^icbcn 6ct)crrfc^t. (So ift bcr ÜÄül^c tocrtt), fid^ auS 
bcr unten angeführten ©teile ber erften Sluögabe Don 1536 ju 
überjcugcn, wie öoDftänbig unb correct unb jugleid^ tüie felbftänbig 
ausgeprägt bie gorm ift, in toeld^er ©alöin ben ®ebanfen Sutl^erS 
(©. 176) fi^ angeeignet t)at*). 3a im (Senfer Äated^iSmuS ift 
bie SSerbinbung jttjifd^cn ber fiet)rc Dom SSerfc (£t)rifti unb ber 
Setire Don bcr bem Sinjclncn nott)tt)enbigen ©ünbenDcrgcbung 
burc^ ben STOittelbegriff ber ®emeinbe nod) enger gejogen aU in 
ben f^ftematifd^en ©d^riften ©alDin'S. S)ie ®emeinbc nämlid^ ift 
atö bie beabfi^tigte SBirtung bcS SiobeS (£l)rifti unb bie ©ünben- 
Dergebung atö baS ^jrincipieHe §eifögut ber®lieber ber ©cmeinbe 
bargefteUt*). 3m SBcrglcid^ mit biefen früheren (SrKärungen fann 



1) C. R. XXIX. p. 78: Crediroas remissionem peccatorum, hoc 
est: divina liberalitate, intercedente Christi merito, peccatorum remis- 
sionem ao gratiam nobis fieri, qai in ecclesiae corpus asciti et inserti 
snmus ; nullam vero peccatorum remissionem aut aliunde, aut ulla alia 
ratione, aut aliis dari. Quando extra hanc ecclesiam et hanc sanctorum 
communionem nulla est salus. Porro ecclesia ipsa constat et consistit 
hao peccatorum remissione, hocque veluti fundamento suffulta est. 
Quando peccatorum remissio via est, qua ad deum accedatur, ac ratio, 
qua nobis concilietur, ideoque et haec una nobis ingressum in ecclesiam 
(quae civitas est dei et tabernaculum, quod sibi in habitationem 
sanctificavit altissimus) aperit, et nos in ea retinet ac tuetur. Hanc 
vero remissionem accipiunt fideles, cum peccatorum suorum conscientia 
oppressi . . . divini iudicii sensu constemantur sibique ipsis displi- 
cent .... hocque peccati odio ac sui confusione carnem suam et quid- 
quid ex se est mortificant. Atque ut hanc poenitentiam assidue (sie 
enim oportet) i^i, quamdiu in carcere sui corporis degunt, prosequun- 
tur, ita subinde et assidue illam remissionem obtinent. Non quod ita 
eorum poenitentia mereatur, sed visum est domino, sese hominibus 
hoc ordine exhibere; ut cum ex suae ipsorum paupertatis agnitione 
omnem fastum exuerint, se totos abieoerint, ac sibi ipsis plane vilue- 
rint, tum demum suavitatem misericordiae, quam illis in Christo pro- 
ponit, gustare incipiant, qua percepta respirent, ao se consolentur, se- 
oure sibi in Christo promittentes et peccatorum remissionem et beatam 
salutem. Cf. ibid. p. 672 (aud ben Kudgaben 1539—1554). 

2) Niemeyer Coli, conff. p. 135. 186: Ecclesia est corpus et 




) nun bie ^lorftcUung in ber legten ^luägn&c bcv Institutio ni^t 
afö SSertieiierung achten. Galöin beabfidjtigt fvcilic^ (eineäiuegä, 
bic ^otüuäic^ung bcr ©tmeinbe für bie Set)ren üon bcr regene- 
ratio u. \. id. atijjugcben, inbcm et ficf| tniiet£)Qlt) beS brirten 
3ud)eä immer nuv bcd bilblic^en ^luäbtudeä corpus Cbriati unb 
bcr bomit ^tnJQmmenljcingenben Silber Dom caput unb ben mem- 
bra corporis bebient. 91'enn bteS ttod) cineä bcfonbcrn 18eiDei[c8 
bebürfte, \o märe baran ju erinnern, baß bcr ©laiibe nicf)t bloä 
auf bie ÜSirtung be§ ^eiligen iSeifkä äurürfgefüfirt, fonbcnt nuc^ 
an bie ^Scr^cigimg, au baä iSoaugcliunt, au baS ministerium 
evangelii geEnui)(t loirb (III. 2, 29), roclc^e« boc^ nidjt nu§er()alb 
bcr ©emeinbe BorfleftcHt wirb. 3<i^ncr ift bie XarfteUung beS 
Scgtiff* bet ftirc^c im öiciten Siicöe \o befc^affen, ba% jeber 
SSerf'änbtge in U)x nii^t bloS eine 5t*l9'^'^"ng QUä ben ße()ren 
bf« britten iöui^es, fonbcrn ingleic^ ben Ort erfennt, in iwttfiem 
bie regeoeratio u. j. nj. ftattfinbet'). Semioi^ t)at ein fo fc§arf= 
iinniger nnb umfi(^tiger 9Knnn, loie Sdjneiien&urger'), bie nac^ 
ßaloin im Olaubcn entt)aUcne unio mystica be* ©laubigen mit 
ü^riftuö alä einen rein inbiuibueüen Sßorgang, roie er in ber 
lut^erijcfien gleichnamigen Siocftellung gemeint tft, aufgeragt, o^ue 
boB er in ben auc^ uon il)m Qugejüljrten ©tetten {©. 205. 9üim. 1) 
bie öeäiefjuiig auf ben Öeböntcn ber6(emctnbe erlannt ftit liuti^ 
tDclc^n boc^ baä„®cE)eimni&" jugleic^ eine fe^r bebeutenbe p(^c^o= 
iDgiii^e unb ettfifc^e 9(uffEärung empfängt, .^ieran mag man 
. (duuicn, bag burc^ bie in ber legten ^Inägabe ber luBtitutio ge= 
ifjenfolge ber Seljrcn, lueldje fit^ bcr ütnorbnung in 



•oeietas fidelinm, quos deus ad 
hoc etiam caput credita 
otioMin Christi mortem, et pro 






aetornam praedeatinavit. — Estna 

' Imo vero, nisi facero velimus 

Ihilo ducere. qaidquid hactonus rela- 

efleotus, ut sit ecolesia — 

Cor peccatoniiQ rcmissiouem pubneotis ccclesifte? Quia eam nemo con- 
vequitnr, qaio et coadunatua fuerit ante populo dei, et uoitatem com 
Cbrüti corpore peraeverauter ad fiocm usque colat, eoque modo teata- 
faciat, Tomm se esse ecclesiae raerobrum. 

1) Lib. IT. I, I : In ecclesiae ainum aggregari valt deas filios 
lon modo ut eins opera et ministerio alantur, quamdiu infante» 

ac pueri, sed cura etiam materna regantur donec adoleacant, ac 
tandem perveniant ad fidei metam. 

2) CEotmiaratipe Siogmalit II. 3. 22. 23. 



208 

SKeland^t^on'd loci theologici unb in ben ©entenjen bed ^oni:' 
barbcn anfd^Iicfet, bcr rid^ttgc Krd^Iid^e Stiaraltcr bcr Ideologie 
(Satoin'd ungenägenber audgebrficft ift, aU in ben früheren ^ar^ 
ftellungcn, bic bcm a^joftolifd^cn ©^mbolum folgen. ®« ift nun 
oben (©. 188) boran erinnert toorben, ba§ aud^ fiuttier unb 
SKelan^t^on bie ^Priorität ber ®emeinbe öor ber 95etet)rung unb 
Sle^tfertigung be^ ©injelnen nad^ allen Umftänben inbirect an^ 
erfannt Iiaben, inbem fie biefelbe auö ber ©intoirhing öon ®efe$ 
unb Söangelium ableiteten. Snbeffen ift ber Satoinifd^en Se^rc 
bcr SSorjug Dor ber il|rigen jujufpred^en, fofem Sabin in lieber* 
einftimmung mit 3^i"9K (®. 171) baS SSefteI)en ber ©emeinbe 
unb bie ©emeinfc^aft bed einjelnen ®emeinbeglicbed mit bem 
^uptt Sl^riftuS al§ bie Orunbbebingung beä SSerftänbniffed ber 
8led^tfertigung beä ©injelnen birect betiauptet l^at. hierauf ift 
aud^ f^oit bie Raffung ber Se^re öom S33erle S^rifti bei ©albin 
angelegt. 2)ie SReil^enfolge berSlemter nämlid^, in benenG^riftuÄ 
atö aWittler toirffam toirb, ift bei (Salöin anber^ befd^affen al§ 
bei ben Suttieranem: ?ßrop^et, Äönig, §ol)erpriefter *). 3)iefe 
Änorbnung ift banad^ bemeffen, ba§ bie allgemeine Seftimmung 
E^rifti jum §erm feine ^ot)enpriefterlid^e Sptigfeit ate baS 
JBefonbere umfafet*); bemgemäfe ift folgeri^tig bie iustificatio 
ate golge be§ sacerdotium Christi nur öerftänblid^, loenn bie 
§errfd^aft 6l)rifti für ben ® laubigen burd^ beffen ©nglieberung 
unter ba^ ^anpt ber ®emeinbe öorauSgefefet toirb. ÄUerbingÄ 
l^aben tt>eber Salbin no^ B^i^flli ^^ f^ beutlid^ au^gefpro^en, 
ttie 3;i)omag öon Äquinum (®. 67), bafe S^riftu« gerabe al§ ba« 
§aupt ber ©emeinbe bie ®enugtt)uung gelciftet unb baS SSerbienft 
ertoorben t)at, bereu S33irfung jur ©ünbenüergebung fid^ auf unä er* 
ftredft ; allein it)re STOeinung liegt burd^auö in ber SRic^tung auf biejeit 
©ebanfen. Uebrigen^ ift bie uon Salöin burc^gefü^rte Kombination 
itoifc^en ber Äird^e unb ber SRed^tfertigung aud^ in ber luttierifd^en 
2;^eologie ni^t burd^aud unbefannt geblieben, ©ie be^errfd^t 



1) Lib. II. 16, 8. 6. Sm Catech. Genevensis fogor Äönlg, $0^^ 
pxit^tx, ^xop\^t (Sltcmc^cr a. a. O. @. 129). 

2) Lib. n. 16, 6: Dedit pater omnem postetatem filio, ut per 
eins manum nos gubemet, foveat, sustentet, sab eins tatela nos prote- 
gat nobisqae auxilietur. Ita quantisper a deo peregrinamur, Christas 
intercedit medias, qui nos paulatim ad solidam cum deo conionctionem 
perducat. 



näntlic^ bic Slarftelliing bei ffatc[l)tämu* uon ^o^ann SBrenj '). 
3)ie ©inlcitung p biefent S8ucf)e bcontroortet bic Jragc: aSorum 
bift bu ein Stirift? burcti bie ©äge: SBeil ii^ gluutie in Sefum 
6t)tif*»n> unb bin in feinen Slamen fletauft. 3)i(; giörterung beä 
ctften ©a^csi läuft aber barauf tjinauö, bn^ man butrf) ben 
®lQubcn an lifiriftuä ein St)tift unb fo ein ®[ieb ß^rifü ge= 
loorben ift, bemgemäfe ba% Et)riftuä büä §aiipt bct ©emeinbe ift. 
9(uf @runb bcffen roitb ber öftrift jum S'inbc ©otteä unb aJIit= 
erben S^rifti angenommen, wegen bct @etc^ttgtcit uiib öciligfeit 
tSöriftt uor ©Ott fromm unb ((eilig geachtet ; enblid) mcgen ber 
Uctienuiiibiing beä ^obeä nnb ber ^öQe burd) @E)TiFluS loirb ein 
tStirift, ber ein ®lieb ßt)rifti ift, ein Ueberwinbec berfelben. Unb 
im Srtifcl oon ber Vergebung bet Sünben Reifet es, bafe bie fo 
fitd ü«c Jrtirc^e Übrifti tl)un unb an @f)riftum glauben, an(^ in 
feinem 9(amen getnnft rocrben, s" ©"oben oon QJntt angenommen 
B>crbcn unb 3Jergebung aüct i^rer Sünben befornmcn. ©ic 2iBiir= 
tcmbergifcften ifieologen Jpccrbranb unb ^ofenreffer matten freilit^ 
feinen ©ebraud) Won bicfcm Sd)cma, fonbecn geften in ber Don 
JHcIanc^t^on eröffneten 93nf)n, SlUcin Suca« Ofianber ber Süngere 
in feinem gegen 'flrnbfä föa^ree Sljriftcntftum gericfjteten „X^eo^ 
Eogifc^cn Sebcnten" (1624) bejeugt, bafe man bi^ficr unter ben 
SuttKranem unter unio m^stica bie SSerbinbung tSfjrifti mit ber 
ftinfte, alfo eben ba« «on lörcni ber §ciIöorbnung ju ©ninbe 
flflegte Schema oerftanbcn Ijabe. tiefer ®ebün!e ift burt^gefü^rt 
in bem adfetifdicn "Iractat uüh Slfautin TOoHer (^affor p ©}jrottau) 
Mysterium luagnnni, ®a$ grofec ©etjeimnift Uon ber 5ßennä[)lung 
Ö^rifti mit ber gläubigen (Semeinbe, 1595. 1)te[clbe ©ebanfen^ 
rei^e cntroidelt unter bcm S:itel bet unio mystica ber S3itten= 
bnger ©altt)Qfat aJfeiönet in einer alabemifc^cn 5Rcbe unter bem 
titü Christianna (Sittenberg 1624). ßr let)rt, ba^ nicgcn ber 
iB^fttfrfK" Bereinigung ßfirifti ©etiugtbuung unb fieiben, ferner 
ffhw ©etet^tigfeit, .^eiligfeit unb @^re unS, ben ©liebem feinet 
©cmeinbe ju Xf)ci( »erben. Tiiefe ßombination ^at iijten beut- 
liC^ ©inn, n)enn aud) 2JJeiöncr banebcn ber unio mystica eine 
anbcrc iJeutung rein inbiUibncHen ©eprägeö berietet. I)ie 6om= 
binalion, auf inel^e eS ()iet ankommt, mirb aber noc^ bon fpäteren 



1} ^iijamc unb nu^Iit^e CtFIiltung bcS c^im. ^crm ^onnniS ^rcitj 
äbtt bm Saiti)\inmm, tmä) ^aitmitiui IBe^r mrbcutft^l. 1552. 



210 

Iutl|crifd^cn Ä^Ictilern be^ 17. Sa^rl^unbert^ tejcugt. ©tc ift 
alfo nid^t 6(od bad Sigent^um bed SalüimSmud; t)telmet)r ift fie 
oud^ in bicfcnt nur bic Su^fü^rung bcffcn, wa^ fintier in bcn 
ßatc^i^men au^gefpro^en t)Qt. 

30. S)ic SRcd^tfertigung burd^ Stiriftuö im ®Iauben bringt 
ßolöin jur SiarftcHung afö bag 9lec^tfcrtigungäbett)uJ5tfein bcö 
SBicbergeborcncn, bcr auS bcm l^eiligcn ®ciftc in bcr ©cmcinbc 
t^ätig ift, bie poenitentia ju öoHjie^cn unb fein ncuc^ Scben in 
guten SBerfen au^juüben. S)ie conftitutiüc S3ebeutung ber SRed^t- 
fertigung Dor ber 3Biebergc6urt ftet)t i^m aud^ bei ber öon it)m 
gett)ät)Iten S)arfteIIung unb Änorbnung fcft. S)enn nad^bem er 
in ben beiben erften Kapiteln be^ britten 93uc^e3 bie Gorrefponbenj 
jtoifd^en bem l^ciligen ©eiftc unb bem ©lauben erörtert \)at, unb 
nun im (Singang be§ britten ßapitefö afö ben boppelten 93efi^ 
bei^ (glaubend bie novitas vitae unb bie reconciliatio gratulta 
beäeic^net erflärt er bie SSoranftellung ber Sct)re öon jener auS 
ber SttJcdtmäßigteit für baö 83erftänbni§ ber 3"f^wimengel)örigfeit 
beiber ®üter. allein in objectiöer ^infid^t befcnnt er fid^ f o gut, 
tt)ie nur irgenb ein Sutl^eraner, 5U ber Ueberorbnung ber fünben* 
bergebenben ®nabe ®otte^ über bie toiebergebärenbe *). ©eö^alb 
f)at Sqfoin aud^ bie Dorangefd^icfte pf^d^ologifd^^t^ifd^e ^arfteQung 
beiS Segriff^ bom ©tauben nir^t jum %b{^lug bringen lönnen, 
o^ne bag anttt^tifd^e ©c^ema an5ubeuten, in tod6)tm fi^ bic 
toal^re SRe^tfertigung bem (Stauben barfteQt. 35ie ®ett)i§]^eit 
beö feiles im ®lauben, im ©egenfa^e ju bcn Derfd^iebenartigen 
3tt)eifeln, bie it|n bebrängen, berul^t allein in bcr SRi^tung auf 
®ott unb feine SSertieißung, ttjcld^c mit bem ewigen §eile ju* 
fammcn aud^ aDe ®üter ber SBelt nad^ ®ottcä 85orfet)ung unb 
ben^eil^ttjertl^ ber banad^ bemeffenen Seiben ftc^er ftcDt (III. 2, 16.28), 
unb fc^liefet jebc SBertt)Iegung auf bie SßJerfe au^, bic SRicmanb 



1) III. 3, 19: Proprium fidei obiectum est dei bonitas, qua pec- 
oata remittuntur. 11, 1: Regeneratio est seouuda grratia. — lustificatio- 
nis ratio .... ita discutienda est, ut meminerimus, praecipuum esse 
sustinendae religionis cardinero. Nisi enim primum omnium, quo sis 
apud deum loco, et quäle de te sit illius iudicium, tenes, ut nullom 
habes stabiliendae salutis fundamentum, ita neo erigendae in deum 
pietatis. 







auc^ mir jiir irt)ttiäc&)"tcn Hcnmiltiung über ieiiie (ydttiiig üor 
©Ott herci^tigrri (III. 2,37.38). "Sie SRec^tfertigunfl im ©louben 
bejie^t ficij aber auf ©ottcä (Siiabc butd) bic aScrmittclung 
G^rifti, iiämlt^ feiner gci{^id)tlict)en Xfjat i)eä @et)Driaraä, meiere 
un* mit ®ott oerfüljnt, ober unS bie SBergebiing ber ©üiiben Don 
ifim CTiDorben Ijat, fo baft ber Seftnnb ber ©erei^tigfeit E^rifti 
imi Sugerec^net rcirb. 3t(Ie biefc S^nncln finb autft für SalDtn 
noc^ gleic^bebeutcnb, inbcm er bcn ^ert^ jene^ Vergangenen (Sx' 
figniffeS nlä ©runb beä §ei(3 in ber i-cligiöfen Slnfc^auung ter^ 
gegenniärtigt '). So bient au^ für Satuin bie ©croife^eit biefer 
3tcd)tfcrtigimg im (Stauben alS ber SHegulatDr beS rfiriftlic^cn 
fiebenä gegen SJcr^roeifelung am öeile mie gegen Sfnroonbclungen 
Don ©eibftgeret^tigfeit (III. 11, 15; 12, 2. 4). Sriniiert man 
fic^ nun aber, bafi biefe« SSert)ältni6 be« ©laubenö jii ber in 
ßliriftnä rcd)tfertigcnben @nabc Qdottti in bcm ©laubigen feinen 
rftonb f)at unter ber Öebingung, bafe berfclbe burc^ bcn fjeiligcn 
ft beni Raupte CSIjriftu« eingegliebcrt ift, fo ift ßalüin ferner 
luf bebac^t, bafe bciburc^ bec forcnfifc^e Segriff bcc 9{cd)t= 
ignng nidjt tieriil)rt ober beeinträditigt werbe, gretticö fommt 
in bcn frü[)eren Sluägaben ber Inatitutio ') eine Stelle nor, roortn 
neben ben übrigen iQeils'gütern au&i bie iustificatio uon bem 
Sßitfcn ©Dttei burt^ bcn I)ei(igen (Meift obgekitct loirb; allein ba 
aadi bie friil)ecen ?Uiägabcn in biircftaiiö corrcetev Steife bte 3n»= 
putation Qtä bie Jorm ber Suftification barftellen '), fo ift ber 






1) III. II, 2: luatificabitur ille fide, qui operuL 
iostitiani per fidem apprehendit, qua veatitus 
ot peccator sed tanqaaui iustus apparet. Ita n 
■nnplioiter inlerpretamur acceptiouom, qua nos deus 
ptM pro itutis habet. Eamque in pcccati 
Chrirti imputatione poaitaiii esse diotmus. {SiefcS 
nmiDDie »cgriftc, ußi. § 21.) § 16: Hie oet fidei ae 



ia dei conspectu 
! iuatificationem 
n grntiiim rece- 
iustitiae 
ucvblnbct nur flc 
I, per quem pec- 
cator in poaseaaioiiPtn venit auae aalut[a, dura ex evangelü doctriaa 
agnDtoit deo ae reconciliatum, quod intercedente Christi iustitia, impe- 
tnt* pmcatonun remieaionu iustißcatus Bit, et quanquam spiritu dei 
ngMieratus, uon in bonis operibug, sed in sola Christi iustitia repoei- 
t«n tibi perpetuam institiam cogitat. § 9: Quomodo iustiÜcati sutnut 
•) qtueritur, respondet Paulua, Christi obetlientia. 

2) C. R. XXIX. p. 72, 686. 

3) Sfll. liietSbcc ßüflEln, Soloin'ä Institatiu naiSi f^onit uiib 3"' 
trall. etub. U. ffiit. 18Ü6. @. 462 Ff' 



212 

^Itge ®eift nur aU bie conditio sine qua non ber Sntputatton 
an bcn ©njdncn ju tocrftc^cn, tpic 6ci S^i^flK in bcr Expositio 
fidei (©. 179. «nm. 1). Sn^bcfonbcre fpric^t ealbin nid^t erft 
feit bcm auftreten Dfianber'^ ftc^ au^brürflti^ bagegen aud, al^ 
tDÖre bcr S5efife bed ^eiligen ®etfte^ ober bie 2;^atfad^e beö 
©laubend ber objectiüe ®runb ber ©ered^tfprec^ung, ttjelc^e ber 
©laubige erfäl^rt*), femer al^ ob ber ®Iaube etwa^ ©ad^Iic^e^ 
jur 3uftification beitrüge '), fonbern er behauptet, bafe ber ®Iaube 
ober bie ©rleud^tung burd& ben ©eift nur STOittel ber ^Rechtfertigung 
ift, fo toie bie ©intoerleibung in bie ©emeinbe burd^ ben ^eiligen 
®eift alÄ ber SDKttelbegriff jmifc^en bem SBerfe ß^rifti unb 
unferem barauf begrünbeten ©erec^tigfeitöbettjufetf ein bargcfteßt ift*). 
©oQte jebod^ hierin noc^ eine Unftar^cit obttjalten, fo ttjäre cd 
nur barum, bafe biefer STOittcIbcgriff nic^t fc^on bei bcr Sclire 
toon bem SBerfe @I|rifti in äudfid^t genommen ift, tt)ie cd üorfiber^ 
ge^cnb in ber Äeufeerung im Catechismus ^jenevensis (©. 206) 
gcfd^iel^t. Äud allem, toai bargefteüt ift, ergiebt fid^, ba§ bie 
SReinung ©d^necfenburger'd *), bie rcformirte ?luffaffung untere 
fd^eibe fid^ üon ber lut^erifd^cn fpccififc^ baburd^, bafe biejc bie 
Skd^tfertigung atö f^nttictifc^cd Urt^cil (bcr ©ünbcr ift gerecht), 
jene ate anal^tifd^cd Urt^cil (bcr ©laubige ift gerecht), ald not^ 
toenbige (Sonfequcnj^ ber unio cum Christo, bcr regeneratio bar- 
ftcHe, — auf (Sabin nic^t pafet. S)er Snl^alt bcö rcligiöjcn 95e^ 
iDufetfcind bcr Sied^tfertigung ift bon Salbin nic^t anberö beftimmt 
ald öon ßut^er, nämlid^ bafe ber ©laubige fid^ aU ©ünbcr fc^t. 



1) III. 11, 23: Evanescit nugamentum illud, ideo iustificari ho- 
minem fide, qaoniaiD illa spiritum dei participat, quo iustus redditur, 
quod magis est oontrarium superiori doctrinae, quam ut conciliari 
unquam queat. ^crfclbe @a( in bcr gmcitcn ^ui^g. C. R. XXIX. p. 745. 

2) in. 13, 5: Quoad iustificationem res est mere passiva fides, 
nihil afierens nostrum ad oonciliandam dei gratiaxn sed a Christo re- 
cipiens, quod nobis deest. 

3) III. 14, 21: Stat inconcussum, quod ante posuimus, effectum 
nostrae salutis in dei patris dilectione situm esse, materiam in filii 
obedientia, instrumentum in Spiritus illuminatione, hoc est fide, finem 
esse tantae dei benignitatis gloriam. 11, 10 : Non ergo eum extra nos 
procul speculamur, ut nobis imputetur eins iustitia, sed quia ipsum 
induimus et insiti sumus in eius corpus . . . ideo iustitiae societatem 
nobis cum eo esse gloriamur. 

4) 6;om|)aTatiDc 2)o0mattf IL 6. 23. dur !tr<^I. (S^rtftologie. 6. 55 f. 






213 

iltbem er ficÖ bur(^ 6l)ril"tuÄ flcredjtfcrtigt locife (©. 156). !J)iefcn 
®ebonten ^ot Saluin roebct üfifid)tUc§ nod) iinratlltütli(^ Derlefct, 
inbem er ifjn in ben 3iiffli''ntcnfian9 fteüt, ba§ hnä Su&jcct mit 
S^riftiiS in ber (Semeinbc tctfiunben (ein mufe, ractin e^ fic^ ats 
gcrct^tfertigt TOcifj. T^enn bie iinio cum Christo loirb eben nt(f|t 
aU bec ifureit^enbe (^nmb, {mibem al§ bie cooditio sioe qua 
lon bei erfahrenen Slediliectigung angenommen. 

iBie bei bcn anbeten Reformatoren, fo ift aud) bei ßaluin 
ber SJefiouptung bcr SJcc^tfcrttflung burc^ 6i)riftu« im ©lanbcn 
:t SSeränberuiig bcS öegriffd ber poeoitentia Derbtinben. 
5)ie SSiberletiunc; bet rÖmi(d)en Ce^re Dom öufefacraraent unb Dom 
Äbloffe (Lib. III. cap, 4. 5) batäufteUen, barf it^ jeboc^ nrtter= 
Hoffen, iBcit Galutn bcirin Bon bcn anbeten SIeformatoten nicf|t 
abnieii^t. SSoä aber btc pofitiöe T'cutung ber poeuiteutia be= 
trifft, fo lä'ßt fit^ bei Qalvin bie umgetctitte SJcnbung beDbodjten, 
üU roeldje 2iitf)cr iiiib ajiclandjtljon uornatimen. 3n ber etften 
Ausgabe ber Institatio (1536) bebanbclt er ba« Xliema nur auf 
Seiditlaffnng beä ^ergcbtac^ten falfcf)en ©aeramcntSbegriff» uiib 
jjioax mit einer bei itjm [onfi nicf)t gemöttntii^en Unentfd)iebetit)eit 
bei ber Scuttfjcilung ucrfi^iebencr 3lnfiditen. ©c^Uefeli^ la^t et 
ri(^ burcf) 9Ict. 20, 21 bat)in leiten, poeuitentia unb fides ä" 
unterft^bcn, obgleid) feine loa^re poeniteutia fic^ oi)m fides 
Borfinbrt '). §iebut[^ fäQt auf bie poeuitentia ber bloä negatiue 
©irm ber mortificatio, bie, roenn fie ädjt unb roitlfain ift, i^rcn 
!(bfd)Iuf) in bet tiducia crga dei promissiones, in ber @en)if|[)eit 
bcr SünbenDergcbuug finbet. 5)icfe SHeiljenfoIge ift ebenfo em= 
piiifrfi gemeint, toie bie Don contritio et fides in ber 9tuffaffung 
Sutftet'ä unb Welani^tljon'S. Snbeffen raeii^t Galuin'ö «nfic^t 
ber Sac^c barin oon biefen ab, biiß er bie erfolgrcidje poeoitentia 
nit^t ton ber ^tebigt be* ©efc^e^, fonbern üdu bcm Guangeüum 
ableitet, fofern baffclbe bie Äreujigung unfereS fliten 9);enfci)en 
gemäü bem fttenäeötobe (Sfjtifti füc nDtt)roenbig erltört. Ipingcgen 
erftrccft Qaloin ebenfo mie Sene bie 'älufgabe bcr poenitentia au^ 
bad gonjc neue Seben, inbem if)rc £ö|ung natür(td) aud} am 
anfange bcffelben fteljt. Gine eigenttjümli^e Unflartteit [jaftet 
nun on jenem 5pHn!t, in loelc^em Saluin mit 31grico(a gegen 
Suib« unb SKelam^tfjon überein ftimmt. 2öivb bie 'Stmc butd) 



1) C. R. XXIS. p. U8— 160. 



2U 

baÄ Süangcttum cttocclt, fo foHtc man crtoarten, bafe afö i^rc 
fubjectiüe Sßurjel ber @(au6e an baS (Süangelium anerfannt 
tofirbc; allein inbcm bicfcr afö ber empirijd^c ©d^Iufe ber SReue 
Dorbcl^alten wirb, ttjirb afö baö fnbjectiüc STOotiü nur ber verus 
ac sincems dei timor beieid^net. ^iei^ erflärt fid^ baraud, bog 
(Salbin in feiner empirifd^en Srörterung ber ©ad^e bie Anfangs- 
erfd^einung ber poenitentia bei bemjenigen, ber fid^ erft ju ß{)riftuS 
befe^rt, im Äuge \)at, unb erft unter biefer SorauSfe^ung bie 
Aufgabe ber poenitentia auf baS ganjefieben audbel)nt, oI)ne ju 
fragen, ob fid^ nic^t bann baS ubjectibe SÖiotiü üeränbcrt. Sr 
bt\)a\i}j>ttt alfo menigftenS hierin bicfelbe •STOeinung, ttjelc^e Sutt)er 
in ber erften S)iScuffion mit Ägricola für fid^ aufrecht erf)iclt, 
fidem generalem sab nomine poenitentiae recte comprehendi 
(©. 201). 

55iefe empirifd^e 55arfteUung ber SBefe^rung f)at nun Sabin 
in ben Aufgaben toon 1539—1559 erfe|t burc^ eine burd[)auS 
principmäfeig georbnete, ttjelc^e bejeid^net ift burd^ eine im ur^ 
fprünglic^en ©inne SKeland^t^on^Ä (©. 186) borgenommene SBer- 
änberung beS ©prac^gebrauc^S *)• ®^ ibentificirt nid^t me^r bie 
poenitentia mit ber negatiben mortificatio, fonbem tt)ill, poe- 
nitentiae nomine totam ad denm conversionem comprehendi. 
S)emnad^ befinirt er fie veram ad denm vitae nostrae conver- 
Bionem, a sincero serioqne dei timore profectam, qnae camis 
nostrae veterisqne hominis mortificatione et spiritns vivifica- 
tione constet (III. 3, 5). Poenitentiam interpretor regenera- 
tionem, cuius scopus est, ut imago dei . . . in nobis reforme- 
tnr (§ 9). 5^ner toixb l^erborgefioben, bafe bie poenitentia vera 
citra fidem consistere non pbtest (§ 5). ^er fpecififd^e @Iaube 
ift alfo als baS SKotib ber emftlid^en gurc^t bor ®ott, unb fpecieH 
bor feinem Oerid^te ju berftef)en, bon meld^er auö {§ 5. 7) bie 
poenitentia jur mirftid^en Srienntnife (beS Untt)ertf)ed) ber ©ünbe, 
jum ©c^auber bor berfelben unb jum §affe gegen fie, ju ber 
®ott gemäfeen Siraurigfeit fortfc^reitet (§ 7). Senem ®runbe 
gemäß bm&f)xt fic^ ber ©rfolg unb ber SBertli biejer ©ntn^idEelung, 
inbem burc^ bie X^eilna^me an Sliriftud baS jureid^enbe SKotib 
ber SSemid^tung beS alten SKenfc^en (§ 9) unb . baS toirljame 



1) 3»eitc SluSgabc Cap. IX. (V.) § 2-8. C. R. XXIX. p. 687— 
691. 2)ritte ^Cudgabe Lib. UI. cap. 3. § 3—9. 







9)IottD ber ßSetniitliäbcruljiciung iinb bcö Sifere um Sebciiäcv: 
neuerUTifl (§ 3), bc* ©cftoriomä gegen baö ®ck& (§ 8) erreicht 
wirb. 9}iit biefcm Umfc^roungc roirb bann aber niii|t eine 3(uf= 
gäbe weniger Xage, fonbcvn eine folc^c be^ei^net, welche \iä} bur(^ 
baä Ranje ßeben fortfe^l (§ 9). 3Köu barf nidit srocifdn, ba^ 
im ©inne Enlniii'^ ju bem erften ©liebe bicicö ©ongeö bcS Sc 
»uärteins ba* ©efeg miiroittl, iofcm c?, unter SJotauSfegung 
her ?Inerfcnnung beS Oefetjgcbcrä, bie Srlcnntniß ber ©ünbe unb 
Ü|re« Unroerifici ucrmittelt, obgleicff biefer ©ebaiife an einer friiftern 
etcUe bes; 9Berfeä auSgefülirt iporben ift (II. 7, 6—8). ?[Uein 
tbenio beutlid) i(l, bnfe er ben erfolgteii^cii Sßerlouf bec morti- 
Scatio nnr fo benft, ba^ bcr aüflemeinc timor dei fic^ ju bcm 
^cilÄglaubeii an (St)nituS ^pecificirt, bafe er bie roirfltd)c SlbEct)r 
beS ©emütfjeS unb SSiUeuö Don ber Siinbe nid)! [d)Dn burd) bie 
©piegelnng im ©efe^e erreidjt werben tafet, foubcrn crft bnrd) 
l>f" 3"S S« öem in (Stjriituö anertnnntcn fittlid|cn 3beat. Snbem 
nun über ßaloin bie Ron^ie iief)ce üoii ber poenitentia in ber 
jWeilen unb brttten ^lu^gabc bem 3"ffininieni)aiigc beö djrifUic^en 
ßebenö eingeteilt tjat, bct burc^ bie iöcgriffe be5 ^eiligen (Üeifteä 
unb bei (älQubeuö be[)errfct)t ift, ju Ijnt er bct in §5—9 au8= 
gefütjrten ©cfcöretbuug bec poenitentia eine (JrÖtterung über baS 
$Tinctp bei poeDiteutia DDrangefi^idt, bcr gemäg biefclbe nur innef 
fyxlb beä t^riftticticn ficbcnä (etbft iu Sctrad)! fommt. §tet etHätt er 
näm(ict), baß bie poenitentia, in bcm oben bcäcidjitcten umfaffen= 
ben Sinn, nlä bie Öefammtnufgabe beö djriftlidjcn Scbenö, it)rcn 
|Uieitf|enben öStunb an bem jpecieüen GSlauben an bie @nabe 
IBottcS in l£(]tiftu^ Ijabc '). Um bicS beutlii^et ju mariien, et= 
Säet er in ber britten Stuägabe, baß, wenn 3JieIc burc^ iSd)tcdeu 
be4 ©ewiffenä jum ©ctjorfam uorgebilbet Wftbcn, et)e fie bie 
Onabe erfenneti ober erjaftren, biejet initial!» timor nur bie üer= 
ft^iebcneu Söeifen ücrgegenioorttge, wie (£I)riftuä bie ajfenfc^eii jn 
fl^ jief|t, ober jum ©treben nat^ grömmigfeit Dorbereitet. 51'^' 
urit ift auägefproc^en, bnfe bie normale Srjictjung in ber &£-- 
mein&e bet ©laubigen nid)t baranf reci)net, bafe bie fc^toffen Sr^ 

I) Lab. III. S, 1: Poenitentia uon modo tidem continuo sequitur, 
Md cot ea nasoitur. § 2: Christas dominus et loannes . . . resipincendi 
ekosam ab ipsa gratia et salntis itromissione ducunt, — Non potest 
homo poenitentiae serio studere, nisi se dei esse noverit. — Nemo nn- 
qnain deum reverebitur, nisi qui eibi propitium confidet. 



216 

fd^cinungcn bcr gurd^t toor bcm ®cric^t unb bcr ©ctpiffcn^lchnpfc 
mit bcm ©cjcftc bei 3cbem bic poenitentia einleiten toerben. 
aSielme^r gefte^t Sabin biefen SBorganfl nur qI^ ©pecialfaU bei 
folc^en ju, quos diabolus a dei timore abreptos exitialibus 
laqueis implicuit (III. 3, 18), unb öettoirft bie allgemeine Se^ 
l^auptung bed Sufefampfed, wie fie il^m bei SBiebertä ufern unb 
3cfuiten entgegentrat *). ^ie^ gilt aber aud^ gegen ben Segriff 
ber poenitentia, bei toeld^er e^ STOelanc^tlion unb Sutlier fd^IiefeUd^ 
betoenben laffen, toeil fie überfe^en, bafe bie richtige ©rfenntnife 
batoon auf ber Ueberorbnung beö S5egriff^ ber Äird^e über bie 
inbibibuelle ^eiteorbnung berul|t. Sabin l^at l^ierin einen ©runb- 
fa^ gerettet, ben Sut^er in feiner urfprfinglid^en rid^tigen ^Jülilung 
ber SReciprocität be^ Sftec^tfertigungSglaubenS mit bem Seben in ber 
©emeinbe ber ©laubigen bem unrichtigen ®efüge beö römifd^en 
JBufefacrament^ unb Äirc^entI|umS entgegengefeftt I|at. S)a6 Äöftlin 
(a. a. D. ©. 462), feinem ®eftänbniffe gemäß, bie bolle Slar^eit 
über Salöin'g I)ief)er gel^örige 2luöfüf)rungen nid^t f|at finben 
lönnen, erHärt fic^ barauÄ, ba§ er, in feiner Slnal^fe ber Institutio, 
bie fo Har ausgeprägte Unterorbnung ber inbiüibuellen §eite* 
orbnung unter ben Segriff bon ber Äirc^e ebenfo toenig erfannt 
^at, toie ©c^nedenburger. Unb baran ift ber Umftanb fc^ulb, 
baß Äöftlin auögefprod^cner SRafeen Salöin'S S)arftellung an ber^ 
jenigen Sorfteüung t)on ber poenitentia migt, tDelc^e baS Sut^er^ 
t^um mit fic^ fü^rt, baS burc^ bie SRürffid^t auf ben „gemeinen 
groben SRann'' Iierabgefommen ift. S)iefeS SSerfal^ren entl^ält aber 
fo getoife ein Unrecht gegen Salbtn, aU biefer ben Segriff ber 
poenitentia nac^ ber in Sut^er'ö Äatec^iömen angebeuteten iSel^rc 
beftimmt l^at, bafe bie SI|riftenf)eit, in Welcher ber Sinjelne bic 
©ünbenüergebung erfährt, bie ©emeinbe ber ©laubigen ift ; toäl^renb 
fiutf)er unb SKeland^t^on mit ber im „SSifitationSbüd^Iein" vor- 
genommenen ©d^menlung factifc^ in bie Sorftellung einlenfen, bafe 
bie Äird^e bie Slnftalt jur Selelirung ber SKenfc^en ju SIiriftuÄ 
fei (©. 203). 



1) Lib.III. 3, 2: Omni rationis specie caret eorum deliramentum, 
qui ut a poenitentia exordiantur, certos dies enis neophytis praescri- 
bunt, per quos se in poenitentiam exerceant, quibus demum transactis 
in evangelicae gratiae communionem ipsos admittont. De plurimis 
Anabaptistarum loquor eoramque sodalibus lesaitis. 



» 



* 



^finfteS (SaifiM. 

$ie ^rincitiien ^tx Teformatorifi^en Sc^rc tion int ScrfÖ^nung 
©tgtnfab jh ber tti 9)IittcIa(t(rS uuh ju Act 3ufliptaIiona= 
Itlire bt^ 9til)rta<3 Cfianbet. 

31. Tu bic JRcfomintorcu bic l'arftedung beä Öcbanicnä Don 
ber SfJec^tferliftung im ©lüu&cii olä bie torjüglitfie Slufgabe Der= 
folgen, f)Qtien fie atleS, Ivaä man jur objecttUen ^erfo^uungäle^re 
ju tetftnen pfkgt, immer nur nis SSorauÄfe^ung jener 2Bal)rI)ett 
beöanMt. ?lud) (Saluin, iDdd)cv bie lct)r[)afte 3!)nrfteüung jener 
©tiinblage ber Sictfttfertignng im ölauben pr rclatiü beHt(id)ften 
©tufe ertiobcn öat, bat bcnnoc^ ni(t)t bie unmittelljttc rcligiöfe 
&)nce))lton ber SSotjtcünng, baö „wir" bnrcf) Gtjrifti ®enug= 
t^uimg DerfÜCint finb, übcrmunben. ^eSE^alb [)at aucfi Saluin 
not^ feinen ©niiib gef)QEtt, bic jiua Sejieliungcn ber (Scnugtl)uung 
ß^ifti ouf ©Ott imb auf unä refleEionämäfeig ju untcrfct)eiben 
lUtb i^r S8erl)ältnife ju einnnber ju orbnen. I'enn in ber religiöjeii 
Sktgegenttiärtigung beä SBert^eä ber i^ciitung ßl)rifti tft bie SSer* 
fd^nung ©otteä mil unä ebenjo geroi^ rate unfere 3Jer(Öt)nung 
mit ©Dtl unb umgetetjtt. 3n biefer SHidjtnng alfo lafi'en bie 
Steformatoicn bie Jliifgabe ber ffierfoljnungöleljre unertcbigt: fic 
foflttt iii^tiefonbcre nit^t bog Sitemmo inö Sugc, ob (Slott burc^ 
€^iiftuö mit bem ganjeit [ünbigcn ®eic^Ied£)t ober mit ber öc 
mmbe ber ©[Üubigen Derfö[)nt morben ift. .^iiigegen in einer 
cntfc^ctbenben 9IüiifitI)t ftaben fie bem öebanfcn ber 3Jerföf)nung 
Itoifdien ®ott mib „unä" ein (Gepräge üerltel)cn, ttielc!)eö Don ber 
im aJiitMöIter Mör^errfc^enben ?(uffaffung abraeictjt. ©ie ^abcn 
nömlic^ bcn 33ert() bct Seiftiing ß^rifti unb bcn Unracrtf) ber 
Sünbe. bieje beiben burc^aiiö corrclaten ©rößen, einem äJicfeftoöe 
unteiujorfen, toelc^er cbenJD einen gefteigcrten fubjectioen fittUc^en 



218 

@m[t, tpic einen enttDidEcItcnt ©inn für bie ®efc^Ioffen^eit ber 
fittlic^en SBeltorbnung hinbgiebt, als ttjeld^e ber i^coloflie bcS 
SKittcIalterä eigen ftnb. ©ie Iiaben bie mittelaltrige 9Sorauö= 
fc^ung abgettjorfen, aU ob baS ftttlic^c SScr^ältnife jttjifc^en @ott 
unb bcn SRcnfd^en bcn S^rafter cineö ^riüatberliältniffeÄ unb 
beS^alb bie ©ünbe nur ben SBert^ ber Seleibigung einer ^erfon 
I|Qt, ttjelc^e quantitatib ^ö^er ftel)t alö ber SKenfd^; unb I)aben 
bagegen behauptet, bafe bie ©ünbe bie in ber Sluctorität 
®otteö entlialtene Drbnung beS öffentlichen JRec^teS, 
baÄ mit bcm etoigen SBefen ®otteg correlate @efe| beriefe, 
alfo ben Eliaralter beS SSerbrec^enS einnefime. ©ie überbieten 
bed^alb bie Seigren beS ^omaS unb beS S)und bon ber nur 
relatiüen 3^^^"^ö6igfeit ober öoHen 3"fäßigfeit beS jur S3e= 
feitigung ber ©ünbe gemä^Iten SRittelS burd^ bie ^^enbenj auf 
ben SettjeiS ber unumgänglid^en 9iot{)tDenbigfeit ber ©atisfaction 
E^rifti aus ber ftttlic^en SBeltorbnung, ttjelc^e mit bem mefent^ 
li^en SBiUen ®otted folibarifd^ ift. Durc^ bieS Söegriffömaterial 
überbieten fie aber aud^ bcn ®efic^tö!reiS, in welchem 21nfelm 
bicfelbc Sienbens mit anberen STOitteln berfolgt \)attc 0. S)a6 
Sut^er in ber SSenoenbung bed ftrengen S3egriffö ber ©träfe für 
bie 3)eutung ber Serfölinung burd^ (£f)riftu§ ber Ueberlieferung 
in ber nominaliftifc^en ©d^ule (©. 85) gefolgt fei, ift mir 
tocniger toa^rfc^einlic^, als bafe er fid^ ben glci^artigen Slnbeutungcn 
angcfd^Ioffen \)at, totldft bie Äird^enbäter öon 2ltf)anafiuS an bis 
über Äuguftin I|inauS barbieten. ^Jür 3^i"9li toenigftenS, toelc^er 
in biefer ©ad^e ebenfo wie ßutl^er benft, ift überliaupt nur auf 
bie lefttere Slblcitung ju red^nen. 

Slllein auf biefem fünfte nimmt Sutf)er eine eigent^üm^ 
üc^e ©tellung ein, toeil er ben d^riftlid^en ©ebanfen bon ®ott 
in einer SBeife barfteUt, toelc^e bon bem t)orf)ergel^enben unb nac^* 
folgenben ©d^ulgebrauc^ abftid^t 3n einer iKengc üon 3luS^ 
fprüc^cn bringt er ben ©runbfaft jur Geltung, bafe bie richtige 
boüftänbige unb toirflic^e @r!enntnig ®otteS nur burd^ 



1) einen i[nf(anfl an 5(nfclm'« X^oric, fo baj ber (äJefKÖtSpunft ber 
©trafflerec^tigfeit ®ottc8 birect auSgcfcfiloffcn ift, finbc icft nur bei Petr. 
Martyr Vermilius, loci communes IL 17, 19. (p. 295). S^beffen bc* 
fcnnt fi4 bcrfclbc 1. c II. 18, 17 (p. 800) ouc^ gu ber reformotorift^cn 
<5atidfactiondIe^re. 




bic O ff ciiDüciiiifl in (££)riftuö, nur in bcr ^Irtcrtcitiiititg feiner 
@nübc, nur tn bcr Ausübung bes banado bcmeffcncn SiccIraiienS 
geiDonncn ober geübt werbe')- ^k ftel)rfcite fticüon ift, ba^ bte 
fc^ulmägtge Srtenntnife ®otteö üu*5 bcr Sernunft ober burc^ bie 
Sc^Iiific aai ber adgcineincn ?(nii[öt Uon bcr 3Bcll, über Don 
oben Ifcnintcr quo itgenb einer a(iriort(c^en ^yornwsfegung nnbeuts 
Uc^, fragmcntarifd) unb bcßfiatb im Sicrglcic^ mit ber t^riftliäjen 
etfenntniß ®ottc§ fc^ablii^ ift. 3Cuf jenem SBege mirb eine ®r= 
fcnntnife ®otteS etftrcbt, loeldjc nnö bcr SJiajcftdt (SJottcä birect 
gtgenfiberftcUen, alfo su unfcrer 9iernici)tnng gcrcidjen ttiiirbe. ®ott 
ab« roiQ nur in ßt)riituÄ fidj fintocn Inffen. 5n bicfcm grtcnnt: 
tiiggiunbe aber roitb @ott qU' ber ^eitäroiüc, ali bie Siebe bc 
fltiffcn, natürtii^ nur Won benijeitigen bec an ß^riftttä glaubt, 
imb buri^ '\i)n, nad) feinem SKafie auf @ott Dertrant. 3)er 
fiicbeÄwiüc ift ba^ ©ein ober baä Sefcn öotte* fclbft; fo gerotß 
@ott in feiner Offenbarung bnrcf) 6t)riftuä für unä gegcnroärtig ift, 
unb bemgemdfe Don bEmjcnigen gcl)ttt)t werben Eann, mcfcficr 
biirc^ Eljriftiiö ju bem Uollcn 93ertranen auf ttjn eiTDectt mirb. 
Senn nadj bem großen fiatedjiämuS gilt eS glcid), (Mott Ijoüen, 
unb tiiiffcn wer er ift. ©oft unb ©[oubc finb untrennbare 
^ingc; ein Urtt)cU über (Sott, bai nirf)t burrf) bnä DoUEommenc 
Vertrauen auf lEjn getragen iDivb, I)at [einen Srtcnntniferocrti), 
unb ^albe örfenntniß ift nid)t ©rtenntniß, n)clrf)e bieten Siomen 
ncrbicnen roütbe. Sllfo eine unintcteffirtc ©rEennlniß beS SSefcng 
®oHee. an loeldjc fic^ erft nacfittäglid) boä Sßertranen auf iljn 
biüpfen würbe, läfet fiutljer nitf)t ju. SJcr biefen ffiJcg einfijlägt, 
alfo außert)alb ßljriftuS, nod) ber !Dtett)obc ber natürlidien jEIjcds 
tgie, ©otteS SBefen unb SRajeftÖt erfcnncn railt, würbe ©Ott nlä 



1) SBflt. öcnnann Sil)ulB, Siiitiet'ä Slnfidil dpii bcv üUclIiöbc unb 
t (SHtn^m bcr bootnatiftficn 9lii*fngcti übet Soll: in äfüf*''- f"' Sir(fi"i= 
gtW- IV. G- 77—104. — aicfcr etcfid)t8pun!l Itill aiidi in bcn lulficrifc^en 
aädentiliiiBftbriflEU bcuUitS ucnua Ijcnioi:. C. A. XX. 34: lam qui seit, ie 
per Christum habere propitium patrem, is vere novit deum. Cat. 
inaior pure ]. 1. Quid est habere deum, aut quid est deus? Deus est 
et vocatur. de cuius bonitate et pntentia oinnia bona certo tibi polli- 
cewi», et ad quem quibualibet adversis rebus atqne periculis ingruen- 
tibiu coufugia«, ut deum habere nihil aliud sit, quam illi ex toto corde 
fidcre et credere. . . . Siquidem ^aec duo, üdea et deua tma copula 
«oniaDgeDda Bunt. 



220 

bcn unbcrcd^cnbarcn, unheimlichen, befrembenben , rätf)fel^aften 
SBillcn, unb ftc^ in Unfcligfeit toerjeftt finben. (£ä gicbt eben im 
Sßer^ältnife ju (Sott feine neutrale objectibe ©rfcnntnife, toie fie 
in ber borgeblic^en natürlichen Xfjcologie üorgefpiegelt ttjirb. ©o 
^eigt e^ im grogen ^ated^i^muS : Quod si fides et fidacia recta 
et sincera est, deum rectum babebis: contra, si falsa fuerit 
et mendax fiducia, etiam deum tuum falsum et mendacem 
esse necesse est. (£^ gehört fc^on unter bad falfc^e Vertrauen, 
toenn man eine uninterejftrte, ober mctapfi^fifc^e Srfenntnife ®otte^ 
erftrebtc. 55ad ffirgcbnife berfclbcn alfo ift faljc^ unb trügerifd^. 
Sut^er f)at freiließ bicfe in bcn Satiren 1518—1520 erreid^te 
SBetrad^tung^toeife in ber ©c^rift gegen (Sra^muö de servo ar- 
bitrio üerleugnet. §ier ^at er, um fid^ ber fc^olaftifd^en SSer* 
t^eibigung ber menfc^Iid^en greif)cit ju ertt)el)ren, felbft einen 
StücffaQ in bie @c^o(afti{ begangen. @r ^at bie ^^rage nac^ ben 
93ebingungen ber Segnabigung ber Sinjelnen audbrüdlic^ unter 
bie SSorftellung bed Verborgenen ®otteö gestellt nic^t um bie 
grage baburc^ für unlösbar unb unberechtigt ju erftären, fonbem 
um fie f^ftematifc^ ju beantworten. Sluf biejem SBege aber er* 
reicht er eine Eonftruction üon Folgerungen t^cilö auS bem an* 
genommenen verborgenen, t^eilö auS bem in ß^riftuS offenbaren 
©nabentoillen ®otteS, toelc^e fid^ auf allen fünften toiberfpred^en. 
21m beutüc^ften erfc^eint biefer SBiberfprud^ in ber Stellung jum 
®efe^, toel^e ®ott eingeräumt wirb, je nac^bem er alö ber ver* 
borgene unb als ber offenbare borgefteHt wirb. 9Bo eS barauf 
anlommt, bie unmotiüirte entgegengefefete (Sntfd^eibung ®otteS 
jur Sefeligung wie jur Verwerfung berfd^iebener SDlenfc^en mit 
ber Slnna^me ber ®ered^tigfeit ®otted ju vereinigen, erftärt Sutt)er 
®ott für exlex, nämlid^, bafe er an fein @efe§ gebunben ift, bafe 
er in feiner grei^eit vom @efe|je bie oberfte 9Kd^tfc^nur für Med 
bietet, bafe nic^t tttoa^ gut ift, inbem e§ ®otteS SBillcn im SSor* 
aus beftimmt, fonbern nur fofem eS burc^ ®ottcS SBiQfür beftimmt 
ift^). SBo eS aber ßutlier auf bie Sejietiungen ber Offenbarung 
®otteS anfommt, meint er feineSWegeS, bafe ber Snl^alt beS 
ben aJienfc^en Verliehenen ®efe|eS an^ göttlicher SBillfür ftamme, 



1) SSgl. ^öftlin, iOut^r'd t^ogic U. @.48. 53, meine ®ef(^i(^tl. 
(Stubten gur c^riftlic^cn iOe^rc r^on (^ot\, 3n>eiter ^Ttifc(. Sa^rb. für beutfd^c 
3:^01. Xin. @. 88. 




unb btmgemds oiid) ber ciitgcgcngele^te Snljalt beS .'panbelnS bm 
SRenfc^eii l)nttc uorgcfc^ticlicii iccrbcn fijnnen. Siegelt ©ninbfoSi, 
oxliiex Don Sund I)cr oud) in bcr nominolii'tiif^en <S{ftute giltig 
iDor. (egt er gänälic^ bei Seife, inbent er bei bcr SBec^iEtbejiefjung 
jtoiif^cii ®efe§ imb SDongclium itai (SJefe^ ftets als bcn ewigen 
unb unroonbelljareii Sn^alt bc* SBidcii^ ©otteÄ anertennt')- S)ic 
Sttirift 2ntt)er'3 gegen EraSmuä bietet ja baS eigent^ümlic^e 
®(^aui|)ie[ einer in fid) gefVQltencn S^^eologic bar, ddii ber bte 
eine Seite fc^olaftijdi, inSbeiünbcre nominaliftiidj, bie onbere Seite 
mit bcn äJiitteln bet DffenbatungSertcnntnife auöge(üt)tt ift. 5)aiB 
aus folgt, büß baö ^robtcm, imntlii^ bic ^cil^cntfd)cibung für 
btn ©inäclnen nacf) bcr einen SettaiiitHrtgSiocife birect unb mit 
auSfdjliefeung bct5tetl)eit gclöft luirb, nad) bcr anbernÖctrac^tunge= 
rocifc inbirect ber greiljcit ausgeliefert loirb. "Zai festere Srgeb= 
irife richtet fi(^ banac^, baf; bcr offenbare ©iUe ©ottcS bntd^ bie 
SSetiö^nungStltat Gljtifti Dermittelt unb fcflgefteltt ift, meiere ba* 
3Ren1(Qenge|c^Iecf)t im (Sanjen angetit, alfo bei bem ©injclncn auf 
bcn freien, b. \). unmcfebaren Snlfdilu^ ^um ©louben rccfjnct, nienn 
fic ifjm t)eilfam fein foll. 35ieS^rifti'utt)ev'ö de servo arbitrio 
ift unb bleibt ein unslüdlirfieä 5J!oci)iucrE. 3l)rc bcftembcnben 
gicmentc Ijot Sutfter jefbft niemnlö mtebcrI)olt; inbeffen f)at er 
ioä) nur inbiiect fid) Bon iljncn lüSgcfagt, inbem er feineu ut= 
fprunglic^cn teformatotifc^en ®efic[)t«puntt roieber ergriff, bafe 
man nur in feiner Dffcnborung ®utt ertenncn fönnc unb bie 
Jragcu },ü meiben ^nbe, »clt^e unter bic uerborgene ÜRojeftät 
®otte« fielen. 

3>cmgcmüii ift er nud) niemals öerfuc^t geWefoi, bie nomi' 
nalifrifrfje 9lnf(f)auung uon 0ott als ber übergcfcöüd^en SJiHtür 
in ba* *ßtobIem bcr aSerfÖtinung iSijrifti einäumift^en. !Bic9ßrö= 
oiiffe baju crfcnnt er iu bem SJegriff bcr retributiücn ©ececfitigfeit 
@otIeS, loeldjer feit bem beginn ber (^rift[i{^en 3:t)eoIogie alS 
bcr Don felbft ucrftänbliAc SJfaMtit' bet göttti^cn SBeltregierung 
gilt. So iDie boä ben iöienfc^en ücrlictjenc ®cfeö bcr (Jtcred)tig= 
feit ©ottes entfpric^t, unb ®ott als bcr (Mecec^te auf beffen ®t= 
fßlluug huxä} bie SJienfi^cn ^ält, fo [)a§t er ouS feiner Slrt bic 
Sünbc, unb ftraft biefelbc nottirocnbig. Unb inbcm E^riftnS jum 



1) «gl. tt}.^axnad, aulfjcr-S TljrolPflic I. 



. 62a ff. 



222 

Qtotd bcr SBefrciung bcr SKenfci^cn öon bem bcrbammcnbcn Qoxnt 
®ottc^ fic^ ben ©trafen, bem 3otne, bem gtuc^e untertüorfen öat, 
fo ift ber göttlichen ©erec^tigfeit genug gefc^ef)en, unb ber ^^ob 
ift im Stecht übertounben ttjorben. ©o f)at St)riftu^ auS bem 
jomigen SRid^ter einen barmfiergigen ®ott gemad^t *). S3ei biefcr, 
im SlQgemeinen ber patriftifd^en Ueberlieferung entfpred^enben 
aber fte öerfc^ärfenben ^ormcl i)at ed aud^ STOcIand^tlion bewenben 
laffen -). hingegen ^at ßut^er au^ bem Oefic^t^punft, bafe ® ott 
nur in S^riftu^ offenbar ift, eine Steige toon äeufeerungen getrau, 
welche bie Äu^fic^t unb bie 3lntt)artfd^aft au^ eine SBeränberung 
ber Se^rc eröffnen, bie leiber ßut^er felbft ben SSorau^fefeungcn 
natürlicher 2:^eoIogie, bie er baneben befolgt, nod^ nid^t abgerungen 
]^at. SBenn nämlid^ bie rid^tige ©rfenntnife ®otteö nur burd^ 
feine Offenbarung in S^riftu^ unb in bem ©tauben alÄ SSertrauen 
gewonnen ttjirb, fo mirb baburc^ feftgefteHt, bafe @ott Siebe ift, 
bem ©ünber ttjo^l will. 3)abur^ ttjirb aber aud^ ber ©runbfaft, 
bafe ®ott ben ©ünbern im allgemeinen jürne unb i^re Seftraf ung 
erjiele, not^toenbig eingefc^ränft. S)er 3otn (Sottet gegen bie 
©ünber lann nic^t me^r bie Soorbination ju ber ®üte @otted 
behaupten, toelc^e ben SBürbigen äugewanbt märe. 9iatürlid^ ift 
berjenige, ttjeld^er ftc^ in SBiberfprud^ mit ®ott fefet, unter beffen 
3orn. ÄKein bie richtige auÄ bem Sertrauen auf (Sott mögliche 
ffirfenntnife befte^t in ber ©rfa^rung, ba§ ®ott ben ©ünber liebt, 
i^m niemals in bem ©inne gejürnt ^at, bafe er if)n f)at berbammen 
tooHen, fonbem nur in bem ©inne einer liebeüoUen SBamung unb 
3lnregung jur Sufee. 9lIfo in ber ©rfa^rung ber SSerföf)nung mit 
®ott, in bcr ©rfenntnife ®otte^ au^ bem baburc^ erttjedEten 9Ser^ 
trauen ergiebt fic^, bafe ber 9Renfc^ auc^ als ©ünber niemals ber 
Siebe (SotteS entbehrt, bafe er bielme^r als befe^rter ©ünber in 
bem fd^ein baren Qomc ©otteS bodft nur Seiüeife feiner juoor^ 
lommenben ®nabe empfangen f)at S)enn Siebe unb @nabe finb 
baS eigentliche unb natürliche SBerf @otteS ; 3ünten unb Sudeten 

1) Äöftlin II. (g. 306 ff. 402 ff. 

2) Adnot. in ev. Matth. C. R. XIV. p. 938. Enarr. symb. Nie. 
C. R. XXIII. p. 838. Declamatio. C. R. XI. p. 779: Exponatur miran- 
dum dei consilium, quod cum sit instus et borribiliter irascatur pec- 
cato, ita demum placari iastissimam iram voluerit, qnia filias est factus 
supplex pro nobis et in sese iram derivavit et pro nobis piaculum et 
victima factus est. 



223 

fbib bo& für ©Ott ftemfac St'ert, ii)o;^u er burd) bic ^artniiifigfcit 
btt ©üntw genöttjigt lütvti. ?[bcr für bic ©(ciubiiicn jcfieinl ©Ott 
nur ju jiirncn, iiibem er iijneii bcn Sdttricb jiir SÖufec fliebt •). 
3« DoUct Stnologie ju bieicr Umbeutuiifl bcä göttlt^en ^oi^^eä 
ftet)t bie SIrt, in meli^er £utl)cr mit bem begriffe bcr ©erci^ttgrrit 
(^otteä ücrfäftrt. Sieben "i^f ()eici>l)nli[t)eii rctributiuen Scbeutung, 
loelc^e fic nlö ÖJrunb »oit Scioljnung ober Don Strafe erfennen 
läfet, ücrftcljt er bie ©ercdjttgfeit ®otteÄ in richtigem Xactc für 
bell bibliicf)en Sprai^geOraudj als fqnoiiqtn miKSiiabe unb Satm^^ 
^crjifllcit«). Sm iÖergleii^ mit biefer Seutuiig »eife aurf) Sutöer, 
ha% bie retributiDc öierc^^tigfeit ein pftilofopfiitcficr Segriff ift, ber, 
inbem et für bcn ©ünber gilt, beinfelbeii fein ^uti^iuf" flfflfn 
@ott, fonbern baä @egentl)cil, bie Slbneigung unb ben ^a^ 
einfloßt. 

Sic ^eriiiiberung ber Segriffc »om 3ot^" OSotte* unb üon 
feiner ©ercdjtigteit roürbc eine crl)eblic§e ißctdiiberung in ber 
Se^re Don ber Sünbe «nb Don bcr 33erföl)nung bntc^ Gbrifu* 
naäi fi^ äie^cn, loenu Öutljer friflemntif^ mit jenen öebanfen 
öcrfo^ren roÖre. '35ie Sünbc tonrbc ni^t metjr olö bie eiiiförmige 
in fii^ fcldft glei(f)c sScftimmtEjeit alter 3Hcnfc^en gebeutet 
Werben fönnen, nicnn Sott ganj Dcrfcftieben gebaut mcrbcn mu§, 
je nat^bcm ber ©ünber i()m oljne ßl)rfnr^t nnb oljne SJertraiien 
gegenüber flehen blciltt, ober burd) bie S^crfbtiiunig jum oollen 
SJÖtraucn gegen OJott 6efä()igt wirb. Unb tocim ©otte* ÖJerec()tig= 
teil cigentli^ bie Strafe gegen biejcnigen ouäfi^liefet, bereu er fic^ 
in @4ere(^tig(eil erbarmt, ober irenn feinSor" flogen bicfctben nur 
ben ©tf|cin Don ^erbommnife mit fic^ fül)rt, |o brandtt aut^ 
S^riftu^, um bie 3Kcnfcf)en jum SBcrtraueii auf ®ott ju erlöfen, 
ni(t)t ttiirflid) feiner ©crecEttigtcit genug ju tfjun, ober bie Säer= 
bommnifi bet fflienf^en an il)rct Stelle su ertragen. Slber fo 
toeit bat Sutijer feine SBorauäfegungen nic^t entioicfelt. 33enu 
feine ^ftantafic tjat itjm nic£}t geftottet, alle ^ier einfc^fagcnben 
Sejie^ungen regcinitigig unter bie Siul)eit bcä @ottei;geban(cnä 
ju beugen, roeldicn er atS baä Govrclat befi SBertrauenei im großen 
Äalec^iemuö bcfc^rtcbcn f)at. Ilic Eortelatc bcr retributiuen 0e= 
ret^tigleit ober be* Serbammungöjorneä ®ottcä, nämlicEi @e)eg 

II) SBItlin II. @. 311—313, ■ 

3) ftüftlin II. 6. 30a I 



224 

unb 2;ob, 3;cufcl unb §öllc, afö Sclaftung ber fünbigcn 3Jltn\ci)^ 
l^cit, tücrbcn öon Sut^cr oft genug afö felbftänbige gotttotbrige 
SRäd^te bargcftcUt. 3n bicfcm 3ufammcn]^ang tritt aber folgered^t 
bic S)arftcllung bcr Sriöfung burc^ S^riftuÄ in bie Sinologie mit 
bcm pQtriftifc^cn SW^t^u^ toon bem SRed^tS^anbel mit bem 3;eufel, 
bcjicl^ungÄtoeife feiner Uebertoinbung burc^ bie Untertoerfung S^rifti 
unter jene 3Jlä6)tt. 3)emgemäfe oerftel^t fiut^er bie ©enugt^uung, 
toelc^e S^riftuÄ geleiftet, nid^t afö etttJQÄ, toa^ für @ott nötl^ig 
toöre, fonbern aU ßeiftung an jene 9)?äd|te. S)aS aber ift feine 
SSerbefferung im •SSergleid^ mit ber mittelaltrigen Sfieologie. @S 
ift aud^ nur eine unfic^ere unb unöerftänblic^e SSeränberung bcr 
juriftifd^en Haltung ber S3erfö§nung§Ie{)re, loenn Sutfier burd^^ 
fd^cinen läfet, bafe S^riftuö eigentlid^ bod^ nid^t bon ®otteS3oi^ 
getroffen, bon i^m berbammt unb berlaffen ttjorben fei, ttjeil er 
tote biele ^eilige neben ber maledictio externa bie benedictio 
interna erfahren ^abe. 55ie Uebertoinbung ber feinblid^en SKäc^te 
in ber Äuferttjedtung S^rifti enblid^ ift bei Sutl)er tt)ie bei ben 
Rird^enöätem üöllig inbifferent gegen alle Sejie^ungen beS SRec^te^, 
in totläfz ba^ ßeiben unb ber S^ob Elirifti jemals gefteHt werben, 
fo na^e jener Oebanfe an biefe ©rörterungen gerüdEt »erben mag. 

32. 35ie mitSutl^er tt)ie mit STOeland^t^on übereinftimmenbe 
JBe^auptung 3^itt9li'^r i>ö6 (S^riftud bie burc^ bie SSerbred^en 
bcr SKenfc^en berichte Ocrcd^tigleit ®otteS burd^ feine (Senug* 
t^uung l^abe berfö^nen muffen, bamit bie SSarm^erjigfeit bie (Sr^^ 
löfung boQjielie, ift in feinem (Sebanfenjufammen^ang f^ftematifd^ 
burd^ jtoei ©ä|e begrünbet, toeld^e in ber ©d^rift de Providentia 
auÄgefproc^en Serben. Diefelben ge^en ba^in, bafe @otte8 SSor^ 
fc^ung in ber burc^ feinen ©o^n ju bettjirfenben ©rlöfung ber 
ctoig erttjö^lten (Semeinbe unb in bcr fo ju begrünbenben ®emcin* 
fd^aft berfelben mit (Sott gipfelt, unb baß baö @efe^ ben ®eift 
unb bie ®e[innung ©otteS auSbrüdEt ober feinen etoigen SBiQcn 
bcäcid^net. S)eS^atb bebingen fid^ feine ®üte (gleich Siebe) unb 
feine ®ered^tigfeit gegenfeitig, toie er in ber expositio fidel (IV. 
p. 47) ausführt, unb bcgrünbcn cS, bafe jene baS (SrlöfungStocrl 
S^rifti herbeiführt, biefe baffelbe für bie SSerföfinung aller ©ünben 
annimmt. 3c^ fönnte mid^ mit bicfer SJtac^ioeifung begnügen, toenn 
nic^t Qtütt unb ©igtoart fid^ bemüht fjätten, äbmeic^ungen 
3toingIi'^ bon „bcr ^crrfd^enben Selirtocife", toie fid^ 3^0^ (®- 71) 




l'Ou8briictt, äu conftütiren. J^icfc Slbrocit^imgcn i'ollcn nod) ^tün 
botauf ^inauetDmmcn, bo6 3''''"9'' treniger bic objectioe Sier- 
jöfinung @oHe« jelöft, alö bic (ubjecttue Scglaubigung bcr SSet' 
föbnung für ti« a}lcn(c^en als bcn Srfolg öuffoffe, bcr biiicft tat 
fiebeit unb bcn Job ßl)rifti crtcidit roetbcn foUtc, — noc^ Sig= 
wart (S. 133). ia% S^^'^äl' ^'f 9?ot[)rocnbigfrit ber ©att^foclion 
nic^t in ber objectiuen Unoetlcglid)!eit Don ©otte^ ©ercc^tigteit, 
fonbctii eigentlich in bem ^roed begrünbe, bofe i>a& richtige Se= 
njiiBIl'ein bcr ^Renfc^cii uon bem ©eftaiibe bet ©erc^tigfeit @otteS 
auc^ neben feiner SrlüiungSgitttbe l)etüi)r9crufen werbe, Sie 
,^rrfd)enbe Sc[)rroeife" freilief) ift niif)tö onbercÄ a(ä bie fpäteftc 
gorm bcr lut^crift^cn ßcfirtrabition, meiere bie fatiäfoctorifc^e 
SSirhmg ßf)rifti auf @ott als bic birectc mib priraarc, l)tngegcn 
bie concilifltorifdie SBirfung Sljrifti oiif bie 2Renf(^cn al* bie im 
birectc unb feeunbärc' burd) bcn ©lauben bcbingtc borftellt. ^lUein 
bie iHcformatorcn tfaben eben btefe Sluäcinanberie^wng bcr Se^ 
jietjungen bcr iißcriö^nung nic^t DoUsogen. Sie i)abcn überl}aupt, 
mit bcr oben beäcicftneten äuenatimc ÜBelanc§ti)on'si. niemals bcn 
objectiüen ©cbanfen bcr ilcrföftitung gegen bic Dorauögc^enbc 
religtöfc ®ewiBl)cit bet 9(ecf)tfertigunfl in 6[)riftuö felbftänbig gc 
ma(^t. Xiicjenigen SlcuBcrungcn ä'iiingli'Ä alfo, in Kelchen 3eUer 
unb Sigmart eine SIbbiegung uon ber objcctitien $eftimmung ber 
3bee ber 33crföt)nun9 in bie fubjectiöe erfennen iroUen, bürgen 
nur bafür, bag 3^'"9^''^ Setire über bie burc^ Ql)nftuS DoU= 
i^ogene S3crföt)nHng ebenfo burt^ bai rcligio|c ^crougtfein Don 
beten bircctec Slbärocdiing auf un3 bctjcrrfi^t ift, niic e« bei bcn 
anberen SReformatorcn bcr 'i^ii ift. 

JJiun berufen fid) aber beibc Sarflelter ber Ittcologic 
3tDitiglt'S barauf, bafe berfctbe in einer ©tctle bcS CotnmentariuB 
de Vera ac falsa religione bie objcctiuc ÜlDtEjroenbigfcit 
bt& lobcs Gtjrifti für ©Ott bixect geleugnet t)üt, ba ©Ott 
b« SJJodit tiabe, bie befledten äKcnfdien oI)nc jene Scbingung in 
bie Slein^it iDteber^erjufteüen, alfo baä JBcifpicI feiner Straf = 
geiec^tigfcit im Xobc (£^rifti nur bic Seftimmung i)ab«, bie XrogE)eit 
bCT @[äubigen jum @uten ju übcnoinbcn '). ^cfc eine ^leu^cning 



1) m. p. 160: Inveait diviua bonitai, quo iustitiae quidem aatU- 
;, miBericordiae vero ainns abeqne juatitiae detrimecto liberaliter 
ere liceret. Non qao aibi bac ratione ab adveraario caveret, aut 



226 

foU bic cigcntUd^c 9J?cinung 3^i"9K'd flogen bie sal^Uofc 9tcif|e 
bcr entgegen gefegten 85e{)auptungcn öerrat^en, obgleid^ fie un=^ 
mittelbar umgeben ift öon beutlid^en ©rffärungen ber le^tcrn 
Art. @te foQ biegen SBert^ I)aben, loeil nad^ Srflärungen, bic 
namentitdö in einem SBriefe an 3o^. §aner in SRümberg vor- 
liegen (VII. p. 569. 570), 3w^"9li ^^^ uneigentüd^ im 3;obc 
6t)rifti ben ®runb unfcred ^iled anfd^aut, tt)ä{)renb berfelbe bod^ 
nur in ©otte* ®nabe p erfenncn fei, unb in ß^riftnö, fofent 
er, ber nac^ feiner menfc^Iid^er SRatur geftorben ift, felbft @ott ift. 
®erabe biefer SBrief aber, in tuelc^em 3^i"flfi fi^ ^uf ben 
commentarius beruft, enthalt bad unumn)unbene ^fenntnig, bajs 
bie 2;obedIeiftung bed ®ottmenfd^en im SSer^ältnife ju bcr un^ 
öerle^lid^en ®ered^tigfeit ®otte^ not^mcnbig ift. ©ttoaS Sefonbcrc^ 
fommt in bicfem SBriefe nur infofem üor, al^ eS jttjcimal l^eifet: 
Christus ipsum salntis pignus ac veluti satisfactio, unb Christi 
hnmanitas velut instrumentum ac pignus est, cuius con- 
templatione irata nobis iustitia placatur. ^iei^ bebeutet aber 
nid^t, bag 3^^^9l^ ^^^ objectit) nottiroenbige ^Relation bed ^obcS 
ßl^rifti auf bie göttUd^e ®erec^tigfeit in S^tx^tl jielit, fonbern 
ba§ il^n ebenfo h)ie in ber angeführten ©teile bed commentarius 
bie ©d^eu anttwnbelt, bie DrBnung ber göttlichen 9?atI)fd^Iäffc 
a priori ju bur^d^auen, unb bie menfc^Iic^e 93egriffi^bilbung 
ate birect mafegebenb ffir ®otteÄ 35enfen ju behaupten. Uebrigenö 
if&lt er auc^ auf biefem fünfte bie oben (©. 173) angefüt)rtc 
Siegel aufredet, bafe er bie SBegrünbung beS §eiIeÄ in ®otte^ 
SBiQen unb in S^rifti gefc^i^tlid^em SBirfen sufammenfafet. 
S)iefer ©rflärung gegenüber ift cd aud^ berfe^rt, bcr ganj ifolirt 
auftaud^nben SKeinung ß^i^fl^'^r bafe ©Ott bcr ©ati^faction 
(S^rifti jur ?tudfül)rung ber ©rlöfung nic^t beburft, unb bafe bcffen 
Sob nur ben 28ert^ eine^ üon ber Ungered^tigfeit abfc^recfenben 
©trafejempete l)abe, conftitutibe SBebeutung für ^tuingli'ö 3;f)eoIogic 
beijulegcn. S)ie Sebeutung bcÄ ©trafesempefö, auf toeld^e nac^= 



figalo non liceret e consperso lato facere vel refingere, qualemcunque 
velit testam, sed quo per hoc iustitiae exemplum oscitantiam et tor- 
porem a nobis toUeret, ac se, qualisnam esset, iustus, bonos, misericorSf 
nobis exponeret; aut ne nimium de eins consiliis loqui praesumamus, 
quia sie illi placuit. . . . Cum ergo deus iuxta sit iustus et misericors, 
tametsi ad miserationem propendeat, iustitiae tarnen eins omnino satis- 
fieri, ut iratus placetur, oportet. 




' ^ örotiuß ben SBcrtl) bes 2obeä ßljtifti bcic^ränftc, läuft 
oQetinngS in biefcr 9(eu6eranfi nebenbei ; übrigens ober ift 310111911 
mit feiner Stbfic^t Don bem iSlanbpunUe beä 'Siuni <B(otu% weit 
entfernt. aSa* alfo in bet oben Qngcfüftrteii Slcufeeriing an bcfien 
Sefioiibliuig ber ^Jerfö^nungäiibec erinnert, nrirb ebcnfo bcurtficilt 
netbcn bürfcii, roie bie Stntlongc an bic SJorftellung ton ber 
üWettloien unb übet jebeä ©efcß entriicftcn SBiltfiir öottes in ber 
$räbe)tination ber ©njclnen, TOelc^e in bcm aDamnema de Pro- 
videntia in bic gonj Derjc^icben angelegte tcteologiidic 6nt' 
wideluiig ber göttlichen SJorieljung »nb in bie tdeologijcftc Se= 
UTtijeiliuig ber ©iinbe übertiaupt unb ber Sieprobation in^befonberc 
hineinfallen '). 






w 



33. 3)er reforntatoriit^c r^Jebonte, bafe ber lob Efjrifti ben 
■rtf) fielluerttetenben ©trafleiben« l)abc, nnb fit^ auf bie Skr' 
fö^ung bei äoi^if* ©ottes tcniefte. fanb in bem gangbaren Muö^ 
btude satisfactio eine geeignete Storni bor. Da§ bie 9ieforma= 
torcn beu Stuübrud gevabe Don 9(nfctm entlct)nt f)ätten, ift eine 
unbetoicfene 33orauöfc^ung. Sbenfo locnig bebcutet ber öcbrauci) 
bf» Söegriffä meritum butcf) bie JRcformatotcn. bajj bicfelben in 
ber öorliegcnben üe^rc mit S)un* ©cotuS übereinftimmen loollcn, 
Sielmetjr bemeift ber Untftanb, baf; fie sntisfactio unb meYi- 
tnm aU Sljnon^mo betianbcfn, baß eS ihnen bei ber MuffteÜung 
Üirer eigenen Öel)rc gar nic^t barauf anfam, fic^ über baä 9ier= 
^Itnig berfelben ju ben ä^nlicfien aber a^iueicfienben ^(leorieen 
ber SÖorganger aufäutlarcn. ^icju bietet bie legte 9[u5gabe Bon 
galuin'« Institutio einen c^arotteriftift^en Selag. 3n bet iftm 
eigcntpmlidicn bogmatijc^en ^räcifion bat er nämlit^ urfprüng= 
lic^ bie Scfriebigung bet göttli(i)en ©eixi^tigfeit burc§ ben Straf- 
Wertl) befi Xobcä G^rifti nur in bem ©egriffe bet ©enugtfjuung 
au^geijräflt (Lib. iL cap. 16)*). Gr befolgt in ber Sorftellung 
biefcr i;e()re unnmwunbcn beu ©runbfag, baft baö ©efe^ ber SIuS^ 
irntt bcä reefcntlidien 9jJi[Ienä ©ottcä fei. 'Sic^ Stexfatjrcn ift 



1) Sgl. 3nfiv6. für bcuti*c Sfioil. Xül. (1868) S. 96. 

2) SSttut (aerföbnungSledrc S. 334) leugnet jroor, ia^ Gotuin bic 
(oliSfoclorifAe Srbcutung bc« lobcä Gfirifti ouS ber 3bcf bet flülllit^cn &!'. 
n^tigMl nblcilc; iiibt(fen oergl. Lib. II. cap. 16, 2. S. Slu* bic bei 
»nur lolgmie C^atQtlci:i(iit bet Itjeologie Eoltm'« ifi berfetili. 



228 

aiid^ gani tnbtfferent gegen ben SSerlauf fetner Se^re t)on ber 
^räbeftination, in tueld^er ®otted ißonbebt mit ben einzelnen 
HRenfd^ nadf £ut^er'd äSeife Don febem ®efe$e unab^ngig ge« 
fieUt nnrb (Lib. IIL eap. 21—24), obgleich fic^ Sabin babei be^ 
mäiftf um ben ©ebonfen l^erumpfommen, bog ®ott exlex fei 0- 
ZHe üotQu^gel^enbe 9iotl^iDenbig!eit einer ©enugtl^uung an @otte^ 
®erecl^tig!eit n)irb oud^ nid^t t)ertürjt burd^ bie SrHärung (IL 12, 1), 
bag bie äRenfd^erbung Si^rifti nid^t einfad^ unb unbebingt, fonbem 
in ©emäg^eit bed actiüen ^eitöbefd^Iuffed ®otted not^toenbig 
UKir. SBefiimmte äußere Slnläffe aber ben)ogen Salüin, in ber 
Sndgabe t)on 1559 ju ber Seigre t)on (S^rifti ©atidfaction ein 
befonbered Sapitel (17) ^iniujufägen über bad X^emaf Beete et 
proprie diel, Christum nobis promeritum esse gratiam et 
salutem. 9tämlid| fd^on im Saläre 1545 tt)ar Samillud 9tenatu^ 
in ber ©emeinbe ^u (S^iaüenna, unb 1555 Saeliud ©ocinud in 
einer brieflid^en Stnfrage an (Sabin mit ber bem fcotiftifc^en @e» 
banfenfreife angel^Srigen (Sonfequenj aufgetreten, ba|3, n^enn ®otted 
SBiQe üoUfommen unbebingt nrirft, bie 93egnabtgung nur t)on 
®ott, nid^t aber Don S^rifti ©erbicnft abjuleiten fei •). 3)iefe 
Stoliener, tt)eld^e aud bem ©leic^gekoic^t ber fird^Iic^en Ueber^ 
lieferung l^eraudgetreten tt)aren, famen überhaupt ^u i^rer fd^ul^ 
mäßigen ftritif ber d^riftlid^en Seigre t)on ber fcotiftifd^en @d^ul^ 
trabition aud*), unb bedl^alb fennen fie aud^ nur bad SSerbienft 
ald bie t^orm be^ ^eildmäl^igen SBirtend 3efu, richten alfo aud^ 
il^re 3BiberIegung gerabe auf biefe S^ffung ber SJerföl^nungöibee. 
Snbem fid^ nun Satoin bewogen fanb, gegen fie ben ®c^ 
, bonfen be^ JBerbienfteö ©l^rifti aufrecht jju erl^alten, fo formulirt 
er bie 99{einung ber ©egner bal^in, ba|3 bie 93e^auptung bed 
SerbienfteÄ S^rifti bie ®nabe ®otteö in ©d^atten ftelle, ba§ beÄ* 
l^alb S^riftui^ atö 9)>Kttel (instrnmentum) unb Wiener ber @nabe, 
nid^t ald il^r Url^eber onjufe^en fei. Satotn geftel^t nun ju, ba% 
ber SBegriff beÄ SSerWenfteö in bemjenigen ©inne unftatt^aft fei, 
iDenn man S^riftud einfach unb an fic^ bem göttlid^en Urteil 
gegcnüberfteHen »ollte. Slbcr in ber ©eja^ung öon S^rifti aSer*= 
bienft »erbe gar nid^t ein ^nci|) (eine gegen ®ott felbftänbig 



1) «ßl. Sa^rb. für beutfc^c 2:ftcoI. Xni. (1868) 6. 106 f. 

2) Xrcc^fcl, «ntitrinitaricr II. 6. 97. 167. 

3) SßQl Sa^rb. für beutfc^e X^eol. Xm. (1868) @. 271. 



totTfenbe Sraft) angenommen, fonbcnt baffetbe toerbe betStiiotbiiung 
®Dttc* aii ber etftcn Uriot^c untcrgeorbnct. 3n biefem logi^cijen 
Sßet^QitniB malte fein SJibcriprui^ ob, unb fo (et nitt)tä bagcgcn, 
iü. btfyui^iten, baß bei ber unbcbingten SBiitiing ber öarmttetjtg' 
Ifit ®otteä äur JRee^tfertigung bei Sßenfc^cn büä SScrbienft tSfjcifli 
baswift^en Itete. ®cm Slniprud) menjcf)ii(^cr aüerfe ttetc bann 
tribeä in icincc Crbnung entgegen, bie freie ©nahe @otteä unb 
ber fäetforiam ß()ri)ti. ^Jenn „nur auä ©ottc« ^Belieben (bene- 
placitom) tonnte ß^rifluÄ etroa# uerbienen", weil al}o „tjon ber 
@nabc ©otteö allein baä SSerbienft Eljrifti abfängt, fo roirb eä 
ni(^t minber gefc^idt nie jene ben menf^lic^en ^Infprüt^en auf 
eigene ©eftc^tigfcit entgcgcngefegt". 3lu* bem Ireitem SBcrlaufe 
i»fS SaviteES ergiebt (id), bnS Gotütn boffelbe .^anbcln unb Seiben 
S^rifti, weifte* uorf)er alÄ fatiäfactorifd) gebeutet roar, al« nteti= 
toriid) barfteHt ; er liüt babei offenbat nic^t bie Slbfic^t unb nii^t 
We aÄeinung, itmai uon ber DDtt)etgel)enben Seftre formal 3lb= 
IDcii^enbeä Dorjutiagen. Unb bied geltenb ju machen, ift in erfter 
Sinie meine ^Ibftctjt. giir Gütuin fetbft t)at biefe boppelte ®ar= 
fttUung bcä SBert^eS (S^rifti ald @enngtl)uung unb als SJcrbienft 
feine anbere öebeutung, als Wenn bie 9[nberen biefe 9tu8brücfe 
tili @qnonqma neben einanbci ftcUen. ^üi bcn @cfd|i^tf{f)reiber 
jtboc^ ift eä beutli(^, bafe bie beiben ®ebantenreit)en ßalüiu'iä fit^ 
nidlt betfcn. 3c correcter im ©iunc bc* SunÄ Scotus ber 
Slußiprud) ßaluin'5 ift: Christus nonnisi es dei beneplacito 
qnidquam mereri potuit, um \o beutlicljer ift, baß biefem Sü^c 
eilt nnberer SBcgtiff Don ®ott untergelegt ift, alä ber ©atiS: 
foction$le(]re. Unb mcnn ex sola gratia dependet merltum 
Chmti, fo ift bamit für ben Sunbigen jugleic^ inbireet bel}au))tet, 
boB (fl auf bie 6iered)tigfeit ®otte«, meiere ben SattSfacttonä= 
begriff bcljerrfi^t, feine äejic^ung l)at. 3n SJirflic^feit Ijat alfo 
Saloin mit ber SHeditfertigung beS fflcgriffö bcä SSerbienfte* Ctjrifti 
«ine Slbbiegnng in ben ©cotiömuä boUäogen, weldjem feine ÜJenfart, 
nie bie ber anberen Steformatoren, in bem ootliegenben fünfte 
lonft butc^aus ftemb ift. Iienn bie Scfjre üon ber ©atisfaction 
^Ä^rifti ni^t auf ber gorberung bcä GinflangcS jioifi^n @otteä 
i^äifllf" ""fe ©erecfttigfcit, unb fegt bie göttliche Söorfeliung 
»orau«, ben SBiUen, loelc^er bie 9(otHr unb bie @efc^id|te biä ju ber 
befonbfcn gürforge für bie ÖSemeinbc ber Gmiöliltcn tjinauf äH)ecI= 
üoU glicbcrt unb orbnct. Stuf biefem ©cbicte ber Srtcnutnife 




230 

lägt alfo Satotn !einen Staunt fär ein SBerfa^ren bed beneplacitum, 
ber ^rtüQtmtQfür unb ber SBiUigfett ®otted; unb bag er bte 
^äbeftinationdle^re aui^ bem fcotiftifc^en 93egriffe ber abfoluten 
SJoUrnad^t ®otted über bte (Sreaturen ableitet lägt jened @ebiet 
ber göttlid^en aSorfe^ung böUig unberührt >). ^ad Sapitel über 
bad meritum Christi in ber Institatio t)on 1559 l^t aud^ nid^t 
bie S3ebeutung, bem @ottedbegriff ber ^äbeftination^Ie^re ba$ 
Uebergetoic^t über bie fiel^re üon ber Sorfe^ung ju üerfc^ffen; 
benn ed ift feine SSerbinbiingdUnie jn^ifd^en jenen beiben ©ebanfen 
gebogen. Sene^ Sapitel alfo ift in ber Sel^rtpeife &iluin'd nur 
eine iufäUige Einlage, iDeld^ für i^n felbft feine pofitiüe c^arafteri^ 
ftifd^e 93ebeutung l^at ^ . 

34. 3nbem Butler ben 93egriff ber göttlichen Siebe, 3^i^9^i 
unb (Safoin ben Segriff ber ®üte @otte^ unb bad @))ftem feiner 
bid jur (Srlöfungdgemeinbe auffteigenben SSorfe^ung ber ^Ber^^ 
fS^nungSle^re ju @runbe legten, inbem fie jugleid^ ba$ Ser« 
föl^nungdtt)erf (S^rifti an ber ©ered^tigfeit ©otte^ ntagen, tueld^e 
i^ren Sludbrucf in bem etoigen ©ittengefe^ finbet ^aben bie 
S^eformatoren einen (Sefic^tdfreid eröffnet, u^eld^er über bie orbnungS^ 
lofe unb iufäUige SBiUfür l^inaudreic^t, U^eld^e al^ Snl^alt be^ 
(Sottedbegriffd, in einer bei Z^omad unb ^und freiließ abgeftuften 
SBeife, bie mittelaltrige SJarfteÜung ber SJerfö^nungöIe^re be* 
^errfd^te. @8 ift ein ©otteö toürbigerer Segriff, i^n alö bie fitt* 
lid^e iTOad^t ju benfen, n^elc^e mit einem geglieberten ©Qfteme t)on 
Qtotdtn unb mit einer i^m n^efentlid^en Orbnung öffentlichen 
Med^teÄ bie l^öd&ften menfc^Ii^en 3ntereffen befriebigt, ald tt>enn 
man i^n al^ l^öc^ftftel^enbe^ ©ubject bed $rit)atrec^t$ unb ber 
^üatfittlic^feit (öilligfeit) benft, unb bie burc^ bie ^riftti^e 
^rabition bargebotene 99{et^obe ber Serf öl^nung nur ald bie nac^ 
®ottei^ Urteil itoedfmägigfte behauptet, o^ne bag bicfe %[nnal^me 
burc^ bie Sergleic^ung anberer möglid^er Serfa^rungdn^eifen bc^^ 
»ä^rt würbe. 3)iefer tt)coIogif(^e ^ortfriftritt ber Reformatoren 
bejeugt juglcid^ eine reügiöö^fittti^e ©rl^ebung über bie Sinie ber 
im SRittelalter »irfcnben Äraft beS S^riftent^um«, bcren 3Bert^ 
unb t$ottn)irfung fi^ auc^ unabpngig t)on berjenigen bialefti^ 
fd^en StuÄfü^rung feftftellcn lägt, wcld^e bie SBcrfö^nungöIel^re 



1) «gl. Sa^rb. für bcutf^c I§coI. Xffl. (1868) 8. 108. 




öurtfi bieSiefotmatorcn unb i()rc nd[l)fteii t[)CDiügiid)eii 3Md)fi)(flcr 
gefunben Ijat. 3" ^c" ©ruiibonjdjfluuiigcn, an} mel^e idf bicjcö 
Url^eil angODCiibct roiffcit loill, getiört mm aiidi bie SJcrniciibitng 
bcÄ l:t)un« Gl)riiti neben ober über (cittem Üciben jur 
Scgriinbung btr an ifjrt getnüpficii *Scrföt)uu«3 Aloiic^en l^ott 
imb beii iiinbtgcn aKenfdjcn. Senn irgcnb etroas geeignet ift, 
ben Sdjcin bcr Uelicreinftimmuiig bei- aieformatoicn mit Slni'elni 
ju mibeilcgen, fo ift cÄ bie[ec 'ißmift. Slnjclm bcgriiiibet bie iSer= 
iÖ^nung auf ba^ Xobcöleiben, bnö er atö opas superei-ogatoriam 
bem pflit^tniüBigen ftttlic^en §aiibeln £t)riiti ciitgegenfe^t (3. 41). 
Ttex ©ebtauc^ beS sBcgriffö SJerbienft t)attc id)on ItjomaÄ unb 
^uiiÄ boj^u befähigt, bie uerfo^neitbe Scbeutung bcö Ücibenö 
Gfjrifti in bcr ganjen T>Quer feirrcß Scbcns, etnfc^licfslit^ |eine-3 
lobeö ju finben ('S. 70. 75). 3ericr \o bcbcutfame Gliaraftersug 
ber rcjormatotiicöen 2el)rc, ber ki ?tn)'clm fct)U. i(t jcbod) bei 
^bölatb ju finbcn (©. 50). Sinen 9(iif(ans barin bietet mäf 
SJoIjaim SßJeffel bar '). 

^ie Art, roie Untrer in einer Spiftelpuebigt bcr Sirenen' 
poftiUe (2SaI(^ XII. <S. 312—317) bcn üctiucn öc[)oi:fdin (it)riftt 
gegen baS @e{e^ Dcnt)ertt)ct, cntfpric^t nod) nid)l bcr na^^er üblid] 
gasotbcnen Sel)rroeife, ioc(d)e actincn nnb paffiucii <^eC|orfam 
l£t|iifti coorbinirt, unb iDctdje jenem loic biejem einen SteUiH:r= 
ftctnnfläroertE) für bie 5Dicnid[)en jnm S'^cdi ber 3iecf|tfertigiing 
beilegt Sut£)cr ectennt öiclmctjr bcn ©etiotiam li^rifti gegen büä 
l^jep a(ä baö STCIgemcinc, unter lüctc^cm bie itellucttretenbe (£r= 
iraguiig bei ^Iud]eä beet @efe@e^ als baä Bcfonbcre umfaßt ift. 
Snbcm alfo ba* ßciben beä Sc^utblofen bireet baju bient, bie 
Oloubigen bem Sludic be« ©efcgeä jn cntjiet)cn, fo ift bie pofitioc 
l£rfiiUung bcsi @cie^e^ namentlich and) be§[)alb conditio sine qnn 
non für jene £eiftung, roeil in jener an fic^ für Gtjriftuä 3!Ser= 
jit^tleiitiingen, alfo ijeiben bcgriinbct finb. 55ie Srtragnng beö 
öefcgcSflnt^cj I)at tljten Serif) nur in bem allgemeinen ®et)orfam 
gegen bae @cie^, unb bie tf)atige Srfüüung bcä (Sicjc^eö (cflliefet 
für ß^riflnä, bcr an fid) bcr ^tcrr über oUc ©cfe^e ift, fc^on ba* 
iJeibcn in fii^, baö fid) im Jobc nur Doüenbet. ß[)riftuä gilt für 
Cutl)er alfl ^ert über baä ©efeg nidjt fi^on cinfad) wegen feiner 



1) Sr unterfAtibci s&tieracere unb Bstispati in tiei 2ci(tung S^riftt. 
Sb'- Ullmann, Hlffonnaiorcn uor bcr Mcfovmntitm II. S. 497 anm. 



232 

göttlichen 92atur; benn in btefem @eban{enjufammenl^ang tft bie 
^oraudfe^ung fem, bols bie göttliche 3latax an fic^ bem 9Ra{|e 
bed ®efe^d entjogen fei. ipier fd^Iagt nantUc^ eine 992obification 
be« SBegriffö tjom ®efe^e ein, tt>eld^e für fiut^'ö äuffaffung be« 
d^riftlid^en Sebend c^arafteriftifd^, aber and) ber ®runb mijllic^ 
^nfteleien getoorben ifi @r üerfte^t namlic^ l^ier unter bem 
©efe^e nic^t bad @ittengefe^, 'mld)t^ ber concreten fittli^n %m^ 
\)tit correlat ift, fonbem bie mit ^rol^ung unb fBerl^eij^ung be^ 
gleitete Orbnung bed Bebend, toelc^e auf bie eigennü^ige @rfuQung 
red^net unb aber toelc^e man in ber erfüllten, gefinnungdmägigen 
^reil^eit l^inaud fommt. %Ifo ®efe^ bebeutet für fintier bad 
@ittengefe^ in ber ^ovm bed dted^tSgefe^ed. Ueber folc^ed ®efe^ 
ift nun Ö^^riftuS l^inaud, ift il^m nid^t üerpflid^tet, tt^eil er mit 
feiner uneigennü^tgen ©efinnung ftetd beffen Spielraum über^ 
f d^reitet ; biefe ©efinnung aber l^at er als ber 3Renf d^, ber jugleid^ 
in göttlid^er 9latur ift 92un fd^eint freiließ bie Folgerung ge^ 
boten ju fein, ba§ S^riftuö ate SCräger rein fittengefefeüd^er ®e* 
finnung überl^aupt nid^t in bie ^^orm bed 9led^t$gefe^ed eingel^en 
fonnte, ba{| fein fittengefe^Iid^er @el^orfam gegen bad mit Sro^ung 
unb Sßerl^eigung audgeftattete ®efe^ ein SBiberfpruc^ in fid^ fei, 
bag tuenn er n)inig jened auf ben (Sigennu^ bed SrfüQerd 
red^nenbe @efe$ erfüQte, er ed nur fd^ ein bar audfü^rte. ^iefe 
^Folgerungen verbirgt fid^ Sut^er burd^ bie parabojren Sntitl^efen: 
„(Sr l^t ed n)illig getl^an, nid^td fid^ felbft barin gefürd^tet ober 
gefud^t. %[ber nad^ ben äugerlid^en SBerfen ift er allen Snberen 
gleid^ gett)efen, bie ed untt^illig unb gefangen traten, barum ift 
feine tjrei^eit unb SBiUigfeit verborgen getoefen tjor ben ßeuten (?), 
gleid^n^ie jener ©efängnig unb Unn)illigfeit auc^ verborgen nKtr. 
Unb alfo gel^t er ba^ unter bem ©efege unb jugleid^ nid^t 
unter bem @efe^e. ffir tt)ut gleich benen, bie barunter finb, 
unb ift bod^ nid^t alfo barunter; mit bem SBillen ift er 
frei unb ber^alben nic^t barunter, mit ben 3Ber!en, bie 
er toiHig tl^ut, ift er barunter, aber »ir {aU ©ünber) finb mit 
SSSillen unb SSerfen barunter, benn n>ir ge^en geju^ungenen SBiUenS 
in ben SBerfen be« ®efefee8^ S)iefe Raffung be« ?ßroblem§ ^ängt 
nun aber bamit jufammen, unter n)eld^em prahifc^en ©efic^td^ 
punfte Sutl^er ben ©el^orfam Sl^rifti gegen ba^ (SRec^t^O^cfe^ 
öertoert^t. @8 fommt it)m feineötoegeö, toie feinen SRad^folgem, 
barauf an, ba§ eine in ber ©ered^tigfeit @otted begrünbete Se* 





Wngiing unjerer i)iecf)tfcrtigung burcfi ben octiuen ®efe^e«= 
ye^oifam ßt)riftt erfüllt loerbe, fonbetn batauf, baß ba« SHotbilb 
für itai Sieben ber ©ercdjtfertigteii feftgeftellt toerbc, fofem bie= 
itlbta im Oeifte (Jl)riftt frciroifiig baä Sittcngcfe^ crfüncit iinb 
babur^ öon ber redjtägefe^Iii^cn an((^auung beffetben, roelöie auf 
Stgennu^ rechnet, befreit luetbcn. <äofeni man im ©iinbenftanbe 
ün bic [e()tere gorm gcburibcn xoav, foH bie Unabttongigfeit be8 
©nabenftanbeS Don bcrfclben bobutc^ gefi^erl roerben. baß bie 
frtiroinige Unterwerfung ßf)riftt unter ben Stoan^ beä ©efe^eS 
twnfelben ungtitig gemad)t \}abe für iie, roel^e ju ß^riftiiS gehören. 
'Diefe Scjiel)ung bc* actiten ©e^orfamS Sljrifti ft^Iägt atfo 
nit^t in bic l©erfÖt)nung5lcf)re ein. gür bie 58erfÖ^nungälet|re 
ober fommt golgenbeö in SBclradjt. So iijie ßutfier ba3 ®efeg 
beftimml, bcm ficfi Gt)riftuS fretroiUig untergeorbnet f)at, unb fo 
wie er eä ejempEificirt an ber llntecorbnung G^riftt unter feine 
Weitem itnb an feiner SSef^ncibung. ijebt er an if)m neben bcm 
rec^Ilit^en S^önflc ^^^ 5KerfmaIe ber Söef c^rünlt^eit be* 
Sebendgebieteü fferüor, auf bie e§ bc,\ogen ift, unb lucl^cm G^riftuä 
nad) feiner ifim bcmuBten SJeftimmung überlegen njor. Sein 
®efe5edgel)Driüm erfcftcint aljo in berfelben aSeifc, wie feine ®r= 
tragung beS ©efe^c^fliittjcö, al« Grtragung uon Se&cnSl)cmmnngen, 
al* Öciben, unb bcäfjalb fteKt öutf)er beibe Don itim angeführte 
Eciftinigen in joldjc Eontinuität, baß er nur ba^ burifi baS ganjc 
l'eben ^inburc^gel)enbe Ceiben titjrifti unb nic^t bancben fein It)un 
ali ©ebingung ber 9ied)tfertigung in Stnic^lng bringt. 9Scnn eS 
nun fo fcficincn lönnte, atd ob bieö fic^ nirf|t erl)eblict| üon ber 
miltclolttigeit Scutung beä 5ßerbienftcö Sljrifti unterfcfiiebe , fo 
rafirbe bot^ ber Slbftanb untcrt[f)ä|)t Werben, welker burc^ bie 
.?>crbei,v(^Hng be3 ©egriffä Dom ©cfe^ jur SReffung ber fleiftuu' 
gen (E^rifti bejcicftnct ift, ?tber cbenfo Har ift, baß Sut^cr mit 
feinen paraboiren 9luffteUun9en über bcn ©efiorfam ßftrifti gegen 
boÄ @efe^, mit bcren ©iiin er felbft noi^ nitfit auf baS JReine 
gelommcn ift, einen 3"!("i'niEnt)fliig sloifdicn ^Jtjnn unb S?eiben 
G^rifti oielmetir poftnlirt aii nadjrocift. SÖenn ßutt)Gr fonft ') bcn 
r*kt)orfam E^rifti, feine SrfüHung beö ©efe^e*, aI8 be« ^iÜena 
©otte«, für unfere Segnabigung Oemierthet, fo gefrfiieljt cä in 
l ©inne, bafe fein ^'tiun unb Seiben buvd) bic Sie&e motiüirt 



gl. £5ftüii n. e. 40J. 405. 



234 

toax, »cld^c atö bic StUeö umfaffcnbc fieiftung im ®cfc^e tjor^ 
geschrieben ifi ®ient nun biefed baju, ba§ unferc ©eltung öor 
@ott nxä)t mel^r an bem @efe^ gemeffen iDerben foQ, fofem toit 
an (S^riftud glauben, fo gilt in biefem 3ufammenl^Qng nic^t jener 
DerÜinftette begriff bed ©efe^d aud ber (Spiftelprebigt, üielmel^r 
ift bamit bie Sudftd^t auf bie fieI|rbatfteQung eröffnet, totlä^ bie 
Soncorbienformel über biefen ^untt barbietet. 3" ^^^^^ ^^^'^ 
Prägung finb jebod^ nod^ anbere Smpulfe tt^irffam getoefen. 

SBie n^enig n&mlid^ in ber erften tl^eologifc^en (Spod^e ber 
beutfc^en 9teformation ein ©etoid^t auf bie fatidfactorifc^e SBebeu« 
tung beS actit)en ®eI|orfam^ S^rifti gelegt n^urbe, erfennt man 
baran, bag iKelancl^t^on in feinen öffentlichen ©d^riften ben ber 
Slec^tfertigung bienenben ©e^orfam S^rifti immer nur auf bad 

Strafleiben bejiefjt*). Sluc^ ä^i^fl^i ^^^ ""^ i" ^^^ ©cf)rift 
,,üon göttUd^er unb menfc^tid^er ®ered^tig!eit'' (I. p. 433) beibed 
beftimmt unterfc^ieben, bag ^ott feinen ®o^n für und gegeben 
^at a(d 93oQ6ringer feinei^ SBiQend, ber feinem ^ebot ^at mögen 
nad^fommen für und unb aQe unfere @ünben bejal^Ien, unb ift 
bad gen^iffe ^fanb, burd^ bad tt^ir ju ®ott fommen. hingegen 
fommt Satoin'd S)arfteIIung, iDeld^e burd^ alle Studgaben ber 
Institutio ^inburd^gel^t (3. Ed. Lib. II. 16, 5), auf benfelben 3u^ 
fammen^ang jn^ifd^en actiüem unb paffit^em ©e^orfam jurüdC» 
loetd^er fic^ auö fiut^'d ©piftelprebigt für bie SJerfö^nungdle^re 
ergiebt. ®er Srtoerb ber ©erec^tigleit für und ftügt fid^ auf ben 
ganjen SJerlauf feined ®el^orfamd; ber ®runb ber Skrgebung, 
toddit und t)om @efegedflud^ befreit, erftredtt fic^ auf bad ganje 
2cbm S^rifti; feitbem er bie ^ec^tdgeftalt angenommen t)at ^at 
er begonnen, ben ?ßreid für unferc Befreiung ju entrichten, ^r 
Xob bilbet ju biefer Striae üon Seiftungen nur ben Kbfd^lug. 
®enn ba bad Opfer im lobe an bie greitoilligfeit feiner S5ar* 
bringung gebunben ift, ba fein Sßertl^ in bem SRotio ber Siebe 
tourjelt, fo verbürgt nur ber allgemeine actitje ©e^orfam bie 8e* 
beutung unb Sßirfung bed Xobedlcibend. Stnbererfcitd f)tbt Saloin 
an bem ©el^orfam bed gefammten fiebend auc^ nur bie gäHe ber 
Untertt)erfung unter fold^ed Iieröor, roa^ (S^rifti eigentlicher Sebend* 



1) 3cbo(^ in äwci Slcttcn ber «ßoftittc (C. R. XXIV. p. 216. 242) 
fommt avid^ bie ^cnoert^ng ber obedientia activa neben ber satisf actio 
gum Sn'ed ber iustificatio Dor. 





, Beftimmung luibcriprndi, luotin er al)o rctatiu gelitten fjat, itiie bic 
gügiing unter bafi ©cfc? (@a[. 4, 4) unb unter bie iEaufe bes 
Solianncd (3Wüttft. 3, 15). Üalvin uiitcrfct)cibct (tcfi hierin Don 
fiuttjet nur fo, baß er ben actioen ©ettoriom G^rifti nidjt im 
SlUgeracinen auf bau IScfe? besiegt, (onbem auf eine unbeftimmterc 
Soft'unfl beä göttlidicn SSillenS, unb bag er bes[)alb bie Don 
^uIuS uiiögeiagte Uetterna()mc ber ©cteljeäpftic^t nfö eine be- 
fonbere $robe bei ©e^orfani* anführt, öemcrtenärocrtt) tft enbUi^, 
bOB suerft öffcnttidic ©ti^rifteii auö bem iReiocmationSgcbicte 
(Jalbinö, bet $ietbelberger Äatec()i*mii8 (qn. 36. 37) unb bte Con- 
fessio Helvetica posterior cap. 11 ben actioen ®cf)oriam Efjrifti 
neben ober üor bem paffiocn als ©runb ber SRedjtfertigung an= 
erfennen. "Sie 2)ieinuug ift babei bte, bau Öeibc« in einanber 
angcit^aut locrben (oü, ber aetine (SJe^orfam unb bie «oüEommene 
^eiligfeit beS Sebcnä aU ber aügeineinc n3ert[)gebenbe (Urunb bei 

^JBeibtnä, baS abgcftufte ßeibeii als bie buvt^gefjcnbe (ärfdjeiiiung 
IfcÄ ii^ulbloicn Scbensi*). 

35. Siabcn alfo bie ^icformatoren jiuar fe^t ticitimmtc 
@Tunbbegnffe unb 91nbeutungen über ben SJevtl) ber pctfönÜcf)en 
Seiftungen Sörifti jum 3™föfe ber SJcriö!)nunfläIci)rc aufgcftcUt, 
fo ^ben fie fid) boc^ bie roi)ientc^aft[ic^e Sufgabe bcrielben loeber 
bcutlid) DergegentBürtigt. nod) bicjclbe im 3iil'"ii"icnl)fl!ig mit ber 
Sd)Tt Don bet SRccl]tfcrtignng gctöft. 9lu(^ llaluin, obgleich er 
im Sinne ber ©ejammtrcformation bad relatio SSoUenbctitc auf 
biefem 5tlbe geleiftct Ijat, unb in biefer §infic^t namentlich SDie^ 
[iui(^tt;Dn'fi £eiftungen nieit überbietet, ^at bic ©lieber ber Sette 
ni(l(t fcft gefe^Ioflen, roeldjc baä rcügißfe Setenntniß ber SficfoiTna* 
ttpren bilbcn unb iljr ültcreinftimnicnbeS t^eologiitfteS Streben bc= 
fieirf^en. Sin Joldjcr iBctiui^ geft^tüffcner fijftcmattfdjcc 23ar= 
fteUunfl ber Setircn oon Ef)ri[ti ©enugtffuung unb unserer 9ied)t= 
ftrtiflung ift nun uonSlnbrca^ Cfianbcr unternommen luorbcn, 
jeboc^ in einer foldien d!id)tutig unb mit folc^en 3)litteln unb 
Qocau^fe^ungen, roeldje 'feine 3"if<i'"n'^»9'!l)öi^igfEit "lit l^c" ^ic 
fonnotoreii ol« fe^r bebingt crtenncn laffen, unb roel^c bic ciit= 
^Uigc 3'>"i*Dcifung feiner fleljrc burd) 9)ic[anc^tlion, Salutn 



1) Sgl. SAntdcnburflcr, 3ut [ird)I. G^tiftoloaic S. 65. — ür- 
1 liott», Explictttio catechewa ad qu. 16. (Opp. 1. p. 92. 93.) 



236 

unb bte @nefioIutl^eraner DoUftanbtg ted^tfertigen. Wim loa^renb 
ed feine (Segner bei ber Suritdhoeifung feiner X^orie betoenben 
liejsen, oI|ne bog (Einer Don il^nen fid^ baju anregen lieg, bte 
f^ftematifd^ Aufgabe in ber 9Kcl^tung nnb mit ben Sorandfe^un^ 
gen ber 9tef ormatoren ju Ufen, l^ben getoiffe (Elemente ber £e^re 
Dfianber'Ä, in benen er fid^ an Sut^ arifdÖHefet, gerabe in ber 
gaffung, bie er juerft aufgefteQt ^at, auf bie fie^rtoeifc ber 
lut^fd^en S^^ologie bebeutenb eingen)ir{t Obgleid^ alfo feine 
^eorie xgx ©onjen ald etmad ber äd^ten 9teformation t^mbed 
angefel^n tt^erben mug, fo l^at Ofianber in einjelnen ISejiel^ungen 
feinen 93eitrag jur (Sntn^idelung ber lut^fd^en Ortl^obojrie ent« 
rid^tet »). 

Oftanber, tDtld)tt feit 1522 im @inne ber Steformation 
Sut^er'Ä in Sifimberg toirlte, ^at üon jefier ben SBegriff tjon ber 
iustificatio ali reeller (^ed^tmad^ung bed @unberd ))ertreten, 
»egen beffen er fo l^eftig angegriffen tourbe, afö er ifjn 1551, 
n^ä^renb feinet SBirfend in Aönigdberg in $reugen, audfül^rti^ 
enttoidEelte •). Aber fo »ic er mit fiutl)er in ben ©runbfä^cn 
übereinftimmte, ba§ bie SSkrIe nic^t ©rünbe, fonbem golgen ber 
Sted^tfertigung finb, bag aQe religidfe SBal^rl^eit nur aud ber 
©d^rift, nid^t au^ ber Xrabition ju fc^öpfen ift, bag bie SSirf^ 
famleit bed äugem äBorted @otte^ ber bed innem üoraudge^t, 
fo n)ar er aud^ ber Ueberjeugung, nur Sutl^er ju folgen, inbem 
er bie iustificatio atö bie reeQe SSirfung (SI)rifti in bem @iau^ 
bigen auffal^te. StHerbingd l^atte Sut^ il|m tt^ie SBrenj ju biefer 
iTOeinung %nla|3 gegeben (®. 194), aber ed tt^ar nid^t Sut^er'd 
Dor^rrfd^enbe unb enbgiltige Stnfid^t, tt^el^e Ofianber afö bie 
eigentli^ Senbenj beS {Reformators ju feiner SJert^eibigung in 
Änfprud^ na^m»). S)er ©ebanfengang ber ©d^rift Dfianber'ö*) 

1) 34 le^robucire im gfolgenbcn ben tvcfcntltc^en 3^1^^^ m et not 
W>fi. über „bie SRetJ^tfertigungdle^re bcd ^nbread Ortanber" auS ben gal^rb. 
für beutfc^e 2:^1. U. (1867) 6. 796-829. 

2) »gl. ©eberle, Ofianber'« fic^re in-i^rcr frü^ftcn ©cftalt. Stub. 
u. Ädt. 1844. 6. 886 ff. ©ilfcn, «.Opönl>«r*« Scben, fie^re unb Sc^rif^ 
ten, 1. «bt^. 1844. @. 6 f. 9^6 Her, «. Cftanber. 1870. 

8) Sgl. Oftanber*« Exoerpta quaedam dilucide et penpicue diclo- 
rum de iustificatione fidei in conunentario super epistolam Pauli ad 
Oalatas reverendi patris domini Martini Lutheri. 1661 (roieber^olt unb 
t)erme^rt in ber Confessio de iustificatione). 

4) De unico mediatore Jesu Christo et iustificatione fidei oon- 




"^ 



ift folgcnbec. Xa tüir SIUc aÜ Äinbcr bcfi 30"^^^ gc&otcn 
Werben, fo bebürScn mit ju unieret ©cfigfcit, baß @ott un« wieber 
gnäbig roctbe, unS au* bcm lobe ber ©ünbe Uticber lebcnbig unb 
gertt^t moc^e. 3" bicjem ^i^ftfe nun tonnen roit als ©wnber 
nic^t^ kitiagcn, bcöl)oIb f)at ®ott ben SWtttiet 3efu* ßfjriftu« 
oufgeftellt. 3n bem Segriffc bcä äRiltIcrä abtx liegt, baf; er mit 
betben X^ilen gejonbert üerhanbclc. ScSfinlb fjot er erftenS ®ott 
Dcrfö^iit, inbem er ioWDi)! in feinem Xobe bie ©trafen bctSünbc 
getragen, alä aud) ba6 ©efeß an ber Stelle ber Sßenft^en crfüUt 
fiat. §icburc^ ftot er bei Sott erteilet, baß bericlbe ben SRenfc^cn 
bie Sünbe Dergcben, unb btc UnboUEommentteit il)re& ftttlic^en 
SBanbel«, roeiin fic glöutiig geioorben, nic^t anrechnen loitl. 
^Weiten* rocnbet fi(fi ber SHittlet an bie 9Menfc^eii mit ber 3Jer= 
tünbigung ber (Siinbenoergebmig unb mit ber @cre^tmacf|ung. 
tBtibeä ift ber 3nf)att beä SoangcliiimS, ineli^eä an ben ©iinbern 
ttirfiam tüirb unter beu Sebingungen ber but(^ baS ©efeg ge^ 
iDtcften Öu6e unb beä ©Inubenä. ÜDad ©liangelium ift baS äufeerc 
SBort ©otte«, roclc^e« jueri'i bie burcfi t£()rifti Reiben unb (äefe$= 
crföDung beiQott au^geioirtte ©ünbenoergebung, femer aber bem 
©laubigen boä innere SBort barbietet, roelcEieÄ StiriftuÄ ift, unb 
ndäfti ben ©laubigen gerecht ma<ftt. ©ad äufeere hörbare S8t>rt 
ift ba« Söefiird beÄ innern aSorteä. itieli^eS bie Äraft ^at, burcE) 
ben SBcrftanb unb iai ©cbäc^tnife in bud ^j ju bringen. ®ais 
innere SBort. bcr3nf)alt beä Suangeliumä, ift nämlicf) ni(f)t blos 
ber emige ©nobenrotlift^luB übet bie ©iinber, fonbern ift baffelbe 
{Bort, iDcIcfie^ bei @Dtt, unb loeCc^eS felbft @ott ift, mläjtü ai& 
Seiä^it ©otte* bie gunclion ber eroigen SctbfterfenntniB ®ottc8, 
unb weirfie* qIö 3efuö tSftriftuö Wenfc^ geroorbcn ift. 3Beun alfo 
bo* äufeertid) geprcbigtc Eoangelium fid) alä bie .ffraft ©otte«. 
(ttoeift, fo pflanjt e« in bae §etj bei* SWenjcften baS innere SBort, 
«Kleves Gtiriftu* felbft nad) feinet göttlichen 9Iatur ift, ioeId)cä 
im ©laubigen roirElidie ®cred)tigfeit Dor @ott bcgrünbct, unb mit 
roelc^em aui^ ber 33nter unb ber ^ilige ®eift unjertreunlid) «cr= 
bunben finb. So roie Ofianbei biefeü ^itl bet tDüttlerjc^aft 
if^rifti in ben einjelnen ©laubigen auffaßt, entfprtc^t ei feiner 



fMsio. Regiomonle Fnusine, 24. Oct. 1551. ißgl. bie DoranücganQcni; 
DiipDtatio de ioatificatioDe hab, IX. Knl. Not. 1550, bcrcn ^nuplfiiei; 
bei «ii'telcr fl. (S. III. 2, S. 27S f. auegcjogcn fint>. 



238 

^orftcHung üon bcm uiiprünglic^cn STOcnfc^cn t)or bcm fjall *). 
3Rit »cjic^ung auf 2 Äor. 4, 4. Äol. 1, 15 crfiärt Ofianbcr baö 
Sbenbilb ©otted, in iDelc^em Stbam gefd^affen n^urbe, für bie etvtge 
Sbee bed ©ottmenfd^en, tueld^c bad SD'httel ber Sl^opl^anteen an 
bic ^atriard^cn »or, unb in ber ?ßcrfon Scfu G^rifti i^rc SScr* 
wirflid^unfl gefunbcn l^at. 3)cr ©efd^Iug ®ottc§, bcn 5Kcnfcl^n 
in feinem ©benbilbe ju fd^affen, bebeutet nun, bafe ber |)erf8nli(^c 
^erfe^r unb ber Sin^ug ®otted, tt^eld^en er burd^ feine S^riftud 
ä^nli^en ^eop^anieen foUjog, mit ju ber normalen ^ftens 
Sbamü^ gel^ören. %ud biefem S^erle^re mit bem @ol^ne ©otted 
fd^öpfte S(bam beffcn ®eift unb toaxb mit @otter!enntnig unb 
SSertrauen erfüllt. S)ie ©rfenntnife ®ottcÄ aber ift baÄ etoige 
fieben (3o^. 17, 3); etoigcä Seben ift ba« SBort, ber ©ol^n 
®ottc8 (3o^. 14, 6); atfo too^nte bad SBort, ber ©o^n ®ottcö, 
unb folglich aud^ ber Sater unb ber l^eilige ®eift in 9bam burd^ 
bie ©nabe. SBie S^riftuS t)on Sßatur &ott unb SRenfd^ ift, fo 
ift Stbam Don 9tatur ^^enfd^, burc^ ®nabe aber ber göttlid^en 
Statur t^Il^aftig. ®ie Oftanber biefen urfprfinglic^en Seftanb 
bed menfd^üd^en äSefeni^ baraud ableitet, bag ber ©nabenftonb 
ber crlöften SRenfd^n fo ^ol^e $räbicatc l^at, bafe aber burd^ bie 
SDWttlerf d^aft ß^rifti bie ©cftimmung nur l^ergefteÖt »urbe, loelc^e 
burd^ bie ©finbe ben SDtenfd^en oerloren gegangen toai, fo ent^ 
fprid^t feine %[udlegung ber burd^ (S^riftuS ben ©laubigen t)er^ 
lie^enen ©ered^tigfeit naturgemäß biefer Äuffaffung bc8 jur ur^ 
fprünglid^en menfd^Iid^en JBeftimmung gel^ftrenben ©nabenftanbed. 
3n biefem ©ebanfengangc ^cbt Dfianber felbft jtoei Ab- 
n^ic^ungen Don ber gangbaren Knfid^t ber lut^erifd^en Zl^eologen 
I)ert)or. ©rftenÄ unterfd^eibet er beftimmt jtoifc^en ben ^Begriffen 
redemtio unb instificatio, unb xoiSl nur jene alS 993irfung ber 
gefd^id^tlid^en fieiftungen ßl^rifti gelten laffen, toäl^renb in ber 
rcligiöfen SSergegentoärtigung ®^rifti für ben ©lauben, toeld^e in 
ber @pod^e ber 9teformation bie 9teflej^on auf bad ^ema be^ 
^errfd^te, beibe Sludbräde aU glei^geltenb bel^anbelt tt)erben. Sn- 
bem nun Dfianber auf feinem ©tanbpunfte f^ftematifd^er Drbnung 
ber ^Begriffe bie SBirfung ©^rifti auf ©Ott Don ber auf bie SRen- 



1) ^iefelbc ift bargclcgt in O'd. e^rift: An filias dei faerit incar- 
nandusy si peccatom non introivisset in mundam, item de imagine dei 
quid Bit. Montereg. Pr. 18. Dec. 1650. 




^ 



i(^cn i^orf iinterfcl]cibct, meint er, boft jene, ti'ctt^c üor iiicfir als 
1500 Sauren eingetreten fei, ID0()1 ali? iinfeie (£rlö)ung, nic^t abci 
fliÄ unjcre SRediticrtigiing bcjeirfjnct irerben bürfc. S^enn gur 
Siet^tfertigung gehöre imier ßHautic; um ju glauben, muffe man 
«pftirai. SSir ijabm ober bflniol« nidit gelebt, nlfo tonnten wir 
aud) itidjt bntdi Gtjrifti bopvelte ©efeSjerfülIang gere^tfertigt 
»erben, hingegen finbet er eis tienfbar, biiß man crlöft nnb be= 
freit roetbe, efte man geboren fei, toie in bem SaUc, ba^ nnjcr 
@tammoater auäi bcr ©ftaucrei befreit roärc. 3'''citcn* befdirönft 
et bemgemÜB bcn Segtiff ba instificatio auf bic täglitfi fiel) 
toieber^olenbc Sinwtrfung bei 9J?ittlerS auf bic cinjetnen QUäu- 
6iß<n alä foldje, nnb fe^t ilfren fflegriff glcic^ regeneratio, renu- 
Tatio, vivificatio. Sabei gefte^t er fteitid), btife instifieare in 
ber Scfjrift mitimtei; fo uiel bcbente ali iniustuni aut reum 
instnm pronunciare, sive ille iustus sit, aive non. Slbcr im 
flUgemeinen reill er aud) ben ©Jjradjgebrand) beä ^JJantn* gebeutet 
loiffen, al$ aliquem, qui aon iußtns sed impius est, re ipsa et 
in veritate iustum eflicere. l£r fct|(ie§t fidj bcr fatboüfi^en^lnft^t 
(oJoo^l iu biefer Scfiuttiou an, als auc^ in ber öcsietjmig bev 
institicatio auf ben 3™fff' '''•ft f'i^ instum ad iuste agendum 
movet, et sine quo nee iustus esse nee iuste agere potest. 
hingegen wcrläBt er bie tat^oUfi^c 3tnfid)t, fojern btcfellic bie 
eigenen ^er(e bcä 392enf(^en für bie iustifieatio in ?[nfd)lag 
bringt. (£r lutll e>J nur al§ eine 3netapt)er angeiet)en roiffcn, ivenn 
mitunter bie Serte unb ^nii^te bcr ©erec^tigfeit felbft @erei^tig= 
feit genannt roerben. S)ie ©cre^tigfeit, raci^c burd) ©Ott im 
SKenft^cn ju begrünben ift, fei lein cmpirifi^eö Xi)un unb Seiben, 
fonbem ein 3"ftfn^< bcr über ben SBedifel beffelben er[)n6en ift. 
unb burd) ba« ^f)un beö ßSutcn nit^t Ucrmcbrt »erben fann. 
gegenüber bem üicrten Gopitcl bcä SJömcrbricfc ober bcfteftt er 
borouf, boft bct ©laube, bcr alä ®ercd)figfcif angerechnet luirb, 
fo gemeint fei, mie et dominum lesum Christum, verum deum 
et bominem totum et iudivisum apprehendit et in sese in- 
eladit, ut ita dominus I. Cbr. ipse iustitia nostra sit. 3hir 
unter biefer SBcbingung foll bon ©ott ber läftcrti^e Srrtf}um 
femgeljaiten loaben, bcn bic [utl)crifct|e Sctjre in ber Seljauptung 
begebe, baß ©Ott un^ toegcu bcö ©lanbcnä, ald wegen einer 
toett^oollcn Seifhing fiir 9ered)t ertinre, obgleich roir e3 nidjt 
finb, unb obgleich unS ©Ott burdjauS md)t gctedjt mai^t, fortberu 



240 

und in bem ®tanbe lägt, mt juDor. 9tut unter Soroudfe^ung 
fetner Deutung finbe ©Ott }u feinem Urtl^eil über ben ©laubigen 
tt)irflici^en ®runb üor. 

36. Unter ben ©egncm Dfianber'dO erfennt SSictorin 
©trigel ganj rid^tig, ba% bieUnterf (Reibung jloif ^en iustifi- 
catio unb redenitio baüon abhänge, bag iaBtifieatio unb re- 
generatio ibentificirt mürben. äBenn bied (entere rid^tig fei, fo 
I|a6e Ofianber freiließ 9ted^t, bag tt^ir nid^t üor bon SBegimte 
unfereÄ ßebcnS juftificirt fein fönnten. Stber tuenn bie dUd^U 
fertigung nic^t an ben S^ob (S^rifti ju fnfipfen tt)äre, fo auc^ nid^t 
bie Sriöfung. ^enn ber Sinjelne, um ben ed fic^ bei biefen 
^agen immer ^onbelt tonne nid^t erlöft toerbcn, e^e er gefangen 
fei; bie ©efongenfd^aft unter ber @ünbe ober beginne fftr ben 
Sinjelnen aud^ erft mit feiner Smpföngnig unb ©eburt 3)ie 
Sbentität t)on (Sriöfung unb Sted^tfcrtigung qregetifci^ ju beloeifen, 
{onnte Ofianber'd (Skgnem nid^t fc^n^er faQen. ^laciud ^d>t 
aber femer l^erüor, bag fie f^non^me S3egrtffe feien; Vergebung 
ber ®änben fei nid^t aQein Slbldfd^ung ber @(^ulb, bag bu toiber 
bad ®efe^ get^on l^aft, fonbem auc^ Qnxtäinvini ber SrfuUung 
bed ©efe^ed. ^ied ift ganj rid^tig, n>enn man fid^ im religiäfen 
@tnne ber 9ieformatoren bie SBirfungen (S^rifti auf ba$ gläubige 
©ubiect oergegenioärtigt. Snbem aber Ofianber bie ^^rage nac^ 
ber f^ftematifc^en Orbnung jener Vorgänge aufniarf, loeld^er fic^ 
Sutl^er unb iKeland^tl^on entzogen Ratten, fo {am eS für bie 
Sut^eraner barauf an, ob fie gegen Dftanber bie 3wfcimmen^ 
ge^örig&it ober Sbentität jener ^Begriffe auc^ in ber Unterfd^cibung 
bed gefd^ic^tlid^en äBirfend S^rifti t)on ber jen)eUigen ^U^al^rung 
ber ©laubigen aufredet erhalten fonnten. ©iebt ed nod^ ein 
anbered ©d^ema, ald bad oon Ofianber angen^enbete, bag @^^riftud 
burc^ feine gefc^id^tlic^en fieiftungen auf ©ott getoirft, il^n gnäbig 
gegen bie @ünber geftimmt ^abe, unb bag er gegemoärtig bie 



1) Censurae ber furftlic!^ fä(!^ft)(6cn 2:^Iogcit )u SBeimar unb ftoburg 
auf bad Scfcnntnig ^nbrcad Dftanbcr'd Don 9ic(!^tfcrtigunQ bed Glaubend. 
(Srfurt 1652 (ent^U brci @(^riften oon a^cniud, (Strigel unb 64nef)f 
üetfaftt, öon i^ncn unbSTnbcrcn j.©. Slmöborf unb 3 o na« untcrf einrieben). 
iDlatt^. grlactuS, Verlegung bcd 8efenntnif[cd Oftanbri t)on ber ffttä^U 
fertigung ber armen 6ünber bnxd) bie »efentlic^e (3kre(^tigleit ber ^^ 
SDlaicftAt ©ottcS aQein. Stagbeburg 1552. 




Ihftification bcr ©läubiflcn roirfc, mag bicktbe alä actus Ibrensts 
ober olö actus causativns oorgeilcUt Werben? ©trige! bietet ein 
anbcrcä Schema bar, inbcm ci crllärt, beiß bnrd) (5l)ri(tt ^ob tinb 
■Jtuierwccfung „bcm ganäcn nien|d)Ii[ften ®ef(^Iet^t ewige 
erlöiung unb 9iecf}tfcrttgung geftiftet, unb in 6f)rittu§ ber Der* 
fieifecne gt^og bet Seit inägemeiii encotben" fei, bafe ober 
jcbcnt einiclnen ©laubigen bieö SÖetf)äItniS jugcred^nct werbe, 
feitbcm er cfiftirt. So roie burt^ bie ©ünbc ?Ibnm8 ber 31ii(^ 
unb 3""' ÖJöttcö über bnä ganjc nienit()lid)e ®cicf)Iecf|t ergangen 
ift. aber bic einielnen ^ieqonen erft trifft, ireiin fie bo fiiib, fo ift 
Dor 1500 3ct&ren burt^ ßfjriituä „baS mcn[(^lic^e ©efdjle^t 
citöfet, gcljeiligt unb gcrcd)tferligt roovben, getjet aber bann 
crft mit fonberlid)en *lJerfoneu an. rocnn fie an El)riftuä glauben 
unb auf feinen 9iamcn getauft roecbcn". 35ie(e ?luShinft Ijält 
löirtlit^ bie SbentitiÜt uon Grlöfung unb Sieditfcrtigung anfret^t, 
unb fdjeint geeignet ^u fein, jlrifdien bcn abnjeidjcnben ^formsln 
9Kcland)tl)on'S (S. 197) ju permitteln. in bcncn cinmol bef)auptct 
toirb, ber ®lau6enbt fei fc^on gerechtfertigt, boö anbcre Wai, bie 
Mcc^tferrigung folge bem ^cte bcä ©laubenö. Strigcl begninbet 
^ieburc^ bie Slauben^gemiBfjeit beS Sinjetnen auf bie ^eränbecung 
befl 9?erlialtenä ©ottcs jum mcnfcf|Ii(^en ©cfc^kc^t, iDcIdie Sf)riftufii 
Öerbeigefiilirt I)üI, unb fülirf fie .^uriicE auf eine im ^'orauS burdi 
ti^riftiiä ticrbcigcfüftrtc Crbnung be§ ©auäen. ^icferiuic^tige Um= 
ftanb bleibt unerfüllt, inbcm Cfianber bic mittlcnfd)cn ©eft^Öftc 
S^rifti :,citlid) au3 ciiianbcr nrifet uiib facfilid] ciminber entgegen= 
fc^t. Cbcr inbcm berfelbe bcnnoc^ bie Scroirfung ber propitiatio 
dei burd) ßl)ri[tuä unb bie redemtio bomlnum bur^ ii)n o(S 
gleicf|bcbeutenb beljanbelt, t)ot er gegen feine Slbfid)! gemafe bem 
rcformatDrifdien Sprad)gcfiraiid) eine SSercinbcrung nic^t bloS ber 
Stimmung ©otte», fonbern fcincS 93cr()altenä gegen bic 3Kcnfd)en 
fomuiiirt, unb Demiag nidjts ber Scmerfung Strigel'ä entgegen= 
äitfe^en, boft locnn ß[)riftuä baä mcnirf)li(f)e ©efc^lec^t erlöft ^t, 
rr jugleic^ 0ott boju bcftimmt l)at, eö ali nid)t mef)r fünbig, 
ionbcm nlö gercdjt anäufeticn, bamit bcmgemofe jcbcr Ginjclne ju 
feiner 3cit megcn feine* ©laubcnö bie Grlöfung ober 3iecftt' 
fcrtigung burcft göttliches Urtijcil in fic^ erfahre. 

^'\£ iSeutung ber 3uftification als reeller SScriinbcrung beft 
äünbcrä mar bcc Örunb ber tinljaltbaren Untcrfdieibung Cfianber'S 
inn{(f)en SrlÖfung unb diedjtfertiguug. Scnc 33c[)auptung aber 

16 



242 

foQ unterftü^t tperben bitrc^ eine I)QnbgtetfItc^e SDä^beutung ber 
Iut{)erijc^en 9){einung. ^te @egnet Ofianber'd !onnten nantltd) 
mit üoQem Steckte ben i^nen gemachten SSortuurf ablel^nen, al$ 
b&d^ten fie bei ber 9{ec^tfertigung an ein fold^ed Urteil @otted 
über ben @unber, tuel^ed benfelben innerlich untierönbert liege. 
Uebereinftimmenb erflären SKeland^t^on % ©c^nepf, glariud, bafe 
mit ber Oered^terflärang eineö ©laubigen ftct^ bie SBirfung beö 
l^eiligen ^ifted jur Srleu^tung, jur Smeuening bed Seben^, 
ium neuen ©e^orfam uerbunben fei. 96er biefe bloge Se^auptung 
Dom 3i>föninienjein jtoeier Attribute beö ©laubigen, toeld^c ganj 
öerfd^iebenartige 3^^^^i^^wngen l^aben (©. 190), mu§te fc^on 
ald ein \ditoa6)n $un!t ber ref ormatorif^en fie^rbilbung bejeid^net 
werben. ®ie tl^eologifd^e 9KangeII)aftig!eit biefer äbbitionöformcl 
tritt nun um fo beutlid^er l^rDor, inbem ^^laciui^, @trigel uitb 
@d^nepf bie Ueberorbnung beS ©ebanfend ber Siec^tfertigung 
über ben ber SBiebergeburt im allgemeinen nur baburd^ ju be- 
grünben Derfu^en, bag jn)ar ein anal^tifd^eS Sie^tfertigungd- 
urteil, tt)ieDfianber cö ©ott beilegt, bem menf^U^en SÄafee ber 
©erec^tig!eit entfpre^e, bag jebod^ bie ftjnt^etifd^e ßui^d^nung 
ber ©erec^tigfeit an ben ©ünber gerabe in i^rem SSiberfpruti^ 
gegen bie menjc^Hc^en SÄafeftäbe ©otteö toürbig fei. S)iefe SScr- 
jtd^tleiftung auf bie Siationalität ber eigenen Anfielet ift minbeftend 
fe^r üoreilig, fie ift aber jugleic^ ein Äennjeid^en üon ber f&t^ 
quemlic^feit, in »elc^er fic^ biefe ©pigonen ber Sieformation Dor 
bem Grnfte ber t^eologifd^en Aufgaben jurücljogen. So ge* 
nügte i^nen, gegen bie Sbentificirung Don 9ie^tfertigung unb 
SBiebergeburt bie Snftanj beö religiöfcn SeDJugtfeind anjurufcn, 
burc§ toeld^eö bie Sieformation auf bie Unterf^eibung beiber ®e= 
griffe fic^ ^ingett)iefen fa^. Sie bereifen bemgemäfe ben forenfifd^en 
©inn ber Rechtfertigung auö bem SBebürfniffe ber geängftctcn 
©etoiffen nad^ einem jenfeitö beS fubjectiDen Sebenö feftftel^enbcn 
©runbe ber ©ere^tigfeit, unb ertoibern ben angriff Dfianber'^ 
mit bem SSottourf, bafe er burc^ feine fiel^re bem 9Kenfc^en falfd^e 
®id^erl)eit einfföfee, unb bafe er tt)ol^I nie bie ©rfal^rungen gemati^t 
l^abe, toeld^e Sutljer auf bie Rechtfertigung burd^ S^rifti 33erbienft 
l^ingctt)iefcn Ijätten. hierin finb njieber 9KeIand^tl)on, bie fürftlid^ 
fäc^fif^en X^eologen unb ^aciuS DoQfommen einoerftanben. 

1) 9(ntn)ort auf bad S3u(^ $crm 9(. Cftanbcr'd Don bei* Slc^tfcrtigung 
bcS TOcnfcdcn. «Bittenberg 1552. C. R. VII. p. 892—902. 



243 

Sie itlifliöfc 5ltcric^icbeiil]eii be* Stciiibvuiilte« C\im-- 

ftter'i iinb beö ber IHeformQtoreii luivb allerftingfi bei bicfer 

■ 'Shffcteiis bcutlirfi erfcimbar. Cbgleicf) nämlic^ Dficinbcr feiner 

Sbfict)t gemäß lütebecf)Olt fic^ boliiii auöfprid)!, bcil bet ©liiiiöige 

bae ©entufitjetn (einer (Seltiiiig Dur öott, bei ber UnUoUfciiitnicn^ 

fieit iciiicr i'eiitungcn, auf bcri ^Vrtt) bed ®cf)orfainä €t)rifH bc' 

grünbct'), fo ertlärt er bot^ an einet Stelle feiner Gonfeffion, 

Soft t^ott ben ©laubigen wegen feinet [»nbitueUen ©crec^tigfeit, 

rocgcn be« Utjriftuä in itjm für gcreiftt onfie!)t, unb ia^ für ®ott 

bie Simbe im (Slänbigen nur fotiel gilt, roic ein unreiner Iropfen 

im reinftcn iDiccit'). ?luä einer fpätern Wen^crung borf man 

frrilid} fcf)lie§cn, bajj iftm bie ?Ibn)eicI)ung ;fmif^n bciben ö}c= 

bonfen nii^t tlar gcroorben ift, ba et fie in einanber überpiefecn 

I.J46**)' ^^Qtiädjtid) übet folgt iiicftt blo-ä auä feinen S5oranö= 

■ftdraigen mit SiotljlDcnbigfeit. bafj bcr ©laubige baö Söeionfetfein 



1) Confetflio C. 4: Fosteaquam. ihes&urus redemtionti — in ex- 
itno Terbo nobis ofiertur, apprehendimuB euni fide ad iuetifioationem 
nostrl, acienUa, quod eundeni in verbo interoo, qiiod in corde noBtro 
niBDet, certo babeamuB, ac de eo iu omnibua certamiaibus conacientiae 
contra omues portas iiiferoruin uonfidere, gaudere ipsoque uti posBiotua. 
P. 2: Ciun [leccatum Bit reraisauni, et tarnen adhuc in nobia baoreat, 
debet ipae (leaus) obedientiam suam, qua legem implevit, nobia donarc, 
BC pro iiobii ponere, ne nobia imputetur, quod legem nondum possumuB 
■dimplere, aed adhuc quotidie peccarnua et oficndimus. S. 3: Quamris 
legem eliam poat reaurrectionem non pure et pcrfecte impleamos, ta- 
■nen buiiumodi dcfeetus, infirmitas et deliitum nobia non imputatar 
•ed condonatur, et impletio Christi pro nobia subatituitur. 

S) (J. 3; Christua implet noa iuatitia Bus, — ita ut deua ipse et 
umtm aDgeli, cum Chriatus noster et in nobia sit, meram iuatitiam in 
nobi« videant. — Et quamvis peccatum adhuc in came nostra babitet 
et tenaciter adhaereat, tanicn perinde eat, nicut Btilla immunda respectu 
totiiu ptiriBBimi mariB. Et propler iuBtitiam Christi, quae iu nobia 
«•t, den» illud non vult observare. 

S) 3" Oiiontcr'S „Sibcrtcgung bcv unBfgrünbctcn uiibiniftii(fini 
ftlllDm ViHiW ^JltlaiK^l^Dn'S" (SanigSbcrg 16G2, 21. ftpril) ^tftt ei: 
,2u mult biife in bicfcm i}cbcn nii^t auf bciiicn Otc^rfani, iiuA auf bctiie 
Wdnigtcit DCikncn, fonbcim av\ bcu ©c^orfam unb bic SRctnigfcit meines 
Sobttti, bc[ bai ^cfep DoSEummni füi: bii) erfüllt ^t; bcnn feine Qlct(4)iS= 
hit toirb bir tPon mir itidit jufieieifiiiet, banim bafi fie biefc oDti jene grofie 
ober geringe Seife in bir rairtt, fonbcni allein bontm, bofi fie biird) ben 
Slanben in Mi ift'. 



244 

feiner UnDoQfommenlieit b nxd) bte Sieflqrton auf feine l^abitueOe 
©ered^tigfeit äbeminben n)itb, fonbem sugleic^ folgt oud fetner 
^£)eutung beS gefd^i^tUc^en SSerfe^ S^rifti ntd^t, ba§ ber ©laubige 
ft^ burc^ beffen ®el^orfam gered^tferttgt achten tarnt 
^Denn ba beffen Sßtrfung, bte redemtio, ntc^t gleid^ iustificatio 
Derftanben luerben foQ, fo geunnnt ber ©laubige burc^ feine 
9f{ef[e£ion auf ben SBert^ beS ©e^orfamd S^rifti nur bie ®enri§« 
^eit, ba^ ©Ott tl^n nic^t me^r aU un geredet ftetrod^tet 
S3tQ er aber Dor @ott atö pofttit) geredet gelten, fo tann ber 
©laubige nad^ Ofianber'd ©runbfä^en biefe Srgönjung feined 
^eUdben)ugtfein^ nur auf bieil^m etntool^nenbe ©erec^ttgfeit 
S^rifti jurüdEfü^ren, auf loeld^e fid^ ja auc^ bai glei^Iautenbe 
Urt^l ©otted ftü^en foQ. 

SBie Ofianber'S SD^eorie auf eine anbere religiöfe ©clbft* 
beurtl^ilitng rennet, atö bie ber 9tef ormatoren, f o befolgt er aud^ 
ganj entgegengefe^te etl^ifd^e unb ntetap^t)fifd^e Sm 
fc^auungen in ber Seurt^etlung beS SSer^ältniffed jioifd^ 
&ott unb ben äRenf c^en, ald fte. Obgleid^ bie ©egner nid^t blod 
ben SSoüourf }urädEgeioiefen l^atten, oli fc^Iöffen fie mit i^rer 
2)eutung ber Sied^tfertigung bie ^na^me einer reellen SBeränberung 
bed ©finberö auÄ, inbem fte öietnte^r Dfianber'ii jum S9emugtfetn 
brachten, bafe aud^ fie in S^lgc ber ©ered^terflärung eine reale 
SBerbinbung (S^rifti unb bcö l^ciligen ©eiftcS mit bcm ©laubigen 
behaupteten, fo ^ält berfclbe boc^ feinen SBiberfprud^ gegen bie 
öorgcftcllte Art biefer Einigung aufredet. 3n feiner ,,3Biberlegung 
ber Stntttjort üKeland^t^on'S" rügt er eö, bafe biefer, toenn er auc^ 
bie Sinn)o^nung (S^rifti in und julaffe, biefelbe boc^ nur efTective 
oerfte^c, tt)ic etwa bie Sonne auf ben SldEer tt)irfe, nid^t aber oon 
einer »irflid^en Sintool^nung bed gangen 6f)riftuS in feinen un* 
jertrennlid^cn Staturen. SJicfc gorberung, inbem fie mit ber 
Deutung beS Urftonbed bed SRcufd^en (©. 238) übereinftimmt, 
öergcgentt)ärtigt Dfianbcr'ö ©ebanfcn üon ber et^ifc^en JBeftim* 
mung beS äRenfc^en. 2)emgemäg behauptet er in ber confessio 
auc^, bafe baS ©efc^ öom 9Kenf^en biejenige ©ered^tigfeit forbere, 
tt)el^e baö ewige SBefen ©otte« felbft ift. 3nbcm nun SReniuö 
biefe gefteigerte Slnforberung an bie STOenfc^en jurüdfroeift, unter* 
lägt er e«, bie für i^n felbft geltenbe SBebeutung beS ©efefte« ju 
formuliren. ©iefclbe fommt aber offenbar barauf ^inau^, baft 
bie bem ©cfe^e gemäße ©erec^tigfcit, wcld^e äbam t)erloren l^at 



245 

unb tDcId^c butd^ bic SBicbergcburt l^crgcfteHt totrb, nid^t bic Art 
beö §a6itud f)at aufecr in bcr %ovm bcd SBiÖcndactc^. ailctit 
bicfer üKeinung fe^t Dfianbcr ba§ S)ilemma entgegen: Omnis 
ioBtitia, proprio de institia loqnendo, ant est divina institia 
et essentia dei, aut est hnmana institia et qualitas creata, 
nnlla autem modo actio ant passio. 9Renfci^Ii(^e ©ered^Jttgfett, 
be^uptet er, ttjerbe burd^ JBele^mng, SvLäft, (Sefe^e, ©trafen 
^erüargemfcn, btejenige (Sered^tigfeit aber, »elc^e bad göttltd^ 
®efe^ jn)ar forbert, jeboc^ nic^t l^erüorbringcn fann, fei St)riftud 
felbft nac^ feiner göttlid^en Statur, alfo ®ott felbft, ba^ ett)ige 
göttlid^e SBefen, unb Slid^t^ anbered, njeil njir und fonft einer 
gefti^affenen ©ered^tigfeit rü^ men ttjürben. S)ie ©intpo^nung (S^rifti, 
mit ttjeld^cm aud^ ber Jßater unb ber ®eift öerbunben finb, be* 
grfinbe t)ie(mel)r ben @e^orfant unb baS 9{ed^tt^un ber ©laubigen 
mit berfelben Siaturnotl^rtenbigfeit nac^ ttjelc^er ©^rifti (Sel^orfam 
felbft burd^ feine göttliche SRatur tierüorgebrac^t ift. Dfianber'd 
I^eorie njurjelt alfo fd^lieglid^ in einer 3inbenj, bie religiöfe 
§eitegett)ife^eit unb bie entfpred^enbe 2luf gäbe bed fittlic^en ^anbelni^ 
ald etn^ad Uebernatürlid^ed unb ©öttlid^ed ben SBebingungen bed 
menfd^Iic^en SBiüenS ju entjie^cn; tt)äi)renb bie refonnatorifi^e 
X^ologie o^ne t^rage DorauSfej^t bag aQe religiöfe Umbilbung 
bed G^arafterö, atte SBiebergeburt burd^ ®otted ®eift in ber S^rm 
bed menfc^lid^en SBittenö öor fid^ ge^t. Ofianber meint, mit bem 
^Begriffe ber ©ubftanj eine intimere SSerbinbung jttjifc^en SRenfd^ 
unb ©Ott auöbrüden ju fönnen, alö burc^ ben Saufalbegriff, 
beffen Äntt)enbung auf bad SSerpItni^ bed göttlid^en ©eifted ju 
bem ttjiebergeborenen SKenfd^en il^m ju fa^I erfd^eint. SBäre man 
auf biefen $un!t ber Sontroöerfe näf)er eingegangen, fo tbürbe 
auc^ SKelanc^t^on fd^tt)erlid^ eine SSertf)eibigung friner Anficht 
gefüf)rt l^aben, meldte jenen ©d^ein jerftreute. Slber tpenn man 
fid^ nid^t imponiren lägt burd^ ben m^ftifc^en S^pud, njeld^er an 
Dfianber'ö 9lnfi^t I)aftet, fo tt)irb man nic^t öerfennen, bafe bie 
caufale 3tuffaffung bed ^roblemd baffelbe jttjar nid^t erfc^öpfen, 
aber aud^ nid^t üerberben tt)irb. hingegen ttjer babei ben Segriff 
ber actio überl^aupt ald unftatt^aft betrad^tet, unb ben 93egriff 
ber @ered^tig!eit nur enttpeber als divina essentia ober ald 
qualitas creata bel}anbelt, leitet bei ber S)eutung ber Suftification 
in bemfelben Tla^t jur SSermifd^ung beö göttlid^en mit bem menfd^« 
lid^en 3Sefcn an, ah er bie Sigent^ümli^feit öerneint, welche ber 



246 

menf^li^e SBiQe unter ben geschaffenen Ihröften be^uptet, nioburc^ 
er fä^ig ift, bte Sinn)irfung bed göttlic^n @eifted auf fid^ ju 
erfahren. 

^enno^ fc^eut fic^ Dfianber, bie t^olgcrungen DoQ ju ent^ 
n)i(feln, loeld^ bie fubftantteUe ober bingltd^e t$<^ffung ber Suftift^' 
cation erlauben ober aufnöt^igen möchte. S^ax fprtc^t er aud: 
In nova regeneratione attrahimus essentialem institiam Christi, 
qnae est deus ipse, qnemadmodam in prima nativitate pecca- 
tricem natnram Adami contraximns. SUein bag bad gottmenfcl^' 
lid^e SSefen S^rifti bem äBtebergeborenen jur anbem 92atur ge^ 
n)orben ift foQ bod^ nid^t bie ©elbftbeurt^eilung ba^in leiten, 
eine SSergottung bed gläubigen anjune^men. Obgtei^ bie äBteber« 
geborenen ber göttlichen SRatur t^eiltiaftig fein foQen, fo bringt 
Ofianber in Erinnerung, bag n)ir boc^ ©efc^öpfe finb unb bleiben, 
mie ^errlic^ aud^ immer n)ir erneuert n)erben. ^ie @kred^tigfeit 
©otted in und foUen toxi nie aU unfere eigene betrachten bürfcn. 
^ie Silber bed Sintt)ol^nend Sl^rifti in ben ©laubigen unb be& 
0eibeS, mit bem fie anget^an n)erben, foQen boc^ nur ein mec^ani^ 
fc^ed äugerlid^ed 9}ert)ältnig ber ©ottedgere^tigfeit ju ben menfc^ 
lid^en ?ßerfonen bejcic^nen. 2)ic ©ere^tigfcit 6f)rifti, »eld^c alfo 
boc^ nur ali tttoa^ ^^rembed in bem ©laubigen gegentoartig 
fein foU, mug bemnac^ bem ©laubigen angerechnet n)erbenO- 
Offenbar finb biefe praftifd^en 8lbtt)eid^ungen Dfianber'ö oon feinen 
t^eoretifd^n SSoraui^fegungen i^m abgenöt^igt burd^ ben fittlic^en 
©cift ber Sieformation. Slllein mit jenem 3w9^f*ä"t^"i6 ^^ 
Ofianber aUe biejenigen Slrgumcnte für feine Se^re ungiltig ge- 
mac^t, roeld^e auf baö oorgeblid^e ©ebürfnife ber 9?ad^tt)eifung 

1) Confe88io M. 3: Cum Christus per fidem in nobis habitat, 
tum afifert suam iustitiam, quae est eius divina natura, secum in nos, 
quae deinde nobis imputatur ac si esset nostra propria, imo et donatur 
nobis, manatque ex ipsius humana natura tanquam ex capite etiam in 
nos tanquam ipsius membra et movet nos, ut exhibeamus membra no- 
stra arma iustitiae dei. ^ibctlcgung ST^cIanc^t^on'd : „Senn mir burc^ ben 
(Blauben (Sl^rifti kbenbige d^lieber merben, fo merben mir folc^t feiner ive? 
fcntlic^n (S^erec^tigfcit au^ t^il^aftig, bcnn er meinet in und. %bcx roir 
finb if)r nic^t DoQfommen ge^orfam; ja ber Q^e^orfam ()at !aum ein roenig 
angeloben, er foll aber t>on ZaQ ^u ^ag ^une^men unb in ber ^luferfte^ung 
t)oIIfommen werben. SJ^ittlenueile rechnet unft ®ott feine mefentlic^e ®crc(^s 
tigfcit JU, allein barum, baß fie in un« ift, «nangcfcfien baß wir nit^t üdU* 
fommen ge^rfam finb, wie wir foDten". 




^ 






leiiUti^cr güttlidjcr (j^crcdjtigfcit int (gläubigen brgtüitbct irotbcn 
awtcit. Sä lüirh iiiSliefonöcTe [)ii'biirc() eine gans mibcrc Selb)!' 
beurt^Uunfl be* @Iciu6ifli!ii uoti^cfi^ncbcn, al« i>mä\ bic oben 
(©. 243) mUgctöelltc Stcußerung, baß @ott nur rciiic ©ercc^tig; 
fcit ic^e, tuenn ßhrifti (^ereditigti'it im ©laubigen roolittc, unb 
bajj bic Sünbe mie ein unreiner iropfcii in bcm reinen 'iKcerc 
ber C>Screc^tig[eit unlergeljc. 

Cfianber'ä 3ntcre|fc iilfi) \}i offenbar sroiid)cii iwei entgegen- 
gefegten @eftc^lS^uiiFtcn gctt)cilt cicioefen; iiibcin biefelbcii gegen 
cinanber roirften, ii't bie auf burcf)ge[jenbe ©ebanrencinijeit on= 
gelegte iltl)xc brüchig getooröcn. Seit bie reformatorifi^e Se^r= 
roeife auf Ofianbcr bcn Sinbnicf machte, ali iäifmt fic bieSÜIotiöc 
iti ©utIjanbelniJ, beftrebte er fic^, bnrcl) feine %f)auptmig reeller 
Suftificalioit bie rcligiüfe 33cfrtebigung nnb bcn ftttü^en SmtiuCä 
auf Siucn (^cbanFen ,^u bringen. ^^iUein er mar jti tief in bic 
refotmatoriit^e ®d)u[c ber religiöfciiSelbftbenrtijeilung eingegangen, 
aiö boß er nicftt baä (yeroidjt bev angetedinetcn ®cred)tigtcit 
IS^rifti emijfuilbcii ()älte, loetdic haä SünbenbeiunBtfein beö (Släu^ 
bigeii auSgIeid)l. .'picran aber btai) \id) bie erftrebte Sbentität 
feine« SiiftificationSbentuBtfeinä. I^cnn bic inunaiiciite (SJeret^tig* 
feit lifetifh ctjcfiien jTOor alö bie eigene Straft bcS ©laubigen in 
'3cjtel)nng auf bcffen gercd)te ffierfc; fofem fie aber jur @r= 
gänjtung ber UnuoU!ominen£)eit betfel6en angevedjnet merben muß, 
erfdjcint fic al* eine fvcmbe ©röfjc im Sercidje feine* eigenen 
öebenä. itermoc^tc cljo Cfianbcr nur einrnnl bie folgcrii^tige 
aeuBerung fid) abjngeiDinncn, ^aü ©ott im ©laubigen eitel @c= 
rct^tigteit fcftc, roeil ßtjriftnS roefeiitlidi in itjni roo^ne, unb boft 
bie Siinbe in bicfer ftabitueUcn ©creditigleit uerfd)l«inbe, wie ein 
unreiner iropfen in bcm rcinften SWeere, fo erflärt fit^ je^t, 
BKinim er unroilltürlic^ Ijäufiger in bie reformatoriftfje Öe^auptung 
CTflegangen ift, baß ber ©eljorfam bc§ gef(^id)tlid)cn ffliittkrä 
Vergebung ber Siinben bcm ©laubigen angered)net roirb. 



37. 3(uc^ noc^ in auberen Sicjieljungen ift Dfianber Don 

ber lUberliefernng Sutljer'ä abl)ängig. 3nbcm er nun bie oor- 

(itgmtK Se^re jum erftenmale in jufamnien^ängcnbe SJarftcllung 

"iracfit l)ot, fo ift eä leitet oerftänblid), bafe er burc^ bie 9(rt, 

er ©ebantcn Sutf^rsi au^praslc, einen oorbilblittjeu @in: 

% auf bicöeftnltung ber Ce^re burd} bie ßuttjcraner 



248 

geü6t ^at. !S)te Unterfd^etbuug be^ actit^en unb pafftDen @e^orfatnd 
G^rifti, tpcld^c öon fiut^cr (©. 231) l^ctrü^rt, \)at jucrft Dfianbcr 
fo öcrtocnbct, ba§ er jcbcr bicfer fieiftungen einen öerfd^iebenen 
SoKd beigelegt \)at (®. 237). S5ie @rtragung bcr ©träfe ber 
©ünben burd^ (S^riftud ift bte Sebingung, unter loelc^er @ott 
Qud @nabe ben SRenfc^en ©ünbenüergebung bereit f)Sit; bie (£r^ 
füQung beS @efeged an ber ©teile ber SJ^enfc^en bient baju, bie 
Unt^oQfommen^eit beS ©e^orfam^ ber ©laubigen )u ergönjen, fo 
bag biefelbe nic^t me^r in Slnfdjlag gebrad^t loirb ^). (Sigentlic^ 
fte^t biefe SJiftinction Ofianber'd in feinem SSerpItnife ber Qmtd^ 
mäfeigfeit ju ber abfic^tUc^en 2^nbenj feiner fie^re; benn bicfe 
fül^rt barauf l^inauS, ba| ber 9ßangel bed @e^orfamd ber 
©laubigen feine (Srgänjung an bem SBert^e ber in i^m n)ol^nen« 
ben fubftantieHen ©ered^tigfeit G^rifti finbet. hingegen glaciu^ 
unb 9J{eniud öettoenben bie Anregung Dfianber'^ auf biefem 
fünfte junt Studbau ber Iutt)erifc^en £e{)üpeife. ^u beachten ift 
nun, bafe biefe SKänner, unb auf il)rer ©pur bie SSerfaffer bcr 
Goncorbienformel, ebenfo beftimmt bie Unterfd^eibung unb (Soor* 
bination bed paffit^en unb bed actit^en ©e^orfamd (S^rifti ju ben 
beiben Qmtdm ber fteUöertretenben ©traferbulbung unb fteQüer^ 
tretenben ©efefeerfüHung, tt)ie auc^ baS Sneinanberfein öon ©e^or- 
fam unb fieiben im fieben Gf)rifti au^fpre^en, beibcö al^ SBe* 
bingungen ber SRed^tfertigung ober ©ünbent)ergebung *). S^^o- 
mafiud erflärt jene Unterf^eibung beö paffit)en unb beö actiöen 
©el&orfamö aud bem Qtotdc, bie ©finbenöcrgebung unb bie 
^Rechtfertigung ate „bie negatit)e unb bie pofitit)e ©cite" bcd be- 
abfic^tigten ^eilderfolgeö ju begrünben (a. a. D. ©. 43), tt)iU aber 



1) ^ie ^iftinction ift juerft \)on Ofianber audgcfprod^en uiorbcn in 
bcr iWürnbcrgifc^söroitbcnburgifc^cn Äirc^cnorbnung Don 1533. 

2) IBgl. bie ^^Q^meifungen aui ^iac'm^ unb ÜJ^eniud ©c^rtften bei 
^^ontafiud, bad Sefenntni^ bcr lut^rifc^en l^irc^e t>on bcr ^erfö^nung 
6. 66—71. Formula Conoordiae Art. III. Epitome (p. 684): Christas 
obedientia sua, quam patri ad mortem usque absolutissimam praestitit, 
nobis peccatorum omnium remissionem et vitam aetemam promeruit. 
Sol. deol. (p. 685): Ipsius obedientia, non ea tantum, qua patri paruit 
in tota sua passione et morte, verum etiam, qua nostra causa sponte 
sese legi subieeit eamque obedientia illa sua implevit, nobis ad iusti- 
tiam imputatur, ita ut deus propter totam obedientiam, quam Chr. 
agendo et patiendo — praestitit, peccata nobis remittat, pro bonis et 
iustis nos reputet et salute aetema donet. 




biefc Untcrfc^eibimg bielmeliT „bcr 'SorfteUungäineife jener 3''"' 
juit^nen, ber e4 etgentttiimlid) fei, bte jufammengeljörigen SJiomente 
(Siner Sai^e burii) fd)arfe ßootbintntng I)evDorjuf)e6en" (©. 81), 
(o bo6 unter ber 3"i'"'""'^nfc6fl'"i"9 '''"' ©eltorfam uiib ßeibcn 
GfirifH bie „&eiben Seiten" ba ©(icJ)c rcicber äujammenflicfecn. 
^r ©rlanger Xfieolog l)Qt mit bieicn fflemertungen ba* i8et= 
ftänbnife beS lut^erifcfien Seljrliegriffe^ nidjt aufgefe^lofien. Jlfrcilii^ 
unterftiieiben bic 5:fieologen beä 17, Satjrfjuiibertä bie 9Iic^t= 
antediniing ber ©ünbeii unb bie 9Inred)niiiig ber öcrerfjtigfeit aU 
bie „älBci Seiten berfelben <Baä)t", tinb fütjtcn fie in i|)rem Unter; 
l'diiebe anf bie untet^djicbenen ?(rtcn hei <3«i\ox)ami (5t)rifti 
Siiriid. Sl&er Staciiiö. 5ÜJeniud tinb bie ßoncorbicnfoiTnel be- 
Ijanbcln, loie ou* bcn eigenen SlUegotioncn uon 3!fiomafiu* 
(®. 41. 56. 57) f)cn)orgc[)t, bcibe Segriffc ali S^nonliina. ferner 
aber enlfpric^t ioroofjl bic llnterfcfieibimg nls bic 3"ff"""'f"i'ff'"''9 
ber bciben 5°>''"'^n ^^"^ ®cl)orioni5 Gfirifti gaiij bcytimmten 
SBebingnngcn unb SornuSfeljüngeH ber Hon Cutl)cr angeregten 
Sebrbilbung, lüclcfje X^omafinö nitfit erfannt f)al; nnb ber Scharf = 
finn jener Ideologen öcrbient nic^t ben Siurrourj, boft fie btalef; 
tiitfjen £u£ii9 im ©eifte i^rer 3*'^ gctrieöctt [jabcn. 

Sfcimlidi mii bcr %oraui»fe^iing£iit(ier'9, ba^ bai gött(ic{)c 
(SeieB bie Drbniing bc3 "syertiältnifKö bcr 3)ienid)cn ju ®Dtt ifl, 
loelrfie Don ?lnfan9 an gilt, unb not^ bct 'SSoransiefung, baij bic 
3J?eni(f)en fic^ gegen boS ®e(e\j fo Ueiicfiiilbet Ijabcn, boR fie 
burcf) fiifi iDcbct üDit bcr Scftulb befreit rocrben tonnen, no^ int 
Stanbc finb, bie SlcfcgerfüÜung ,\u tciftcii, an loclt^er iljre ©cltung 
Dot ©Ott ^ängt, ift eS notf)njenbi9. bafj nid)t nur bie Sd)ulb= 
Derpflitfttung gegen bo$ ©efe^, foiibern and) ber 9iecl)tä: 
uertonb ber Wcnfiften gegen ©utt aufgehoben luerbe, bainit bic 
neue ©nabcnorbnung bcr ifieditfertigimg über ©ünbennetgeöung 
in ©irffamfeit trete. 3ft nun EljriftuÄ a\i unfer StcUncrtreter 
baju beftimmt, bie Scbingnngen jit erfütfcn, unter benen bie ©e^ 
rei^tigfcit ©otteis unb bas ©ejcy auf&ören, ba^ ^citiBcr^öItnife 
ber ä" ®rlö(enben ju ©Ott ju regeln, fo folgt, ia% ßljriftnä ben 
?Infpriid)eu beä ©cfefeS foiuot)! auf unferc Seftrafung aU audi 
ouf feine firfüilung burcji unS cntipredjcn muß; alfo ift bie 
boppctte ®ef)orfam«Ieiftung bcä SRittler« gegen ba* ©efe^ notlj' 
tpcnbig. SBürbe nämüc^ nur bic ^Tilgung ber nienfif) liefen Sc^ulb 
t)iiiü} lihrifti ßciben ancvfannt, fo raürbc bie ^orbcrung bcr ©e^ 



250 

fc^erfüUung and) ben Don ber Sd^ulb Srlöften nac^ tote wi 
ge(teit; bte Crbnung ber Sriöfung iDärbe bie Crbnung bed &q* 
fe^ed jum Qtotd ber uoQen 9{ed^tfertigung einfc^Uegen. @c^(iegt 
t)ingegen bie ^nabcnorbnung biefe Sebeutung be^ @kfe$ed für 
bie gerechtfertigten a\xü, fo mug bie fteÜDertretenbe (Erfüllung be^ 
©efcfteö jur 9luflöfung beö Siec^tdücrbanbed mit ®ott ber Siedet* 
fertigung uorauSge^en. ^ie Unterfc^ibung unb bie t>erfcl^tebnte 
Sejie^ung ber beiben formen be^ ©e^orfamö G^rifti ift alfo im 
^£er[)ältni§ ju ben ^rämiffen unb ju bem 3^^ ^ £e^re burd^« 
an^ rationell "). 9?un ift aber mit biefen JBeftimmungen bie Sluf* 
gäbe ber fief)re nod^ nic^t erfd^öpft; öielme^r ift burd^ fie ber 
©ebanfe noc^ nic^t jum Sudbrucf gefommen, ber in ber urfprüng« 
liefen religiöfen ^luffaffung ber 9{e^tfertigung im @lauben bominirt, 
nämlic^ bafe 6f)riftuÄ unfere ©erec^tigfeit ift, bafe fein ©el^orfam 
unö angerechnet loirb. S)ie§ bejeic^net bie gorberung, ba§ Sl^riftud, 
ber Iräger be§ öollfommenen @et)orfam^, alÄ ber birecte 
SRittler ber öegnabigung erfannt ioerbe; fofem aber fein 
boppelter Oe^orfam gegen baö ®efe|j ber göttlichen ®erec^tigfeit 
genugt^ut, ift er nur erft erfannt alö bie unumgängliche Se* 
bingung für bie SBirffamfcit ber ®nabe. S)ie 9?ac^tt>eifung 
bed boppelten @e^orfamd S^rifti gegen baS ®efe^ reicht alfo nur 
äur ©egrünbung bed ©ebanfenö ^in, baß um 6l)rifti ttjiHen baö 
beftc^enbe SRedjt^öer^ältnife ber ju ©rlöfenben ju @ott aufgehoben 
ift; in bicfem negativen ©rfolge ift aber nid^t cingefd^loffen, bafe 
ein neueö 9Ser^äItni§ anberer 3trt burd^ Sl)riftu^ begrünbet ift. 
3u bicfem Qxotd^ rcid^t nun bie öon jenen ©egnem Cfianber'^ 
unb Don ber ßoncorbicnformcl auÄgcfprodE)cne Sin^eit beö @e* 
l)orfamd St)rifti ju. Sllö ©eljorfam gegen baö ®efe^ ent^ 
fpric^t bie boppette Seiftung ßf)rifti ben göttlichen SRec^töforberungen, 
unb löft biefelbcn ab; hingegen ald freitoilliger fittlid^er 
®el)orfam gegen ®ott t)at S^rifti 2:^un unb fieiben ben 
SSert^, äugleic^ bie 9Sirfjamfcit ber ®nabe ®otteS §u betoä^ren, 
unb ba$ Urbilb beö beabfic^tigtcn neuen SBer^ältniffed ber ju ®r* 
löfcnben barjuf teilen, loelc^cö unter ber Sebingung i^reö ®lau6end 



1) Zöllner, ber t^ätigc (5)cf)orfam 3cfu af)nfti S. 663 formulirt 
bicfc ^rämiffcn Qan^ genau: „3)ic boppcitc auf ben SWcnfcf^cn !)aftenbc SSer- 
frfjulbung rüfirt baticr, bo6 ftc ol« 3)lcnfcftcn ^u bem oon i^ncn ni(^t gc* 
Iciftctcn ®cf)orfom, unb aU Sun bei* ^u Icibcn ocrbunbcn finb*. 




il)iKn olö i()vc ©eivrfiHsifcit anäfted)nct luUb, uiib öic ■JJicniiiig 
i^reä neuen ©c^otiam^ nacft ber ftren^ien gönnet beä ©efcljefi 
auöf^ücBt. Safe biefet ticfftmiigc ^ufammcn^anfl uun beii Ur« 
t)el)ein beffclbcit ntd)t mit btejec ^cutltd)[ett bargefteUt ift, fann 
nidjt mit iRcdit gegen bicje Eeiituiig eingcroeitbet iDerbeii; bie 
Unfertigfeit iljret SJatftcUimfl (wnieift nur, baß auf bicfem *^unttc 
bie Spigoncn iinttjcr'is, inbem fie iiud) nic^t ümi ber probuctioen 
*iyi)antafic Dcriüffcn fiiib. meiere flets biiö erftc Ortjan ber ^otU 
bÜbixua ber n)t)(euic^aftltc^cit Silenntniß i)t. bod) bie bJaleCtifäie 
Stufgabc iiid)t etnft gciing nehmen. SJergleit^c id) cnbtic^ biejen 
Suicimmcnljaiig, bcit bie lutöerijc^c Sefttc butc^ bie (ioncDvbieH= 
iüvmcl erreid}t I)ot, mit ber analogen ©tfliirunc) Ofionber'S, fo 
fünn ein gciuiffcr 3tbftanb iud)t überje^en inerbcn. Ofianbev'* 
Iiiftinction beü vifftucn mib bcö actiücn @ef)uriamS li^tiiti bcrft 
ftc^ nic^t mil beni ©inne ber glei^iiamigen Siftiitction bev £ut^e= 
cancr. Öegrüiibct iiämlid), nat^ Dfianber, ber actiuc ®cl)oriam 
S^tifti, inbem er baä ©ejcß abfiiibet, S'islcii^ ''i^ ©rgäiiäiing 
Tkü immer mangcU)attcn nenen (ycl)orJainS beä ©täubigen, jo Ijat 
Cftanbec Ijierin ^uiammcngciaBt, luaö bie Sultjcranev auf bie 
ncgotiDc ©irtung bcä octiDcn ©e^orfnmö gegen ba* ©cielf nnb 
auf bie i)oi"ittUe Säirtung beö ©cfammtgetjorfamä gegen ©Ott Dec= 
itjcilen. "Sie gtöfecrc 9tei(e nnb 5)eutlic^'feit ber [»ttjerifttjen gonnel 
leuchtet ein. 

Sei ber seitlichen nnb örtlicf)cn iBerttieilung ber @eid)äfte 
ks ajiiltlcvfi in ben Söcäie^tingcn auf ©Ott uiib auf bie 2)ienfd)cn 
IW«c fic^ Cfianbet bieSc^rei'utf)cr'ä unb 3Ke[anc^t[)on'3, fu mcU 
fie abud)tlic^ aui^gebilbet war, iiämlid) in bem $un!te angeeignet. 
boB bie Säirtung ber 3uftifiecition anj bie einsc'neii 3Rcnid)en 
burt^ baö aSort ®Dltc5, ba* ©uantietium üon ber ©ünbcnuetgebung 
iKn)orgebrad}t inerbe (®. 189). 35o bie Reformatoren fid) mit 
biefcr 5onn ber3}egrünbung ber SRerfjtfectigung abgcfunbcn l)fltten, 
oI)ne bag aüä) 3)Ieiand)t[)on ben Don i^m formulirten objectiuen 
iSorgang ber "CerfÖ^nunfl hurd) Ef)riftu« jur Cctjce üon ber 
3(cct)tfertigung £)influSgefü|)rt [)at(S. 222), fo überfc^tcitet Cfianbet 
burd) 3tbo|jtion jener gonnel bcn QJefif^töftei* feiuec SBorgänger 
in bcm äJiaBc, alä et in feiner aSeife bie aSerföftnung ©ottesi unb 
bie 9{c(t}tfcttigung ber ÜKenfc^cn gegen einanbcr abgegrenzt unb 
auf ciiwnber bejogen I)otte. So meit nun bie Iutl)etiid)cn ©egner 
Cfianbcr'ä fit^ üeranlafet faljen, auf beffen Sdiema ber IBetrac^tnng 



252 

ber @ac^e einjugel^en, üermoc^ten ouc^ fie feine anbete objectit^e 
iBermittelung jtoifd^en bem aUgemeinen Srfolge bed äßerfed S^rtfü 
unb ber dted^tferttgung bed (Sinjelnen ju finben, ald bie®naben« 
mittel. @o fagt SReniu^: „^ie ©ered^tigfeit toeld^e und S^riftud 
but^ feinen ©e^otforn ettuorben ^at, lä^t er oller SSelt burd^ bte 
^rebigt bed Süangeliumd unb burd^ bie l^iKgen @aaamente vor- 
tragen, anbieten unb fd^fen. 9@er nun ber SSerl^ung glaubt 
berfelbe empfängt fol^e ©nabenfc^ä^e toa^rl^aftig". S)er ©laube 
felbft aber gilt aud^ nur aU 9Sirfung bed gel^örten SSorted ©otted. 
SRan barf fic^ nid^t tounbem, baft bie fiutl)eraner bei biefer gormel 
ftel^en blieben. SJenn fie l^atte bie Äuctorität fiut^'d für ftc^ 
unb bie Spigonen fiutl^er'd l^atten Don SReknc^t^on feine Quift 
ftraffen Slac^benfend gelernt. ÜÄufete fic^ i^ncn nid^t bie gragc 
aufbrängen, njie fic^ bie t)on i^nen bejeid^ncten ©orgänge jum 
Segriff Don ber ^rd^e tw^lten? Sntftel)t bie SKrd^ erft aud 
benjenigen, bie burc^ bad Süangelium unb bie @acramente gere^t^ 
fertigt tt)crben, ober fe^en nid^t bie ©nabenmittel ben SBeftanb ber 
©emeinbe ber ©laubigen Doraud, ba ja bod^ bai^ Süangelium ald 
@d^(üffel bed ^immelreic^ed principaliter ber ©emeinbe üerliel)en 
ift, unb ba bie ©acramente aufeer^alb bcrfelben gar nid^t öor- 
gefteHt »erben fönnen? Ober foD man in bem Schema bcd fa* 
t^olifd^en 5Krc^enbegriffd bie SBirfung ber ©nabenmittel öor afler 
©cmcinbe ber ©laubigen afö ?lttribut beftimmtcr ?lmtdperfonen 
öerfte^en ? 3ft bied aber boc^ nic^t benfbar, muß bann nid^t ber 
Segriff ber 5tird^e fc^on in birecte SSejiel^ung ju ben ©rlöfungd- 
tl^aten G^rifti gefegt tt>erben, bamit bie SBirfung ber ©nabenmittel 
äur Sted^tfertigung ber Ginselnen i^re im eüangelifc^en ©inne 
not^tt)enbige Soraudfeftung finbe? S33enn ß^riftud burd^ feinen 
©e^orfam bamafö und bie ©crerfitigfeit ettoorben ^at, toer finb 
benn „SBit", tocnn nid^t bie ©emeinbe ber ©laubigen, aU bie 
bem ©injelnen öoraudgel^enbe ©efammt^eit? Snbcm nun jcned 
Stid^toort bed urfprfinglid^en ref ormatorifd^en ©laubendbertufetfeind 
auc^ ^ier toieber bur^brid^t tok eö benn niemalö in ber lutl^eri^ 
fd^en fie^rtrabition üerfc^ollen ift, fo ift baburd^ bad ?ßroblem 
enger begrenzt, ald in bem ©afee ©triger« (©.241), bafeS^riftud 
öor 1500 Sauren bem ganjen menfd^Iid^cn ©efd^lec^te ©rlöfung 
unb SRed^tfertigung geftiftet ijat SJed^alb tt)irb aud^ ©trigerd 
SReinung burd^ eine SBcmerfung fcined fie^rerd SKcland^t^on ebenfo 
l^art getroffen, toic bie ©rflärung Dfianbefd, gegen toetd^e fie 




253 



gcrirfitct ift. äJicfandjtljoii bcictdjnct cä bti Cfion^fc ol* eine 
crfcf)redli(f)c ^robe üon Unfrömmigteit, bie Sünbenücrgcbuiig, olS 
bie aügcmciitc Sitfung beä Scibenä Gtjrifti auf alle aJicnfc^en 
au#jubel)ncn, anltatt fie auf bic ^läubigctt jh befdjronfcn, ba ber 
Sont @otte^ auf bciicn bleibe, bie iiict;t an beii <£oE)n glauben. 
SU(o mürben bie Süiibcn ben iOicnit^en erft in bem 3JiDmcrtt üct= 
geben, toenn fic ben ©lauten cffectio DoU,\öflen '). 3(ber lotc ftc[)t 
eS bann mit bct unmittelbaren SSirfung be& Seiben« Et)rifti, roelcfie 
3ReIan(^tt)0n bod) immer al# instificatio unb reconciliatio auf' 
fa^t. unb nid)!, tuie Ofianber t^ut, auf bie platsatio dei 6cfd)cänft 
(@. 197)? Sntrocbcr mu& bie [entere SSirfung in Se3ie[)ung auf 
bad ganjc mcnf^ltc^e ^efc^ledit bel)auf)tet merben, mit bem ^or* 
be&olt, boB bicfclbc in bev Slntncnbung auf bic ginäelnen i^re 
©c^ranfe finbc, — ober bie iuBtiticatio unb reconciliatio muffen 
Doit Dom herein auf bie@cmcinbe bec ©laubigen besogen mctbcn, 
unb auf bic (Jtnjelncn, fofem fie @Iieber am Seibe tj^rifti finb. 
SöB mtui nun aber in ber Iutl)erij(§en Xt)eologie auf biefem fünfte 
ntemaia bie Älat^it erteid)t I)at, meiere örenj ju ®ebotc ftanb 
(®. 209), ift bet Sinioirfung SRelündjtljDn'ä jujurec^nen, ttieldier 
ou^cc einigen ganj uctioreneu Sleu^eningen*) niemals im ©taube 
gelDefen ift, fi(^ äutl]ei'S ^nbeutungen in ben ji'ated|i$men ju 
Ütupe ju madien. 9iamcntli^ glaciu«, roclti&er ber bebcutfame 
'Bermittler .^roifc^en Sut^ct unb ber Spodie bet Soncotbien= 
formel in ^inftc^t be-s Se£)tin()alteä ift, oerrdtt) gerabc burd] bie 
nac^läffige gorm feiner ©d)rifte[i gegen Ofiauber, mie roenig et 
nuä OTclanc^t^on'äi Schule I)eraH§gcroad)fcn ift. Saß jporabift^er 



n 



1) C. B. VIII. p, 580: Oalander divellit remuBioDem pcccatorum 
1 iustitia. Expresse Hit, Omnibus homioibus eese remissa peccikta, sei 
Xeronem dämoari, quia non habest esseatialem iuatitiam. (@S ift inii: 
tmbttannt, mo D. biefcn Soß ouSgefp rochen t)al.) — Hie primam raanifesta 
el hoiribilis impietas est, dicere Omnibus hominibus, etiam non cre- 
dentibQS remissa esse peccata (loh. 3, 36; Act. 10, 43). — Quare tun) 
primtm Teroittnntur hominibus pcccata, oum lide statuunt, sibi remitti 
illa propter mediatarem. 

2) Loci theol. (1S21) C. B. XXI. p. 158: Gratiam vocat Fatilus 
r«vorem dei, quo ille Christum complextie est et in Christo et propter 
Cbrinum onmea sanctos. — Init. doctr. ph;s.(1549) C. B. XIII. p. 199: 
Definitio dei ecclesiae necesaaria, in qua patefecit deoa tre» personas 
d arcanam Toluntatem de coUigenda ecciesia aetema et de remisiione- 
peowtoriun. 



254 

Sc^arffinn mit tpcitgcl^cnbcr ©orglofigfcit gegen bie ft)ftcmatifc^en 
JBebingungcn ber fiel^rbUbung Derbunben Jein fann, läßt fid^ 
aud^ fernerl^in an ber ©nttoicfelung ber Jßerföl^nungdlel^re bei ben 
lut^erifd^en S^ologen beobachten. S)iefelbcn leiften burc^ bie 
lefttere (Sigentl^ümlid^feit il^re^ SBerfal^ren^ bid auf ben heutigen 
S:ag bie ©etoStjx, ba§ fie SReland^tl^on treuer finb, al§ fic felbft 
toiffen, unb jttjar in einem ß^arafterjuge, ber ju ben ©d^tüäc^en 
beffelben gel^ört. 

Snbeffen l^aben bie lut^erifd^en ©egner Dfianber'd, inbem 
fie 5ur Drbnung ber ftreitigen fie^re fid^ beö ©ebanfend üon ber 
Äir^e nid^t ju bemäd^tigen toiffen, um fo me^r Änfprud^ auf 
nad^fid^tige SBeurt^ilung, al^ aud^ Satoin fid^ bie SBid^tigfeit unb 
©d^wicrigfeit ber Aufgabe, »eld^e burd^ Ofianber'ö fehlerhafte 
fiöfung ertoiefen ttjar, nid^t genügenb flar gemad^t ifat S)ic« 
ä^flt fic^ W«'« baran, bafe ßalöin in ber fie^re t)on ber Suftifi* 
cation mit Dfianber beiläufig meint fertig »erben ju fönnen. 
®e§l)alb bringt ed Sabin nur ju Sefjauptungen gegen ©eljaup- 
tungen. S)iefelben finb an fid^ richtig, aber, inbem fie be^ S3ett)eife«^ 
entbet)ren, tt)irb burd) fie bie ©rfenntnife nid^t n)citcr geförbcrt, ja 
öielme^r t^iln>eife üerfc^oben. S)arf id^ in (Srinnerung bringen, 
baß Sutl^er fid^ auf bie SBa^n ber Ofianber'fctien ®ebanfenbilbung 
begeben fonnte, ttjeil er offenbar empfanb, tok ungenügenben ?lud' 
brudf er bem 3"fQwimen^ang jnjifd^en SBiebergeburt unb 9ie^t^ 
fertigung oerlie^en l^atte (@. 193), fo n)irb Dfianber nid^t über- 
tounben, inbem ßatoin (III. 11, 6. 11), ebenfo wit aWeland^t^on 
unb bie fiutt)eraner (@. 242), ba^ 3wfö"^"^^"f^i" beiber ßwftänbe 
behauptet, o^ne bie QtotdbtikijnuQ ber 3ilcdE)tfcrtigung auf bie 
SBiebergeburt unb barin bie 5Wot^tt)enbigfeit il^reS 3i^iömmentreffenö 
im einzelnen ©laubigen aufjufud^en. 3ebo(^ nod) weniger günftig 
für ben ®ang ber Se^rbilbung ift baö ©erfahren Galöin'ö*), in 
meld^em er baran erinnert, bafe burc^ feine Sluffaffung ber unio 



1) III. 11, 10: Coniunctio iUa capitis et membrorum, habitatio 
Christi in cordibus nostris, mystica denique unio a nobis in summo 
gradu statuitur, ut Christas noster factus donorum, quibus praeditus 
est, nos faciat oonsortes. — Qoia ipsum induimus et insiti sumus in 
«ins corpus, unum denique nos secum efficere dignatus est, ideo 
iustitiae societatem nobis cum eo esse gloriamur. — Sed Osiander 
hac spirituali coniunctione spreta crassam mixturam Christi cum fide- 
libus urget. 




mystica be^ 'SÜJicbcvgetiüreiicn mit (Tbriftu^ Cfianbcr'-j Sdtfpnid) 
auf eine crassK mixtiira Christi cum fidelibus eilebigt fei. 
Snbetn @alDin überftnupt btcff Scrgleif^uiig Moniimnit, Ijat er 
$(nla& S" ^tr nometillid) Bon Scffncdenburgcr (S. 212) iotmiiliTtcn 
91nnal)me gcf)cbeii, alä ob er, roie Cfianber, boä UrtbctI her SRcdjt; 
fertigung auf bic matctieUe läiniflunfl bcä@(äubißen mitG^riftuÄ 
bcgrünbe. 9(bcr EalDin'3 ©cbonfe buiftc gat ntdjt bircci initbem 
äl)nli(§ lautenben @eban!en Dfionbcv'Ä Derglic^cn merbcn. Senn 
iie imio mystica ISalöin'ä be^icic^net bie 9lngef)örigfeit beö tSin= 
seinen sut ffircfte qI^ bie SBcbiugiing, unter bev er fic^ bcr 9Icd)t= 
fcrtigung burc^ be n öe^orjoin Gfirifti belDugt wirb (@. 207) : bic 
(Stmsotjnung ßtjrifti im Sinne Ofianbcr'* ift ^räbicat bei ein= 
seinen ©Icinbigcn alü ioldfcn, aiij bcit bic ©itabciimittel nad) ber 
?ll>iii^t Gljrifti ^nx ©erec^tmadiuttg uiib bcmgcmafe f,ür 5f)ciliiat)me 
om Seibc ßörifti geioivft Ijaben. SBoburc^ tonnte nnn Süloin 
beroetfen, bcife er eine spiritualis coniunctto im ©cgenfa^ jur 
crassa mixtura iCfianbcr'S aiifftclle, ba bicjer übertjaupt fi^ bieic 
Äuffaffung feiner 9tnfid)t fd)roerli[^ Ijiitte gefallen laffen? Sic 
getflige unb fittlt^c SIrt ber 33crbinbuiig mit Gljriftuä liefe ficf) 
im Giegeiifalj gegen btc noii Dftnnber prätcnbirte p^flfifi^e 6in= 
mo^nung IS^rifti im ölaubigcii mit bann beiucifcn, lucnn Galüin 
ben ©ebanfen, ben er ja ^egte, anatljfirt botte, bafe bad einselnc 
Subject nur unter bcr Scbingnng aläXrägcr beö ()ciligcn Gieifted 
unb beS SÖcniufetfcins bcr Slcdjtfertigung burt^ Gl)riftu* begriffen 
Werben lann, baß eö qI* ®[icb bcr ölemcinbe bcr @[äubigen unb 
bicfe ali Cbjcct ber (ärlDJungiSabfi^t E^infti gefegt wirb. 3(bcr 
SU bem Icfttern ©ebanfcn i)at fid) Galuin in feinem bogmatifc^cn 
§auptnjerie nii^t cntf^loffcn, uitb bem erftcrn Ijot er feine SSirfung 
in bem 3Ra%t geläf)ntt, al* er in bcr legten Slu^gobc bcr Institutio 
bic Set)re Don bcr Sirene ciu6 bcm ^Jta^c rocggetiidt Ijat, recEc^en 
fie in bcn früljcren Sluögabcn ciniiat)in, unb mcldjer iljr uon Jfied)tÄ 
iKflcn äufommt. 



Sedifte» (iapittl 

^e ort^b0{e £e^re ber Snt^cf oner ttnb (S4illittttfteit Hon bor SSot' 
fii|nnng ttnb 9tefl^tfarttgnng mtb bev Siberf)intfl^ bor Socntiiuief . 

38. 5D?an tpütbc ba^ Sntercffc bcr ort^obojen Se^rc de 
Christo mediatore cr^ebltc^ Dcrfürjcn, locnn man ni^t btc (Scftalt, 
toelc^c fic im 17. 3al)r^unbert gewann, mit bcm abfic^tlid^cn unb 
butd^greifcnbcn SBibcrfprud^e jufommcnI)icIte, bcn bic ©ociniancr 
mit aÖcn toiffcnfc^aftlic^en SJftttcIn gegen fie aufboten. 5)enn in 
biefem polaren (Segenfa^e ber ftrcitenben ^Parteien, öon welchen 
feine toeniger treu gegen S^riftuö unb bic l^eilige ©c^rift fein 
looHte, ate bie anbere, »eld^e jebod^ nur nod^ burd^ ben ©trcit 
um bie d^riftlid^e SBafirl^eit sufammengel^alten tt)urben, erfd^eint 
für jene ^eriobe ber ®efammtumfang ber SBirfungen be§ ©Triften* 
t^um^, ttjeld^e^ auö ber ftaatlid^en ©in^eit ber abenblfinbifd^en 
Äird^e auögefd^iebcn tvav. (SrfolgloS aber toar biefer ©treit jnjifd^en 
ben Drt^obojen unb ben ©octnianem, toeil man auf feiner ©eite 
bie SJÖurjel be^ Oegenfa^e^ entbedte* 5)ie £utf)eraner unb Sal* 
öiniften erhalten nämlid^ bie 3bee ber allgemeinen SSerfö^nung 
aufredet, unb anbererfeit^ leugnen unb öerneincn bie ©ocinianer 
biefelbe, »eil ba^ S^riftent^um öon jenen ate religiöfe ©emeinbe, 
öon biefen al§ etf)ifc^e ©c^ule aufgefaßt njurbe *). 5)er Segriff 
öon ber Äird^c, aU ber ©emeinfd^aft , njcld^e bem einjelnen 
©laubigen logifd^ unb real öor^erge^t, außerhalb tt?eld^er feine 
fubjectiöe Sieligion unb feine religiöfe ®otte8erfenntnig möglid^ 
ift, fte^t in birecter 9Sed^feltt)irfung mit bem ©ebanfcn, baß 
S^ftu^ bie SKenfd^en mit ®ott öerfö^nt unb baburd^ bie Äird^c 
gegrünbet unb in i^r ben ©ünbern ben ß^J^ri^t ju ®ott eröffnet 

Ij Sgl. meine ®cfd)ic^tl. ©tubien jur c^riftl. ßc^re tjon®ott 2)nttcr 
Srrrifcf. gal^rb. für beutfc^c 2:^eol. XIII. S. 280—283. 






i)at. Sic Sociiiiancr ncrncincii bicfc Sbcc, iDcil fic bcrfelbcn iiic^t 
bcbürfen, tücil fie üon ß^riftuö al^ bcm ©rünbcr einer et^ifd^en 
©c^ule nur bic 5tnleitung unb ben Slntrieb jur et^ifd^en ©elbft* 
bilbung erwarten, bie jeber ©njelne nad^ feinen Äräften fid^ an- 
eignet, o^ne t)oraudgängig an bie ©emeinfd^aft mit anberen feines 
©leieren gebunben ju fein. Slttein biefer funbamentalc praftifd^e 
Oegenfa^ blieb im ©unfein. Unb jtüar toaxtn einerfeitS bic 
©ocinianer nac^ bem einmal gangbaren ©prac^gebraudfi überjeugt, 
ba§ fie bie Äirc^e bauten, tüä^renb fie nur ©c^ule mad^ten. Un^ 
günftiger aber für bie Sc^lid^tung bc§ ©treiteö toax ber Umftanb, 
ba§ bie lenbenj ber Äirc^enbilbung bei ben Slad^folgem ber 
Reformatoren burd^ bie überttjuc^embe ©ntipicfelung bed t^eologi^ 
fc^n Sc^ulintereffeö geläfimt unb bie rid^tige (Sinfid^t in äße 
S^bingungen beS5)afeinS berÄirc^c i^nen öerfd^toffen mar. 9Kan 
tjerlor ja freilid^ auf biefer ©eite niemals bie rid^tige 3bee öon 
ber fiird^e auS ben 3(ugen ; aber inbem man baS fd^ulmdfeige 
Clement in ber Äird^e unb baS tfieologifd^c in ber ^Religion über- 
fc^ä^te, fo trat man in eine ju na^e formale Stnalogie mit bem 
©ocinianiSmuS, alS bafe man in beffcn bloS fc^ulmäßiger ?tuffaffung 
beS S^riftent^umS ben @runbfef)(cr ber SRidfitung i}&ttt erfennen 
I5mien. 

®ie Äirc^cnbilbung ber ^Reformation tüar urfprüng- 
lid^ burc^ ben ©ebanfcn ber ©n^eit ber Äird^e gefeitet. @S fam 
nur im ©egcnfagc gegen bie ftaatlidf|e 3(uSprägung beffelben in 
ber römifd^ = fatf)oIifd)en Sc^rc unb ^ra^iö barauf an, i^n als 
notf)tt)enbigen ©cgcnftanb beS ©(aubenS unter SRerhnalen feft^^ 
jufteflen, an benen bic göttliche Söegrünbung ber $ei(Sgemeinfd)aft 
erfcnnbar tüärc, unb äugkic^ imöegenfag jur SBiebertäuferci eine 
rcc^tlic^e Orbnung in ber Sircfie 5U fid)ern. 3n jener Scjie^ung 
touibt bie ®emcinf(f)aft ber oon (Sott @ct)eiligtcn an bie ^rebigt 
bcö SBorteS ®ottcS „nac^ reinem SJcrftanb" unb an bie ftiftungS^ 
gemäße SSermaltung ber Sacramente gcbunben, in ber anbcnt 
löcjie^ung baS ^rcbigtamt a(S ber regelmäßige 2iräger biefer 
gottlid^en ^eilötjcrmittcfungcn ancrfannt. 9luf baS SSort ©ottcS 
machten aud^ bie SSertrcter beö Äat^oIiciSmuS 9tnfpruc^, unb um 
feine S(utf)cntie in ben mcufd^Iic^cn Organen ju fid^ern, toarb ber 
ganje öerfaffungSmäfeigc ^aii ber römifd)cn fiircfic poftulirt. 2)cn 
^reinen SBerftanb" beffelben beftrittcn jcboc^ bic ^Reformatoren 
ben ©egnern, inbem fie benfelben auf eine oiel cinfad^ere SSeife 

I. 17 



258 

fcftftcütcn. 3n einem 9(uffa^e Sutfier'^, tüdc^en görftemann ^) 
im ?trc^it)e ^u 3S3cimar neben fed^ö anbeten ?(ctenftü(fen gefunbcn 
i^at, bic ju 95rüd'd ©efc^id^te ber Meligionööerlianblungen in 
SLugdburg gefiören, unb Don äWeland^t^on bei ber Sludarbei- 
tung ber Stug^burgifc^en Gonfeffion gcfannt toorbcn finb, toirb 
jene Scbingung beö SBorteö ®otte^ in ber Äird^e ba^in er^ 
läutert, ba| ,,{lQr eigentlid^ unb rid^tig gele{)ret unb bargegeben 
werbe, toaö ba fei G^riftu^ unb baö ©öangelium, SRed^tfd^affene 
öufee unb gurd^t ®otteö, 3Bie ju erfangen fei SSergebung ber 
©ünben, SSom SSermögen unb ©etpalt ber ®d)lüffel ber Stird^e". 
SBä^renb in ber anbern DucHenfc^rift ber Gonfef fion, ben®c^ttKi= 
bac^er ärtiteln, bie Äirc^e bc^eid^net tporben war ate bic ©laubi- 
gen an G^rifto, tpelc^e alle t)orf)er bargefteHten Se^rartifcl unb 
jugleic^ ben objectiüen ^eilöwertl) ber ©acramente glauben unb 
kf)xtn% ift bie pura doctrina evangelii in C. A. art. VII. 
auf ein engeres ®ebiet t)on gunbamentalartifeln befd^ränh '). 
Unb wenn neben ber correcten Verwaltung ber ©aaamcnte eben 
nur pura doctrina evangelii in bem erläuterten ©inne ald 
menfc^Iid^e Garantie göttlid^er ^eitöwirfung jur 93egrünbung ber 
Äird^c geforbert würbe, fo war bamit eine t^eoretifc^ beftimmte 
SBorfteHung öom ?(benbmaf)Ic nid^t eingefd^Ioffen, fonbem nur bie 
?[nerfennung beö objectiöen SBert^e© ber ©acramentc öorauSgefe^t. 
S)iefe funbamentale religiöfe 2tifxt Don ber Äirc^e ift bann t)on 
3ReIand)t()on in ber ?lpoIogie ber Gonfeffion erläutert*) unb in 



1) 3)icfc Vlctcnftücfc fmb ^ucvft burd^ görftcmann Dcröffcntlid&t im 
Urfunbcnbu4 h^ ^^^ Q)ef(^. bed S^dd^dtagcd ^n Augsburg im Saläre 15S0. 
I. S3anb. 1838, banacfi im Corpus Reformatorum Tom. XXVI. p. 171. 
Sic fmb t)on tjcrfc^icbcncm SBcrt^c. Unter i^ncn rcpröfcntirt ber Sluffa^ A. 
raa^rfc^cinlic^ bic ^orgaucr ^rtifcl. $cr oben angebogene ^luffafi Sutöcr*«, 
racld^cr roal^rfd^cinlid) ein crftcr Entwurf ju feiner ^SSermofinung on bic 
®eiftnrf)cn, Dcrfommelt auf bem 9lcic^«tQg ^u 9luggburg 1630" ift, ftc&t 
unter bem 3<^i(i^cn F. SSgl. Gbuarb Gngcl^arbt, 3)cr 3"fommcn^ang 
ber ^Karburger, ©c^iuabac^er unb Xorgaucr ^rtifcl. 3n S^i^ft^^^- Pi^ Wftori- 
f*c X^cologie 1866, $eft 4. @. 615, bcfonbcr^ @. 560 ff. 

2) Corpus Reformatorum XXVI. p. 167. 

3) C. R. XXVI. p. 193. »gl. meine "$0)1^. über „3)ie Gntftc^ng 
ber lut^erifd&en Äirc^c" unb „^Jad^trag" baju in Seitfd^r. für Äird&cngcfd^ic^te 
I. IL 

4) Apol. C. A. IV. 20. Dicimus exsistere haue ecclesiam, videlicet 




r jmeileii ^liisarbeititnci ber Loci theologici (1535) tmcöertjolt 
iDOrben. 

^.'oUitänbig mav freilid) biefe Öelire uon ber fiirt^e nic^t; 
jene 3)ietfmcite göttlidtev SJegtünbuiig beridben toüren nuv alS 
ba* Siotljiuenbiiifte, alö bie obcrfte« Stitcrien aufgcftclft luorteit, 
um bie Soi^t^iiMfi^ ^" fiirtf)e in ber iHeformation ju Iicrocilcn. 
T)ie SKerfmale, unter benen bie ©emeinfcfioft ber biirc^ ©otteS 
SBort unb Sacramentc ©el^eiligteii in itjrer 9lrt itnb ,\u itjrcm 
^iDctfe ielbittüättg ift, turj bet et^i)d|e Söegriff ber ftirt^e mar in 
biefcii Seltimmungen uuberü^rt gebliedeii. Uiib bod) beburfte eö 
bieicr Srgänsung beS SBegtijfä bev Sivdje, um ifjre burd) bflS 
^ßrebiglamt bejeic^ncte ©Eifteiis aii JRcd}fögemcinfci)aft Dvbnutigä; 
mä^ig ü&^uteitcn '). 91ngejeigt wirb bnä actiwe ©ninbmertmal 
ber Sirt^e, tnbeiii Üuttier in ber S^rift „uon SonciliiS unb 
itircfieii" (1539) unlcr bcn ftct)en SJierfmalcn ber ffirdje, neben 
bem 300« @otteä, ber 2üufc, bem Slbenbmahl, bcn ©cftlüffetn, 
btm ^rebigtomt, bem Ireu,^ an (cc^fter Steüe ba^ ©ebet an= 
fültrt*). Jienn biejeis ift boS iöelcnncn bc& 9iamen« ©ottcä 
t^br. 13, 15), buvd) iveldiesi bie ©cmeinbe ber ©eljeiligtcn tf)rcn 
pricftcriidjen 6l)arafter bettjätigt. Denfelben ©ebanfen I)at aut^ 
aj?eliind)tt)on liiieberf)oIt berüljrt in Qtabemtfd)en 9{eben (decla- 
mattones) unb 2i5()utQtioiien *). ^mnit nun aber bie Anrufung 
®otte* in ber SKrrf)c rccl)t Iieirf)offcn fei, cmjjfieött er olä notl)» 



vere credentes et iuslos sparsos per totum nrbem. Et addimus notas, 
param doctrinaro fivangelü et sucrBinenta, Et haeo eeclesia proprie 
e»l columaa veritatia, Retiuet enim purum evangelium et, ut Paulus 
inquit, fundameDtuni, hoc est veram Christi Cognitionen! et fideit). 
31. Verum pleraque iBtorum, qaae adversarii defeudunt, fidem evertunt, 
a( quod damnant arttcutum de remisBinne peccatorum, in quo dicimuB 
fide accipi remisBionen) peccatorum. Manifestua item et perniciosua 
error est, quod dooeut adveniarii, mereri horatnes remiBBiouem pecca- 
loram dilectione erga deum, ante gratiam, Nam hoc quoque est totlere 
fandamentum, hoc est Christum. 

1) jBflI. meine Stbli. ÜB« „bk ffli'atiinbuiiB btä Äitdiinrcditfä im 
focngdifdKn Seflriff von kv ßiri^c'. ,'}titf(firlft ffir ftir^fnTcdit uon 5! od c 
irab giicbbcru VIII. (1869) S. 230—279. 

3) 5Sal0'f^e SIii8(iQbe XVI. ®. 2803. 

S) Deci. de vera dei inrocatione. CR. XI. p. 660: Precatio pro- 
prie diaceniit eccIesLitm ab amnibua gentibus. Disp. de invocatione deL 
Xn. p. S39. cT. p. 8. 



260 

tocnbigcÄ üKittcI bie rid^tigc Sc^rc ber ©(auben^artifcl ; tociter^in 
icbod^ legt er bicfem ber actteen Seftimmung ber fitrd^c unter- 
georbneten SKittel bie Sebeutung beS ^auptmerfmafeS bei. SJiefer 
t)er()ängnigt)oIIe Umfd^tDung ift boburc^ bejeid^net, bag bie religiös^ 
bogmatifd^e Se^re t)on ber ^rc^e, tuelc^e in ber jmeiten SSearbeitung 
ber loci theologici bem Xt)pud ber Slug^burgifd^en (Sonfeffton 
folgt, in ber britten Slu^arbeitung (1543) burc^ eine S)arfteQung 
bed ©egriffeS ber actiöen Sird)e erfeftt ift, wetd^e man nid^t glaubt 
fonbern ber man öerpffid^tet ift fic^ an jufd^ liefen. @S ift ber 
©tanbpunft ber ©ntpirie unb ber ^raji^, bemgemäfe bie Äird^e 
befinirt mirb ald coetus vocatoram, profitentiam evangeliam 
dei, — in quo articuli fidei recte docentur, — amplectentiam 
evaDgelium Christi et recte atentium sacramentis. Unb nur 
bie Segrünbung beö SSert^e^ biefer actiöen 90?erfmale toeift auf 
bad conftitutit)e bogmatifc^e äJJerhnal jurüd, bag @ott per mini- 
steriam evangelii est efficax et maltos ad vitam aetemam 
regenerat "). 

S)aÄa)iotio biefe^ Umfd^tt)ungeö ift bie feit 1537 gcn^onnenc 
©rfa^rung, baß bie Einigung mit ber römifc^en Äirc^c nidf|t me^r 
enei^bar toax, unb ber ©inbrucf, bafe eS alfo geboten fei, bie 
wafire Äird^e gegen bie falfd^e aufäurid^ten, unb bie $f(id^t ein* 
äufd^ärfen, fic^ jener als ber Trägerin bcS reinen ©oangeliumfi^ 
anjufd^Iieften. 2)ie nacfte gorm aber, in n^eld^er jefet 3Kelanc^t{)on 
bie pura doctrina evangelii alö baö §auptmerfmal bcrÄird^e 
prociamirte, ift eine fatale 5Berfümmerung tt)reö SegriffeS. 2)ie* 
fclbc f)at jur ^olge, ba§ SKeland^t^on, inbem er bie ftaatlid^e 
SRatur ber Äird^e leugnet, feine anbere Sinologie für if)rcn 95egriff 
finbct als bie berSd^ule*). Sicfem ©cbanfen entfprid^t nun bie 

1) C. R. XXI. p. 825 sq. (Slcic^artig ift bie 2)cfimtion ber Äin!^ 
in bem Examen ordinandorum. C. R. XXIII. p. 88 sq. unb in ber Re- 
petitio confessionis Augustanae (Conf. Saxonica). C. R. XXYIII. p. 407 sq. 

2) XXI. p. 835: Concedendum est, ecclesiam esse coetum visibilem, 
neque tarnen esse regnum pontificum, sed coetum similem scholastico 
coetui. — Erit aliquis visibilis coetus ecclesia dei, sed ut coetus scho- 
lasticus. Est ordo, est discrimen inter docentes et auditores. — P. 837 : 
Non contemnamus docentem ecclesiam, et tamen iudicem esse sciamus 
ipsum verbum dei. — C. R. XII. p. 867 : Conspicitur ecclesia ut honesta 
aristocratia seu plus coetus docentium et discentium christianam xctr- 
ij/ijff'v, qui dispersus eandem tamen verae doctrinae et piae invocationia 
Yocem sonat. 




P 



iefonbevc 91rt, in bcr er feine Sorge für bic Sidaltiing bcr3iein' 
Ijeit bcr Sefjre getragen f]at. Urfprünglid) i)ottc ci* raie Cutter 
in ber ©t^rift ..von Gonciliiä nnb fiirc^cir bic 3tbttieiif)uiig reiner 
unb unreiner Se^rc bei 3nnel)Qltung bcd gunbomeiite« 6eurt[)cilt, 
boB bie, nteld)e &eu, Slrol) iinb §ol,\ barauf batien, ben Untere 
flcrng ilireä Syerfee biivt^ boä gtiicr ber l)eilic;en Scfirift crfQl)ren 
roeiben'). 9}n^l)er. inbcm er in leinen Declamationes raiebcrtjolt 
auf Sieindcii ber 2el)re bringt, benft et in alttirrfilidicr Sßjeife 
immer gleid) an ben ©otau als beii Ur[)eber fcbcr S((wuci(I)Hng*). 
,2!ieic öetrflditnngsnieiie ift für iljn ciud) nic^t^ Weniger al3 SHebenä^ 
ba er fogar in bcr gviec^ifcöeit ^p^ilojoijfiic bcr Drt^obofie 
Sriftoteleä bic burd) ben Xeufcl fjeiUorgerufenen Sef}ren bti 
ftpihir unb beä 3«"" gegenüber! tclft*). ^.'on ber ungcbnlbtgen 
gorbcrung, ba^ bic ^rrtljüiner in ber Sc^rc al^bolb an ber lietligcn 
Sctfrifl gemeffeiT unb nac^ il)v Dcruvttjeilt Werben foUen, unb tirni 
ber (Uifgcrcgteii ßnoartung, bofe ©Ott bann bie Srrlefjrer ocr- 
nic^tcn roerbc *), ift OTelaucIjttfon ouc^ burd) bie ü&eleu Erfal)run= 
gen uidjt abgebrodit luüvben, ba\i Sdjülcr Don if)m breift genug 
loareii, biefe Siegeln üfier not^rcenbigc Meinljeit ber Seftre aucfi 
gegen i()n fclbft ju roenben. Xenn (cf)on im Sinfirc 1536 bebrängte 
itin Gonrab ßorbotuä roegen ber ungcfcf)irften (5''™'^'' ^^^ ^^^ 



H 1} 39al(^ XVI. 6. 2663. 2785. Apol. C. A. IT. 20, 

V 2) C. B. XI. p. 272 iq. SSS iq. 703 sq. 7fi8 sq. 77ö sq. Xn. 

' p. 36B sq. 

8) D«c1. de Lutbero et aetatibus ecclesiau. C. R. XI. p. 764: Ludit 
hoc modo diabolus nnn in ecclcsin lantum, sed etiam in artibu*, Ut 
cnm pbilosopbia recte constituta esset in doctrina Aristotelis et Tbeo- 
phi«iti, postea pravae naturae Btadio novitatis petulaater quaesiverunt 
novas opicioDeii et quasi a media et regia via aberrantea. coatrarios 
errorea amplexae «unt. — Kec accusanda bic tantum vanitai buma- 
Domm ingeniorDtn, sed etiam dacmonuni malitia, quibus voluptati est, 
odio dei verilatem inrolvere tenebris. 

4) Loci tbeol. C. R. XXI. p. B36: Quis igritur erit iudex, quando 
de fcripturae sententia disBensio oritur, cum tuoc opus ait voce dtri- 
mentis controvcniiani? Respondeo: Ipsum vcrbum dei e«t index et accedit 
confetiio verao ecclesiae. — Et cum. maior pars hunc verum iudicem 
et baue rerani coufessioDem non audit, deus ecciesiae iudex tandeni di- 
rimit controversiam, delens blatphemos, — Declamatio de iudioiie ee- 
clraiae. C. R. XII. p. 138 tq. p. 142; Deus ipse defeneor est veritatis, 
et landein delet impias sectas. 



guten SSerfe conditio sine qua son inetificationis feien ■). 
ober Ijat in bcm ©treit gegen feinen ße^ret nn^gen bec Slbtall 
jttac nic^t burc^ bie Pietät, aber fonft üiieiaU buid) jenen Q 
(a^ ftc^ als treuen ®d|ülei Sßelani^t^on'ä eimiefeii. 3a hit J 
SBemtflung beä antimelani^tfionifc^en üut^ctt^umö bis jitri 
corbicnformel ^in unb bie äbfc^Iiefeunfl ber lutftetifc^en " 
gegen bie refonnicte i)t nur burd) ben Don 'iÖielaiid)tl>Dn ' 
aufgefteQten ^griff von bei ^rd^ unb buic^ bav fdiulnir 
Sntereffe an ber (Sin^eit ber flctire getragen. Xier ^h'üctidilai 
ft^ulmäfiigen ®ngf)eräigteit gegen bie uniuerieOc Xcn^^■t^, : 
formation ift bemgemäfe fo rocnig unerdarlid), baft »t in -. ■ 
Sejiefiung nur aiS bet tSrfolg beä SSirlenS 3)ic[ai!cl)tLii:ii! 
griffen nierben fann. (Snblid) aut^ bafür [)Qt 'iDfcIiin(^t^ 
Sofung gegeben, bufe bie burc^ bie tI)eotogii:fic Schule f 
fditiefeenbe tutfjeriic^ ^rticularfirdie im rii^tig uerroalteten 8 
maljte nit^t mefir bie göttliche ©nabengabe crfanntc, in 1 
Smpfange bie bogmatift^ getrennten Sin^ il)r ©efenntn 
ISin^eit ber Sirc^ ju bet^atigen Ratten, foiibcvii bas . 
beS Selenntniffeä jur particutarcn Äirt^e'). 

3nbem freÜidj bie luttjerifc^e unb bie rcformirte ) 
in i^rcn fflelenntniffen unb in if)rer ^^^eotogit bie 3bee I 
gemeinen 3ietföönung burtfi S^riftuS unb bcn (.glauben i 
©infjeit ber @emeinbe ber ^eiligen unter beit bcfanntcn i 
meÄnoIen ^oc^^ielten, bcmä^rt fid) bereu ^n)(jnit^ ca^ 
ßtjaratter ber Sin^e. öcibe QtaeiQt ber reforaiaturijcficn f 
bilbung befolgen nun in bct t^eoretif^en IDaritcUimg ber ; 



1) S. 0. ®. 195. — Snbcffcrt in bicicm gaUe, t>a ifin fcl&fl u 
ncCnn btiu^itc, ^ttc er uorübcrge^nb bcn Sjnbnid, bnft (3 leine (Sili 
bie Sontroocrlc jit fdilic^lcn. gr ft^rctbt on Gorbnoiä, 15. Sfpvil l^ 
btr Stbr«^!, fiifi bct Sttcitttoflc gu cnllcbigcn; Si controversiat 
ecclesia motae sunt, adeo tibi videntur faciles, ut subita eas 
gratnlor tibi hoc acumea. Ep] fatebor, etiamBi hebes dicar, i 
valde difficiles, ao animitdverti, pleraaque dtsputatiunes a multia | 
dextere intelligi (C. R. II(. p. 843. 344). Scibci biH cT bicfe tf 
[einen St^iilcm nii^l bcigcbiat^t, mcldic mit bei giS[)icn Scic^tfertigfl 
auftdiK^cnben fictirftTeltigtcitcn jii^ t)ingii6<:n unb bie Rnfyt i,crmiHUsi\ 

2) RepeUtio C. A. sive Conf. Sutouioa. C. It. XXTIII. p t 
Ftlina dei vult, baue public&tn sumtioaem confeMionetn one, q 
das, quod doctrinae genas smplectaris, cui coetni te adiongu 





iMn ber 3>ctiü^iiiing iiiib Sfcditfcrtigung ein folctjc^ Wai\ uon 

Ue&cteiiiftimmuiig, iiiib bic StbiDeidjuiigeii barin ftnb üon (jj untcr= 

georbttclcm ^cvtlje, iia^ fic bcm oociniam'JmitS ßcgeiiübct faft 

w^i^roinben. Scöt)alb ift cä geboten, bic luHjeciii^c urtb bic tcfot' 

mirfc 3!t)co(ogi(,' in bcr folgciiben i)ar)tellung ^ufammcnpfaifcu, 

unb baö entgcgciigcfe^tc l^erfaljccrt loäre ein SJerftofe gcflen bic 

rit^tige iüictI)Dbc gcji^it^tliiijer ©cuppinmg. StUevbingä werbe id) 

Quj bcin cinjm'i^tagcnben EJcge mid) mit Stfincrfcnburgev in 

metireren "ipunEten auöcinonberäufegen liübcn '). Xei fc^arffinnigc 

äSanit Ijat jicar nid)t bic Slbfitf)! gehabt, burd) bic Snoeitcrung 

beS ^bftanbcis smiicfic'' bcm lut^crijdjcn unb bcm rcfonnirtni Öc[)r= 

begriff bic Sntfvembinig ber Eonfcffioncii ju bcfurbcrn. Dbroo&I 

et Sutderaner toav, mib, wie fict( aeigcn roirb, bcStjntb bic be= 

fonberen @igentI)iimUc6teitcn ber refonnirten SieE)nuei)c iitd)t bunfi= 

ft^aut t)Qt, fo i)ot er blirdj bic iibertteibenbe SarfteUunfl gclüiffer 

Sltoeit^ungcn .^luijc^cn beibeti unb butc^ Scfinbung Don @cgen= 

jö^n berfclbeu nicf|tü lucniger erfttcbt, qIä bcn SBcrtl) bcr rcfor= 

nürten fie^rmeiie gegen bie (utbcrifc^e I]erab,iubriiden, ionbcru im 

®egcnt^cil jene nor biefer oft genug beS^atb beuoräugt, roeil fic 

bie ^enbenjen bcr mobcrncn, nämlic^ <Sc^lctcnua(^er'id)cn %i)co'- 

logie begünftigen, ober ben eintrieb ,^u bcren ^-Dblemen in ficft 

fd|Iiegcn foü. 3(Ueirt bic ^Jnrftedung ber reiormirtcn 3.'crföl)rtung*= 

» le^re burc^ Scfincdcnburger lommt in Dcr(c()iebenen ^ßunften bat= 

1 auf l)inau*, büß ber ©egcnitip bericlben gegen ben SociniantÄmuä, 

[ bcffen fic^ bie reformirtcn Urologen aii eine* qualitatioen be= 

i wüßt roarcn, im @runbe ntct|t giltig jei, fonbern baß eine ftiüe 

; Keigung ju bcn foctnianifc^cn *principien bie rcformtrte iic[)rent= 

1 Sricfdung Don ber gEeic^i^citigen lut^crifc^en unteqdjcibe'). X^ieie 

I Sigebniffe beiutjcn tlieii^ auf unrichtigen unb unDoUftänbigen 

' 8eo6a(fttungcn, t^eil* auf übcrtreifcenber ©c^ä^ung beiläufiger unb 

' i(oIirter Sfu^f^reitungcn, tfjeilS auf bcm SBeftreben bcS Jorfc^cre, 



1) 3btn {plgt Sd|n)ci.^cr in bi-r SicFotinirtcn ei[aubcn«ltlirc II. 
I 6. 376 ft., iiit^t jum ajorl&til bct l!cutlicl)fcit feiner ajatilcKung. 

2) ^icbci muß nauilii^ erinnert loerbcn an beii Iira[ti|i^cii mmrattei, 
I ncl^ni SdjnccfcnEiurgcr in btx .Scmt))aratiiKn Slagmatil" ald bai hv 
i i^rrf^enbe ißrincip bcö vcfonnicten Sttriftcnifiumd na(titoci)t, im Ißcrglüic!) 
[ arit (einem llrttjeil über bna foclniaiiifific Sijftem, inclcficfi „gauj im 3iiicrcnc 
f kn Stotal auigcbilbct unb bom prafti)d)en Sionbpitntt and eonftruUt ifr 
iL (Boiltfungen aber bic Se^rbegr. bct tfcineren protei'l. Parteien ®. 60). 



264 

einen feften unb auf allen prahijd^en fünften be^ tI)eoIo9ifd)en 
S^ftemö bemerfbaren 8[rtunterfdf|ieb ä^iict)cn ben beiben eüange- 
lifd^en ßonfefftoncn nac^jutpeifen. 5)ieieö i)at ©d^nedEenburger 
unternommen in bem SBo^Igcfaücn an bcr feft ausgeprägten 
(Sigentl)ümlid^feit aller ®eftalten beö d)riftlic^en fiebenS. Sn bem 
öorliegenben galle ergiebt fid^ aber, bafe, inbem 5tpi)d^en lut^eri- 
jd^em unb reformirtem ß^riftent^um auf ber gemeinfamen ©runb^ 
tage ein fefter ?lrtunterfd^ieb nadfigetpiefen toirb, bad calüinifdie 
ß^riftentl^um unb ber ©ocinianiömuS unter fid^ fo nal^e gerücft 
toerben, ba% fte afö Spielarten erfd)einen. 35iefe 3luffaffung ttjibcr- 
fpric^t birect bem SBewufetfein ber reformirten Crt^obojen. gür bie 
folgenbe Unterfud^ung n)irb aber l^ierauö junäd^ft nur ein 2Ri§= 
trauen gegen Sd^nerfenburger'^ Kombinationen gefd^öpft ujerben 
lönnen; baffelbe toirb jebod^ burd^ ben auöfüf)rlid)en SBettjeiö be- 
ftätigt toerbcn, bafe bie lutf)crifc^e unb reformirte 2)arftellung ber 
9SerföI|nungdlcl)re, inbem fie in (Sinem Slrtgegenfa^ gegen ben 
©ocinianiömu^ jufammeuftel)en, jugleic^ bafür bürgen, bafe bie 
beiben eöangelifd^cn Gonfeffionen in $infid)t ber fief)re überl)aupt 
nur toic Spielarten fi^ öon einanber unterfd)eiben. 

39. I^emeinfam ift ben beiben eüangelifd^en ßonfeffionen 
jucrft bie SBeftimmung unb bie Söegrünbung beö auf G^rifti 
Seiftungen bcjogenen ©atifi^factionSbegriffeö. ®ie fpe- 
ciclle 2)urd^füf)rung ber ®ebanfenreif)e ber Sicformatoren (®. 218) 
erfolgt in bcr Seife, bafe sunäd^ft bie Seiftungen 6f)rifti, toeld^c 
urfprünglid^ al^ SWittel ber Suftification in Setradf|t gcjogen 
toaxtn, Don biefem Grfolge abgetrennt toerben, unb ba^ bie Se^rc 
de officio Christi ober de Christo mediatore ber Set)re de 
iustificatione ald bereu allgemeine gefd^id^tlid^e S^orauSfe^ung 
gegenübergeftellt toirb. ®iefe^ SSerfa^ren erfolgt jebod^ früher 
unb entf^iebencr bei ben 9tac^folgern Galöin'ö, j. ö. ^etruö 
SRart^r unb 3^"^^^ ^^^ ^^^ ^^^ Sut^eranem. Unter biefen be- 
l^anbelt j. JB. §utter SlUcd unter bem locus de iustificatione, unb 
noc^ ®erl)arb trägt unter bem 2:itel de officio Christi nur bie 
allgemeinen Umriffe beffen Dor, toa^ er nad^^er alö bie causa 
meritoria iustificationis auöfül)rlid^er erörtert. 2Wan erfennt 
hierin btc 9?ad^tpirfung 2Weland^tl)on'ö, bei tpeld^cm bie SRürffic^ten 
ber f^ftematif dfien 9tuöbilbung berSef)re burd^ bie religiöfe Gonceptiou 
beS 3"fömment)ange^ ber 9ied^tfertigung mit ben gefc^id^tli^en 



265 

Sieiftungcii dlirifti üDcnpogeii mürben; lräl)teiiti bie fijftcmatiidje 
Xenbens bcr veforntirteii Jlieoloßeti btc ßtniütthtng beö SJorbilbc« 
ealDiit'S uerrätl). QJcmEiiijnm tuitb nun geleljrt. bafe, inbem ©Ott 
auä feiner Siebe ober (Snabc gegen baä bem ciöigen ^ßcrberkn 
OerfflUeiie füiibfiarte SDienfcöengefdjledjt feinen ©Df)ii in btr 6inl)cit 
flöttiic^cr iiitb nicnji^lictier SRatui; in bic 93ett gefenbet i^ai, uin 
bie SRenfcfien Won ber ®ünbe s" erlöfen ober mit fid^ jii uerjölinen, 
bie nrefentlic^e ober nutüvlicfte @ered)tigteit ©ottcä bie befonbetcn 
Seiftungcii Uoridji-eibt, bnccf) rodd}e Gl)riftuö fitf) alö ben SJüttler 
be« ^eileS beroährt. Sie (»(erec^tigfcit ©otteäi forbcrt nämlid) 
bie ©träfe ber Sünbe in notljioenbiger Siietfe, b. Ij. im gegebenen 
3aBe bie eniige S.'erbamnmis beä menjcftlicEien öetd)lcditce. Soll 
nun aber im ©egcntlieit bic Sctjattung jiini eroigen Seben beii 
SRenfc^en burdj Gbriftuä uerbiitgt tnerben, fo Eonn biete* 3^^' ^^"^ 
©Rube ®otteö nur unter ber ®ebingung Dermirflit^t werben, bafe 
ber Strofgcrcc^tigfeit öotte« bur^ baS Seiben eine» @tcllDer= 
. tteterä ber ©ünbcr öcnüge gctciftet luerbc. 3" ''if'Et: fieiftung 
\ ift nun 6l)riftiiö aU ber ©ottmcnfcö legUimirt, inbem er olS ber 
©iinbloie nit^t jum fictben unb Sterben üerpflidjtet mar, imb in= 
bem fein unüevic^ulbctcis Seiben, locgen bc^ göttlichen atfo mi= 
enblic^en &'ertl}c-3 feiner ^crfon, ba* ^lequiunlent für bie unenb= 
lit^e ©rfiulb ber ©iinbe bilbet. Sllfo feine fteßuertretenbe Qr- 
bulbiing ber bm ©ünbcm .gebülirenbcn ©träfe ift bie ber öe= 
ret^tigfeit Öotteö entfpred)enbc @enugtl)uung, meiere eö (iJott 
mßglit^ mQcf)t, burd) benfelben (^ottmenft^cn bcn SOIenjctjen bie 
0nabe ber <Sünbenvergebnng nnb 9{e(^tfertignng jn gen)äl)rleiften. 
' S)er Söegriff ber öcnugtt)uung aber fd)[ie^t in ficft. baß 6[)riftitS 
l im Seiben nnb 3!Dbc ben 3"^» ©otte* erfabren fiat, melier ber 
©ünbe gebübrt. unb taii er bcnfctben baburd) üerföljnt imb atif= 
gel)Dben l)at. 

Sdjncdenbnrger beseic^nct cö nun alä allgemeine reformirte 
re, bafe ß^rifti ©cnugttiuung nit^t bie causa meritoria unfereß 
I S}aiti fei, fonbern bloß bie causa hietrumentalis ber Sluä- 
\ piftning be« ^eilöbefdiluffeö unb ber 3"tl)cilung ber salns, löotin 
l e3 liege, bafe biefe (yeiiugtöuung beö tjiftorifcftcn Gljriftua nur 
y auf unfcr fubjectiüce SJebnrfnifi berechnet fei '). §icniit raiEI 



I) 3ur tirifil. ^(tciftolugir S. 48. 49, i 
I »44. ig. 24a. 3!ieK Scftniiptung fiabtn ©t* 



v^t in itn 31|coi. gaftrb. 
Kijifv, ßtloubcnSlc^tc btx 



266 

©d^nccfenbutflcr bcmcrüic^ mad^en, bafe ber ftrcnge Satiöfactionö- 
begriff, ber auf btc (Sercd^tigfeit ®otte§ belogen unb aud if)r aUi 
not^tüenbig abgeleitet ift, in ber reformirten 2;^eoIogie nic^t feft 
gegrfinbet unb fein d^arafteriftifd^er ^unh in berfclben fei, fonberu 
baß er, wo man i^n au^gefproc^en finbe, immer birect ober in- 
birect loieber jurüdEgenommen »erbe. S)a6 biefe§ im reformirten 
Softem folgerecht fei, leitet ©c^nedEenburger au^ bem SSer^ältniß 
ab, toetd^e^ bie ?ßerfon S^rifti ju bem beneplacitum ©otteö ein= 
nimmt, ^u bem 3BiQfüract, tt>e(d^er bie SSerbinbung be^ Sogoö 
mit ber menfc^lid^en Sßatur anorbnet, unb au^ bem Umftanbe, 
ba§ eigentlich bie göttlid^e 9latur in 6t)riftu^ ate ber genug- 
t^ucnbe gactor unb bie menfc^lid^e Siatur als baö felbftlofc 
SRcbium bargefteltt werbe, burd^ baS @ott ftc^ felbft genügten t. 
5inbet bemnac^ bie menfd^lid^e 3^f|ätigfeit S^rifti feine fclbftänbigc 
Stellung in bem 3"fö^"i^ttf|ong ber 3lnorbnung unb ®elb[t=^ 
t^ätigteit ©otteS, fo ift bie oben btifauptctc Seugnung beö meritori- 
f(^en SBert^eS ber ©enugt^uung 6f)rifti erflärlid^. S)iefe 9luf=^ 
faffung berührt fid^ mit ber SBe^auptung Sodann @erf)arb'S M» bafe 
ber SBiberfprud^ ber ©ocinianer gegen bie SBebeutung ber Seiftungen 
(Sl)rifti als causa meritoria instificationis menigftenS t)eranlaBt 
fei burd^ ben ©ebanfen ber göttlid^en SBillfür in bem catoinijc^cn 
S)ogma t)on ber etpigen ©rwä^lung unb SBeüoerfung. 2)enn, mie 
®cr^arb in bem öorgeblid^en ©inne. ber Saloiniften argumentirt, 
si absoluta dei voluntate salvaudi electi sunt ad vitam aeternam, 
utique etiam absoluta dei voluntate peccata illis remittuntnr, 
vel certe remitti potnerunt, neque opus erit Christi satisfactione 
et merito. ©afe biefe Folgerung auf .ben SaloiniSmuö mirflic^ 
jutreffe, »cnigftenS in ^infid^t einer gewiffen lenbenj, belegt 
®er^arb einmal burd^ baS 3u8^ffönbni6 ßaloin'ö, bafe ber be- 
griff beö meritum Christi bem beneplacitum dei correlat fei, 
ba S^riftuÄ als SKenfd^ im SBer^ältnife jum ©erec^tigfeitöurt^eil 
®otteS fein SSerbienft f)aben fönne, — ferner burc^ einen 5luö== 
fprud^ beö SBolfgang ÜKuöculuS in ben loci communes (loc. 26. 
de instific. cap. 3) unb burd^ bie ©rflätung beS ffionrab SorftiuS 



rcf. Ä. II. S. 376 unb 3cllcr, Xt^coioQk 3iüingli'ö 8. 75, cinfacft micbcr^ 
l^olt. S5cr Sinn bicfcr 3)cutung ber rcfonnirtcn ^ci (Sichre ift ber, ha^ bic^ 
fclbc etgcnt(i(^ bem ^t)pud $(bäiQrb'd folge. 

1) Loci theol. ed. Cotta Tom. VII. p. 38. 34. 



267 

gegen ben ftrengen Satt^acttondbegriff. ©er^orb'd Urt^eit aber 
ben Saloint^mud begnügt fid^ al\o, eine in bemfetben angelegte 
Zenbenj auf 8efeitigung bed ftrengen ®ati^factiondbegriffd ju 
bd^uptm, toäfirenb ©c^nedEenburger fo totit ge^t, einen greifbaren 
(grfotg biefer SCenbenj in ber SSermeibung be^ Segriffö ber causa 
meritoria ju finben. JUIein, toai ®er^arb betrifft, fo burfte er 
fid^ auf SSorftiuÄ nid^t berufen, ber jtoar bie im 6alt)ini§mn§ 
ftattfinbenbe befd^ränfte Geltung ber SBiatür ©otteö jum «nlafe 
na^m, in ber SSeife ber ©ocinianer ben ©ebanfen atö $ßrincip 
für ba^ ganje Se^rf^ftem ju entteidfeln 0, ber aber bed^alb öon 
ber reformirten Äird^e profcribirt luurbe. S)ie Äeufeerung be^ 
SBoIfgang 3Äu^cuIuS ferner wirb burd^ ®er^arb'^ Folgerung 
gegen bie äJieinung jened äRanncd mi§braud^t. 5Denn SRuöcuIuö 
ift nur fo ungefdf|icft, nad^bem er bie für ®ott not^tt)cnbige @^^ 
rcd^tigfcit befinirt f)at, bie für ®ott ebenfo not^toenbige ®nabe 
al^ wiUfürlid^c ?lui[Jnai)me Don ber ®ered^tigfeit barjuftellcn, unb 
an ber tpillfürfid^cn 3tuöübung beö Segnabigung^red^te^ ber 
Dbrigteiten anfd^aulid^ ju madjeu; allein er ift aU Galöinift tpeit 
baöon entfernt, ^ierau^ ju folgern, bafe bie mirflic^e SBegnabigung 
ber Sünber burd^ @ott in Sf)riftu^ üon ber ©cnugt^uung bcd* 
felben an ®ottc^ ©ered^tigfcit unabf)ängig fei. gauftuÄ ©ocinuö *) 
ifat xi)m bieä aud^ bejeugt, inbem er fid^ auf STOuöculuö' Sluf^^ 
faffung ber ®nabe alö aSilltür beruft. 3n Söetreff ber burd^auö 
beiläufigen (Srörtcrung Galöin'^ über ben öegriff beö meritum 
Christi ift fd^on oben (©. 229) feftgefteUt morben, bafe biefelbe 
gegen feine Scf)re üon ber @rtt)äf)Iung unb bereu JBegrünbung in 
@otteö aSäiaiür inbifferent ift »). 

9luc^ ©d^nerfenburger'ö 9?ad^tt)ci^, bafe in ber reformirten 
3;^eologie eine 2;cnbenj gegen bie Geltung be^ ftrengen ©ati^* 
factionöbegriffö ^errfc^e, ift nid^t gelungen. S)enn e^ ift einfach 
eine unrid^tigc S3e^auptung, bafe bie ^Reformirten bie ©cnug^ 
t^uung ßf)rifti nid^t ald causa meritoria, fonbern nur alö causa 
instrumentalis iustificationis barftellen. ©eltfamenoeife fü^rt 



1) SJcrgl. über i^n Sc^iocijcr in bcit 2:6coI. 3a^rb. S5b. 16. 16. 

2) De Christo servatore lib. III. cap. 1. p. 187. 

3) ®cr^nrb'd SJJcinung ift auc^ toibcrlcgt burdö Henr. Alling., 
Theol. problematica nova (Groning. 1662) p. 609 sq. Fr. Turretinus 
de satisfactione Christi (Lugd. Bat. 1696) p. 7. 



268 

Sc^tüeijcr (a. a. D. ®. 378) Äecfcrmann al^ 3^"9^" f"^ i^"^" ®^' 
griff an, bcr nai) feiner Eingabe auf ®. 376 bem refomiivten 
@^ftemc fremb fein foll. ^ä) füge ^inju, bafe Jedermann ^ugleid) 
ald causa instrumentalis instificationis, tute e$ SRegel ift, bte 
fides bejeic^net. $einr. ?llting crfennt bie Seiftungen 6f)rifti fo- 
ti)O^I al^ cansa meritoria n^ie alS causa Instrumentalis an. 
UebrigenÄ aber tuirb jener, öorgeblid) ben SReformirten frenibc 
(Sebanfe au^brücflid^ öertreten burd^ 95ucanusJ, ^iöcator, Slmcfiuö, 
SKaccoöiuS, aWarcfiuS, SBitftuS, gr. Surretinuö, unb fein Sntjalt 
gilt für Alle. ®enn eö ift ja nid^t^ toeniger atö mal)r, bafe 
ber ®ebanle ber SBillfür (Sottet, toelc^er ?Princip beö focinianijd^en 
©^ftemÄ ift, aud^ bie reformirtc 5]^eoIogie im ©anjen bel^crrfd^e, 
a(fo inSbefonbere ade SKittelbegriffe ber §eil^orbnung gleid)giltig 
mad^e. 3n ber reformirten S^eologie ift t)ielme^r nur bie fie()rc 
öon ber boppelten $ßräbeftination jenem ^Begriffe gemäfe au^ge^ 
prägt; biefe Se^re aber ift urfprünglid^, bei Galmn n)ie beiSut^er, 
ettead im ©^fteme SeilSufigeö unb of)ne ©influfe auf bie anbeten 
ütifxm, in^befonbere auf bie Don ber SBerfö^nung. ®ad ©eprägc 
ber aSerfö^nungSlel^re ift aud^ bei benjenigen reformirten 2i^eoIogcn 
unöerrüclt geblieben, toeld^e auf ber ©pur tjon SBeja unb öomaruö 
bie Se^re öon ber boppeften ?ßräbeftination in bie t)on ber ^ro- 
öibenj I)ineinjuarbeiten unb fo jum ^rincip bed ©tjftemö 5u er- 
f)cbcn untemcfimen *). SHIerbing^ regte ber 3lrminiani^mu§ burd) 
bie Burüdfü^rung bcS »cgriff« ©otteÄ auf baö äWafe bcr SiUig^ 
feit mand^e ber (Segner an, ben ©otteöbegriff unter bem ©efic^t^^- 
punfte bed absolatum domininm Don jeber innern fittlid^en yiott)^ 
menbigfeit frei ju ftellen -); inbeffen biefe Untemei)mungen I)abcn 
factifc^ immer nur S8ejiei)ung auf baö Problem oon ©rtüä^lung 
unb SBettoerfung, unb SJoet ") bejeugt eö au^brüdlid^, bafe %t)co- 
logen toie 2;toi6 babei feinedtoeg^ bie Abfielt verfolgten, bie S3e^ 
grünbung ber 9lot^tt)enbigfeit ber ©träfe ober ©traffati^faction 



1) SBgl. meine ©cfd^iti^tl. ©tubicii ^ux (i^riftl. ficl)rc Don ©ott. 3^^^^»- 
tcr §(rti!cl. 3a^rbürf)cr für bcutfd|c 3:M- XIII. (1868) @. 108 ff. 

2) Amyraldus de iure dei in creaturas. 5Bgl. bavübcr a. Q. O. 
@. 120 ff. Guil. Twissi Vindiciae gratiae, potestatis ac providentiae 
dei. Amstelod. 1632. Ed.ult. 1648. Sß^l ®aft, QJcf*. bcr |)rotcft. ^Joc^m. 
L 6. 472 f. 

3) Voetius de iure et iustitia dei (Disputationes theol. selectae 
I. p. 372). 



269 

in bcr tpcfcnttic^cn @crcc^tigfcit ®ottc^ sioctfcl^aft ju mad^cn. 
^o^t fyit äbrigend in ber ^tdcuffion gegen %tDX%, ob bte ®atid« 
faction (S^riftt not^n)enbtg fei aud ber immanenten ©trafgerec^tigfeit 
(&otk&, bem ins divinum naturale seu absolute necessarium, 
ober aud ber burd^ 25ecret unb @efe§ feftgeftellten iustitia, — 
ftc^ für buÄ @rfte entfd^ieben *), unb ^ieburd^ ben äRafeftab ber 

1) L. c. p. 342. cf. Maccovii Loc. commun. p. 162. — 9(flcrs 
Mngd ift bic ^nroenbung bcd Begriffs bcr göttlichen ^illtür auf bic Seigre 
wm bcr boppcitcn ^rftbcftination bcr 9inla%, baft bcr fcotifttft^c ®ottc«bcgnff 
bei mancffcn rcformirtcn S^cologcn nad^ einem »eitern Spielraum brftngt. 
3n biefcm Sinne fpri(^t $o(anud (Syntagma theol. lib. n. cap. 26) ben 
<9runbfa( aud: quidquid deus fieri vult, eo ipso, quod vult, iustom est. 
3n biefer 9li(^tung f^at Sjt)b(ot)iud (Vindioiae quaestionum aliquot 
difficilium et controversarum in theologia. Franeq. 1643) mit $un^ 
Scotud gefolgert, bag d^ott ha^ Sittcngcfc^ mit cntgegengefe(tem ^n^altc 
^ttc ücrfc^n fönncn (tjgl. 3a^rbü(^cr für beutft^e 5:^oI. XIII. S. 115; 
Voetius 1. c. I. p. 388 sq.). 3u bcrfclben 2:enbcnj fyit Xtoig bic Straf- 
9crc(fttigfcit QJottcd mit nur ^t)pot^ctif(^er 9?otf»tt)cnbig(cit auö bem ^ccrctc 
beffelbcn abgeleitet. Sebod), loic bicfc 9ii(!6tung in ber rcformirtcn S^eologie 
nur nebenbeiläuft, fo bürgt eben bad ^cugntg t)on S^oet in bem f^alle t)on 
XtD\\i bafür, bag baburc^ bic Geltung ber Sattdfactiondle^re toeber abfu^t:: 
lieber noc^ ^ufädigcr ^eife cr|cf)üttert rotrb. ^cmgcmcig mug man nun au(6 
fotc^c ^cugcrungen bcurtfjcilcn, in bcncn noc^ bem Vorgänge oon 3^ii^8ii 
(S. 225) gelcgcntlicf) bcr patriftifcftc So^ njicbcrf c^rt , bag ®ott aucf) auf 
anberem 33cgc ald bem roirdicf) gewählten bic (Sriöfung l^tte bemirfen fönncn. 
So daloin (in ev. Joh. cap. 15. v. 13): Poterat nos deus verbo aut 
nutu redimere, nisi aliter nostra causa visum fuisset, — 3^^^)^^ 
(de incamatione lib. II. cap. 3. Opp. tom. VIII. p. 45): Servare nos 
poterat solo suo imperio, peccata simpliciter per solam suam miseri- 
cordiam condonando, — "ipctr. 2JJartl)r ^Jcrmiliud (Loci comm. II, 
17, 19). $>a3U fommt ein Sop, iüclrf)cn S^nccfcnburgcr (jur firc^f. (5f)rifto= 
logic S. 49. 'tom.) unter 9üfteb'd 9?amcn, ofjnc Eingabe bcö 93ud|titelö, an= 
fü^rt: Satisfactio ad procurandam salutem electorum fuit necessaria, 
non absolute, siquidem deesse nequivit deo sapientissimo alius servandi 
modus, sed ex hypotbesi beneplaciti dei. tiefer Sa^ rü^rt nic^t oon 
Sllftcb ^er, fonbcrn oon §cinr. ?((ting (Theol. didactica. Opp. Heidel- 
bergensia I. p. 81). ^cbocf) bcrfclbc $(Iting in bcr Explic. Catech. Palat. 
(Opp. III. p. 215) unb audfü^rlic^ in bcr Theol. problematica nova loc. 3. 
probl. 25; loc. 12. probl. 85 entf (Reibet fict| gegen biefed 3"9eftftnbnife^ 
inbcm er, gegen Mc burd) Xmift bezeichnete Richtung, bic Strafgercc^tigfeit 
ald natürlid)cd ^(ttribut (^ottcd barftcUt. ^uglcid) ift bemerfen^mertt^, ba^ 
er cbenfo luic Soct bic 5(brocirf)ung bcr 93crtrcter bcr ^ijpot^tifd&en ^oti)- 
»cnbigfeit bcr gt>ttlid)en (iJcrcd)tigfeit nic^t ald i^etcroboyic bcurtfjcilt, weil 



270 

reformirten Crt^obojic bcutltd^ genug befunbet. genter tüirb bie 
®eltung bcr ©ati^faction^Ie^re im 3wfömment)angc bcr refor- 
mirten 3^coIogic baburd^ nidf|t erjd^üttcrt, bafe bie ^erfon Gf)rifti 
ate gefd^ic^tlid^e 5;^atfad^e bem beneplacitum del untergeorbnct 
tt)irb. S)enn ba§ biefe 2;f)atfad^c ebcnfo sufäütg in ber 3SeIt:^ 
orbnung ift tt>te bie ©ünbe, bcr fie entgegengefe^t n^trb, uerf)inbert 
nid^t bafe ber SJerlauf i{)rc§ SBirfenö noc^ ber notfjtüenbigcn 
Oered^tigfeit ©otte^ gemeften tpirb. 3tu^ bie SBelt unb bac^ 
menfc^Iid^e ©efd^Iec^t befielen nur auf ®runb eineö tt)illfürlid)en 
(Sntfc^Iuffeö ®ottcÄ ; nac^bem fie aber ba finb, n^erben fie auf ein 
®cfe^ verpflichtet, tpelc^eö bem unöeräufeerlid^ not^ttjenbigen im== 
manenten SRed^te ®otteÄ entfprid^t *)• öeftel^t alfo Sf)riftuö al^ 
^Bereinigung ber göttlichen unb ber menfc^Iid^en 9?atur nur burd^ 
beneplacitum dei, fo folgt barauö für bie reformirten Stt)eoIogcn 
toeber tt)irflid^, noc^ notl)n)enbig, nod^ toa^rfd^einlid^ bie S^enbenj, 
feine Seiftungen jum §eile ber SKenfd^en auf einen ttjillfürlic^en 
5Wa6fta6 ©otte^ jurüdtjufü^ren. ©nblic^ ^at e^ gar feinen er^ 
fic^tlid^en ©nflufe gegen bie ®eltung beö Segriffö ber ©atiöfaction, 
bafe ^in unb f)cr, xo\t ©d^necfenburger (©. 47. 48) nad^toeift, bie 
göhlid^e unb nic^t bie menfdf|Iid^e SRatur S^rifti für bie Se^ 
grünbung jene^ ©ebanfenS beöorjugt toirb. SDenn n^enn audf) 
jene S)arfteIIung häufiger toäre als fie ift*), fo ift auc^ ber @e- 
banfe einer SBerfö^nung ®otteS burd^ fid^ felbft nad^ ber l^errfc^en^ 
bcn Se^rttjeifc eben an bie SRötljigung burd^ bie ©ered^tigfeit 
©otteS gefnüpft, ba bie SBiHfür, toeld^e bie boppelte ^räbeftination 
bei)errfd^t, Don bem ©ebiete ber SSerföl^nungSlciire t^atfäd^Iid) fern 
gehalten mirb. 

bo(]^ in ber ^au^tfad^e, nämiic^ in bcr factifc^cn ^^(ncrfcnnung ber 9{otf)- 
wciibigfcit ber ©atiSfaction (Jl^rifti gum 3*^edc ber Griöfung, llcbcrcinftim^ 
mung jwifti^cn bcn Parteien ^crrfti^e. 3)ic ^Icugcrungcn üon Sabin, ^ciX[6)\, 
$ctrud HJJart^r tdnncn aber cbcnfo wenig inS Qbtxo\&^i fallen, weif bicfclbcn 
Scanner gan^j abfid^tliti^ unb auÄfüfirlit^ bcn ^Begriff bcr ©ati^faction bc= 
Raupten unb bcgrünben. 

1) Voetius 1. c. I. p. 842. 873. 

2) (£ß ift eine ^Icugerung bon (Soccejud (de foed. et testam. dei 
cap. 6, 92), mcld^ ©d^nedenburgcr anfül^rt: Ita mysterium illud maximum 
(pactum aetemum inter patrem et filium) patescit, quomodo in deo 
iustifioemur et salvemur, quomodo deus sit et qui iudicat et qui spondet 
atque ita iudicatur, qui absolvit et qui intercedit, qui mittit et qui 
mittitur. Item hoc, quomodo deus sibimet ipse satisfecerit suo sanguine. 



271- 

40. QJemcinfam ift beiben (Eonfcffioncn jtücttcnÄ ber ©c- 
bonie, bag bie @enugt^uung gegen bie ©ered^tigfett (Sottet ober 
gegen bad ®efe^ atö Folgerung aud ber en)tgen 9{egel bei5 
9}n^tniffed ber aKenfd^en 5U @ott fotpo^l burd^ bad £etben 
unb ben Xob S^rifti, old auc^ burd^ feine (SrfüQung bed @efc^ed, 
^ alfo bur^ bie obedientia passiva et activa Christi, — 
gekiftet loerbe (@. 235). Sßentgftend ift bie $(bn)eic^ung beo 
3o^ann$idcQtor in biefem $un!te, obgleid^ er unter ben 
Steformirten Stn^anger fanb, nur aU eine @pifobe Qn3ufel)eu, 
toelc^e bie mefentlid^e Uebereinftimmung ber Iut(^rifd^en unb ber 
reformirten I^otogen in bem öorliegenben 5ßunfte e^er bcförbert 
aU geftört f)at Snbeffen ift ed befonberd le^rreic^, an bem 
SSiberfprud^e $idcator'd gegen bie fatidfactorifd^e 8ebeutung be$ 
actioen (Sel^orfamd (£t)rifti, n^ie an ber Stellung, tneld^e bie 
@egner einnahmen, bie ISeobad^tung ju ben)ä^ren, bag bie @d^ul« 
t^ologie in beiben Gonfeffionen i^r ©efc^äft bes^ öcrftänbigen 
Siftinguirenö nid^t burd^ bad l)iftorifd^e SBerftäubniß be^ ur- 
fprungUd^en rcligiöfcn 3"föntmenljangeö ber ®ebanfen bel)errfc^te. 
$i«cator'^ S(nfic^t *), bafe nur baö Seiben unb ber 2;ob 6f)rifti 
fati^factorifd^e 95ebeutung l)abe, bejeid^nct of)ne 3^^^!^ ^^^ 5^^*' 
wirfung ber Irabition SÄctanc^tfjon'Ä (®. 234), »elc^e burdö 
Urfinud*) für bie beutfc^-reformirte ftird^e ujirffam geblieben ift. 
Xenn unter ben 3(nf)ängern ber SÖZcinung 5ßii^cator'^, tpelc^e id) 
bei 0er^arb angefüf)rt finbe, finb SWattf). SKartini, Subtp. ßrociuö 
unb Urban 5ßicriu^ in Jörcmen, 5ßareuö in ^eibelberg, 0ocleniuö 
in SRarburg Don §aufc au* 5D?e(and^t{)onianer. S)er Slngelpuntt 
ber SBef)auptung $ßi«^cutor'ö ift ber ©cbanfc, ftjcld^er aU religiöfe 



1) 3)a miv feine Theses theol. (^crbom 1618) nid)t i^uganoüd) waren, 
fo Wpfc idi ben ©toff ouS Gerhard, loc. theol. Tom. Vll. p. 61 sqq. 
Anton. Walaeus loci comm. (Opp. I. p. 398 sq.) unb ^aur, Q^efc^. 
Ux $CTf5^nungd(c{)re €. 352 ff. 

2) €(!^ne(Ienburger (8. 65) fü^rt umgcfe^rt ben Urftnud ald 3<^ugcn 
bofür an, ba( fc^on üor $i$eator ber fatidfQctorifd)c l@crt^ bed aetit)cn 
Oe^rfamd C[^rifti t)on ben reformirten X^ologen anerfannt morben fei. 
Scboc^ bie bon 8d^n. angeführten 91eugerungen bed llrfmud [xnh aud bem 
3ufammen^ng geriffen. ^eutlid) genug ergiebt [id^ aud bcffen 93ead|tung, 
bat Urfinud ben aetioen C^eborfam nur ald 93oraudfeßung ber ©traffatid- 
faction fennt, unb ben status humiliationis unter bem begriff be9 fietbend 
j^ufammcnfagt. 93gt. Explic catech. Opp. I. p. 93. 231. 232. 



•272 

(Srfalirung bic 9an5e rcfonnatorifd^e ©cbanfcncnttüicfelung bc- 
t)crrfd^t, baJ5 ©ünbcnüergcbung unb äicc^tfcrticjung jt)nont)mc ©c- 
äctd)nungcn bcrfclbcn Sac^c ftnb. Snbem and) bic Soncorbicii- 
formet bicfcn ®pracf)gcbraucl^ nocf) befolgt (S. 248), anbcrerfeit^ 
aber bie fati^factorifc^e 95ebcutung be^ actiocn ©e^orfam^ Sf)riftt 
aufftellt, fo wirb ber gefc^ic^tlicf)e Crt ber Se^rc ^idcator'^ nur 
in ber ®egenfiberftetlung mit ber Sef)re ber Soncorbicnformcl 
rid^tig beftimmt, unb nur f)ienacl^ bie ©rcnjcn ber Sontroöerfc 
jtoerfmäBig ermittelt. S)ie 3trgumentc nun, toelc^c ^^Jiöcator quo 
ber 93eftimmung be^ ®e)ege§, au^ ber ©eftimmung ber Satiö- 
faction für unfer ^eildbetoufetfein, enblid) axi^ ber SBeftimmung 
S^rifti ableitete, finb nid^t alle gleichen aBcrt[)c§. 1) S)aö ®efc^ 
berpflid)tet enttoeber jur Strafe ober 5um @et)orfam. 6()ri)tuc^ 
t)at unö öon ber Strafe befreit, bie toir ber Sünbe toegen frf)iilbig 
waren, alfo toar ed nid)t nöt^ig, baß Gl)riftu§ anftatt imferer 
bem ©efege ©e^orfam enoie^. 2) 23Jenn Gf)riftuö an unfercr 
©teile bad ®efe$ erfüllte, bann braurfien wir cö nic^t 5U t^un; 
biefe Folgerung ift abfurb, alfo auc^ bie 93orau§fegung. Scibcö 
le^nt ©erwarb mit Siecht ab, inbem er gegen bcn crften ®cf)Iufe 
baran erinnert, bafe bie ©ünber burrf) bie ©rbulbung ber Strafe 
für bie Uebertretung bed @efe$e^ nid^t oon ber Erfüllung beffelbeu 
entbunben werben, alfo auc^ il)r Stellvertreter beibe Seiftungen 
übernehmen muffe. (Segen bad jweite gilt, baß bie fteUoertrctenbc 
Erfüllung bed ©efe^ed burd^ S^riftuö nur bcn Sinn t)at, ba^- 
felbe für bie ©laubigen aufsu^cben, fofern eö ber urfprünglid)e 
STOaMtöb bed ^eiföerwerbe^ war, nicf)t aber fofern e§ ber allgemein 
geltenbe StRaßftab aucf) für baö cf)riftlid)e Seben ift. — 9lu§ ber 
©cftimmung ber Satiöfaction ß{)rifti für unfer SewuBtfcin üon 
Rechtfertigung ober Sünbenücrgebung folgert $jJi§cator 3) baf^ 
ber Sob (Slirifti überflüffig fein würbe. Wenn berfclbe burd) fein 
^eiligc^ 2cbcn Satiöfaction geleiftet i)at 4) S)a jcbod) ba^jenigc, 
wegen beffen bie Sünben vergeben werben, ber 3n^alt ber Sati^^^ 
faction ift, bie Sünben aber wegen be§ Xobcö G^rifti oergcbcn 
Werben, fo ift biefcr allein gcnugtljuenb für ©Ott. 2)icjc$ Strgu- 
mcnt bewäf)rte ^iöcator an bem religiös fittlic^en SclbfibcWu^tfcin 
gegen bcn Sinwanb, ba^ bic nnDollfomment)cit bcS ©cf)orfamd 
ber ©laubigen ber Serfung burd^ bcn öolltommcncn ©ct)orfam 
S^rifti bebürfe. Sr fagt 5) bafe biefe Unt)oIIfommenl)cit ber ©läubi^ 
gen eben nid^t angerechnet, fonbern oergcbcn wirb auö bcmfelben 



273 

9nutbe, bem Zobe S^rifti, nTclc^cr überhaupt bie Steinigung uon 
aller ®unbe, alfo auit) bie Don jener UnüoQfommen^eit bewirft. 
j&agegen fü^rt nun ^er^arb eine ^ifiinction ind ^% mld^Q 
gleic^jeitig bei Sut^eranem unb Sieformirten auftritt *), ba% näm^ 
fid^ bie Suftiftcation nicf|t blod in ber @ünbent)ergebung, fonbern 
au(^ in ber Snrecfinung ber ®erecf|tigfeit (S!^ri[ti befte^e, biefe 
aber in bem actiüen @e()orfam gegen bad ®efe^ gegrunbet fei. 
!£a nämlid^ ©Ott in ber 9tecf|tfertigung ber @ünber nic^t gegen 
bie cnrige Siegel bed ©efc^e^ öerftofeen fönne, fo muffe biefelbe fic^ 
auf DoQfommene SrfuUung bed @efe$ed ftü^en, meiere, ba fte Dom 
©finber nid^t geleiftet werben fann, an feiner ©teile burcfi S^riftu« 
geleiftet fei unb bem ©ünber angerechnet werben muffe. SBortäufig 
erinnere id^ baran, bafe jene 3)iftinction ber Soncorbienformel 
noc^ fremb ift ; inbem aber ebenf o i^re SBegriinbung auf bie beiben 
coorbinirten Slrten bcd ©e^orfam^ G^rifti ettoaS Sieueö ift, tt>irb 
biefer ®ebanfenjufammen^ang noc^ einer befonbem Prüfung be^ 
börfen. 8tuf biefem fünfte alfo ift ^idcator loenigften« nid^t fo 
leicht ju wiberlegen, al§ in bem oben erörterten. 2)ie einfluß* 
reicfifte Se^auptung ^i§cator'§ ift jebod^ 6) baß (Sf)riftu§ burc^ 
feinen actiücn @cf)orfam bcöf)aI6 nid^t ftcQüertrctcnb für unö f)a6e 
gcnugt^un !önnen, ba er alö SDienfd) für ftcf) ju beffen fieiftung 
öerpflicf|tet gcwefen ift. Sofeni aber Gf)riftuö nac^ bem ^^ugnife 
beö Paulus unter bem ©efe^e gcftanbcn i)abt, bejicl)e fic^ baS 
nur auf ben S^ucf} beö ©cfcßcö, ben 6f)riftu§ in feinem ßeiben 
ertragen ^at. 3(ücrbing§ i)abc ber actine ©e^orfam S^rifti gegen 
bad @efe^ auc^ eine Sebeutung für bie SatiSfaction, aber nur 
Diejenige inbirccte, \)a% oI)ne i>a^ fünblofe Scben S^rifti fein Seiben 
nic^t ben Satiöfactionenjcrt^ gef)abt f)ätte. 

S)urcf) bie legten Sä^c f)at ^iöcator jtoar nid)t bie rcfor* 
mirte Sc^nocifc DoÜftänbig unb c^arafteriftifc^ formuUrt, allein er 
vertritt Ijierin ein Sntercffc, n)elcf)c^ üon ber rcformirten 5^l|eologie 
aufrecht erf)alten unb Don ber lutl)erifc^en abgelel)nt wirb. @r f)at 
gerabe in biefem ©ebanfen Urftnuö^) jum SSorgänger, ber nur 



1) ©erwarb S. 69. — 3. 260 beruft er [\di auf ©einrieb unb Quf 
iBalbuin. (Sbenfo 9ucanu$ (Institutiones theol. 1604), t)or^er Q^corg 
So^niui^ (t 1586), Methodus theologiae unb Exegesis Aüg. Con- 
fesBionis (Opera ed. 3. 1609). 

2) Explicatio catechetica ad qu. 16: Quatuor modis Christus 
homo perfecte fuit iustus seu legem implevit 1) sua ipsius iustitia; 

I. 18 



274 

benfelbcn nod^ uicf)t fo antitf)etifc^ auögcbrücft i)at 3n bcn 
äufeerftcu ©ccjenfa^ ju biefer ?(nficf)t tritt nun bic bcr Iutl)crifcftcn 
©ogmatifer, njelc^e bic SJcrpflicfitung 6t)rifti, für fid) bcm öcfe^c 
©cl^ürfam su leiftcn, beö^alb in ?[6rcbc [teilen, roeil er alt- 
n?af)rer @ott nid^t bcm ©efctje nnterroorfen, fonbcrn 
bemfelben al^ ^cvx übergcorbnct fei. 35eöf)aI6 muft ber t)on beni 
®ottmenfcf|en bcm @cfe^e njirflidf) cjcleiftete @ef)orfam lebiglid) alis 
fieiftnncj an ber ©teile bcr Wenfcficn gebeutet werben. Sic eine 
tüic bic anbcre 9Inficf)t fteljt in birecter ?tb^ängigfcit Don bcm 
Unterfdiicb beibcr ^4?artcicn in bcr Scl)re Don ber ^erfon GI)vifti. 
Sft nad^ tut^crifdier 9lnftcl)t burd^ bic Sncarnation bcc> Sogoc- 
bic 9Jienfc^f)cit 6{)rifti ^^räger aller göttlichen Sigenfd^aftcn, alfo 
aud^ bcr Ueberorbnung über ba^ @cfe^ gcmorbcn, fo fann bic 
©rfüUung bcö Giefc^ci^ alö Act bcr exinauitio bcö f o befc^affcncn 
©ottmenfd^cn nur für bicjcnigen gelten, njcgcn bereu er bic ex- 
inanitio auf fid) naf)m. 3Birb hingegen, nac^ reformirter ?tnfid)t, 
ba^ 3Bort ©ottcö 3Jicnfd), inbem cs^ ftdf) bcr Sluöübung bcr fpc- 
cififd^cn göttlid^cn (Sigcnfd^aftcn begiebt, fo njibcrfprid^t ciJ nid)t 
bcr ®ott^eit (S^rifti, ba^ er al^ 9)?enfd^ bas^jenigc leiftct, \m<- 
aDen SKcnfd^cn jufommt, alfo aud^ bcn C^cI)orfam gegen baö 
@efe|i für fi^ fclbft. 3(Ucin bcöXücgen üerjid^ten bic l)auptfäd)^ 
lid^cn Präger bcr reformirten 3;^eologic fcincönjcgö barauf, iafi 
ber acttDc @et)orfam 6f)rifti bod^ juglcid) auc^ ftellDcrtretcnb für 
bic ©einigen ift. ©ic tragen bafür sujci in if)rem Umfang unb 
il)rer 3Sirfung abgeftufte ?Irgumcnte Dor, Don bcnen ba^ ^tDcitc 
nid^t bei ?tUcn mit bcm erften Dcrbunbcn ift. ?tlfteb, ftedermann, 
Ämcfiud, SSalacuö, SSitftuö erftären, ba%, ba G^riftuö nur ;^u 



solus enim perfectam obedientiam, qualem lex requirebat, praestitit; 
2) solvendo poenam sufficientem pro peccatis nostris. — Prior vocatur 
impletio legis per obedientiam, qua ipse fuit conformis legi; posterior 
impletio legis per poenam, quam pro nobis dependit; 3) in nobis 
implet legem suo spiritu, dum videlicet per spiritum sanctum nos re- 
generat, et per legem informat ad obedientiam internam et externam, 
quam lex a nobis requirit, et quam in hac vita inchoamus, integrani 
vero praestabimus in vita aetema; 4) implet legem Christus docendo 
et repurgando eam ab erroribus et corruptelis (Opp. L p. 93). ?rucö 
in bcn Theses de persona et officio unici mediatoris I. Chr. (1. c. p. 744 sq.) 
bringt II. jum bcutlic^cn ?Iudbrucf nur bcn fati^foctorifc^cn SBert^ bcd t)Qfriucn 
©c^orfamS d^rifti. 



275 

unfctem SBort^cilc aKcnfdö getporben ift, aud^ feine inbiöibueHc 
^efe^erfüDung 5u feiner @enugt^uung unb feinem 93erbienfte ge^ 
^öte »). SBucQnu^, ^olanus^, 2lmefiu§, SSoetiu^, §eibonud, SBifc* 
iva^ erflären in fortfc^teitenber Seutlid^feit, bie ganje ifjätig^ 
feit e^fti alö be^ SWittterd, feine SobeSleiftung toie fein @eI)or- 
fam benil^e barauf, baß er t)on öom^crein bie SSeftimmung Qfö 
Särge unb ^aupt ber j^u ©rlöfenben erfüllt*). SJiefer ©ebanfe 



1) Amesius, Medulla I. 21, 24: Quamvis haec obedientia legalis 
a Christo iam homine facto iure creationis exigebatur, quoniam tarnen 
non pro se ipso, sed pro nobis factus est, pars fuit huxniliationis et 
flatisfactionis et meriti illius. 

2) Bucanus, Institutiones theol. XXXI, 27: lustitia Christi — 
aliena non est, quatenus nobis destinata est. — Est etiam nostra illa 
iostitia, quatenus illud ipsum eins subiectum, nempe Christus, noster 
est. Polanus, Syntagma VI, 27. p. 781: Secundum quam naturam 
Christus est nobis a patre datus caput, secundum eandem est mediator 
inter deum et nos. Atqui secundum utramque naturam est datus caput. 
Ergo. Maior propositio est certissima, quia mediatorem esse est offi- 
cium illius, qui a deo caput constitutus est ipsi ecclesiae. Arnes iusl. 
20, 11: Pendet totum hoc mysterium (satisfactionis pro peccatis) ex eo, 
quod Christus sit constitutus talis mediator, ut sit etiam Sponsor et 
commune principium redimendorum, sicut Adamus fuit creatorum et 
perditorum. 12: In eadem Christi humiliatione fuit etiam meritum, 
qua ordinatur ad nostrum commodum. Ostenditur hoc omnibus illis 
scripturae locis, quibus dicitur obedientia sua nobis procurasse iustitiam. 
Voetius, Disp. theol. II. p. 229: Obedientia activa a Christo praestita 
est pro Christo, quatenus singularis ille homo erat legi divinae sub- 
iectus, pro nobis, quatenus Sponsor erat, et omnium salvandorum per- 
sonam sustinebat (supra: ecclesiam suam repraesentans), ac pro iis 
omnem iustitiam legis implebat, quam illi implere non poterant. Hei- 
danus, Corp. theol. ehr. loc. IX. (Tom. IL p. 79): Christus tanquam 
semen mulieris contriturum semen serpentis, ut sanctificaret reliquum 
semen, factus est secundus Adam, in quo omnes censemur. Ut quicquid 
ille ut secundus Adam pro nobis fecit et passus est, id perinde sit, ac 
si nos id fecissemus et passi essemus. p. 105: Christus hie consideran- 
dus venit ut persona coniuncta (iuxta 2 Cor. 5, 15), ut secundus Adam 
et Caput redimendorum. Witsius, de oecon. foed. dei U. 5, 11: Christus, 
ut dominus et caput et novus Adamus origo et fons haereditatis deri- 
vandae in fratres, habet obedientiam universae legis dei. Per eam tota 
multitudo eorum, qui ad ipsum pertinent, iusti constituuntur, i. e. 
censentur ius habere ad vitam aetemam, acsi quilibet eorum in propria 
persona illam obedientiam praestitisset. 



276 

tt)Qr üon daMn infofcm vorbereitet ald er bie priefterlic^e Function 
S^riftt ber föniglid^en untergcorbnet unb üon \i)t abtiängig gemacht 
^ttc (®. 208). 2)amit ift gemeint, bafe S^rifti ßeiftungen bic 
öcrfö^nenbe SBirfung be^^alb f)aben, tueit er burcf) feine perfön- 
lic^ 3Bürbc a(d berjcnige legitimirt ift, roeld^er an ber ©teile ber 
Srtt)ät)Itcn, bic ju it)m gepren, ju ^anbcln f)at S)ie 9tot^tt)cn^ 
biflfeit bicfeö 3"f^"^"^^"^^"SC^ bcruf)t barauf, bafe nic^t bloö bic 
3Birfung, fonbern aud^ bic Abfielt St)rifti ficf) auf bic (£rtüäf)Iten 
bc}iet)t, loelc^c t)on ®ott eioig in i^m erwählt finb, atö il^rcm 
SRittler unb Raupte, b. i). fo bafe er üon @ott emig al^ ba^ 
aKittel jur SßertoirKic^ung ber ®nabe an ben (Snod^Itcn beftimmt 
ift S)emgcmä6 ift ber It)pu^ ber reformirten 2:^eologie barin 
}um tJoQfommencn Stuöbrucf gebracht, bafe baö ©ubjcct ber mitt^ 
lerifd^en fieiftungen, tt)ie eö aucf) burc^ 3;i)oma^ öon Slquinum 
(®. 67) gefc^c^cn ift, aU caput ecclesiae d^araftcrifirt njirb. 
^icburc^ ift e§ möglich, nic^t bloö für Sfjrifti unücrfc^ulbcte^ 
ßcibcn, fonbern aud^ für feine OcfcöcrfüQung, unbefd^abet ifirer 
SBcftimmung für i^n felbft, ftcUocrtretcnbcn SSertf) ju bcfiauptcn. 
©iefcr ©cbanfcnrei^c ^aben fic^ bic lutfjcrifd^cn 3;^eologen 
fem gehalten; ic^ fe^c aber nid^t ein, itjarum fic biefelbe nidjt 
ff&ttm aboptircn fönnen. SRur äufecre (äJrünbc fönnen bafür 
gcitenb gcmad^t toerben, ba§ e§ nid)t gef d^at) ; cttoa njcil bie 3bec 
burdEi it)rc Sßcrfled^tung mit bem ©cbanfen ber Snoä^Iung fic ben 
ßut^eranern öcrbäc^tig mad^te, ober njcil fic bei ben SRcformirtcn 
fclbft erft fo fpät jum Äu^brucfc fam. S)enn nic^t nur laffcn ßutf)cr 
unb S5rcnj auf biefc Kombination rechnen, ba fic bie Sied^tfertigung 
an bic fiird^c fnüpfen (@. 209); fonbern inbem bic Iut^crifcf)c 
Sclire t)on ber ^erfon S^rifti ba§ fiönigtt)um ß^rifti als 9(ttribut 
feiner 3ncamation feftftcUt, fo lann bic ©cltung feiner exinani- 
tio nid^t f)inbern, bafe er fd^on in ber 9tbfic^t, bic Äird)c burrf) 
feinen boppeltcn ®ef)orfam ju grünben, als baS mirtfame öaupt 
berfclben erfannt njcrbc. S)a§ man jebod^ biefen ©cbanfen nicf)t 
gcbilbct f)at, rüf)rt öon bem Wangel an f^ftcmatifd^cm ®cift bei 
ben lut^erifd^cn Ideologen tjcr. ©crfclbc njürbe fid^ ben)äf)rcn 
in ber ??erfnüpfung ber (£r!cnntniffe burc^ ben ß^jccf begriff ; iebod) 
anftatt beffen bcbient fid^ bic lutl)crifc^c 2;i)coIogic gemäfe bem 
SSorbilbc 3WcIanc^tt)on'S immer nur ber ^Begriffe öon Urfad)c unb 
SSirfung. 2)eS^alb bringt fic eS auc^ nid^t jur ©rfenntnife ber 
gegenfcitigen SBcbingt^cit icbcS ber Slcmtcr S^rifti burc^ bic beiben 



277 

orbctcn, ionbcrii kgnügt fid) mit einer "Jarileüiing bericlben, 

I Juelrfie nur al3 eine Dorläufigc (^tonologifdje Sdiemottfirung beS 

©toffee gellen timii, nai) \vdd]tr bie eigentliche SIrbeit beä Se= 

flteifenS bcr Siiil)cit ber mittlerift^en Iljätigteiten (Efttifli erft 

btginnen foUtc, ?lllerbin9« bient jur SWilbening biefed Urtf)cil» 

ber Umftanb, baft aiit^ bie reformirten jC^eoIogen bie il))temati(c^e 

3Ketf)obc liiert in burc^greifenbet ©eije finnbljaben. ©erabe in 

bcr SatfteUung ber brei 9(cmter GI)rifti ^aben fie fic^ ben 5.*or= 

t^il nidit ju 9!uije gemacht, ben GalDin buri^ bie Uetcrorbnung 

be6 tijniglic^ni Slmtcä S[)rifti über bau pcieftetlic^e geißcnnen 

iiatte. Sie bebiciten fiift »)ielincl)r beffelben äu6erlici)en Sdjema 

imb ber Meifienfolge, lueldic bie Sutfjeraner nac^ ber ^eitorbnung 

bed Sebenä Sefn aufgefafet fjobcn, unb be§£)alb gcroiniit auc^ bei 

i[)nen bie Sbec uon HdriftuS als capat ecciesiae ni[f]t bie beut= 

licfic unb burc^gretfenbe Sarftellung, rocltfie man cnpartcn foütc. 

Um io roeniiier fiel ben Suttjerancm ber Sertfj berfelben für bie 

lleutung ber mittlctiicfien Ceiftungen G^rifti in bie Stugen. Scl)aben 

aber ^ättc fie benielben, wenn fic fie aufiial)nien, nic^t gebraut, 

(mibem nur 93Drt[)eil. Sieim roaä bie luttjerifdje Scgrünbung bcr 

OHÄft^IieÖlicftcn Scbeutung beö ttjätigen QJe^orfam« 6I)riftt für 

bie StcUucrtretung ber Sünber 6etrifft. fo ift fie fc^r roenig im 

(Hnflang mit ben übrigen *}Jrincipien bcr Inttierifdien Sel)rc. 5?afe 

r ©Ott ^err be^ ©efe^eö unb ber (Sottmenftfi beStuegen niif beffen 

I fefüUung für fic^ nicßt ucrpfliditet fei, ift ein @eftd)täpun[t, 

I lDeI<$cr ber lutbcrifd)en Xt)eoIogie ni^t roürbig ift. 9Iämlic^ ^iet 

I fc^Iägt feltfornenueife ber fcotiftifcfte ©otteebegriff burc^, ben bie 

ßut^rflner foiift fo geidjiiit finb ^u «ermeibcn. unb beffen t^cttung 

I in ber calDtnifc^en ^obeftinationälefire für ©erwarb eineu iet)v un^ 

[ Beret^tifltcn Slnlofe jur SKifebentung ber rcformirten 5.lerföt)nungä^ 

[ fcljre gegeben tjat (@. 266). greilicft q1« SWominolift mn^te eutljer 

I nit^t anbersi. als ba|i @ott exlex fei; aber inbem bie ßuti}eroncr 

l fluf Cut^r'^ ^rabcftination&teljrc neräic^tetcn, f)abtn fie gerabc 

I jene Sfieinung boit ficf) gefto&cn: unb ifjrer ißerfß^nungSleljrc Hegt 

I ber Quagefprod)cne QJcbanfc ju ©runbc, baf; bae ©efc^ bcr eraigc 

I anljalt beä SKilien« ®otteäi fclbft fei. Sft c6 alfo nid)t üielmet)r 

! itt Uebereinftimmung mit biefcm 0runbfa6, inbem Saloeuis 

I Wc Sut^aner loegcn iljrcr SluSbeiitung uon ü)(attf). 12, 8, bafe 

f 6()Tiftu* Qlä ©Ott lege superior fei, bamit .^urec^ttoeift : nee ta- 

) men propterea pntuit ae ipsnm abnegare, quia natura dirina 



278 

sibi ipsi lex est? ®crabc bic ®ottf)cit Sf)rifti ipürbe bcmnarf) 
bcn ©cbanfcn bcgrünbcn, baß bcr ©ottmcnfd) für )xä) felbft nic^t 
Qnbcr^ fann al^ bcm ®cfcgc gcmäfe ju leben. 3c^ tpitt I)iemit 
Qnjcigen, bafe bic 2lbmcid^ung, weld^c in bcr Deutung ber obedien- 
tia activa Christi 5tt)ifcf|cn ben 2;f)co[ogcn bciber Parteien 06== 
toaltct, feinen feften Ärtunterfd^teb jrtifc^en it)ren Sef)ren be^eid^nct, 
ba§ er öielme^r äufäUig unb nid^t principicll ift. 

2)ie Seurt^eilung, toelc^e ©d^necfenburger (®. 61 ff.) ber 
Dörfer erörterten @ebanfenrcif)e ber reformirten Ifieologen mibmet, 
ffi^rt nic^t jum ßiele, fonbem ergel)t ftc^ in unricf)tigen golge^ 
rangen auö gctoiffen 58orau§fe^ungen ber reformirten ßfiriftologic, 
toeil i^m jene für bie gefc^id^tlidien Seiftungen St)rifti majsgcbenbc 
Sebeutung als capnt et Sponsor electorum gänjlid) entgangen 
ift Siicl^tig ift bic Semerfung, baß ber fteÜDcrtretenbe SSertI) beö 
actiüen @ef)orfamS G^rifti gegen ^^JiScator nicf)t fc^on burd^ bie 
SKlcfftc^t erttjiefen ift, bafe ß^riftuS nid^t für ft^, fonbem nur um 
unferer tt^ißen STOenfc^ ift. 35enn biefer Seftimmung mürbe Sf)riftuö 
aud) entfprc^n, menn feine üoUfommene ©efe^erfüUung mit ^i§^ 
cator ate bie Sebingung angefe^en mürbe, of)ne mclcf)e er nicf)t 
onftatt unferer bie ©träfe erlctben fonntc. 9(IIein in ber öeftimmung 
ald Caput et Sponsor electorum ift S^riftuö baju legitimirt, baß 
feine ^anblungen für feine ©emeinbe angefef)en merben, alö feien 
fie öon biefer fe(6ft geleiftet morben. 3m meitem Serlaufe fcineö 
UrtfieitS nimmt nun Sc^necfenburger aüerbingö 9?oti,^ Don bem 
Oebanfen ber unio fidelinm cum Christo, ffir erinnert an bic 
(fpäter öorjufü^rcnbc) annähme, bafe S^riftuö für fid^ biegloria 
tjcrbtcnt f)a6c, unb jugteicf) für bie Stnbcren, bic mit ifjm öinö 
finb, unb benen bcÄf)aIb fein SJerbienft jugerec^net merben fann; 
aber er meint, bafe biefe ©emeinfc^aft mit Sf)riftuö nur alö SBir^ 
fung ber öerbicnftlid^cn ©cfc^crfüüung Sf)rifti aufgefaßt merbe, 
bofe jcbod^ biefer ©cfe^crfüQung fein ftcüocrtretcnbcr 3Sert^ bei- 
gelegt merben fönne, ba bic ©einen gerabc alö folc^e bem ©efe^e 
verpflichtet merben. StUcin biefe Semcrfungen finb eben nic^t im 
©inne bcr reformirten If)eoIogic. Sie mirflid^e ßinigung ber 
(£rroäf)Itcn mit S^riftuS mirb burd) beffen efficacia (im ^eiligen 
®cifte) auf feine satisfactio et meritum gerabc bcS^alb begrünbct, 
mcil er in ber abfic^tüd^en 3(uöübung feiner amtlid^en Functionen 
auf Orunb beS @rmäf)Iung§rat^fcf|IuffeS ober beS emigen pactum 
im SBorauS afö baö §aupt unb bcr Sürge ber ,\u Sriöfenben 



279 

bargcftcHt ift ^). Safe er afö f olrfier an ber ©teile ber ©mahlten 
baä ©cfeft crfüUt, ^itb ferner burc^ bie öerf(i)ärfte ©erpflidjtung 
bcrfclben auf ba§ (Sefe^ nid^t tüiberlegt. S)enn njie bie 9Uten 
beutltcfi genug erHären, fommt e§ bei bem fteQüertretenben SSert^e 
beö actiöen ®et|orfamö Gf)riftt barauf an, ba§ ®efe§ alö baö 
ÜÄafe beö felbftönbigen Srttjerbe^ ber ®clig!eit aufju^eben; ba* 
neben fann ber pfli^tmäfeige ©e^orfam ber @rtt)äl)lten gegen baö 
©efe^ burd) ben ©efic^t^punft ber göttlichen ®nabenorbnung be* 
grünbet fein. ®^ ift alfo fein SSiberfprud^, bafe bad Oefeß als 
SWafeftab beS ^eilSeriperbeä burc^ 6f)rifti ftellöertretenbe Srfüttung 
für und aufgehoben ift, unb bajs @ott bie aud ®nabe (£m)ät)Iten 
auf bem 2Sege ber ©efe^erfüüung ju bem ©nabenjiel be§ endigen 
fiebenS gelangen läßt. 

41. ©erwarb \)attc "ißiScator'ö SBiberfprucf) gegen bie fatiö- 
factorifc^e ©ebeutung beö actiöen @ef)orfamö G^rifti burd) bie 
3)iftinctiün .^urürfgeujiefen, bafe bie Suftification bie Siergebung 
ber Sünbcn unb bie 3tnred)nung ber ©crcd)tigfeit 
t£t)rifti umfaffc, ba% jene auf bie fatidfactorifd)e Sebcutung bei^ 
Xobe^^, bicfc auf bie beö 2cbcn^ G^rifti fid) ftüfec (S. 273). 
S)iefe gormcl, in meld^er S^omafiuö in Griangen ben genuinen 
©inn bcö Öcgriff^ ber 9Jcd)tfertigung crfennt (®. 248), fommt 
jttjar bei Iutt)crifdicn luie reformirten 2)ogmatifern jur 'Jlnttjenbung ; 
aber njie fie ben Sprad^gebraud^ ber SReformationöepoc^c Ver- 
leugnet fo I)at fie fcincöioegd burc^gel)enbe ^uftomung gefunben. 
0erf)arb jclbft (tom. VII. p. 2(50. 261. Loc. 17. cap. 4. S 199) 
muß geftcf)cn, baft bie beiben ©üter nid^t in SSirflid^feit, fonbem 
nur secundum rationem, b. f). nad^ einer fef)r äußerlichen 93e=^ 
tracfitung-^mcifc ju uutcrfd^ciben finb, unb Cuenftebt ftimmt ba^ 
mit übcrcin. Saicr (Theol. pos. III. 5, 11), mit ^Berufung auf 
^ülfcmann, tocift roenigftenö barauf I)in, baß toenn jene ©üter 
unterfc^iebcn mcrbcn foücn, bie imputatio iustitiae begrifflid^ ber 
Stuf^ebung ber Sünbcnfd)ulb oorange()e, unb ebenfo entfd^eiben 
fid^ bie SJcformirten 'ilJolanuö (Syntagma p. 840), §. Süting 
(Theol. probl. nova p. 726) unb graue, ^^urretinuö (Compend. 
theol. coDscr. a L. Riisseuio p. 427). S)ie SJoranfteüung ber 
SünbcHDcrgcbung Dor ber ?(nrecf|nung ber @erecf|tigfeit, ttjelcfie 

1) "iSc^U bio üben (5. 275) angeführten Selügc. 



280 

I^omaftuö billigt, ift nur bie oberftäcf)ticlöc Stuffaffung cincS üor- 
flcblic^ crfc^cincnben SScrlaufcö unter bem ©c^ema ber termini a 
quo unb ad quem. S)cnn tt)cnn man mit biefer Sd^utociöfieit 
bad ^I)änomcn be§ Senjußtfeinö t)erglcid)t tüeld)e^ crflärt merbcn 
foll, fo enthält baffclbe bic bcibcn Urtf)eilc: ic^ bin frei üon Sc^utb, 
unb: ic^ bin geredet gcfprod^en, im (Sinne i^rer üoUfommenen 
SbcntitQt. S)ie S)iftinction ift alfo nicf|t mit SBerücffic^tigung beö 
fubjectitjcn 9lcci^tfcrtigung^bctt)u6tfcin^ gebilbet, fonbem nur ju 
@^ren ber Soorbination ber beiben Slrtcn bcö ©e^orfamö 6l)rifti 
gegen ba§ @efefc unter bem ®eficf|töpunfte ber ©atiöfaction. 2)cö* 
^alb fc^eint bad ?lrgument @erf)arb'ö gegen ^iScator nid|t triftig 
ju fein. Sie fatiöfactorifd^e S3ebeutung beö actiöen ®et)orfam^ 
neben ber beö paffiöen foll erfannt tüerben au^ ber entfpred^enben 
Unterfc^eibung öon ©finbenüergcbung unb 9lnred^nung ber @e^ 
red^tigfeit. 9?un aber tpeife ber ©laubige biefeö S3cibeö nid|t alö 
unterfc^iebenen S3efifc. 2llfo fann fic^ ber ©laubige auc^ nid^t 
öon ber Siot^tpenbigfeit jener S)iftinction überjcugen. 

SBenn aud^ bie gegen SÄeland^tljon'ö ®d)ule übereinftim=» 
menbe 95el)auptung beö fati^factorifc^en SSertl)e^ be§ actioen ®e= 
^orfamd G^rifti jene ^robe an bem SSetPufetfein beö ©laubigen 
nid^t beftet)t, fo liegt biefelbe bodti au§ einer anbern Siüdfid^t in 
ber ßonfequenj ber SSorauöfe^ungen, njeld^c öon beiben 3^^i9^J^ 
ber reformatorifc^en Xfteplogie anerfannt werben. SlUein biefe 
9iücffic^t ift trog alle§ ©d^arffinn^ ber Xl)eologen in ber Gpod^c 
bed 17. 3af)rf)unbert^ nid^t flar geftellt morbcn. 2)er ©cbanfc, 
auf ben eö anfommt tüirb öon ben 9(lten oft genug auögcfprod^en, 
aber nur im apologetifc^en 3"fö"^^^"^^"9^r f)ingegcn tüirb er 
nid^t an feinem f^ftematifcfien Orte öenoenbet, »eil fein 3nt)alt 
nid^t unmittelbar im leitenben religiöfen SBetüußtfein Dortommt. 
@e^r präcid fpric^t i^n 5. ©. g. SCurretinu^^ (a. a. D. ®. 425) 
aud: Obiectio: Ergo dos non tenemur ad obedientiam activam, 
quia Christas eam pro nobis praestitit. Resp. Negatur con- 
sequentia. Sequitar quidem, dos ad eam non teneri eundem 
in finem, sc. ut per eam vivamus; sed nou obstat, quomiuus 
teneamur ad idem obsequium deo praestaudum, non ut viva- 
mos, sed quia vivimus, non ut ius acquiramus ad vitam, sed 
ut iuris aequisiti possessionem adeamus*). 2)en SSertt) bicfcö 

1) @. 0. 8. 279 meine gleiche SBeinerfung gegen @cf)nec!enburgcr. 
SBgl. ©crbarb 1. c. p. 71 (gegen $idcator): Ab onere perfectae et ad 




1 

llärung bei 1 

r ©läubtgc ^ 



@eban[enS t)abf id) fc^oii üben (S. 249) bei ber SrClärung 
Se^re bet ßoncürbiaifonnel bejcirfjnct. Snbcm fic^ bet 
megen Gliriftuö ber SJetfle&ung bet ©c^ulb bewufet ift, bic er burcfi 
Uebertittung be* (yeic^eä fic^ äugejogeii tjat, fo ift ber 0noben= 
^araftet bet i^nt bciuiifeteii tbeiiti(ct)cn ©erei^tigteit uor öott 
ni^t fi^er gcftelit, töcnn et nidfjt jugletc^ fit& entbunben weife 
Don bem SKctfeföuerbanbe, bcii bai eroige Öeje^ babin ieffftcUt, 
boB bie Ökred)ltglett ober baS clnifle i.'e6en biirc^ bie örfiillunfl 
(einer ©ebote uon ben aWeni'dien erteilet wirb '). S^urt^ biefe 
SRüdficljt erft loirb, auf ©riiiib ber gcmeinfamen ^-ItotaiiSJc^uiigen, 
■ißiscfltot'ä SSe^auptung loibcrlcgt, bnß ßtiriftuö nur burcf) jctii 
fteÜDcrtiTtcnbeö Reiben iiiiö von bcm Jtu^e bei ©eiere'S Oejteit 
bat. Xenn baä* ftöitc bm Sinn, bai, nod)bem wnfcrc Scijulb 
gegen baö 0cfc^ getilgt mar, wir aud] nnter (i()riftHi> uon Sieiiem 
bnö einige iJebcn burd) ©efegerfüflung nad) bcm 3)Iafee bei Mcc^tc* 
äu erftreben tioben. Süfo DürauSgcfegt, bafe baä ©efeg als SIhs!= 
bnid bet eroigen ©erci^tigCeit bie 3)ienid)eii urfptüiiglic^ rec^tlid) 
boä» uetpflii^tet, bnvc^ SrfiiHung feiner öebote boi einige Sebcn 
ju cnucrben, üorauÄgcfetit, baß bie ©nabcnorbnung unter ßfjriftus 
bie Söergebniig hn @efe^übetttctungeii ber 5Kenf(^en ,\ut perma' 
nenten ©tunbiage bed ScbemS ber ©laubigen macf)t, fo muß bet 
öegriinber biefer Otbnung snglc'c^ bafiir bürgen, bafe ba« ©efe^i 
alä red)tlid)er Sliafeftab beö Sduetbeä be« ewigen Sebenä übet= 
t)aupt feine Slnfprüt^e mcl)t an bie ©laubigen ntadit. 3Jorausge- 
fcßl aber, baß bie ©nabenorbnung rtirf}f überhaupt in ÜBiberfprud) 
mit bet eroigen ©ereditigfeit (Sottci nnb mit bcren ?tu«brude, bem 
©cfe^c, treten bcirf, wotauägcfept, bafi bie ?tbiöfung bcÄ Öefe^icö 
burrf) ßbnftii^ "id]t ben ©inn ber abrogatio et diüpenBatio, 

ritHm aeternam adaequendam praestandae Dbedientiae Christus per- 
fectiMima aus obedientia noa Hberavit, 

IJ 2Sic wenig itx erörterte (^baiite bei ben Drll|obo;cn ^ogmulitern 
t iQftcmattfifice IRtäjt gewinnt, ergic&t fi<^ j. 9. barauS, ba^ ^alacuä 
I CLurnftebt, mcldio ftd) \o über bic 9tull)irciibj)itc{t ber «atiafacliDn 
ä C^fti ncticcii Otc^or^am aujtfpret^en, mie id) cd borgctragen ^nbe, 
jugicicfi bie S)ifKnctian aufftcUen. ba| ber paffiue @cl)Drfntn imtcn Strafe, 
bei actiDe unfcre Si^ulb (culpa) bedl, — eine Siftinetion, welifie cnRDcber 
ganj unDcrftttnblid) ift, ober über ben Q)e(i<6t@trei3 neil bincuSgicift, ben bie 
i^MOfobott 5^lBflie einnimmt, ajijl. Snlncu* 1. c. p. S97. 399, Quen-- 
|»bl P. HL p. 282. 284, 



282 

fonbcru bcn bcr exsccutio et explicatio Ijabcn muß, fo ift nötl)i9, 
baß G^riftuiJ anstatt bcr 3Kenfcf|cn al§ Sünbcr bic Strafforbcrung 
bc^ ©cfegeö, unb anftatt bcr SKcnfc^cn al^ 3Äcnfd)cn bic JRcd^tö^ 
forbcrung bcö ®cfc^cö erfüllt t)at ')• 

"Die ©enugt^uuufl ß^rifti gegen bic weitere unb gegen bic 
engere JJorbcrung be^ ®efc^e^ mirb al^ Urfad^e unferer 9icd)tfer=^ 
tigung bcfanntlid^ abgeleitet auö bcr ©crcc^tigfcit ©ottcö. ytnn 
ift aber unferc Sied^tfertigung birect alö SSirfung bcr göttlid)en 
Siebe unb ®nabc gemeint. S)ie @cnugtt)uung (Sf)rifti an bic 
göttliche ©cred^tigfeit fann alfo nur inbirect, nur aU conditio 
sine qua non bcr SRcd^tfertigung bcr ©laubigen aufgefaßt mer^^ 
bcn. Sofern bic ßciftungcn C£^rifti ald @cnugtl)uung an ba^ 
®cfc§ für bic ©laubigen gelten, ift bamit erft bic "Jtblöfung be*5 
ÜRaBftabcö bcr juriftifcficn ©crcc^tigfcit ©ottcö erflärt, nod^ nid)t 
aber bic gcftftcltung beS neuen SRaßfiabeö bcr pofttiö rechtfertig 
gcnbcn @nabe. S)ie J^cologen t)abcn ftc^ biefcn ©cfid^tepunft 
oft genug nid)t Har gemacht. 3d^ barf hingegen baran erinnern 
(®. 248), bafe bic Goncorbicnformel biefer JRücfftd^t entfprid)t, 
inbcm fic neben bcn coorbinirten 5*>nnen bes^ paffiücn unb beö 
actiöen ©c^orfamd ß^rifti, toelc^e bcn Jorbcrungen be^ @cfet»e^5 
genugget^an ^aben, ©eibeö in bem ©neu frciioilligen ®e()orfam 
5ufammcnfa§t, bcn ß^riftuö boc^ aud^ im Reiben tf)ätig bem ^'\U 
Icn ©ottcö gelciftct [jat, unb bcr au^ @nabe ben ©laubigen al^ 
i^re ©erec^tigfeit angered^nct wirb. 9hin foUte man in bcr lEon- 
fcqucn^ bcr 2ef)rc üon G^rifti ^^erfon erwarten, baß, fofern bcr 
©ottmcufd) alö bcr SJertreter bcr ÜJtenfd^cn burd) fein -V^an^ 
beln unb Seiben bic oon bcr ©ercd^tigfcit ©ottcc^ gcftclltc öebin^ 
gung bcr 9ied)tfertigung bcr ©laubigen crfüQt ^ugleid^ in bem 
auö bcr Siebe ju ben SKcnfd^cn flicBcnbcn ©e[)orfam bc^^ gauäcn 
Seben^ bc§ ©ottmenfd^en bic i^crtretung bcr Siebe unb ©nabc 



1) Rodolf, Catechesis Pal. illustrata p. 338. lus ad vitam pendet 
ab impletione legis, p. 340. (In Christo) deus nos iustificat imputata 
ea iustitia, quam lex primaria intentione exigit, quae alia non est, 
quam perfecta legis impletio. Altera illa, quae in passiva obedientia 
sita est, secundario demum et supplendo prioris defectui a lege postu- 
latur. Assertioni nostrae inde fides constat, quia iustificatio nostra fit 
sine legis rescissione, quin potius cum legis stabilitione. Adde, si dcus 
sola peccatorum remissione nos iustificaret censendo, nos nihil 
omisisse, hactenus solum essemus non iniusti. 



283 

@ottcä aufgctoicfcn, unb in bemfclbcn ntc^t bloö ber Stoff, fon- 
bem aucfi bic formelle Jh:aft ber poftti))en 9iec^tfertigung nac^- 
geioiefen tofirbe. 9lur auf biefem SScge würbe baö ©leid^gemid^t 
in ber Deutung ber Functionen S^rifti jum äudbruef fommen, 
tt)elci^d burc^ bie Seigre ))on bcn ffod Staturen (Si)ri]ti geforbert 
»irb. Allein fo, njic bie Se^re üon ben Sut^eranem unb bcn 
Salöiniften wirHic^ cnttoicfelt ift foll bie göttli^e SRatur Gf)rifti 
beim Seiben (S^rifti nur al^ wert^gebenbed SWomcnt, beim §an^ 
beln ®f)rifti al^ öebingung feiner SSollfommen^eit bctfieiligt fein; 
in feinem biefer gäQc ift fie, mie in ber propl^tifd^en unb fönig- 
liefen gi^ttction 6f)rifti, al^ tüirfenbe^ ©ubject aufgefaßt. Xxoij 
alleö SifcrfiJ gegen bie fcf|olaftifc^c Slnfici^t, bafeblo^ bie mcnfc^^ 
lic^e Statur 6t)rifti ©ubject feinet irbifd^en Xf^nn^ unb Seiben^ 
fei, fommt bie Slnfic^t ber Süangelifd^cn auf nic^tö Änbercö I)in* 
aus. ©ofern alfo bie ®nabc ©otteÄ für ben SSerlauf unb bic 
SBirfung bcS S^unö unb fieibcnS S^rifti öcranfd^Iagt wirb, be- 
fc^ränft ficf) bic 9Rcinung ber 5^^coIogen barauf, bafe bie ©nabe 
©ottcS bcn ©ottmcnfdjcu inä 2)afcin fü^rt, unb baß fic feine 
ßciftungcn bcn ©laubigen ^ur ©ercc^tigfcit recl)nct. 3liä)t aber 
tpirb bic Smmancnj ber Siebe OotteS fclbft in ber Siebe unb bem 
®cl)orfam Sljrifti bargclcgt, nod) für bcn 3ufcimmcnf)ang ber Sefjrc 
ücrtt}crtl)ct. 9Siclmcl)r wirb ber ©c^orfam ober bic ©ercd)tigfcit 
ß^rifti al^ ber Stoff, ber bcn ©täubigen angered^nct wirb, unter 
bem Scgriffc bcö 9Scrbicnftc^ bem ©nabenwillcn ©ottcö 
gcgcnübcrgcftcllt, wcld)cr bic formelle Äraft feiner Slnwcnbung 
auf bie einzelnen ©laubigen ift. 

Urfprünglid) untcrfd^cibcn bic cöangclifdicn 2;^eologcu gar 
nic^t ^wifc^cn satisfactio unb meritum, fonbern bic ber ©crcc^- 
tigfeit ©ottcö .^ugcwcnbctcn Seiftungen, welche ftreng genommen 
unter bcn 33cgriff satisfactio fallen, werben, of)ne bafe ein Sc- 
wufetfciu bcö Untcrfc^iebeS obwaltet, aucf) alö meritum bcjcicl^' 
nct. 2)icfcr Sprad^gcbraudf) bleibt auc^ bei ben SRcformirten 
l)crrfc^cub. Die Goncorbicnformel t)atte nun aber balb bcn paf- 
fiücn unb bcn actiocn @ct)orfam St)rifti unterfc^ieben unb auf 
bic abgcftuftcn gorberungen ber ©cred^ttgfeit ©otteS besogen, 
balb bic cntgcgcngcfc^tcn @rfcf)einungcn be§ SeibenS unb %\)Vin^ 
G^rifti wicbcr sufammcngcfaßt unter ben SiebeSget)orfam ß^rifti 
gegen ©ott (3. 248). ,^icmit waren bie ncgatiüc unb bic pofi- 
tiüc Öcbingung ber 9tc(i)tfcrtigung untcrfcf)iebcn worben. 9Rocf|tc 



284 

nun für bic negatiüc Söebingung ber SBefriebigung ber göttlid^cn 
@ercc^tigfett bie gleiche Geltung ))0n satisfactio unb meritnm fort- 
bQucrn, fo bcjcic^nct eö einen ricf|tigen Snftinct ba§ ber juriftifc^c 
SScgriff satisfactio unterbrücft wirb, wenn eö fic^ um bie@erec]^s 
tigleit ober ben ©e^orfam 6t)rifti ^anbelt. ber ald Stoff ber 
^Rechtfertigung au^ ®nabe öorgeftellt wirb. Stnftatt beffen bietet 
fic^ nämlid^ burcfigängig, unb fcf|on frü^, 5. SB. bei ©etnerfer 
ber audfd^Ueglic^e ©ebraud^ Don meritum für bie 93e}eid)nung 
ber pofitiöen Scbingung ber Sied^tfertigung bar. ®ie§ ift fe^r 
beutlic^ bei ©erwarb. D^ne ba§ er abfid^tlid) ä^ifd^en beiben S8e= 
griffen unterfd^eibet, nimmt er juerft ben 2;itel ber causa meri- 
toria iustificationis für ben ganjen Umfang ber ^eildmägigen 
Seiftungen 6t)rifti, bejeic^net bann bie negatiüe SSebingung in ber 
boppelten ©efe^erfüQung 6f)rifti beliebig a(d satisfactio unb a(^ 
meritum, trägt bann aber bie 3)arfteIIung ber pofitiüen 93e- 
bingung ber SRed^tfcrtiguufl unter bem 2;itel öor, per quod Chri- 
stus iustitiam coram deo valentem promeruerit (loc. XVII. 2, 
55): Tota Christi obedientia, tam activa quam passiva ad illnd 
meritum concurrit Quamvis enim saepe morti Christi re- 
demtionis opus tribuatur, id ideo fit, quia nusquam illuxit 
clarius, qupd dos dilexerit ac redemerit dominus, quam in 
ipsius passione et morte, et quia mors Christi est finis et 
perfectio totius obedientiae. Plane ddvvatov est, activam obe- 
dientiam a passiva in hoc merito separare, quia in ipsa Chri- 
sti morte concurrit voluntaria illa obedientia et ardentissima 
dilectio, quarum prior patrem coelestem, posterior nos homi- 
nes respicit. 

(£§ ift beötjulb erflärtic^, bafe fid^ aud^ eine abfid^tlid^e Un^ 
terf^cibung beiber ©efic^t^punfte einftellt. 9?atürlid^ bleibt bie- 
felbe eine begriffliche. Ämcfiud (medulla I. 20, 13), bei bem 
ic^ fie perft finbe, jagt au^brüdftic^, bafe fie nicf)t gilt re ipsa, ita 
ut in variis et inter se differentibus operationibus debeant 
qnaeri, sed varia ratione in una eademque obedientia debent 
agnosci. Allein biefe ©iftinction f)at bnvi) Slmefiuö nic^t bie 
nött)ige 9Inn)enbung gefunben. (£r bejiefjt bie satisfactio auf 
ba^ ©trafleiben, bad meritum auf ben actiüen ©e^orfam, inbem 
er biefen nid^t ald bic actiöe (Erfüllung beö ©efe^e«^ unb al^ bic 
2iotalität ber Erfüllung bed göttlid^en äöiHenö biftinguirt. Grft 
auf ber §ö^e ber tf)eologifc^en (£nttt)icfelung bringt e§ Duen- 



285 



ftebt all einer leii)[id)cn 5[ll^cilIalI^erieyu^9 bcr Sot^e 'I. Senn 
in 9ir. 1 ift bec Erfolg ber ScitistQction 511 eng gefaxt, unb 
bloS ber pQifite ©ctjodam alä Stoff iene* ©egrtffc« gefegt, iii' 
Mi'en crgicbt ficf) atiä 3ir. 4, baß aucf) bic ftcUDcttrctenbe Srfül= 
lung beÄ @iic1jc5 unter bie SatiSfaction fäUt. öingcgen burftc 
an bet Srnnb bct Soitcorbienfoniicl unter 3lr. 4 beutlid)ci: f)cr= 
Dorgcliobcn werben, bfl§ bie bciben arten be* @et)or)'am5 in iljrec 
Unterfd)etbung fatisfactorifd), in i^rcr 3"ifl'n'''f tiffung incrito= 
rifd) finb. kernet ift unter 9ir. 2 toai iBcrlidttniß bcibcr i8e= 
griffe ^u einmifaer im 5c^cmn Doti causa unb effectns iii^t 
gtücflid) bargeftcUt, wenn 9Ir. 5 Mcc^t t}at, baß bic tbentiit^cu 
§anblungen nacf) il)cen ueiicftiebenen JBeäiefjnngeii iu @ott burtft 
jenes Segriffsvanr untevid)icben lucrben. Sa nun aber bie grci^ 

»^ beö öcl)oriQmä ßijcifti, meiere baö meritum beseic^net, bo* 
Kertmal ift, roetc^ciS üDet bic Gongrucn^ beffelbcii mit bem ÜSe= 
1) Qucngttidt P. III. cap. 3. membr. 3. sect. I.t1ie8.26: Satie- 
'Ikctio et meritum Christi non sunt iToiivitfiovrin. Nam 
I. illa compensat iniuriam deo illatam, iniquitatem expiat, debitum 
»olvit et a poeais aeteruis liberal, — boc reatituit nos in statum 
beaevoieotiae divinae; mercedem gratuitam eeu gratiam remiBsio- 
ats peccatorum, iustificatiouem et vitam aeternam peccatoribua ac- 

S. illa se habet ut causa, hoc ut effectua. Kx satisfactiane enim me- 
ritum ortum est. Satisfeoit Chrietna pro peccatia noatris et pro 
poenis illis debitis et ita promemit nobig gratiam dei, remiasio- 
nem peccatorum et vitam aetemam; 
} 8. Batiafactio facta eat deo unitrino eiusqae iuatitiae, non nobit, licet 
pro Dobis facta tit. At non ipai trinitati, aed uobia Christua ali- 
quid meniit et merito suo aciguisivit; 
k4. actus exinanitioDis, ut legia impletio, paaaio, mora sunt aimul an- 
tiifactorii et meritorü, actus vero exaltationia, ut resurrootio, ad- 
»censio in coelum, aessio ad Uesteram doi non satiifaotorii actua 
annt, sed solum merilorii; eo ipao reaurreotionem ad vitam nobis 
proroeruit et coelum reaeravit; 
t. aatiafactio ex debito oritur, sed meritum opus plane indebitura 
ao liberum eat, cui ex adverso respoudet merces. 
3n unDoüilnnbigcr SSJcifc ift Feuerborn, Syntagnia primum »scra- 
1 diaquiHtionara (Marburg 1642) p. III, diss. 8 poranacgonflcii, Hol- 
PTtti Examen theol. P, III. aect. I. cap. 3, qu. 79 ihm nac^gtfolgt. ^in* 
igm lcl)ntVoetius, Diaputatiouea tbeol. Tom. IL p. 229 bic ^iftincllon 
t Kmtfiua ab. 



ä86 

fe^c übergreift unb tn bcm ©ecjriff ber satisfactio nid^t aii^^ge- 
fd^lüffen tft, fo ift bie fatidfactorijdie Söebeutung feiner Seiftungen 
meimctir ald bie conditio sine qua non if)rcö meritorifc^en 3Ber=^ 
t^eö rid^tig erfannt. gemer ift unter SRr. 4 in ungefd^icfter 
SSeife auf ben mcritorifd^en 3ScTt^ ber ?(cte ber exaltatio Christi 
gered^net, n^etcfie nid^t jum officium sacerdotale ge{)ören, alfo 
überl)aupt nicf)t in S3ctrac^t fommen. 2)cr njiffenfd^aftlid^e &aupt=^ 
mongel ber ganjen (Srörterung liegt aber barin, bafe ber öegriff 
bc«J meritum überf)aupt nid^t erHärt, bafe namentlid) nid^t baö 
8Scrf)alten @otte^ bejeid^net ift tücld^em ber Segriff beö meritum 
entfprid^t. S)ie gcfammten 2^f)eoIogen jener Spoc^e ^aben fid^ 
biefe ?(ufgabc nidE|t gefteQt, inbem eö ifjuen nad) if)rer ganjcn 
Steligiofttät unbenfbar njar, bafe ba^ meritum Christi aud) einen 
SBort^eil für ®ott t)aben fönne. Non ipsi deo, sed nobis 
Christus meruit. äud^ biejenigen, meldte fid^ burc^ öefannt 
fd^aft mit ber fc^olaftifd^en 2it)eologie beö 9RitteIatter^ auöjcic^^ 
nen, üerratf)en feine Stauung t)on ber SSid^tigfeit ber Sntfd^eibun^ 
gen be^ S^omad unb beö 2)un^ über ben ^Begriff be^ SJerbienfteö 
unb beffen ?tntocnbun9 ^"f S^riftuö. ?ln biefem fünfte mag 
man erfcnnen, baß bie proteftanttfd^en fogenannten ©d^olaftiter 
bcÄ 17. Sa^r^unbert^ an ben wiffenfd^aftlid^en ©eift unb Smpul'ö 
ber ©d^olaftifer be^ SKittclalter^ nic^t ^inanreid^cn. 3"9l^i^) 
bleibt ^ier bie Aufgabe ftetjen, baft man ermäge, ob ba^ bene- 
placitum @ottt^, tpeld^ed nad^ Sabin (@. 229) unb ^olanuc^ 
bie S3ebingung ber ®eltung eined meritum Christi, alfo ba^^ 
Sorrelat biefed Öcgriffed ift, neben bem ^Begriffe ber ©ered^tigteit 
bie önabc unb fiicbc ©otte^ erfdlöpfenb auöbrüdt. 

3)ie iJutfieraner bcnfen nadl^ it)ren d^riftoIogifd)en ^4Jrämiffcn 
aud^ nic^t baran, bafe ba^ SSerbienft beö ©ottmenfd^en eine rüd^ 
mirfenbe Äraft auf i^n felbft ^abe, ba^ er fid^ einen Sßortftcil 
für fic^ ertoorben I)abe. §icmit ftimmen bie älteren SReformirten, 
Satoin, S3eja, ^dcrmann ') überein, t^eil«^ ujeil aud) Gt)riftuö 
md)t um feiner felbft njiUen, fonbem nur tt^egen ber Sünber 
SWenfd^ ift, tl)citö, tt)ic SBeja bemerft, tt^egcn feiner ©ott^eit, bie 
i^n üon Slnfang an beö ctoigcn Seben^ njürbig mad^t. $ie^ 
gegen bel)aupten Sanä)x (de incarnatione. Opp. VIII. p. 173. 
174), ©omaruö (in ep. ad. Philipp. Opp. I. p. 531), SSoet 



1) »et @(^tuei5er, 9lef. ©laubendle^rc II. 8. 881. 




,(1. c. U. p. 279. 2ÖII), öafe Ütjriftiis iiicftt nur ttls ÜJictiicli für 
fi(5 bte esaltatio ober glorla, ioitbcni (iiid) al-3 t^ott bic plenior 
gloriae pateläctio ucrbtcnt [jabe, ivcl(^e buvd) bie 3Hcni(^njerbiin9 
ober iSvniebriflung bcis ijogü? Bcrl)üllt luav- 1)icK ^Inficfit ift 
nänili(^ mid] bec tfniftoIogiic^CH Sf nfidjt bcr Äeiormirten möfllii^. - 
3nbefieii Dermtttell i»- '^dtiiig (Tlieol. probl. I. 43| ;,rot)cf|eii l'ci: 
ben ^tnficfitcn (u, hafe (Jtjrtftii-i ein *-8erbienft in crftcr Sinic nur 
für un* erftrebt bat, mib für fid) nnr iniofeni, at* cv firf) mit bcr 
ßrsiciung uiifercö .'peileö DüIIig ibcntificirte. 

Sd) filflui'C fael)nuvtm s» biirfcii, baß bie ^Ibm-it^ung bc* 

rcformirten yeljrtlH]»* Düiii lutlicvifcftcn an bicjem Crtc fidj nid)t 

iijcitcr criticdt, alö uuf ben eben kfprucöciien 3"!l' '^ic *J^^imftc, 

üuf raelc^cn ©djnedenbuvflcr auBccbEm SJifferenscn .^niifc^cn beiben 

Si^ulen nad|iüci)t, finb cntroeber nid)t ftreitig, ober finben nur 

bei wenigen nnb nidjt enlid)eibcnbcii rcfuniiivten 3;()co[ogm ^er- 

tietiuij). Sä roirb von il)m für eine mejcnttic^ refomiirte 3tn^ 

fidlt QuÄgegeben, boß nic^t blop ber actuellc ©ctiotfam (S!}rifti 

bia sunt lobe, fonbern lutc^ bie tiabituellc öeifigteit feiner Slatur, 

als ®eflcnt[|eil ber (ärbfünbe, ftellDertetenbcn 5©ertfj i^in Snjpii^ 

lation I)Qbe. .'öicfür loirb angefülirt {Scf)n. ®. 66) bie Jtntioort 

bce .'Öeibelberger ^atet^i^mui» ad qa. 36: quod »Da inoocentia 

ac perfecta saactitate mea peccata, in qnibus couceptus sunt, 

_,t^at. ©ejetit nun, bafe ^ieniil bic tiabitueltc iKcinfteit Ütjilfti im 

llÄtgenfufe ju ber üctuellcn gemeint fei, loae nidjt gauj fidjer 

^t, \o iDürbe bicjcr ®clJantc ni(%tö weniger ali ]pecii\\i^ refor^ 

l fein, ^cnu anrfi (^ler^arb (ioc. XVII. 2, 56) Iel)vt, baji 

! habitualis humanae naturau Cbristi inxtitia a merito no- 

inatitiae minime exulabit. <Sc^nedcnburger bc/|ic^t fic^ 

t biei«r ©Qd)e nuc^ auf Urfinui^, ben ^ferfnfjer bc» .ficibelberger 

Ijtotec^iäniui», ml^er in bemDoctrinae christianae compendiuni, 

i'ihe commeutsrü catechetici (Gener. 1584| p. 479 fdjrcibt: 

l^patatur nobi» et prior illa legis inipletio, nempe hiimi- 

'iatio et iustttia humanae Christi naturae, — propter obedien- 

iam vel aatisfactionem ipsius '), (genauer t'etrnrfjtct fcölcigt 



1) Sic yiuSgnbc icx tlurlcfuiigcn k* Ihfinuä üfacv Oen |)Citelbcigct 
F|(ate*i9inuä, nuä rodl*cv öicfcr Soö cnllefint ip. ifl nam(i* Don 3"fiS'^fni 
Ifctfelben bcniirtl, uub fial eine caftigirle »catbcilung be* ^amiS (feit 1591) 
Ljenorflcnifcn, luclt&e in t>it Opera ed. Quirio. Reuter. Heidelb. 1612 



288 

aber biejcr ©ajj t)iclmcl)r ein in einen anbem öon ©d^neden* 
burger formulirtcn 3)iffcren5punft ber reformirten Sel)rtt)eije ge^ 
gen bie lut^erifc^c. @r bei^auptet nämlic^, ba§ e^ reformirte 
Se^üDeife fei, auä) bie assumtio camis ald einen 9(ct ber Obe- 
bienj be^ SogoS jum ©toffe ber angerechneten, alfo fteßöertreten^ 
ben ©ered^tigfeit ß^riftt ^injuäufügen, ©d^necfenburger (©. 68) 
mad)t freiließ barauf aufmerffam, ba§ biefer 2Ict nic^t unter ben 
öegriff ber ©teßüertretung paffe, ba im Steife ber menfd^licl^en 
?ßflic^ten dlid)tö biefem SIcte analog ift. ?tber beö^alb ift biefe 
SiWeinung il)m rtiHfommen alö öruc^ in ben öegriff ber ©teH- 
Vertretung, xodtSitx nad^ feiner änficfit in ber reformirten 2;^eo^ 
logie nid^t fe^r feft fte^t. 9iun ^at aUerbing^ außer bem fpäten 
SRoboIf (Catech. Palatina illnstrata, Bemae 1697. p. 214) auc^ 
fc^on Urfinuö biefe ÜReinung angebeutet. So Reifet bei H)m (Opp. 
Lp. 232): Institia nostra est sola satisfactio Christi praestita 
legi pro nobis, sen poena, quam sustinuit Christus pronobis, 
atqae adeo tota hnmiliatio Christi, hoc est assumtio car- 
dIs, servitntis, penuriae, ignominiae et iniirmitatis, passio- 
dIs et mortis tolerantia. Snbem er i)in5ufägt: ea enim satis- 
£Actio aeqnipoUet vel impletioni legis per obedientiam vel 
poenae aetemae propter peccata, ad quorum alterutrum lege 
obligamnr, — fo bejeid^net er feinen ©tanbpunft (®. 273), auf 
bem er btoö bem paffiüen ©e^orfam fteüüertretenben 3Bert^ bei^* 
mißt. SRec^net er nun ju ben groben be:^ fieibend unb ber ©träfe 
auc^ ben kct ber 3J?enfcf|tt}erbung beö Sogo^, fo ift ba^ freiließ 
eine aparte 8lnficf|t. Sd^ finbe biefelbe nocfi bei SDJatt^. SWartini 
(Christiana et catholica fides. Bremae 1618. p. 259), ber alS 
än^änger ^i^cator'S bie erfüQung beß ©efefeeS ber Siebe burd^ 
gf)riftug afö ^flid^t ber ßreatur, beß^alb nid^t als fteHüertretcnb, 
aud^ nid^t aU einen Quq ber exinanitio betrad^tet. S)erfelbe aber 
antwortet auf bie ^rage, quomodo sancta Christi conceptio 
nostra peccata tegit, — quatenus in ea consideratnr domini 
altissimi exinanitio, in qua tota et sola posita est satisfactio 
pro peccatis nostris. Allein bieö ift ni^tS Slnbereö afö eine 
momentane Uebertreibung ; als ©ubftrat ber ©atisfaction gilt 
boc^ nur bie ©jinanition beö SRcnfc^getuorbenen im Seiben. Denn 



aufgenommen ift; in biefem out^cntifcften ^cjtc fc^It jene öon St^nccfcnburgcr 
berüdfic^tigte ^eugerung. $gl. ^alc^, Bibliotheca theol. selecta I. p. 520. 




f 294 ticißt Cbristiii:) proprie et per se exinaDittis, quatenoB 
homo, iinb p. 298 luirb gefaift: si exinaniri sit prirarl aliqao 
bono, iacamatio DOn est exiuaDitio. Um [o IvenifiCT @ctDid|t 
alfo ift jener S(nfiif|t beiäiilegen, auf meldje bie eigentlichen SBet* 
iteter icc refotmitten Ortftpbofie nic^t cingeflanscn finb, offenbar 
aiiä bet Don Sc^ncdenbutger fonniilicten 3iiicffid)t. Xienn incoaect 
ift bie Slnfic^t gcrabe tion her l^corie be§ pactum aeternam auS, 
an bie £d)n. jum SJctftÖnbniü berieltien erinnert. Xienn baS pac- 
tum bei* t'D9oS=i3DE)nc5 ftcüt ben ©eljorfani beä 50Jen|d)iiemorbe= 
nen in ?Iiiäftctit; bie aSEenfcfirocrbHng fel&ft, alä ctfter ?(ct bet 
humiliatio gilt aber al^ ein ebenfo felbflanbiflet S(ct, raie boS 
pactum felbft, fällt bcmnac^ nicf)t unter ben ©efic^täpunft beö 
©etiorfams, ben fie ecft möglich madjt ']. Uureformirt uub nicfitS 
locniger al« conftitutiü ift enblid) bie mnnbcrlitlie 9[nfid)t, ju ber 
iit^ Sglin (de magno innitionis nostrae in Christum mysterio. 
Marburg 1(513) in übcrtrcibcnbcm SBJberfpruc^ gegen ^piäcatot 
uerfticgeii l)Qt (Sc^n. S. 128. 129), boj} ber ftellocrtretenbe @e= 
(jorforn Sl)rifti fitft und) in ben Status exaltatiouis fortfe^e. 
Uiitgenb^ tetjrt bieje Snficf)t roieber, unb öoinnrii* (a. a. D.) er' 
tlärt fie für falfcfi mit bcin Scnierfcn, bnft baä meritum Cbrieti 
consnmmatnm est in terria in statu hnmilitatig. 

Scftnccfenbnrgcr ()at ftd) Beri)et)It, boft bieje ?(nfid)ten unter 
ben rcformirten tI)eo(o9en letbft ifoürt finb. mcit fie it)m äum 
Selfciie biencn fotleu, baft bie reformirtc Itteologte in ber @cgcn= 
inirhing gegen ^ßiScator überftoupt iie ^Üenbenj tunbgcbe, bieSe= 
beutung beS paffiuen ©ehorfamS in bie bcä cictiücn ciufjiilüfen 
(3. 64 ff.). @efd)ot) bieä unter bem ©efic^täpnntte, ia^ bo^ 
c bie göttlidic ©eftnnnng bc§ ©t^tinenfc^en beni i*eibcn SBcrt^ 



1) Coccejui dti foedere et teatauiento dei cap. G, 93: Posito 
> decreto patris et filü, postquam Iiic ex muliere natus et coro 
futus est et servi furmam accepit, eo ipso factus est euli legem, 
tervns, debitor übedientiae a nobis praeslandae. Gomarus in ep. ad 
Philipp. (Opp. I. p. 531): MeritQm Christi in bumllitato et obedientia 
coDtistit ratione secundi gradus bumilitatis (Oic^orfnin gegen iai Qlcleß 
im ßtcqenfali flegcii bie ^iicamalion), cui soli Paulus opponit exnttatio- 
nem tanquam praemium. — ^icburi^ wirb iibcrl)nii))l ber Q^cfii^täpunlt 
mibcttcgt, DDH UKlt^em auä Sc^n. bie teronnirle 9luffnFfung bei 0e^rfam6 
Qltnfti baTfieUl, 5)cit«i Subjcel ift iiiftl ber fi(£) emiebrigcnbc SoflDä=®ott, 
(onbcnt ber buttf) bie ßrnicbrigmia ob« Sncaniaiion beS fiogoä cjifiircnbc 
_BlcIlincnf(l|. 



290 

gicbt, erfd^eint bcmnac^ biefc^ ate bic ©pi^c bc^ t^ätigen ®cI)or^ 
fam^, \o meint ©d^nccfcnburgcr, an bcr reformirten S^arftcIIung 
bcn ©inn ju crfenncn, bafe bcr t^ätigc @eI)orfam nur \o aU ftell= 
öertretcnb gilt, xok er nic^t bloö ftcüüertretcnb ift, fonbern mit bev 
il^n tragcnben göttlid^cn Äraft auf ?lnbere übergcl)t. Xieö bt- 
xoaf)tt if|m bie früfjcr (@. 50) auögcfproc^cnc SBe^auptung, baft 
bic rcformirtc 2i^oIogie öon jctjcr auf bcn öon ©cf|Icicrmad)cr 
formulirtcn Segriff bcr ficbcnSgemcinfd^aft bcr SD?cnfd^cn mit ®ott 
angelegt fei, bic G^riftuö burd^ feine eigcntl)ümlic^c ficbcnöbar- 
fteHung ^erbcigefüf)rt l^at. Unb jtt)ar foB biefc @cbanfcnrci()e für 
bic lut^crifd^e fief)rtt)cife unerträglich fein (®. 69). S)icd ift jcbod) 
eine ganj ttjunbcrlic^c SKifebeutung beö J^atbeftanbeö. S)ie lu- 
t^criftf|c Scfjrc ift nic^t minber ftart tvk bie rcformirtc, bafür 
intcrefftrt, bic beiben coorbinirten arten beö ©c^orfam^ 6f)rifti, 
meiere im SBcrpItnife jur göttlidjen ©ered^tigfcit unb jum ©cfe^c 
fatiöfactorif^ *finb, in bcn ©inen actiücn ©c^orfam, bcr fid) in 
Seiben unb Xob bmä\)xt, jufammcnjujicficn unter bcm Qtocdc bcr 
pofitiöcn ^Rechtfertigung bcr ©laubigen, toa^ bie fiutl)eraner Ü)aU 
fäd^lic^ unb abfic^tUd^ mit meritum bcäcidinen (©. 283). Söeibc 
©^fteme fc^cn ferner, unbefci^abet i^rcr d^riftologifd^cn SSerf Rieben = 
I|cit, aU ba^ ©ubjcct bc^ fo jufammengefafeten ©el)orfam^ ß^rifti 
bcn ©ottmcnfci^en. ©crßtt)^* ^^^ Scbenögemeinfc^aft abern)irb 
in beiben tticologifd^cn ©c^ulen nur inbircct an ba§ meritum 
Christi angefnüpft, birect hingegen an bie propf)etifd^en unb fönig== 
liefen Functionen beS erf|öf|ten @ o 1 1 menf d^en, toclc^c gerabe bic 
Sieformirten fet)r bcutli^ unter bcm SBcgriffc bcr efficacia bem 
3fnl|altc be^ meritum logifc^ cntgcgenfe^cn. 5)ieö crgicbt firf) aud) 
an bcr britten gorm bcr ®efc^cdcrfüllung S^rifti, ttjclc^c Urfinu-^^ bc^ 
jcicfinct (f. 0. ©. 274), toeIcf|c aber ©dE|n. (®. 69) unUoHftänbig 
unb bcö^alb unbcutlid^ citirt, unb in einer unrichtigen SBcife t)cr^ 
njcnbct \)at S)cnn aucfi bcr ©cfid^t^punft, bafe Christus nobis 
iustificationem meruit, bebeutet nic^t, baß eine birectc unge- 
brochene Sinic üon bcm ©cl^orfam 6I)rifti biö ^u bcm (grfolgc 
bcffelbcn an bcn ©laubigen gejogen ift. 2)aö meritum f)at bod) 
feine birectc SSirfung an @ott, njcnn auc^ biefer ©ebanfe in bci= 
bcn ©d^ulcn nic^t au^gcfprodEjcn ttjirb. @rft unter bcm corrclatcn 
SBcgriff be^ praemiam, alfo auö einer bcm meritum Christi lo- 
gifd^ cntfprcc^cnbcn SBir!ung ©otte^, ttjirb bcr crpt)tc 6{)riftu«e^ 
baju Icgitimirt, bic göttlicfien ©nabcngabcn für bic Sinjclncn ju 



milteln, ju bcveii Sßcrleit)itng QJolt burc^ i)flö meritum obe- 
ä Christi fic^ beiuescii läfet ')- 

42. 3n feinem ijlemcntc ber üef)ve bon bcv Serföliming 

uiib SRecEitfctttgung erfcfieint ber 3ltiftanb bct buginatifc^^tiieolo' 
giji^CR 'S^avfteüung Won ber rcligiöfen Gonce^jtiDii bc§ ^^'f^"""™* 
banget ber ®Qi^e fo bcnllic^ aU barirt, roie bio T^ata beS sta- 
ins exaltationis Christi Dun bei) Sogitiatifent DeriDenbct 
twrboi. 3fjre iteiitung mufe bcn jcitlitfieii SUfiftanb jmtfiftcn bcn 
ber aJerflongen^eit nngetjörenbcn <SeI)Di('""öIe')'iin9fi ß&rilti unb 
il)KT SßJitfung auf btc gcgenioärtigeit ©Ictuliigeii QiidfüQen, jenen 
9l6ftonb, roeli^er für bie tcligioje SBergegenroärttgung ber Siecht' 
fcrtiflung im ©eljotfam Gl)rifti eben gnt nti^t bo iff. 3{uf jenem 
öcbict nun ift ben Xljeologcu ['ciber ßonfefftoncn baSjenige ge^^ 
mtiniani. mai in bem Sc^cmo ber bcci Semter (S^rifH nuf ben 
statns exaltationia fit^ (ieäiet)t. Unter bnä prieftcrlicfte ?Init 96= 
hörl bie intercessio beä t)tmmlii)^en ^oficnpricftcrä. biirtf} meiere 
bie gortbaucr fcitieä im irbtfdjcn Scben crnjorbcnen SScrbienfte* 
fÖT ©Ott Berbürgt wirb. 3m allgemeinen aber fällt bie appli- 
catio gratiae pbcr, niie bie Sicf onnirten fagcn, bieefficacia unter 
ba§ töniglidic 9Imt (£t)rifti, (ofern bie 3Sirf(Qmfcit burrf) bcn l)ci= 
ligen Seift, roetrfie jene Xhätigfeit cermittelt, iuglcii^ bie loirflid^ 
Stuäübung ber göttlit^cn §cn-f(^aft über bie ®emeinbc ift. 3)ie 
inbitecte SfiiSübiing beä propfjctiic^en 9[mteS burcfi SJermittclung 
ber miniatri verbi divini orbnet fic^ berSöirfung beä fönigli^en 
?tmteä unter. 3)ie entgcgengefc^ten JRic^tiingcn ber mittlcrifd)eit 
iE^ätigtcil iiad^ ©ott uiib nact) bcn affcnfi^cn tjin, raefci^e juerft 

1) %k Stniia^me, bnü bie n(onnirtc EE^rlfiolDgio int @n[nbc W Xctu 
l fyibt, bcn SaliäfactionSbcgrifF ab.^uftogcn unb ben 9fgri(f ber ScbniS: 
""Icmeinfrfiort ber SDIcii(d)cn mit bcni ©ottmcnfdKn ^rDorjurulen, t)al Srfin. 
tniTil ben oben (@. 270 Snm.) dlirten SfnSfpnid) oon CnecciuS ju be^ 
gTfinbcn ge[u(^t. Qd) bcmerfe ^icgegen, bng ISpccciue auf (int foI(^ Sott^ 
Icqucn^ mit f" ©1^"- *i«6'. n't^' uor&creitct ift. 6t fflflt luenigfltnS »p. 5, 
95: Neque putainu» Christum, quatenos secutidum deitatem niediator 
at, patri minorem esse, Bed Bponsionem banc et adductiooem hominis 
Itpii JD eam gratiam, in qua etamus, adeo noii ease infra emiDentiam 
divinitatis, ut non dubitemus cum Icb. 42, 6 — 8 eani gloriam et Uadetn 
dmnitatis omnibas creaturis incommunicabilem Haaerere. — Gloria dei 
ctt esae iustitiam Israelis; hanc gloriam non dat non deo. 





292 

Dfianbcr formulirt Iiat, finb alfo nid^t auf bic beibcn Status beö 
ficbcnS S^rifti öert^eilt, fonbem im Status exaltationis lücrben 
fic bcibc glcic^jeittg innegehalten. Ucbrigenö ^aben bie reformir- 
tcn S^cologcn burd^ bic Deutung ber exaltatio Christi eine engere 
unb bünbigcre 93erbinbung jhjifc^en bem meritum Christi unb 
ber iustißcatio ju ©tanbe gebracht al^ bie Sutf)eraner. 3n bent 
fel)r anerfcnnten Compendium theol. posit. t)on 85aier (juerft 
1686) folgt auf bie (Srörterung beö officium sacerdotale bie 
Darlegung be^ officium regium, baö in Iutl)erifd^er SBeife, gemäfe 
ber SBorauöfe^ung ber communicatio idiomatum, juerft im reg- 
num potentiae, bann erft im regnum gratiae aufgetpiefeu n)irb. 
2)iefeö tt)irb üon Sl^riftud geübt, inbem er feine ©cmeinbc burd) 
SBort unb ©acramente fammelt, erl)ält unb mit ben öütern beö 
Iieiligen ©eifte^ t)erfief)t. Um nun bie ^eilöiüirfung beö äRittlerCv 
bic in ©eftalt be^ SSerbienfteö unb ber SSerl)eifeung de se indeter- 
minata ift, an fid^ ju erfahren, b. I). um bie an fid) nod^ nid)t 
fertige SBirfung beö 8Serbienfteö SI)rifti ju uoUenbcn, mufe mau 
glauben. ®^ folgt alfo bie iJe^re öom ©tauben. 2llö @lauben= 
ber aber ift ber ©ünber toiebergeboren unb befe^rt; eö toirb alfo 
JU ben ficliren üon SBiebergeburt ober Sete^rung fortgefc^rittcu 
ober auf fic jurüdEgegriffen. Der örunb, ujclcfter @ott jur öc^ 
fe^rung cineö ©ünber^ ben^egt, ift ba^ SScrbienft ß^rifti, ba^ 
mtttl buxd) ba^ ©Ott fie augfül)rt, ift baö SBort, bic Staufe 
unb auf il^rc SBcifc bie Diener ber Sirene. Der näd)fte Qmd 
unb ©rfolg ber SBiebergeburt toie bcö ©lauben^ ift bie SRed^tfer^ 
tigung. ©^ folgt alfo bie Sel)re t)on ber Med^tfertigung, joelc^cr 
ber SDienfc^, ber alö ©laubenbcr ttjicbcrgeboren ift, bcnnod^ ale 
©ünber gegenübergefteHt ujirb, ber im SKoment, too er ben bic 
SBcfcl^rung cntfd^eibenben ©laubcn^act ausübt, baö Urtfjcil ©otte^- 
an fic^ erfäl^rt, toclc^cö il)m bic ©cred^tigfeit G^rifti jurcd^net. 
Dicfe^ ©cfüge t)on ©ebanfen fdjrcitct nur in bem ©d^cma ber 
toirfenben Urfad^en t)or, unb audEi biefe finb nic^t in il)rcr 
möglichen SSoUftänbigfeit üergegentoärtigt. Denn fonft toürbcn 
manche ©d^toierigfeiten toal)rgenommen toerbcn, um njclc^c bic 
lutfjcrifc^cn Xl^eotogcn unbefümmert finb. 

hingegen bie reformirten 2it)eotogen finb barauf btbaiji qq- 
njcfen, bie Suftification afö ben 3^^^ ^^^ meritum Christi, at^ 
bie be^errfd^enbe gorm aller göttlid^en ©nabentt)irfungcn auf \>m 
Sinjelnen burc^ il^re Deutung ber exaltatio, tnöbcfonbcrc be^ 




regnnm Christi jii firfjcni. Xiieä flefi^tdit .v'K'if^ft \nK6) eine 
Snüc^t über bcn SÖettl) bcr SluferWccEung GljtifH, luelc^e quo ber 
Sorauftfcfiinfl mügticf) ift, ba§ Ql)iiftuä baä Subject Doii @c«U9= 
l&iiuns mib ^Becbienft alss unjcc feaupt ift. 3ft er aljo für unS 
gtftovtien, inbcin iljm unjere Siinben angerechnet rourbeu, fo ift 
feine Slufenuedniig feine unö iinfere ^Rechtfertigung üon wnferen 
Süllben '}- 3)!efe ©rEIärinig ffü^t ficf) auf Möm. 4, 25 unb 
auf ben (ibcilDiegciiben Stubrurf beö 91,X.=lii^en ©prQc£K(ebrnu(^eä 
DO» Siifertüediiitg ßfirifti burcE) beii Sßater. Tiicä fcffliefet aber 
nit^t QU«, baf) bic ?tiiferftet)ung äugleid) olä fetfeftanbiger Met 
ß^rifti unb alä eintritt feine* iföiiig^arateö aiifgefafet «jirb (StmC' 
fiud). SJafe bie lutftcrifcfie Itjeologie auf biefc Eombination nit^t 
ttnfltgangen ift, fünbern ber SUifcrftetiung lebtgltc^ bic jroeite Öe» 
beutung «inbicirt, unb il)r nur eine entfernte ?Ib;^H)ecIung auf bie 
^uftificdtion juficflc[)t (Oucnftebt), ift baburd) ueranlafet, bQ§ fie 
btn deseensus Christi ad inferos fdto» jur exaltatio rechnete. 
Sdre uicijt biefeä ^''''l'ctmfe wirffam gewefen, fo ift nic^t cinäu= 
feljcn. bafs ein inneres 50(otiD ben i^uttjeranem jenen ©ebcinlen 
ulier bic Slufenücduug SI)rifti Ijöttc Berietben foüen. Ilenn Suttjer 
^t ben Sinbrurf bet engen 3utfl>ni«C!iget)iJrtgteit ber Sluferftc^ung 
S^fti mit feinem ~Iobc itcbcit SInberem aiiäi in folc^cn 91uä= 
ft»äd&en uenueTtf)et -), redete if)re paffenbe ffirtlärung gerabe in 
(OKt Slnfii^t reformirter Ifieologen finben. Unb hter eä mit bet 
Änctoritcii ber tioncorbienfoonel genau nimmt, mufe fogar fi(^ bcr= 
fetten anfcfjUefecn »), hingegen Galnin (II. 16, 13) fprid)f ficfi 
auf biefcm fßunlte auSfdjlicfslii^ luti^crifc^ au§, tnbem er an 

1) Polanus p. 753: Secuadus fractus reaurrectionis Christi est 
iiutificatio noatri coram den . . . vat actualls ciu9 abeolutio a peccati« 
niMtm. pro qui^ua mortuas est. Excitando eum a, morte ipso facto 
enm RbEolvit pater a peccatis nostris ei imputatia et nos ctiam 
abaolvit in eo. AmeaiuA p. 101- Finis reeurrnctionis fuit 4) ut se 
et iuttlficatiim Mt alios iuBtificantem ostenderet, p. 123: Sententia 
■lUtiGcatioiiiB 2) fuit in Christo capite nostro e mortuia iam resurgente 
pronanciatA. Mastricbt Thool. theoretico-practica p. 703 miebec^alt 
tit^tn unb bie jufnmmenbnngmbcn Süpc von SHmcfiu« inBilli^. Witaius 
m. 8. 4. Sfll. Sffincdcnbiitflcr n. a. D. ©. 99. 

2) Äüftlin IL e. ^23. 

8) F. C. p. 684: luatitia illa, quae coratn deo credentibus im- 
putatur, est ohedientia, passio et reeurreclio Christi, quibus ille legi 
noatn causa satisfecit et peccata noatm expiavit. 



294 

S^riftt Äufcrftcl^ung nur beffcn SBirffam!eit jur Uebertragung ber 
Äraft feinet 2:obc^ auf un^ an!nü|)ft. 

3ci§ ftcQc nun bcm ®cbanfenjufammen^ang bcö l^ut^erancr^ 
SBaier bcn bed Salüiniftcn ämcfiuö gegenüber, ber an ^räcifion 
jenem ebenbürtig ift, an ©eift unb Sombinationögabe if)n übtx- 
trifft, aber jugleid^ au^ bie SKeiften feiner Partei, fo uiele iä) 
i^rer lenne. 3)ur^ bie befannte Sejie^ung ber 2tufcrtt)ecfung 
Sf)rifti auf bie Suftification berer, bie ju i^m aU §aupt gehören, 
wirb junäc^ft bie allgemein reformirte Annahme beleuchtet, ba}^ 
baS Äönigtl^um G^rifti in erfter ßinie feiner ©emeinbc gilt, ober 
ttjenigftend afö ^errfii^aft über ba§ %ü jum 93eften ber ©einigen 
gefülirt tt)irb. ?tm^iu§ läfet bann aud^ bie priefterlid)e gürbitte 
unb bie propl^etifc^e (Sntfenbung öon 93oten an bem föniglid)en 
Sliaracter S^rifti t^eilnefjmen, fo bafe bie ©eltenbmac^ung feinet 
SSerbienfteÄ ju unferen ©unften Darin eine nac^brücflic^e ©ehjife- 
^eit finbet. @^ folgt bie fiet)re üon ber applicatio ber rnitt^ 
lerifd^en Seiftnngen S^rifti an beftimmte SWcnfdjen. SBie biefelbe 
vermittelt ift burc^ ben fjeiligen ®eift, f o f)ängt fie in erfter Sinie 
öon bem ©rtoä^lung^befc^Iufe beö SJater^ ab, melc^er beftimmte 
SWenfc^cn bem SRittler ju erlöfen übergeben \)at, in jmeiter fiinie 
öon ber Äbfid^t, in ttjeld^er SI)riftuö bie @cnugtl)uung für bie^ 
felben geleiftet f)at ©o ift unfere Söefreiung öon ber ©ünbe im 
Sefc^Iuffe @otteÄ feftgefteüt, aber äugleid) S^rifto unb in if)m 
und mitget^eilt, et)e fie öon unö mirfUd^ empfangen ipirb. 2::ie 
änttjenbung ber @nabe ju biefem 3^^*^ finbet alfo in bemfelben 
Umfange \tatt, in njeld^em S^riftu^ bie 9tbfid)t ber Sriöfung auf- 
gefaßt unb au^gefül^rt ^atte. S)enn ber 83efd)Iufe ber Srtuäfjlung, 
auf tüel^e jefet übergegangen ttjirb, bejie^t fid^ auf bie beftimmteu 
einjelnen SWenfc^en in i^rer 3wfömmenfaffung jum Seibe 6I)rifti, 
ber ba^ §aupt biefer neuen SKenfcf)^eit ift, toie aud^ bie Srfd^affuug 
ber natürlid^en 5D?enfd|^eit in 8lbam ©in 2tct toar. S)ie Jf)eile 
ber Slpplication finb: bie ©inigung mit S^riftu^ burc^ bie Se- 
rufung unb bie SWittl^eilung ber an S^riftu^ ^aftenben ^eilönotl)^ 
rtenbigen ©üter. ©ofern bie ^Berufung an ben @nt)äl)lten ioirt- 
fam ift al^ conversio ober regeneratio, geprt 5u i^r objectio 
bie 5ßrebigt be^ @üangeüumd (mit ber SBorbereitung burrf) ha^ 
®efc^), bie innere Slneignung burcfi ben ]&ei(igen ©eift, bie @in= 
pflanjung beffelben in ben SBiUen, rteld^c fubjectio ate 3(ct be<^ 
©lauben^ erfc^eint. 3n bem ©tauben ift bie Säebingung errcicf)t, 



295 

an toel^e bic SKitt^cilung bcr ® fiter G^rifti gcfnupft ift; bicfc 
befte^ t^te in Scränbcrungcn ber JHcIation, nämlicl^ in Siecht* 
fertigung unb Slboption, t^eil^ in ber realen SSeränberung, ber 
Sandification. 5Die SRed^tfertigung ift ba^ Urt^eil, burt^ bo« 
®ott bcn ©laubigen ttjegen (£I)riftu^, ben er im ®Iauben ergreift, 
oon bcr ©ünbe unb bem Xobc frei fpric^t unb für gerecht achtet. 
^iefcd Urteil xoax 1 ) im ©ebanfen ©otteS burc^ ben JRed^tf erti- 
gungdbefc^Iug, 2) in ber Sluferttjecfung erflärt, 3) üirtueß, b. f). 
o^nc im fubjectiüen Sctt)u6tfein ejpUcirt ju fein, auögefprod^en 
in bcr crften ^Relation, njelcfie fid^ aii^ bem eingepflanjten ®Iau» 
bot er^bt, b. ^. in ber primären Sinigung mit Sf)riftuö, ttjelci^er 
ber fubjectiüe ®lau6e entfpric^t (nad^ 9töm. 8, 1), 4) aui^^briicftid^ 
ou^efproc^en burc^ ben Oeift ©otteö, ber un§ bie SSerföf)nung 
mit ©Ott bejeugt. SDic SHed^tfertigung al§ Slelation ju ©Ott ift 
in 6inem Acte objectiü üollfornmen, »enn fie auc^ in ^infid^t 
i^rcT Srfc^einung in bcr fubjectiüen ©ettjiß^eit unb beö ©efufjü 
Don it)r üerfc^iebenc ©rabc I)at. 

Da« ift eine in fid) 5ufammcnt)ängcnbc unb gcjd^Ioffene S)ar= 
ftcUung, in tocld^er bie bcibcn Sä|5e (9imefiuö ®. 124) auc^ nic^t 
fc^einbar einen SBibcrfprudt) bilben, bafe bcr ©laubc ber SRed^t^ 
fertigung olö Urfad)c t)orf)crge{)t, unb ba& ber ©laubc bic 9?cd^t* 
fertigung öorauSfctjt unb it)r folgt. Xcnn bic 9tcd)tfertigung 
ate Sn^alt be«^ fubjectiucn ÖeiouRtfcin^ fc^t bcn ©(auben üorauS ; 
alÄ objectiüer 9lct ©ottc^ ge()t fic bem ©lauben üorauö unb 
»irft im gläubigen ©ubjcct t)or bcffcn Setoufetfein öon il)r, ttjcil 
fie fc^on in bem göttlid)cn llrtt)cilc ber Grtoä^Iung, in bcr Gr=^ 
Idfung«^abfid)t (£f)rifti unb in bcffcn 'Jtufcrtocdung entgolten ift. 
5emer ift in bicfcr 2)arftcUuug bic !Mcd)tfcrtigung auf ben ©läu* 
bigen al* Sünbcr belogen al^ ft)ntl)ctifdf)c^ Urtl)eil. Unter ben 
Dier Stufen be^ SHcd^tfcrtigungsJurt^cil«|i bei 9lmcfiuö finb bie jttjci 
crften, in mente dei unb in resurrectione Christi o^ne allen 
3tt>cifel ft)nt^cti)c^. Safe bic uicrte Stufe, bie SRcd^tfertigung im 
SBcroufetfein bcö ©laubigen, nic^t analtjtifd^ ift, folgt auö ber 
"ännafimc bcr brittcn Stufe. 3)iefe tt)eift bic SRcdf)tfcrtigung 
öirtueH in bcr unlo cum Christo, in bcr regeneratio auf '). 

-1) Medulla I. 27, 9 (p. 128) Sententia iustificationis 3) virtualiter 
pronunciatur ex prima illa relatione, quae ex fide ingencrata exsurgit. 
Xie« ift öcrftanblicö aud folgcnbcn Sft$icn in Cap. 26 (p. 119): Ratione 
receptionis Christi vocatio dicitur conversio, regeneratio. — Passiva 



296 

S)tc Siclation ju ß^riftuS, tpcld^c im Stete beö (SlaubeitS a\i^ ber 
ncujcugcnbcn ©nabe Iieröorgefit ift biejclbe, n)eld)c im 93cgriff bev 
SRed^tfcrtigung bcjcici^nct ipirb. %xäQt aljo bic iinio com Christo 
bic gorm bcr ^Rechtfertigung, fo ift fie eben nid)t in ber SSeifc 
gebacfit bafe fie afö in fid^ gef^loffene SBirtlic^feit bem 9tec^t= 
fcrtigung^urtfjeil vorherginge. 3ft vielmehr bie regeneratio auf 
bcn electus alö ©ünbcr belogen, fo ift ba^ im Slcte ber regeneratio 
öirtueU erfc^einenbe 9icci^tfertigungöurtl)eil and) auf biefer ©tufc 
f^ntl)etifcl^ unb bann aud^ notfin^enbig auf ber vierten. @^ ift 
nun toieberum eine Von ©d^necfenburger (@. 57) gemachte ßon^ 
fequenj, bcren Siic^tigfeit fein reformirt Drt^oboi*er jugeftcljen 
njürbc, ba% bie ^Rechtfertigung, tvie eö ©djleiermad^er iüiU, eigcnt^ 
lid^ auf ben ©inen ettjigen @rtoäI)(ung^act l^inau^fomme, ioclcljer 
bic fräftige ^wrec^nung S^rifti an bie ÜRenfdj^eit überl)aupt ift, 
bic fid^ fofort vertoirßidjt burd^ bie (£ntftef)ung beö ©laubcno 
in ben ©njelnen. hierauf ^aben fd^on SKaccoviuS (Loci com- 
munes p. 608) mit ^Berufung auf Söorton de reconciliatione, 
fottjie gr. SturretinuS (Comp. p. 452 sq.) geanttvorlet, baß ba^ 
©ccret bcr SRed^tfertigung unb bie Sluöfül)rung von einanbcr ju 
untcrfc^ciben feien. 3)enn bic SCufmcrffamfeit auf bcn legten 
®runb be^ §cit^ mad^t bic SRcformirten nid)tö tt)cnigcr alö gleic^^ 
giltig gegen bic gcfc^id^tlicf)c SSermittelung beffclben; n)äl)rcnb 
freiließ bic lut^crifd^c Xl^cologic toegen ber lefetern gleidjgiltig gc^ 
njorben ift gegen bic mctf)obifc^e 93eadE|tung bed erftern. ®ic 
Sicc^tfcrtigung alö gcfc^id§tlicf|en SCct auf ben Sinjelnen ^in er- 
Icnnt j. S3. aucfi lurretin (p. 453) 1) in raomento vocationis 
efficacis, per quam homo peccator transfertur a statu peccati 
ad statum gratiae et nnitur Christo capiti sno per fidem. 
Hinc enim fit, ut iustitia Christi illi imputetur a deo, cuius 
merito per fidem apprehenso absolvitur a peccatis suis et ius 
ad vitam consequitur, quam sententiam absolutoriam 2) Spiri- 
tus in corde pronnnciat, quam ait, confide fili, remissa sunt 

receptio Christi est, qua spirituale principium gratiae ingeneratur 
hominis voluntati. — Haec enim gratia est fundamentum relationis 
illias, qua homo cum Christo unitur. — Keceptio activa est elicitus 
actus fidei, qua vooatus in Christum recumbit ut suum servatorem. — 
3)tefe (Sicbanfenrct^e ift Solöin frcmb, bcr, gcmftfe feiner reformotorifci^en 
Orientirung an bem 9le(^tfertigungdbemugtfein, bie 9iec^tfertigung audbrüdlic^ 
batauf befc^ränft, tpad 91meftud ald t^ierte 6tufe barfteüt. 




'^ 



peceata tua. Siefe l^aritcüung ftinimt DöUig überetn mit 
c brittcn unb «iertcn Stufe ber 9ieci)tferti9iinfl. lueltfic SlmeJiuÄ 
nnnimmt, unb rotld)c ber coiiftantc Siivac^gctirnu^ q15 iustificatio 
nctiya uub passiva fDtntil)! UDn etiianber itnter|'(fieibct, ali anä) 
:(U gegenjeitigec Srgäiiiimg uuf eiitunbet beäie()t'). Qnm SSer» 
itüiibiiife biejer fflcoriffäDer^ältiiiffc rau& man mir iii(§I ®i^ncäen= 
fjurger'^ (®. 57 9lnm.) Scmcrfiuig folgen, bnfe, inbcm bic ^teber= 
gebart ali iRct^tfcttigung bargeftcUt luerbe, bie ^Hei^tfcrtigung 
eben ben ©iitn be^ ©erec^tma^enä empfange, Ur burfte Dictmetir 
umgefe^rt id)lieBcii, baji loenii bie regeneratio ober iinio cum 
Cbriato mit ber iustificatio activa ibentificirt mirb, fie eben ba= 
burd) iii(^t aia reale SßcränbeninS' foiibcrn als tbccite SRelation 
ju lSt)ri|tnd ge(e^t inirb, unb baß fie !t)re reale ^ebeutung erft 
fleroinnt, wenn nacE) ber 9iotI)iüe!ibigteit ber ®arf)e bie instificatio 
pastsivÄ, b. ^. boe SSeroufetfeiii ddu bet erfolgten 9iecl)tfertigung, 
im Siibjectc fiemurtritt. 

Sine STiifebentnng üerroaiibtcr Slrt, aber ausgeprägtem S^a= 
rafterä, crfc^eint jebod) in ber fctjon je^t nl3 unridjtig erroiefeneu 
Üngabc Sc^nedenbntger'-S *), ba& imd) ber aUgemcinen Slnfi^t 
ber reformivten Xheolugen, im ÖicgeniaU ,^um Cnttjertljum, baä 
91ec^tfertiguiigänrtt)ci( ali iudicium secundum veritatem 
bem ©laiibenben nid)t atä Siinbcr, fotibem q(ö unitus cum 
Christo gelte, fo bofe cä aU onal))tiid)cä UvtE)eiI ben Sföert^ ber 
0OT6er gefegten aBicbergebntt ansfpredje. 3di ^abe obei? (©.212) 
in ^infid)t Galwin'ö biefc SÖet)auptung toiberlegt, roeld)? Sc^neclcn= 
burger au^ nur bur^ S(u^fprüd)e tnenigcr Sticologcn belegt, D^ne 
bie \iäuptcr ber rcfotmitteu ©t^nle ju confuttircn. 3ene Slnfic^t 
roirb aber audj uon ®iJrtenbQ(^ ^) raenigftend in öinfi^t eineä 
■J^Icä ber rcformirten Iljeofogcri onfrec^t erhalten, als meiere 
et außer ben üon £d)nedenbutgcr ongesügencn JHobolf, 93ielc^ior, 
$ulfiuS, gr. Xnrretinuä, not^ Sncanuä, Sßitfiuä, oan lil nQTn= 

1) Sic !R((filfcitiflunfl. luclrfic von Seiten ®ollcä rin&eitli<öct ?Ict ift, 
ttitt frcili* in bie fubiectiue Gvfn6ninfi o!ä eine SKeftr^eil Don acicn. Kon 
«rt tndivians aclua a parte nostri et rationo aensns, qui fit per vario» 
et it^ratoa actus, prout sensu; isLe potest intemuiipi, vel angeri vel 
minni ratione peuoatonira intercnrrentium (Tnrretin. Comp. p. 453). 
Sgl. €d|nc<fcntiUT!tcr 11. €. 73. 

2) Siti^l. e^TJftolpgie 6. 5& ff. Goni)inr. Dogmatil II, @. 13 ff. 

3) Mttilel: Sünknüerflebung in ^etjo(('S WS- XV. @. 238. 





298 

^aft mac^t. @r fügt auci^ Slaubc Silber^ *) ^inju, nid^t in glücf^ 
littet SBeifc! 3)cnn biefer SKann, tt)cld|er auf calüinifd^cm Sirenen- 
gebiete in Slnalogie ju 31. Dfianbcr fte^t, ijat Qb^n beö^atb bie 
Senfur einer SBerfammlung öon 2:^eoIogen ju 93ern (1588) er- 
fahren, gehört alfo nid^t ju ben anerfannten SRepräfentantcn 
reformirter Sel)rtt)eife. — SSaö nun SSucanuö betrifft, fo jeigt 
fid^, bafe berfelbe njenigftend nid^t bie 9[bficf|t gcl)abt t)at, in ber 
bejeid^neten SBeife ju lehren (Institutiones theol. Loc. 29, 11. 12), 
inbeffen ertoedtt er burc^ einige ©äße einen ©c^ein jener 9iid^tung. 
5)erfelbe üerfd^ttjinbet aber, fofern ber 3wfö"i"^c"f)^"9 beachtet 
unb bem alten §errn einige Ungett)anbtf)eit ju @utc gehalten 
hjirb. ®r nimmt (§ 17) jnjei ©tufen ber ^Rechtfertigung an, auf 
ttjeld^en bie @m)äl)lten (§ 20) juerft al^ ©ünber, bann al§ ©laubige 
geretfitgefproc^en tüerben. S5aö ift bie erfte, norf) nid^t genügenb 
erläuterte ©eftalt ber 3)iftinction, meldte auö SlmefiuS' unb 
Xurretin'ö S)arfteIIung vorgetragen ift. !Sarauf fteUt 83ucanu^ 
(§ 18) bie tJ^age, tt)ie ©Ott ben impius gererf)tfpred[}en fönne, ba 
er bie^ ^rot). 17, 15 verbiete, hierauf antwortet er nun nic^t 
fe^r gefc^icft, baß ©Ott über bem ©efe^e ftef)c, ba^ ber ju 9ierf)t= 
fertigenbe, tt)elcf|cr nac^ feiner 9?aturbeftimmtt)eit ©ünber ift, nad^ 
ber ©nabe ertt)äf)It fei, enblic^ ba§ er reuiger ©ünber fein muffe. 
S)a^ finb aüerbing^ bie (SIemente ju einer ?Ibbiegung in ber 
SKd^tungDfianber'ä; allein § 19 bett)eift, ia^^k feine confequente 
SSertpenbung finbcn. Sucanuö öersirfitet nic^t auf bie 3lnna^mc 
ber jnjet ©tufen ber SRed^tfertigung be^ ©ünberö, bem in S^^'ö^ 
beffen ber ©laube verliefen loirb, unb ber ^Rechtfertigung bcö 
©laubigen. @r bejeicf|net freilid^ il)ren Unterfd^ieb fo, bafe ©Ott 
in non renatis nihil invenit praeter horrendam malorum col- 
luviem, in renatis vero saa etiam dona complectitur dens; 
er fc^Iiefet aber auSgleid^enb, bafe ©ott utrosque tarnen eodem 
modo iustifieat, nämlid^ bur^ 3w^c^"wng be§ 3Serbienfteö SI)rifti, 
affo nx6)t burc^ ein Urtl)eil über ben SBertI) feiner ©nabengaben 
in bem ©täubigen! — »ei aSitfiu« (de oecon. foed. III. 8, 22) 
finbe id^ bie ©äfee, burd^ meiere 3)örtenbac^ ben Stanbpunft ber 



1) $rofc{{or ber $§t(ofo))§ie gu Saufannc, fc^ricb de fide catholica, 
1587. (930l. @t^wciacr, ßcntralbogmcn I. @. 521— 526). Sein ©runbfa^ 
ift : iustitia nostra ooram deo qualitas patibilis in nobis inhaerens, con- 
iunctione cum Christo effecta et vitiosae qualitati originali opposita. 



I 



Don if)m gemeinten reformirlen Jfifologcn l)e;\eicf)iict. bafe man 
buri^ bic Sicbetgcburt iÖcfteuing erlange öon bcm crimen pro- 
fanitatia et hypocriseos; non potest deus homines aliler eon- 
siderare, aliter declarare, tjuam reapse sunt. Slllein bie ©oCc 
finb in einer unbegreiflichen SJeife ^u einem ^roedz mißbraue^t 
rootben, bent fic uai^ bem 3ufQntnicn[)au9c bcr Mebc gar nidjt cnt^ 
fprcrficn. Senn jener Smnbfap bc§ göttlichen Urt^eilenS (iudicinm 
dei secnadum veritateiD est. Rom. 2, 12) tuirb Von 3ßitfinS 
junäc^ft belogen tfjeilö auf bic cntjctiicbcncn Sönber, tljcils auf 
irie octiu Öiercc^ten, SBiebergebocenen, ober rocgen Snipietät unb 
^cuc^elci SBerleninbeten, wie Soli. 9[uj bicjen inÄöefonbcre il't 
bie absolutio a crimice profanitatis et hypocriseos flcmiiuit, 
nic^t, iDie ber unjuDevläffigc Scridjtcrftiitter eö ftarfteUt, auf bie 
®Idubigen im SlUgemcinen. Sitfiuä füflt ^inju, bafj bicfc Siecht' 
fertigung beä 6Seretl)ten, bereu iöoranäiegung bic sanctitas et 
institia iubaereus ift, miä)c Sincr burd) göttliche ©nobe t)at, 
total Berlc^icbcn fei uon ber SHcdjtfertigung ber ©ünber, prout 
in sponsere censentur. Siefc ftcllt er nun in ber betanntcn 
SBeife olö ^tnrec^nniig ber ®etetfjtigtctt Stirifü, aÜ jijntljetifc^cö 
Urtfjeil über bie Sünber bar; er ift aber sugfeid) ber Ueberäeiigung, 
ba6 ©Ott an^ tn bicfcm S?erfa[)rcn secandum veritatem urt^cilt. 
5)iefer ®runbfa^ beroat)rt fid) eben baran, bafe est tuirllidic &e' 
rec^tigfeit ift. luclc^c ©Ott anrechnet, unb baft si'9'"'^ ©'''f '"^'fe' 
biefelbe fei nidjt Oon nn^ erfüllt, ionbcm Don ß()rift«3 anftatt 
Unfct äu bcm ^iP^i^f' ut nos illius merito iiiste coronari pos- 
simua. Quod tarn verum est, ut summa sit totiua cvangelii 
(§ 38). — Soij. üJicIdjiur (Fundamenta theol. didasealicae. 
Opp. II. p. 108—110) entroirfelt folgenbe ©ebantenreilje. ©ci^renb 
bie 2Jicnfc£)en bcr buri^ boö 0cfe^ Uorgef^riebeneu ©etec^tigfeit 
cntbc[)rfen, faiui oot öott feine ®crerf|tigfeit gelten, iue(ci)e ni^t 
bic SJiUigung beö Ocjegcö ftubct. 53cnn bn« Urtl)cil ®üttc« ift 
secundum veritatem. 5)a erfanb bic 3üeiä^cit Ötotteö ein 'ißcT= 
fahren, bm Ungcredjten gercrfjt ,^u fprec^en, wobei ©ott fctbft 
feine ®crcd)tig[cit, b. l). fein Urt^eil gemöfi bem ®ejc^c anfredit 
erhielt, ßljriftu!* nämlid) mnfetc alä unfct Söiirge baä ©cfe^ er= 
füllen, fo baß er gerechtfertigt luorben ift, unb ba& SRcc^t er= 
»orbcn f)at. nl^ ber gereditc Änec^t ®otteä bie ©einen s" te(f)t= 
artigen, ober burd) feinen ®c^orfam SJiele alä geredjt bQrjufieUcn. 
3ur I^eilnat)me an biefet ©etcdjtigfcit Stjtifti gelangt man butrf) 



300 

bcn ©laubcn, iDcId^cm beölialb bcjonbcr^ bic Wcd^tfertigung bei* 
gelegt ipirb. Non enim amplius pro iniusto potest haberi, si 
qnis sit in Christo, cni dos iides iDserit. Quod iudicium dei 
de fidelibas in communione iustitiae Christi iam coustitutis 
vocatur iustificatio. @g ift Har, ba§ SKelc^ior nid^t bic 3lbfic^t ftat, 
t)on ber allgemeinen ficfinpeife abjuttjeidien ; aber tDcnn man il}m 
feinen @ebanfenjufamment)ang ju @ute ^ält, jo I)at er aud) burd^ 
bie beiben legten ©ä^c nic^t einmal t^atfäd)licf| bic ©renje über== 
fd^ritten. SJcnn baö iudicium secundum veritatem bett)äf)rt fid^ am 
©tanbe beS ®Iauben^ nidEjt infofern, aU berfelbe eine ber gefe^Iirf)en 
®erecf|tig!eit ß^rifti analoge SBirfung beö ^eiligen (Seiftet ift, fonbem 
infofern, al^ ber ©laube biejenige SJebingung erfüllt, unter ioeld^er 
bie ©efe^eöerfüÖung ß^rifti, loeld^e baö einsige möglid^e Cbject 
be^ »a^rtieitögemäfeen Urtl^eilS ®otte^ ift, bem ©ünber angerechnet 
tuerben fann. — gr. Siurretin empfängt öon ©rf)nedtenburger 
(©. 16. 24) ba^ 3^W9"i6r ^^^6 ^^ i^cm Iutl)erifc^en %\)\)u^ ber 
9led^tfertigung^(el^re am näcfiften trete (üergl. oben©. 296); ben- 
nod^ njerben \\)m Äbtoeid^ungen nad^ bem oorgeblid^ reformirten 
©inne ber fie^re t)in nad^getoiefen. Sebod^ bie Megationen auö 
beffen Theologia elenchtica II. p. 705 sq. (Lugd. Bat. 1696) 
finb bei ©dEjnedfenburger nic^t öoäftänbig unb nic^t juüerläffig. 
3)er ©efid^t^punft be^ iudicium dei secundum veritatem, beffen 
SRegel ift, bafe ®ott feinen gerecf|tfpred^en fönne oI)ne öoUtommene 
®erec^tigfeit beffelben, ^at für lurretin burdEjauö nid)t bcn ©inn, 
bie Smputation ber ®ered^tig!eit G^rifti aU ettoad unmöglid^eö 
ober ber ©rgänjung bebürftigeö barjufteücn ; t)ielmef)r n)enbet er 
jenen ©runbfa^ gerabe auf biefen gaU an. Qui destituitur 
propria iustitia, aliam debet habere, qua iustificetur. ^ic 
Snrec^nung ber ©ered^tigfeit be^ ftcHöertretenbcn 93ürgen für bie, 
ttjcld^e er öertritt, bilbet alfo bai iudicium secundum veritatem. 
3lIIerbing^ gehört ju biefem Vorgang bie 93ebingung ber unio 
cum Christo. Snbem aber Siurretin öon SReuem bie 3iic^tig!eit 
beö göttlid^en Urt^eifö ber Imputation gegen bcn SSonourf ber 
3fiction fiebert, beruft er ficfi auf jene unio cum Christo, aU 
ba^ aSer^ältnife ber SBürgfd^aft, in ttjcld^em bie ©eltung ber red^t^= 
fräftigen ^anblung bc^ Sinen für bie Stnberen bie ©teHücrtretung 
Sl^rifti für uns begrünbet. Snblid^ ift jene SBebingtlieit ber 
Siec^tfertigung burc^ bie unio cum Christo (p. 713) lein ^inbemife 
für bie ®eltung bed Oebanlend iustificatur impius. 3)enn bie 



301 



renovatio per grntiani gel)! iiicf)t kr iustiiicatio üocaiiö, il)^^em 
folgt it)t; iinb iinbefdjabel bcä ©tauIicnÄ nuife beffen Xciigct im 
3JetI)ältin^ ber 9icd)tfcrti(iinig alä impius betrac^let werben, qua- 
tennB opponitur operanti, adeoque iiupins partim antecedenter, 
partim respective ad iustiücatioDeDi, non autem coDComitanter, 
minus adhnc consequenter. Siiejet ©iiß t)at mit einet 9tiictfi(^t 
ailf baS Judicium aecundum veritatem ttii^tS ^ü tljuit. iiüec^ 
bingä lüirb t)ier ber iustificandua „öon einer Seite bereit« alt 
SBiebergeborener" bargeficllt; ober in biefcr §infii^t luirb er eben 
nic^t bcni göttlid)cn Urt^cil gegctiübagefteUt, fonbcni als iiDpiu!<. 
— 3lucÖ auf SlobDlf (Catechesis Pal. ülustrata) beruft fi^ 
©dinecfcnlnirgec (©. 15) für feine 9)Jeinung mit Unrcd)t. inbein 
er bie entfd)eibcnben ©ä^e bcffetbcn auÄlöftt. 3cncr crtlärt, gans 
Bjic ^^iirrefin, baß bic imputatio non denotat tietionem mcntis 
et opioionem , sed verum iustumque indieium , quo deus 
iudicat eos, qui credunt, esse in filio, atque adeo iustitiae et 
Omnis iuris ipsius, nt eapitis et fratris primogeniti, 
consortes (p. 340). Huius imputatiouis fundamentnm est 1) 
Bponsio Christi. Quidquid filias dei legi subiectus feeit, id 
voluntaria Bponsione loco electornni fecit et passus est; merito 
igitur id ipsis imputatur; 2) unio electoram cum Cbristo per 
Bpiritum fidei tarn arcta, ut unum tiaut corpus. Quapropter 
in Christo fecisse ac tulisse censentur, quod fecit tulitque 
ipsorum vice CLriatus (p. 341). 3nbem ©c^ncrfen burger nur 
bic |)lDeite ^binj^mig nid baä fundamentum imputationis citirt, 
o^ne bcnDoreiufgcljcnbcu ©runb unb of)rte bic noc^folgenbeSrflävung 
anjuffil)ten, t)ot er bie Slnfic^t fciiieä ä^^i^S™ ciflcntlid) gcfcilf(f)t. — 
Salomo bnn 7il (Theologiae utriusque compendium, cum 
satnTaiis tum revelatae, ed. quarta 1734) be[)anbc[t bie 9{c^t= 
fertigung noc^ ber SBicbergebiitt, unb cnucdt burc§ einige Sq^c 
ben ©cEjcin, alä ob er jene alä anall)tiitt)cä Urtf)cil über bicfc 
Derftet)e. Sicut homo cum dono fidei in regeneratione accipit 
immutationem statu», ita quoque novam subit relationem, qua 
relatus ad amorem dei concipitur at conciliatus, amicus, idqne 
snmmo inre propter eius commanionem cum Christo 
(IL p. leo). Kücin I)iemit Wieb nic^t biiä Cbjcct, fonbern bic 
fflebingung ber iustilicatio bcseic^net; bcnn ctläutcrl wirb biefelbc 
als iudicium fori divini, quo a reatu absolvitur redemtus 
tidelis propter satisfactionem Christi praestit&m. et ius vitae 



302 

sen iustitiae impatatur propter meritum Christi, dum 
censetar per fidem arctissimam habere commanionem cum 
Christo, yia^^tx (p. 164) {)cigt e^ tDieberumr totum funda- 
mentum iustitiae iudieii divini in iustificatione fundatur in 
credentis eoniunctione cum Christo. Snbem Q6er jugleid^ als 
obiectum iustificationis ponitur improbus, fo ift baburd) ber 
f^ntl^tifc^e S^arafter ber ©crcc^tfprcd^ung aufecr ß^^^f^l gefteßt. 
@Ä luirb nur in bcm ®nabcnurt^eil über bcn ©ünbcr äugleid^ 
ein ©ercd^tigfeit^urt^eil über benfclben geje^t, meldje^ in erfter 
Sinic auf bie fieiftungen SI)rifti bejogen ttjirb; aber tuegen ber 
©emeinfd^aft mit t^m im ©(auben omnia quae Christi sunt, 
iure censentur nostra'). 

SZämlid^ ber rcformirte ®ebanfe, bafe SI)ri|tug aU Sürge 
unb §aupt ber ©emeinbe bad ©ubject ber ®enugtl)uung unb 
beÄ JBerbienfteö ift, begrünbet aud^ bie cigentI)ümHci^e S^^lfl^ning, 
bafe bie Sied^tfertigung bc§ einjetnen ©laubigen nidE)t fomol)!, mie 
cÄ lut^erifd^ au^fd^Iiefelid^ gilt, Stet ber ©nabe, fonbern jugleid^ 
«et beröered^tigfeit ®otteÄ ift. §at ef)riftu^ al^ ^aupt 
ber ©emeinbc anftatt berfelben gelitten, inbem il)m bie ©ünben 
ber (Srtuä^Iten imputirt luurben, ift er be^Ijulb aud^ afö §aupt 
ber ©emeinbe öou ben ©ünben berfelben freigefprodE)en ttjorben, fo 
ift eÄ nur geredet, bafe bie ©ünbenDergebung auf baS einjelne 
®lieb feiner ©emeinbe übertragen ttjirb. ©o tuie e§ ^bm burd^ 
öan 2;il angebeutet tuar, fagt fd^on §. ?llting, Loc. coram. 



1) 3<^ ^<^bc bad Systema controversarium theologicarum bcd $(nton 
^ulfiuS nid^t erreichen fönncn, ou8 ttjcld^cm ©(ftnctfcnburgcr (II. @. 16) 
noc^ für feine )6c^au^tung ben 6a^ anführt: Certum est, cum iustificatur, 
eum non esse peccatorem in statu peccati, sed fidelem et consequenter 
iustum iustitia inhaerente. ^aäj bcn groben üon Ungcnauigfcit im 
(Jitircn, tocid^c idf bei bicfcr ®clegcnl^cit bcn bcibcn »ürttcmbcrgifc^cn Xlico= 
logen na(^gen)icfcn ^obe, will \^ e« abwarten, ob mir 3cmnnb n)ibcrf^)rcci^cn 
wirb, wenn id^ be^au^tc, ba^ ber 6a^ hc^ ^ulfiud fic^ gar ni^t auf bie 
)7orIiegcnbe t^roge nac^ ben 93cbingungen ber Stcc^tfcrtigung bcd Sünber^ 
burc^ d^riftu« be^ic^t, fonbern auf ben burc^ ©itfiuÄ (6. 298) berührten 
^aU ber ©crcc^tfprec^ung beS ©cremten, welchen $raun, Doctrina foede- 
rum III. 9, 21 ald iustificatio secunda be^cic^net: Secunda est inhae- 
rens, imperfecta et mutabilis, fitque non tantum fide, sed operibus, 
et quidem per sanctificationem ad obtinendum testimonium sanctitatis, 
ut absolveremur ab hypoorisi, — fofcm nftmli(^ ber S^cufcl bie ®crec^tcn 
cbenfo wie ben 3^^ anllagt. 




1 



1, 14 (Opp. ]. ]}. 117): Gonsideratur homo electus bifariam. 
pront est in se et natura Bua et prout est in Christo satis- 
faciente. Priore modo dcns lustificat irapium. posteriore iustifi- 
cat enm, qui est ex fide Icsu. Illud facit pro sna erga qos 
gratia, Jstud facit pro iustitia sua, qua satisfactionetn a 
Christo aciAeptam credentibiia imputat. Sbenfo (iocceiii*, 
Snmma theologiae cap. 48: Impututio iustitiae sive imputatio 
tidei in iustitiam est iudicium de! iustuni, quod illi, qui 
credant in Chrii^tiim H in eo snut, propter iustitiam Christi 
capitis et filii in iudicium noa venire — dono dei deheant, 
tanqnam st eani obedientiam patrassent et nullnm peecatnm 
conimisissent. t!\t\m ©cbanfen 6mud)tc a\\o @(^iict(enbutget 
mrf)t erft btttc^ beii fpätcn öcUeribgc s" belegen (©. 23. 24), ber 
hcnfelben übciflcnS in bem proftild) erbuuücöcn 3ufninnienl)anfl 
mit ber ^ebittgttitg snppos^ que Je reraplisse lea conditionH, 
qa'il exige dana bou alliance, ouf bic id)iefe Shene arininianiic^er 
Öctrai^tuiiii ytcUt. Slber g^nerfeuburgcc burftc jenen ©cbunten 
(ti^ärfer, olS er getljan l)at, jonniitiren. I'cnn bic cffectioc unio 
cum Christo im ©luubcn ift stunt ol^ Scbingnng beS rouljren 
unb gerechten Urtijeil« ®otte« üotgefteUt. aU berOnnib bcffeltien 
nbct ift bie ibeellc gintjeit mit bem genugt^üeiiben ßtjriifiiS ffaft 
ber Smiä^Iung gcbui^t. @o wirb bai 3ntereffe gelDot)rt, locIcfteÄ 
bie Weformirtcn nidjt minber, mie bic flutl)eraiiet boran ftabeii, 
qnud iustificatnr impius. 

SBäre bem nt(^t (u, (o fi^uttte man in bcrjelben SSeifc, in 
loeli^er ©^necEciibuvfler bic tefotmirte l^arftelliing gebeutet ^at, 
auc^ ber lutl)eriidjeu i'etjrort nn^jagen, bojj ^ie bic Sef)re üoii 
bct regeiieratio beö^alb ber Don bei iustificatio uoraiiSfc^irfe, 
um auäjiubviiden, ba^ bteje^ Urtfjcil ©otteö ben SHcnfdjen in 
einer recQen 9}e(c^affi;nlicit Uorauefeße, Iwelt^e bem ©üiibeuflünb 
cntflcgcngcie^l ift. Unb boc^ ift bieä nicljt ber gaH, inbcm ber 
©init bct regeneratio alß aJotfluäfc^ung ber iustificatio güu^ 
eigentöümfic^ Derdaufulirt ivirb. fflaicr (thcol. pos. III. 4, 2. 
3. 12. 15) [cnnt ncimlic^ eine TOcitcfte Sebentung Don regeneratio, 
fofern biefelbc convereio, iustificatio, rcnovatio umfafit, unb eine 
engfte, fofern ftc gleii^ iustifioatio ift, qua confertnr ius filios 
dei fieri (bie iustificatio activa ber Mefornürten). 9fad) einem 
Qnbem engern Scgriff foU regeneratio gleid) renovatio ober 
sanctifioatio fein. 9Ba3 ober Saier «nter jenem Xitel pofttiu 



304 

t)crftcl)t unb erörtert, ift präci^ bic donatio fidei, al§ Sebingung 
ber iustificatio peccatoris, unb auf biefen Umfang fc^ränft er 
nun bie gteid^bebeutenben begriffe nova creatio, vivificatio, 
spiritaalis resuscitatio ein. S)emnac^ g^fte^t er ^rvax ju, ba^ 
(jtertn matatio aliqua spiritaalis entf)alten fei; aber ba er biefe 
nad^ ber iustificatio a(d bem proximus finis et effectns iustifi- 
cationis bcgrenjt, ba er bie vires spirituales, miä)t in ber 
regeneratio t)erliel|en tt)erben, nur ad credendum in Christum 
vitamque adeo spiritualem inchoandam bejief)t, bie reelle re- 
novatio aber erft üon ber iustificatio abhängig niad)t, fo erfennt 
man »o^l, tt)ot)in bie 3lbfid^t ber Sef)re ge^t. 2)a bie mirtlic^e 
bewußte {Rechtfertigung al§ neue^ SSer^ältnig be^ ©ünbcrö ju 
®ott nur unter ber ^ebingung beö (glaubend üerftänblitf) ift, 
ba aber bie SSerlei^ung be^ ®Iauben§ eine reelle SSeränberung 
be^ SBillenS ift fo tommt eS barauf an, biefe im SSerl^ältnig jur 
^Rechtfertigung möglic^ft j^u t)erbünnen. 3)enn aUerbing^ lann jene 
formelle SSeränberung ol)ne materielle SSeränberung beö ©ünber^, 

— unb baS ift fd^on bie Stid^tung feinet SBillen^' auf Sfjriftuö, 

— nid^t einmal anfd^aulic^ gemad^t werben, aber biefe ©eite be^ 
SBorgang^ wirb nid^t al^ ber ©toff, f onbem nur al^ bie Sebingung 
bcÄ Urttieil^ gemeint, burd^ weld^eS bie neue ^Relation be^ ®tau* 
benben ju ®ott erft feftgeftellt wirb, ©ofern alfo nidE)t ju um* 
gellen ift, ben Slct be^ ©laubend aU ba§ Slnfangeftabium be^ 
neuen Seben§ barjuftellen, fo folgt barauö nidf)t, ba§ biefer 
SBertt) beö ®laubenS im SRed^tfertigungdurtt)eil bcrücffic^tigt 
werbe. 3)ie reformirte Se^re ift ber gleichen Scbingtl)eit unter* 
Worfen. ?lud^ fie fann bie regeneratio ober unio cum Christo 
nid^t als bloßeS ©d^ema einer ^Relation beulen, wie bieö be- 
abfid^tigt wirb, inbem fie alö ©tufe ber pronunciatio iustifi- 
cationis bargeftellt wirb. 3)enn fdE)on bie 5Rid)tung beö SJÖiQenS 
auf St)riftuS, bie baju gehört, ift eine efficax conversio volun- 
tatis'). Slber biefe ift immer nur als SBebingung, nidf)t als Dbject 



1) 6cftne(fcnburflct (Somp. S)ogni. II. S. 12 meint, bcm Quihc- 
rancr fei eS unmöglich gu fagcn, roaS bcm SReformirtcn na^c liege: iustifi- 
catio sequitur fidem ut eius effectus. 9(ber tBaicr unb ÖJevfiarb fagcn: 
Finis et effectus fidei proximus est iustificatio. — 9?ad) S. 13 foOcn 
nur bic fpätcren, pictiftifc^ mobificirtcn fiut^craner in reformirter SBeife unter 
^icbcrgcburt bie donatio fidei ücrfte^cn. 3"^cffen ift bieg nic^t bfoS bic 
aJicinung ton Oucnflcbt unb SSoicr, fonbem aut^ ton ©erwarb, ber feinen 



bet Mec^tfettifiung gemeint. 3i^ loffe e5 l)ier botiingcftcüt, ob 
unb roic bie an biefcnt ^iintte fic^ (lufbräiigcnbcn ©t^raierigfeiten 
Bennieben ober auf onbercm SSege öefeiKgl merben tonnen. 3ebcn= 
falls barf feine *liarfei bet anbern Dorvücten, bafe fie in bet 33e= 
ftimnmng beS ^erl)ältnii"feö jroift^eii 9?e^tfetttgung iinb aBiebet= 
geburt bo3 gemeinfame Snteteffe an jenet Dcttottien übet auä} 
mix unfenntiid) gemadjt t}abe. 



•n fammclt fi[§ bet ^ortnädigftc Stteit beibcr 
lulen um bie Stage naäi bem Umfang bet ^etläabficftt 
Elftifti im SJcrljciltnil S'im ©tfulgc betfclben. 3>ie >RcfDrmicten 
bef)auiJten, baß beibe gleidjen Umfang I)aben, bafe meritntn luie 
efficacia ßl)rifti boii Uotnijetein nux auf bie ©nuälittcn bejogen 
finb, iDenn anrö bie fttaft unb bcr 2Bettf) beä SJerbienfteä Gfirifti 
jum §eUc für Stile genügenb getocfen iff. ÜDie i?utf}ctaner l)in= 
gegen Ief)reii, baft bie §ei(öatificf|t G^rifti benfelben unioetfeHen 
Umfang gehabt ^abe, mie feine Äraft ; et t}abt für 9111c, auc& für 
bie reprobi, feinet Slbfit^t naift gciiiiggctfjoii, bie 9Sir!ung feiner 
fieiftungen aber befd)tänfe fi^ auf bie eleeti, roetd)c im (Stauben 
{einer §eit3a6fic^t ctitgcgcufomnten iinb feine ßciftiingen fit^ Qn= 
irignen. Xiiefet (jlegenfal^ t)Qt feiner 3^it nt(^t btoö al« ff)CD(o= 
gift^eS ©djibbolet gcgottcn, fonbcni Ijat au^ bae (joi-iulttte te= 
ligiöfe Selnufetfein gefcfiiebcn, pbgteid) bie ©lieber bicfeS ®cgen= 
fo^cS, Qufeerti^ angefctjen, gleid) ftarf im 91. X. uertreteii finb, 
itnb obglcii^ berfetbe ©egenfo^i ätüifc^en jltiomaS unb 5)un8 QUä' 
geprägt tüor (®. 78), o()ne über bie ßirenien bcr Schute ^inauS' 
iugreifen. 3)tan tjnl alfo an bcrSSitlung biefcS ©t^utgcgenfa^eä 
auf baä ieIigiöÄ=!irtI}ti[f)e Setüu^tfcin in ben eDangelifc^en Eon* 
;n eine 3[Jtobe bowon, mie bie Betonung Don ©c^ulftagen 
reltgiöfeä Sntcreffe bie Rti:^Ii(f)e Sntroittelung bet 9Iefot= 
ition Dertoirrt f)ot. §crticigefüf)rt aber mürbe biefer ©cgcnfag, 
wie bie mciftcn bcr frfion erörtctten ^Ibrocic^ungen baburd), 
bet f^ftcmatifcfic 3mpulÖ in ber ^tteologie her SRefotmirten 
einer ©tärle Miirfte, lueldie bie Snttjetaner nic^t empfanben. 
(tt* ifl tjiet nid)! bcr Ort, auf bie ©ntfdjeibnng jener bogmatifd^en 
ifDifferenj einäugeljcn, fonbeni 'vS) luill nur t)erDotf)cben, roie ba§ 



I de regenerstion 
muSsefKn lügt, iße 



hat, aber btm de itutificatioDe kti de poeuitentia 
bcfien Loc. 17. eap. 3. seot. 3. 



306 

©trebcn naä) ©inl^eit bcr ©rfenntnife bei bcr einen unb ber anbem 
JBel^au^tunfl tt)irlfam ift. Auf beiben ©eiten luirb ber flleid^e 
(Srfotg ber flötttid^en Srlöfung anerfannt, bie Slneignung berfelben 
an einen Si^eil be^ SOtenfc^engefd^Ied^td, bie fideles, electi. ^ibe 
JRxd^tnngen finb femer barin einig, bafe biefer ©rfolg Don ®ott 
ctoifl bejttjedt ift, unb j^^r ift bie ganje SBeltorbnung unb SJor- 
fel^ung ®otte^ auf biefen ÄreiS ber Sröenfd^en unb feine görbc- 
rung angelegt, aber nur bie SReformirten prägen biefen 3^fö^' 
menl^ang unter bcm ©efid^t^punfte ber ©elbftänbigfeit be^ gött= 
Krisen SJoHen^ unb SBoQbringen^ au^; bie Sutl)craner ntad^en 
ben Srfolg, wie ben etoigen Sefc^Iufe beffetben burd^ ®ott abpngig 
öon ber felbftänbigen ©ntfd^Iiefeung ber einjetnen SKenfd^en jum 
©lauben unb bon ber SBor^erfel^ung beffelben. S)enn nad^ feiner 
irniem ®efinnung erftrebt ®ott emftlid^ ba§ §eil aller SWenfd^en, 
aber fein njirifamed S)ecret ber SBeltleitung richtet fid^ nac^ ber 
moralifd^en 5reil)eit ber SKenfc^en in ber Serücffid^tigung il|re§ 
®Iauben§. 5)a nun ber ©laube SBebingung beS ^eitöerfolge^ ift, 
fofem er ba^ SBerbienft G^rifti anerfennt unb aneignet, fo ift bie 
€|K^ge @rtpci]^(ung ber jufünftig gläubigen baburc^ motiDirt, bag 
#ott bad SJerbienft Sl^rifti Doraudfa^, n)eld^e$ i{|m bie 9lu§- 
fftl^ng ber @rtt)ä^lung möglid^ ntad^en ttjürbe '), obgleid^ freilid^ 



1) ^rminiud ift ber (Srfte gemefen, meieret qemftg (Sp^. 1, 4 auf 
bie (SnvA^Iung in (S^riftud ®etoi(^t legte. Heber beten 6tnu brüdte er fic^ 
toed^felnb aud, inbem er C^^riftud unter bem Attribute beS fieibend balb ald 
causa meritoria, qua gratia et gloria est parata, balb ald c. mer. eorum 
bonorum, quae decreto electionis fidelibus destinata sunt — bezeichnete 
(cf. Twissus, Yindiciae gratiae, potestatis ac providentiae dei p. 36). 
3)ic erfterc 3)cutung mürbe öon feinen ^n^ngem aboptirt (Sc^wei^er, 
(Sentralbogmen 11. @. 91), bie jmeite tvurbe üon feinen @)egnem gegen bie 
erftere geltenb gemacht, ba man bie paulinif^e @te(Ie boc^ nic^t nte^r nm- 
ge^n fonntc. ^ad ift ber @inn ber ^ortred^ter Sntfd^eibung cap. I. 7: 
Certam quorundam hominum multitudinem elegit in Christo, quem 
etiam ab aeterno mediatorem et omnium electorum caput, salutisque 
fundamentum constituit. Sollte biefer 6inn nic^t Mar genug fein, fo ügl. 
Gomarus, loc. comm. Y. (p. C3): Medium electionis est donatio Christi 
servatoris . . . Apparet, electionem Christi aliorum ad salutem de- 
Btinationem ordine non praecedere, sed ut medium ei fini subordinatum 
sucoedere; H. Alting, loc. comm. IV. (p. 66): Primum summumque 
mediorum omnium ad salutem praeparatorum est Christus. Sumus 
igitur electi in Christo ut mediatore, ut capite, cuius satisfactione 



in anherer ^i"Iicf)t (i)ott biefe Seiftuiig Etiriftt au« ©nobe ongc' 
orbnet ^at. ÜRag nun bie Sef)rc de praedeBtinatione bei beu 




1 



intervenieate fieret reconciliatio inter deum et hominei. Sic anniniai 
ni|cl)e unb bttfe ort^oboj caloiniftifi^c ftiific^t flimmcn a\\o barin übciein, 
ba& fti^ S^tiltui im ScTgleic^ mit bcr Slcction unter bcm Sttribule bct 
SatidfactioR niiffaffcn; ftc lucic^eii darin Don cinnnbei: ab, bog bic göttlii^c 
^nocbnung bieicr 2cl(tung C^iifti uon bcn ^rmiitiancm alä @niRti, Dan bcn 
CalDinifttn als t^olQt beS Smifl^lungeTal^{d|luffce nngcfc^n toirb. 9Iun 
finb bic Suli)ccanCT, inbem (ie ben f^rnntcntofen ^fgriFf btc fhminianei; 
Don bet Sni^it abcptirt gaben (Sc^tceiid II. @. 209), cu^ in jene ar= 
niinianii(t)e $)ebouptims elnQetTeltiT, bafi abiiltuS bie causa roL-ritoriaelectionia 
|cl. 9(nb«Ter|ciie ^nt fid) in einem Sceife nfoTiniiler Xbeologen bic Itnfiitil 
entinidell, ba^ bie emtf^lnns in (Et)nftitd bct (Betnmml^it berjeniBen gilt, 
tuelc^c in bee Sinbinbung mit bicfem $iaup(e b<i3 ^cilSjiel cntidicn icetbcn. 
9tlim[id) lonogl nad) bcr Sti'gel: ultimum in exetcutione eat primntn in 
intentioac, ali oud) unter iSeaigtimn bcS UmItaiibeB, bafi bie SatiäFaction 
St)Tifti feine Stellung als ^onpt bet ga cvlüfcnbcn ^emeinbc Uarau^Fe^t unb 
nid)t erft begrünbel. le()d AmosiuB, Medalla I. cap. 25. § 27: Electio 
unica fuit in deo reapectu totius Cbriati myetici, Christi et eorum, qui 
nint in Christo, Bleut creatio uns fuit totius generie humani ; prout 
tarnen secundum rationem dintinctio quaedam concipi puteat, Christus 
primo fuit electus ut Caput, ac deinde homineB quidam ut memhra iu 
ipso. Witsins, de oecon. foederum dei ni. 4, 2: Electi sunt in 



Christo ut mediatore et propterea electo, qui uuo 
ipsis datus est in caput et dominum, at illi Bimul 
bra et pecalium, Bervandi eins merito et effioacis 
cum ipso. Heidegger, Corp. theol. ehr. loo. V. 
liliurn ab aeterno dispoiitum eit per modui 
Christo haeredes iustitiae et regni 
eligendum quosdam deum 






L dati sint ii 



Electi onis oon- 

I, qua deuB in 

apud se ipaum definivit. 29: Ad 

Impulit amor glor 



In apecie antem amor peraonaniin S. Trinitatis electionis intra deum 
cauBB est. 30: In aeterno illo testamento scriptua principalis haeres 
eBt I. Chr. partim ut haeres omniam, partim ut haeroditatia sibi datae 
Ttndex et aBsertor . . . ünde liquet haereditatem lilii esse hominea 
quosdam sibi datos, ut per enm salvati gloriae eius consortes fierent . . 
Elsgit not in ipso, Christo, in haeredo principali cohaeredes, in prin- 
cipe aalatis nostrae aalvandos, in capite corpus, ^ure^ bicfc Vujfaljung 
bei SrnttCiIuitg niiirb cigcntlid) mit ber uon Gut^r unb Salmin auSgcficnben 
UeberlieFcnnig Qcbvocgtn. 3Serben bic ISrniRFirtcn a priori a[3 @)anjce in 
(JgtiftuS üurflcftclll, \o finb fie eben ni(t)l mc&t bic uiclcn einjelncn, bcnen 
bic reprobi in beni onbem SDiDcnSactc Solteä ju courbinireii [mi. 3nbef)cn 
biefc gDlgening i{l nii^t infi Atme gefcßt notben. S''^''^ f"^ i^. ^^ i<"<! 
SerHnbcrniifl ber 3bce bet Cleetion, inbem fic ftcfi oon ftnlniu entfernt, fit^ 



308 

lutl^rifd^cn S^l^cologcn ber Scl^rc öon Sf)rifti 5ßcrfon unb ®cfdE)äft 
öorangc^cn ober nad^folgcn, fo ift cd natürlid^, bafe nid^t biefe 
Uon jener afficirt luirb, fonbem ed finbet ber umgelel)rte gaU 
(Statt. S)a nämlid^ ®ott jluar ben SBunfd^ (desiderium) t)at 
burd^ bie ©enbung unb ^romulgirung feineö ©o^neö ?llle ju 
retten, ba aber bie SRettung nur an benen üoUjogen tt)irb, mi6)c 
in felbftänbigem ©ntfd^Iuffe glauben, fo ttjiberfprid^t ber @rfo(g 
bed ®efd^äftd SI)rifti, nämlid^ ber Umfang ber iustificatio, bem 
3toede ber ©enbung ßl^rifti; unb bad nad^ ber Sercitnjiüigleit 
ber SWenfd^en bemeffene decretum electionis njiberfprid^t bem 
3tDede, ber ate gett)ünfd^ter in ber ©efinnung ®otteö öoraudgel)!. 
Jturj, bie lutl^erifd^e Se^auptung ber Seftimmung Sf)rifti pro Omni- 
bus et siogulis hominibus, n)eIdE)c fd^on nad^ bem endigen 2)ccret 
®otted nid^t jur Studfülirung lommt, fdEitiefet bie 3KögIidE)feit au^^, 
ba§anber§eikgefd^id^te bie S)urd^fü]^rung Sined göttlidjen 3njecfeö 
erfonnt toerbe ; unb aud^ beS^atb ift bie i^eotogie ber Sutl^erancr 
im 17. Satirl^. niemafe ©^ftem genjorben, menn man audE) biefed Xitcl^ 
ftd^ bebiente, fonbem fie ift Aggregat ber loci tbeologici geblieben. 
hingegen folgt bie reformirtc S3e^auptung, bafe bie ^eilö- 
abfid^t S^rifti Don born^erein befd^ränft fei auf bie, an benen fie 
jur applicatio ober efficacia fommt, ber f^ftematifd^en Siücffidf)t, 
bafe in bem ©rfolge ber bon ®ott geleiteten §eildgefc^ic^tc ber 
öoraudgel^nbe StoedE ®otteg erlannt ttjerben mug. Srfolgt nun 
auÄ ber SBirfung G^rifti auf bie äJZenfd^en bie ©ammlung unb 
®lieberung eined 5:^eild berfelben jur ®emeinbe beö ©otteöreic^e^ 
unter ß^riftud atd bem Raupte, fo ift biefe ©röße ber ©ebanfen- 
inl^alt ber ett)igen @rtt)äf)lung burdj ®ott, fo ift biefe ©emeinbe 
aud^ bad obiectum applicationis gratiae (^cdEermann, ^. ^tting, 
ÄmefiuS), fo ift enblid^ 6f)riftud afö ©ubject ber satisfactio unb 
beÄ meritum tt)irlfam, inbem er alö caput et Sponsor electorum 
gefegt ift unb t|ienac^ feine äbfid^t richtet. 3m umgeteljrten 
%(iU^, fagt «mefiuS (p. 106, ebenfo SJucannö p. 226), Ujürbe ba^ 
@rlöf ungdtoert ß^rifti Don jujeibeutigem @rf olge fein ; bann ttjürbe 
ber SSater ben ©ol^n bem lobe beftimmt, unb ber ©of)n bcm^ 
fetten fid^ unterjogen ^aben, ungcmife barüber, ob überhaupt 



auf bie Don Sß'mo^* cingefc^Iagcnc ©a^n begicbt. (35gl. Sal^rb. für bcutfc^c 
3:]^coI. XUI. 6. 94 ff.) 3(^ glaube auc^, baft biefe X^eologen ben @inn 
bed ^oficli» $au(u8 rid^tig getroffen ^aben. 





306 



1 



I 



jemaiib buucf) i^u gerettet werben loürbe; bann mürbe ber üanje 
Srfolfi bieieä @c[)cimniiieä uon bet freien ©iUlür bct 9)ienfc^en 
abhängen. Unb SÖucanuö (p. 396) mac^t bacouf aufmctfjam, bafe 
bie frfjeinbare öernfiing 3IIIcr, iiat^ bet fi^ bie lutljcrifdtc öd)aup= 
tiing rid)tct, eben ntcftt an omnes et singuli ergetit, (oiibern ia^ 
fie Dielmetjr indBäDita iet, 

SSie nun auii) biefe ßonfroucrie mit bcn gegcnraärtigen ej-egc 
tiii^en imb btcilettif[f)e» äHitteln fntfcijieben, wie onc^ ber Stnftofe 
6c(eitigt werben mag, ben bie i?utf)eraner an ber reformirten 
goffuMfl bcä ©cbanfenä ber ©rtotifiluns na[)men, roeldier bie Stn= 
ftöfeiflfeit bct Iut£)crif(^en bon ben SIrminioiierii eiitleftiitcn ©(^äßung 
ber menfi^lid)en gretfjeit baS ßikit^gewii^t tiölt, fo ftat bie refof 
mitte "^itjCDtie ben SJorjug, baß fte bem ©cbonfcn ber ®emeinbe ber 
öüänttigcn 9ia(l)briicf öerleit)t. IJnbem ß^riftuä in ^anbeln unb 
Üeiben fid) 6ewnf)t ift, al^ ^aupt bet (Stwatjlten, für fte, an il)rcr 
Steüe ju lionbetii unb f,u leiben, ifl bie (Stünbuug ber ®emcinbe 
alä ber biteetc Qmid feiner geft^icf|tlirf)en aSirflomfeit etfannt, 
Wenn aud) nod) anbete äßitfel ouä bet Säittfamteit beö Sr^ö^ten 
ju bcm wirtlidjcn ©rfolge nutfilDenbig finb. Snbem bie ®emeinbe 
al« baS iiädiftc Oüject bet efficaoin, uämlid} bicfet aSirfungeu 
be« ert)i)[)teii CEljriftiiS bargeflellt wirb, wirb bie Sbentität be* 
©ubjett* bet exinanitio unb ber exaltatio, bie it)ret Srfd)einung 
iiac^ eutgegengefegt finb, bntrfj bie Uin^ett il)tet ä^Jff^tieäieöung 
auf bie Sirdje fid)er gefteüt. Snblicö wirb unter bicfet 3Jorauä= 
fe^ung erteit^t, bag bie regeneratio unb bie iugtiücatio bcä Sin^ 
acinen nidjt einmal Dorgeftellt werben fann außer^alti ber ©emeinbc, 
rocld)e fllä Sßetbinbung mit ß^riftuS unb mit ben anbeten @!ie' 
bern bot jebcm Seivufetfcin beö Sinjclnen Don feiner ®credit> 
fprec^itng il)n ibecH unb effectio umfaßt, ^icbutrfj loirb bie 
^nnat)me niüglii^, bag bie iastificatio paasira be^ Sinj^elneti, mag 
fie Dotgefteöt werben alö ttonfcuntet 9tct ber regeneratio, ober 
oI« immanenter Set (SJotteS in foro eoeli. in %alQe beä aÜge= 
meinen Suftificafionäutttieile« für olle electi giltig unb wiilfom 
ift fc^on üot ber iustificatio activa, uot bem bu«^ ba« ä^ipife 
bcä Eiligen ©cifteS üetmittciten Sewufetfcin beä neuen §cil8» 
ftanbe«. 3"9'*^ii^ t"'"^^ ^^^ o6jecti»e ©cttung bicfet Xtjotfat^e für 
ben Sinj^elnen fcftgc^alten, aui^ wenn bie fubjcctine @mpftnbung 
boDon, baS griebenSgefüljI unb bie ^reube im ((eiligen Seifte, 
nif^t in ftetigct Sanct unb gteidiet Starte nai^geTDiefen werben 



310 

tarnt. Dicfc Sciftungcn l^t bic lutl^crifd^c Sc^rtDcife auf bicfcm 
^nftc nid^t crrcid^t. ÄQcrbingg bringt aud^ fie burd^ bie fflad)^ 
toctfung bcr fömglid^cn unb bcr propl^ctifd^cn gunction im Status 
exaltationis ChriBti bie (Sntfte^ung ber ^rd)e in mittelbare 
Äbl^ängigfeit bon bem priefterlid^en SBirfen be^ cmiebrigten ®ott== 
menfd^en, aber nid^t burd^ Stufjeigung irgenb einer Qtocdbtiie- 
l^ung, fonbem nur in ber jeitlic^en ?lneinanberreif)ung ber beibcn 
©tänbe S^rifti unb burd^ bie ©d^ematifining if)reg 3nl)alte^ nad^ 
ber SReifienfoIge ber brei äemter. 5)ie lut^erifd^e Sel)re fommt 
barauf l^inau^, bafe berfelbe S^riftu^, ber im ©tanbe ber ©mie- 
brigung für äße SWenfd^en an ®ott genuggetf)an I)at, im ©tanbe 
ber ©r^ö^ung al§ ^ropliet mittelbar burd^ bie ©enbung ber 
ministri verbi divini unb afe Äönig burc^ SBort unb ©acrament, 
ben ffiel^i!e(n be^ l^eiligen ®eifteö, feine ©emeinbe fammelt, erl)ält 
unb mit ben ®aben bed ^eiled au^ftattct. Safe feine SBed^feU 
bejief)ung jtt)ifd^en biefen Sfiatfad^en nad^geujiejen ttjirb, mufe frei- 
ü^ ben reformirten S^eologen ebenfo öorgeriicft werben n)ic ben 
lutl^fd^en. Aber biefer ^Ijler ift für bie reformirte fietirtueife 
toeniger fatal afö für bie lut^erifd^e. S)enn fc^on bic reformirte 
©arfteHung be§ meritum Christi ift auf ben Sxücd ber ©rün- 
bung ber ®emeinbe birect bejogen unb burc^ ben übergreifenben 
©eftd^täpunft be§ regnum gratiae Christi bel)errfdöt, unb bie 
applicatio meriti l^at il^r Object an ber @emeinbe unb an bem 
©üjelnen ate ®emeinbeglieb. 3)iefer 3i^fömmenl)ang fonnte nid^t 
geftört toerben, tuenn man e^ audj unterliefe, bie ©enbung ber 
Wiener be^ SBortä burd^ S^riftu^ alö ^rop^eten ber 95et{)ätigung 
feinet Äönigt^um^ burd^ ®eftaltung unb Sr^attung feiner @e* 
meinbe atö SOtittel einjugliebern. 

hingegen bie lutl^erifd^e ©arfteüung ber ©adE)e bleibt binter 
bem 3ntereffe bed eöangelif d^ * firdjlid^en Sl)riftentl)um^ jurürf. 
©0 ttjie bie beiben S)ata neben einanber gefteüt finb, ba% ber 
erl^ö^te ß^riftud ald ^röpl^et bie 3)iener be§ göttlichen SBorte^ 
fenbet unb afö ßönig burc^ SBort unb ©acrament bie ©emeinbe 
fammelt unb erl^ält, fd^eint freilid^ nad^ einer ©eite ^in bie SSer- 
btnbung be^ ©ebanfen^ ber Äird^e mit ber Seigre Don bem meri- 
tum Christi fel^r ftarf ausgeprägt ju fein. äJZan fd^eint nur 
bead^ten ju muffen, bag bie ministri, bie mittelbaren Organe beS 
crl^ö^ten ®f)riftud, bie S^räger beS gottUd^en SBorteS unb bie 
SScrtoalter ber ©acromente finb, in benen baS meritum Christi ' 



Sil 

t @läubigett appliciit wirb, um äu folgern, baß bie ©emeinbe 
ber ©läu&igcit uordcftcUt rcerbcn \oll- al3 unmittelbares ^robuct 
ber amtlichen gunctton ber ministri unb qIS ntittetbateö ^ßrobuct 
bcd er^öljten ÖSoltmcnfc^en, ber fie bur<^ |ein 2ierbienft in bct 
©rniebrigung möglich gemalt ^at. Stüein baä i(t nic^t bie 
abfid)! ber lut!)crt(d)en ßcljmci(e. ®enn ber Strtitel ooii ber 
Äirdje erflart, ba§ bie vocatio ordinaria baä conftitiitiüc afierl= 
mal beS minister verbi ift. 'S>ai ius vonationis ift iiiiii jmat 
in le^ter Snftanj bei tSljriftitd, aber ecciesia est minus priiici- 
palis causa vocationis ministrorum (öaier). ®qS f)ei6t, bie 
Äircf)e ift nid)t blvi baä ^robuct, jonbern äugtctc^ bie mirtfamc 
SJoraiiäfegung ober ber äJüttelgrunb für itai ministerium verbi. 
SoTum crfflt)rt man aber bie(e Sebingttjeit jener Organe Gl)vifti ni^t 
fd^on bei ber äe|)re Uon ber applicatio gratiae, mo e^ bot^ fe^r 
not^nenbig märe, um bem Dörfer Botgetragenen untiii)tigen ©djEufe 
Dorjubengen? SBeil man fi^ nic^t über bie 3(oItrung ber ti}eo= 
iDgijdicn loci oon cinanbcr ^ii ber f^ftematifrf)en SJerfnüpfung bet 
©cbanfen crliob, bie au^ gcgcnfeitige fflejietjung (inflemiefcn finb. 
5)ie lutbeni'c^c ibcologic betoa^ut itjrcn cuaugclifc^en 6[)araftet 
in bcm Sa^c, bafe bte (^emeinbe ber ©laubigen ebenjo ber nödifte 
©runb roie bet Qmed beS ministerinm eeclesiasticnm (®. 202), 
bieä nlfo nut äKittel im Segriff bev .ftirt^e fei. ?lber bicfc nie= 
mala Berlengnctc aSa&rtjeit ctmangett itjrer burc^fcftlagenben Str= 
hing in ber lut^erif^cn ÜeEjrroeife, tnbem ber 99egrtff ber Äirt^e 
ni^t birect mit ber Seljre wom meritum Christi bcrbunben unb 
bei £e[]te Don ber applicatio gratiae ;u @tunbe gelegt mitb. 
3Ba5 in btefer ^infii^t bte reformirtc £ct)nucife gclciftet Ijot, ift bc3= 
tialb an^ nichts weniger olä ontiliitljerilrti ; benn ni^t nur weifen 
Sut^er''g Sröäcungcn in ben fiatec^iämen auf bie Kombination ijin, 
Weldie Don ben reformirten X^eologen auägefii^rt ift, fonbetn auc^ 
ein 2ut£)etaner wie Srenj lo^t eine folt^e 9lu8füf)rung erwotten. 

Aber nid)t bloö bet eUangeUf^e ß^aralter be§ Sut^et» 
tljumä, fonbetn autft ber Itr(f)lt(^e (JEjarafter bcS ß^riftenttjumä 
lommt bei biefer EarfteKnng ä" '"i^A- ^'"^ applicatio gratiae, 
junäc^ft bie donatio fidei (regeneratio), jugleid^ bte poenitentia 
unb in ();olge beten bie iustificatio erfolgt gemä^ ber lutl^etifc^en 
Se^rweife fo, baß ber einjelne ©ünber bie fot^gemofee 5Bittung 
öon lex unb evangelium erfahrt, alä beten Xioget i^m bie 
ministri verbi gegeniibctfteljen. Snbem et burc^ bie contritio 



312 

l^inburd^ bie fides, bad SJcrtrauen auf bic ©nabeitDcrlieifeung, unb 
bad meritum Christi erreid^t, fällt bte objecttDe iustificatio als 
immanenter Slct ©otte^ *) mit feinem Settjufetfein baüon, nämlid^ 
mit ber ©rtoccfung ber consolatio conscientiae unb ber laetitia 
spiritualis jcttlid^ jufammen. Sei bicfer 3)arfteHun9 ift alfo 
feineSlDeg^ gered^net auf ein ©emeingefüf)! mit ber ©emeinbe ber 
©laubigen, oI)ne beren Doraudge^enben ©inbrucf boc^ fein inbiüi- 
buelle§ religiöfed Settjufetfein ftattfinbet, oI)ne mlä)cn eö feine 
fird^lid^e Dualität l^at. 3nbem üielme^r ber iustificandus ober 
iustificatus, tro^ ber SSermittetung burd^ SBort unb ©acramente, 
in inbibibueÜer 3ffoIirung ®ott gegenübergeftellt tt)irb, fo füf)rt 
il^n bie unumgänglid^e ßu^^wt^ung, feine objectiüe iustificatio an 
ber ©tetigfeit feiner laetitia spiritualis ju erfennen, ju einer 
fünftlid^en ®efüf)I^anfpannung, »eld^e ]^öd)ften^ in bem fleinern 
Ärcife t)on gteid^ ©trebenben, alfo in fectenljafter Slbfonberung 
crreid^t ttjirb, unb audj l^ier nur mit Unterbred^ungen burd^ 
ÜRomente ber SSer/jttjeifelung ober mit ber ®efaf|r bauernber ©elbfl- 
täufc^ung. ©c^nedEenburger *) mad^t nun barauf aufmerffam, 
bafe ber SSerlauf ber reformirten Se^re üon ber Suftification, bie 
auf ben ©njetnen nur Sejug ^at, fofem er ber ^rd)e ^ugered^net 
toirb, benjenigen Änfprüc^en entfpric^t, tt)eld^e ber Äatljolici^muö 
allein ju erfüllen borgiebt, unb jujar in einer l)öf)ern Dergeiftigten 
©pl^äre. S)a^ Sutliertljum bagegcn Dertrete baö 5ßrincip be^ 
Snbiöibuali^mu^, inbem cä in ber S)eutung ber Suftification baö 
Snbibibuum at3 felbftänbigc unb eigentf)ümlid^e SBertfigröfee burd^ 
baÄ tran^fcenbentc Urtlieil ®otte^ beftimmen taffe. 3wgki^ frei== 



1) ®cnn auc^ ein rcformirtcr J^colog, wie j. 93. ^Bitfiu« (Lib. III. 
8, 69. 60) bic objcctioc S^ftlfication bcS (Sin^elnen in foro ooeli üor ftd) 
96)^ läßt, in bem 3Roment, roo ber SRcgcncrirtc jum (äJIauben fommt, fo 
unterft^eibct er boc^ ^ieüon bie insinuatio sententiae dei per spiritum 
sanctum. Umgefc^rt Icftrt 5KarefiuÄ (syst, theol. loc. 11, 67. 68) wie 
bie fiut^eraner, bag bie 6enten^ ®otted unb baS )6cmugtfein t)on i^r ^citüc^ 
jufammenf allen; bofüt aber lägt er innerhalb ber Suftificotion bc8 ©in^clncn 
bie bi«^)orititen ?[cte bcd Streben« nad^ ÖJered^tigfcit au8 ®ott öor^crge^en, 
welche, Inbem fie auS \)m, Olaubcn ftammen unb baS allöemeine IRcd^tfeiii« 
gungSurt^I über bie electi borouSfefen, ben reformirten X^pu« berralftcn, 
ber H eben audfc^Iicgt, ha^ bie obiectioe 6entena ®otted unb bad fubicctioc 
S3etougtfetn \)on i^r ftd^ ^eitlid^ unb empirifd^ beden foQen. 

2) gur ftrc^r. (^riftologie 6. 141. 



I 

I 



313 

lit^ erinnert ©djiietfenbitrgcr boraii, baß aittf) bic Vutljcraiicr ben 
ißJctt^ bcr äugern tit^licfjcn Ofrjectimtäl pr SJermitteluiii^ jenes 
Ur%it«i Qiotteä für boÄ Söciniifetfeiii niicrfeniieii, unb büß ^ieiin 
eine ei9entl)ümlicl)c Sliinät)ecun3 aüäj bicjeS ©ijftfmö nn ben 
Kat&oliciömuS erfi^ciiie. Xie barmi noc^ gcfnüpften Serfllci= 
(jungen loffe icfi bafiingefteOt, rocil in it)nen (c^iefe gotgetungen 
jener unwoüjtünbig gctliebeneii ©ftotaftcriftif Ijcniortteten. 55enn 
bie getfttgere ?(rt, mlä)i ber rcformirtcn SBemiertijuiig bed Segriff« 
Don ber ftit[t)c uor bct faKjoIifdjen sugcfproc^en l»irb, muß barauf 
jurüctgcfütjrt loerben, baß bie Sufüficotion beS Sinjeliicn (at^o= 
lifdj in Slb^üngigtcil oon bcr eeclesia repraesentans, öon bem 
SRer^t^uerbaitbc ber iaerainentol prinilcgirtcn Stieritcr gcjc^t wirb, 
— reiotmirt in Slbtiiingigtcit Don bcr flit% aU eecleaia elec- 
torunj, uon ber uorauägeöenbeii Sflcftimmung, boß ber Einädne 
aüe ©nabengütcr, in cvfter Siuie bie 9tci:ötff'^ti9""9i "ir l)Qt in 
bem corpQs myaticum Christi, innev£)al6 bcffen bn§ SBort ©otteS 
unb bie @acramente ilire objective iBebeittung alä unumgängEic^e 
flöttlic^c ajfittel ber 9.!em)irf[i(^ung ber 3bee ber fi'irc£)e behaupten. 
S)aS ift ein retner ©eäcnialj '). ©i^eint fic^ nun bie Iut|)crif^e 
Suffoffung ber ©uc^e bcr fatfiolijt^en ju nähern, ütbciit jene bie 
Suftification be* ISinäeliicn Uon bcn o6jectiUen ©röfjcij b« SBortes 
©otteä unb ber Sacramcnte abljängtg mat^t, \o maltet boc^ ber 
Unterf(ftieb ob, bau, fo bcftimntt t)iefur bie miniatri ecclesiae 
Dotaudgcfegt finb. bod) jene Organe beS göttlicfien SSirfenS grunb« 
(a^lic^ nienuil* mit einem empicifi^en Sorcedjte bcä Älerud tben= 



1) Unfltntötct bi'ffcii fi"b wnrtttmbcrnii^c I^oloßcii pictifliltficr Schule 
©tanbc flcmttcn. mir 9tiiiiäftcninfl an kn flnlboltcismu« Uoriutüdcii, in= 
n ii^ [ilr bit bön bcn vcfonniiten Hcploficn 000^09(111;, ob« ouf Sut^r'ä 
unb Sttnj'ä 1![iil»uluii0cn fiiScnbr Eombiiiation cinlKW. i8gl- ^. Si^mibt, 
Slub. u. ffrit. 1673. ®. 368; §. Satife bnfclbft 1881. ©. 397; Sorncr, 
®H(teni ber (^rifll. eilnubuiStr^rc 11. ®. 604. asictc Dcnunciolion ^nt aud) 
f^on ctntm tat^oli[r^m Xtieologcn bcii Ünlaii ju ber a9[;l)auptung Qcgcbcn, 
bag ~id) nut @tmnb laIt)o[if(^T $rincipkn Qlau&c. ^qI. ^ellinger, 'S>k 
ffrifiS brt Kfiriftentöiim« (1881) S. HO. 121. Slun tonn it^ bie aRifibiUipuug 
meiner 9tnr"fit ütiii km 93tr&älln'6 jroifififn fRet^lfcrligiinn (um biefc 
^nbflt cä fid)) unb atmcinbc bcr (SÜlubigcn, fo roie bie aSetbrcfiimg, in 
»tilgte g, ö. &. Seift meint fflicinunfl rcptobucirl, in ber ®efeUf*ofl von 
Srenj n)Dl)l crttagcn. Slicfcr ^olriotd) bcS roüvllembergiic^cn fiul^rl^umä 
(tlicint aber bei feinen SaiiWleulen rcftt unbePnniit geiDorben ju fein. 



314 

lificirt ober auf ein fold^e^ jurüdgcfül^rt 4pcrben. 9l6er ba man 
fid^ in ber tutl^erifd^cn ©arftcHung ber ScI^rc nic^t am rid^tigen 
Drtc erinnert, bafe bie claves principaliter ecciesiae traditae 
sunt, unb bafe bie ©acramente gar ni^t borgeftellt ujerben lönnen 
au§erl^aI6 unb bor ber communio fidelium, fo ift cS erflärlic^, 
bafe bie bleibenbe Unflar^eit über biefcn 3"fön^^^"f)öng ben 
©d^ein einer ®emeinfd^aft ber lutljerifdjen Äuffaffung mit ber 
fat^olifd^en unb bei Sielen ein jietlofed ©reifen nac^ biefem 
©d^eine l^ertjorruft. Änbererfeit^ rädE)t fic^ bie auf biefem 5ßun!te 
nid^t uermiebenc SBernad^Iäffigung be§ ^cgriff^ ber Äird^e in ber 
oben bejeic^neten SBeife baburcf), bafe bie iustificatio be^ Sin* 
jelnen, obgleid^ fie ben fird^Iid^en SRitteln untergeorbnet ioirb, auf 
bem SBege ber ifolirten ®efüf)teerregung atö bettjugter Sefi^ fdjeint 
crtialten tt)erben ju muffen. S)er SKangel ber lutfjerifd^eu Scljre 
auf biefem fünfte erflärt e^ atfo, ttjarum auf bem ©oben be^ 
Sut^ertI|umÄ bie 2luf gäbe be§ eöangelifd^^firc^Iid^enSebenö immer 
abtoed^felnb ober gleid^jeitig 9?otf) leibet oon ben Stbirrungen 
jur fatl^olifirenben Ueberfd^äfeung beö fird^lic^en 9(mte^ unb jur 
pietiftifd^en Sfolirung unb ©elbftquälerei ber einjclnen ©ubjecte, 
fotoie jur Ueber^ebung berfelben in if)rer engern ©emeinfc^aft mit 
einanber. 

44. 5)ie ?lbtt)eid^ungen ber beiben eöangetifd^en ßonfejfionen 
in ben Seigren bon ber Säerfö^nung unb 9?edE)tfertigung üerrat^en 
leinen anbem Unterfd^ieb al^ ben ber ©pielarten. 3)enn bie 
2^nbenj ber Sel)rbilbung ift bie gteid^e, bem ©laubigen/ n^ic er 
in ber Äird^e ober unter bem ©influffe ber lird^üd^en ©naben- 
mittel ftelit ba^ ajed^t beö religiöfen SSerfelireö mit ©ott, be^. 
Jßertrauend auf i^n, ber SebenSfreubigfeit, meldte unter bem Sann 
bct ©c^ulb unmßglid^ ift, trofe feiner effectiöen ©ünbe ju gett)äf)r' 
leiften. 5)ie SWittel ber ©ebanfenbitbung finb in ben §auptfacf)en 
ibentifd^, unb bie Unterfd^iebe in biefer §infic^t finb tl)eil§ bebingt 
burd^ bad berfd^iebene STOafe bed toiffenfd^aftlid^en 3mpulfe^, t^eit§ 
burd^ gegenfeitige SRifeberftänbniffe, bie bei bem ©tanbc ber ©d^rift- 
auÄlegung unb ber bialeftifd^en Silbung jener 3^^* "i^^ fl^^öft 
»erben fonnten. Die ©emeinfd^aft ber beiben ßonfeffionen in 
bicfen Seigren crgicbt fid^ aber aufÄ beutlic^fte an ber ©egem 
übcrftellung ber unfird^lid^en unb antifird^üd^cn ®eftre* 
Bungen, bie Seigre öon ber SSerfö^nung burd^ ßl^riftuS aufeer 



315 

©eltung ju feljen. üüiejeltcn culmiiürcn im Socinianiemuö, uiib 
finb burc^ bcn ©riinbet btcfcc SRirfilung mit ber größten tecl)iiifc§en 
©orgfalt Qu8get)r(igt tttorben, 3f)reii llrfprung aber ne(|men fie 
im Ätei(c ber SBiebertäufer. 

3)te btelgeftatttge (£ri(^einung ber SJiebertäuferei folgt 
erfteiiä bcnt iDio^ftabc, bafe bau S[)riftcnt^um al# ©cmeinlc^aft 
ton actio .^eiligen Becroirflt^t TOcrbeti mitffe, Don folc£)cn heiligen, 
bte raögtit^ft bie Snt^altung bon aller @ünbe, ober bie llmnijg= 
lii^teit be* ©ünbigenä erretröen. 3"'"'"'* f^'S* t""^ biefem, bem 
!CoiiatiSmu$ analogen ©tre&en, bog bie Sird)e alä bie ©iimme 
ber octiD ^eiligen nnb ©ünblojcn, nidjt aber ats baä üüraiiä' 
gc^enbe ©anje BütgcfteUf wirb, innerhalb bcffen ber ©tnjelnc 
feiner SScrjöfiming mit <3ott wrficf)crt roirb, unb bie eintriebe jui' 
Heiligung crfät)rt. I>nö 3^if^f" '''^'^^ ©runbiaticä ift bie 
ffiermerfung ber Sinbcrtiutfe nnb bie ^rajiä ber SSiebcvtaufc ber 
(ätmat^ienen, bitrc^ roetdje ^it^ bieje ju ber Partei bcfenncn. 
S)rittcn§ roirb aüe« bisljcrigc gemcinfame et|riftcntt)um, fowo^I 
bie Jtir^c, a(§ and) ber i^riftlii^e ®taat für nngiltig erflärt, aU 
unerfräglic^c JDfifcfiiing Don 9ieii^ ©ottcä unb Don aBcIt; in ber 
Snoartuiig beS iibergeft^idittic^en SJeit^eä E^rifti wirb beät)a(b 
eine uollftänbige Sleubilbung suflleid) religiöfct unb focialcr &t= 
meinf^aft erftrcbt, ju bercn Drbiiung bie tfeiÜge ©c^vift beS 8t. 
unb beä 3i. %. al§ ©ciegbu^ ge^onbljabt, ju beren 'Siirc^fül)rung 
t^eilä bie Enthaltung Dou Ärtegäbienft, ton ?Iemtcrii, Mom Sib 
öorgejdirieben, tt)ctt8 geroaltionicr Slufruljr unternommen rourbe. 
3n QÜen biefcn fünften miberfpric^t bie rcDolutionärc Sieform 
au« bem ©runbja^e ber SBcrtticiligfcif unb ber n^fctijdien 9?oU* 
Iommcnl)ett berjenigen ^Reformation, meiere ben ©oben ber d|tift= 
lidjen öieiel[(d)aft beö römifi^en JReitI)eS inne£)ält, loelrfje baö 
3ntereffc ber allgemeinen Sirdie luafjmimmt. meiere au bie ©teUe 
beä mönc^if^en i'ebenöibealä bie Stufgabc gefteHt I)at, bie ä)x\\i'- 
lidjt SioÜtommenfjcit in ber 9lu§übung ber gemeiunü^igen £eben*= 
berufe f,\i crftrebcii. jDic SSicbertäuferci rourjelt eben in bem 
adfetift^en Qu^e, nielc^cr frijon feit bem 13. 3a^r[)uubcrt fi(^ über 
bie ganjc Hirt^e ju üerüreitcn iu<^t, unb in bem 3(uftreten ber 
ftanciäcanifc^cn ©(jiritualcn f(^on eine eben folt^e reöolutionärc 
SBcniegung fjeruorgernfcn ^«t, wie bie ber Sßiicbertäufer ift')- 



:. &c\^i!iite iti $ictiämit« I. «ßrolegon 



316 

S)a bic SBiebertäuferci möglid^ft untl)coIogifd^ ift, ba fic afö 
reDoIutionäre öcttjcgimfl bcr SKaffcn nur burd^ praftifd^e ©c^Iag^ 
tüörter geleitet »urbe, \o finb e^ nur bie tpenigcn tt)eoIo(iif(^ 
©ebilbeten unter ben SBiebertäufem, bei ttjetc^en Ie^r£)afte ^onfe^^ 
quenjen auftaud^cn, burd^ ttjeld^e fie fid^ nod^ ttjeiter üon ben 
gemeinfamen c^riftlic^en Ueberjeugungen entfenien. SBar nämlic^ 
bic Aufgabe ber actiucn §eiligfeit geftellt, unb tt)urbe bie Siedet* 
fertigung in ben guten SBerfen gejuckt, \o fanb baö religiöfe SBe^ 
bürfnife in S^riftuö nur baS SSorbilb be^ ^anbelnö unb fieibenö, 
nid^t im SJermittler ber ©ünbenüergebung. hierin erfc^eint eine 
©ntgegenfejjung ber Sebeutungen St)rifti, tüetd^e in ber 3(^tetil bcö 
SKittelalterö neben einanber gelten. Snbem ba^ jectirerifc^c Snter- 
effe ^erüortritt, ttjirb ber ©efammtumfang ber iunerfirdE)lid^en 
Sebenömotiüe jerfegt. S)emgemä6 betont 3^£)omaö SWünjer bie 
SSorbilblid^Ieit (S^rifti, inbem er üon feiner Söebeutung al§ SJer^ 
föl^ner fd^ttjeigt*). hingegen ift Sol^ann 2)enf2) baju fort^ 
gcf(f)ritten, bie ftelluertretenbe ©efefeerfüHung ß^rifti ju leugnen. 
Säfet er fid^ aud^ nur burc^ bie SKifebeutung ber reformatorifc^en 
Seigre, afö ob nämlid^ unsere SrfüUung beö ©ejefeeö burd^ bie 
©tenucrtretung S^rifti überftüftig »erbe (©. 272), sunt SBiber* 
fprud^ gegen biefe bett)egen, fo \)at berjelbe bodE) principieüe öebeu* 
tung für il^n. 5)enn er meint, bafe jeber feine ©ct)utb abbüßen 
fönne, inbem er in feine SSerbammnife einttjilligt, fein %U\\6) tobtet 
unb fo bie Geltung be« Oefefeed für fidj felbft ^erftellt. Unb 
mit ber SSettoerfung ber allgemeinen SSerföf)nung burc^ S^riftu^ 
fiel bei S)enf ber ®Iaubc an Sf)rifti ©ott^eit ba^in. 3ene a)?ei= 
nung unb tl)eilttjeife aud^ biefe l^at S)enl auf bie ^äut)tcr ber 
oberbeutfd^en SBiebertäufer, Sacob Äaufe, Saltl^afar ^ub^^ 
maier, Subtt)ig §e^er») übertragen. 9le^nlid^ beutet ber tt)ie* 
bcrtäuferifd^c ^ropl^ct 5)aoib Sori^ ben ©tauben in ba^ ölut 
Gl^rifti ate baÄ 2tbt\i bed ©eifte^ ß^rifti, aU bie ©rfal^rung üon 
©otted aQmäd^tigem SBort unb en^iger ^aft, n)e(d^e im ©lauben 

1) 6etbemann, 2:^. SJ^ün^r 6. 120. (Sr&fant, $roteft. ©ecten 
@. 602 f. 

2) ^cbcrle, go^anti S)cnf unb fein ^uc^Icin uom ®cfc^. @tub. u. 
lerit. 1851. @. 166. 168. 

3) ^cbcrlc, So^önn 3)cnf unb bic ^lugbrcitung feiner Seigre. Stub. 
u. Ärit. 1856. @. 841. 849. 854. Äcim, ßubroig ^cfcr. 3a^rb. für 
beutfc^c 2:^coI. 1866. @. 267 ff. 



317 

erfangt mirb ')- hingegen ik "ißartci bcr lauffjeftiuitcn 
{iDIcimoiitten), in hjetdjcr bie roilbc ^^eroeguiig tf)re SJitifeipng 
iinb babutc^ einen bouemben Seftanb geiBoiinen Ijat, Berbinbet 
mit bet 9tufgaDe, eine (Mcmeinbe octiu ^pciliger f)cräiifteUen, bic 
älnerfcnnung beS rcformafurifdicn ©runblo^c* uon bcr 9?e(i)tferti= 
gung but^ Gfjrifti BoKtommcnen ®cf)or(am al* bem einsigcn 
®runbc bcS §eilc«, jii n)e!ti)em \id) bie SerEe nur nlä notI)= 
wenbige golgcn beS ®l(iutienä liettjaltcn. Snbeffen finb micberiim 
bie Dufifcr, in beren ®fmeinf(f)afl bie jüngere ©trömung bc§ 
i^rifllic^'rebolutionärcn ©cftengeifteÄ im 17, 3a'£)rt)unbcrt jiir 
tRuf)e tam, ber Cc^re üdh bcr ftcnuertotenbcn (Somgttiming jo 
abgeneigt gciuejen, boft ftc biefel&e als flennäcidjcn ber Äirc^e 
SSfl&qlonä bcjcicfineten *). 'J'cnn baS quäferifc^e ^rincip beS 
inncrn Sii^tcö, beffcn ©irten, roic aiic^ Savclöl) jugeftefit, glei^= 
giltig ift gegen bie gefdjii^tlidje Äcnntnife Hon S^riftnS, id^Ucfit 
jebe irefentlic^e Sebentung feiner Üeiftungen in ^anbcln unb Pei= 
ben QUO. aöenn alfo iBarcIoi) in ('einer Tbeologiae vere chri- 
stianac apologia cä unternimmt, bic Ucbereinftimmung ber qiiäfe= 
rifct)cn ®runbfä^c mit ber l)ei[igen Stl)rift, ber alten Äiri^c unb 
bcn a^cformoforcn bflrsntljiin, fo ift bic 3w"l'C"t'3^'t '''^jeä 9Scr= 
faftrenä gerobe an hin üefiren öon bcr SSerföl)nung unb 9!cd)t' 
- fertigung Ijanbgreiflicf). lienn ber rcformatorift^cn goiT" ^^^\^ 
I ie^ren roitb eben fo !cf)ncn luiberipro^m, als fie fornuitirt ift. 
[ ©Ott ^at bo^ nidE)t G^riftuS bcn Sünbcrn gteitfi gerechnet, ift 
I mir quasi in Christo nobis reconciliatns, Gfirifti Tob bietet 
beat)alb bic ißerföijnung nur an, ift nur Sßorbilb unb Symbol 
bcrjenigen loafjrcn Srlöjung iinb 9*cräiibcrung, roelcfje S^rifti @eift, 
boä gött(i[t)e Sic^t bem Slicnft^en innerlich «bringt, ©iefc ift auc^ 
bie reale SSuftification: unb iwcnn (indj bem "iproteitantiämuS äu= 
gegeben TOirb, bafe ber SRenfd) nid)t megcn bcr Serfe, ju benen 
er Äug[ei(^ fä^ig ift, al« gerctfjt gilt, fo ocrrötf) ©arclal) ein 
grüttbliöicä ÜRi§ucrftänbni6 beS rcformatoriftticn QJrunbfa^e*, unb 
nötKrt ^xd) ber fatfiolifc^cn ?tuffnffung an. inbem er bie Söerfe 
I bei bet SRe^tfertigung alä canea sine qua non Derlüerttiet '). 



1)3 



iDib Suviä i'on Bclfl. ."tcilfdir. für 6i(lor. I^w'^Si»^ 
, ÜitüolutioneHT^En eiifllmibe. 5. 359. 



318 

^e^nlid^ nrie SSorcIa^ ^tten fid^ t)or i^m bie SR^fHfer 
neben unb bie X^eofop^en innerhalb ber lut^erifd^en Jtin^ 
audgefprod^cn. ®ic laftcn bie fiel)re Dom Dpfertobc ß^rifti nic^t 
bloS gelten, fonbern fie ift i^nen andf tttoa^ ipert^ al« ber fieg* 
reid^e ^mpf mit bem böfen ^rincip; ober jened gef^id^tlic^ 
ffiteignife gilt nid^t al« ber offenbare unb öffentlid^ loirfenbe ©runb 
ber SSeränberung, bie jeber ©njelne ju erfahren ^at, fonbern oI* 
eine nur mel)r ober weniger bebeutfame SSorauÄfc^ung ber innem 
Srfa^rung, auf weld^e bie fectenl)afte ©leic^giltigfeit gegen bie 
gefd^i^tlid^en 92omtpunfte ber ^riftlic^en 9ieIigion bad entfc^i« 
benbe ©ewid^t legt, ßadpar ©d^wcnffclb*) ift gelegentli^ 
im ©tanbe gewefen, ba^ SRed^tfertigungdberoufetfein in ber SSSeife 
ber SReformatoren an bem Äreuje S^rifti ju orientiren, aber ber 
Sonflict jwifc^en feinem |)rincipienen ©treben nac^ ber actioen 
Heiligung im S^riftenftanbe unb ber Äarrifatur ber lut^erif^en 
fie^rc, afö meine fie einen bloÄ ^iftorifc^en ®lauben unb einge* 
bilbete ®ered^tigleit, l^at i^m jene SBa^r^eit im allgemeinen Der* 
bunfelt unb für il)n unwirffam gemacht. 3ener energifc^en reli* 
giöfen SSergegenwärtigung bed Seiben^ unb 3;^un^ S^rifti, wel^e 
bie 83ebeutung bed statos exaltationis Christi überft)ringt, unb 
nur auf bie {)iftorifd^^et]^ifd^e SSermittelung ber gefc^ic^tüd^en %i)aim 
ß^rifti burd^ baS geprebigte SBort fid^ beruft, fc^t er entgegen, 
ba^ bie (Sridfung unb ©enugt^uung, toie ade anberen ®aben 
ß^rifti, im geiftlid^n regierenben SI)riftuö, in bem alle^ fummiret 
unb JU finben ift, mit (Stauben gefud^t unb aud i^m ttjefcntlic^ 
geI)oIt unb in^ geiftlid^e SBerf unb 3tmt geführt »erben muffe. 
2)aÄ bebeutet mit Siedet nur eine ©rgänjung ber reformatorifd^en 
@runbanfd^auung, n>eld^e t)on ber Geologie nad^ge^olt Sorben ift, 
ni^t aber eine 3nftan j bered^tigten SBiberfprud^ö. MQcin biefe 93e* 
beutung btf^aupMt ber (Sebanfe nac^ ber Slbfid^t ©i^tDenffelb'^, »eil 
er aU 2R^fti!er fic^ Don bem ^iftorifd^^et^ifd^cn, ürc^üd^cn ß^f^m- 
men^ange beS S^riftent^umS ifolirte, unb toeil er mit bem Olauben, 
ate ber gorm ber S^eilnal^me an göttlid^er SRatur, alle ^iftorifc^en 
SSermittelungen überf|)rang. Die Slnnal)me, bafe ber toa^re ©laubc, 
ber unmittelbar t)on @ott ftammt, in ß^rifto in ®ott felbft beruht, 
bafe er auf SBefen bcfte^t unb fid^ an bie ctoige 3BaI)ri|eit ^ält. 



1) SJ9I. (grbfam a,a.£, S. 431— 443. 456 f. SBaur, SJcrfö^nung^* 
lel^rc @. 460 f. 



319 

Vrägt bie SRdigiofität in einer i'o obftract iilicmotürlicften 9iid)tiing 
au*, bo§ bicjclbe bcr SlnjdjQiiunfl bee er^ßfiten G^riftu« baä Ueber= 
flciDt^t über bie SSebeutiing jetncö irbift^en SebcnS iinb Sobeä 
Detltet). ©elüegt [idj nun ober bie religiöfe ©dbftuctftänbigung 
j^roiii^eit einem fo Dcrftanbeiien @laubcii unb ber 9(iijd)aiiung beS 
erfüllten ©ijriftiiä, jo ift eä folgerecht, bafe SdjiDcntfelb üou einer 
angerei^ncten ©erecfttigfeit niditÄ luiffen loollte, jünbcrii bie iusti- 
ficatio ober ©erecfitinai^ung auf ben gnäbigen §QnbeI ®ottti 
mit bem aJicnji^en ju feiner ©eligteit im Anfang bis ju Snbe 
bejicöt, in roct^em ber ©iinber betefjrt, micbergeboren, fromm, 
gerecht, f)eilig unb fctig luirb, Soll in bet SSiebergeburt Et)riftU!8 
feine ©erec^tigfeit, feine ^römmigEcit, feine 9iatur unb feineä 
S3efenä ©cmeinic^aft ntittfjeilen, fo ift ti erHärÜ^, bafe mir fie 
bei ß^riftuä nii^t nac^ feinem crften Staube ttiftorifd)er aSBcifc, 
fonbem mä) feinem aiibcren Staube fudjen, roie er nun glotificitt 
S»m ausifvenben bcr ^immlifc^en ©iiter, üuct) äum ^auiJte ber 
äircfic Don @ott bem S!ater gefegt ift '). ^enn jener Stanb^mnft 
ift tjÖc^ftenä für bie Hinber tauglit^, loeldjc on ber 3HiIdf bcä 
(jDangciiumS fic^ gehiigen Iciffcn; bie Srluac^fenen bebitrfen ber 
ftarten Speife, ber StEeniitnife bcä er^öEiten SI)riftiiö *J. 

3ot)Qiin ^ent unb feine Slntjängcr ^obeu bie 93erfi)^uungS= 
Ief)tc aufgegeben, roeil fte iljnen piaErifcl) gicidigiltig unb über* 
flüffig loar, Sdjroentfelb fonnte fie gelten loffen, inbcm er i^r 
i^te roefentlicfie vmttifdie SÖebeutung entäog. 3m ©egenfage ju 

1) Sd ftar bjc UcbcrclnttimmunQ jiDiic^ Sc^mcutfelb ii, % Cfianbcc 
auf bkfrm $un(tt ift, unb bii^Iclbt Sur^I Dcnäl^, fo ift bor^ bie Weinung 
bc3 ^ftcologcn Oftanbci: praEtif^ ganj nubctS bcbingt unb äesTcnjl burt^ 
(einen fird)liil(cit Bufammcnliong, als bie OTcinunfl be« antilirdi Heften Seclirerä 
©{^nicntfelb. 

2) 3c^ fle^' nid)l ein auf bie onalogsn Sebantcn reiben bcr l^ofop fielt 
Salenliu ^tigel unb ^afob SjSftme, tcclL bicfelben ein blo^ inbiDibuelltS 
Snietcfff, nit^t aber tiu Kligiää'demeinftäaftlitfied »erfolgen. !Cic biblift^ 
giirbunn ifirer juglciii) biioliftiitften unb pant^iftift^rn ericnnmifttciiicn 
nSt^igt nod) niftt, fie cinri Q)ct(I)id|lc bcr S^cologic cinjuDcrleiben, ba bie 
2!^o[i>Btc junt 'JücrTmal ftetä bie ü&fitftt ^bcn mug, bcr rcIlgiüFcn (iteincin> 
fi^aft !,v bicnen, tcic auA bicfclbe übrigens i^urgcflelll merben mag. SIu4 
iiaben bie ^tptefte nt^tn ben gmputationSbtgriff unb bit ollegorifirtnbt 
Umbcutung bei ÜSeifU^niiug beS gotllii^cn B^rn^ in iiibiDibuctle ecfa^ninflcn, 
iMl^e jene OTflnner jcbcr on icinem I^ilc uoincbmen, feinen trififcötn 
ScTl^ für bie !3curl^i[ung bei ortgobo^cn ^cftatt ber ScifS^nungSIt&rt. 



320 

bicfcm 5h:ctfc ^at bcr ©ocinianiSmu^ in crftet Stnic ein t^co* 
retifc^cg 9Rotit) jum SBiberfprud^ gegen biefe Sel)re, todä)t^ freiließ 
nur unter gcwiffen t)raftifd^en ©ebingungen ju jenem 3^^* tt)trf== 
jam tourbe. SIHe Argumente beg gauftu^ ©octnuö gegen btc 
Se^re t)on ber allgemeinen SJerfö^nung burd^ S^riftuS tourjeln 
in bem ©egriff t)on ber unmefebaren SBiDÜir ®otte^, njie umge* 
fe^rt bie reformatorifd^e S)arftenung ber Seigre in ber Stnna^me 
eines a priori gejclmäfeigen JBerp(tniffe§ ®otte8 ju ben äWenfc^cn 
begrünbet ift. Scner Ootteöbegriff aber ift ber beg S)ung ©cotu^, 
be^ 3;i)eoIogen be^ granci^caner-Orben^. 3ci^ f)abt nun an einem 
anbem Orte nad^getoiefen, bafe biefeö t^eologifd^e ^rincip, beffen 
bebenHii^e Sonfequenjen gegen bie 9Serföl)nung«Ie]^re fi^on 3)ung 
al^ möglid^ angebeutet ^atte (©. 82), in biefer SRid^tung burd^ 
JBernarbino Dd^ino wirffam auf SaeliuS ©ocinu§ unb toeiter 
auf beffen Steffen g^uftu^ gelDorben ift. 3lber freilidö 3)ung 
l^atte e^ nur aU möglid^ auS ber ungebunbenen 3BiIHür ®otteS 
bejcid^net, bafe ein einfad^er 9Renf(^ bie SSerfö^nung für olle, ober 
bafe jeber SRenfd^ biefelbe für fid& ertt)erben fönne ; übrigen^ l^atte 
er fid^ lategorifi^ auf ber Sinie beS Rrd^Iid^en ©loubenö an bie 
SSerfötjnung buri^ ben ®ottmenfc^en getjolten. 3)ie X^otfad^e 
nun, bafe g^uftu^ jene §^|)ot^efe aU ba^ 3BirfIid^e unb Siot^^ 
toenbige bzf)avLptttt, fe^t feinen grünblic^en Srui^ mit bem aQge- 
meinen ftird^englauben borau^. ^ieju ober fam fein D^eim, njie 
er unb fo öiele anbere Staliener, burd^ bie Soge ber d^riftli^en 
Oefeüfd^aft in Stauen. $ier ^otte baö ^aifert^um bie gegen 
®regor VII. unb Snnocenj IIL Verlorene ©eltung nii^t toieber 
erlangt, ^ier erfd^ien bie römifd^e Äird^e oI§ bie einjig mögli^e 
gorm ber (^rifÜic^en ®efeQfd^aft. ©ie be^errfi^te bie SKaffen beö 
SJoIfeö, tt)el(^e^ jur ?lufnal)me ber reformatorifd^en ©intoirfungen 
au^ ber ©d^weij unb auS S)eutf(^Ianb nid^t vorbereitet toor. goft 
nur literarifd^ gebilbete äliänner toaren für biefelben jugänglid^; 
biefe aber tt)aren faft überall Don born^erein burd^ ben ©tanb 
ber öffentlid^en SReinung unb bie unerfd^ütterte 3Jta6)t ber !ird^= 
lid^en Drgone am öffentlichen auftreten in ©emeinben gel^inbert 
unb JU geheimer ^Bereinigung genöt^igt. ®a fanb if)re %\)tiU 
nal^me an ber SReformation, and) wenn fie fid^ urfprüngüc^ auf 



1) ®cf(i^i(5tHc^c 6tubicn jur c^riftl. fic^rc üon ®ott. 3)rittcr 9trtifel. 
3a^rb. für bcutft^c X^ol. XIII. @. 268 ff. 283 ff. 



321 



, bereu ciftciitUrf)en Äerti tiit)tctc, webcr bte nottirocnbige ,'5örl>crung 
noc^ bie notfirocnbige 3üftcli'ii8' tucldic bie Öffeiititcfie '-Betltdtigung 
bc« nllgcmctn ticd)lici)cn ÖciDufttfcinS gciualjrt. ^eäljalb ift 
unter jo uiclen bcr 9(efonnatitin ftc^ cinfdtjlicfecnben Stoücneni 
nidif bcr fini)tic^e ©eift, fonbcm im ©egent^cil enttneber baä 
aniibQptiftif^e ©ectenttjum ober bic Steigung ju fc^utniäBiger 
SritiE oller Eogmen ober SeibeS sulammcn genährt roorben. 
3)cnii bem Sc^utintercffe liegt bie Sriltt bei Xrtnitätä= iinb ber 
flScri'ötinungäle^re ebenjo noEjc, wie bie Silbung beä riöitigcn 
Segiiffe Don ber 3iccfttfertigiing. 

Slicftt« anbcrcä alü bie Sdiulc ift benn auäf bcrjenige Segriff 
ber cl)riftlii^eti ©cmeinji^aft , njeld)c bie ©ocinioner unter bem 
9iamen itiri^e bcfinireii iinb erftreben. 3)ie ffleformntoren Ijattcn 
bie Sircfje befinirt a[§ bie ©emeitifcfiaft bcr ©laubigen ober §ei= 
ligcn, bercn 3f'd)en bie ^ßtebigt be« göttlii^en aSorteä unb bie 
nötige Sfuäübung ber ©ncrnmente finb, burt^ roe(d)e eben ®ott 
bod 53Qfein uon ©laubigen bcinirft unb ücrbürgt. %li eine bem 
SSJorte ©olteä untergeotbnetc Scbingung ber Sirtfie tnurbc ferner 
bie Stnerfcnnuiig berjenigen tijcülogifc^cn SBa^rljeiten geforbctt. 
roelcfte bcn reinen Sierftanb beä göttlichen ©orteö beäeic^iicn, o()iie 
n)eld)c al}o bie ©arftcUung beä 3n[)alteö beS göttlicfien ©ortcä 
nitbt gcliugt. aber fcftgeljaltcn rourbc ftets, bafe auäf bicfe pura 
doctrina evangelii nur 3fitt)f" ''f'^ ©emeiiibe bcr ^eiligen fei, 
unb baft fid) bic Xftcilna^mc mi jener gunction ber itirc^e mit 
ber njirttidjcn 3"fict)örigteit ju bcn burd) ©Ott @el)eiligtcn nid)t 
nottjttienbig bede. 3m Syiberfpruc^ mit biefer ©ebantenrcifie 
erfiärt nun ber SRQfom'f(^c ÄQte(^iSmuä Qu. 488: Ecclesia visi- 
bilis est i;oetus eorum hominum, qui doctrinam salutarem 
tenent et profiteutur, Qu. 489: Salutaris doctrina, quam qui- 
cunque coetus liabet ac profitetur, est vera Christi ecclesia. , . , 
Teuere salutarem doctrinam, cum ecclesiae Christi Bit natura, 
gignnni illius, si proprie loquaris, esse non potest, cumei^num 
ipsum a re, cuius eignum est, differre oporteat. tiefer &e= 
banfe inirb burc^ gauftuö ') antit[)ctii(^ )o erläutert. 3nbem eS 
jum ^eile uotE)raenbig ift, baß Einer in ber lua^reu Sirrfic Gtjrifti 
fid| bepnbc, (o folgt ^icrauS ntc^t bic Slufgabc, bic roa^rc ftir^e 
ufudjeu, fonbeni nur bic, bic ^eilfarac 2el)rc Gijrifti ju erfennen. 



1) Bibliotheca fratrum Poli 



I. p. 323 eeq. 



322 

S38cr bicS errcid^t, toirb aud^ bic ?lnbcrcn auffinbcn, tocl^c toie 
er fclbft bicfe üc^re befi^cn. ®cnn c^ ift aud^ 9Kcmanbcm üor* 
flcfd^ricbcn, bie I)eilfamc fic^re Don bcr wahren Ätrd^ ju (emen. 
i)cnn bie wa^re Äird^e lann felbft nur an ber I)eilfamen Se^rc 
erlannt toerben ; bieje mufe alfo fc^on bor^er afö fold^e ertannt 
unb befeffen fein, ^iemit aber ift bie S^eilnal^me an ber wal^rcn 
Äird^e fc^on gewonnen"). 

S5ie ©emeinfd^aft nun, beren SSSefen eine Se^rc ift, toelc^ 
olfo nur fo lange befte^t, al§ biefe fiei)re bie Ueberjeugung ber 
©enoffen bilbet, ift ©c^ule. ®ie fie^re femer, tt>el(^e im fRototo'- 
fd^en 5fote(^idmuS aU ©rgebnife ted^nifdier ©d^riftforfd^ung pole- 
mx\d) unb bialeftifc^ bargefteQt ift, begrünbet nur bie 9RögIid^feit 
einer ©d^ule. ®ä ift alfo eine SQufion ober eine giction, ober 
ein Slu^brud ber SJcrlegen^eit, toenn ber ©ocinianiämuö, ber ftd^ 
in biefen ®runbfä^en aUen Äirc^en entgcgcnfc^t, bod^ jugkii^ bie 
anberen Äird^en mit fic^ unter bem ©ebanfen ber allgemeinen 
Äirc^e jufammenfafet. S)enn bie anberen 5firdE|en btljaviptm eben 
ttjeber formell nod^ materiell bie salutaris doctrina Christi in 
bem ©inne beö ©ociniani^mu^. 6ö ift auc^ nur eine SHufton 
Don ^Qwftii^f öl^ ^^ fcitt SBiberfpruc^ gegen bie Seljren üon bcr 
SSerfö^nung unb t)on ber 3;rinität bie ioa^re Gonfequcnj ber Sie- 
formation Sut^er'ö unb 3^ittgli'g üoQsietie*). S)enn bie ©d^ulc 
ate fold^e ift nii^tö ^ö^ereS aU bic ^rc^e; fonbern eö finb qua^ 
litatiü entgegengefe^te unb fi(^ ou^fdöliefeenbe 3luffoffungen beö 
(S^riftent^um^, wenn feine 93cftimmung in bcr religiöfcn ©emeinbe. 



1) 3Wit bicjcr Slnfid^t !ommt bcr burd) SKcIonc^tfton (3. 260) in bic 
üulgarc ^raji^ bcr fiut§crancr eingeführte begriff faft übcrcin. 3)cr ^crauö= 
gcbcr bc8 9lafoio'|cftcn ^otcc^iSmu^, Dcbcr, 2)ccan ^u gcuc^tmangcn (1739) 
crflftrt fic^ bcö^alb mit obigen Definitionen cinücrftanbcn, inbcm er nur 
üorbcfttilt, bafe bocft bic Äird^c qu« 3Kenfcften bcftc^e, unb bc^ftafb bie sana 
doctrina ad pascendam regendamque ecclesiam summe necessaria nic^t 
als boS 5Befen, fonbern als baS 3<^if^cn ber llirc^c ^u betrachten fei. 

2) 3(ft leugne fticmit nic^t, bog bie 3:rinitfttÄle^re, »Deiche bie $Rcfor= 
inatoren aboptirt, unb bic SBcrfö^nungSle^rc, bcr fic unb iftrc ©(^ülcr eine 
neue QJcftalt gegeben ^aben, in ©infic^t beS ©toffcS unb ber gorm einer 
93crbefjerung filzig, unb nacft cjegetifc^cn unb bialcftifc^en 9ftücffid)ten bebürftig 
finb; aber \d) leugne, ha^ bic SBcbcutung bicfcr ficl)ren für ben firc^lid)cn 
®l)ara!tcr ber ^Reformation überhaupt nur uerftanbcn Jüirb, wenn man in ber 
SBcfeitigung i^rer Probleme burc^ bic ©ocinianer bic SBeftimmung ber 9tefor^ 
mation errcid^t bcnft. 



323 



ober iDcnn fte in bcr tlKoIogiftficii imb ct£)if(i)en ©d)ule erreicht 
Werben foU. ^iclmdjr t)ot bic (ocinianiic^e SluSprägung be« 
ßl(riftcnt[)umä oI3 ©t^ule eine SSerlDOnbtfifjoft nur mit ber ©ccten= 
geftatt bet SJiebertäuferei. 3" bctben gönnen Wirb bie @emein- 
fc^aft auäfciiliefeli^ aH Ißrobuct bcfonbercr S(cti»ität bcr ©enoffen 
flefeBt. Söcibe gotmen ferner fe^en fi^ in Söiberfprnc^ mit ben 
SSebinflungen bcr cljriftlit^en (SejeUfcfiaft beS römifdien 9feicijce. 
©* ift beäi)aI6 nirf)t jufäÜifl, bafe 3a"ft"* f^i^ fc'"« ©ruiibfa^e 
ben ©oben in ben annbaptiffiitfjen fitetjen $oIen§ fanb; unb 
obgleicf) (eine ©cmetnbc ebenfo, Wie bie niennoniti(d|C, auf bie 
birecte Oppofttion gegen bie ©toatägerontt Dcrjit^tetc, fo ()at fie 
über SRcdit iinb <Pflid)t be& Sricgäbicnfteä unb ber SöeEIeibimg 
uon StnatSämtern feine Haren imb niibef(pru(^Ioicn ©runbfä^e 
gewonnen, (o longe fie in ^olcn eEtftirte'). S^afe Ijingegen 5qu= 
Ituä bie ?[tid)affiin9 bcr SSiebcrtaiife in ben iinitarifd)en @emcin= 
ben (ein Sehen lang crftrcbtc, unb tuxT, Dor feinem 2^obe (1603 
auf einer ©ijnobe j» SHafow) burdifegte, Ijat bie ©ebcutung, bofi 
er bie fcljwärmerifc^e '^^enbenj beä ©ectentl)umS in bie öoftn beS 
iiü(^tcrncn S^uIintcrcffcS ^u leiten ucntiorfitc, beffen ItjeoIO' 
gifc^eS SRiiftäeiifl bod) nur ba^u bienen foDtc, bie ettjifc^e ©elbft= 
(itibung bc^ Sinjefnen. bcti ©trelien nacft fittlic^er 33oIIfommen' 
öett gemäfe ben ©ebotcn unb SJerfieifenngen 6l)rifti, gegen bie 

Rtgeflengefegtcii 9£n|prüd)e befi allgemeinen ÄirdjenglßuljeniS fi(^cr 
fteflen'). 
1) Surf, SpcijiinniSmuB S, 704 ff, 
2) 3uc G6<ifti!'*tiftil ^" SociniQncr cxlcuhc id| mit tinc Wiicftotc 
Ijul^ikn, lutltöc Chr. Sepp (Uet godgeleerd onderwijs in Nederland 
gednrende de 16. eil 17. eeuw, 1. p. 4) gu Dcrbanlcn i[f. Iier 4>iitnaiiif( 
gufhiö Üip(iu8, iDcltfii-r in 3rno lullM'rifd), in Seiben rcfotmirl, in Sölpcn 
Inlbplirrfl ronr, de soctia Chriatianorum ajebat in aingulia nonnullft dia- 
plicuisse. Pontifioü sunt superatitioai et aangninarii, Lutherani arro- 
gantfls pt turaulenti, Calviniani infidelea et aeditioai, Menonistae indocti, 
hypooritae. Rogatus vero du SocinianiB quid aentiret, Docti 
»unt, inquit, Menonistae. Unlcv ^lipDlrifM; i(l offenbar iiiC^l bct ißot= 
routf ju »riftc^cn, bo| OTennonitcn unb Socinianct mil bcm Stfiein brf 
Qlul^nbcInS entgegen gc(cptc ßtefinnung BctMiiben, fonbcrn bie (iinftlii^ ge= 
fpmjle Haltung, rotld|c aus iwv 9(ufinctffomteil onf bie SHotle, bie mnn oI« 
erfüllft beS Scfcpeä fpielt, ferupracl)!. (£3 ifl ja nutfi bie fflcbcutunfl bc8 
S^oiifpidci«, in ipcldjct baS SBort ünuapinji üoiiSbviftuä ouf bie i^tiQvi)ün 
angtnxnbet roiib. 



324 

46. 3ft fo bic 3;cnbcnä bcS ©orinianiömiiS ermittelt, jo 
ift barin aud^ bie pofitiöe treibcnbc ^aft feiner 9BiberIegung 
ber Itrd^Iii^cn SSerfö^nnng^Ie^re erfannt. ©emgemäfe ttjirb 
Don öom^erein bejWeifelt werben muffen, bafe bie focinianifd^cn 
Argumente gegen biefelbe, fo fd^arf fie finb, fo weit reid^en, um 
auc^ bie ^nbenj ber Krd^Iid^en fie^re als unwahr unb ungthig 
ju erttjeifen. aber o^ne biefe 93eurt^eilung beö ©egenfo^cS Würbe 
ber ©treit ate unlösbar erfd^einen, würbe man feinen ©tanbpunft 
über ben Parteien gewinnen, unb würbe feine Se^re auS ber &c- 
fd^id^te biefeS ©treiteS jiefjen fönnen. 3)ie eigentf)ümlid) focinia^ 
nifd^e äuffaffung ber Seftimmung unb be§ 3nI)aUcö bcö ßfiriften- 
tl^umS ift gefc^id^tlic^ bebingt burd^ bie mittclaltrigc SSorftellung 
üon ®ott als bem abfoluten aSiDen, wcld^er baS öJefe^ unb ber 
DoDfommenfte 9Ra§ftab aller 3)inge ift, beffen 9SerI)aItcn gegen 
bie 5Kenfd^en nad^ feiner a priori feftfte^enben allgemeinen SRegcI 
fid^ rilltet, unb beS^alb unwiBfürlid^ auf ben SJiafeftab priüat^ 
re^tlii^er Seurtfieilung jurüdgefü^rt wirb. 5)ieS fpridjt fid) 
namentlid^ in bem fd^on t)on SljomaS (©. 65) I)er befannten 
Orunbfa^e auS, bafe bie ©ünbc ben ß^arafter ber perfönlid^en 
©eleibiflung ober ber ®elbfd^ulb ^at, unb bafe beS^alb @ott wie 
jeber 5ßriüatmann baS Siei^t ^at, bic ©ünben ot)nc SScitcreö ju 
hergeben. S)iefe SRid^tung ^at ber ©ocinianiömuö in il)rcr 9Irt 
DoUenbet, inbem er baS Gepräge ber Sublid^tcit, baS biefe mora= 
lifc^e Unbegrenjt^eit an fid) trägt, aud) in anbcrcn 99cäie[)ungen 
bur^gefü^rt f|at, namentlich in ber 2)cutung ber Swigteit ©otte^^ 
auf bie anfangs* unb enblofe 5)auer fcincS SebenS. 2)em 9Jed)tc 
unb ber JöiUigfeit ©otteS werben nun bie einzelnen SlJenfd^en als 
foI(^e, als ©ubjecte ebenfo in^altlofer grei^eit gcgcnübcrgefteüt. 
S5urc^ ben 3Kenf^en S^riftuS aber foHen fie gemäß einem freien 
93ef(^luffe ©otteS über iljren natürlichen 3"f^<^"^ IjinauS jur 
llnfterblii^feit unb jum ewigen Seben gcfüljrt werben. 3^ bicfem 
3tt)ede bient S^riftuS, inbem er in feinem gcf^icf|tlidE|cn 2)afein 
als ^rop^et bie ©ebote unb SSer^eißungen auSgefprodEjcn unb 
jugleic^ baS Seifpiel beS öoUfommenen SebenS gcwäf)rt unb im 
2;obe beftätigt l)at. ®r überfd^reitet nämlic^ bie ©tufc beS 91. %., 
inbem er baS mofaif^e ®efe^ reformirt, unb il)m neue Sitten- 
geböte unb facramentale Slnorbnungen hinzugefügt, inbem er burd) 
bie SSertieifeungen beS ewigen ßebenS unb beS I)eiligen ©eiftcS 
einen ftarfen 3mpul8 ju bereu Seobai^tung üerlie^en, unb inbem 




tx bie allgemeine Slbfidjt ©Dttc* ücriidjcrt bat. ben SReuigen iinb 
bet Scffcning Säcftiffencii btc Siinbcn ju Ucrgeüeii. ?l[krbingS 
Icinii lein SWenjcI) bai göttliche ©efeB yoUftänbis erfiiflen, unb 
beSl)Qlb cufolgt bie SHec^tfertiflung man burtft fflerte, foiibern 
burt^ ben öJlanbeti. 9I[ier bcr (SllQube ift baä ä^crtroucn nuf ben 
©eieggc&er, meldjesi ben t^otigen @eI)oqQm gegen bcn(el6en, fo 
loctt er ben SSienfc^en gelingt, in firfi fttjliefet. ßf]riituä cerbiirgt 
nun burc^ \eme ?tuferHet)ung unb ben (öeluinn ber göttlicöcn 
SRocf)t benjenigen, bie in bicfcm ©inne »on (Miauben ju iftni fid) 
holten, äunäd)ft bie effectine Befreiung ton bet ©ünbe, in bem 
SKafee, als fie ieinem 3mpul# jum neuen Seben unb jur fflcffetung 
folgen, raeiterljin bie Erreit^ung it)rc§ ilbernatürlidjen 3'clsö' wi'* 
butt^ ben heiligen ®eift, bcu ev ucrleitit, bie bDvauSgel)enbe @!cH)ifi= 
^eit bei eroigen SebensS, mit beffcn 9(uttitte and) bie ©ünbcnuer= 
gebiiug für ben ©iniclncn jum 8lbi"d)(uffe fommt. — hierin cric^eint 
ein praftifthcö SWertniot bcä ©egenjaßeä ^roifcften bem Socini'ani5= 
muä unb bem firthliften *lJroteftantiämuä. ^ier gilt bie ©ünben= 
Wcrgebung al§ baS ^rincip, bort alä entferntere ^olgc beS dirifti 
M)en ßebenS. I'cr SBibcrfprui^ bc§ ©DcinianiSmuS gegen bie 
fiel)re Hon ber SatiiSfnrtion t£f)rifti, rocidje ben crftem ©ebanten 
begrünbct, ift alfo üou bicfcm 'ißuntte auS crflorlit^; aber bicfe 
foeinianifrfie ©rfiapung bcr SünbenDcrgebung alä StccibenS bcä 
^riftlidiert SebenS ift jugleith bo« SKetImal booon, ba§ man in 
S^riftii« ben ©tifter nic^t ber Dollenbeten SHeligionägemeinf^oft, 
fonbern einet ett)tfd)en ©(^ule anertennt. Unb roenn biefer @egen= 
fap nic^t burdjgetjenbä beutli^ erfcl)einf, roenn tielmefit jugeftanben 
inerben mufe, bafe bcr ©ocinianiSmuS bennocft cigenthümlid) relU 
gifife Q\ele. 9Iic^tijuntte unb Sebingungeii Qufftcöt, fo ertlärt fic^ 
biefer Umftanb barauö, bafe ber SocinianiömuS, alä erftet Serfucf) 
ber ajorftcUnng beS t^Iiriftenthnmä in ber fRiditung ber cthifdjcn 
©t^ute, noch ben Sinfinffen bcr btö()ct ouSfdiliefilith geltenben 
Sorftellung be* ßl)nftent[)um3 uiifcttag, Don roelt^er ev fid) im 
®ninbe abgerocnbct f)atte. 

3)ie 3(rgumcntc be§ Jauftni ©ocinnä gegen bie fir(f)Iid|e 
?luffaffung ber ^eil^bcftimmung 6[)rifti tickten fit^ gegen bie 
9Iothroenbig[eit unb gegen bie Wüglid)feit beä fflegriffs ber @atiäi= 
faction'). ÜDie 9Iothroenbigteit berfclben roar uon ber fircl}= 



1) De Christo aervalore, Lib- 11!. IV. Pnielectiones theologici 



326 

lid^n Xi)toloQK int SScr^ältnife jur ©ünbc unb ju bcr Stbfic^t 
®otted, bie @unbe ju hergeben, borouf begrünbet Sorben, bag 
®ott in feinem SBefen genöt^igt fei bie @ünbe ju ftrafen, unb 
wenn nic^t an ben btrect ©^ulbigen, fo boc^ an beren unfc^ut 
bigem SJertreter. dagegen erflört ^Quftu^ au^ feinem biametral 
entgegengefegten Ootte^begriff ^erau^, bafe ®ott bie greifieit f)abt, 
©ünben ju beftrafen ober ju üergeben, ba§ feine ©trafgerec^tigfeit 
ober fein Qom unb fein Erbarmen nid^t habituelle ©igenfc^often, 
fonbem momentane wed^felnbe 3lcte feien, bafe bie ©ünbe in 
ber Analogie jur S^röerlegung ober 5ur ©clbfd^ulb fte^c, alfo 
ebenfo wie biefe o^ne weitere Sebingung erlaffen werben fönne. 
^t ©Ott unter bem 8L X ©ünbeu o^ne ®enugtf|unng »ergeben, 
fo fann er eS aud^ unter bem 9?. %,, unb bie ^arobel 9Katt^. 18, 
21 ff. bejeugt ben göttlid^en ®runb)og DoIIfommeu unbcbingtcr 
SSarm^räigfeit. Um fo weniger aber wirb bie ©ercc^tigfeit ®otte^ 
ate @runb be^ ©atiSfactionöbegriffö gelten fönncn, alö cö gerabc 
ungered^t ift, bie ©d&ulbigen ftrafloS ju laffin unb ben Unfi^ul* 
bigen anftatt i^rer ju ftrafen. — 3)ie Unmöglid^fcit ber ©atiS- 
faction er^eQt 1) auS bem bel^aupteten SSerpttniß ju bemßwedfe 
bcr SSergebung. §ter liegt nämlid^ jwifc^cn bem gefegten 3^^^ 
unb bem angenommenen SRittel ein einfad^er 9Bib^rfpruc^ üor. 
®cr ©riafe ift nur benfbar, wo eine ©d^ulb üorauögefc^t ift; e^ 
ift aber feine ©d^ulb mc^r f^n erlaffen, wo @enugtf)uung ftott^ 
gefunben ^at. S)er Sriaft fd^Iießt jwei SBcbingungen in fid^, bafe 
ber ©d^ulbner Don feiner SSerpflid^tung getöft, unb bafe üom 
©laubiger auf ©enugt^uung üerjic^tet wirb, ©oll etwa bie 
©atiöfaction S^riftt nad^ bem 3Kufter beö SRec^tögefc^äfteö ber 
Sloöation beurt^eilt werben, fo ift gcrabe I)ieran flar, ha% nic^t 
bie ©d^ulb hergeben, f onbern nur ber ©c^ulbner üertaufdjt ift. — 
2) ift bie ©atiöfaction unbenfbar in ^infi^t be§ ©c[)cma ber 
©teHoertretung, ba^ jur Stnwenbung fommt. 3)enn a) tonnen 
jwar ©elbftrafen Don anberen ^erfonen alö ben ©c^ulbigen ent^ 
rid^tet werben, ba ba^ ©elb beö ©inen bad beö 3lnbem werben 
tonn; nid^t aber pcrfönlid^e, !örper(id^e ©trafen, wie ber ewige 
3;ob. Ober bie Uebertragung berfelben auf einen Unfd^ulbigen 



cap. 18 seq. in ber Bibliotheca fratrum Polonorum. — 3^ glaube, bie 
Argumente nur in i^rcn ^auptgcbonfen be^eicftnen ju foücn, unb ucrweife 
auf bie ausführliche ^arftcQung t>on gfocf, @oeiniani§mud. @. 615 ff. 




327 



T 



I roiitbe fii^ uon ber ©erec&tigleit entfernen. SDcrbingS lann «iqh 
in ber (iiejc^idjte Deobac^ten, ba% ftembe ©ünben Stuberen an= 
gered)nEt roerbcn, unb baft ÜRcnic^m unter ber ©träfe eines 
©c^iilbigen miticibcn. KKein Öaä fe^t (tctS eine I^cilna[)me 
an ber ftroffdlligcn Siinöe bc3 Slnbern worauf: ober baä 2ffit= 
[eiben eine* Unfcbulhigen unter ber ©träfe eiiieS 9(nbcm IjQf nid)t 
ben Gf)aratter bcc Strafe. Xie urtftoboje fflchfluptung borf cnb= 
lit^ üüä\ nid)t auf bic SiorfteUung fic^ ftü^n, bofe G&riftuiS alä 
bo* Öflutit ber ®emcinbc legittmttt fei, bic Strafe anftatt feiner 
©lieber auf )iü) ju neljmcn. Scnit jcneä SBerljüItnift ift erft burc^ 
feine auferftel)ung in SirEIic^teit getreten: nlö irbifi^cr ajfenfct) 
aber iinb in ^infic^t feineä lobcSteibenä ftef)t S^riftuS in feiner 
öcfonbern SJerbinbung mit ben Qiibercn 9Heiifd)en, luib fein Sterben 
crfpart ja qu^ feinen Süngern nicfit bad Sterben, b) tonn aiicfi 
bie pofitine ©cic^crfültung nicf)t ftelluertrctenben 23ertf| für STnberc 
[)a&cn, ba Sfjriftuö an fid] },u ifjt ucrVflii^tet luat, unb fie elJenfD= 
iDcnig wie fein Seiben Don iljm abgetöft gebort unb ouf 3(nbere 
übertragen nierben fanii. c) ift bie Öetjauptung, bofi StjriftuS 
an unfcrcr StcUe jowof)! ba* (gejeg erfiiUt, nlä aud) bie Strafe 
cnttiditet tjat, im iSSibcrfprud) mit ber gcredjten .^anbljabiing beS 
©cfe^S, luelc^eä entlnebcr baä Sine ober bai Slnbcre, nic^t aber 
©eibeä neben einanber Derlangt. — 3) bedt ftd) aud) bic ^Dbcä= 
ieiftung G^riftt tfiatföc^lic^ nid)t mit bem im Scgriff ber SntiS^ 
factioii auSgcbriidten Scforbcrniffe. Sjenn a) tann bie. SatiS= 
faction alä tolle Sedung ber Srfiutb nur gebad)t roerben, icenn 
jebcr Sdjulbnec be^i eioigen Xobeä einen befonbent StellDertrctcr 
gefuubcn ^atfe. b) fiättc Gljriftu* als unfcr .Stcltncrtrefer ben 
einigen 3!ob erteibeii muffen, mogegen feine 3tufevfteliung beiueift- 
bo6 er beufelbcn nic^t erlitten [)at. c) tann ber 9Iti|tanb feiner 
üeiben Don bcm ÜJiü6e bc^ eroigcti 'EobeS aiit^ nicf)t burd) bic 
söclfauptung ber ©ott^eit 6t)rifH unb ben bavauä abgeleiteten 
uncnblic^cti SSertt) feine* Sobcä auSgeglidjen roerben. ^cnn ban» 
war eä gtnufam »on ©Ott, fo fd)Joere fleiben über il|n ju uer= 
Ijongcn, ba ein biet getingereö Sffafe berfclben unfcrcr Strafe 
aquioatent gcioefen märe. 3lber bte ®ott^eit Sljrifti fann feinem 
Seiben überhaupt feinen f)ÖI)cm SJertl) Derlei^en, ba bie @ottt)cit 
felbft ni(^t leiben fonntc. Sonnte fie bieä aber auc^, unb l)at fic 
in 6[|riftuS gelitten, fo barf bod) ber unenblic^e fflcrtl) bcr(SJott= 
^eit nur auf baä SBefeu ÖJotlcä, nicftt a&cc auf jeitlicfie 3lcte ober 



L 




328 

ScibenÄmomentc bcjogcn toerbcn. ©nbltd^ aber toürbc toicber bic 
©nblofigleit bcr ©träfe, bic für jebcn ©ünber gcleiftet tüerben 
joH, ebcnfo \)\dt ©ati^factioncn üon unenblii^em SSert^e crf orbern. 
— 4) ift bie SScrbinbung bcd Scgriffd ber 3nt))utatton mit bem 
ber ©ati^faction überflüffig unb tüiberfinnig, unb ebenfo bie gor- 
bcrung, an bie ©atiöfaction (S^rifti ju glauben. S5enn gefegt, 
bofe S^riftud an ®ott bie (Senugt^uung für unfere ©d^ulb ge- 
leiftet ^ot, fo ift bamit bie ©ai^e abgemad^t. (£inc Slnred^nung 
finbet in Siec^tögefi^äften nur ftatt, too feine Seiftung üorfier* 
gegangen ift. 3Bo aber biefe, wie in bem gefegten gaüe ber fteü- 
Dertretenben ®enugt^uung Stjrifti, DoUäogen ift, ba I)at eine ^tn- 
red^nung (accepti latio) feinen ©inn '). Sbcnf o n)iberf innig ift 
bie Slnnal^me, bafe bie @enugtt)uung Sf)rifti auf unfern ©lauben 
red^ne. 2)enn jene SBo^ltt)at ift entttjeber in fic^ üoUfommcn, 
bann fann i^re Oeltung für ben ©injelnen nic^t baüon abt)ängen, 
bofe er fie fic^ ernjiefen gloubt. Dber eö gilt biefe Sebingung, 
bann ift bie ®enugt^uung nid^t in fic^ üollfommen. — 5) ift bic 
Seigre t)on ber ©cnugt^uung Sf)rifti im aSibcrfprud^ mit ber %n^ 
erfennung ber 5ßflic^t einer geredeten unb gcfe^mäfeigen Sebenö- 
ffi^rung unb öffnet ber ©ünbc ober njcnigftcnö ber ©orglofigfert 
in ^infid^t ber ©ünbc bic SBa^n. — 9Bä^renb alfo gauftuö bcr 
Oeltung bcö ©ati^factionöbegriffö auf allen fünften tt)iberfpii^t, 
ift cÄ nid^t ol^nc 3ntereffe, bafe er ben Segriff bcö meritum 
Christi in gcttjiffcm ©innc jugeftc^t. Slllerbingö menn bcr ftrengc 
©inn bcÄ ^ic^tbegriffö jur ©eltung fommen foll, fo ift jebeö 

1) De Christo servatore IV. 2 (p. 216) : Si pro ipso solutum est, 
ut acceptum illi feratur, nihil est opus. — Acceptum ferro significat 
pro soluto habere, licet vere solutum non sit. Accepti latio est per- 
sola-verba-obligationis liberatio. — Quodsi vel ipse vel alius pro eo 
reyera solvat, accepti lationi nullus est locus. — @d i[t imglaubltd), aber 
eÄ ift X^atfa(^c, bafe bcr §(u«brucl acceptilatio üon foft ^flcn al« glcicft^ 
bebeutenb mit acceptatio gebraud^t mirb, a(d ob er ein ^crbunt acceptilare 
Dorauftfc^tc! Q. S3. St^ncdcnburgcr (ficfirbcgriffc bcr fl. prot. ^irc^en= 
Parteien S. 18) fprt(^t oon bcr ^cccptilation bcö SBcrbicnftcö (J^rifti bei 
S)unö ©cotu«. ebcnfo f(^on ©. ^Iting (Theol. probl. nova p. 726): 
In iudicio forensi absolutio a reatu prior est acceptilatione personae 
et imputatione iustitiae, — mo jener juriftifci^e 9[udbruc! gan^ itngct)örig 
ift, unb nur \>on acceptatio personae in gratiam bic SRcbe fein fonntc. 
tJalft^ ift ou(i^ bie ©rörterung M Ser^Itniffe« beiber S3cgriffc bei 6 trau 6, 
®Iaubenf»Ie^re II. 8. 815. 



Serbienft Gtjriiti für fi^ uiib Siiv im^ aiiögcjtfiloffen. Nihil 
fecit, quod ipsi a deo iniuDctum Don fuisset. Ubi debitum, ibi 
imllum vermn et proprium Dieritam. ülljo nur in emem uii' 
cigcntlic^eii Stime laßt fii^ ber Scfltiff anroenben, unter iBiivaiiä= 
[eßung tieftimmten göttlicficn SBeldjIuffcä unb gijttlidicr SScrtjCtfeung. 
Sa nun bic lelätere jut Miiffaffiinfl bet 'iBfliditmaftigteit be« 
^anbelnä nidjts Ijtni^iifiigt, fo fann fic ben Segriff bcä SßcrbicnftcS 
nur fo motiuireii, baf; bei her SBeuclIjetlung btS öanbelnii nic^t 
bie "ißflit^tmäBigfcit, foiibeni au^iiaI)mSH)eiic bie J5«iiuitligteit in 
aSetradtt gcjogen wirb. Sicicv ßJebanle fonimt meicntlid) ciuf bie 
Scitimnmng bcäfflcgcifi^ burd) Xiunä unb buri^ Golüin (S. :i29) 
Ijinauä. Unb wenn öuc^ Stinftuä beni legtern luiberlprit^t, tnbem 
er lote iEf)Omaä ben cigentlit^cn 33cgriff beÄ SüerbicnftcS auf bie 
red)tlid)e !öeurtl)eilung einer ^anblung bcäiet)!, \o ift er in ber 
fQctiicf)Crt 3"tifÜi"Sl ßou ajcrbienft El)rifti mit 6a(»in cintieritciu= 
ben. Sicö ift ein neuer öewei* baftir, bafi bie SSegriffe unn 
Sierbienft unb ®cnugtl)!iung ßtjrifti au* ganj öcrfc^icbcncii öc= 
tTad)tungöniciicn abgeleitet njcrben. @enugtf)uuiig wirb aü^ bei 
Siorauöfegung eiiieÄ blo^i rtdjtlid) geotbneten a3ed)!cli)erl)ä(tinffefl 
abgeleitet; SBcrbicnft aiiö einem fittlid[)en a3ec^ieiücr[)nltniB, welches 
aber nit^t unter beni l)Öc^fteii (5)efid]täpunfte won ®cfeg unb 
^fli^t aufgefaßt rcirb. 

46. ®tc ©inujenbungcn beÄguufu* gegen bie Iutfjeri= 
unb refotmirle DrtE(obojie ftabcn erftcnS tl)ren 3iiio"""iEn= 
I in ber uon i^m gemad)tcn ffiotfluäfc^ung, ia^ bie Seiiren 
in ber SerfÖtjnung unb 3icd)tfcrttgHng auf ein Qufijdjlicfilji:^ 
[uriftifc^ gefaxtes ^er^ältnife jmifc^cn ©ott unb ben 3Hcnjdjen 
ftiniüicien. Unter biefem öcfidits^nntte glaubte er einen 33iber= 
Jpruc^ j^ii cntbedcn stoifdjen ben SBegviffcn ber Satiäfaction 6l)tifti 
unb ber Imputation berfelben im ®lauben, ferner jniifd)cn ber 
Stnerfennung jene* ©ebonlcnö unb ber ^[idjt beS fittÜdien Sebend. 
3enc Slnnal)me aöcr ift irrig. 'Ser gefc^ic^tlic^e 3"ittmmcnl)ang 
i)t ja ber, baß bie Sfcformatorcn burc^ ben öebanfen ber ?[n' 
redpiung beä (SSetjorfamä Gf)rifti bie religiöfe SReguIitung be« fitt= 
Itdien ©elbftbciüufet)eind in einer cbeufo inbiDibueU loaliren, roie 
mä) bell Sebingungen ber c^riftlid)en ©cmein^aft bcmeffenen 
SBeife erfttcbten. "Ser SSegriff ber SHcc^tferttgung Ijat im 3Ser= 
pltniß äuni (glauben and) nur bcu Schein eine* juriftifdjen 93e= 






330 

griffe, ha bie Umftänbe, unter ioeld^cn man immer baron feft^ält, 
bafe ber Ungered^te gerecht gefprod^en wirb, ben juri)"tifc^en TOoB- 
ftab be§ Urtf)eil§ gerabe au^jcfiüeSen. Stber inbem ber fittlid^e 
&t\)Ox)am S^rifti, weld^er aU fittlic^er ©el^orjam, afö SSerbicnft, 
aus ®nabc bem ©laubigen jur @ered^tigfeit gered^net tt)irb, ju* 
gleid^ als ©atisfaction ber ücrgeltenben ®cred^tigfeit ©otteS 
gegcnübergefteHt toirb, mirb bie 8Serfö^nungStef)re in bem ©c^ema 
beS rec^tlid^en SSerf)äItniffeS jtoifc^en @ott unb ben 9Kenfct|en 
cnttoidelt. S)ie im t)öd^ften ©inne religio ö-fittUd) gemeinte Se^re 
üon ber ^Rechtfertigung njirb alfo nur vermittelt burd) bie im 
ftrcngen ©inn juriftifc^ gemeinte Se^re üon ber SJerjö^nung ber 
©erec^tigfeit ®otteS. S)ad ift bie if)otjo^e in ber lutt)erifc^en 
unb reformirten Drtf)oboEie, toel^e gouftuS nid)t erfannt f)at 
unb burd^ njelc^e feine beiben legten 3Irgumente als Derfefjrt er== 
tüiefen njerben. 

©eine übrigen ©innjcnbungen ^aben ätoeitenS ifjre 9SorouS:= 
fc^ung in einem ©otteSbegriffe, toelc^er, njie er im biametrolen 
©egenfa^ gegen ben @otteSbegriff ber Ortfiobofen ftelit an bem 
cntgegengefe^tcn gel)Ier leibet als biejer. S5on ben ^rämiffen ber 
Drt^obüjen auS, aud^ wenn biefelben ber ßorrectur bebürfen, er- 
fd^cinen getoiffe Qixffi ber ©atiSfoctionSlc()re nidjt fo tüiberfinnig, 
wie cö gouftuS barfteüt. 9?amentli^ bie fpäter oud^ uon ^iScator 
mit bemfelben ©runbe ongefod^tene Seljouptung ber boppelten 
©atiSfaction S^rifti gegen baS ©efefe ^at i^r guteS SHec^t, trenn 
bie ftreng juriftifc^e Drbnung im 9Ser()äItni)fe ju ®ott nid)t btoS 
für bie ©ünber, fonbern für bie SKenfd^en überf)aupt nid^t blo-i 
für bie SSergangenljeit, fonbern oud) für bie 3"fi^"ft burd^ S[)riftuS 
abgelöft werben follte. Ueber^aupt wenn eS borauf anfommt, 
(StiriftuS als ben Xräger unb Vermittler einer öffentlid^cu Drbnung 
jwifc^en ©Ott unb ben 3Kenf(^en ju t?erftel)cn, fo ftel)t bie focinia^^ 
nifd^e Stuflöfung berfelben in lauter ^riüatüertjättniffe jwifdjen 
©Ott unb ben einjelnen 3Jttn^6)m in entfdjiebenem 9toc^tt)eil gegen 
bie ^tenbenj ber ort^obojen X^eologie. Um fo beutlic^er erjd)eint 
bicS, ba 3ot)ann Grell nic^t umf)in gefonnt l)at, bie Scl^auptung 
ber potestas dei burd^ ben ©efii^tSpunft ber honestas universa 
er^cblid^ einjufc^ranfen, unb ba bie 9luSnaf)me baüon, bie er ju 
©unftcn ber göttlid^cn SSolImad^t ber ©ünbenüergebung mad^t, fic^ 
bem Vorwurfe ber SBiQfür nic^t entjietien fann "). ©rf^eint 

1) S3g(. bie ^nolQfc ber ©c^rift C^rcIPd de deo eiusque attributis 



331 

abtx bic in bicfcrti 'fünfte uoii beii SociiiiQnerii aufreiht erhaltene 
miÜftirlic^e grciljcit I3cttcü qI^ ^orm ot)ne 3nl)Qlf. iü faim iiin= 
ge!c[)rt nic^t geleii()nct meiben, bog bte ortt^obop $c[)aitptun(t 
ber för ®ütt uimmflcinglic^en Siotljroeiibigtcit ber Straigercrfjtigfeit 
niemals in l^inflang mit bcn Sebinguiigen bei WxUtni gefegt ift, 
imb be«^Ql6 bcn SJefltiff ®ottcä bem r^Jcpräge bet 9icititrnotlj= 
luenbigfeit auf biejem $uii!tc untcnuirft '). Offenbat ift boS bta= 
IcÜtfdje Ungeft^icE in bct gcftftcUung bc5 obctftcii ^iJJriiicipiS auf 
beiben Seiten gleich gvoä- 33ic übclen golgcn biefcä SHangcI* 
crfdjeineii nbcr für bie CrJftobojcn um \o gviSäct, als bie roiffcn= 
fc^aftüc^e ?[iifgabc berfcltien an Sdjniierigtcit bie bcr Socinianer 
überbot, uiib ala bic lebtcuen bcn 9!ortI)eil bes 9(ngriffö, jene bcn 
SRac^ttjeil ijattcn, cinf bic SSertljeibigiiiig ongcroiefcn ju fein. 

3;ie iibcle Sompiication bcr ortt)obojcn Sc^te erfc^cint näm= 

I lic^ in folgcnbcm Umftaiibc. ^ie jurtfüf^c Silbung bcö fflcgriffs 

J Oonber©ottäfactionEIirifttn)Qr urfprüiiglic^nur alööcbingung 

für bie rcligiöSscttjifdje @ciDi6t)cit bet Skc^tfcrtigung i« ßljriftuS 

gemeint, inbem bie iRefonnatorcn bie S8orfct)ung, ober ©nabe, 

Dbet Siebe ®ottes olä bie Icitenbe 3nftniii bcs gefammten tetigiöfcn 

I SeiDU^tfeinS, feine Sctec^tigfcit ober, roclif)er genuggct^an iDctbcn 

1 müSte, als bcn untergeorbneten 3Jia6fto(i für bie ^.'etmittclung 

bct Segnobigung' burc^ S^tiftuä anerfnnnten. gür bie i^nen 

folgenbe X&eölogie bat fic^ aber biefe Drbnnng'bcs SE8ertI}eÄ beibet 

Segriffe umgctcijrt. ©ic Slnft^ammg ber suftanblitl)en ®erei^tig[eit 

gettiann bo8 Uebergeiiii(^f über bie Stnf^auung ber actiuen ©nabc. 

3fnbem bie ^eiläabfic^t ©ottcä auf bcn engern ©cgriff ber ©nobe 

gegen bie ©ünber befi^ränEt, nnb ni(t)t auf bie ipülfe gegen bic 

SRenf(§en, auf bic leitenbc 25orfcI)uiig gegen bie jum (Sbcnbitbe 

@otteS beftimmtcn ©cft^öpfe ausgebreitet würbe, türfte bic ©efefj 

gebenbc unb ÖJcfeß crl)a(tenbE ©ctec^tisfeit ©otteS in bic erftc 

fiinic bcS Öiottcsbcgtiffs ; unb roenn nun bic ©nabe gegen bie 

©ünber nic^t als eine orbnungSmibrigc ?luSnaI)me erfdjcinen 

früte, fo mußte eine SüiSfunft getroffen werben, toie bie «äotis^ 



mctiicn acf^idjtl. Slubicn jur <^ri(tl. Seilte Bon ölolt. Stiller «riifcl. 
. 3n^ib. für beull^^c 2E)CdI. XUI. <S. 269 ff. 

1) Sgl. 0. 0. O. ©. 291 ff. Bic Saittcnimg kt »etfu^c, ipclt^c 
3d^ ^oornbcct im SocinianiBinus confulatns imb Sonibett 3Jcll= 
^uDftn, de poena divina et humana, gcmoAt ^nbcit, um bic Dtttioboje 
9t(iauplmig mil bcn Slnfpriit^cn bet SSillcnäfifificit onäjuglcii^n. 



332 

factiondlel^rc fic barfteHt @o öeriüanbcltc fic^ btc juriftifc^e SBc* 
biitgung bcr SRec^tfcrtigung^Ic^re in bcn principtcDcn 9RQgfta6 
bcrfelbcn. 3n bcr formell confcquentcn S)urc^füt)run9 bicfe^ ^rin^ 
ap^ an bcm gcfammtcn ©toff ber Sctjre ^abcn bann reformirte 
S^cologen fogar bie SRcd^tfcrtigung nic^t fomol^l aU Slct bcr 
®nabc, fonbcm afö 9[ct bcr ®crcd^tigfcit ®ottcö barftcDcn fönncn 
(©. 302). 9Ran fann c§ aljo bcm gauftu^ ntc^t übel nc{)mcn, 
ba§ er unter bcm ©nbrude biefcö Umftanbcö bie über bcn jurifti^ 
fd^en 3ujömment)ang l^inauÄgrcifenbc« 3^^'^ ^^ ortt)obojcn Se^re 
unöcrftänblic^ unb mit bcn ?ßrämiffen njibcrfprcc^enb fanb. %n 
bicfem SSortt)icgen bed juriftijc^cn 93egriff§ bcr göttlichen ®ere(^tig=' 
feit änbert auc^ bie Sc^re uon ber ©ttoä^fung nid)t§. ?lu(^ in 
i^rer fupralapfarifc^en Raffung finbet bie @m)äf)Iung i^ren DoQcn 
©inn, inbem if)x afö Dbjcct ber fünbige SKenfc^ gefegt njirb; 
bie gnäbige Srtüätjtung, auc^ alä enjige gebac^t, nimmt immer bcn 
STOcnfd^cn in bcr Dualität, njcld^c burc^ bie ©ercc^tiglfcit ®otte§ 
olÄ SSiberfpruc^ gegen baS @efe^ ertüiefen i[t. 3)ic Iutt)crifd^ 
Se^re ferner nimmt nic^t^ ?lnbercd an, aU ttjaö man feit Gocceju^ 
mit foedus operum bejeic^net, bafe bie 9Kenf(^en urfprünglid^ 
ate felbftänbige, rec^tdfä{)igc ?ßcrfonen bem ©cfe^e gegenfibergc- 
ftcflt, ba§ il)re ©rfüüung beffclben burc^ bie Xt)at auf ben iJo^n 
bc8 ctoigen Sebenä angemiefen, unb ba^ eine ©habenorbnung erft 
burd^ bie ©ünbe bei ®ott hervorgerufen fei. 2)ieö Sllle^ bejeic^net 
bie ©crec^tigfeit im juriftifd^cn ©innc aU ben ©runbbegriff uon 
®ott, njcld^cr Iciber nur bie grage unbcanttoortet lägt, toorin 
bie red^tSfä^ige ©elbftänbigfeit ber SRenfc^en itjrc Srflärung finbet, 
ba bie Schöpfung burc^ ®ott ben ®ebanfen itjrer 2lbt)ängigfeit 
auc^ in bcr öcjictiung forbert, afe fic fittlic^c ober njiHenöfretc Gräfte 
finb. 3)ie annähme bcö foedus operum ald 8Scrt)ältni6 jmifc^en 
®ott unb ben erften 9Kenfc^en ift übrigenö Suttjcr gänjlic^ fremb. 
3n ben Enarrationes in Genesin tjat er öielmctjr bie Sieligion 
ber erften SKcnfc^cn auf bie Srfa^rung ber ®üte unb njoblt^ätigcn 
aSorfet)ung ®ottcd gegrünbet, unb Ealoin (Inst. I. 2) ift itjm tjicrin 
gefolgt, greific^ t)aben fic juglcic^ bie ?tnläffe gegeben, bag il^re 
Slad^folgcr bie cntgcgcngcfc^te ?[nnat|me auögcbitbet ^abcn. 3nbem 
alfo gauftuä ©ocinuÄ biefer juriftifd^cn ®runbanfc^auung SBiber^ 
fprud^ Iciftcte, fonnte e^ fid& ereignen, bafe er in bem richtigen bibli- 
fd^cn ©runbbegriff bcr ©crec^tigfeit ®otteö, toelc^en er bcn Crtl^o^ 
bojcn cntgcgenfcfetc, gerabc fiut^ jum SBorgänger ^attc (©. 223). 




^p 



333 



1 



©inroenbungni be« ^Qiiftuä flcltcn brtiteiiä bcn juri)ü= 
fd&en EScjk^itn(ien Der SflttsiactiDiielc^tc flcrabc Don bcn im 
^Ugemeincn fleltciiben juriftifrfieii unb etI)t)tl)eTi SJegttffcn ouS. 
?Iuf bieiem ©ebictc liegt Jcinc ©lärtc, unb in £>infi^t biefci ?tr= 
gumente ift er Bon beii Drlljobofen nid)! inibertegt morben. ^a* 
Sinfclincibcnbftc i[t bic Se()aiiptung, baß eine ©Irafuerpftit^tung 
bemjenigcn nic^t abfienonuncn werben tünne, wctdjct fic^ iJerfÖn= 
Iid( bcv ©trtifc fdjulbig gemariit ^at, baft inax 9Jfenf(^ert an bet 
©träfe eincS ?tnbctn alä foldjer inbirect mitlcibcn fünncn, atier 
nur unter bet Sebingung ctnc3 SRafecä üon 5Kiticf)uib ou ber 
ftinflDÜrbigen ^anbiung be# "ätrbern, büß jebud), loenn ein gan,s 
Unfc^ulbiger nntct bcn übclcn golgcn ber ©üiibc Slnbercr leibet, 
n bieä Seiben nidjt alä ©träte empfinben föiine, lueil bai per» 
fönlit^c ©c^ulbbciunfeticin feljit. @S ift niunhcrlii^, baft bie Cr^ 
t^obojen bie 99cbentnng biejer Sinrocnbung gegen itjre IVIjre burd) 
bie "Mufbebung beä SCbftQnbcü iwijdien ber ci«i(recf)tlic^en unb bev 
criminalreifitlirfjcn ffletrac^tnng ber Sotfie ju umgeben (uf^tcn, 
iDfl^tenb fic in bet öcftimmung beä Segriffä ber ©ünbe biofcn 
^bftanb nic^t ftarf genng betonen fonnten. Site ©ünbc ^oü nidil 
«net ®e(bic^ulb ober einer *]3riMatebrenbfIeibtgung ü« netglei^en 
' in, über wcl^e man fic^ [jiiinjcgfcgcn [nun, (onbcrn fic ift SJeV' 
'(egung ber offentlidicn Crbnimg, bcm SBerbrec^cn uetgteicftbar, 
HKlc^cä ton iRcdjt^ wegen fleftraft werben mufe. !Bcrfelbc äbrQt)ant 
Saloü aber, bcu in biejer Slrt urt^etlt, getröftet ftc^, baß, rocnn 
eine ©elbfc^nlb Don einem Slnbern nl§ bcm ©d)ulbncc getilgt 
liKTben fann, eine Analogie Don tiefer ctui[red)tl id)cn llRügii(^feit 
jut Sröäning ber ©trafgcnugtljuuns dfirifti füljre ')• Stuc^ ber 
Segtiff beä Sürgen, ber ben rcformirten Xlteologcn*) gefäufig 

I. 597: SatiHfactio in poPiiB pecunia- 

it proprio, ei alius quispiam iiocentis 

Ltdinem ve] Hiialoginm accominodari 

ili proprie reperiantur. P. 605; 



1) Scripta antiBociuiana II. ; 
ria, si dcbitar eandcm persulvat, f 
nomine, est vitariii. — Per aimilil 

p poMunt Battsfactioni poenali, quae 

I Bihil obstat, quomious analogiam et per qnandam aimilitudin 

l'^cetur sstisfactio Cliriati natura civilis Batisfactionis. 

2) Heidegger, Corpus theo!. Christ. Loc XXII. 31. Sicnt dobitor 
» quidem alienum expungere tenetur, eed non ita, ut nonniai ex pe- 

10 illud cxpUQgere teneatur et non per sponsoreni scu vadetn 

Kpnngere possit, — ita peccator omnino deo Bolutionem debet, et 

f inititiam praestare tcnetur, 9cd non ita ex peculio suo, ut oliena sponso- 

k aatisfoctio et iuatitia peocatori in iudicio dei imputata non sufficiat. 



334 

ift al^ Stuöbrucf bcr SBcd^fcIbejic^ung jn^ifc^cn E^riftuö unb ben 
6ttpäf)Iten, t[t für bie üRöglici^feit ber Uebertragung pcrfönli^cr 
©träfe öon bcn ßlientcn auf ben ©ürgcn fein Srflärungögrunb, 
ba er feinen Ort in ciöilrcc^tlid^en 9}ert)ältniffen t)at. Secf, aber 
nic^t nberjeugenb ift ferner bie öetjau^tung reformirter 3]{)eoIogen, 
bafe bie fteüuertretenbe ©rfüHung be^ ®efe^eö in ©trafleiben unb 
§anbeln ni^t im SBiberfpruc^ mit bem ®efe^e fclbft fei, ba biefe 
Art ber ©efe^erfüHung im ©efe^e nic^t au^gef^Ioffen ift. 9Äan 
fann fic^.beö^alb nic^t tounbem, njenn man fd^Iiefelic^ auf ber 
ort^obojen ©eite fic^ öon ber Srrationalität biefed §aupt))unfteö 
ber ©atiöfaction^Ie^re überjeugte. 3n biefem ©inne erflärt ber 
^alb ortl^oboje Sartefianer SSelt^u^fen, baß nur bie pofitiöe Offen- 
barung in ber ^eiligen ©c^rift bie SSal^rt)eit ber ©traffatiöfaction 
(S^rifti begrünbe. gemer empfietjft ^olla^ bie 3luctorität ber 
l^eiligen ©d^rift in biefer ^infid^t baburd^, bafe ttjaS bei SJienfd^en 
ungered^t njäre, ben Unfd^ulbigen ju f trafen, bei öott gerabe 
umgefetjrt ein 3^^^^" f^^"^^ ©ered^tigfeit fei. Snblid^ begrünbet 
ber SBolfiancr Sacob Garpoö (Theologia revelata dogmatica, 
1737. Tom. I. p. 29) baS di^dtt ber Unterf (Reibung ber geoffen^ 
barten öon ber natürlichen 3:f)eologie gerabe baburd^, baß bie üb^ 
lid^e ajcrföl^nungdlet)re in if)rer Irrationalität baö if riterium gött= 
lid^er Offenbarung an fic^ trage. 

Sußerbem uermoc^te man bie fernere (Sinttjenbung nic^t ju 
toibericgen, baß in bem Seiben unb lobe Sl)rifti bie objectiDe 
^Tequiöalenj mit bem ettjigen 3;obe aller ©ünber ni^t nac^gettjiefcn 
ift. S33ar ber quantitative Slbftanb än)ifc^en ben beiben üerglid^encn 
©rößen unleugbar, fo foHte freiließ ber unenbU^e SBertl^ ber @ott^ 
I)eit bie quantitative Segren jt^cit beö Seibenö unb Sobeö Gtirifti ju 
bem Umfange ergänjen, tvdijcx ber Unenblid)feit ber ©c^ulb unb 
ber en)igen ©träfe für aUe ©ünber gleidEjfäme. 3d) barf l^icr 
baran erinnern, baß biefe ®ebanfenreil)en bcr ^.irotcftantifd^cn Dr? 
tf)oboyie, inbem fie bie gleid^artigen 93et)auptungcn bc^ S:^oma§ 
an ©ic^ert)eit übertreffen, bod^ ebenfo tvk biefe fid^ in einem 
©piefe mit bem negativen S33orte „unenblid^" bettjegen, beffen 
3ieüofigfeit fd^on burc^ SDun§ beurtt)eilt ift (©. 74). Denn baß 
n)ir ben Umfang be^ göttlid^enö SBiUen^, feiner QkU, Wxttd unb 
SSege nid^t burc^bringen, unb baß tpir bcn Umfang bcr ©ünbc 
unb bie ©nblofigleit ber ©träfe nid^t vorfteUen lönncn, mac^t bie 
©ott^eit G^rifti unb bie ©ünbenftrafc nid^t ju bergleid^barcn, ge^ 



335 

f^iDcigc äquivalenten ©röfeen. ©o fel^r alfo bic Drtt)obojen 
bcibcr ©c^ulcn fid^ barauf öerlaffcn, bog ba^ ©traf leiben Stjrifti 
ber ftrengftcn ©erec^tigfcit entfpred^e, fo tritt bei STOand^en, njic 
Smefiu^ unb äRarefiud, bod fcotiftifc^e SSort acceptatio aU 
3eici^en be^ untDilltürKd^en Sinbruded auf, bog @ott bie ben 
?ßrämiffen cntfprec^cnbe ttequiöalenj ber ©enugtl^uung Stiriftt mit 
ber ©traforbnung beg ©efcfee^ burc^ fein billigcä Urtt)eil ^tx- 
fteUen mufe. — SBaä tiingegen gauftu^ gegen bie fatiäfactorifc^e 
93ebeutung be§ actiüen @e^orfam^ S^rifti einn)enbcte, bag nämlic^ 
berfelbe nur bie unablööbare ?ßPic^t Stirifti barfteUe, fonnte im 
Greife ber reformirten S^tjeologie jugeftanbcn tuerben, o^ne bafe 
man ouf ben jugleid^ fteDöertretenben SS8ertt| biefer Seiftung öer* 
ji^tete. S)ieS gefd^a^ unter bem ©efid^t^punfte, bafe 6^riftu§ 
bod ^au^t berer ift, für bie er l^anbelte. gauftug Iet)nte frei* 
lid^ biefen ©ebanfen üon öom^erein bomit ah, bafe baS ?ßräbicat 
erft bem ertjö^ten ß^riftuä äufornme^. Snbeffen, loenn ic^ öon 
ber bibIifd^4^eoIogifd|cn Sontroüerfe barüber obfct)e, fo ücrrät^ 
^uftuö gerabe auf biefem fünfte bie fc^on öon Slnberen gerügte 
2lrt, S)ata äujserlidf) an cinanber ju reitjen, jn^ifd^en bcnen jeber 
innere ^wf^mmenl^ang üermifet tüirb. 3)a§, toa^ in biefer $infic^t 
am tüenigften bcf riebigt, ift ber üon il^m formulirte 2(bftanb 
jmifc^cn ber bloö menfc^Iid^en Ginäclperfönlid^feit 3efu§, tüelc^e 
allen SKenfc^cn gleid^ fern fteljt, unb feiner burd^ bie Slufer* 
tüedEung I)crbcigefü£)rten ©tcEung aU §aupt ber SRenfd^^eit mit 
göttlid^cn &)xc\u ©oH alfo vorläufig ber reformirte ©efid^tS* 
pun!t nid^t abgcn)iefen »erben, fo fann bem pflid^tmäfeigen §anbeln 
G^rifti um fo tocniger ber SBertl^ für bie baburd^ ju grünbenbc 
©emeinbe, bie SScrtretung berfelben vor ®ott, abgefprod^en toerben, 
al^ in ber Slnttjenbung auf ben actiüen ®et)orfam bie S3egriffe 
Don satisläctio unb meritum tijtxU fo luenig beutlic^ auÄ ein- 
anber treten, tt)eilö jener in biefem fo feine ©rgänjung forbert, 
bafe bie rec^tlidEie SKeffung bcä ©egenftanbe^ in bie fittlid^e öe* 
urt^eiUmg übcrgel^t. Sebod^ bie 9tuöfid)t, an biefem fünfte bie 
focinianifd^e Sritif mit Srfolg ju übettoinben, ift an bie ©tetfung 
einer neuen 2tufgabe gefnüpft, bie in itjrer nottjttjenbigen ©eftalt 
ben 9ttten noc^ nic^t aufgegangen, alfo auc^ nod^ nic^t im 93or* 
auö üon il)nen gelöft ift. 

1) $icr ioicbcrl^olt [\6) jioifcficn gaufhid unb ben reformirten 3:^eolo0cn 
bcT Öegenfo^ jnjifcftcn 3)un8 unb 3:^omaS (@. 80j. 



336 

47. „S)ie focintanifc^c «c^re", fagt Säur (®. 414), ,bilbct 
mit bcr firc^lic^en einen Oegcnfafe, burc^ tuelc^cn uon fclbft eine 
öermitteinbe 2;^corie ^eröorgerufen toerben mufete", — unb biefc 
foH in ber ©c^rift be^ §Uflo ©rotiu^, Defensio fidei catho- 
licae de satisfactione Christi (1617) öorlicgen. Slllcin fo ge* 
föflifl flcflcn i>ic Snfpriid^e bcr ^egeFfd^n ©ialeftif, toie biefe SIn= 
ffinbigung emarten läfet, jeigt fid^ ber njirHid^e SJerlauf ber 
t^ologifc^en Srfenntnife aud^ auf biefem fünfte nic^t. 9?ic^t nur 
^atte ®rotiud nic^t bie Abfielt, jttjifc^cn jenen ®egenfä^en ju 
vermitteln, ober i^re ^ö^ere logifc^e ©in^eit ju finben, fonbem 
er l^atte üiefme^r bie Slbfid^t, bie firc^Iic^e Set)re gegen bie focinia== 
nifc^e Äritif aufredet ju erhalten. S33arum i^m bieö nic^t ge- 
lungen ift, njarum er bem Segriff ber ©traffatiöf^ction für öer- 
gangene ©ünbcn ben be§ ©trafejempefö jur S5ert)ütung jufünftiger 
unterfd^ob, tüirb fid^ an bem geiler erfennen laffen, burd^ ttjclc^en 
®rotiuö ben Uebergang aug ben ort^obojen ^rämiffen in bie 
focinianifd^en mad^te. @r Ijat alfo bie 8lbfid^t, ben ©a^ be^ 
3auftu§ JU tüiberlegen, baß ber ©ebanfe beö ©c^ulberlaffe^ unb 
bie öebingung ber ftellöertrctenbcn ®enugtl)uung für bie ©d^ulb 
in S33iberfpruc^ ftänben, unb n^ill ermitteln, tt)ie beibeö in Sin- 
ttang mit einanber fte^e. Qn biefem Qwtdc ftcQt ©rotiuö (cap. 2) 
feft, bafe ®ott ben 5D?enf(^en gegenüber bie Cualität be§ SeiterS 
einer fittlic^en ®emeinf^aft, mie ber gamilie ober bee ©taate§ 
einnef)me. 3)enn nur in fold^em S3obcn n)uräele ber ©ebanfc ber 
©träfe unb beö ©traferfaffeö. §icmit ift bie boppcitc 9lnnat)me 
auSgefc^Ioffen, in bereu ©ebiet bie focinianifd^e Seurtl)cilung beö 
^roblemö fid^ betoegt. 2)affefbc foll n)ebcr nadE) bem ©d^ema 
be^ ^rioatrec^tS, noc^ nac^ bem Segriff beö dominium absolutum 
gelöft werben. SluS biefen beiben StüdfidEjten nämlid^ leitet gauftu^ 
bie SSorftellung ab, bafe inbem ®ott für feine ^erfon burd^ bie 
©ünbe öerle^t toirb, er bie üRad^t l^abc, fie ot)nc ttjcitcre Se- 
bingung jn vergeben, toie ein ©laubiger bie (55ctbfd}ulb erläfet, 
unb njic ber burc^ fein @efe^ gebunbenc abfolute $crrfd)er fid) 
über bie SSertefeung feiner ^erfönlid)en Sluctorität f)inn)egfe^en 
barf. Stber ate fieiter eine^ fittlid^en unb redEjtlid^ begrcnsten 
©emeintoefenö unterfd^eibet fi^ nad^ ®rotiu§ ®ott von bem 
dominus absolutus, fofern er ungere^t fein mürbe, toenn er Un- 
bußfertigen bie ©träfe erließe, toie eö ein SBillfürl^crrfd^er tt)ut. 
gäQt alfo bie ©tellung ®otted mit ber eineö JRid^ter^ jufammeu, 



337 



f^^ gcft' biefclfie bod} nit^t in ber Ciialttnt eines Mittler« auf, 
ba biefet unter bem ®c(c^e i"tet)t. ®ort nämlii^ ftel)t anbctS, 
fofem et roegen be* @emciniDD[)lS aut^ ©träfe crlnffen, ober 
töeihweiic Don bcm (ije(e^c biöpenfircn barf, nmä einem SWicfitet 
alÄ folc^em nid)t juftet)t. 

©inb (jiemit bie aSorauSfe^unflen ber ortöobojen ©ntiS' 
füction«le^re im £Bc(entlid)cn rit£)tig beftimint '), fo liegt bic 
folgenbc Störteriing beS s» crtlärenben ^Üi^ (cap. 3) (c^on 
nidit ineljc in ber SHic^tung bet Drtl)obojie. 3)te SatiSfaction, 
als SScftrafung bc* Ginen jitr JBerinittelung ber ©troflofigleit bet 
Mnbercn, joQ ndralirf) benrtfieilt lüccben elften« nac^ bcm ©efc^c, 
ba6 jebec ©ünber bie ©träfe beö entigen Jobe« tragen \oü, 
älDeitcnS banacf), ba^ biefes @efe^ lcbigli(§ pofitiucn (j^arafter 
f)at, ititfit innerlict) in ®ott begriinbet, ionbem blofec SBirfiing 
feines SJiffenä ift. Senn nun bemgemäfe ein Srla^ jener ©träfe 
für bie ©laubigen unter Scbinfliing ber Satiäfaction erfolgt, 
fo liegt barin feine 9luft)ebung jcneS ©efeße^ üDertjau^it, benn 
baffelbe bleibt \a in ®eltiing für bie Ungiflubigen. SRelajabel 
finb aber olle ©efege, fofem bnS ©egeiit^eil iljteS 3n^olteä iiitfit 
an fii^ ctntaä ©ct)mäi)li[t)eä ober Ungerechtes fein loürbe. Xiefcä 
tritt aber ntc^t ein, rocnn bie ©cf|ulbigen ni^t beftraft Werben. 
?Iusi ber Süatur ber ©iinbe folgt nur, bafe einer ©träfe Ocrbient, 
nic^t aber bafe biefelbe an if)m voQjogen merbc. fflJenn nun 
©Ott jur Sispenfation Don jenem ©efe^c ben roicfttigcn @ninb 
^Qtte, boburcfi bie SJcIigion sn ertjalten «nb feine ®üte ju ct= 
rocifen, fo beging er burii bie 9Iuft)eEmng beS eroigen Xobeä für 
bic ©finbe feine Ungcrecfitigfcit. — 3n btcfer ©ebanfenrci^e toirb 
ein S5*E)Icr begangen. 3c^ lege 5unÖif)ft tetn Oetoic^t baröuf, bofi 
©rottuS Don bet otttjobo^en ©eufung bet ©ttafgetei^tigEeit ©otteS 
abroetc^t, inbcm er bie ciöigc SBcrbommnife ber ©ünber ni^t als 
not^menbtge Jolge jener Function, foubcm als anfälliges Sräeufl= 



I) Sn^'^fi^n untcrfdiciben bic ortbobD^n Ttttoloqen nii^i (o bcftiiiimt 
lotc StotiuS imiff^n t>cn aiZcTttnalcn bei! domicns abaolntas unb benen 
bcä reotor. Eit ©ilnbi: olfl Ucbcrtrclmig bc« SkieptS ffloticä mitb bocfi i(u> 
gltidl als pCTf5ii(id)c Sctlcpung mtm bcirat^tcl, nie im aRiUdalKr. XcBs 
lialb nirb nutt) fortgefallen, ber Slinbc uncnblic^n SScrtl) E>ci)u[(ecn,*lebigp 
lid) natb btr fRcgcl über bcn Srnb btr ^niuiitn, bcrcn Bijvotxt fii^ nai^ 
bnit ScrllK btt bdcibiglcn ^rrfoit ri(^lcl, nllo B^Afiübn: bet munbli^m 
Werfen fclbfi «nenblic^ loirb. 



k 



I. 



338 

nife bc^ SBiUenö ®otteö bejeicf)net. Sücin bcr ©q^, bafe bie 
iSc^ulbigcn uic^t beftraft werben, weldöer alö boö ©egcn^ 
t^eil jeneÄ ®efe^ed eingeführt, unb boc^ alö eine nic^t ungered^te, 
^onbern burd^ ®otted ®üte unb bie ©r^altung ber SRcligion 
motiDirte SSerfügung bcjeicf)net ttjirb, entölt etmad ganj anbercö, 
afö njorauf man burcf) bie üortjerge^enbe befd^ränftere ?(u§naf)mc 
öon bem ®efc^ vorbereitet ift. 3nt öorliegenben gaQe ^anbelt 
ed fid^ nur barum, ob baS ®efe^, ttjeld^eö allen ©ünbern bcn 
etoigen Xob brotjt, aufget|oben toerben fönne für einen 3^1^ eil 
berfelben, fo bafe biefer ftraflod auöge{)t, unb jwar unter ber öe* 
bingung, ba^ i^re ©träfe auf einen Unfd^ulbigen übertragen 
loürbe. 3ebod^ inbem ©rotiud über biefe gragefteüung p ber 
öiel njeiter greifenben ©ntfc^cibung forteilt, bafe eä über^oupt 
nic^t ungerecht fei öerbiente ©träfe unöoüjogen ju laffen, fo tritt 
er in bie focinianifd^e Setrac^tungöweife ein, tüeld)c au^ biefem 
©runbe bie ftelloertretenbe ©trafgenugt^uung für unnött)ig jum 
Qtücdt ber ©traferlaffung erflärt. 

S)eött)egen lenft er auc^ bie 85eurtl)eilung bcö 2;obe^ Sfjrifti 
afö ©trafleiben auf eine ber biöl^erigen ?lnnat)me frembc ©a^n. 
2)urc^ Seifpiele auS bem ?l. 2;. (cap. 4) toirb feftgcftellt, baß 
®ott auc^ relatit) Unfd^ulbige mit ©d^ulbigcn sufammcn geftraft 
I)ot Qtoax bleibt in biefen gäUen ber @d)nlbige nic^t ftrafloö, 
allein ©rotiuö fdEilie^t, bafe, toenn ed nad^ gauftuö nidEjt unge- 
recht ift, einen ©d^ulbigen ftraflo^ ju laffen, unb nic^t ungerecht, 
Semanben njegen frember ©ünbcn jn ftrafen, auc^ beibc^ jufammen 
nic^t ungerecht fei, nämlid^ über El)riftuö bie ©träfe frember 
©ünben ju oer^ängen unb äuglcidE) ben ©d^ulbigen bie ©träfe ju 
erlaffen. 3)enn mel)r fann burc^ bieö 9lrgument uidjt errcid[)t 
ttjerben, al§ biefe ©leid^jeitigfeit; unb barin ift fd)on bie lierge* 
brad^te 3bee ber ©atiöfaction Derlaffen, tvdd^c eine caufalc S^er- 
binbung beiber 3)ata bejeid^net. ©rotiuö l)ebt nun alö )i8e* 
bingung für bie Ucbertragung bcr ©träfe SInbercr auf bcn Un- 
fc^ulbigen in reformirtcr 3Beife nod^ l)erüor, bajs beibe 2;i)eile in einer 
natürlid^en ober beftimmung^mäjsigen ftttlid^en ©emeinfd^aft fteljcn 
muffen. S)en Uebergang ju feiner eigentlichen SKeinung mad^t er 
aber burd^ ben ®runbfa^, im SfiJefen ber ©träfe fei bie gorberung 
begrünbet, bafe fte auf ein ®ergel|cn folge, nid^t aber bie, bafe 
fie ben ©c^ulbigen allein, ober gerabe it|n treffe, benn mit Se= 
lo^nung unb SRac^e fei e^ ebenfo befteÖt. gemer t)erfd^tt)inbc 



339 

fäßer ©cfieiti ber UiigcveriiHgteit in bcm '^alk mit [Et)ri[tuä, ba 
bieier in bie UefJcrnaI)mc ircmbct «Strafe eingeiüitligt tiabe. Snb= 
lic^ tonne eö für (Solte* Slnotbrninq öieieä ^er^äiifiniffcS nid)t 
ouf bie SßacEinieiiung unuingänglictjct Siot^njenbiflleit antummen 
(cap. 5), @ä frage fi(f) mir. ob fleniiflenbcr ©riinb ha;\u für 

f ©Ott «ott)anben roav. 3>enielbcn finbct ÜiroHuä in bcm QJcbanEeii, 
qnod tot et tanta peccata sine insigni exemplo dcuB trans- 
mlttere noluit. ^nin einctfcitä ift ©oft bm ä)tenfrf)en gütig gefiniit, 
unb bcStjalb geneigt, ben ©ünbem bie Strafe ju ertoffcn. "Slnbercr» 
jeitö lüürbe DoUe Straflofigfeit eine ©cttngac^timg bcr Süube iiac^ 
fiifi iietien, unb gurcftt uor ber Strafe ift bie 6efte ?l(if{ftteiiung uoni 
©ünbigen. SSeibe Miicffic^ten ucreinigen fid) in ber 3ionjiel)iing ber 
©träfe an 6f)riftnä, aH Uiiütitud beS §affeö @ottcö gegen bie 

' Bünbc, loäljrenb bie Strafe ben ©cijulbigen erlaffen ttiirb. 

Soljiinn Grcü') ^attc leidste ajjii^c, bie Qrunblofi gleit 
liefer .'pi)potl)cie ,yi enueifcn, unb bie Seiire beä gauft«? gegen 
fie aufrecht s" erl)aUcn. Snssbeforbcrc erflärt er eS für ungeteilt, 
einen ganj^ Unfcfiulbigen s" ftrafcn, unb für uubenfbar, ba% ein 
folc^er bie il)m auferlegten Hebel iu ber gorm ber Strafe roal)r= 
nef)me. S^ic gäüc bc^ 91. S. beroeifen, bafe jroar (SJott ^Oianc^e 
tturfi megen frember SSergeben ftröft, aber immer nur, fofcrii io[d)c 
icgenb einen actibcn 9[ntl)etl an ber t^at beS cigentlid) ScftnU 
bigen ^aben, fei c5 butd) JRotljertljeilung ober burdj ^uf'^n^nwig. 
Ober rocnn @ott, um ein ÖEcmpet ju ftntniven, eine S^'H""'''"-' 
ober ein SSotf für iaä ^Kergetjcn be« ^anptee ^eimjucfit unb ba= 
bei auc^ un^c^utbige Sinber trifft, fo ift baö Hebel für biefe aftlictio, 
nid)t aber poena. Xienn aud) eine SelDÖnnng, tucld)c fole^en 
ÄU ifteil mitb, roelcbe fie nicfit Derbient ^aben, ift für biefe nidjt 
praemiuru, fonbcrn nur simpiex emolumeutum. Sublid) fommt 
bie <Bi)'ma<i)Q bcr gau.^cn Slnfi^t bcä ©rotiu^ an ben Xag, iitbem 
er biejelbc bnrd) eine JHcgel beä römifdjcn 9iccf)teä gegen ben 
@ninbfag be* gauftuö, bofe Sünbenbetgebung unb Straffatte= 
fattion fid} anSfi^lie&en, ju re^tfertigen futt)t (cap. 6). (Jr iu6= 

^ fumirt nämlii^ bie Seftrafung (ifirifti unter ben JnU, ßa6 eine 
^beratio antecedente solutiooe aliqua ipso facto non liberante 



1) RespDDEio ad libruni H. Grotii, quem de BBtiafactione Christi 
Fadvenus Faustum Socinam Senemeni scripsit (1623). Bib). fratr. Fol. 
f ToL VI. 



340 

erfolgen foH, too alfo non solum solvit alias, sed etiam aliady 
quam qnod est in obligatione. ^tefe 3(rt ber Söfung einer 
befte^enben 83er)>f[td^tung burc^ bie Seiftung einer anbem ni^t 
üerp^id^teten $erfon unb burd^ ^ttrid^tung eined anbem al^ bed 
fti))ulirten SBert^d erforbert aQerbing^ bie 3uf^ininun9 ^^ 3n^ 
l^aber^ bed Sted^td. 3n Stntimtbung auf (S^riftu^ foH bied pCi^Stn 
unter ^oraudfe^ung ber ©enel^m^Itung bed £eiterS be^ @emein« 
tt)efend. ?QIein biefe ganje Argumentation ift möfeig, ba fie fid^ 
nur auf ^riöatred^tlid^ SBerJ^öItniffe bejie^t, ®rotiud aber im Sßor^ 
aud bie 93eurt^eilung ber Stellung ®otte^ 5U ben äJtenfd^en nad^ 
biefem äRajsftabe abgelel^nt t)at @d ift enbli^ nur eine unben)iefene 
unb unbetoeii^bare 5Be^au<jtung, ba§ biefe Siegel aud^ für bie Uebcr^ 
tragung !ör))erlic^er ©träfe gelte. 

@d ift tt)o^t Sar, bag biefe ^Qpotfjefe ein ganj anbered 
3irf erreid^t, atö toeld^eS ®rotiug erftrcbte. 2)ie ort^obojc 
Seigre, bie er ju öert^ibigen fid^ an^eifc^ig mad^te, bejie^t bie 
©trafleiftung S^rifti ali ©egengetoic^t auf Vergangene ©ünbcn, 
®rotiu^ biefelbe auf julunftige neue 85cgef)ungcn. SBirb alf ber 
24)b S^rifti ate ©trafejempel, afö abfc^redEenbe^ öeifpief bärge* 
fteHt, fo tritt biefe S)eutung nur in Analogie ju ber foctnianifc^en, 
baS ber 2;ob ©^rifti ald baS anjie^enbe öeifpiel enbgiltig be* 
toäl^rter fittlicfter ©efinnung unb öeruf^treue ^eilömert^ tjabe. 
Snbem auc^ öaur (©. 431) biefe Itiatfac^e ancrfennt, erflärt er 
(©. 442), bafe „bie firc^Iit^e unb bie focinianifc^e I^eorie, fo 
natärlid^ ed ift bag jn)ifc^en i^ren @egenfa^ ettoad SSermitteInbed 
l^ineinfällt, burc^ ©rotiuÄ 3^eorie nod^ immer unt)ermittelt finb". 
hingegen finbet er, bafe „bie jene beiben 3;^eorieen in einer uer* 
mittelnben SJorfteDung au^gleid^enbe S^eorie" öon ben Partei*» 
genoffen beS ©rotiug, ben ärminianem ©tept)an ©urcellaeuÄ 
unb $l^ili^^ üan fiimborc^ auf i^ren abäquaten SudbrudC 
gebrad^t toorben fei 0. 3c^ toerbe jeigcn, bafe biefe SSermittelung 
bie ®egenfäfte nid^t fibertt)inbet, alfo ben änfprüd^en ber ^gefi^ 
fd^n 5Begriff^enttt)idfeIung an bie ©efd^id^te ber Ideologie ebenfo 
toenig entfprid^t, A)ie bie X^eorie bed ©rotiud. 

S)enn ber ©otte^begriff jener Xl^eologen ift öon bem focinia* 



1) Curoellaei Institutio religionis christianae (unt)onenbet). Lib. 
y. capp. 8. 18. 19. Opp. theol. Amstelod. 1675. — Limborch Theo- 
logia Christiana. Amst. 1686. £d. IV. 1715. Lib. UL capp. 16—22. 



niftfien faum jit unterfc^ciben ')■ SH^bcjonbere Inirb bie 9iDt^= 
iBcnbifltcit bet ©ttaigetedötigtett in ©ort in Wbtcbc geiteHt. Senn 
bie Unabt;än(iig!eit @ottcS {oll bic Folgerung begiunben, ba^ et 
unbefc^abet (einer @eretf)tigtett ton (einem Stetste ndt^laften lonn, 
pmal nenn eine ftienge SuSiibung bcd gottlitEjen Stec^te^ ntcl)t 
im 3nteTef(e be3 ?tnbern ift. X'a nun bic ^iKiflteit gegen bic 
aWeiifdfen bic naturgemäße ÖQltnng ÖSottcä ift, jo faiin er, loeim 
I et roiU, itjre ©ünbcu ol)iie bie Sebingung ber ©enugt^unng uer= 
L geben. Sie ©cfe^gcdimg burc^ Ghttftiiö nnterfc^eibet fic^ uoii 
ber beä ätfofeä gctabc babut^, bo^ fic nic^t oon ber ftrcngcn 
Äufforberimg ä" 'fl«t Stfüßung, ioiibcm Don ber 3ict£)ei6ung 
bet ©üribenücrgebiing unb bc3 emigcn Sebcnä begleitet ift. SBie 
nun bicfe ?[nfii^t Dom Sefcn be* Ef)iifte»tt)umö mit ber focinia= 
nif(%en übercinfommt, fo micberljoten bie bcibcn Slrminioner oud) 
bie mcfcntlidicu 3(rgumente beS ^auftuS gegen ben ®atiäfaction*= 
begriff. SieStjalb roitb ber Tob St)rifli in erflet ßinie unter boä 
I ofGcium pi'opbeticuiu (iibfumirt, aiü Senjä^rung ber 93aE)rt)cit 
I ^er Sichre unb olä 3Intricf' jum gefegmo&igen fiebcn ; bieä 
ie^terc infoicrn, alä er ber t)ßd)ftei8ciDciä ber güttlidjen Siebe unb 
Hugteici) ba« einkut^tcnbfteSeifpict fittlidjer ©cftnnnng ift. "Earan 
(erliegt ftd) bie cticnfaUä (ocinianifcöe iöeftimmung, boft ber ^ob 
bcu 3äert^ t)at, bie StufenociJung 6t)riftt möglicfi in morf)cn, 
burc^ hieldie er feinen Slnf)ängcrn ben ^immct crfcfftoffcu ^at; 
^iemit wirb ber Zob 6I)rtfti ah SRirtcl ober Scbingung feine* 
fönigtic^en Stmtcß [)e,\cicf)nct. Snbeffen biegen bie ^tminianer dou 
biefcr @cmeinf(^aft mit ben ©ocinianern ab, inbcm fic in ber 
Slnerfeunung be^ Opfeiiuertöed bcÄ XobeS Gbriftt ficf) auf ber 
Sinie her gemein tirtf) Eitlen 9Inft(^t ftnlten. Tiiefe Slbloeic^ung Don 
ben ©ocinianern ift bcifiimbort^ ftürfer ausgeprägt, al« bei bem 
altern EurceÜaeuö. S)iefer folgt ber focimanifclöen Deutung be* 
^bräerbriefö, inbem er ben Di)feract in bev tjo^enpriefterÜc^n 
Siirbitte bcS er^olitcu SöriftuS erfennt, fo bnß ber Xob alä 
Süiatogon ber S^Iadjtung bee Opfcrtbicrä bie Vorbereitung ,^u 
jenem „Urft^einen «or (üott" bUbet. 3Benn ber Sprac^gebraui^ 



r 1) 3)ut4 Gpifcopiuä (liigtitutionea theologicae) ift bic üiminiaiu; 

fÄ( ficli« üoit ©Dit km SJüc&iibc kr iPeiianbluiig 6t8 Sociniontca ß«a 
ongtpoftt luorticn. SBgl. meine @c[*id)l[. Stuken jur (ftrifti, üc^k uon 
(Bett. ^Jtilt« an. 3a^rb. für kutft^e tkol. XIII. @. 267 f. 



342 

im 9i. %. bcnnoc^ bic 2;^atfadöe bcS lobcä G^rifti in eine un^^ 
mittelbare SSerbinbung mit ber ©rlöfung fe^t, jo foH bied auS ber 
Siüclfic^t gefd^e^n ^ein, ba§ im lobe^Ieiben bie ©c^njieriflfeit ber 
^riefterlic^en 2;^äti9!eit S^rifti erfc^cint. 3)ie ® jpiation ber ©ünbc 
burc^ bie liebeooHe Eingebung in ben ^ob unb burd^ bie ^ürbitte 
be^ @r^öt|ten f^at nun — natürlid^ unter ber SSorauSfeftung 
unferer resipiscentia — ben Sinn, ne unquam propter peccata 
nostra severam dei iudicium subire cogeremur (V. 19, 14). 
2)er %ob S^rifti, an fic^ betrachtet, ^at aber aud^ für SurceDacuö 
feine anbere öebeutung afö für ©rotiuS, nämlid^ ut ostenderet 
deus, qaantopere peccatum odisset, et nos efficacius ab eo in 
posterum deterreret. 5)enn fofem bie Dpfcrqualität Gtjrifti 
nac^ ber Analogie mit ben Dpfcm bed ?l. I. beurtt)eilt n)crben 
mufe, fo erflärt SurceQacud (§ 15), bafe ber ©ebanfe ber ©traf- 
fatidfaction mit bem ©egriffe beS Opfert nid^tö gemein l^abc. 
Pecudes, quae mactabantur pro peccatoribus, non luebant 
poenas, qnas erant commeriti, — sed erant tantum oblationes 
quibus studebant flectere deum ad misericordiam et obtinere 
ab eo remissionem admissomm. 

hingegen fiimborc^, ber in einem eigenen Sapitcl (IIL 20) 
bie focinianifc^e anficht t)om ^o^enprieftcrt^um G^rifti bcftrcitct, 
entfernt fic^ in bemfelben 9Kafee aud^ öon feinem Vorgänger. 
Äud^ GurceDaeuÄ njirb üon ber Semerfung fiimbord^'^ getroffen, 
ba§ bie priefterlic^e gunction G^riftt, wenn fie nur in ber Snter* 
ceffion beS ©rl^ö^tcn jur Slnfc^auung gebracht n^irb, burc^ ba^ 
Äönigtt)um beffelben abforbirt toerbe, unb ba§ bie bloße 9Sor= 
fteHung S^rifti öor ®ott feinen SBert^ jur Söefd^mid^tigung feinet 
ßorne^ über unfere ©ünben f)abc, ttjclc^e ba^ 9lmt be§ ^riefter^ 
fei 3u birecterem Slufd^Iufe an bie ort^obojc Stnfid^t bet)auptet 
nun Simborc^ öon ben ©ünbopfern bcö 91. J., fie Ratten bie 
^beutung, ut, in ipsas quasi ira dei derivata, homo ea 
liberaretur, hoc est ut ipsis infligeretur mors violenta, cuius 
intuitu hominem peccato suo mortem meritum in gratiam 
reciperet. — Unde mors a Christo suscepta rationem habet 
gravis mali Christo impositi, quo poenam peccatis nostris 
commeritam quasi in se traustulit, et hac sua passione deum 
.placavit (§ 5). 9lber nid^t nur burc^ ba^ boppelte quasi ift 
biefe äuffaffung öon ber ort^obojen unterfd^ieben, fonbern aud^ 
burc^ aQe übrigen @rflärungen Simborc^'d. Siefe Strt üon 



Etraffotiäfaction, roelc^c ©ott natt) feiner abiDtiiten 3)icic^t über 
' S^rifUiä onorbncn biirftc, gilt nic^t alS eine ßeiftung an bk 
ftrcnge ©erccfjtigfcit ®otteö, bie ja ü6crl)fliipt geleugnet mirb. 
fonbem on feinen pglcic^ gerechten unb [lavm^erjigeu SBiBcn 
{cap. 22, 2), b. fj. an feine Sifliflfcit: unb fie i)at fiit biefe @e= 
ncigl^cit ©otlcä bcn enlfc^cibcnben SScrtt) in Hraft ber götilictjen 
SBürbe ber ^ci-fon ßl)rifti. 9[fier mbcm bicfer Sciftiing ber 3Sert^ 
beS Scrbienftc* im Sinne bc3 ^^ornaö i ber rechtlichen ?lcqui»alenä) 
a&gefproc^en rcitb (§ 3), \o wirb er il)r im ©inne heä 3)uiiS bci= 
gelegt, fofevn (^ott sanguiiiem illuni tanqnam pleDariam 
persoltitionem pro peccatls nostris acceptavit, illoque se 
moveri passiis est nd plenam noble peccatoriita reiuisisionem 
daudam (cap. 19, 2). hingegen ift ee miebcv ein Xoit aai ber 
Knfctjaiiungänictie be* Itjorna«, raenn bie ^eri)ängnng be* Zoici 
über G^riftuis oIä bie ratio homines ad salatem perduceodi con- 
renienttE>8ima, atpote ad glorJae dei itluetrationem et homi- 

^lles « pectiatis ad sauctimODiae Studium convertendos mazime 
Itecomaindflta bc^cic^nct loirb (18, 5). 
aSirb aticft ber ©efic^tsfrciS beä SliomaS übcrfdiritten, inbcm 
fitmburcl) bcn leetcn öiebunfen im Sinne bc* gauftuö imb beö 
©rotiuei crläntert bnrc^ ben Qmcd beä ©trafejempel« unb butc^ 
btc 'ilnöficfit auf bas nuigc Öeben, meldte ber Dom Xobc cnoeche 
Gflriftuö eröffnet fint, fc erfennt man bie mittekltrige Xemperatur 
ber Sarflellung bicfer Vel)re burcf) Siinbori^ noe^ au* folgcnben 
Weiterungen. Srftcnö ouö bcm cntfi^eibcnben ©eprägc beä 
@otte«begriffö. ©ie an onbcrcm Orte nadjgeniicfcn ift'), I)aben 
bie Sieformatorcn in ber ^^JräbeftinationSle^rc bcn inittelaltrigen 
iöegriff beä dominium absolutum ßSottcS fo wcrlceiibet, bafe fie 
bcn EompromiB ätfif^" '>'^t gÖttIid)en unb ber menfd&Iidjen 5iei= 
^eit, iDeI(^cr in ber Score uont fflerbicnft DoUsogcn luurbe, alä 
ungiltig bei Seite feljteit. Xiie Steigerung bet SBebeutung ber 
*PräbcftinQtionöIeI)te burt^ bie Sladifolger Galoin's fi^lofe nun 
eine öetonuug ber ©iüfür ©otteä in fi^. luctc^e baä Kligiöfe 
Öntereffe Derlc^te. Xenn biefe? erforbcrt in irgenb einer ©cftalt 
bie aJiöglic^feit ber SSorauäfeßung bon aSefenögcmcinfc^aft mit 
©Ott. Xiemgemäfe ermäßigten SrminiuS unb feine 3facf)foIgcv ben 
©runbbegriff bcö dominium absolutum dei in creaturaa burdj 



1) 3al]vl»- füv tmidie X^tol XIIL 3. 116 ff. 124 ff. 



844 

bad SRerfmal ber aequitas, in tpelc^er ®ott, qu^ 9ificlftd^t fotiiol^I 
auf jcinc 3Burbe, aU auf btc natfirlic^c SSerfaffung unb Saflc ber 
STOcnfc^en, btc fittlic^c Drbnung ber 335elt ücrffigt. ^terin ift 
ebenfo bte iDiIKürlidöc grcitjeit ©otteä gegen bie SBebingungen tjor- 
belüften, toelc^e bie reformatorifc^e S^eologie auö ber @ered^tig^ 
Icit ©otted ableitete, tt)ie ein 3lnfpruc^ ber SWenfc^en an fjrcit^eit 
gegen ®ott begrünbet, tüelc^en bie mittelaltrige Xl^eologie im 
JBegriff beS SJerbienfteä anerfannte. Dbgleid^ nun Simbord^ ben 
JBegriff beg SJerbienfteS afö ungiltig öon ber §anb loeift, fo 
fommt boc^ jioeiteng feine unb Gurceüaeu^O Se^re öon ber 
3uftification toefentlic^ auf ben fatfioüfd^cn 93egriff ^inauö (Hb. VI. 
cap. 4), inbcm Simbord^ felbft gcftcljt, in pontificiorum sententia 
malta esse non improbanda. ®ie Stec^tferttgung bebeutet für 
Simborc^ bad ©nabenurt^eil ©otted, in n^elcftem er benjcnigen, 
toelc^er an S^riftuö glaubt, b. f), if)m in Scjic^ung auf feine 
^jrop^etifc^en, priefterlicften, fönigfic^en Functionen ge^orfam ift, 
toel^er bemgemäfe in ber 9tcuc fte^t unb cntfprcc^cnbc gute SBerfe 
^ert)orbringt, in ^infic^t bicfer uortjanbenen, inprcnten, obtoo^I 
unöoDfornmcncn ®ered&tigfeit fo anfief)t, alö menn bicfclbe t)oII* 
fommcn märe. An proteftantifc^cr 3;cnbenj nimmt biefc SJar- 
fteHung infofern I^eil, afö bie SRcd^tfcrtigung bie 3"^^!^^^^ ä" 
©Ott crtt)edEcn foH, njclc^c bem Iatl)olijc^en Sl^riftcn Dcrbotcn toirb. 
SRit ber fattjolifc^cn Sluffaffung aber ftimmt biefe ©arfteUung 
barin überein, bag baö SRecfttfertigungöurtf)cil an ben in SBcrfcn 
t^ätigen ©lauben, alfo an inhärente ©cred^tigfcit beö ©laubigen 
gefnüpft unb t)icrauf bejogen tpirb. Simbord^ üertoa^rt ftc^ nur 
gegen bie materialiftifd^e SBorftcIIung t)om habitus infusus. 5)ic 
glcic^jcitigc ?rblct)nung bc^ Segriffö SSerbienft gilt aber toirflid^ 
nur ber t^omiftifd^en Deutung beffclben. hingegen entfpri^t e5 
eben ber Definition bcÄ S)unö, baß ©Ott iustitiam, quam imperfec- 
tam iudicata gratiose aceipit ac si perfecta esset (§ 41). 
Unb biefe ?lnnat)mc ift not^menbige S^^gc ber aequitas, alö beä 
©runbücrljaltcnd ©ottc§ gegen bie SKcnj^cn ü6crt)aupt, unb 
?ßrobc ber ©cftung beffclben gerabe in bem 3Sert)äItniB ber SSer- 
mittelung burd^ Stjriftuö. Snbeffen ift an bem Unterf^icb biefer 
Sctire öon ber Iutf}erif(^cn unb reformirten ein 3ntercffc ttjabr- 



1) Dis8. de hominis per fidem et per opera iustificatione. Opp. 
theol. p. 933—942. 



345 



neljmbat, n)clil)cö nucft nitfit oiif eine beftimmtc gi^ofiefteHimg 
^inau!t3efül)rt x% "Ecr Don ^aiilu^ entictjiitc (lofitioe ?luöbriicf 
bcr ülci^tfertigung ift in bem firctje ber Meformatton unb in bcr 
i^r folgcnbcn Crt^obojie ftctd q13 gletc^bebcuteiib mit bcm nega= 
tiDcn SJuöbrucf bet Siinbetinevsebung gebraiii^t, imb beötjatt ift 
icbc SBecntitteliing biefcr aBirfimg burd) gute ©ertc abgekönt 
tDDrben. 3ebocf| ftetjt in bcr SBibel ber öegriff ber (^crccfitertiärnng 
ober Ste^tfertigiing utiprünglic^ in bct Delation auf bie 
SSetfc, unb nur *i*Quluä ^at bicje (Sorabinarion netänbert, inbcm 
er Mecfttfertigung gleid) SJctgebung bcr ©c^ulb gefegt f)Qt. Sott 
hingegen bic 9(c(^tfertiguiig büS ^ctl^jicl pofitiu ucrburgcn, rod^eS 
bod) ni(^t flbgcicljen öon 9öcvfcii gebad)t werben fann, (o maäit 
fid) bie natüclidjc S^erH)onbti(^aft bicjer Segriffc gciteiib, unb 
, boiau« folgt eine Setirart, lute bie ber 'Hrminioncr. 
I 33ie Siermittelnng, mit n)cld)er, naä) iöaur, bic Xftcotie ber 

^ beiben Slrminiancr ütüifc^en ben ftrengen ©cgcnfaß ber firdjlitficn 
unb bcr fociniQnifd)cn 2:()coIogic „Ijincingcf allen" ift, wirb tiienac^ 
tlorcr, aU e« uon ©nur bargeftellt ift. Serfetbc rocift nämli^ 
nac^, bafe 3ene fic^ in ber ^^erfü^nungäte^re ber firc^(id)cn %i)eO' 
logte angenähert, unb in bcvSicc^tfcrtigungäleljrc benSocinionern 
angcfdjloffen t)aben. Ein foldjeä SScrfotjrcn ift natürlid) weit 
entfernt, eine f)Ö[)erc ©in^eit ber ©cgenfci^e ,^u erreit^cn: ober 
man fann c% aucf) taum auf einem anbern ®ebiete ald ouf 
bem beS priüatredjtlidjen ©treiteä Bermittcinb nennen. Sluf bem 
©ebiete beS lüiffeuft^aftlic^cn ©rfcniienä würbe ber SlrminiauiämuS 
einen fläglidjen 3)fitlelrocg bcirflellcu, loenn bem Den Saiir fo 
gebeuteten Xfjatbeftanbe ber arminianifdicn 2cf)re md)t ein anberer 
©inn übgcttionnen merbcn tonnte, 91un unterfdjeibet fid| ber 
©ebanfe ber ÜRcc^tfertiflung, fo roie er Don Sinibort^ bcftimmt ift, 
»on ber focinianif(^cn ütnfic^t fpecififcf), inbcm fie nur Dorgefteüt 
toirb unter ber 3JcrmitteIuiig bei 5Eert()cä ber allgcmeiiieii Sicr= 
föönung burcfi baä Xobcöo()fer Gftrifti. ^icrin bcttiatirt bic ap 
minianift^c Sficotogie, roic fie biir^ Simbord) au^ge})rngt ift, bcn 
firci)!ic£|en ßfjaraftcr iftrer ^Jluffoffung bcä ßl)riftciitt)umfi. Stber 
wie eä nun tlicorctifc^ nid)t baranf anfommt, baß bic arminianifc^e 
Tieutung bcö Xobcä U^rifti fidj bcr ortl)oboj:prDtcftantif(^cn an* 
gcnntjert tiat, fonbcni barauf, ta% fie mit bcr mittctoltrigen iiber= 
elnftimmt, fo l)at eben ber 3(nniniani«muii in beibcu Vetiren cin= 
tjeitlicfte^ öeprage infofern, olä er in i^uen bcn iHüdgang auf 



346 

bie ajorbtibcr mittclaltriger 2;^coIo9ic nimmt. 2)amit ift freili^ 
bei b€n Srminiancrn ein um fo fc^ärfercr aSiberfprudö gegen ben 
^ierarc^ifc^en unb facramentalen Slpparat be^ Äat^oUci^mud Der^ 
bunben. SlHein tocnn man bie Slufmerffamfeit auf bie beiben 
eng öerbunbenen ßetiren uon SSerfö^nung unb SRed^tfertigung be^ 
jd^ränft, fo jeigt ftc^ an ber Itjeorie ber arminianif c^en 3;t)eoIogcn, 
bafe, mie fie feine ^ö^ere Sßermittelung ber ortfjobojen unb ber 
focinianifd^en Sefjre gefunben tjaben, ber gefudjtc SWittelweg fie auf 
einen ®ebanfenjufammen^ng geführt t|at, toeld^er nid^t neu, fonbem 
alt ift tpeld^er uon ber Deformation auö nid^t öomjärtö, fonbcm 
rücftoärt^ liegt, unb roeld^er jugleid^ infofern lcf)rreid^ ift, alö er 
fel^r grünblic^ bie Srtoartung n)iberlegt, afö müßte jeber in ber 
®efc^id^te ber Ifieologie auftretenbc ®egcnfa^ al^batb feine 9luf= 
l^ebung in einer logifd^ ^ötjern Sin^eit finben^). 



1) (Ed borf no(6 bie 9{i)tti( hinzugefügt toerbcn, bog bie fpätcren <Bo= 
cinianer bie arminianifc^e Deutung bei^Xobed (S^rifti acccptirt ^obcn. 5Diefed 
gilt üon i^rem legten bebeutenben X^eologen Samuel (£rcll unb uon Q^eorg 
SRarfod 5U Glaufenburg in Siebenbürgen, ^erfaffer ber Summa universae 
theologiac christisnae secundum ünitarios in usum auditorum theologiae 
concinnata (1787). »gl. god o. a. O. S. 240. 261. 649 ff. 




®ie äwf'^iinil t"" Seiten voa in IMerfifferfiflung «n* von in 

48. £ö ift eine fetjr meiltoürbiflc iStfcficiniiiig, beiß bie 
3H)ettbejtc|)ung bec SReditfectiguiig biitc^ bcn ©lanben auf bau 
©ottDcttroucit, bie Scmiitl) iiiib bie ©ebulb, auf ®e6ct uiib XanU 
bcitteit gegen ÖJott, welcf)e iii bet Slugätiurgifcljcn Goiifelfion tinb 
i^ter 'äpologic StuSbtiicf gcfuiiben fjnt (©. 184), atöbalb in ber 
Iutfjetiitf)en ßctjrbitbung Bcricf)oUcn i)t. ^a* ge^t jo lueit, baß 
(olc^en, roeli^c in öcjoiibeccv Ue&ereinftimmung mit bcn ininboli^ 
jdieii SiicE)ern bcr Iutf)erifrf)en ,^t^c äu ftetjcn meinen, cä gcrabeju 
unwetftänbltcft geworben i(t, luemi in jener ßom&inotion bieSiorm 
ber Jröniniigfeit anfgejeigt tüirb, auf meiere cö (infommt. Vian 
löfet ja bcn Sfficrt^ jener gunctionen gelten, unb roenn nioii lDtr!= 
(am prebigt, )o empfiehlt man fic nnb nicl)tä anbercä. StUcin ic^ 
bin Don einet ^üHc Don Sinnicnbungen auö bcr Sliific^t (lerunä 
t)etmgefuc^t roorbcn, bafe jene S^eiftungen, nliJ ctroae firf) düii 
iel&l't Mrftetjenbeö, ber Srgänjung unb 9?crtiefung bcbiirften nTib 
bafe ein „unmittelbares pcrfönlii^GiS 3Scrt)üItni6 ju St)ri(iuö", ein 
„ftider Umgang ber Seele mit bcm^eilanbe", ein „ÜSerfcIjr beS ®e= 
beteä in gtage «nb ÜInttuort" nötl)t9 (eien, wenn mon für einen 
OoDftänbigeu (Sf)riflen gel)attcn merben )oü.. ^dj tann md)t umf)in, 
fc^o« bei ber rein gefdjic^tlidjen ©röttening, bie iii Ijier aufteile, 
bicfe 3nftan;( ju 6crii[)ten, weil id) bie Srfalirung gemacht i^abe, bafe 
tein gefd^icijtlitficr Seric^t unb feine Slrgnmentation nuä ^eiliger 
©t^rift unb ionftigeu Sc£)rurfunben bou bcnen l)ead)tet mirb, 
lDeI(^e in jenen gurberungen tial&mqftife^er ober pictiftifcljet gröm' 
niigfeit fidj jelbft genugtl)un. 3c^ cctläre beg£)alb, um aut^ nur 
für meinen gcjc^it^tticfjen Seridjt freie Öaljn ju geroinnen, bafi 



348 

tDcbcr bic Urfunbcn bc§ 31, %. no6) bic ber SReformation bed 
16. Sal^rl^. bcn bcjctd^neten Spielen ber ?ß^antafie ein SRed^t in 
bcr cüanflclifd^en £ird^c öerlci^en, bafe fie öielnief)r nur bie öer* 
bünnte SBieberl^oIung ber mittelaltrigcn 5)eöotion finb, tpeld^e fid^ 
an bie aHegorijd^c ^lu^Icgung beö §oI)cnIiebeö anlef)nt. 

3n bcr ?lpoIogie bcr Stug^burgifc^en Gonfeffion erHärt 
SJiclanc^t^on, bafe bic SRed^tfcrtigung bie ©ünber, tpeld^c al^ 
fold^e of)ne @I)rfurc^t unb o^nc SSertrauen gegen ©Ott finb, baju 
Bcfäf)ige, bic ®ebotc ber erftcn 3;afel, njeld^e über bie SBemunft 
gelten, ju erfüllen, scilicet vere timere deum, vere diligere deum, 
vere invocare deum, vere statuere, quod deus exaudiat, et 
exspectare anxilinm dei in morte, in omnibus afflictionibus, 
denique obcdientiam erga deum in morte et omnibus afflictio- 
nibus, ne has fngiamus aut aversemur, cum deus imponit 
3nbem SKcland^t^on fid^ für bieje Seiftungen auf bic erfte Safel 
bcÄ 3)cfalogÄ bejielit, üit er eine fnf)ne Umbcutung; er trifft 
aber hierin mit ßutf)cr'§ ®rllärung be^ erften ©ebotcö im ©roßen 
Äated^i^muÄ fo öoüftänbig überein, tt)ie biefe (Erörterung beutlid^ 
bic SSerfötinung burd^ ßl)riftu^ öorauöfefet. Unb inbem 9Kelanc^* 
tl^on in biefem 3wfön^^^"t|angc bie Slu^brüde regeneratio unb 
iustificatio ald f^non^m gebraucht, fo l^at er bamit ben richtigen 
©cbanfen bejeid^net, \>a% ttjcnn man gemäfe ber 9ted^tfertigung 
burc^ (Sl^riftu^ ba^ ®ottt)ertrauen leiftet, man hierin ein neue^ 
Seben fül)rt, ujcld^e^ bem ©ünbenftanbe oljne ©ottöertrauen ent* 
gegengefefet ift*). SRun ift eö ein SSer^ängnife, ha% biefe praf* 
tifd^e3^etfbejief)uitg ber SRed^tfertigung in ben folgenben 
Sludarbcitungen ber Loci burc^ 9Kelanc^tt)on ebenfo ttjcnig mel^r 
jum Slu^brud fommt, tt)ie bic entfpred)enben entgegengefefeten 
?lttribute ber ®rbfünbe. S)a6 e^ auf baö ©ottDertrauen in allen 
Sagen bc^ Seben^ anfommt, ^at SKeland^t^on öor unb nad^ 
1530 gettjufet, aber er bringt eö in anbere SBcrbinbungen. 3n ber 
erften Stu^arbeitung bcr Loci (CR. XXL p. 174) nimmt er üon 
getoiffen SSerl^eifeungen ^immlifc^er ©üter im 91. %. Slnlaß ju 
bcr ©e^auptuug, bafe auc^ biefe fic^ auf ß^riftu^ bejic^en unb 
in i^m erfüllt toerben. S)er ©laubc an C£f)riftuö fei baä Crgan 
aud^ für biefen ©rtoerb, infofern alle ©laubigen tt)ie G^riftuö 
tönige feien, mit Sesie^ung auf SRöm. 8, 38. 39; 1 Äor. 



1) Apol. C. A. I. 14. 26; II. 8. 18. 34. 35. 45. 



34S 



, 22. 23 niirb ertlart. bo& ber ©taube fid) auf alle gnlle iiiifetc* 

Sfbend unb ©terbenö erftrccft, unb büß er ben ttc^ttgeit ©cbrauc^ 

jebct ßrcatut in fid) fcf)Iie6t, mcil er bcö tjÖttÜcfien iföotjfloolleii^ 

fi^cr ift. SSJer ß^rifluS t)at, f)Qt ?([Ieä ; [jietin Ijängeii bie gölt' 

litten 3JeuI)ciBiingcii juiammen. S^iefe an Sutljcc'ö ©c^tift uon 

btr c^tiftlii^en Sreilfcit angelcljntc IsarfteUung ift in bcn fpfiteren 

Äuäflaben beS Öii^c^ iicrfd)iuiinbcn. 3n bcr btittcn ?tuSacbei= 

ümg (1543) [ommt bie©ad)e in ben loci 17—19 de spiritu cl 

litera, de calamitate seu cruce et de veris coasotationibus uor. 

Äbct ^ier roitb bie ipccifi(d) d)vift[id)c t'ebcnSmificfi t nur au bem 

L ffiorbilbc 3Jaüib'S nactigcwicfen nnb bcöl)al[i aii* bem (ictligen 

I ßkift, ni(^t ouä ber ^crföfinung burc^ C£i)riituä abgeleitet. Sfurj, 

r HRelandit^Dn ift feiner in ber Slpologte Dertretencn tärfenntnife 

untreu geroorbeu. 

Safe 3'''i"9l' i'if ^'^ Sebeutung bcÄ ©otfucrtroucuS ouf= 

merffam geroejcn ift, crgiebt fic^ auä ber SßJedifelbeiiieliung, in 

»Dcitfie er bie Öorfcliung ®oHeä ünb bie Srtöfung burc^ Gfiriftuä 

geftcHt Ijat (@. 185). Snbeffen läfjt er in biefer ^infirfjt bie 

. Sßräcifion Dcrmiffen, rocidje Siitfjcr unb 5Ketani^tl)on racnigftenä 

L boruberge^enb erreit^t l)a6cn. 3n feinem CommentariaB de vera 

■ et falsa religione betrifft bcr MrttEcI de religione, roeli^cr bem 

iäe religione chriBtiana borange()t, ni^t bie Staturreligion im 

Unterfc^iebe Don ber püfitiücn, fonbctn bie fubjectioc djrifttic^e 

ffletigion im Utiterfc^icbc uon il)rcm näc^ften obiectioen ®runbe, 

ber ®r(ö(ung burrf) GljriftuS. ^ier wirb nun bie fflcbeutnng 

©ottcS fd)on in bcr Definition bet ^Religion batjin bcftimmt, ia.% 

et als iai ^Öc^fte @ut bie ©ntfc^äbigung für alle Sorgen unb 

Uebel, ober beren SScrroenbung junt SäJo^le ber ©einigen Derbürgt '). 

3u biefem Umfange alfo roitb bie SIncttcnnuug Sottet alS beS 

ffiatcr^ au^gebe^nt; in bemjclben ©inne ge^t aii& bem S^eüi' 

. glauben baä @ebet ()ert}or, ba§ (^eiptäi^ mit ^ott ali bem 

»Äater unb bem äUDctlüffigften .Reifet in aüen Slugelegenl)cttcn*). 



I 1) Opera Ilt. p. 17S; Ea adhKMio, qua deo utpote solo bono, 

qnod solum Berumnaa noatrsi sarcire, mala omnU avertere, itut in glo- 
riam sakin auorumque uaum converti-re »oit et polest, iuconcuBae fldit, 
eoque Pareiitis louo utitur, pietaa eat, religio est. Cf. de Providentia; 

l_IV. p. 121. 122. 

3) III. p. 389: Oratio hoc colloquinin eit, quod ex fide cum deo 

|.liabeB, tanquam uum patre et tatiisimo oertiaiirooqne opitnlatore. . . . 



350 

SBie nun l^teburc^ bie SJcUgion als aScItanfd^auung unb &ottc^- 
bicnft bcjeic^net ift, fo füflt 3^i"flti i" ^^^ ä"^* anflefü^rten 
3)efinition fogleic^ i^inju, bafe fie anä^ ber ®runb für ein nad^ 
bcm SBiUcn ©otte^ geric^tcteä fittlic^eö §anbeln fei"). 9)?an 
crfcnnt ja beutlid^, bafe in biefen ©cftimmunflen bie ©rlöjung 
burc^ Sf)riftud toorau^gefe^t ift unb ben ©runb für bie SÄögltc^^ 
feit unb äiid^tigfeit biefer SESeltanfd^auung unb biefed ©otted^ 
bienfteö abgiebt. aber bircct ift eben biefe Seiftung nic^t Don 
ber SRec^tfertigung burc^ G^riftu^ abgeleitet, hingegen Salöin 
läßt beutlic^ erfennen, bafe bie ÄugSburgifd^e Sonfeffion XX. 24 
i^m im ©inne liegt, inbem er nur ben für tt)irfUc^ gläubig erflärt, 
qui solida persuasione deum sibi propitium benevolumque 
patrem esse persuasus de eins benignitate omnia sibi polli- 
cetur, .... diabolo et morti contidenter insoltat. — Deo 
propitio nihil boni deesse potest (Inst III. 2, 16. 28). 

SEBaS ift nun au^ biefer Srfenntnife im Saufe ber ©efd^id^te 
getoorben? SBenn man äunäd^ft bie ©c^ult^eologie barnac^ fragt, 
fo läfet fie überall bie Sead^tung ber ßombination üermiffen, 
toeld^e au§ ber Sonfeffion unb ber Slpologie nac^gett)iefen ift 
3Ba§ bie Sel^rtitel betrifft, unter benen 9ÄeIanci^tf)ün menigften* 
bem SBertl^e be^ SSorfel^ung^glauben^ unb ber ®ebulb im fieibcn 
geredet toirb, fo f^at jttjar SSictorin ©trigel, fein ©d^üler unb 
(Kommentator, fie aufredet erhalten ; allein bie 9ludfüf)rung ber* 
felben ift froftig unb fal^t unb Derröt^ einen öollftänbigen STOam 
gel an religiöfem SSerftänbnife ber 2]^emata unb i^re^ gegen* 
feitigen ä^^fö^^^^n^ongeS. 8(uc^ ßeontiarb §utter l^at nod^ 
bie 3;itet De cruce et consolationibus unb De invoeatione. 
3n jenem fann er nic^t uml^in, auf ben a?orfef)ung^glauben jurüdE* 
jugel^en, ber aber aud^ nur auf biefen 2(nla§ jur ©prad^e f ommt ; 



Oratur igitar, cum mens deo accedit, quum loquitur cum illo, cum ex 
fide sincera opem apud ipsnm solum quaerit. . . . Adoratio igitur ni- 
hil aliud est, quam certa in misericordiam dei fiducia. Ex qua deinde 
provenit, ut ad eam in omni causa venias ac obtesteris. 

8) III. .p. 175 : Ut enim, qui sie animati sunt, deo tanquam pa- 
rente utuntur, ita e diverso sollicite ac sine intermissione relegnnt, 
tractant ac considerant, quibus ei rationibus placeant. Pietas ergo illic 
certo esse cognoscitur, ubi Studium est iuxta voluntatem dei vivendi, 
nam istud absoluta quoque pietas inter parentes et liberos requirit, ut 
filius aeque studeat patri obsequi ac pater prodesse. 



3.-,l 



I 



bau &ibct bcjiriiiibet er niif bns ©cbut Qoltc^, itnb Weift iiidjtä 
meljt Don feiner jpeiiiiidien SinEnupfiing au bic 9Jeiiöl)nun9. 5ßori 
ba an Derf^ioinbeit ouc^ biejc Itjemata auö bec i^ftcmütiirf)eii 
X^eologie Der Üulficroncr: fc^on (£E|eniin^ itnb Jgiiiniiiii* fiateii 
fie nid)! mcEiv! Sofiunn Öerljarb erörtert bic SBorie^iing nur 
unter bem 'iöcr^ältnift ®uttc* ^iir Sfijelt, alfo qIc einen Xl)eil ber 
natürlichen 3;f)eDfi)flie. Ter ©pruf^ beä 'ißanlud, bafe bcn 5ri)m> 
mcn nlleä ä""" öcft^n bient, njirb oon il)in nur jur fiöfung bct 
%xaq,c beige&ract)t. wie Wott bic ©ünbc .inlaffcu tünne; roorin 
^m fceiltd) 9(ugii)tin nnb fiutlier uoranflcgangen finb. "Sie 
tDic^ti()c iBetjauptunf;, baß ben ^länbigen bae Ucbct nii^l f^ur 
©träfe, fonbem sutSweljungunb Erprobung gercid)t. nielcfjc nur 
im ©touficn bcS9Jerföt)iitcn ou bie SSorfcbung if)ren Crt öat, loirb 
aU eine beiläufige SÜftinctiou bei bem 9)e()riff ber Strafe für bie 
©ünbc Dorgetragen ! Gnblid) fe^t er, gemäß ber ©tellung ber 
ße^rc als einer nllgemcineu üerniinftigeii Stteimtiiift, bei bem 
natiitlicficn ätien([t)en, aljo bem ©üuber bic ga()igfeit uotnuS, nuf 
®ott ju tntraucn uni ju Ijoffen, reelle burc^ bie ?lu3stnirgif(Sc 
Sonfeffion bcmletdeu bitect nbg([proil)cn luirb '). Unb biebci ift 
e« üi ber fogcnannten reittflläubigen Iljeologie ber Suttieroner 
geblieben. S)en fönmb für biefc Sierfihnmcrung ber lutiierifc^en 
i)ogmatiI finbe id) in ber 9BeTtf)Iegung 3nelanc(|tE)on'd auf bic 
©laubenäortitel olö boä .'pauptnicrfmal ber JEirc^c (@. 260). 
3ene ©laubeneifunctioiicn finb eben feine ©laubenäartifel. ®eS^ 
^olb ift büÄ Sntereffe an il)nen fdjon bei ©trigel uic^t mef)T ein 
fubjecliDe^ ; be^tjalb I)at fic ber 3HeIan^tf)onianet G^emni^ anö 
feiner ^arfteüung ber loci theologici ouSgcftoijen ; beöEialb ^aben 
auc^ bic Slot^folgcr .'^ntter'* ftc^ in bicfer §infid)t bem 9?orbilbe 
beffelben cntjogen. 9(iic^ bie 9?oc^fo[ger Saluin'ä bleiben alSbatb 
l)intcr ber religiöfen Se^anblung beö ©egriffs ber göttÜdien 9Jor= 
fe^ung äurücf, in bem 5Wa6e, q1« fie bie ^^räbcftinationSle^re in 
jenen Söcgtifj hineinarbeiten. Sluct) bie Seljre Dom SeibcnSfteus 
unb Dom öebet DerfoUt bei i^ncn feljr balb in unfrnditbaren 
gormaliSmns; allein bie tlieologen beä 16. 3al)rl)unbert* Ijaben 
luentgftenä biefc ^^ematn bee fubjectiDen ©(nnbcnälcbcnä noc^ 
in SBetroc^t gejogcn ; bei ben fpötercn fallen fie qu§. Unter biefcn 
tagt nur Slmefinä eigen tl)ümlict) fietDor. 3n feiner i'etjre Don 



1) 1.0 



i VII. ¥A. Cotta tom. IV. p, 52. 90. 13(i. 



352 

ber ?lboptton Hingt bcr Xractat fiutl^cr'S toon bcr d^riftlid^en 
3rrciftctt an, frctlid^ in ber objcctiöcn S^ffung bcr ©ebanfen, 
tueld^ fo xmt öon bcr urfprünglid^cn Gonception bcrfclbcn ab^ 
ftcl^t unb nid^t ol^nc ©inmifd^ung Don grcmbartigcm *). 

S)ic Ä^fctif in bcr lutl^crifd^cn Äirc^e ^ält bic 5""c^ 
tioncn bc§ @ottt)ertraucn^, bcr ®cbulb unb be* ©cbctcS in (S^rcn. 
Snbcffen fcnnc id^ nur @incn, »cld^cr mit i^rcr Ableitung au^ 
bcr 3tcd^tfertigung burd^ ben ©laubcn bcfannt ift, unb beren 
Scfi^ jjugleid^ an bic ©pftcnj in bcr fiirc^e anhtüpft, tt)cil er 
übrigen^ mit Sutf^cr barin cinDcrftanben ift bafe man ©ott nur 
au^ feiner pofttiöen Offenbarung in 6I)riftuÄ erfennt, unb an bcr 
fogenannten natürlid^en ©ottc^erfenntnife nur einen unabläffigen 
®runb für 3^^^^ ^^^ ©orgen fid^ üerfd^afft. S)iefer 9Kann ift 
©tep^an ^ßractoriu«, ^aftor ju ©alämebel (1536—1603), 
SSerfaffer einer großen 3^^^ Heiner Sractate, in benen bie 5^eu* 
bigfeit ber SBcItanfd^auung einen cigent^umlid^cn 3leij ausübt*). 
3^m barf au^ ber reformirten Äird^e 5ßeter S)umouIin bcr 
3üngerc jur ©eite geftcQt toerbcn*). Uebrigen^ ^at 3o^ann 
Ärnbt in bem jtociten Sud^c be« „3Ba^ren Sfiriftcnt^umS" afie«, 
toorauf cd im cDangcIifd^cn S^riftent^um anfommt, in jiemlid^ 
f^ftematifc^er S!)arfteQung cnttDidEcIt, unter bem an Suttier erinnern* 
ben ©cftd^tÄpunft, bafe ein gläubiger Sl^rift ein ^o^er SWame über 
aQe SBcIt, aber ein toal^rcr S^rift im Seben fein ber niebrigfte 



1) Medulla I. 28, 18. Fideles assumuntur quasi in familiam dei, 
ut sint eiu8 domestici, i. e. nt sint semper sub paterna tutela dei, ab 
ipso pendentes pro enutritione, educatione et conservatione perpetua. 
25. Fructus adoptionis primus est libertas illa christiana, qua fideles 
omnes quasi manumissione liberantur a legis, peccati et mundi Servi- 
tute. 26. Secun'dus, quod fideles dignitatem Christi participantes sunt 
etiam per ipsum quasi prophetae, sacerdotes et reges. 27. Tertius 
quod omnes creaturae et quae per illas fiunt, vel subiiciuntur fidelinm 
dominio et usui puro, vel ministerii munere funguntur pro ipsis, vel 
oedunt saltem in eorum bonum. 

2) 9(4tunbfiinf)i0 . . . XxaMtlnn, ^rauSgcgebcn burc^ 3o^. ^mbt. 
2 Siedle. Lüneburg 1622. Opuscula Praetoriana selecta cum praef. I. C. 
Meurer. Soltquellae 1724. ^gl. (Sofod, 3ut ®cfc^t(^tc bcr eDangcIifc^en 
adhtif^en Literatur in S)tutf(^Ianb. 93afcl 1871. 6. 1—96. 

3) (EanonicuS ^u Canlerbur^, geftorben 1684. 9[uf bcffen Traite de 
la paix de Vkme et du content ement de l'esprit, Amsterdam 1675 
fomme i^ im britten IBottbe prfid. 



353 



I Käme ift Hiap. U). SU'ev bo tjifcin fidi bic 'SoiJpdfkUung 

: <£t)riiti felbft raiebei^olt, erlaubt SIriibt ;^n)eifmä§tg ju veifat)icn, 

tnbetn er bic Sel)rf uon Eemutf), @ebu[b unb (Sebet im Schema 

' ber 3tQt^a()mung 6t)rifti cntiüicteü. iDoe ift ein SRücIfall in bic 

mtttelaütige 2ßct^obe, lodere, iDcnii fie fttenfl genommen toitb, 

gerabt pr aierjnjcifeluiig an iliter 31näfüE)rbatfeit anleitet ; roä^tcnb 

bie ä)Iet^obe Üutljer'ä, alle notljroenbigcn Seiftnngcn ber 5römmig= 

feit bem iHeci£)tfertigun9§glau6en untcräuorbnen, uor jener ©efotjr 

I ^crt. 3n })Iafttjä)ct nnb uoUftänbiget SBeijc inirb bie eoangc 

I lijc^c grömmigteit burcJ) Sot)aiiii ©criöer'* „©eelenfc^atj" 

[ gCjcic^nct. 'Bie lc[)r^aftc Sßkifc, in rocli^cr bic *ßtebigten bicfe« 

IHanneä Derlnufen, beeinttöct)tigt aiid) nicf|t ben ©inbrutf ber 

l&benbigfeit, roclc^cn bie borgeftcUtcn Sejie^ungen bei ®otteö= 

liRnbft^aft «nb be* griebenS mit ®ott macf)en muffen. ^Denn in 

c ©otteäünbfifiaft ift bic l:E)eiina^me an bem 9ßrieftert()um unb 

I ftönigt^um H^rtfti entl)alten, in lueld^er bie gläubigen über alle 

3>tnge alö il}i: ©tgent^um Derfügcii. Unter ben Xiteln: ©ottec 

flSatertiebc gegen bic gläubige ©eclc, bic gläubige Seele ein ffinb 

®otted, ber gläubigen ®ee!e triebe mit ®Dtt, Jreube in Sott, bie 

®oM lobenbe ©eele, bie ®ott ergebene unb geloffene Seele, bie bemü= 

t^ige Seele, toerben immer luicber bie Sejietiungen bcö 9iovfc[iungS=- 

glaubend, ali bcS @egengetrii^tä gegen ^euj unb Seiben, baS 

©elbftgefüt)! bei Vertrauens auf @ott gegenüber ben Hemmungen bec 

©elt erüttcrt. Xie Segrünbung bieiet 9}feiEmaIe ber ©otteeifinbicfioft 

in ber 9{ed)tfcrtigung fonimt freiließ ni^t jur ©cltung. 9(n fi(^ 

begrünbet baS feinen aSoitourf gegen Scriuer: benn biefer 3«= 

(ammenl)ang ift eine t^eoretifc^c Sragc, beren ßöfung in bai ^re= 

bigtcn borauSgefe^t raerbcn fonnte. ßeiber nur mar ben It)eore= 

titem biefe grage längft abfianben getommen. Ucbrigenis bemeift 

bie t^üHc Uon 3"Derfi(^tälicbeni, loelc^c in ber luttjcrifdicn Sirene 

oom 16. bis iniS 18. 3a[)rl)iiubert gebic^tet morben finb, aud) 

oon folc^en ^ic^tcm, H)el(fte übrigen« uorljerrfc^cnb mittclalttige 

SRufter Don grümmigteit miebcv erneuern, baß bie üon i'ut^er 

buri^ bie JHct^tfertigung im ©tauben motiöirte !Hicf|tung bce 

©emiit^eä in ber nad) itjm genannten Sirene nufrei^t erl)aitcn 

Worben ift. 

?lber mannigfache S(f|roierig[eitca unb 9(ac^tl)eite Ijat eä 
bocf) ^m ^olge gcfjabt, bafe bie öffentlicije 8etire uon ber 
ffledjtfertigung nicf)t mcl)t in bie Sroedbcäietjung ju ber SBoG- 



354 

fommcn^cit bcö d^riftlid^en Scbcn^ geftellt tpurbe, lueld^e bie äugd^ 
burgifd^c ©onfcffion barbictct. Snbcm bie ©tcllung be^ gläubigen 
SRcnfd^en in ber ®elt atö cttpad bei feiner ©tcöung ju ©ott 
©leid^gütigeö bei ©eitc gejefet tourbe, bot bie ße^re öon bcr 
SRed^tfertigung bie Aufgabe bar, ba% man naä) bcn ©c^reden bcd 
@en7iffend in ber contritio fi(4 ber pax conscientiae unb ber lae- 
titia spiritualis blo^ in ber SSergleic^ung mit ®ott üerfid^em 
foUc, um ben ©nbrudt öon ber Öegnabigung ju erreid^en. ^ic^ 
mit toxxb eine Aufgabe grüblerifd^er Sontemplation eröffnet, toeld^c 
il^rer Art nad^ nic^t gelöft toerben fann, ober nur in einem untoiÖ^ 
{ommenen @rgebnig. S^ fommt nämlid^ ^iebei auf baS 3^U9ni§ 
bed ^eiligen ©eifted an, lueld^e^ a(^ göttliches d^^ugnijj t)on ber 
blod moralifd^en ®etoi6I)eit, als einer bloS menfd^üd^en SSer^^ 
mut^ung fd^arf unterfd^ieben toerben foU. 3Bie 3o^. ©erwarb 
gegen ©ellarmin ausführt *), ift jeneS 3^w8"'fe ö*>" ^'"^^ beliebigen 
©eelenregung baburd^ unterfd^ieben, bag eS nid^t extra verbnm 
dei auftritt. 5DaS innere 3^i^fl"i6 f^^^^^t überhaupt nur ftatt, 
fofem in erfter Sinie ber l^eilige ©eift in ber ge|)rebigten unb 
gehörten ©nabenöerl^eifeung fid^ geltenb mad^t; in biefer Suf- 
faffung öon SRöm. 8, 16 ift auSgebrüdft, bafe ber mcnfd^Iic^e ©eift 
fid^ lebiglid^ pafftö gegen ben göttlichen öerl)ält. ©oU aber bie 
anbere (öon ben SReformirten beDorjugte) ©rflärung gelten, bafe 
in ber Anrufung be^ SSatemamenö ©otte^ ber göttlid^e ©eift mit 
bem menfd^Iid^en toerbunben tt)irft, unb ba^ bemgemäfe bie ©e^ 
roiffen^berul^igung, ber ©ebetöeifer, ba^ lugenbftreben unb bie 
©ebulb im UnglüdE bie ©otte^finbfc^aft erprobt, fo ift aud^ biefe^ 
aHe^ nur erHärlid^ auS jener erften ©^ntl)efe, in toeld^er fic^ ber 
göttliche ©eift actit), ber menfd)lid^e fid^ paffiü Derl)ält. 2)er gaU 
t)on erl)eud^eltem ©lauben ttjiberlegt nid^t bie allgemeine Qntytx^ 
läffigfeit jeneS göttlichen 3^w8"iff^^^ ^^n müfetc benn auc^ an 
feiner toirflic^en 9Kenfd^]^eit jtoeifeln foöen, toeil ©efpenfter in 
menfd^Iic^er ©eftalt Dorfommen. SWun aber entl)ält ba^ geprebigte 
SBort bie ©nabenöer^eifeung im Slllgemeinen, alfo fann baö 
in if|m tt)irffame 3^W9"ife ^^^ ^eiligen ©eifteö bie ©etui^^eit be^ 
©nabenftanbeö nid^t im Sefonbern jueignen. SBa^- ©erfiarb 
l^ierauf antwortet, öerrätt) bie fd^tpac^e ©eite ber ortl^obojen 
SJarfteQung. §ier trennt fidft nämlid^ bennod^ ber ©ebanfe ber 



1) Loc. theol. XVII. Ed. Cotta tom. VII. p. 107 sq. 



SBortoffeiitiarung unb bcr be^ öeifteääciigniffeä ; unb mit ber 
Säerufung auf ik ouegejproc^ene ^eilägemiß^eit eincä 3ob, $au' 
luS. 3ol)aime8, iDoat (^et^OTb cä nur al3 mögtii^ ju bcljaiipten, 
bflfe bie ©laubigen i^rc§ ©laubettäftanbE* unb i^tet ®oItcätinb= 
fc^aft geluift finb '). Unb wenn er bicfc ©efjauptitng iiidbefoiibcre 
auf bie Sliifforbcrtmg bc* ^ßoutuS (2 Äor. 13, 5) begriinbct, bog 
man feinen ©taiibcnöftanb fiir fic^ erproben foUc, fo njirb bcimit 
bie pji)ii)DlD9i)(^c ©runblagc feiner Ilteoric alä unsiireit^enb 
erroiefen. Iier menfdjlicijc ©eift !ann in (einem 55*10^ fl* Viffi" 
gebockt Werben, ober man benft i()n al$ Dbjcct einer meci)anifc^en 
SSewegung o^ne (ein raefentlic^eä TOertmat be* ®cibftgefü^lss. ©oU 
aber eine bem ©elbftgefüljl torauSge^enbe SBeftimmtfieit bem nien[(^= 
liefen ©eifte eigen fein, \o mufe er fie in jenem fi(^ oneigncn. 
©DU be^hatb bie ®infprad)e bcs ^eiligen ©eifteS junäc^ft Dor= 
geftellt werben ol* bie Urja^e beä etitjpret^enben mcnid^Ii^en 
©elbftgefiidiä, jo ift fie büc^ olis wirnid) nur Worfteßbor in biefer 
gorm unb md) ben SJebingiingeii itjter ^Sctiöitnt. Dbcr foll baS 
^eugnife beS E)ciligen ©eifteö in ber aDgemetnen §eUättertünbigung 
entgolten fein, fo ift ti als ^'^ugni^ für boä beftinnnte ©ubject 
nur giltig Bermßge eineft ©tl)luffeö, ben bnö fubjectiüe ©flbft= 
beroufetfein noeft feinen bcfonbetcn Erfahrungen uolI,\icl)t. !3n 
biefer Sfü^tung nun bat bie reformirte DrlE)obofie bcä 17. 3Qt)r^. 
bie Sntfc^eibung getroffen, baft bcr ©laubige bur(^ einen 8t^Iu6 
au4 ber ijliatfadjc feine« ©tanbcnä feine perfönlid)e Jgcil^geroife^eit 
ber aOflemeincn ©nabcnucrficljerung für bie ©länbigcn untcrorbnct, 
oud^ inbem er feine (Spuren ber laetitia spiritualis, fonbern eine 
Irorfenfieit unb Slbfpannung feine« ©elbftgefüfjle« it)al)rnimmt. 
Trte Iwtfierifc^e Ifieologie t)flt fic^ ju biefem äus^f^önbuiffc nic^t 
bequemt, fonbern bie ^nforbcrung ber ©cfübl^ftcigerung bei ber 
6rfat)rung ber Sfcitfertigung ebenfo anfredjt crt)altcn, roic bie 
JInforbcrung ber terrores conscientiae in ber 9?cue. Xbatfätl)[ic^ 
freilittj bcjeugt baS SJerfafircn in ber fircE)lie^en Seid)tc unb Slb; 
foluHon, bü^ webet Don bcr einen nod) bcv anbem Stimmung 



1) L. C. p. 10»: Credentee in Chriitum non aolum in genere »ciunt 
Reparatam etse electis riUe aet«rnae hnereditatem , ted etiain in 
tpecie sciunt, sibi eani esse praeparatam ; illud nonint ex revelatioue 

verbi, hoc vero ex intemo sp. s. testimonio Ütique ergo vere 

(vedenMs scire possunt, sn sint in fide et an Chriatus in ipiis hiibitet. 



356 

ber entfd^eibenbe ©tbxanä) gemad^t tourbe, ipeld^er burc^ bte Se^te 
öorgcfd^ricbcn toar, S)cnn leine contempIatiDe Sc^anblung beö 
geiftigen Scben^ tft geeignet, eine allgemeine Sionn abjugeben. 
9hir am actiöen ©elbftgefül^I , tt)ie eö in ber ©teöung bcö 
Sroenfd^en jur SBelt öerläuft, loffen fid^ bie Söebingungen öott- 
jte^en unb nad^ttjeifen, unter benen bte religiöfen Siormen toirffam 
xotxbtn. 

3)ie 3^^f^Öu"9 ^^^ Setire öon ber SRed^tfertigung 
burd^ ben ©tauben beginnt alfo fd^on in ber Spoc^e ber 3lefor^ 
mation, unmittelbar nad^bem fie in ben grunblegcnben fie^rurfunben 
boQftänbig, b. f). mit ffiinfd^Iufe i^rer praftifd^en StbjUjedEung jum 
ÄuSbrudt gefommen tvax. 6ä ift ber gleiche gaQ toie mit ber 
lutl^erifd^en Äuffaffung ber Äirc^e! 3Ran übte ja nun ben Sor- 
fel^ung^gtauben, bie ®ebulb, ba^ &^htt alö bie SKerfmale be^ 
d^riftlid^en Seben*, o^ne ftd^ auf bie (Sntjd^eibung ber 3)ogmattfcr 
einjutaffen, bafe biefe Seiftungen ouö ber natürli^en Sieligion unb 
ber aQgemeinen ©eurtl^eilung ber 3BeIt entfprängen. ?lber man 
fonnte bie Seigre öon ber {Rechtfertigung nic^t me^r üerfte^en, 
loenn man nid^t jene grömmigfeit gerobe ol^ bie ^olge unb bie 
^obe ber SSerfö^nung burd^ ß^riftu^ fic^ jurec^ncte. Ober um 
fie aud^ nur in ber gangbaren unöoQftänbigen "iSeutung aU ben 
2^roft ber befümmerten ®ett)iffen in praftifd^er ©eltung ju erhalten, 
mußte bie ©efümmemife ber @en)iffen alö allgemeine Stimmung 
ber ©lieber ber lut^erifd^en Äirc^e njirffam fein. 2)a^ njar aber 
nid^t ber gaU, aud^ nic^t bei ber 9Ke^rjaf|I ber tf)eologifc^ gebil^ 
beten Sutl)eraner. ©ei ben SReformirten ergiebt fid^ biefelbe Xi)aU 
fad^e, inbem bie fiducia, toeld^e in bem reformatorifc^en Sefcnnt* 
niffe (Safoin'S ate bie ^orm beö ©tauben^ gefegt njorben tt)ar, 
in bie ©teQung einer jufäQigen B^Ö^be ^erabgebrüdEt tpurbe, tt)eil 
man öon ber gefteigerten greubigfeit, bie im 2)ogma auögebrüdft 
toar ober ju fein fd^ien, regelmäßig feine @rfal)rung mad^te. ?lu^ 
biefer Sage bed ?ßroteftanti^muö ift e^ ju erHären, baß man ^n 
ben bertaffenen 9K Otiten berS)eOotion in ber mittelaltri* 
gen Äird^e jurüdtgriff. S)iefe ©rfd^einung beginnt in bcmSul^er- 
tl^um toenige 3a^re nad^ ber g^ftfteüung ber ßoncorbienformel. 
©ner ber ©rften unter ben Sut^eranem, njeld^er bie ©ebet^üor« 
bilber toon Slnfelm, ©ernl^arb, ?ßfeuboauguftin tt)iebcr aufnahm, 
bie Sontemptetion ber Seiben^gefc^id^te ß^rifti auf ben gu& be^ 
3RittetaIter8 fe^te unb bie ^eitöorbnung nad^ bem @d^ema be§ 



357 



I ^D[)Cttliebfä etnri[f)tele, ift aJUcti» aKoUet '), ^ioftot p 'BpxoU 
L|au uiib ©örlig (geft. 1606). Sic 5"""^" ^^^ inbiotbuellen 
rSKflftit t)at äucrfl ^^iüpp Sitcolttt üi ^amtiutci (geft 1608) 
in ?IiiHKnbun() tiefest *). ?llä ber Sii^alt bcö ewigen Öcbenä, 
ju meinem bct ©lüiibiite gcgcniuättig tjualiftcirt ift, roirb Don 
i^m bie S^cceinigung bet ©eek mit ©Ott unter jol^en SDicrimalen 
cingcnoinmen, rocl^e bie gaiise SiorfteHuiig ttjeilö alä ftnnlit^ im 
ftötijftcii Stabe, tf)ei[S alä atoSmiftiii^ unb pantfjciffii^ crtennen 
[äffen. 3ni syetgleit^ mit biefer unio uiystica begrahitt Slicolai 
bie Üicc^tfertignng im ©(auben ju einer Slntöngäbebingimg, inbem 
er bie Sltlribute, meiere nad) [utöcriftftcr Setjre iiut SJec^tfcrtigung 
gehören, ^iktK nnb ^ifbc, Öiebe gegen beii Släc^ften, 3(nbetung 
@otte§, Hoffnung unb Streben nac^ bem Ijimmlijc^cn a*otcdnnbe 
erft als bie 93ittungen bct unio mygtica batftcüt, tüclcfie jelbft 
in ber ftimmlifc^en Srnutluft befte()t, bie ben Sierfe^t mit bem 
Sräutigom tSliriftuä begleitet. Siefc Seftre unb bie enti)jrcd)cnbc 
»^^rofiä i)"t nad) bem iOiafee ber il)mboü)clöen iBü(^er bet 
luttierifc^cn Slircf)c ai)ofn)pl); fic mac^t in ttjeotctifc^er §tn= 
ficl)t ber &l)re üon ber tRcdjtfertigung Soncurrenj; fte ift nur 
beSljalb aufgenommen unb fortge^jflonjt mocben, lucil man bte 
Mec^tfertigungStetjrc nic^t mcfjt (iraftifd) Derftuiib. 33eiter^in Ijot 
Sodann ?[rnbt, inbem et im britten Suc^e beä „SSobren Gljrt= 
ftent^umä" Xnulerift^e ©ebanfen ju reprobuciren nntcrna[)m, bie 
übertreibenbe unb bodi juglei^ abgeftumpfte ©eurtl)ci[ung bet 
©ünbe ole Stcnb unb ^ällic^feit in Umlauf gefegt, laeldje in 
bem äugcmutl)ctcn fflctcnntnife ber 9tid)tigtctt bie ©rensen jrail'c^en 
6teatürlid)[eit unb ©ünbe Quftjcbt. 3"(l'f'<^ &"' ^^^ ''•* quietiftifdie 
©eloffenljeit bti SßJiticn« in ®ott geleljtt, ferner ben broutüi^en 
Umgang ber ©eelc mit SI)riftnÄ alä bie eigcntlidie ^rnjiä ber 
Bnio mystica aufgescigt, wcltfic fc^on nai^ bem Slet^tc beä ®tou= 
benö, oljne ütsrefe unb Heiligung l)ö^crn ©rabeö, Don jebem 
©laubigen ju üben märe. Unter feinem (Sinflufe tft bie lutljerifc^e 
Äirrfie bnrt^ ben fentimeiitalen unb auf finnlid)e tjinbrüde gefteQten 
ßultuä ber i'eiben 6t)rifti unb butdö bie 3Wqftif occupirt roorben. 
"^r ^ietiämud, ber auS anbeten aJiotiuen entfprang, Ijat nic^t 

1) Meditationea naDctorum patrum. 2 £l)lr. @i)r1iB 1&84. 91. 
oquia de passione Iceu Chmtt. 1587. Myaterium miigiium. 1595. 

2) S'm^'fnipicflf' &CÖ migen 2ebtn9, Stonff. 1599. Theoria vitae 



358 

um^in gefonnt, bie SSereinigung mit @ott unb ben Umgang mit 
bem ©d^önften ber 3)?enf(i^enfinber al^ bered^ttgte gönnen c^rtft^ 
lieber $rQ£id anjuerfennen unb quiettftifd^ 93er}i(^tleifiung auf 
eigenen SBiQen unb felbftänbige fiebendentfd^Ififfe atö befonberd 
ttKtÜ)t>oUt ^ömmigfeit gepflegt. S)urd^ 3ini^n^<>^f ^nblid^ ift 
ber mtttelaltrige Sultus^ bed äJ^artermanne^ atö bie eigentlich 
Uebung unb ^robe bed SSerfdl^nung^glauben^ in ben ^orbet'^ 
grunb gerficft n)orben; allein bie 93efc^äftigung mit biefem SBilbe 
lägt bod^ auc^ er in ben Umgang mit bem er^ö^ten ^eUanbe aud^ 
Hingen, meld^er alle inbiöibueHen ©efül^tefpannungen, bie bie com 
tempIatiDe Srregung audmad^en, ju einer äft^etifc^en Sludgleid^ung 
bringen foll, aber in ben meiften göQen bie entgegengefefete ©mpfim 
bung ber S^rodEen^eit unb 9SerIa[fen^eit Iiertjorbringt. 3" ^>^^ 
®efoIge öon Si^ä^tt^^o^» "^^^ h^ ^^^ ^on Sut^er, gel)ören alle 
bie ÜÄitglieber ber lut^erifd^en ^rc^e, njeld^e über bie 9?orm ber 
d^riftlid^en SSoüfommen^cit in ber ?tu9öburgifc^en (Sonfcffion l^in* 
au^ nod^ bie g^tberung beö contemplatiöen Umgänge^ mit bem 
SSräutigam ber ©eele fteQen. S)ie Siogmatif in ber lut^erifc^en 
Äird^e ift ben früf)ften Antrieben ber St^fetifer al^balb gefolgt, unb 
l^at etwa feit bem jiueiten SSiertel be^ 17. Sal^r^unbertö bie fie^rc 
t)on ber unio mystica aufgenommen, nic^l n^tc im 9)?ittelalter aU 
eine ?lufgabe be^ fieben^, toetd^e nur unter ben fd^njierigften 93c* 
bingungen ber ?lÄfefe unb ber Heiligung ju löfen tt)äre, fonbem 
atö ein Slttribut bed ^eildglaubend, n^eld^e^ bemfetbcn ebenfo 
gegeben toäre, tt)ic bie SRed^tfertigung in 6t)riftuö. ©o getoife ift 
bieje^ eine apofr^p^e ße^re, aU auc^ bie Soncorbicnformel unter 
ber ©inloo^nung bcÄ breieinigen ®otte^ nur baöienige begriffen 
f)at, toaS ben ®runb ju guten SBerten abgicbt. 3lber tt>enn 
Duenftebt öon ber unio mystica bie greubigfeit ber Scben^ftim- 
mung, ßaloö bie SBürbe ber Äönige unb 5ßriefter abf)ängig mad^t, 
fo ^aben fie i^re formet in Soncurrenj mit ber Se^re öon ber 
^Rechtfertigung gefteHt, toeld^e an jenen 3Birtungen if)re urfprüng* 
lid^n SBejie^ungen l^at 

3n bie reformirte ^rc^e ift ber ©trom ber mittelaltrigen 
S)et)otion, bie S^enbenj auf bie inbiöibuelle 9K^ftif nad^ bem 
SRufter be§ ^o^enliebeS unb ber Quietiömuö fpäter eingcmunbet 
als in bie lut^erifd^e. S)er puritanifd^e Snbepenbentiömuö in 
©nglanb, banad^ bie ftrenge SRid^tung in ber reformirten Äird^e 
ber SRieberlanbe finb bie Iräger biefer ^^nn t)on grömmigfeit 




getDorbcn. Sit bcr iiiebetfiinbifdjcn Äird^e i^at bicie ©tfd^einunfl 
an bcn fircficnorbnuiigSntäfeiflcii ^^^rioatöeteuitgungen einen feften 
.•^tolt unb eine SBücfljf^aft i^rcr ^auet gefunben. 'Bie bciben tin- 
UPrragcnben Seiter biejer ©crocguirg ^tnb graiictä JHoue. ein 
©enoffc ßromlDclIö, unb^obocue üait t'i)bcnftel)n in Utrecht '), 
jener md) bem S^orbilbe bc§ (leiltgen Semtiorb baranf getidjtet, 
bofe bic ©ecle beä ©laubigen Sin ©eift mit ©Ott luctbc, biefer 
in bein ®elei(e beä CiiietiömnS bnrum bemüttt, bur^ formale 
©elbftDerleugniing bie lÖefäliigung jur actioen §eiligung jn ftQr= 
ten; bcibe weit bauon entfernt, ber Sc^rc Don bcr Rechtfertigung 
eine mafegebenbc öcbeutung für bie ^rofiä cinjuräumen. Unter 
ben ©c^ulttieologen freilief), roeli^e biefer neuen Slnregung folgten, 
ift bie 2ct)re uon ber 9terf|tfertigung ©egenftanb defonberer 3Iuf' 
merifamleit geblieben. %üt\n bei ^ermann SBitfinä fann man 
beobadjten, bafe bie fubjectioen 3"flänbe im ©laiiben baS ^öt)er? 
Sntereffc in 9tnfpnic^ nel)men, ali bcr 3nl}a[t beffclben. Sr ift 
in ber Unterfi^eibung jroifc^en tustificatio passiva unb iustiticatio 
activa gan^ redjtglüubig (@. 297), ?tber eä ift im Sinne bei 
ßonoenti(cli:^riftentt)um§, bafe er im ©lauten ©tufcn unter» 
f(^eibet, nämlicE) bie SrEenntnit; unb 3ufti"""i'"9 iui^ .^eilsleijre, 
bic yicbe ju bcren SBo^r^eit, ben .junger unb 3)Hrft nac^ Gt)riftu8, 
enblitf) bn« 8Iniief)men Sl)rifti alä ber .^auptfac^e, meldjeS ben 
ücrtroutcn SJerfefjr mit @ott unb bic gegcnfeitige 5reunbf(^aft 
eröffnet. S)iefe 2ef)rtDeife loirb jebocf) nif^t ber obigen Siftinction 
in richtiger SBeife eingefügt. S)ic '•■BoOenbung beS (MIaubeii« iit 
bem 3(nne£)men Sljrifti miifete ber 3:rä9er bct iustificatio activa 
fein, b. \). mit bem fnbjectiüen ©lanbenöact ber t)öc^ften ©tufe 
mürbe bas ©emufetfein jufommcntrcffcn, bofe man ju ber in Edrifti 
lob unb SlufcOücdung gerechtfertigten ©cmeiiibe gehöre. S)iefe 
öeftimmung aber überbietet SBitfiuä burc^ bic Slunol)me eineS 
befonbern SRcdjtfertigungänrttieitÄ über bcn "äScctti ber 
©iniguug mit Stjriftuä im©Iaii6cn. Sbcnfo behauptet SBil» 
tielm iflratet. ba^ racr bur(^ ba» Güttngclium an fö^riftuÄ 
glaubt, ulfo mit it)m wereinigt ift, burc^ ©Ott töotfac^Iit^ Qe-Kä^U 
fertigt roirb. 3)as SSeioufitfein ber Stei^tfertigung moc^t er aI(o Don 



1) Rous, Interiora reg-ni dei. London 1655; Lodensteyn, Be- 
icbauwinge van Zion, Utrecht 1678. 93dl. @ci<&td)Ii; bcd V<ctiSmue 1. 
€. 129 ff. 1&2 Ff. 



k 



360 

einem göttltd^en Urtljeil über ben 3BertI) be« ©lauben^ abl^äitgig, 
auf toeld^cr ©tufe immer fid^ berfelbe betoeflt *). S)arauf ift aucö 
^tiebrid^ Slbolp^ Sampe I)inau§flefommen. 3)aö l^eifet, ber 
^etiSmuö in ber reformirten ftird^c bref)t ben ©egriff ber üitdiU 
fertigung ba^in um, t>a% fie ein Urt^eil ®ottcS über ben ©lau* 
bigen ate fold^en, unb jwar unter ber Sebingung ift, bafe berfelbe 
fid^ burd^ toerfd^iebene ©tufen be^ ®lauben^ ju ber contempIatit)cn 
Aneignung ß^rifti unb bem f ortgefefeten Siebeöt)erfef)r mit bemfelbcn 
^inburd^gerungen i)at hierin aber ift biefe Stiftung bei bem 
®egent^eU öon bem angelangt, ttjaö bie ^Reformatoren mit bem 
gleid^namigen ©ebanlen gemeint I)atten. 

S)er ?ßietiÄmud in ber lut^erifd^en Sirene nimmt einen anbem 
SBerlauf. ^I^ilipp Sacob ©pener ^at feine gefd^id^tlid^e f8t- 
beutung barin, bafe er ben toerfc^iebenen Slrten praftifd&er grömmig:^ 
feit, bie er t^eifö öorfanb, t^eil^ abfid^tlid^ unb unabfid^tlid^ an- 
regte, bie ©jiftenäform ber Eonöentifel bargeboten l^at. aber er 
für feine ^erfon toax j. 85. für bie 9WetI)oben, ttjelc^e 3of). ämbt 
in 3Birfung gefegt l^atte, für ben SBerle^r mit bem ^Bräutigam 
unb für bie ttjeltflüd^tige ®elaffenl^eit be§ SBillend nid^t jugänglid^. 
ferner §at er bie Aufgabe be« Sufefampfcö afö einer Sebingung 
für bie ^eilögeiuife^eit ebenfo beftimmt oerttjorfen, njie er ein ©treben 
nad^ gefteigerter reügiöfer Suft abgelef)nt ijat ©ein nüd^terner 
®runbfa^, bafe bie 2tutl)entie be^ SRe^tfertigungöglaubenö burd^ 
bie ^nüt ber guten 3Berfe als SBirfungen ber 3iäd)ftenliebe erprobt 
n>erben foQe, ift aud^ nid^tö 9?eue§. Sllle S5ogmatifer lehren fo, 
unb ebenfo SKelanc^t^on in ber 9tpoIogie ber Stug^burgifd^cn ßon» 
feffion (III. 155). @g fd^eint aud^ nic^td Unöerfänglid^ered ju 
geben, afö biefe ßombination. ^Bein inbem ©pener ben ©runb^ 
ja^ praftifd^ ju mad^en unternimmt, ergicbt fid^, baJ5 berfelbe in 
gefefelic^e ©frupulofität fott)ie juglcid^ in moralifd^e fiaj^eit hin- 
einführt. ®ute SBerfe nämlid^ beftimmt ©pener alö S8er!e um 
(Sottet toiÖen. @^ ift aber im täglichen Seben gar nic^t leidet ju 
ermitteln, ob eine ju unteme^menbe ^anblung bicfcö 99?erfmal an 
ftd^ trägt; eine STOenge berfelben trägt öielmefir ba^ 3KerhnaI ber 



1) Witeius, Oeconomia foederum dei. Leowardiae 1677. Wil- 
helm a Brake 1, Redelijke Godsdienst. 1700. F. A. Lampe, Disser- 
tationes philologioo-theologicae. Amstelod. 1737. ^g(. ^efc^it^le bed 
^tetidmud I. @. 294. 824. 438. 






Snbiffctens an fid): um baffclOe aufsuficben tcbai-f ee al)o einer 
peinlii^en öeadjtung bcS Qtcfcgeä. Stiiberetfcitd wirb burdj bie 
mannigfache 3Säa^niel)mun9 Don ©iinbc bie ganjc Sfcc^nimg burd)= 
freuet: folt fie olfo bod) su SRec^t beiteljen, fo rnnft bie ©elt)ft= 
Derontroortunfl cingefdiränft nnb bie JiiDe ber Itcinen Unc&cn[)citcn 
„ber ©iinbe in meinem J^lcifcfic" ;^iifle(i^obeii rocrben, für bie man 
nic^t berantraortliffi ift ')■ ^te üdh gpcncr uurgefi^ricbene $robe 
bet SRct^tfettignng bient atfo bieimcfir },üx ä^rfefiung nlä jiir 
SSeiüÖfining bcr Sdc^c. SWan taiift^t auf bem uon i^m einge: 
fi^lagencii 9Scgc für bie in bcr Medjtfcttigung erftrcbtc cDattgdi{c^e 
grei^eit gefe^lic^c ©fvupulofitot otine 3'f' ^^^ ®ni'E, unb für 
Bon i[)r »orciuögefc^te fitllidie ©ttenge in bcr @clbitbeuttt)ei=. 
'Tttng ObetfIoc^lid)Ieit unb fia;rl)eit ein. STufluft §ermann 
Stande bat in 3lbnicid)ung won feinem OQteiIid)cn gteunbe fitft 
nid)t gefdient, ben Slufefampf atä bie ^robe bei SRcc^tfertignng 
im ©laitben, a\i bie üorau5get)enbe Seroäfirung ber Kec^tfjeit bcä 
älec^tfertigungäglaubeni^ Sor^ufd)tctben. ^icjc äRcl[)Dbe, meiere 
Don ber tljeologif^en 3f cnitot in ^oKe ali gemeinfamc 93ct|oiip= 
tung angeeignet würbe, if* ja nur bie Sciebung ber uon 9Belant^= 
tljon oertretcnen i?c()rc; unb bie ipaÜenfer meinten fie and) nii^t 
fowot)! in bcm gcfeßlidien, nlä Dielniettr in bcm eDangelifc^en ©inne, 
ol8 ©irtung bon ■'^ctl^glaufien '). §IOein bicfer 3?orbel)alt Eonnte 
bie äiflloff Ouälerei bnrcfi bif Prüfung be§ ©ünbenftanbeä am 
©efe^e nid)t ücrtjinbcni. "J^cnn lucnu bie Sufje wirtlii^ au§ bem 
©lauben abgeleitet icerbcn JdO, fo mnfe ben inbiüibiiellen S5et= 
Ijültniffcn 5rcil)eit getaffcn, unb au\ eine SJorfc^rift gleitfier a)?e= 
t^obe, loic im bortiegcnbcn Jall, syerj^ic^t geleiftct roetbcn. Sluis 
ben uerfc^iebenartigen ^Injäfcen Spenet'* unb Jrande'^ jut @rtito= 
bung ber Sici^tfertigung entspringt atfo eine 9JJctl)Dbe gefc^ilidier 
Sebenerid^tung, luelc^c in ilircr -(iellDfeii Sßcinlic^teit gctabe iai 
©egenttieit «on bem f)eniorruft tooö bie Sfiejotmatoren mit bcm 
@}ebanfcn bcr SHct^tfertigung auä: bem ©loubcn meinten. 5''"'^'^ 
loar für feine *Pcrfon ungeachtet feiner 3®eltffngl|cit geroiffermofecn 
ein §elb bee ©ottnertrauen«; aber feine ©^nlbogmattf ^at i^m 
We l£infid)t unmcig(i(^ gemalt, bag er in feiner Don ßut'ci^fid)^ 



1) SbeDlttflif^t »cbcnfcn I. S. 136*. III. ®. Ul. 11. S, 382. 392. 

2) Xljolurf. @f^)dii*ic tcS Motionaliänm^. 1. Slblfeilung (1865) 



362 

auf ©Ott getragenen J^atfraft bie ^obe feiner ^Rechtfertigung 
finben bürfe. ®r t)at beö^alb für fic^ bie ^robe an ben ©eltg^ 
{ettdgefü^Ien in bem Umgang mit bem 93räutigam gemacht. !Die 
bciben ^^ormen be^ 5ßieti§mud, loel^e in ber nieberlänbifc^-refor^ 
mirten ftir^e afe ber gefe^Ii^e unb aU ber eöangetif^e auf ein* 
anber gefolgt ftnb, entfpringen auf grande'Ä Slnregung in ber 
lut^erif^en Äirc^e a(Ä gleic^jeitige ©rfc^einungen. 311^ ein ®er* 
treter ber k^tem ?lrt unterf treibet fid^^einric^ öonöoga^f^ 
öon ben gefe^Iid^en ^ietiften ; aber auc^ er Ijat, beüor er fid^ bem 
SBeruf bed pietiftifc^en ©d^riftftellerS mibmcte, auö feinen Slnftrcn* 
gungen um gefüllte unb beutUc^ üorgeftedte ^eil^gen^ig^eit nur 
baö ©egent^eil baüon geemtet, wie alle, ttjelc^e jene^ Qxtl bur^ 
Sontempldtion erreid^en wollen. S)eö^alb ift auc^ bie ^alle'fc^e 
Ideologie in ber Set)re öon ber Stec^tfertigung auf biefelbe 93a^n 
gefommen, welche unter bem ®influ6 i^reÄ ^icti^mu^ üon SBit:: 
fiuÄ unb SJrafel eingef erlagen worben ift. 5n ber „©runblegung 
ber S^ogie" öon 3. 31. gre^lingtjaufen (1703. 14. Auflage 
1774) wirb junä^ft bie Rechtfertigung fo befinirt, baB ®ott einem 
wa^r^aft ißufefertigen unb ©laubigen bie ©crec^tigfcit S^riftt 
f^enfet unb jure^net unb um berfelben willen feine ®ünbc üer* 
giebt unb beren ©träfe erläßt. Snfofem auf ©eiten be^ ÜKenf^en 
ber ©laube Urfac^e ber SRed^tfertigung ift, fommt berfelbe nid^t 
ate lugenb, fonbem afö ©otteS SSerf in bem ÜRenfc^en in Se* 
trad^t. Aber freilid^ werben ber ^Rechtfertigung nur biejenigen 
wtrftid^ tl^il^aftig, welche in rec^tfd^affencr Sufee ber ©ünbe ab- 
fterben, unb bie SSergebung berfelben im Slute (S^rifti mit SSer- 
leugnung aller eigenen SSürbigfcit unb ©erec^tigfeit burd^ ben 
©lauben fud^en unb annehmen. S)ie ©laubigen fönnen i^rer 
Rechtfertigung gewife fein, infofern biefelbe nac^ ber Drbnung 
ber SBufee unb beS ©lauben ö auf bie SBürbigfcit beö üJ?itt= 
lerÄ begrünbet ift SJiefe« actiüe Ringen beö ©lauben^ mit ©Ott 
um bie ©ewife^eit ber JRed^tfertigung, welc^ed 3lnton unb 3oad^im 
Sänge *) in beutlit^eren ÄuSbrücfen behaupten unb forbern, finbet 
ßöfc^er") beffen öerbä^tig, bafe etwaö in ben©runb be^^tleö 



1) Antibarbarus II. p. 445: Fides iustificans in ipso etiam iustifica- 
tionis actu est viva et maxime activa ; fides facultates suas coniunctim ex- 
serit et quidem primum in iustifiatione ; lucta victrix inest fidei iustificanti. 

2) «gl. 5Kori6 t>on ©ngclliarbt, SSalcntin (gnift Söfcf)cr nadi 
feinem fieben unb %Birfen (1858). @. 179. 215. 




eingerechnet roirb, xoa^ nur jut Crbnuitc) bcffelben gefiÖct. Unb 
batiii fjQt et SHcdjt. Sic Sfe^tferttgung ift in btcfet ^JarftcÜung 
ebenfo itmt)[ olfi Snertennung bcii etfolgrei^en ©trebenä beS 
©laubigen inie oläi Uebertcugung bcä 2Bertf)cö Gfjtifti auf i^n 
geraeint. Unb je meftt ®erotrf|t auf bieS fubjectine SRingen um 
bcn (älanben gelegt roirb, um fo betitlid)er crfdjeint buS 9ictf|t= 
fertigung6utl[)eil ©otte« alh ^erttibeftimmnng bct ßeiftung bcä 
©iQubcnS. ^affclbe iRc)nItat errei^t nuf ber Saftn beü üdij 
SBeigel abftammeitbcn rabicnlcn Sßictiämuä 3oI). ßontab Stapel, 
inbem et b<i& JReditfctttgungSurt^it auf ben inncten ®el)otfam 
beS ©laubenö, bie gönslic^e 3lufopfetung beS Slbamifc^en ßcben* 
bejtetjt. 1)iefet dKüubenSgc^oriüin, iDctc&ct ben otfm ?Iufrict)tigteit 
untetnommenen ÖJcfcßloetten entgegengefetit ift, foU ton ®ott alä 
@eted)tigfeit ongctecftnet luetben '). 

49. Öä ift befonnt, bofe bie pietiftifdje fHi(^lung bet ^Qße= 
fc^en tl)Co(ogif(^cn gacultät fc^on iiac^ sroei Sßenfdjenflltcm Dou 
ber Stuftlütung unb bcm SKntionaliämuö abgelöft ntotben ift. 
S)a bie Xtäget ber le^tctn tijeologijc^en Jorm äöflliifif ^^^ 
^ietiömuä raatcn, fo ift eö aufecr ^lüeifel, bofe nic^t bloä in 
bem labicaleu ^ietiSmuä unb fird)Ii(^cn Snbiffeientidmiiä Don 
Jltnolb unb "Sippcl fonbeni auc^ in bem ißietismuÄ ©penet'fi^et 
©ucccffion bQö ©Icment bct StufÜätung lüiftjom tuat. Set 
niebetlanbifc^c *läietiömn§ nnb feine Stbfentet in be» reformitt» 
firc^Iic^en Gebieten Seutff^lantiö luerbcu jebot§ butcft bicfe 6om= 
binatiüu nidjt gettoffen. Sßielmcfit [jat bicfe SRic^tung it)te *(}räten' 
fion uoüflänbiger ÜRet^tgläubigtcit ftetä gegen bie Sfufflätung 
unb ben iHationa!i*rauÄ bcljauptet. Ser refomütte ^etiSmuäi 
alfo ift in ber öciiefjung Don bem in ber luttKnff^cu Äitd)e 
3)eutf(^IanbS rootjl ju untetfcftciben. Scr allgemeinfte ®tunb, boft 
bie nntnraliftifdjc unb rationoliftifcöe 9iid)tung in 
bct Ifteotogie fid) gegen ben übemotürti^en unb überlicfctten 
@[)aralter bet diriftlic^en SteligJon ergeben fonnte, liegt in bem 
auffäUigftcn tt|otfäd)Ii^en Srfolge bet religiöfen iBemegungen bcä 
16, 3al)r^unbertä, nämlit^ in ber me^rfadjcn 3Et!|3aItnn9 bet 
ffiirc^e im Jtbcnblanbe. 3>enn bie ©pultung bct Äitc^e üerminberte 

1) SSdn unb Ocl in bie tSunbcn bcS gcflÄiiplcn ^apftiliumS ber 
^rottftirtnben. Sammir. StJjriflcn I. ®. 324. 



364 

nid^t nur beren ©elDtd^t für ben (^ang ber Sultur, fonbem ^atte 
Qud^ cuIturtDibrige t^olgen, fofem ftd^ ber äicligion^frieg Qud ber 
Trennung ber Äir^enjKirteicn unb t^rer SJcrbinbung mit poHtifc^en 
SKäc^tcn cnöoideltc. S)iefe fd^liinmfte Art bc^ SfricgeÄ burd^jog 
nad^ cinanber granfreid^, ©cutfcl^Ianb, @nglanb. Unter bem ©in* 
brud biefcÄ UebcU unb in ber SSergegenmörtigung feinet Urfpning« 
entftanb nun gerabe bei ^erfonen üon feiner fittlid^er SnH)finbun9 
unb Don religiöfem @mfte ©Icid^giltigfeit, ja 2tbneigung gegen 
bie pofitiue bogmatif^e SluSprägung, n)eitcrt)in gegen bie I)iftorif^e 
©egrenjung beS ß^riftent^umö. S)ie SSerfc^ieben^eit ber bogma* 
tifc^en ®t)fteme ^attc nit^t bloö gelet)rtcn ©treit unb gefeDfci^aft^ 
lid^e äbfonberung, fonbem mit bem Kriege bie 3)emoraüfation 
be^ Sßolfe^, alfo einen bem Q^tdt ber Steligion entgegengefe^ten 
@rfoIg nad^ fic^ g^S^^gcn. S)er Srieb, eine 3tb^ilfe bagegen ju 
finben, begnügte fid^ nun aber nic^t, bie bogmatijc^ inbifferente 
Urform beÄ ß^riftent^umd aufjufuc^en, tpeil jebe Äirc^e mit i^rem 
SDogma berfetben ju entfpred^en üorgab; fonbern er rid^tete fi(^ 
auf bie Änerfennung ber über aDen pofitiöen ^Religionen ftel)enben 
natürlid^en JHetigion, weit man burd^ bie 2!^eoIogie aller Parteien 
auf biefe t^nen gemeinfame neutrale SBafiö l^ingett)iefen war. 
§ierin öoUjie^t fic^ eine eigentümliche 9?emefi^ für bie c^riftlid^e 
2^ologie. 3n bem adererften ©tabium berfclben I)atte man ber 
l^eibnifd^en Silbung ba^ Sf)riftentf)um burc^ bie Behauptungen 
empfohlen, baß eÄ bem natürlichen 3^9^ ^^^ SJemunft jum 
SKonot^eiömuÄ entfpred^e, unb ba^ fein @ejc^ fein anbereö ald 
baS natürlid^e ©ittengefe^ fei. (Sä ttjarcn freiließ ganj begrenjte 
pt)ilofop^ifc^e ©ebanfenfreife, ber fpätplatonifcöc unb ber ftoift^e, 
in meldten biefe SSorau^fe^ungen i^ren pofitiu gefc^id^tlic^en Ort 
tiaben. 9Kan übertrieb alfo ben Umfang it)rer ©eltung, inbem 
man fie afö Dbjecte be^ allgemeinen geiftigen SemufetfeinÄ be* 
l^auptete, unb man fe^te fic^ überbied über bie fpecififc^e SSer^ 
fd^ieben^eit jmifd^en ben c^tiftlic^en unb ben ät)nlic^ lautenben 
l^eibnifd^en ®ebanfen tiinmeg, inbem man i^re Jlnalogie aU effectiüe 
Uebereinftimmung betianbelte. Of)m ba§ biefe gel)ler entbedtt 
»urben, behauptete bie 2:^eologie beÄ SKittelalterd unb bie be« 
^oteftantiömuÄ, bafe bie öon ber fpecieHen Offenbarung noc^ 
nid^t berührte SSemunft unb Beobachtung ber SBelt benfelben 
Oebanfen üon ®ott l^cröorbringe, ben bag 6^riftentt)um mit fid^ 
fü^rt, unb bag biefer ©ebanfe, }uglei^ mit bem natürlid^en Be^ 




iDufeticin eine* Sebcii Dön bem (Seicpc ber Üick, bic ©ruiibloflc 
ber Itjeologie bilbe, s" loeldjcr bic Offenbarung nur befoiiberc 
imb ftövfete ©ürgid^aften be* §etIeS tjtnsufiiflc. 3!erbienen uom 
©tanbpanftc ber Ctt^obojic biejetttgen 3Jfäiincr einen 93omnri, 
nielcf)e jene natiirlitJ)cn ®runblagen aÜcr SReligion fitf) geniigcn 
liefen, nad)bem bic bejonberen !öürg(d)aften beö §eilcÄ niiö ber 
gijlllit^cii Cffenbotung t>en ?In(rf|ciu gelDunnen Ratten, bafe fie 
ijerabc jum Urtt)eile bet 9)Jenfc^cn gereiften? ©ie fpannen ja 
nur bic gtction lociter, butc^ roetdjc baS l£E)rifteutt)uni juctft leine 
oßgemcinc Scbeutung fi'ir bie mcnfcf)lid)e ßultut einleud)tcnb ge= 
inad)t l)ütte, bitrd) welche bonn bic ajErnunftgcmälöeit fcincä 
ibentiicft aufgefaßten Sn^altcä ii)iffenid)aftlicfi bcmonfttirt rootben 
loat; alfo bucftc hieran aut^ bie Sictnunftroibrifttcit fcincS gc' 
gefpaltctien SBeftanbeä erpro&t inerbcn! 

Süie erfte literarijctie Smpfefjtung beä ttjeologift^cn 9falura= 
liämuS noc^ in DerttüQter ©eftatt unternal)m unter bcm ©inbrucf ber 
franäöjifc^en MeligionStricge ber Mct^tägeletjcte 3oI). Öobinnä '). 
für feine ^ctfon JEatfjoIiE. 9luä feinem Silbungsfreilc ecfticit ber 
©nglänbec Sbloarb Jicrbcrt Don E^erburi) bie Anregung 
nur etften offenen fl)fteinatifd)en iDarftcUung beö 3nt)Qlteä ber 
SRaturreligion *), iüelcf)e in jeber pofitiDen Religion ben rocrtl)' 
DoGen flem bilben unb in jcbcr berfelben niannigfncf)e ©ntftellungen 
crfatiren Ijabcn foU. 3nbcm man aber bnrouf angcioiefcn wirb, 
jenen ftetn heraH^jufc^älcn, fo ergieiit fid), baß aUe Dffcnbarung, 
nnc^ lucnn i^r ^ortommen ni^t geleugnet roerbcn (oU, itberftuffig 
ift 5>er materiellen Xcnbcnj bieje* i^orgÄnger« entfpric^t bic 
ßiteratur, loeldie man unter bem ©efammttitel be« englijcöen 
^Smuö begreift, übgleid) fie, in ^inficftt be« formellen roiffen= 
fi^oftlirfien ©tanbpiinfteä, nidit mit i'wrbert ibealiftift^, fonbern 
mit §ob6e* unb fiodc (enjualiftifc^ ift. %Üm jene DiJpofition 
gegen bn* vofitiüc unb firc^lidje <5|)riftenti)nm läftt in ber Sict^ 
fcitigtcit ber Don ihr bearbeiteten XIjematQ beutlic^ bic 9!atur= 
religton §erbcrt'* atä ben geiftigen ©runbttjpu* aller ibrer Sijcn= 
bungen ertcnnen. Siefcr 3uffl""''fi't)ang lualtet beötjalb ob, meil 



1] Colloqniam bepUploi 



is de ftbditi« 



1 arcaiiis, Qt^ifiitbca 



2) De veritate. prout distinguitur n revektlone, a Teriaimili. a 
pOBBJbili et a faho. Paris 1624. De rell^ione gentiliutn, eorumque 
apnd eos caasis. London 1645, DoÜftflnbig Amaterdam 1663. 



366 

bte gleid^e SScranlaffung, nomlicl^ bcr abftogenbe Sinbrud bed 
Sleliflion^friegcö, bie äbercinftimmcnbcn SBeftrcbungcn tieröorgcrufcn 
l^t. SBic man burc^ bic ^^crfteßung bcr ©tuart'^ bcn Sicligion«* 
frieg ju @nbe braute, unb burc^ bie Sr^ebung 9S$i(^e(m'd üon 
Dranicn ber Smeucrung bc^ SicUflion^fricgcÄ öorbcugte, fo fu^t 
bie beiftifc^e Siterotur, meldte biefer Spod^e angel)ört, burc^ bad 
iKittel ber X^eorie ben @treit um bie Steltgion unmögli^ ju 
mad^en. S)er ipauptertrag berfelben prägt fi^ barin au^, ba§ 
baÄ Stiriftent^um auf bie 9?aturreIigion rebucirt mürbe, auö ben* 
felben Sßoraudfe^ungen, benen gemäfe bie Ort^oboyie bie Sbentität 
beiber in ber umgefe^rten gorm bel^uptet f)attt *). S)ie beiftifd^c 
fitteratur ift bad ^obuct öon.Saien, unb ift an fic^ fird^en* 
feiitbli^. Aber glei^jeitig mit i^rem SSerlauf njirb bie anglico:^ 
nifc^e Äird^e öon ber (atitubinarifd^en 2^^eoIogie betjerrfd^t 
tüeld^e mit öortpiegenber ®(ei^giltigfcit gegen bie SDogmeu bie 
SRoralität aU ben Qtoed unb bie ^robe ber SReligion pflegt. 
3n fd^ärferer 9ludprägung {am bie Slufflärung^t^eo* 
logic in ber lut^erifc^en Äir^c 3)eutfc^Ianbd jur Geltung. 
2>enn S)eutf(^Ianb toar burc^ feinen SOjä^rigen äteligiondfrieg 
ärger jerrüttet toorben, atö ^ranfreic^ unb @ng(anb burd^ i^re 
gleid^artigen ^imfu^ungen, unb ^eutfd^tanb n)urbe nic^t tme 
jene Sänber jur felbftänbigen unb energifd^en politifd^en (Sfiftenj 
gefamme(t, fonbem erfuhr unter ber unbraud^bar unb unwal^r 
getoorbenen gorm be^ römifc^en SReid^^ feine üottftänbige potitifc^e 
^trfe^ung. (£in t)auptfäc^(id^eö Organ berfelben ift bie Slu^bilbung 
bed SRaturrec^tÄ ate SBiffenfd^aft unb bie fortfc^reitenbe 9lufna^me 
feiner Änfc^auungen burd^ bie ©ebilbeten. 3)enn barin üoQjiel^t 
fi^ auc^ bie Äblöfung ber ©itte t>on ben alö unjureic^enb er* 
fannten pofitiö gefc^ic^tlic^en Sinrid^tungen unb Äuctoritätcn. 
Ate ber Änfütirer biefer SRid^tung ift S^riftian 5;t)omafiu* 
befannt, metc^er nid&t b(oÄ bie njiffenfc^aftlic^e 2tuf gäbe be^ 9?atur* 
re^td in allen möglid^en Folgerungen, j. S. jur ©rfd^ütterung 
be« SnftitutÄ ber @^e unb jur SSerfd^iebung bc^ SBerI)äItniffe« 
jtoifc^en ©taat unb Äird^e in ben ^^erritoriali^mu^ au^gefül^rt, 
fonbem überhaupt bie SBeftimmung be^ SWenfd^en jur ©tüdEjtligfeit 



1) Tindal, Christianity as old as the creation, or the gospel a 
republication of the religion of nature. London 1730. Chubb, The 
trae gospel of Jesus Christ asserted. London 1788. 



367 

, bem Sinne ;iroclaiiiirt Ijat , buß ber SJugen bcS irbii^cn 
E^en^ bni i^ortiitt geiDaiiii. ®etitc reltgiöfcn uiib ttteologifcijcn 
tbericugiingen waren frciüc^ immer noi^ pofttiD genug, ober 
1 in bicfet Jptnftdjt lüfit er eine sUeronberung nod} bcm SWoß' 
tabe ber gejnnben Vernunft ermnrlen, bie er nidjt btuä als 
Btffenfc^oftlii^cn ©runbfa^, (onbem in oUcn SSejictjungen i'eincö 
. dffentlt^en Seben^ gcltenb machte. %i)oiud ') be^cic^net it)n al& 
bie perfoniftcirte Slufftärung. 

'Die auftlärung in retigiöiet Se,vel)ung, lüeli^c I[f)on biefer 
ajfann anjdianlic^ rocrbcn lofet, fonnte bie Iiitljeriic^e Stird)e in 
Ileutftftlünb bc«l)alb faft uollftänbig occuptren, roeil bai SBettnifttfein 
bon ber religio Jen iScbcntung ber Sirene nirgenbiöo ji^roäcfter 
Quägetjrägt ift, als in bcm SSerlaufe ber ©efc^ic^te be* fiutl)ertt)umä 
im 17. Satjrft. 5"'^ bie Xtjeologie genügt cä nic^t. bafe btc birccte 
fiefjre non ber SÜrdje in bcn gönnen fortgepftnnät loirb. nietete bie 
^ug^butgift^e Sonfcffion uovfd)rie6, ^cren jiebenter 9lrtifel nämlic^ 
ift jIDOr bie normale aber babei feine bollftänbige i&arfteUimg be& 
für bie Geologie not()menbigen 93egrtff& ber ftirt^e. Knbererfcitä 
befolgten bie anillt^en SJertreter ber Slir^e in ber ^rojiä ganj 
iinbere 3)ia§ftQbc. alö welcEje in ber tSonfcffion gemeint uiib aui- 
gefprot^en roaveii. gür bie üaien alfo tarn nid)t (omoftt i^v 9ier= 
^ältnife ,\ur ©cmeinfdjaft ber ©laubigen, i'onbern nur i^re Unter- 
werfung unter bie Stcdjtisgenialt ber £el)rcr unb ^aftoten äum 
söcronjjtiein. &n Gicgen gewicht mürbe rcirffam geworben fein, 
roenn bie 3S}ed)icll)c,Mel)ui!g ^^wifc^en ber a?er(DÖnung ober Stedit- 
fertigung be* Ginselncn nnb bem öeftanbe ber ©cmeinbe ber @Iqu= 
bigen nod) bem SSorgange oon ifut^er unb »on Srens (®. 209) 
in ber Se^re unb in ben iiird)entiebern '^lati gefunben ^ütte*). 
35flä Kar aber leiber nid)t ber ^ü. Twr ©ebanfe, ben id} in 
ber lulI)eTii(ften £el)rüberliefening oeoniffe, finbet nur eine tnbirecte 



» 1) fli[(t|l. Scbcn M 17. Sobrl). U. 6. 61—76. Sefd). bc9 tKaticnO' 

lattnu« I. @. 107-119. 

2) Sine tcmcrtrnämertbi: iluäna()iiic bauoit finbc ic^ in bcm Zktt von 
Bcift fflufd) (gtb. 1682 ^u Siibctf, acfi- aÜ ^oflov an bct ßrtujtiTdtie ju 
^annuuct 1744) .3?it SnmnqucU aUct Sirbc'. ^icr Eouimcii foIgcntK 6fl^ 
Bor: .Du licblcft bie Qknifinc uiib ma^lc)'! fic gauj reine »on Sünbcn bunft 
Um Bliil"; .5)ie olU 2uft kr eimbcn ()ilf iinS nun iilKtiuinbcn nlfl 
Sein rrlöftc Sdinov." 3» ber Cpodic bti ViriiSmuä unb ber bcgiimenbm 
«uflläning ift bitfc Deninng btt erieiuiiaöt^nl übtijti luirtlidi iibctraftftcnb. 



368 

Vertretung in bem ®runbfa(, bag bte 2^Qufe ben ©nabenftanb 
getoä^rletfte, unb alle ®ett)ig^ett ber (^nabe auf ben Sm^fong 
biefeö ©acrament^ ju ftfifeen fei. SBenn man fic^ beffen erinnert, 
bag bte Saufe otö ©acrantent nid^t 6Iod Organ ®otted jur 93e' 
gnabigung, fonbem jugleic^ aud^ Organ ber (^emeinbe ber (gläu- 
bigen ift, fo er!ennt man, bog bie SBert^fc^ä^ung ber Xaufe in 
ber lutl^erifc^n fiir^e unb bie SBa^r^eit, ba^ man nur ald @Iieb 
am fieibe S^rifti alle^ ^eil erfät)rt, einanber corretat finb. Aber 
eben biefe Kombination toar Den Sut^eranem bed 17. 3a^r^ 
^unberti^ toeniger gegenn)ärtig , aU man nad) ber (Geltung ber 
Äated^idmen Sut^er'd crtoarten follte. 3lnftatt beffen ifolirtc 
bie ^rebigt ben (Sinjelnen auf fid^ felbft, inbem fic i^m bie fbt^ 
fe^rung burd^ (^efe( unb Süangelium 5umutl)ete. 2)ie ^ter 
bed Äbenbma^tö tfolirte ben ©injelnen auf fic^ burc^ ben ©runb- 
fa^, bafe baS ©acrament im Unterfc^ieb öon ber ^rebigt bie 
®nabe ber ©ünbenüergebung bem (Sinjelnen ald folc^en barbiete, 
©er gemeinfame Äir^engefang mürbe in SBiberfprud) mit feiner 
JBeftimmung gefegt burd^ eine 3)tenge öon fiiebem, ttjeld^e in rein 
inbiüibueQer 93etrac^tung ber ^eiUt^atfac^en unb inbiüibueQer 
©elbftprüfung an benfelbcn öertaufen. Denn bie gütte ber Sieber^ 
bid^tung im 17. 3a^r^. ift ni^t fottjo^l burc^ ein Sntereffe an 
ber religiöfen ©emeinfd^aft bctierrfc^t fonbern richtet fic^ na^ ben 
SSorbilbem ber SDeöotion im SRittelalter, loelc^e kbiglic^ auf bie 
ifolirte Sontemplation be^ SKönt^e^ ober ber 9ionne geftcQt ift *). 
Aber biefer 3wg jum 3nbiöibualidmui5 ift in ben Äirc^cnliebern f d^on 
öon Anfang an ftärfer ausgeprägt aU ber Xrieb jum Sefennen 
ate not^menbiger gunction ber @emeinbe. 3""^ Seifpiel ift in 
bem gut lut^erifc^en alten ^annoöer'fc^en @efang6u(f)e*) unter 
allen Siebern jum g^fte ber ^fingften, an weld^em man bie Sr*^ 
innerung an bie erfte öffentliche ©elbftt^ätigfcit ber ©emeinbe ber 
©laubigen begef)t, ein einjigeS, njeld^eS unter anberem baran er*= 
innert, bafe burc^ ben f)eiligen @cift baS SSolf auÄ aller SBelt 
3ungen jum ©lauben öcrfammelt ift; bicö ift aber nur ber 8tn^ 

1) ^91. meinen 9(uffa^: (Sin Seitrag gur ^i)tnno(ogie ber beutf^en 
lut^rifc^n i^ir^e, in 8et)f4Iag'd ^eiitf4 = eüangel. S^Iftttem 1881. 
6. 93—103. 

2) S)QJfeIbc ift gwifc^en 1667 unb 1740 atttnai^Iirf) jufammengcftcllt, 
unb reprttfentirt bie ungebrochene lut^erifc^c ^rabition, ba nur ein geringer 
Xl^tl ber Sieber pietiftifc^r ^erfunft ift. 




ttflug nn ben mittcloltrigen ^nmnuä. Unb aucf) biefe Mnjpielung 
bleibt hinter bct fltunblegenben 3^ntfa^e ber ^fingftcii juiüd, 
ba§ bic (gläubigen eben in bem (Steifte ©otteö bte großen X^atax 
(Sottet, bte biircft Sl)ttftuä geübt finb, anerlaiint, gcptieien unb 
biirc^ biefeä actioc Setcnnen Dor frcniben 3^9'" 'l)Ten ^Iq^ in 
ber itSeltgcic^id)te eingenommen babtn. SInftatt fiuf bieies eteig= 
niß bejtetjcn fit^ otlc ^fingftlieber auf bic inbitiibuelle 9Biebet= 
gcburt, Srleiid)tung, ItÖftung butc§ ben ()etligen ®cift unb auf 
icinc objccttüe ©tcHung in bet güttlit^cn Tireieinigfeit. 3)ie Sieber 
aber, welcfie ftrf) in jenem ©ciangbutfie birect auf bte Sirene be= 
,jte[)en, fagen uun i^r ntci)t nicftr auä, al* bnfe fic biirc^ bai 
fflort öottcö unb bie ©ncramente gegrünbet, unb ba§ fie bie 
@clegenl)ett fei, ba^ göttliche SBort in ber ^prebigt ju tjöten. 

Tier 9(ntne& jum rctigiöfen 3nbiDtbualt6muÄ tft al}o nic^t 
erft burct) ben ^ietiämuS in bet luttjerijci^en Sir(^e enoecft roorbcn. 
MCerbingä fanb jcneä SIement in ber ISpoc^e oox bcm ^J3icti8mu6 
fein iSegengemicfit an ber tirt^Iic^en Sitte: bicfe aber bcftünb 
roefentlict) in ber Sfcgelmdfeigteit be« Stirc^enbcfuil]eö, ber ?lnroefeii= 
tieit bei bet *lJrcbigt, in ber regelmäftigen ©eicf)te unb ber XftetU 
nnfime om ©ocrnment, — ganj entiprec^enb bemjenigcn, nai bie 
(Siejangbu^sitieber uon bem 9Bertt)e ber Stirdic au^fagen. 3>ie(€ 
Sitte fjat im SSejentlic^en dutf) it)ren öcftanb befinltcn, al€ (rtjon 
lange bic ^tufftdtung in bie ©cmütftet eingc^^ogen mar; fie ^ot 
atfo nt^t bte ^aft gehabt, ben Um^c^iDung j^u bemfelben jn oet« 
tltnbern. 3JieImel)t tjat eiS bie SBirtntig beffelben offenbar be* 
förbert, bog bie ^eiioffcn ber fiitt^c nur biefe« SBeroufetfcin uon 
bet filtere tjatten, gcbulbige &örcv ber ^rebigt fein, unb beren 
3nl)fllt fic^ aneignen ju muffen. SBarcn olfo bie Xfieologen unb 
bie ^rebiger ju rationalifti|[f)en Uebctjcugungen gelangt, fu rcaren 
fic Mjebet für if)re eigenen ^erfüllen no4 burt^ bte SKücffi^t auf 
itire „3u()iiret" gefiinbcrt, biefelbcu amtlich ou*,\ufDrc(^en, i^amai 
roeiui bet 3tbftanb ber neuen tfteologifc^en Ueberjfugung oon ber 
friitiern biitt^ bic ©taoität ber fceIforgerIicf)en ^erfönli(t)teit für 
beibc Xt)cite übctwiegenb uerf)ültt luutbc. ®tne befonbere T>i«= 
pofttton jut ?(nfflärung ergab fic^ nun iniierljalb ber !Recftt= 
gldubigfeit felbft ou3 ber opologettfi^en Stellung, loel^e feit bem 
Anfang beS 17. 3at)tl). bie Ideologie gegen ben ?U^eidmuä unb 
9Iaturati*musi einnctjmen mußte. "Biefe Stufgabe niutbe fpctter 
burd) Spinosa, §obbeä u. 9[, no)^ nät)er gelegt. Siefe ^l)ilofop^en 



370 

trennten bod Slaturrec^t t>on ber natürlichen äieligion, totld)t bie 
ganje bidl^rtge X^Iogte ald correlat unb untrennbar be^anbelt 
l^tte. Snbem fie getoiffe ®rünbe ber fittUd^en ©efelligfeit afö angc^ 
borene 3bee anerfannten, leugneten [ie bie SSerbürgung berfelbcn 
burc^ bie angeborene 3bee Don &ott Um bie alte Kombination 
ju toa^ren, fal^n ftc^ bie rechtgläubigen X^eologen auf einen üer- 
ftärften änbau ber „Siatürlic^en 3;^eologie" ^ingemiefen, »elc^c 
t^nen als baS gunbament unb ber 9»a§ftab für ben 3n^alt ber 
Offenbarung galt. 6« ift eine allgemeine ©rfa^rung, \>a^ bie- 
jenigen ®ebanfen, für bie man fämpft, bie ^öc^fte Scbeutung ge* 
minnen. @d toirb bemnac^ nic^t jmeifelliaft fein, bag biefe ju- 
ne^menbe 93ef^äftigung mit ber natürlid^en Sinologie, bie bad 
erfte 3)rittel beS 18. Sa^r^unbertS auffüllt, bie Söcac^tung ber 
DffenbarungÄttieologie ^at jurücfftellcn laffen. 

©in birected SRotiö jur SlufHärung in ber lutl)erifc^eu Äird^c 
f^liefet ber 5ßietiÄmuÄ in fic^, unb ber Same bicfer SRic^tung 
ift gerabe fd^on bei feinem Urheber ©pener ju entbeden. S)er* 
felbe tiatte ja nid^tS tt)eniger als bie 2tbfic^t, ben Se^rbegriff unb 
ben 3"f^^^^i^^^nS ^ fird^lic^en Crbnungen ju fc^n)äd|en; fein 
3)ringen auf praftif^eS „red^tfd^affeneö" S^riftcnt^um, unb ba§ 
Organ, baS er bemfelben fd^uf, bie ßoUegia ober ©onDentifcl 
»arcn nur auf bie SSerftärfung beS lut^crifc^en Äirc^cnt^umS öon 
i§m beregnet. Allein fo grofe burc^ bie 83crbreitung jener Xenbenj 
unb biefeS 3nftituteS bie SBirffamfeit ©pcner'S gett)orbcn ift, fo 
l^at er baS, toa^ man in 3)eutfd^lanb ^ietiSmuö nannte, nid^t in 
feiner ^anb behalten. Siic^t einmal in bcm ßonuentüel ju granf- 
fürt t|at er Dermoc^t, feine fpccielle Slnfic^t öon ber SclDäl)rung 
beS ©laubenS burc^ gute 3Ber!c jur l)errfc^cnbcu 3Ket^obe ju 
mad^en; unter bem @influ§ eineS ?lnbcrtt ift in jenem Steife 
fentimentale unb grüblerifc^e ^eilSgcwife^eit crftrebt toorben, bis 
bie Separation Don ber Äirc^c biefe ©emcinfc^aft l)eimfuc^te unb 
fo gut wie jerftörte. S)er praftifd^e S)rang, tDcIcl)er bie ©enoffen 
jener (Sollegia erfüllte, bra^ t^eilS in alle möglichen firc^cnfeinb^ 
lid^en ©d^loärmereien auS, tf)eilS nährte er fid^ an SOJ^ftif unb 
SBö^me'fc^en ©pecutationen, t^eilS rii^tcte er gefefelic^e ©trenge 
gegen bie ^biap^ora auf, t^eilS Derlor er fic^ toicber in bie öe- 
f^äftigung mit bem taufenbjät)rigen Steic^e unb ber SBicberbringung 
aller Kreaturen. äQe biefe unb noc^ anbere Spielarten üon 
^ömmigfeit betoeifen, bag ©pener nid^t ^err über bie Don i^m 



371 



regte Serocgiiug btx ©ciftet gmcieii, unb bafe bcr „^ictiämirö" 
nid)ts rocnigcr an fid) trä^t alä ben Si^puä bei Ueber^icuguiig 
jetnes Urheber*. Stud) bcv itjm peiiönlic^ am nnc^ften fte^ciibe 
Stande üertritt in ber 'Jftcurie Dom Sii§!ampf ci'isn äliafeflab 
bcr SrÖmmigfeit, ber Spener'Ä änjrimmuiig cntbetjtte, 2lbet inbem 
©pener feine periönlirfje io(eran;v allen bicfen Derfii)tebenortigen 
Srfc^einiingeii gegenübet aufrecht erhielt, i»cltl}e me^r 3lnfnüpfungä= 
piinftc bei SBeigelianem unb ©(^roenEfelbianem tjolten olö in bet 
Sdjtc unb bi(il)cr' geübten Sßrajiä ber Iutl)etiic^cn iärtfie, \o 
betrat er mit feiner njcnigften* t^atjöc^licften Snbiffctcnj gegen bic 
»eri(f|iebenen formen ptüHtfcf)cn ISfjriftent^umö ben 28cg sur SIuf= 
flätnng. ^cn SIuÄbrncI bafüt fiat er iDcnigftcnä in äioci 99rtefen 
Don 1677 gcftinben, nämlic^. boij Strcitigtciten über Setjruntei;» 
fd)iebc unb geftftetlung mn notffMtenbigen ©laubcnäitM&r^eiten, 
Welche bie i'ctitc au& btm Siolfe nidit begreifen, nictitÄ roertt) feien, 
ba ouftiditiger ©laube unb unüeifülf^tc yiebe bau Sinjigc fei, 
roorauf e« im 3eili"ei: ber Slpoflel anfant')- Mettimlibig ift bie 
Uebereinftinimung btefet gürberung mit ber 'Definition ber ^rift= 
liefen 5.'oII!ommeu^cit int 16. Slrtitcl be* Slugäburgifc^en iBefennt^ 
niffe*: aber e* ift bod) ein Derfc^tebenec ©inn in beiben Säuen. 
5)ort finb (glaube (ÖJottuertrmien) unb Siebe cingeorbnet in ben 
®ebantciitrei« ber SBerjüItnung burdj tiöriftuä unb ber ©emeinjdjaft 
au bet Strdje. 3" ©pener'« 3*'* »ft biefer 3ufi"""'C"ftinfl längfl 
nic^t mcl)r berfliinbliif), unb bic praftifc^en gorbetungcn nic^t uon 
iljm bet)errfd)t. T^iefctben finb vielmehr gemeint im ©egenfa^ gegen 
bell uiiBerftäublid) gemorbcnen i'eljrbegriff bcr lutt)CTif(^n ftird^e. 
©0 finb fie ©ignole bcr ^tuffläruiig. 

8)ci Fronde finbet bicfe« (älcmcnt cbenfo menig birecten 
aSiberljall. icie bie pcrfönlid)e Xoictanj Spenet'ä. Scnet l)at 
Dielmetjr burt^ feine ©nergie unb feine i>errfi^fü()igEcit bem $ieti«' 
mu5 bie läfiftcni alä 3ortfd|ritt*partei in ber Äirc^e gefiebert. 
5)0äU gef)ijrte bie möglidjfie Slbletjnung ber gjtrdnaganjen, lBcId)e 
bie JRif^tung ;\iinäd)ft ^eiuütgcrufen ^atte, unb eine im ©anÄeii 
pofitiDe Haltung in ber i^eologie. Ülllein ben SJunb mit ber SUiliftit 
tonnte ühc^ brande nic^t ablehnen. 35ie)c iRit^tung aber, foferii fie 
eigentlid) interconfeffioneU ift, bilbet entrcebcr bie ©rüde jum 
Äat^oliciämuö, ober brängt ^uc firttjüi^en Snbiffcrenj ober 9liif= 



1) Consilia Utiua I. i 



372 

üarung. S)te leitete SSirhing l^ot bie 9Rt)fti! cm anfange bed 
18. So^r^unbertd in üoQem äRoge mit fic^ gefülirt. ^t)in ge« 
f)iivt ®ottfrieb %rnolb; aber biefem äRanne fc^Iiegt ft^ eine 
Stetig t)on ©efinnungdflenoffen an, unter benen bie 9lamen üon 
9{ömeling, 2)i^pel unb Sbelmann am belannteften finb 0- ^iefelben 
ma^en ed anf^aulid^, mie bie unmittelbare Sereinigung mit 
®ott, bie fie tt)ert^fd^ä^en, gegen bie SBefonber^it ber d^riftlid^ 
Offenbarung, »elc^e in einer Steige Don SSermittetungen verläuft, 
gleid^giltig ma^t. Snbem fie femer fid^ babei auf bad innere 
2xi)t, ttjeld^e« jebem SRenfc^en beinjotjnt, berufen, erreichen fie bie- 
felbe 3nftanj, n^eld^e ben nüd^temen Siaturen aU gefunbe 9Semunft 
geläufig ift 3)ic ©müd^terung öon bem SRauf^e ber SW^ftit 
tt>el^e niemafe ausbleibt, fü^rt biefe 9D?^ftiter enbüd^ au^ auf 
ben ©oben ber „gefunben SSemunft" hinüber. S)iefe ©ruppe öon 
m^ftifd^en ÄufHärem fte^t, mic gejagt, neben ber ^alle'fd^en 5]^o* 
logenf^ule. ?lber bad übernjiegenbe 3ntereffe berfelben an ^rift* 
li^er ^ayid unb bie Abneigung gegen bie fd^olafttfc^^ariftotelifd^e 
S)arfteQung ber fird^üc^en fictire, tt)orin biefe ©ruppe ben gort* 
f^ritt in ber J^ologie ju einem I)ö^ern 3^^'^ ä" bemirfen fuc^te, 
fü^rt fie au^ fc^on in ber jweiten Generation ju aufftärerifd^er 
®leid^giltigfeit gegen bie fird^Iid^e Segrenjung be^ S^riftent^um^. 
3n biefem ©inne erflärt 3oac^im fiange e^ für eine t^öri^te 
Äntitf)efe, ba man ftatuirt, ®ott fönne unb motte tocber bed 2Äen* 
fd^en §erj jur SBefe^rung, noc^ feinen ^immet jur ÜKitt^eilung 
ber ©eligfeit auffc^Iiefeen, e^ fei benn bei einem SDienfd^en ein ge* 
njiffer abgejirfetter SSorratt) oon 3been nad^ atten ©tüdEen ööDig 
oorf)anben. 3)erfelbe mad^t bie 3Bid^tigfeit einer ße^re öon i^rem 
©influfe auf bie moralifc^e Sefferung abhängig unb fie^t bie ©elig- 
feit nur bann alö gefätjrbet an, menn man bie ©runble^ren ber* 
artig t>erfälf^t, bafe fie ju atter fetigmad^enben ?lppHcation ent* 
fräftet werben •). 3BaS 3Sunber, bafe bie britte ©eneration ber 
^atte'fd^en ©c^ule ber ^auptträger ber Slufflörung wirb, 3>abei 
fann man an geloiffen 5ßerfonen beobad^len, i>a^ biefer ?ßietid* 
mud unb bie SlufRärung fi^ nic^t au^jd^Iiegen, bag fie t)ie(me§r 
inbiöibuett in einanber fliegen. Slbolf griebrid^ ©üfc^ing, ber JBer* 
faffer ber Epitome theologiae ex solis sacris literis concin- 



1) $gl. Zf)olud, G^cf^i^te bcd Slationalidmud I. @. 51 ff. 

2) 3:^oIucf , im ^Tt. ^icHdmu« in ^erjog'« SR®. XI. 6. 656. 




373 



uatae (®öttiiigcn 1756), her ©egner bcr Sierpflidjtüng auf bie 
il(m&i)!ii(^cn Sucher, ftcUt fic^ in feiner SiogcQOtiie ül* ctncn 
2(iami tiür, Weither cbenfo gut pictt(tifft) rote aufEIärerifi^ ju 
nennen i|t, unb 3o[). Salomo Semlet, ber SlufflärungStijeologc, t)at 
feine ßtbauung an intiftif(^cn SJüdicm gcjud^t unb gefunben. 
@rft nnter gan^ anbeten gcfdiicfuliAcn SBerljältniffcn, unb unter 
b«m Sinftuffe gonj anbetet 9Iiuftct ift bet *^ieti*miiö tm lö. 
3af)rliuiibert bfl.^u flcfommeu, bie ?fuf[!ärunfl ali reinen (Jkgcnfag 
Don fid) ielbft jU tictraci)ten unb jit befämpfen. 

50. "Sic 2)i*pofition sur Slufflärung, rodele in bem Söcreict) 
bet lutftetifdjen Äirc^e tn SJeutfdfknb für bic Spocfic feit bcin 
SScftfatifcfjen ^rieben, inSbefonbere für baä 18. 3icif)t^nnbett nac&= 
gcroiefeii ift, enlipictelt fiel) s" si"cr eigenHjüinlic^eii Xfjcologie 
burd) bic roiffenfrftaftlicftcn 3Intricbe, roelcijc bie npologctift^e 
Iftculogie Uon t'eibnilj barbüt- 9Iber bie(e fitimc beä tbeD= 
iDgifc^cn Uinfdjmungcä finb bei Scibnilj noä} «erftecft unter einet 
©eltanfcfiauung, loett^c in objcctiuer unb untDcrfeUct Haltung 
fi(^ mit bet fircöliii)Cii Xtjeologie incffen Eoniilc, unb rocldjc von 
ihrem Urliebcr n[)fid)tlicfi in beftcnnbctc i^etbinbnng mit ber IcBtcm 
gefegt luncbe'l. '^k obfolute Xclcologic ber üon (Sott I)cn)orge= 
bracf)tcn beften Söclt, in tüelc^ct bte gcrtngfte Setregiing il)re 
SSitfung auf bic roeitefte Entfernung crftrcdt, finbet crft rciftt 
ibrc ©eltung in bet fittlit^en SSelt, ber civitas dei. SBie aüt 
Sefen Don ©ott a(* Gentra eigenH)ümlirf)ct Xftätigteit in ber 
aSeife 9cfd)üffen fiiib, ta^ in jcbem bctfclbcrt fid) bet aSJelt■^u= 
fammenliang fpiegelt, unb iijre aStrEungen bonad) ficfi richten, ba§ 
fie in enblit^cr 2Scifc baö Stil Dotftcllen, fo cntl)olten bie geiftigcn 
Seelen ba* Sptincip atlet itttct ^anblungen unb ficiben. 3)ic 
geiftige 5teil)eit berfet&cn iff niemals bic ?l6n)ejen^eit won 3)etermi: 
nation, fonbeni bie 9l(HBcfenl)cit uoti 3™i"9 ""^ Pb^fifdiet *Rött)i= 
gung, bie Spontoneität. 35cnn auc^ bet eigene ftörper unb burc^ 
it)n bie gcfammte Sörpetmclt IvirEt iiic^t beftinitnenb unb nDtI)tgcnb 
auf bie Seele ; fonbern nur bet Schein baüon lüirb babutc^ {jer-- 
uorgerufcn, bofe gcmöft bcm Won ®i)tt gcorbnctert ^araüeliämue 
ber ffleroegungen ber ©ecle unb beä Äörpersi, fflotfteflungcn Don 



1) EuaiB de thäodic^e ai 
et l'origine äa m&l. 1710. 



■ la bonte de djeu, la liberte de Thomme 



374 

bcn ctgent^ümlit^n JBctocgungcn bcr Äörpettüclt bie Seele erfüllen. 
S)iefc aber betoegt fid^ bann biefen SSorfteDungen gemöfe, inbem 
fte juglcic^ nad^ i^ren felbftänbigen SSorftellungen auc^ in bie 
SBelt cinjugreifen t)ermog. S)iefe pröftabilirte .^armonie ber S^cto* 
ren be^ menfc^Iic^en 3nbit)ibuumö üerbürgt al)o bie fpontanc 
grei^eit beffclben burd^ bie Uebereinftimmung aller 35inge unter 
[td^ auÄ bem SBiDen unb ber S33eidf)eit ®otte^, burc^ bie Harmonie 
jtoif^cn SRatur unb ®nabe, j^ifc^en @otte^ Sefc^Iüffen unb unferen 
öortjergefe^enen §anblungen, j^ifd^en allen 'J^eilen ber 9Äaterie, 
jmifc^en bem Vergangenen unb ^uWnftigen. ?luö jener §t)pot^efe 
alfo erjeugt fieibni^ ben entfd^iebenften SSorfel^ung^glauben, inbem 
er jugleic^ bie bemüt^ige unb üertrauenöüoHe Set^ätigung ber g^i- 
l^eit nad^ ber SSemunft unb bem göttlid^en ©ittengefe^e unter ber 
SSebingung öorf treibt, baß aUeS ßufünftige -^njeifelloö betenninirt 
tft, toir aber nid^t miffen, roaö unb warum eS üon @ott befc^loffen 
ift. 2)er JBorfe^ung^glaube befeett auc^ ben pf)iIofopI)ifc^en ®runb= 
fa^ öon Seibni^, baß bie SBett, toie fte ift, üon ®ott at§ bie beftc 
ertoä^It unb gefd^affen ift, unb baß bie Jt)atfac^e ber ©ünbe unb 
il^rcr Verbreitung unter ben SRenfc^en bagegen nid^t eingemanbt 
n)erben bürfe. „3!)enn baö S3öfe, öerglic^en mit bem ®uten, fann 
für 9W^tÄ geachtet werben, wenn bie wirflid^e @röße be^ Steid^eS 
®otted in Setrad^t gejogen wirb". Unb wie ®ott nidE|t um^in 
fonnte, bie weltlid^en S)inge unüoHtommen ju fd^affen, alfo bie 
äKenfd^en mit ber SKöglid^feit ju fünbigen, unb wie er bie 5ßer= 
wirHic^ung ber ©ünbe jugelaffen f)at, fo ^ält er ba§ moralifd^e Söfe 
in feiner §anb, inbem er eö jwar nic^t aU ba^ birecte 9D?itteI jum 
®uten, aber ald bie conditio sine qua non be§ öeften will. 

S)aß fieibni^ burd^ biefe Sel^auptungen fidE) nid^t ber ftreng- 
ften S3eurtt|ei(ung ber ©ünbe begiebt, bewäf)rt er burd^ feine 9ln^ 
erfennung be^ ®ebanfen§ ber ewigen §öttenftrafen. X>ie Urheber 
beö Jiaturrec^tg im 17. 3a^rf)unbert, ©rotiu^ unb .^obbe§, weld^e 
ben ©taat alö bag SUüttel jum Qwcd beö inbiüibueHen SWenfd^en 
barfteDcn, l&aben bemgemäfe aud^ ben ©egriff ber Strafe im Staate 
auf bie relatiöc SBebeutung ber Sefferung ober ber 9fbfd^redEung 
bcr cinjcinen SÄenfc^cn t)inau§gefüi|rt. S)aB biefe Setra^tung^- 
weife nic^t au^ in bie religiöfe SBeltanfdiauung einbringe \), Der- 

1) (Srottud bc^It freiließ bie btoö ücrgcltcnbc Strafe cjcrabe bcr ®c= 
rcc^tiflfcit OottcS öor, inbctn er fic al8 ungiltio für bcn ®ebrauc^ ber 3Kenf(ftcn 
barfteOt. 




375 

' niDi^te Scibiiiß gcrabe butd) icine Slnfic^t ju Uccliinbem, bofe baä 
Meid) QlotteS Sclbfläiucrf ift. ^tieraii* folgte, bofe jur 3[iifrc(^t= 
Haltung bcv Orbnung (Sott eine ©ttöfgcrec^tigtett j^iiFomme, loelc^c 
lebiglict) bie SHürfficfjt bcr Sicrgettiiiig imb ntd)t bic ber Scffcvung 
jH ncl)men [)at. ©rgiebt fid) itämlid) aiiö bet ^Borauäfegung 
ber grci^eit bct '^ü. bafj ein ÜSitle enbgiUig im iSiinbigen uer= 
^orrt, fo eiitjpri(^t nur bie Joribauer ber Strafe für bie fottge' 
fe&te ©ünbe betjciiigeii Si^idlicl)tcit, burrf) loeldje lueife ffleobadjtct 
befriebigt roerben, nämtid) fotc^c, mcldie in bcr Orbiiung be§ SRcii^c« 
©ottcä bcii 3tiiSbrud beffcn iiidjen, bofe baffelbe für fic^ felbft 
3tDecf ift- Saö ©c^idfal ber enbtofcn ©träfe, nictc^eS Siiijelnc 
oljnc Slusficfit auf Sefferung trifft, begrüiibet OHd| teineii 3Sibcr= 
ffrud) gegen bic ^iorau'Äfc^ung bcr beftcn Sßelt. ba 33cräuberungcii 
eiiijelner iljrcr ^[|ei(c äuni Unwollfommciicn unb Sc^ledjtcrn, a((i) 
eine ffienwirrung in gemiffen X()cilen, bcr *Sr()oltung beS ©onsen 
im bcflen ^uftanbe nid)t äumiberlöuft, in bicfcin gälte aber gerabe 
jHni3wdc bcr allgemeinen Drbnnng bient. Seibnig erörtert biefe 
Snrocnbiing bcr ucrgeltciibcn ©crec^tigtcit @Dtteö nic^f ebne neben 
bcr Strafe aud) bie Selo^nung aU Slrt berfelben anjucrfeiiitcn. 
3nbcm er nud) nid)t umi)in fann, biejcn Siegriff als Gorrclat ber 
mcnfc^licficn 55ifitlfit i» bctjaupteit, fo ift er bod) rocil entfernt, 
babnri^ bcn t^rifflidjen ©cbontcn bcr (Snabc auäjuft^ liefen, ba er 
ja bic ?[bftiifung Don 9iatuv unb ©nabc in ber Don it)m bc= 
l)Quptctcn äioedmäfeigfcit ber fittli(t)cii Söelt au^brürflic^ aiicrtcnnt. 
Slfan roirb nlfo liieran^ nud) folgern bürfen, ba5 Seibniß 
ben Crt für bie Scr(öt)nnn9elet)rc offen läfet, unb feine t^cologifc^en 
©cftülcr ^aben heäljalb biefe 2cl)rc audbriidlic^ Dcrtt)eibiflt. Seboc^ 
ftat er ben begriff ber Sünbe, inäbcfonberc baS SScr^ältniß 
jlBiftlien ber inbioibuetleii unb ber angeerbten Sünbe anbcr* bc= 
ftimmt. alö eS in bcr firtölid)cn ßet)re ftcrgcbradit mar, unb ba= 
burd) bie '^rämiffcn beö äUerfÖtjnungäbegriffS )o uerfi^oben, baft 
üon bfll)cr bie icfilicfelic^e 3'^ftörung be* Ic^tern bnrd) Sdl"l« 
Don 9Bolf erflärlid) loirb. Ceibm^ begreift bic grseugung aller 
befcelten SSefen aU Umbilbung unb 9JcrmeI)ruug einer organifdien 
^räformation, in inclcftcr f^on oor bcr (ärjeuguiig bie Seele an« 
gelegt ift, wie er umgetel)rf feine föfifteiij Doii ©celcn o[)ne jeben 
Äörpcr benft. demgemäß nimmt et an, bafe bie juKinfttgen menfi^= 
äfen ©eelen in bcm ©amen cntl)alten feien, fo bafe fie Don Slbam 
■ in einer 8Irt oon organifd)em Äörper cjiftirten, unb bofe fie 



376 

in ber Srjeugung burd^ fc^öpfertfc^en %ct &ottt^ mit Vernunft 
au^flcftattet tocrbcn. 9Son 2tbam ^er toürbcn alfo bic menfc^Iid^cn 
©cekn bie ©ünbc an fid^ ^abcn, ju ttjelc^cr jcboc^ bie SScrnunft 
ftd^ qIä eine neue Sßonfommcn^eit t)crt)iettc. 35urd^ biefen ?Jor= 
btifolt nun giebt Seibnife ber SßorfteHunfl üon ber ©rbjünbe eine 
SBenbung, »cl^e öon ber Drt^obojie mefentlic^ abmeiert. 6r 
[teilt bie grage auf, ob bie ©rbfünbe an fic^, o^ne i^re ^olgc» 
in ber fünbigen ^anblungöweife au^juüben, jur emigen Serbamm- 
nife fü^re. S)a§ er fic^ öon biejem Srfolge bei ben ungetauft 
fterbenben Äinbem nic^t überjeugen fann, bafür burfte er fic^ auf 
SSorgänger in ber fat^olifc^en wie in ber eöangclifc^en Sirene be- 
rufen. ?lber er finbet cä ferner ^art, biejenigen ®rtpac^fenen ber 
ewigen SSerbammnife ju überanttuorten, welche gemäfe ber Steigung 
ber ücrberbten 9?atur in ©ünben ftürjen, ot)nc bafe i^nen (Knaben* 
l^ilfe }u J^eil wirb. 3)enn fie t)aben nur getf)an, waö fie ni^t 
öer^inbem fonnten. 3)iefe Semerfung fonnte i^cibnitj burdj bic 
Äuctorität eöangelifc^er S^eotogen nic^t beden; inbeffen boten 
i^m fat^olifc^e 5^eologen, welche für bie ©eligfcit ber Reiben 
beforgt waren, Unterftü^ung für ben ©afe, baß, wo bie Äenntnife 
öon ©l^riftuö fef)Ie, ®ott bie ©eligfeit benen öerleif)e, weld^e, fo== 
Weit i^re menfd^Iic^e gätjigfcit reichte, fic^ beö @utcn befliffeu 
l^aben. 3Beiter^in giebt ßeibni^ jwar ju, i>a% biejenigen, welche 
bic Gelegenheit jur S^eue, aber bennod^ feinen guten SESillen t)aben, 
leine @ntf c^utbigung erfahren fönnen ; allein er regt boc^ bic gtagc 
an, warum ®ott itjnen nic^t ben guten SSäitlcn jur ©efferung 
üerteitjc, fonbem fie fogar in bem böfen SBiÜen öer^ärte. Snbem 
er nun biefe 3Sirfung auf ben Sinflufe ber Umftänbe äurücffät)rt, 
bie ate fold^e nur in ber allgemeinen SSertettung ber Urfac^cn gc== 
grünbet finb, fo Vermag er fid^ auö bem S)ilemma öon ©rwäf|Iung 
unb SSerftodung ber (Sinjdnen nur baburc^ I)erau§äufinben, bafe 
er bie, we